Lutz Herden
07.07.2014 | 14:38 187

Poroschenko und seine Hampelmänner

Ostukraine Statt politische Lösungen zu suchen, wie das ein Außenministertreffen in Berlin beschlossen hat, will Kiew die militärische Entscheidung. Und das diplomatisch flankiert

Poroschenko und seine Hampelmänner

Pressekonferenz in Berlin am 2. Juli

Foto: AFP - Getty Images

Norbert Röttgen (CDU) wollte forsch und entschlossen wirken, war aber eher desorientiert, wie sich bald zeigen sollte. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag antwortete am Morgen des 1. Juli im Interview mit dem Deutschlandfunk (DLF) auf die Frage, wann wegen der Ukraine die nächsten EU-Sanktionen gegen Russland verhängt würden, mit einem Satz:

Heute kommt der Beschluss“.

Nichts dergleichen geschah. Der 1. Juli verging. Er war warm, eben sommerlich und irgendwann wieder vorbei, ohne dass sich in seinem Ereignis-Repertoire der von Röttgen angekündigte „Beschluss“ aus Brüssel fand. Was einleuchtete. Die EU hatte sich gerade mit ihrer Sanktionswaffe und dem ständigen Gerede darüber clever selbst ausmanövriert. Zur gleichen Zeit kassierte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einseitig die am 20. Juni ausgerufene Waffenruhe für die Ostukraine und befahl eine Großoffensive. Da schien es doch mehr als verwegen und argumentativ heikel, dafür Russland bestrafen zu wollen.

Sollte für Brüssel oder für Berlin – den Vormund der EU-Ukraine-Emissäre – so etwas wie ein Verursacher-Prinzip gelten, hätten man nun Kiew belangen und zum Einlenken zwingen müssen. Die Androhung einer Kreditsperre bot sich an. Die zu verhängen, würde den ukrainische Staat endgültig über die berühmte Kante stoßen, hinter der es nur noch den  tödlichen Absturz des Bankotteurs gibt. Aber wer will das? Schon jetzt ist das Land für Europa zu teuer. Unerschwinglich werden darf es nicht. Also blieb man dem geltenden Prinzip europäischer Krisen-Mediation treu: Die inner-ukrainischen Konflikte zu managen, heißt gebenenfalls dieselben verschärfen.

Wozu wurde verhandelt?

Dem widerspricht nur auf den ersten Blick das Ergebnis des Außenminister-Treffens zwischen Russland, der Ukraine, Frankreich und Deutschland am 2. Juli in Berlin. Danach sollte nach einem politischen Kompromiss gesucht werden. Von einer dringend gebotenen militärischen Entscheidung war nicht die Rede. Vielmehr wurde vereinbart, dass am Wochenende mit allen Konfliktparteien – auch den Anhängern einer autonomen Ostukraine – unter Ägide der OSZE erneut verhandelt wird.

Stattdessen feuerten ukrainische Armee und Nationalgarde aus allen Rohren und holten zum Enthauptungsschlag gegen die Aufständischen aus. Ganz klar wird eine militärische Lösung vorangetrieben – keine politische. Nur zu welchem Zweck wurde dann am 2. Juli in Berlin verhandelt? Sind Laurent Fabius und Frank-Walter Steinmeier Proroschenkos Hampelmänner? Oder die Chefdiplomaten der beiden wichtigsten EU-Staaten?

Was die ukrainische Regierung derzeit tut, erinnert lebhaft an den 20. Februar, als in Kiew die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens mit dem damaligen Präsidenten Janukowitsch und der Maidan-Opposition sprachen. Das getroffene und von allen unterzeichnete Agreement – es sah u.a. eine Übergangsregierung und Neuwahlen bis Ende 2014 vor – hatte keine 24 Stunden Bestand. Janukowitsch musste unter putschartigen Umständen gehen.

Vorsätzlich getäuscht

Der 20. Februar in Kiew und der 2. Juli in Berlin. Wer beide Daten zu Sternstunden einer Ukraine-Diplomatie erklärt, muss unter Wahrnehmungsstörungen leiden.

Damals wie heute sind EU-Außenminister vorgeführt worden – oder haben das wissentlich und willig mit sich geschehen lassen? Es gab nach dem Bruch der Kiewer Vereinbarung nicht einmal zaghafte Proteste. Weder in Brüssel noch in Berlin, Warschau oder Paris. Weshalb auch? Man wäre unversehens in Verdacht geraten, ein Janukowitsch-Verteidiger zu sein. Den zu entmachten, galt als gemeinsames Ziel von Jazenjuk und Klitschko wie von Steinmeier, Fabius und Sikorski. Was den Verdacht erhärtet, dass ein abgekartetes Spiel aufgeführt und die Gegenseite vorsätzlich getäuscht wurde.

Vor sechs Monaten hat der putschähnliche Machtwechsel von Kiew die Ukraine einen Teil ihres Territoriums gekostet. Wenn es das wert war – bitteschön.

