Lutz Herden
06.06.2010 | 14:05 118

Kalter Krieg wird präsidiabel

Joachim Gauck Die Nominierung des Präsidentenbewerbers von SPD und Grünen wirkt verstörend. In einer Zeit des Demokratie-Schwunds wird ein Erneuerer gebraucht, kein Restaurator

Hätte sich die Linkspartei den historischen Ritterschlag abholen können? Hätte sie den Präsidentenbewerber von SPD und Grünen nicht auch zu ihrem Kandidaten erklären sollen? Vom Rudel fortgerissen werden, ab sofort mit den Wölfen heulen, ankommen auf dem Trampelpfad des taktischen Kalküls – ist das nichts? Ein Bekenntnis zum pensionierten Akten-Zar versprach Absolution und Ankunft im rot-grün-roten Bereitstellungsraum. Abordnungen der Linken wäre es demnächst möglicherweise erspart geblieben, statt über die Zukunft eines Bundeslandes wie Nordrhein-Westfalen verhandeln zu dürfen über die DDR-Vergangenheit examiniert zu werden. Kurzum, winkte das Elysium totaler Koalitionsfähigkeit, bis Gesine Lötzsch und Klaus Ernst abwinkten, als ihnen der Name Gauck unterkam? Um eines gleich zu sagen: die beiden Parteivorsitzenden verweigerten sich allein deshalb zu recht, weil die Linke auf der Suche nach dem Aspiranten der Opposition nicht beteiligt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt wurde.

Doch davon abgesehen – Lötzsch und Ernst könnten unter der Scheuerleiste ins rot-grün-rote Miteinander rutschen, von der DDR-Geschichte – oder besser – vom heutigem Umgang damit würde ihnen nichts geschenkt. Solange sich Grüne und Sozialdemokraten mit Vorliebe als Gegner aufführen, um den potenziellen Partner auszubooten, werden sie die Linke damit stigmatisieren und disziplinieren. Dafür bürgt die Bestellung des Pfarrers aus Rostock. Wofür sonst? Es lässt sich – außer vielleicht Marianne Birthler und Wolf Biermann – kein Besserer finden, der hält, was er zu Zeiten seines Direktorats in der Akten-Behörde stets von Neuem versprach: einen unversöhnlichen, jedes Differenzierungsvermögen aussparenden Blick auf all das, was einst DDR hieß oder war. Daran scheiden sich die Geister. Sollen sie auch. Wer in dieser großen Kapelle seinen kleinen Ton pfeift, ist im Orchester. Wer nicht, bleibt Störfall und draußen.

Joachim Gauck hat viel dafür und wenig dagegen getan, dass von den Stasi-Akten tagespolitisch Gebrauch gemacht wurde. Oder glaubt jemand – um nur ein Beispiel zu nennen – allen Ernstes, der Schriftsteller Stefan Heym wäre je unter Stasi-Verdacht geraten, hätte er seine vehemente DDR-Kritik durch brüske Delegitimierung der PDS angereichert? Stattdessen wurde er 1992 zu einem Begründer der „Komitees für Gerechtigkeit“, die mehr soziale Balance und historische Gerechtigkeit beim deutsch-deutschen Vereinigen anmahnten. Der Autor von Fünf Tage im Juni – des Schüsselromans über den 17. Juni 1953, der in der DDR nicht erscheinen durfte und dem heute kolportierten DDR-Bild doch in so vielem widerspricht – konnte sich prompt vom Leistungswillen der Gauck-Behörde überzeugen. Keine 48 Stunden, bevor er im November 1994 als Alterspräsident und mit PDS-Mandat den 13. Deutschen Bundestag eröffnen wollte, sah sich Heym in den Geruch der Kollaboration mit dem DDR-Sicherheitsapparat gebracht. Die Nachricht, er habe 1958 im Fall des Gewerkschafters Heinz Brandt der Stasi zugearbeitet, kam aus Gaucks Behörde, war windig von Anfang an und bald erledigt, aber reichte aus, einen Schatten auf die Person und ihren Auftritt zu werfen. Der Herbst-Revolutionär Heym durfte kein Nachwende-Revolutionär, schon gar kein Sozialist sein. So haben wir nicht gewettet, gaben einstige Gönner zu verstehen, die ihn 1989 auf Händen vom Spiegel-Feuilleton zu den ARD-Talks und wieder zurück getragen hatten.

Dass einer sich treu blieb und eine andere als die vorherrschende Gesinnung zeigte, war nicht comme il faut. Heym hatte sich eines Sakrilegs schuldig gemacht. Er wollte ostdeutsche Biografien nicht geschleift und unter den Generalverdacht eines schmierigen Opportunismus gestellt sehen: Ein Volk von Spitzeln und Kriechern, das in 40 Jahren nichts weiter zustande brachte, als sich von einem neurotischen Sicherheitsdienst in Schach halten zu lassen. Wie tief muss es den Hut ziehen vor den Segnungen, die ihm die freiheitlich-demokratische Grundordnung gewährte? Wie dankbar sollte es sein. Wie entschlossen muss Rückfällen vorgebeugt werden, wofür Gaucks Dienststelle gern aufkommen wollte. Bediente sie doch eine antikommunistische Geisteshaltung, die in der Bundesrepublik seit 1949 über politische Salonfähigkeit, Freiheit oder Unfreiheit, Aufstieg oder Fall entscheidet.  Seit die Stasi-Akten geöffnet, gelesen und genutzt werden, kursiert der Eindruck, der Kalte Krieg sei nur von einer Seite geführt worden. Die andere war edel, hilfreich und gut. Wer sich auf seine Erinnerung beruft, gegen den wird er notfalls weitergeführt.

Insofern ist die Nominierung von Joachim Gauck sehr zeitgemäß und eben deshalb ein restauratives, fast schon erschlagendes Signal, das zeigt, wie stoischer Antikommunismus als Staatsräson vereidigt wird. Und wie wichtig – immerhin 20 Jahre nach ihrem Tod – die Delegitimation der DDR geblieben ist, um heutige Zustände und Personen (wie Gauck) – zu legitimieren? Auch. Vor allem aber moralisch zu überhöhen. Aufschlussreich, dass dieses Signal zuallererst von den Grünen kommt. Die Demokratie degeneriert zur Vollzugsanstalt vorgeblich unkontrollierbarer Wirtschaftsmächtigkeit und hat so gut wie  nichts mehr mit dem Willen und Interesse des Souveräns zu tun, braucht also dringend Erneuerung – und dann wird ein Mann geholt, der aus dem Gestern kommt. Von Gauck ist keine Kritik an diesem Aderlass bekannt. Aber so vieles andere eben.
 

Kommentare (118)

wolfstern 06.06.2010 | 19:13

Der Freitag - wie stets - kein mainstream, keine Ideologie, sondern Fakten pur. Danke! Mir wird übel bei der medialen Beweihräucherungsorgie für einen selbstsüchtigen Möchtegernpolitiker und Mitspieler der Nachwendezeit, der doch nur willfährig die Drecksarbeit, die Kohl Co. nicht wollten, an sich gerissen hat. Dafür kassierte er Ehre, Ruhm und Sold. Und nun auch noch das Bundespräsidentenamt? SPD und Grüne geschichtsvergessen wie eh und je. Gauck steht maßgeblich dafür, dass "Vergangenheitsaufarbeitung" als Skandalchronik stattgefunden hat, undifferenziert, ahistorisch, rachsüchtig. Das schlechte Image der Ostdeutschen- er hat maßgeblich daran mitgestrickt. Ein Staatsmann mit Profil? Nein. Ein Repräsentant aller Deutschen in der Welt? Nein.

SchmidtH. 06.06.2010 | 19:36

Auf zum letzten Gefecht möchte man ausrufen, wenn man analysiert, hinterfragt, warum eigentlich im Jahre 2010 Joachim Gauck, der Pfarrer, der glänzende Rhetoriker und eingefleischte Antikommunist, für ein Amt nominiert werden soll, welches in der jetzigen Zeit Zuversicht, Mut vermitteln soll?
Allein der Sparzwang, das Bundespräsidialamt mit dem einer "Gauckbehörde" zu verschmelzen, kann nicht der Grund sein.

Der Kapitalismus, eine Wirtschaftsideologie des Neoliberalismus (Neoklassik) hat abgewirtschaftet. Nicht das erst mal in der Geschichte. Die Welt steht nahe am Abgrund. Lösungen, Alternativen, Hilfen stehen nach herrschender Auffassung nur in soweit- wenn überhaupt – zur Verfügung, wenn sie innerhalb des Systems vonstattengehen. Doch auf der linken Seite des politischen Spektrums hat sich eine Partei etabliert, die nur durch ihr Vorhandensein schon Panik auslöst. Wie kann man diesem Spuk ein Ende bereiten? Die bisherigen Versuche sind fehlgeschlagen, die Linke fährt Erfolg auf Erfolg ein. Selbst die so ungewöhnliche Selbstkritik von höchster Stelle konnte daran nichts ändern.

Also muss eine Person her, die qua Amt schon gehört werden müsste, wenn sie nur – kräftigst und lautstark unterstützt von gewissen Medien, aber auch Parteien - den moralischen Hammer schwingt, den immer noch die überwiegende Mehrheit der Bundesrepublik Deutschland mit der Muttermilch aufgesogen hat, nämlich diesen Antikommunismus deutscher Prägung. Krankhaft und unerbittlich.
Eines wird deutlich. Der Kapitalismus kann ohne Feind nicht existieren, letztendlich überleben. Angst wird als Mittel genutzt, um die Masse auf Linie zu halten.

Nur kann, darf dies überhaupt Aufgabe des Bundespräsidenten sein, jener Institution, die – nehmen wir nur den Satz von Johannes Rau – „VERSÖHNEN statt SPALTEN“ sollte? Eine über die Vergangenheit hinweg in die Zukunft gerichtete Aufgabe? Nein, ich glaube nicht.

