Absurder geht es kaum

Pakistan/USA Nach dem Attentatsversuch auf dem New Yorker Times Square hat die US-Armee begonnen, für den Wiederholungsfall gezielte Vergeltungsaktionen gegen Pakistan vorzubereiten

Schon im Wahlkampf hat Barack Obama 2008 zu verstehen gegeben, er halte Militärschläge gegen Pakistan für geboten, falls von dessen Territorium eine Gefahr für die Vereinigten Staaten ausgehe. Sollte aus diesen Absichten inzwischen eine Präsidenten-Order geworden sein? Auf jeden Fall hat die Washington Post gerade unumwunden mitgeteilt, die US-Armeeführung befasse sich mit Angriffsplänen gegen den strategischen Partner. Die Ermittlungen nach dem Attentatsversuch auf dem New Yorker Times Square vom 2. Mai hätten ergeben, der Täter Faisal Shahzad kontaktierte islamistische Netzwerke in Peschawar und Quetta. Da sich ein solcher Anschlag wiederholen und fatale Folgen haben könne, müsse man zum Gegenschlag gerüstet sein.

Dass es vorrangig Sache des pakistanischen Staates sein sollte, derartigem Verdacht nachzugehen, scheint a priori zweitrangig oder völlig ausgeschlossen. Es gilt als gesetzt: Die Souveränität des Landes ist Treibgut im rechtsfreien Raum, die Regierung eine schwache Instanz ohne Autorität, die Armee ein unsicherer Kantonist, weil islamistisch unterwandert – das paschtunische Grenzgebiet zu Afghanistan talibanisiert. Das mag alles sein und die amerikanische Regierung stören, doch kann es keine Angriffsoption gegen einen Alliierten rechtfertigen. Wie solche Pläne der US-Generalität die Partnerschaft zwischen Washington und Islamabad belasten, liegt auf der Hand. Was sie über die Ernsthaftigkeit des ab 2011 angekündigten Abzugs aus Afghanistan aussagen auch. Die Washington Post spricht von Luft- wie Raketenangriffen und dem Einsatz von Drohnen. Wo stehen deren Abschussbasen? Wo starten die Flugzeuge? Aus welchen Depots beziehen sie ihre Bomben-Fracht? In Betracht kommt nur afghanisches Gebiet, um Pakistan in Schach zu halten. Absurder geht es kaum, es sei denn, Obama meint mit seiner Exit-Strategie nur einen höchst dosierten Ausstieg. In Wirklichkeit steht der US-Armee Afghanistan (wie im Übrigen auch der Irak) noch auf Jahre als Brückenkopf zur Verfügung, der sie jederzeit operativ handeln lässt. Notfalls gegen Pakistan, das sich der ­Taliban als fünfte Kolonne in Afghanistan bedient.


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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen.

Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zur Wochenzeitung Freitag. Dort arbeitete es von 1996-2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

Lutz Herden

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