Sebastian Dörfler
29.05.2010 | 12:00 3

Ein neues Logo für die "British Polluters"

Rebranding Ohne Bilder keine Katastrophe: Das Öl sprudelt ins Meer, doch das Logo von BP leuchtet immer noch grün. Greenpeace ruft zum "Rebranding" auf

Das Modell der Piraterie mag in Somalischen Gewässern eine kleine Renaissance erfahren haben. Zeitgemäßes Entern heißt allerdings „Rebranding“. Was früher die Flagge war, ist heute das Logo eines Konzerns. Im Idealfall schippert das nicht nur über die Weltmeere, sondern ist überall präsent. Will man also dauerhaft an das Image eines Konzerns, dann entert man einen Firmensitz, bringt ein neues Logo in Umlauf und hofft, dass es sich im Gedächtnis der Welt verankert. So geschehen vergangene Woche in London. Greenpeace-Aktivisten haben das BP-Hauptquartier gestürmt und per Flagge ein neues Logo gehisst. Denn die leuchtend grüne Sonne passe nicht mehr zum Image des Konzerns. Spätestens jetzt, zur Ölpest im Golf von Mexico, soll das Logo ölverschmiert sein.

Mit der Aktion in London startet Greenpeace einen Wettbewerb zum „Rebranding“ des BP-Logos. Die drei besten Einsendungen werden die internationale Kampagne gegen BP zieren. Das mag alles ein bisschen hilflos erscheinen, macht aber deshalb Sinn, weil BP bisher durch den massiven Einsatz von Chemikalien verhindern konnte, dass die typischen Bilder von ölverschmierten Landstrichen und Tieren überhaupt erst entstehen. Und ohne diese Bilder gibt es eben auch keine Katastrophe. Zähneknirschend hat BP jetzt einen Livestream eingerichtet, damit sich auch die Öffentlichkeit ein Bild von der Katastrophe machen kann. Doch erst langsam schwappen die ersten Wellen Öl auf das Festland und in die Fernseher. Die Kampagne will über das Logo jetzt eine dauerhafte Verknüpfung erstellen, die in unseren Köpfen noch nicht angekommen ist, oder zu schnell wieder verschwindet. „BP“ soll ersten Logo-Einsendungen zufolge in Zukunft nicht mehr für „Beyond Petroleum“ stehen, sondern für „Burning Platform“, „Blind Profit“, oder „British Polluters“.

Kommentare (3)

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2010 | 19:48

Mit Petrobras wird der ganze Spaß erst doch so richtig interessant werden.
Die wollen ja in 4.340m vor der Küste Brasiliens bohren, in einem noch viel ergiebigeren Ölfeld. Die Bedingungen die da unten herrschen sind einfach nicht zu kalkulieren. So gibt es bspw. Probleme mit dem Transport aus dieser Tiefe, denn bei den Wassertemperaturen kristallisieren Bestandteile des Rohöls aus und könnten die Leitungen bersten lassen. Enorme Strömungen und zig andere Variablen sorgen für Abwechslung. Brasilien steuert seine Wirtschaft direkt auf eine Abhängigkeit von Ölförderungen zu. Der Präsident sprach von einer Wohlstandssicherung durch Öl.

Nachdem sie mit Ölförderungen im Regenwald Probleme bekommen haben (durch die internationale Staatengemeinschaft) soll nun die Tiefsee ran.

Die westlichen Industriestaaten, müssen diesem armen Land Alternativen aufzeigen, sonst ist die nächste Katastrophe vorprogrammiert.