Dennoch glaube ich, die „Linke“ ist gut beraten auf dieses miese Spiel einzugehen, und den Spieß umzudrehen. Ohne eigenen Kandidaten ins Rennen um das höchste Amt gehen und im ersten Wahlgang geschlossen für Joachim Gauck stimmen. Sollte dieser Coup gelingen, wäre die Chance für den Kandidaten von Rot/Grün Joachim Gauck gleich die Mehrheit in der Bundesversammlung zu erreichen, so groß wie sie nie mehr in den - wenn erforderlich – nächsten Wahlgängen wäre. Alle wären entlarvt, blamiert und ein politisches Beben würde durch Berlin gehen und wäre spürbar.

Auch die Linke könnte zu Recht darauf verweisen, obwohl nicht unser Mann, wir haben ihm die nötige Mehrheit verschafft. Damit haben wir keine so großen Schwierigkeiten, wie immer unterstellt.

Also LINKE springe!

wwalkie 06.06.2010 | 21:58

Also LINKE, springt bitte nicht. Tut uns das nicht an, einen Präsidenten Gauck eine präsidiale Periode lang ertragen zu müssen! Diesen protestantischen, über jeden Selbstzweifel erhabenen Diskurs mit medialer Lobpreisung ad maiorem gloriam dei et capitalem erspart ihr uns bitte..., hört ihr!? ich will nicht täglich lesen und hören: Kriegseinsätze werden schrecklich sein, aber leider nötig. Einschnitte ins "soziale Netz" tun einem Christenmenschen weh, aber haben wir nicht auch eine Verpflichtung der Gemeinschaft gegenüber? Nie wieder Stasi, aber keine Freiheit für die Feinde der Freiheit! Usw. usw.

SPD und Grüne überholen sich mittlerweile selber. Früher hieß es: Links blinken und rechts überholen. Heute wird nicht einmal mehr geblinkt. Warum auch? Sie werden auch so gewählt.

zelotti 06.06.2010 | 22:23

Man muss einfach sehen, dass Gauck ein aufrechter Mann ist, der für das Amt die richtige Person ist, während es Wulff eben nicht ist und vdL schon gar nicht. Ich denke, dass die Aufarbeitung unter Gauck richtig und ordentlich lief, ganz anders als in anderen Ländern Osteuropas. Und vor allem ist Gauck parteiübergreifend anerkannt, das ist ideal für das Amt.

Wenn Antikommunismus Ablehnung der Zone heisst, dann wird es einfach sein einen breiten gesellschaftlichen Konsens zu finden. Erst recht ein Kommunist muss dieses Besatzerregime verabscheuen, das den Sozialismus in Misskredit gebracht hat.

SchmidtH. 06.06.2010 | 22:51

Gut, dann müssen Sie aber auch sagen, dass Sie sich mit einer politischen Leerstelle namens Wulff, Christian, einer Kanzlerin Merkel, einem Vize-Kanzler Westerwelle zufrieden geben, weil Sie sich am verdammten, intriganten Spiel um die Macht nicht beteiligen wollen, also sich jeder Option - wenn auch nur kleinen - zu regieren, berauben wollen.

Wenn ich Bodo Ramelow richtig verstanden habe, will er erst im 2. oder 3. Wahlgang darüber ernsthaft nachdenken.
Wie steht im morgigen Tagesspiegel geschrieben:

"„Wenn Herr Wulff in den beiden ersten Wahlgängen keine Mehrheit bekommt, behalte ich mir vor, was ich im dritten Wahlgang mache“, sagte Ramelow dem Tagesspiegel. Bei aller berechtigten Kritik an Gauck gelte: „Wenn Herr Gauck den Willen hätte, mit uns ernsthaft zu reden, dann müssten wir uns dem Gespräch stellen.“

Das halte ich mit Verlaub für keine gute Idee. Denn so wird es voraussichtlich nicht laufen. Wer auf einen Überraschungseffekt, auf eine Überrumplungstaktik verzichten will, braucht sich dann aber nicht beklagen, wenn er wieder in seine scheinbar wohlige Ecke gestellt wird.

Übrigens sollte hier aufmerksam beobachtet werden, wer sich besonders vehement für Gauck stark macht, die Kampagne forciert. Die Springer-Medien. Hier geht es nur vordergründig um den Kandidaten, die eigentliche Stoßrichtung ist Angela Merkel. Eine Art Merkel-Dämmerung beginnt. Die viel beschworene schützende Hand scheint einen Sinneswandel zu vollziehen. Aber wenn das alles keine Rolle spielt, dann muss man sich so verhalten, wie erwünscht. Nur der Wähler goutiert keine Träume vom Systemwechsel, er erwartet tatkräftiges, alternatives Handeln im System. Ob man es mag oder nicht, so tickt dieses Land.

Das ist aber nur meine unmaßgebliche Meinung.

ebertus 06.06.2010 | 23:06

Der Freitag bringt es, meine (mangels journalistischem Vermögen) ungesagten Worte. Und wie Stefan Heym (als Mohr, der seine Schuldigkeit getan hatte) vom politischen und medialen Mainstream dann mitgespielt wurde, das habe ich nicht vergessen. Ja, es gab viele dieser Mohren in der Nachwendezeit, als die FDJ-Sek's etc. sich anschickten, gaaanz unschuldig in den (erweiterten) GroKo-Parteien nun die neue Demokratie bauen zu wollen. Keinen (grab your own nose) Blick zurück, versteht sich.

Viel nachzulesen hier:

www.jugendopposition.de/index.php?id=1421

Und mehr als z.B. bei Biermann daraus, ganz subjektiv:

www.jugendopposition.de/index.php?id=1005

Als Nicht-DDRler, als West-Berliner bin ich immer noch "dort", während andere, damalige, auch mir persönlich bekannte, sich nun unter kapitalistischen Rahmenbedingungen tummeln, im Hamsterrad bzw. im goldenen Käfig laufen, alternativlose Sachzwänge erkennen (müssen); erst mal und vollkommen wertfrei angemerkt...

Skepsis 07.06.2010 | 00:37

Es ist doch ohnehin offensichtlich, dass wir nach dem Fall der Mauer nicht etwa in eine Ära der "Reformen" eingetreten sind, sondern in ein Zeitalter der "bürgerlichen Restauration".

Den deutlichster Ausdruck dieser Geisteshaltung findet man in der Architektur: Der Abriss des "Palastes der Republik" und der geplante Wiederaufbaus des "Berliner Stadtschlosses" an gleicher Stelle! Restauration und Geschichtsklitterung pur!

Joachim Gauck wäre der dazu passende Präsident - wie auch Köhler und Herzog ist er in seinem Denken fest in der Welt und den Wertmaßstäben des "kalten Krieges" verhaftet.

apatit 07.06.2010 | 08:52

Sehe ich auch so. Der Bundespräsident soll versöhnen statt spalten. Joachim Gauck ist darum der falsche Mann und er wäre auch am falschen Platz. Für mich unerträglich, seine totalitäre Aufklärung. Undifferenziertes Agieren beim Begriff der Diktatur. Das ist zwar modern wenn man vorgibt die christliche Kultur zu retten, greift aber zu kurz. Verdächtig sind mir auch seine Aussagen und Wirken, die göttliches Werk sind, er ist der Vollstrecker. Kohl spürte auch das Wunder Gottes - bei dem wehte der Mantel Gottes durch die Geschichte, wo man zuspringen muss und ihn festhalten sollte. Kann sein das Gauck auch so eine Eingebung hat, geistliche Gauckler gibt es schon zu viele in Deutschland. Ein Repräsentant aller Deutscher in der Welt, dafür bedarf es mehr.

SiebzehnterJuni 07.06.2010 | 10:14

"...Der Autor von Fünf Tage im Juni – des Schüsselromans über den 17. Juni 1953, der in der DDR nicht erscheinen durfte und dem heute kolportierten DDR-Bild doch in so vielem widerspricht – konnte sich prompt vom Leistungswillen der Gauck-Behörde überzeugen...."

Seit 1993 weiß man doch, dass nichts von dem stimmt, was Heym da geschrieben hat, nichts!!

Siehe z.b.: Gerhard Beier/Wir wollen freie Menschen sein/ der 17.Juni: Bauleute gingen voran.

misterl 07.06.2010 | 10:56

Liebe Jayne.

Den letzten Absatz von SchmidtH wiederhole ich gerne.

Also LINKE spring

Denn es geht um mehr als perönlich gefühlte an sich egoistische Selbstverleugung aus falschem Stolz. Heute wird die Handschrift der Gelb/Schwarzen sichtbar und es wird sichtbar werden, dass diese Koalition bei denjenigen zu aller erst sparen wird, die per Kassenlage ihre Kinder in der Suppenküche (mit-)versorgen lassen müssen.

Ein Präsident der paralemtarischen Opposition gegen die faktische Regierungsmehrheit ist nur ein weiterer (aber sehr starker) Riss in diese Koaltion der Inkompetenz und sicher ab heute auch des Grauens.

...das schmälert den Verdienst des Autors in keinster Weise. Allerdings verletzter Stolz ist kein guter politischer Ratgeber. Er wird den Zulauf an die Suppenküchen nicht verhindern helfen.

apatit 07.06.2010 | 11:46

Pius XI erklärte 1937 in seiner Enzyklika " Der Kommunismus ist in seinem innersten Kern schlecht, und es darf sich auf keinem Gebiet mit ihm auf Zusammenarbeit einlassen, wer immer die christliche Kultur retten will. ( Das will auch Gauck so ) Eppelmann wollte dann " Schwerter zu Pflugscharen ", nur seine Worte zum führenden Rüstungsstaat Deutschand, ist nicht mal eine " Mäusepipsen"! Dann noch ein Geistlicher, ich glaube es war Erzbischof Robert Zollitsch, der hat mit Gott Mauern übersprungen... und die Helden von 1989 waren das Fußvolk des Allmächtigen. Das ist mir zu viel " Christliche Nächstenliebe " und dann noch ein Bundespräsident als Anführer der " Kreuzritter" - nein Danke.

martinscott 07.06.2010 | 12:56

Guten Tag, aber auch entschuldigung: Wenn Sie möchten, dass ich Ihren scheinbar-klugen Artikel auch verstehe, dann würde ich sie höflich bitten, dass Sie bei Ihrer nächsten Verfassung die Inhaltsvermittlung vor der Anreihung von scheinbar schlauen Metaphern, Redewendungen usw. stellen. Meinetwegen entlarvt mich mein Kommentar als nicht ganz so Schlauer - ich bin aber, ehrlich gesagt, anderer Meinung. ;-)

Gefährlich halte ich allerdings, dass Sie in der medialen Steuerung scheinbar demokratischer Prinzipien mitspielen. Im Klartext: Sie schreiben, dass die Linkspartei alleine schon deshalb den Kandidat Gauck ablehnen MUSS, weil sie ihn nicht mit aussuchen durfte. Mit Verlaub - das ist Ihr Demokratieverständnis?! Das ist sau-gefährlich, was Sie da schreiben und, natürlich, leider die reale Erfahrung unserer demokratischen Gewohnheiten. Ich behaupte allerdings, dass diese längst nicht so ausgewuchert wäre, wenn "die Medien" sie nicht auch noch pushen würden. Damit meine ich: Merkel Co. stünden längst nicht unter dem Zugzwang einer geschlossenen "Wahlleistung", wie sie nun stehen, wenn die Medien nicht schon seit einer Woche an dieser die angebliche "Koalitionsleistung" ablesen wollten. Ich bitte Sie: Machen Sie da nicht mit!

Und, bitte, schreiben Sie verständlicher. Danke.

koslowski 07.06.2010 | 13:14

Ich habe im FREITAG selten einen Artikel gelesen, der so unversöhnlich, ja so voller Hass gegen einen politischen Gegner agitiert.
Der Gauck, den Herden beschreibt, scheint der Gauck jener zu sein, die 20 Jahre nach dem Ende der zweiten deutschen Diktatur die Zeit gekommen sehen, die schöne Illusion einer legitimen DDR wiederzubeleben, und jene zu verachten, die durch ihre Biografie und durch ihre Arbeit nach der Wende die Restauration dieser Illusion behindern.
Eine Linke, die in Gauck eine Symbolfigur des Kalten Krieges sieht und seine Nominierung als Beweis für den Fortbestand des Antikommunismus als deutscher Staatsraison interpretiert, eine solche Linke hätte nichts gelernt und versänke zu Recht in der politischen Bedeutungslosigkeit.
Mir imponiert an Gauck die Konsequenz seines aufrechten Gangs in der alten DDR und sein Einsatz für die kritische Aufarbeitung ihrer Geschichte. Als Kandidat von SPD und GRÜNEN steht er für eine Linke, die ihre Lektionen aus den totalitären Versuchungen des 20.Jhs gelernt hat. Deswegen ist er ein Kandidat, mit dem ich Hoffnung und Zuversicht verbinde.
Ich hoffe, dass die Partei DIE LINKE nach der ersten reflexhaften Ablehnung noch einmal nachdenkt, ob ihr ein BP Wulf wirklich lieber ist als ein BP Gauck.

wolfstern 07.06.2010 | 14:07

Heute auf Spiegel- Online:
"Gauck schließt dennoch nicht aus, dass er auch so genügend Stimmen bekommt. Er sagte am Sonntag im ZDF-"heute-journal": "Was das Unions- und das FDP-Lager betrifft, so habe ich gute Freunde in diesen Lagern - und Menschen, die mich sehr gut verstehen."
Da hat er offenbar recht, es gibt genügend Leute, die wissen, wie man sich seiner am besten bedient.

Die Claqueure stehen bereits Spalier, "Bild am Sonntag" titelte: "Yes, we Gauck".
Die Medienmaschinerie läuft auf Hochtouren, Merkel- Bashing ist angesagt, die Koalition ist wieder mal keine, die LINKE bekommt auch ihr Fett weg. Der Pastor aus dem Osten spielt freudig strahlend seine Rolle - wie eh und je.

Von SPD und Grünen möchte er sich nicht instrumentalisieren lassen, sagte er bei seiner Nominierung am Freitag. Aha, am Sonntag erzählte ein Stern- Journalist in der ARD Talkshow "Anne Will", dass Gaucks Pressesprecher ihn vor der Talk-Show zu sprechen wünschte. Oh, meinte Gauck bereits die Medien instruieren zu müssen? Völlig unbescheiden, siegessicher und natürlich machtversessen gebärdet sich hier ein Kandidat fürs höchste Amt im Staate.

SchmidtH. 07.06.2010 | 14:27

Also wenn Sie von Hass schreiben, dann sollten Sie aber nun wirklich bei der Wahrheit bleiben und anerkennen, dass Lutz Herden mit dem Hinweis auf die Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland (West) absolut Recht hat.

Manischer Antikommunismus (dieser Hass) ist ein Grundpfeiler dieser Republik. Neu sind nur in jüngster Zeit die Konvertiten, die an die Hebel der Macht in Politik und Medien gelangt sind und nun um so mächtiger die Keule schwingen. Man könnte fast meinen, in einem Anfall der Selbstreinigung. Vielleicht lassen es bei manchem sogar Formen des Flagellantentums diagnostizieren.

So manch Vita fördert Erhellendes zutage.

Also mit der Analyse liegt Lutz Herden gar nicht so falsch. Kritik läßt sich allerdings daran üben, was er daraus für politisches Handeln ableitet..

mahung 07.06.2010 | 14:42

koslowski schrieb am 07.06.2010 um 11:14
"Ich habe im FREITAG selten einen Artikel gelesen, der so unversöhnlich, ja so voller Hass gegen einen politischen Gegner agitiert".

Was Sie hier als "Hass" bezeichnen nenne ich schlicht Klartext. Und ich danke Herrn Herden für diesen Artikel.

"Danke, Koslowski. Ich halte Gauck trotz seiner 70Jahre für selbstreflexiver und diskursiver als viele andere..."

Dann kennen Sie vielleicht einen anderen Gauck als ich - wäre ja möglich. Gauck ist weniger fähig - ich meine jetzt nur das Amt an sich - als andere, integrierend und zusammenführend zu wirken. Zumindest wenn man die Gefühle, Lebenserfahrungen und Biographien der Ostdeutschen wirklich ernst nähme. In weiten Teilen der Bevölkerung Ostdeutschlands ist Gauck eben nicht besonders wohl gelitten. Und dabei ist es völlig unerheblich ob die Abneigung gegen den Akten-Mann aus "niederen" ostdeutschen Gefühlen erwächst. Jedenfalls fühle ich mich nicht angesprochen, wenn die Medien in beinahe schonungsloser Einseitigkeit davon sprechen, dass es sich bei Gauck um eine im deutschen Volk weitgehend anerkannte und geachtete Person handele. Wäre vielleicht auch anders wenn Gauck die Stasi-Aufarbeitung West mit genauso viel Verve betrieben hätte. Wer weiß?

SiebzehnterJuni 07.06.2010 | 14:43

Für mich ist extrem erhellend, was die Kandidatur von Koachim Gauck hier so alles zutage fördert.

Ich erinnere mich an die beiden Filme.

1. das Leben der anderen
2. good bye Lenin

Da gab es Leute aus Ostdeutschland, die bei beiden Filmen ausgerastet sind vor Wut, da gab es welche die beide Filme gut fanden und welche die "good bye Lenin" gut fanden und "das Leben der anderen" absolut nicht und umgekehrt.

Und dieses Meinungsspektrum bildet sich jetzt auch hier ab.

Lutz Herden 07.06.2010 | 15:31

Sie mögen Recht haben. dass damit wirklich ein Beben ausgelöst wird. Aber die Linke sähe sich nicht nur einer inneren Zerreißprobe ausgesetzt, sondern würde auch einen Teil zumindest ihrer Wähler im Osten oder wohl auch im Westen verprellen. Denn trotz aller medialen Laudationes, die am Wochenende zuweilen schon oratorienhaft klangen, dürfte Gauck für viele Ostdeutsche, die den Staat DDR bewusst erlebt haben, alles andere als ein Wunschkandidat sein. Die unter aktiver Mithilfe der Gauck-Behörde und dem zum Alleinstellungsmerkmal der zweiten deutschen Republik erhobenen Stasi-Akten entwurzeln die Geschichte. Dem kann sich nur aussetzen, wer sein Leben entwertet sehen will.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.06.2010 | 15:32

Wenn Pfarrer Gauck für den Osten spricht, dann bin ich das Sprachrohr meiner Kinder!
Wir gehören zwar zu einer Familie, aber die Gefühle und Gedanken sind doch extrem unterschiedlich. Und ich teile mit Herrn Gauck zwar die DDR als Sozialisierungsort, aber eben mit extrem unterschiedlichen Erlebniswelten und damit sehr unterschiedlichen Rückblenden auf die zeit vor 1989.
Was soll ich davon halten, wenn ein Empfänger einer hohen Pension diesem Land etwas über Generationengerechtigkeit erzählt.
Seine Amtsführung als Stasijäger u. a. hat einen Bundestagsabgeordneten in den Suizid getrieben!
Er hat eine differenzierte Aufarbeitung der DDR lange unmöglich gemacht. Seine Biografie sollte die Biografie der DDR sein. Alles andere war entweder gelogen oder, wenn die Fakten zu hart waren, eben unbedeutend.
Nein, dieser quarzige Pfarrer soll seine Vergangenheitskompetenz weiter pflegen.
Wir brauchen einen Präsidenten mit Zukunftskomepetenz!

mahung 07.06.2010 | 16:09

@SiebzehnterJuni

Gerade "Das Leben der anderen" hat bei Kritikern aus dem na ja, politischen "Gauck-Lager" großen Unmut erregt und zwar vor allem deshalb, weil hier ein Stasi-Mann dargestellt wird, welcher Empathie für die Opfer aufbringt. Sowas passt aber eben nicht ins allgemeine Stasi-Bild. Ich und viele ostdeutsch Erfahrenen, kennen einen, der einen kennt oder haben jemanden in der Familie, der dabei war. Schon diese historische Tatsache führt dazu, hinter der Stasi-Krake auch Individuen zu erblicken, Menschen zu entdecken und dadurch wesentlich differenzierter hinter einen riesigen Apparat zu gucken - der ja kein Monolith war.

Genauso wie man das Schulsystem der DDR nicht begreifen kann, wenn man sich lediglich die geschriebenen Lehrpläne oder die schriftlichen Direktiven des Ministeriums anschaut, kann man nicht aus Stasi-Lehrfilmen, NVA-Lehrfilmen oder eben Stasi-Akten die Lebensbedingungen der DDR erkären oder etwas über den wirklichen Alltag der Menschen destillieren.

Wenn ich Ihnen noch einen guten Film empfehlen kann, der sich auch mit dem Thema DDR (in Ihren letzten Zügen) befasst, dann:

Führer EX

de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChrer_Ex

Übrigens fand ich beide der von Ihnen angesprochenen Filme gut und mich haben beide Filme auch nicht wütend gemacht. Mir fällt es nicht schwer, die unangenehmen Details der DDR-Geschichte aufs Brot geschmiert zu bekommen, dennoch neige ich nicht zu antikommunistischen oder antisozialistischen Reflexen - welche, ob man nun will oder nicht, jegliche Diskussion über politische Alternativen zur vorherrschenden Kapitalismus-Doktrin im Keim ersticken.

misterl 07.06.2010 | 16:28

Liebe Jayne, lieber Lutz Herden.

Wir leben in Zeiten, wo es offensichtlich alle ein wenig oder ein wenig mehr zerreist. Das geht durch die Union, die FDP, die SPD, selbst durch die GRÜNEN und selbstverständlich durch die LINKE und die gesamte Bevölkerung.

Die Medien schreiben sich zurecht oder nicht (wieviel Alarmmissmus drinn ist weiss man hinterher) die Finger wund, dass Europa, die Wirtschaft, die Finanzen und der Euro (ulkigerweise sagt das kaum jemand über den US$) am Abgrund stünden und deshaln unbedingt etwas passieren müsse. Also auch hier reißt und knirscht es erheblich.

Bei allem Verständnis für persönliche Aversion, es geht nur um einen Bundespräsidenten, der nicht einmal ein einziges Verkehrsschild abbauen lassen darf. Den Riss, den er (seine Person) darstellt kann die Sollbruchstelle unserer geliebten Bundesregierung werden.

Was und wie das, was danach kommt, liebe Jayne, weiß niemand. Auch Rot/Grün von 2010 wäre nicht das Rot/Grün, welches man mit Schröder/Fischer verwechseln sollte.

Nur soviel Realpolitik sorgt am Ende für die Option auf einen Politikwechsel. Einen eigenen Kandidaten (m/w), so gut sie oder er wäre ist am Ende das Gegenteil davon. Von daher, wenn die LINKE in Gänze nicht springen will, so möge sie auf einen eigenen Kandidaten verzichten (m/w) und die Abstimmung jeder/jedem Einzelnen frei überlassen.

SchmidtH. 07.06.2010 | 17:42

"Nein, dieser quarzige Pfarrer soll seine Vergangenheitskompetenz weiter pflegen.
Wir brauchen einen Präsidenten mit Zukunftskompetenz!"

Hallooooooo! Hört mich keiner?

Wer wollte ihnen widersprechen. NIEMAND. Aber wie Sie es drehen wenden möchten, er/sie steht aber nicht zur Wahl. Nicht Heute nicht Morgen, igendwann einmal. Nur um dieses zu Bewerkstelligen, Einfluß ausüben zu können, muß man auch dort hingelangen, wo die Hebel angesetzt, aber auch umgelegt werden.

Was nun.

Also jetzt noch einmal ganz kurz. Wenn ich weder mit dem noch mit dem Kandidaten leben will oder kann, ich aber keine weitere, erfolgsversprechende Alternative bieten kann oder zur Verfügung habe, muss ich mir über kurz oder lang überlegen, welche Kröte ich schlucken muss, aber auch KANN, ohne mein Gesicht, meine Überzeugung, meinen Einfluss auf ein perfides Spiel verlieren zu wollen.

Ich hoffe von Herzen, dass sich Daniela Dahn nicht zur Verfügung stellt. Sonst müßte ich wirklich am Realitätssinn der Linken - wer auch immer dies seien mag -zweifeln.

Der stramme Jörg Schönbohm brachte es so herrlich auf den Punkt und deutet die eigentliche Stoßrichtung aller Parteien bei dieser Bundestagswahl an:

"Ich frage mich, warum es nicht möglich war, sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen!"

Die Linke, ja die Linke soll hier vorgeführt werden. Eine Bürgerfront soll her. Aber wenn dem so ist, dann unterlaufe ich doch eine solche Absicht, Strategie nur, wenn ich den Handelnden das Werkzeug - in diesem Falle Joachim Gauck - aus der Hand nehme, es stumpf mache.

Nachdenken!

Exilant 07.06.2010 | 17:42

Falls Gauck Bundespräsident werden sollte, wird er sich ändern müssen. Als Opportunist wird ihm dies gelingen.
Er wurde von der SPD nominiert, deshalb kann er eigentlich nicht mehr den falschen historischen Vergleich ziehen zwischen Nazizeit und DDR, obwohl es so manchen, bei denen nach alter Sitte der Feind immer noch im Osten steht, gefiele. Denn u.a. wurde Willy Brandt nach dem Leben getrachtet und Kurt Schumacher saß 10 Jahre im Zuchthaus, daneben fand ein in der Geschichte einmaliger geplanter und durchgeführter Massenmord statt.
Gauck ist Mitglied der "Atlantik-Brücke" - also stehen Leute mit Einfluß hinter ihm.
Manche behaupten, er sei deshalb Leiter der Behörde geworden, weil er selbst mit der Stasi zusammengearbeitet habe und seine Akten manipulieren wollte.

Ludwig Hasselberg 07.06.2010 | 19:11

"... den falschen historischen Vergleich ziehen zwischen Nazizeit und DDR..."

Scheint mir ein ganz entscheidender Hinweis zu sein. Ich habe zum einen zwar kein Ohr an der Basis der Linkspartei und sehe zum anderen in ihrem Bestehen auf einem eigenen Kandidaten einen leicht vermeidbaren Fehler, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es gar nicht so sehr Gaucks Werdegang bei der BStU ist, der vielen sauer aufstößt, sondern Dinge wie der ziemlich bescheuerte Prager Appell. Ich finde, so ein Dokument steht für eine unendlich zweifelhaftere Weltsicht, als wie sie eine Tätigkeit für die Unterlagen-Behörde jemals offenbaren könnte. Insofern kann ich die Bitterkeit gut nachvollziehen, die im Artikel von Lutz Herden anklingt, obwohl ich die Entscheidung der Linken für grundfalsch halte.

SchmidtH. 07.06.2010 | 19:25

Ehrlich Lutz Herden, ist es wirklich so? Leben entwertet, entwurzelt ja, aber lässt sich dies alles an der Person Joachim Gauck festmachen?

Ich würde mir wünschen, Sie nähmen sich der Dame im Kanzleramt mit der selben Verbissenheit an und würden sich ernsthaft, kritische Gedanken machen, Fragen stellen, wie weit sie schon dieses Land in jeder Beziehung destabilisiert hat. Hier wäre ein weites Feld zu beackern, eine Menge fauler Früchte einzusammeln, Früchte die schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten versteckt auf dem Felde lagern und vor sich hin faulen.
Leider stinken sie nicht so gen Himmel, wie es in geschlossenen Räumen üblich ist.

Nein, ich bin kein Freund von Joachim Gauck, nein, ich bin kein Freund von Christian Wulff, nein ich bin kein Freund von, ja von wem eigentlich? Nur wenn ich etwas bewegen will und kann, diese Zeit mir die Gelegenheit bietet, dann muss ich diese Chance ergreifen, sonst sollte ich mich nicht auf dieses politische Parkett begeben.

Heute schreibt gerade Malte Lehming, eine besondere Spezies von Journalist, einen Kommentar über den "Antikommunisten von Gottes Gnaden" - welch herrliche Beschreibung - der wie folgt endet:

" Der Kandidat weiß doch, wofür er steht und wofür seine vorgeblichen Bündnisgenossen stehen. Er weiß doch, wie schwierig jede Liaison aus Freiheit und Sozialismus ist. Stattdessen spielt er den Ahnungslosen und warnt vor einem „Parteigeschacher“ ums höchste Staatsamt. Mit Naivität und Eitelkeit allein lässt sich das nicht erklären. Vielleicht haben wir uns in Gauck getäuscht. Vielleicht steckt ausgerechnet etwas von jener Eigenschaft in ihm, die er offiziell am meisten verabscheut hat – Opportunismus.

Wie kommt eigentlich jemand, der auch zu den "Atlantikern", "Neoliberalen" gezählt werden darf, dazu, einen Joachim Gauck in Nähe des Opportunimus zu rücken.
Wird nicht schon in diesem an sich nicht so erwähnenswerten Beitrag deutlich, selbst in diesen Kreisen macht sich ein gewissen Unbehagen über den Kandidaten Gauck breit.

Also nutze man diese Chance. Die Zeit wird auch diese Wunden heilen, wenn man erst einmal in einer Regierungsverantwortung steht. Es sei denn, man will -aus welchen Gründen auch immer - eine solche nicht übernehmen.

SiebzehnterJuni 07.06.2010 | 19:42

ich meine, ob die LINKE wirklich reale Politik im Bund machen will oder nicht.

Mit der Stimme für Gauck kann sie Merkel kippen und möglicherweise Neuwahlen auslösen.

Aber will die LINKE das oder will die LINKE die Interessen ihrer Wählerinnen und Wähler - insbesondere auch die im Westen - nicht vertreten.

Vielleicht steckt die LINKE - insbesondere die, die in der DDR Macht und Ämter hatte (Medien, Armee, Staatsapparat) - noch mehr im kalten Krieg als andere...

Achtermann 07.06.2010 | 20:22

@koslowski und SiebzehnterJuni, den Sozial-Liberalen unter den Freitag-Bloggern

Exilant schrieb: Gauck sei Mitglied der Atlantikbrücke.

Hier eine Kurzübersicht der Mitgliederstruktur (subjektive Auswahl)

Vorsitzender: Friedrich Merz

Ehrenvorsitzender: Walther Leisler Kiep

Vorstandsmitglieder u.a.: Kai Diekmann, Michael Hüther, Guido Westerwelle

Kuratorium u.a.: Kurt Biedenkopf, Jens Joffe, Thomas Middelhoff, Matthias Wissmann

Mitglieder u.a.: Hilmar Kopper, Cem Özdemir, Rudolf Scharping, Jörn Schönbohm

koslowski zeigt sich begeistert begeistert: "Mir imponiert an Gauck die Konsequenz seines aufrechten Gangs in der alten DDR und sein Einsatz für die kritische Aufarbeitung ihrer Geschichte."

Es ist mit Blick auf die Strukturen hinter Gauck nicht überraschend, dass die konservative Presse von FAZ über Spiegel, Welt und Bild sich für koslowskis und SiebzehnterJunis Favoriten sich aussprechen.

Onkel Wanja 07.06.2010 | 21:30

Ich sehe das ähnlich.
Wir hatten am Freitag in unserem Kreisverband ( DIE LINKE) eine Kandidatenvorstellung für die Landesliste Rheinland-Pfalz. Dort wurde von Mitgliedern das Vorgehen der Bundestagsfraktionsspitze kritisiert. Auch der Bundesvorstand (teilweise identisch mit der Fraktionsspitze) mit seinem Hü und Hot Verlautbarungen zum Thema standen in der Kritik.

Ich bin auch der Meinung, dass wir keinen eigenen Linken-Kandidaten aufstellen sollten und den Reaktionär Gauck wählen oder den Fraktionsmitgliedern in der Bundesversammlung die Entscheidung selbst überlassen sollten.
Ich freue mich schon jetzt drauf, wie der angebliche Bürgerrechtler und „Patriot“ die Restabwicklung der sozialen Marktwirtschaft und Zementierung der obrigkeitsstaatliche Pseudo-Demokratie als Bundespräsident rechtfertigen wird. Wie der alte Mann mit Polizeistaat und Aufstandsbekämpfung fertig zu werden versucht.
Ich rechne dann damit, dass er am Ende, so nach zwei Wahlperioden, Erich Honecker, Stoph und Mielke mehr ähneln wird, als man sich jetzt vorzustellen vermag.

Wie dass werden sie sich fragen?

Nun diese stalinistischen Holzköpfe, wollten damals die Realität ihres scheitern nicht eingestehen, so wie die politische Klasse in Regierungsverantwortung nicht wahrhaben will, dass unser System, wirtschaftlich wie politisch am Ende ist, wenn nicht demokratische Reformen eingeleitet.

Die halten zB. die Anpassung unseres Grundgesetzes an ein Verfassungswidriges Gesetz (Theam Mischverwaltung!) für demokratisch und legitim.
Eine Verfassungsänderung die eine lange fällige Direktwahl unseres machtlosen Bundespräsidenten, aber für brandgefährlich!
Warum? Sie haben wie die Stalinisten der DDR angst vor dem Volk ( Volk= Souverän= Wahlberechtigte Bevölkerung der BRD) und weigern sich hartnäckig dem Volk einen Teil der geliehenen Macht direkt ausüben zu lassen -wie in der Schweiz!

Ich Freue mich auf sie, Herr Gauck!

koslowski 07.06.2010 | 22:34

@achtermann 18:22

Wie schön für Sie, dass Sie für 17.Juni und mich eine passende Schublade gefunden haben - "Sozial-Liberale". Scheint für Sie eher ein Schimpfwort zu sein, für mich eher eine Auszeichnung und eine treffende Bezeichnung für meine private politische Utopie - das Bündnis zwischen den reformorientierten Teilen der alten Arbeiterbewegung und einem liberalen Bürgertum, das Freiheit nicht marktradikal interpretiert.
Zur Sache: Sie nennen Namen, offenbar in denunziatorischer Absicht, aber Sie verzichten auf Argumente, das ist -leider- ziemlich typisch für einige Gruppen innerhalb der Linken. Ich traue Herrn Gauck so viel Unabhängigkeit zu, dass er nicht als Instrument von Merz, Westerwelle und Kopper funktioniert.

Rückfrage an Sie: Sollten Ihrer Meinung nach "Sozial-Liberale" im FREITAG noch bloggen dürfen?

Achtermann 07.06.2010 | 23:08

@ koslowski

Lieber koslowski, natürlich sollen Sozial-Liberale beim Freitag bloggen. Ich lass' mich gerne belehren. Nur soll mir gestattet sein, dass ich argumentative Widerstände entgegensetze, das ist so eine Art Notwehr. Deshalb muss ich auch die Unterstellung zurückweisen, ich hätte die Mitgliedsnamen der Atlantik-Brücken-Vereinigung "in denunziatorischer Absicht " publiziert. Denn denunziatorisch bedeutet eine unbekannte Information mit der Absicht, dem Betreffenden zu schaden, weitergebend. Die Benamten bekennen sich zu ihrer Mitgliedschaft. Ich denke sogar, sie sind stolz darauf, in dem doch erlauchten Kreis mitwirken zu können.

Hier noch ein kleiner Auszug aus einer Selbstdarstellung der Atlantik-Brücken-Mitglieder:

"Mit ihren 500 Mitgliedern ist die Atlantik-Brücke, wie von ihren Gründern gewünscht, eine kleine Organisation geblieben. Ihr Mitgliederkreis ist überschaubar, das Zusammengehörigkeits¬gefühl fast familiär. Das zeigt sich vor allem bei dem jährlich im Sommer im Magnus-Haus in Berlin stattfindenden – und sehr beliebten – Atlantik-Brücke-Tag. Aber mit der Atlantik-Brücke in die USA oder nach China zu reisen, gehört inzwischen zu weiteren Höhepunkten der Mitgliedschaft."

Onkel Wanja 07.06.2010 | 23:24

@Koslowski.

Sie versuchen mit der Unterstellung, der Autor wäre von Hass geleitet ans Werk gegangen, den Artikel zu entwerten. Klingt verdächtig nach jenem christlich- reflexiven- Denken, jede Kritik mit Hass gleich zu setzen, gleichzeitig aber von der guten alten Zeit zu träumen, in der man Andersdenkende auf den Scheiterhaufen von solch schlechten Gefühlen desinfizieren konnte!
Selbst wenn Herr Herden sich unter dem Gefühl des Hasses dem Schreiben hingab, so bedeutet das ja nicht, dass sein Denken und Handeln ausschließlich von jenen Gefühlen bestimmt worden sind, gibt es doch noch so etwas wie Selbstbeherrschung und Kultur.

Hassen sie nie? Sind sie etwa frei von solchen Gefühlen?
Wenn sie das ernsthaft behaupten, so sind sie wahrscheinlich auch nur so ein heuchlerischer Protestant. So eine Art „Käsmann-Moralist“, der so tut als sei er etwa frei von Hass und allem schlecht, und damit nur ein durchsichtiges Schutzschild vor sich her trägt! Unangreifbarkeit, darum geht euch allen!

Hass und Liebe, Triebe und Aggression, dass macht aber den Menschen und sein Menschsein aus. Gefühle lassen sich nicht unterdrücken und nicht verleugnen. Tut man es dennoch, so landet man spät abends mit ca. 2 Promille in der Polizeikontrolle, irgendwann holt einen halt seine eigenen Lügen ein.

Übrigens: Wäre ich im Bundestag so würde ich den Pfaffen wählen, mit Hass und mit Tücke!
Ein Demokrat muss übrigen gar nicht versöhnlich eingestellt sein. Deswegen haben wir ja Mehrheitsentscheidungen und Minderheitenschutz, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung in der Demokratie. Haben sie so was nicht in Staatsbürgerkunde gelernt, Sie „Bürgerrechtler“?

koslowski 07.06.2010 | 23:54

@onkel wanja 21:24

Ich habe 40 Jahre lang "Staatsbürgerkunde" ( in NRW "Politik" ) unterrichtet und weiß deshalb, dass Versöhnlichkeit eine Tugend ist, die Demokraten gegenüber Demokraten an den Tag legen sollten, wenn sie Interesse daran haben, dass die Gesellschaft nicht auseinander fliegt.

Von Scheiterhaufen träume ich nicht, bin auch kein Moralist, finde nur, dass Journalisten ihren Hass kontrollieren sollten, wenn sie über politische Gegner schreiben. Das ist keine Frage der Moral, sondern der Professionalität. Und eine Frage der politischen Klugheit, denn als Leser reagiere ich auf den Versuch, den politischen Gegener als Bösewicht zu beschreiben, mit Widerstand. So fies, so opportunistisch und so selbstgerecht kann der Gauck doch gar nicht sein, wenn er sich für eine ( scheinbar ) aussichtslose Kandidatur zur Verfügung stellt.

SiebzehnterJuni 08.06.2010 | 00:47

mir fällt in der letzten Stunde eine Begebenheit aus den ersten Wochen 1993 in Potsdam ein. Ich bemühte mich zwecks Energiemanagement in der Stadtverwaltung um die Energierechnungen der öffentlichen Gebäude.
Ich fand die Leute in der Stadtverwaltung so freundlich und nett, bekam aber einfach keine Unterlagen.Ich wurde krank, meine Hausärztin - wie ich später erfuhr Fraktionsvorsitzende B90/Grüne im Potsdamer Stadtverordnetenversammlung - sagte mir: " Du weißt nicht, in welchem Haus die Leute da sitzen. Das ist das Gebäude der Stasi und die Leute sitzen da seit 20 Jahren. Die wissen, wie man professionell freundlich aussieht. Wenn Du Dich beim nächsten Mal verabschiedet hast, aus der Tür raus bist, warte einfach 5 Sekunden und gehe einfach - ohne anzuklopfen - wieder zurück in den Raum und schau in die Gesichter und die Augen. Dann weißt Du die Wahrheit!!" Und ich habs gemacht und war schockiert, unvergesslich dieser Moment.Hasserfüllte Gesichter!! Aber, in den darauffolgenden Jahren haben wir - die Männer - uns regelrecht angefreundet als BVB09Fans. Heute noch!! Ich erhalte immer wieder einen Anruf vor einem wichtigen Spiel des BVB09 aus Potsdam, damit ich den Termin nicht vergesse.

Ich weiß nicht, warum mir das jetzt einfällt. Es muss halt raus!!

Wenn wir damals - mal angenommen - im Freitag.Online kommuniziert hätten, hätte sich das sicher nicht so entwickelt.

Ich denke manchmal, es ginge mir mit Lutz Herden auch so - trotz des Streits oder gerade deswegen.

Onkel Wanja 08.06.2010 | 01:15

@Koslowski
Da scheint ja meine Botschaft teilweise angekommen zu sein.

Die Gesellschaft wird nicht auseinander fliegen, sie tut es beständig, die Zentrifugalkräfte wirken und noch so viel Rausche "Versöhnen statt spalten Gefasel" wird daran irgend was ändern!

Nur damit wir uns nicht falsch versehen, ich weiß was Spaltung bedeutet, ich bin in den Spalten dieser Gesellschaft groß geworden. Ich bin sehr wohl davon überzeugt, dass der Mensch nur in Kooperation überleben kann -Aber nur unter gleichen, also nicht in dieser Gesellschaftsform.

Von was sie überzeugt sind, ist in der Frage, ob Herr Herden das Recht hat, diesen Artikel zu veröffentlichen oder nicht, nicht von belang. Sie ist eine Meinungsäußerung und als solche zu respektieren, wie jede andere auch!

Sicher ist der Artikel nicht "professionell", sonst würde er sich vom Jubel-Journalismus wie er mir überall in Ohren und Augen gedrückt wird, nicht groß unterscheiden.

„Kritik“ muss weh tun, sie muss scharf sein, sie muss treffen, sie muss Gefühle erwecken!

Sie stören sich an diesem Artikel, also hat er die Funktion von „Kritik“ erfüllt.
Nun habe ich ihnen das Bewusst gemacht, und sie dürfen in sich gehen!

Nicht vergessen: Ich bin für die Wahl von Gauck zum Bundespräsidenten, aus anderen Gründen wie sie, aber das darf und soll Ihnen egal sein!

Magda 08.06.2010 | 01:38

"Manche behaupten, er sei deshalb Leiter der Behörde geworden, weil er selbst mit der Stasi zusammengearbeitet habe und seine Akten manipulieren wollte."

Nein, das glaube ich nicht. Er hatte einen IM-Vorlauf, dafür kann er nichts, die haben es bei allen versucht. Die taz hat das Anfang der 90er Jahre mal abgedruckt. Da versucht er sich rauszuwinden, nach dem,was da zu lesen war. Kann ich nachvollziehen, da sagt er mal so Sachen: "Nein es ist nicht alles schlecht hier", oder so. Wie man sich eben so rausredet.
Aber: Mich stört die Selbstgefälligkeit eines Menschen, der auch nur gesehen hat, wo er bleibt in der DDR und der über seine Eltern, die Mitglied der NSDAP waren, so lässig hinwirft; sie waren eben Mitläufer. Der beide Diktaturen andauernd in einen Topf tut und völlig undifferenziert darüber spricht.

Was auch sehr merkwürdig ist, dass er so viele Ex-Stasi-Leute in der Behörde gehalten hat . Das ist skandalös.

Avatar
walter-ter-linde 08.06.2010 | 02:20

Sie nennen Namen aber verzichten auf Argumente heißt es oben bei Koslowski.
Namen: Diekmann, Walther Leisler Kiep, Thomas Middelhoff, Rudolf Scharping, Westerwelle.
Wer da noch ein Argument braucht, hat die entscheidenden linken Diskussionen verpaßt oder und selbst nichts gesehen.
Bei mir stößt so etwas einfach auf Unverständnis, und macht auch böse auf diese Linke, die ihren Namen dann nicht verdient.

Achtermann 08.06.2010 | 08:02

@Siebzehnter Juni vom 07.06.2010 um 22:47

SiebzehnterJuni, Du schreibst: "Hasserfüllte Gesichter!! Aber, in den darauffolgenden Jahren haben wir - die Männer - uns regelrecht angefreundet als BVB09Fans. Heute noch!! Ich erhalte immer wieder einen Anruf vor einem wichtigen Spiel des BVB09 aus Potsdam, damit ich den Termin nicht vergesse."

Ich gehe davon aus, dieser BVB 09 ist ein Fußballverein. Wenn dem so ist, zeigst Du uns, welche Brücken diese Sportart unter Männern zu bauen in der Lage ist. Bei der Atlantik-Brücke ist das ähnlich. Fast nur Männer, die da von oben herabwinken auf das gemeine Volk. Denn in diesem Club Mitglied zu werden, wirst weder Du schaffen noch ich. Die oben zitierten China-Reisen werden - wenig überraschend - gesponsert, z.B. von VW.

Die Neumitglieder der Atlantik-Brücke nennen sich "Young Leaders". Die sind handverlesen. Und wenn die aus ihrem Leben berichten, liest sich das so:

"Krönender Abschluss nicht nur des festlichen Abends im Hauptgebäude der Hapag-Lloyd, sondern auch der XXX. Deutsch-Amerikanischen „Young Leaders“-Konferenz war das phantastische Feuerwerk des Binnenalster-Festes, zu dem Michael Behrendt, Vorstandsvorsitzender der Hapag-Lloyd AG, auf das Dach der Unternehmenszentrale am Ballindamm einlud. Doch wer nun vermutet, die „Young Leaders“ hätten sich danach in alle transatlantischen Winde zerstreut, ohne noch einmal miteinander zünftig in der Elsa-Brändström-Bar zu feiern, der kennt den Jahrgang 2008 noch nicht. Ein harter Kern ließ es sich sogar nicht nehmen, Freitagmorgen um vier Uhr früh die Rede von Barack Obama bei der Democratic National Convention in Denver live auf CNN zu verfolgen."

Hier noch ein Link zum Foto des Elsa-Brändström-Gebäudes, das diese Bar beherbergt:

www.elsa-braendstroem-haus.de/

claudia 08.06.2010 | 14:09

Na jedenfalls hat es doch wieder mal funktioniert:
Es gibt ein ganz grosses Thema, während die Regierung nebenbei neue Scheinereien beschliessen konnte, die tatsächlich tief ins Leben von Millionen Menschen eingreifen...

Wenn Horst Köhler nicht zum exakt richtigen Zeitpunkt zurückgetreten wäre, dann hätte man ihn wohl dazu zwingen müssen...
Ich wundere mich schon lange nicht mehr über das immer wieder exakte timing des Zufalles...

Graureiher 08.06.2010 | 14:23

Dank an Lutz Herden für seinen Beitrag. Eigentlich ist dem nichts hinzuzufügen, und so verwundert die inzwischen aufgelaufene Anzahl von Kommentaren denn doch. Die Fakten über Gauck dürften inzwischen bekannt sein: Mitglied der Deutschen Nationalstiftung, die schon 1996 ein Thesenpapier vorlegte, das als Vorlage für Schröders Agenda-Putsch gedient haben könnte, Mitglied der Atlantik-Brücke, wie oben gerade ausführlich beschrieben, fanatischer Antisozialist, bekennender Neoliberaler. Entdeckt von den Grünen, vorgeschlagen von beiden Agenda-Parteien.
Warum bitte sollte DIE LINKE einen solchen Kandidaten unterstützen? Aus taktischen Erwägungen? Sollte die derzeitige Koalition tatsächlich platzen, haben wir kurz darauf wieder eine große Koalition. Oder eine andere Koalition unter Ausschluss der LINKEN. An der Politik wird sich nichts ändern.
Sie wird aber nicht Platzen. Die gestern beschlossenen Sozialabbaumaßnahmen, die sich Westerwelle zugute schreibt, reichen erst mal als Kitt bis zum Ende des Jahres, nicht verteilte Steuergeschenke hin oder her.
Die Nominierung Gaucks dient einzig dazu, DIE LINKE vorzuführen, ähnlich wie beim Sondierungsgespräch in NRW. Wählt sie Gauck, schreit die veröffentlichte Meinung: um an die Macht zu kommen, wählen sie sogar ihre schlimmsten Feinde. Wählt sie ihn nicht, ist die LINKE eben nicht politikfähig.
Ich hoffe, dass sie sich möglichst lange von dieser Art Politik fernhält. Das Beispiel der Grünen zeigt, wohin schlechte Gesellschaft führt!

Avatar
walter-ter-linde 08.06.2010 | 14:50

Diese Atlantik-Brücke sollte mal in einen Rahmen gestellt werden. Es gab ja immer diese Thinktanks, etwa Stiftung Wissenschaft und Politik - früher Ebenhausen, heute Berlin, und Klüngelzirkel, ich würde da selbst den Seeheimer Kreis nennen.
Ich denke hier aber in den Dimension der neuen globalen Aufteilung der Welt. Wer hat Zeit und genügend Engagement für das Thema, einen Blogbeitrag zu machen. Auch zu Zeiten des Kaisers und der ersten deutschen Republik gab es ja solche Herrschaftsforen. Ich würde gerne dazu lesen, und seien es nur die gesammelten Verweise ins Netz mit kurzen Beschreibungen.

SiebzehnterJuni 08.06.2010 | 18:19

an keiner Stelle habe ich von meinem "Wunschkandidat" gesprochen.

Nein, Gauck widert mich nicht an. Köhler hat mich unsäglich angewidert.Es gibt auch vieles, was ich von Gauck ablehne. Aber Wulff? Um Gottes Willen!! Das wäre noch schlimmer als Köhler!!

Ich streite mich täglich mit meiner Frau. Aber sie ist trotzdem oder gerade deswegen, meine Wunschfrau.

Ein Präsident oder eine Präsidentin sollte auch nicht dauernd in die Tagespolitik eingreifen. Johannes Rau, Weizsäcker waren für mich überzeugend..Gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus...

SiebzehnterJuni 08.06.2010 | 18:33

richtig, man kann den Alltag der Ostdeutschen, wie sie ihn erlebten nicht erlernen. Aber aus vielen Kontakten und Erzählungen kann man sich den Alltag etwas besser vorstellen. Da meine Frau aus Rumänien stammt und ich zu sozialistischen Zeiten 50mal in Rumänien und 5 mal bei meiner Brieffreundin in der Frankfurter Allee war, glaube ich, mir den Alltag in Umrissen vorstellen zu können. Und der Alltag war in Rumänien - bis hin zur Kleidung der Verkäuferinnen an den Gemüseständen - nicht so viel anders als zur gleichen Zeit im Osten Berlins. Das war in der Tat verblüffend.

Mich irritiert zur Zeit die Medienkampagne für Gauck und die Aufregung im Freitag über seine Kandidatur. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gauck es wird, ist doch sehr gering...

mahung 09.06.2010 | 13:42

"Sie wissen nicht, wovon Sie reden. Der ND-Stil war ganz anders, offiziell, hölzern und dogmatisch, hat mit dieser vitalen Debatte hier nichts zu tun".

aber, aber! 17.06. war immerhin damals 50mal in Rumänien und ein paar mal an der Frankfurter Allee. Da weiß er auch alles über den ND-Stil, den Magda angeblich pflegt ;-)

Was Er aber nicht weiß, dass selbst wir DDR-Bürger damals in Richtung Rumänien geschaut haben, wie heute in die sog. dritte Welt. Das ist eine rein subjektive Alltagserfahrung von damals. Jedenfalls kann es um die Differenzierungsfähigkeit des Herrn SiebzehnterJuni nicht gut bestellt sein, wenn er die deutlichen sozialen, wirtschaftlichen und auch politischen Unterschiede zwischen der DDR und Rumänien nicht erkannt hat, wo er doch so oft dort war. Ich glaube, Magda liegt garnicht so falsch ...

SiebzehnterJuni 09.06.2010 | 14:04

ich glaube viele DDR-Menschen haben eher die Situation in Rumänien nicht gekannt, die damals in Größenordnung besser als heute war und in vielen Orten besser als in der Hauptstadt Berlin.Und insofern konnten sie meist auch nicht wirklich vergleichen. Das hat selbst der damalige DDR-Botschafter in einer Fernseh-Weihnachsansprache 1972 thematisiert. " Er wünsche sich, Berlin würde auch so farbig und attraktiv wie Bucuresti.."

Achtermann 10.06.2010 | 00:17

Nachtrag zur Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke:

Wie das Handelsblatt jetzt berichtet, ist innerhalb der Vorstandschaft ein Streit ausgebrochen, Walther Leisler Kiep vs. Friedrich Merz, der jetzt seinen Vorsitz niedergelegt hat.

Zitat Handelblatt: "Nach dem Rückzug des früheren CDU-Politikers Friedrich Merz vom Vorsitz sind noch weitere Mitglieder des Vorstands abgetreten: Der bisherige Schatzmeister Dieter Pfundt, der Aufsichtsratschef der Commerzbank Klaus-Peter Müller und der Chefredakteur der "Bild"- Zeitung, Kai Diekmann."

mahung 10.06.2010 | 03:28

"ich glaube viele DDR-Menschen haben eher die Situation in Rumänien nicht gekannt, die damals in Größenordnung besser als heute war und in vielen Orten besser als in der Hauptstadt Berlin.Und insofern konnten sie meist auch nicht wirklich vergleichen. Das hat selbst der damalige DDR-Botschafter in einer Fernseh-Weihnachsansprache 1972 thematisiert. " Er wünsche sich, Berlin würde auch so farbig und attraktiv wie Bucuresti."

Nicolae Ceauşescu war eben der buntere, lustigere und somit bessere Diktator. Der ganze Ostblock grau - aber beim großen milden Führer von Rumänien war es so schön bunt. Deshalb wurde 89 dort auch geschossen und gemordet. Sogar der Diktator selbst und seine Frau.

SiebzehnterJuni, ich muss mich schon sehr wundern - oder eigentlich auch nicht.

Ein Teller voller bunter Knete

mahung 10.06.2010 | 03:30

"ich glaube viele DDR-Menschen haben eher die Situation in Rumänien nicht gekannt, die damals in Größenordnung besser als heute war und in vielen Orten besser als in der Hauptstadt Berlin.Und insofern konnten sie meist auch nicht wirklich vergleichen. Das hat selbst der damalige DDR-Botschafter in einer Fernseh-Weihnachsansprache 1972 thematisiert. " Er wünsche sich, Berlin würde auch so farbig und attraktiv wie Bucuresti."

Nicolae Ceauşescu war eben der buntere, lustigere und somit bessere Diktator. Der ganze Ostblock grau - aber beim großen milden Führer von Rumänien war es so schön bunt. Deshalb wurde 89 dort auch geschossen und gemordet. Sogar der Diktator selbst und seine Frau.

SiebzehnterJuni, ich muss mich schon sehr wundern - oder eigentlich auch nicht.

SiebzehnterJuni 10.06.2010 | 16:33

und wenn Gysi was sagt, ist das die Wahrheit?

Mich interessiert mehr, warum die LINKE so extrem auf allen Kanälen und mit so vielen Blogs aufheult - und ich galube, das sind nicht nur sachliche, sondern auch zutiefst emotionale Argumente. Es wird befürchtet, dass es keine Versöhnung gäbe, wenn Gauck es würde - so Luc Jochimsen. Und wenn Wulf es wird, gibt es Versöhnung?

Neoliberaler und kapitalorientierter als Köhler würde Gauck gewiss nicht sein.

apatit 10.06.2010 | 17:58

...ich will mal einen Versuch unternehmen. Gaucks DDR Hass spürt man noch heute. Diesen Hass spüren die in der DDR geborenen besonders. Egal was man für eine Biographie hatte, man braucht die DDR nicht lieben, nur dort gab es noch was anderes wie SED, MfS usw. Man konnte sich entwickeln/ einrichten - und man konnte auch NEIN sagen, sicherlich mit konsequenzen. Sicherlich haben sie recht, emotional aber auch Argumentativ traut man ihn nicht. ( Das sind nicht nur Linke )... meistens nach 5-6 Bier wird man deutlich! Und damit sind wir beim subjektiven Faktor, der ganz einfach unterschätzt wurde.

SchmidtH. 10.06.2010 | 19:32

Allen Ernstes lieber Lutz Herden,

glauben Sie wirklich die Nominierung des Joachim Gauck ist der Verpflichtung vor dem höchsten Amt der Bundesrepublik Deutschland geschuldet, demokratisch einen Gegenkandidaten zu präsentieren, um zu zeigen, hier Leute, schaut her, wir die guten Sozialdemokraten und Grünen bieten dem gesamten deutschen Volk eine Alternative?

Welcher Naivität entspringt ein solcher Glaube. Weder die SPD noch die Grünen konnten im Voraus diesen Medienhype erahnen, den diese aus dem Hut gezauberte Nominierung auslösen wird bzw. ausglöst hat.
Selbst wenn es die SPD und Grünen ernst gemeint haben sollten mit einer Alternative, warum hätten sie auf Friedrich Schorlemmer verfallen sollen? Wem nützte er, wenn er - wie zu erwarten - bei der Wahl untergeht?

Ließe er sich gegen die "Linke" instrumentalisieren, also dem einzigen parteipolitischen Sinn einer "ernsthaften" Gegenkandidatur?

Nein. Niemand im Westen kennt ihn so richtig. Niemand stimmt so richtig mit seiner Sicht der Dinge überein. Nur zur Erinnerung. Wurde er nicht durch jede Talkshow getrieben, die in den 90zier Jahren etwas auf sich hielt? Ging er nicht den Wessies gehörig auf den Keks? Aber auch den Ossis? War nicht schon damals seine äußerst friedfertige Betrachtung der DDR-Vergangenheit und deren Folgen, der SED gegenüber, ein Dorn im Auge vieler politisch Interessierter?

Der von mir sehr geschätzte Friedrich Schorlemmer ist einfach "out". Und läßt sich eben nicht reanimieren wie dieser "Kommunistenfresser von Gottes Gnaden".
Wer will ihn hören?
Sie, ich und noch einige andere, aber das deutsche Volk?

Verzweifelt rufe ich aus: "Wann ihr Linken werdet ihr das begreifen!"

Auch dieser gute Beitrag von Daniela Dahn "Gespalten statt versöhnt!"
hinterlässt weniger Spuren, als die Schreiberin zu hoffen, zu glauben wagt. Leider!

apatit 10.06.2010 | 20:24

Herr Herden, Herr Schmidt - Friedrich Schorlemmer hat Integrationskraft, spricht aber Dinge an, die den politischen " Strippenziehern " und mächtige Hintermännern - wie richtig gesagt, ein Dorn im Auge sind. ( Wo sie agieren, wer sie konkrtet sind, kann auch ich nicht sagen ) Lesen Sie die Kommentare, mit der Frau Daniela Dahn nun zu kämpfen hat. Wir sind zwar eine Demokratie da gibt aber bei der freien Meinungsäußerung Grenzen. Leider. Kommunistenfresser von Gottes Gnaden ist gut - aber ist das der Zustand unserer Republik? Wer will das?

SiebzehnterJuni 10.06.2010 | 21:54

"....Diesen Hass spüren die in der DDR geborenen besonders..."

Da gibt es aber auch viele, die die ehemaligen Genossinnen und Genossen der SED heute noch hassen, weil sie zum Beispiel evangelisch waren und nicht studieren durften; weil sie - wie eine Ärztin aus Potsdam - 1 Jahr vor der Wende zu einem Taxifahrer sagte, der 1h zu spät kam," ..na, gibts denn in diesem Staat keine Taxis mehr?" und nur für diesen Satz 1 Jahr im Gefängnis Lindenstraße landeten.,..

Und diese Menschen mögen Gauck und das waren auch DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger.Und das sind nicht wenige...

luggi 10.06.2010 | 22:02

@17.6.
Mit deinem Geschichtseklektizismus kommst du nicht weit. Da kannst du höxtens Eindruck bei Bildzeitungslesern erreichen. Wegen solch einem Satz kam doch niemand in's Gefängnis, und das für ein Jahr. Komma nach Oberbayern, da brauchen wir deine Bären.

Und auch die Mähr von den Evangelen, die nicht studieren durften ist einfach Quatsch. Siehe Merkel und Schulkameraden von mir. Voraussetzungen für Gymnasium und Studium waren schulische Leistungen.

Also hör auf mit deinem DDR-Bashing.

Magda 10.06.2010 | 22:12

"Da gibt es aber auch viele, die die ehemaligen Genossinnen und Genossen der SED heute noch hassen, weil sie zum Beispiel evangelisch waren und nicht studieren durften;"

Ich durfte auch kein Abitur machen, weil ich katholisch war und nicht zur Jugendweihe ging .Später bin ich zur Volkshochschule und habe - neben der Lehre - mein Abitur gemacht. Hass gegen Genossen: Auch da gab es so'ne und solche...

Fro 10.06.2010 | 22:49

Ich habe bisher immer noch keinen vernünftigen Grund gehört, warum Gauck zum Bundespräsidenten gewählt werden sollte.
Er wäre sicher qualifiziert, das Staatssicherheitssystem des BKA und Verfassungsschutzes nachhaltig zu kritisieren - die Entmündigung der Bürger anzuprangern und eine umfassende Demokratisierung – beispielsweise die Möglichkeit eines bundesweiten Volksentscheides – einzufordern. Auch wird er in der Lage sein, die Funktion des HartzIV-Systems als freiheitsfeindlich zu erkennen und eine freiheitsfördernde Reform anzumahnen.
Sicher wird er auch das Grundgesetz kennen und wissen, dass die Regierenden notorisch gegen die wichtigsten Artikel verstoßen und verfassungswidrigerweise für eine Minderheit von 15-20% Politik zum Nachteil der Mehrheit betreibt....
Aber hat man jemals davon gehört, dass er sein Amt so ausüben will, dass das politische und gesellschaftliche Elend benannt und eine grundlegende politische Erneuerung angemahnt wird? Hat man jemals gehört, dass er sich als freiheitsliebender Mensch von den unfreiheitsfördernden neoliberalen Wirtschafts-und Politikkonzepten lossagen will?
Oder habe ich irgendetwas übersehen, überhört?

Man könnte in Erwägung ziehen, ihn im dritten Wahlgang zu wählen – aber da müsste er vorher demokratisch fortschrittliche Kontur zeigen – ich bin gespannt ob er mit den Linken redet und was er ihnen sagt....

SchmidtH. 11.06.2010 | 14:01

Nun gut, über Ekkehard Jesse sollte man eigentlich ncht viele Worte verlieren, nur wenn er sich zu Wort meldet und dieses dann in der "ftd" verbreitet wird, muss man schon darauf verweisen.

Interessant vor allem dieser Absatz:

"Der SPD und den Grünen ist mit seiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten ein Überraschungscoup gelungen. Sie wollen die Union und die Liberalen "vorführen". Wer den durch und durch "Bürgerlichen" mithilfe der Linken zu instrumentalisieren sucht (etwa als Vorbote eines rot-grün-dunkelroten Bündnisses), zieht Gaucks Anliegen in Zweifel und verringert damit seine Chancen eher.

Die Kandidatur von Luc Jochimsen für die Linke nützt ihm jedoch, weil dadurch die Frage nach dem künftigen Bundespräsidenten nicht mit der nach einer möglichen künftigen Koalition vermengt wird. Gauck hat nur eine Chance bei Teilen der Union und der FDP, wenn die Linke weiter auf Distanz zu ihm bleibt, ganz so, wie der Freigeist auf Distanz zur Linken be- und verharrt."

Tja und da glauben manche Leute noch, hier gehe es doch nur um eine schnöde Bundespräsidentenwahl, was sein eigenes Verhalten, Verharren im selbst gewählten Schützengraben rechtfertigten würde.

Gorbatschow sprach schon einmal etwas aus, was dann Folgen nach sich zog.

apatit 11.06.2010 | 21:34

"Gorbatschow sprach schon einmal aus, was dann Folgen nach sich zog."
Ich habe auch so ein Bauchgefühl, Gauck ist nach allem was man von ihm so kennt oder auch nicht kennt, ein Verfechter des Neoliberalismus in Reinform. Der Markt wird geführt von einer unsichtbaren Hand. ( Göttlich ?) Es gibt schlimme Theorien über den Neoliberalismus, die ich nicht darlegen kann, da wird mein Kommentar gesperrt. Vieleicht ist er in den augen der Mächtigen, doch der Mann zum richtigen Zeitpunkt, der auch sicherlich rhetorich geschikt, alle "Grausamkeiten" die noch auf uns zukommen, erklären kann oder es kommt zur Offenbarung des Johannes, und die erklärt er dann uns auch noch!

Fro 11.06.2010 | 23:09

@Lutz Herden
Das wird wohl so sein, insofern ist er m.E. nicht wählbar. Und als taktische Finesse könnte das Ganze nach hinten losgehen wie wohl auch @apatit befürchtet..

@Graureiher
Ja, wenn er das hiesige Unfreiheitssystem nicht erkennt, dann ist er nicht der Fachmann in Sachen Freiheit, für den ihn anscheinend so viele halten.

@SchmidtH
Kann es nicht auch sein, dass Merkel eine Wahl Gaucks durch abtrünnige FDPler durchaus gelegen käme? Ein Grund mehr das Bündnis mit der ungeliebten FDP aufzukündigen und eine große Koalition anzubieten, die die kommenden Aufgaben viel widerstandsfreier durchsetzen könnte – vom „Volksliebling“ Gauck moderiert und verkauft, Konkurrent Wulff demontiert und in der Öffentlichkeit wird unsere angeblich funktionierende Demokratie gefeiert....

SchmidtH. 12.06.2010 | 12:02

@ Fro

In der Tat, darüber habe ich auch schon geschrieben. Wäre der Merkel zuzutrauen. Man sieht daran, welch Möglichkeiten angedacht und durchgespielt werden können und müssen.

Ob das allerdings - die Stunde einer Niederlage - der geeignete Moment wäre, die Koalition aufzukündigen, wage ich zu bezweifeln. Diesen Moment hat sie verpasst. Vor einiger Zeit schrieb ich, dass Merkel sich "unsterblich" machen würde, wenn sie diese Koalition schon vor Monaten aufgekündigt hätte. Sich der FDP, wegen derer erwiesener Unfähigkeit, entledigen sollen. Vor dem Köhler-Rücktritt.

Damals hätte sich die SPD einem Angebot, einem Werben der CDU/CSU nicht verweigern können, wenn sich die SPD dem GROßEN und GANZEN "verpflichtet" fühle.
Jetzt glaube ich könnte die SPD bei dem Scheitern von Schwarz/Gelb auf Neuwahlen bestehen und versuchen der FDP einen empfindlichen Stoß zu versetzen.

Dass die Merkel, sollte sie selbst überhaupt diese Niederlage politisch überleben, mit einem möglichen Bundespräsidenten Gauck gut leben könnte, steht wohl außer Zweifel. Ein Sieg (über Wulff) in der Niederlage hat immer eine besondere Qualität!

Interessant und spannend wäre dann, wie würde sich der neue Bundespräsident Gauck verhalten und entscheiden? Denn auf ihn kommt es dann an!

Der "Demokratielehrer" in Aktion.

Avatar
fritz-katzfuss 27.06.2010 | 17:18

Auch ich möchte kommentieren, dass ich Gauck als Bundespräsidenten für ein nationales Unglück hielte. Ich hoffe und bete (sic!), dass dieser Elch an uns vorübergeht, denn dieser alte Mann ist ja dermaßen unkrtisch gegenüber der BRD, der NATO und dem Kapitalismus, dass er im Nachinein die ganze friedliche Revolution in ein schiefes Licht rücken würde, wenn er seine wilhelminische Theologie als Buprä zum besten geben dürfte. Schorlemmer okay, aber so einen unrkitischen Hoftheologen und Militarchristen ... wenn es in Afghanistan um Soldidarität geht, kann ich den Krieg nicht verurteilen... die Soldaten tun nebenbie viel Gutes ... ja ungefähr 120 Mal. Der ist doch in Wirklichkeit undiskutabel dämlich,der Mann.