Diesmal verantworten Poroschenko und seine Gefolgschaft die Beschießung von Städten, in denen Millionen Menschen leben, die einer kollektiven Strafaktion ausgesetzt werden. Wer glaubt in Kiew ernsthaft, damit das Land befrieden und gar innerlich versöhnen zu können. Schon ist von von einem "Völkermord" gegen die russischsprachige Bevölkerung des Ostens die Rede. Der Vorwurf dürfte um so vehementer erhoben werden, je mehr sich die Angreifer tatsächlich dazu hinreißen lassen, einen Blockadering um Lugansk und Donezk zu legen. Wann und von wem sind zuletzt Städte in Osteuropa blockiert und ausgehundert worden?

Die politischen und moralischen Kollateralschäden werden verheerend sein. Was besonders bestürzt – am diplomatischen Flankenschutz des Unterfangens, den Donbass mit allen Mitteln zur Räson bringen – war und ist auch Deutschland beteiligt.

 

Kommentare (187)

Sikkimoto 07.07.2014 | 15:06

Ganz treffend gefasst.

Diese Kreuzzugsstimmung gab es schon bei Libyen und Syrien. Wobei das Verspielen jeder diplomatischer Glaubwürdigkeit langfristig dazu führen wird dass eben keiner mehr verhandelt. Dann sprechen Waffen und Sanktionen und gewisse Europäer werden feststellen dass der eigene Hebel deutlich kürzer ist als gedacht.

apatit 07.07.2014 | 16:41

Aufgetaute Kalte Krieger mit dümmlichen Vorstellungen der russischen Seele, die sie sich nur so vorstellen können, dass in Birkenwäldern kleinen lustigen Bären unter Fliegenpilze spielen…! Aber wehe wenn die Bärenmutti kommt …!

( Das nennt man dann kluge westliche Politik, da sind doch paar Nazis nicht so schlimm )

https://encrypted-tbn0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcSlRWy_sYRZHTtAS7d8uN2ZaliCYfhgBnZIk6bIAy-rQyoZ3cvp5w

seriousguy47 07.07.2014 | 16:41

1. "Zur gleichen Zeit kassierte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einseitig die am 20. Juni ausgerufene Waffenruhe für die Ostukraine und befahl eine Großoffensive."

Also, soweit ich mich erinnere hatte Poroschenko einseitig eine zeitlich befristete Waffenruhe erklärt, die - von wem auch immer - offensichtlich nicht eingehalten wurde. Und wenn, was ja verbrieft ist, "Separatisten" dies dazu nutzen, einen Hubschrauber der legalen ukrainischen Armee abzuschießen und die Insassen zu töten, dann gebietet es schon allein die Fürsorgepflicht eines Landeschefs, dass er die ihm unterstellten Menschenleben nicht weiter dadurch gefährdet, dass er sie weiter wehrlos macht.

Und, soweit ich mich erinnere, wurde die Waffenruhe nicht kassiert, sondern sie wurde nicht verlängert.

Sollte mein Gedächtnis mich täuschen, bitte ich um Berichtigung. Sollte es recht haben, bitte ich um eine saubere journalistische Reaktion: die Korrektur der Falschdarstellung im Beitrag.

2. Zumindest auf dem Papier ist die Ukraine ein unabhängiger Staat, also nicht unter der Fuchtel irgendwelcher Außenminister anderer Länder. Diese können also allenfalls raten, auffordern, erpressen usw. Aber es ist nun mal so im Leben, dass nicht jeder Rat immer & gleich befolgt wird.

Das nun den Außenministern quasi vorzuwerfen, scheint mir etwas daneben und vernachlässigt leider, dass das Leben nicht immer nach dem Fernbedienungsprinzip funktioniert: Mag ich nicht? Weg damit. Manchmal braucht es eben zähe Arbeit und einen langen Atem. Und da ist dann halt hin und wieder selbst bei Merkel & Steinmeier ein Problem oder eine Krise nicht bis Redaktionsschluß "gelöst".

Und dass der Autor eine internationale militärische Intervention in die Ukraine wünscht, um die Interessen irgendwelcher anderer Außenminister durchzusetzen, das schließe ich mal aus.

karamasoff 07.07.2014 | 16:47

Zitat Poroschenko (dpa Meldung, W. Jung und A. Stein):

"Die Säuberung Slawjansk von den Unmenschen hat überragende symbolische Bedeutung"

Mehr muss man wohl nicht mehr dazufügen, um den rassistisch-völkischen Charakter dieser Bagage zu verdeutlichen und der Tatsache, daß das im "freien" Westen anscheinend für nützlich und normal gehalten wird, solange politisch und wirtschaftlich Mehrwert erheischt werden kann.

Von Hampelmännern zu sprechen ist gelinde gesagt eine verharmlosende Untertreibung. Den Hampelmännern aus der EU und vor allem aus Deutschland scheint es nicht ins Hirn. Poroschenko arbeitet strikt den Eskalationsplan der USA ab.

seriousguy47 07.07.2014 | 16:56

Ergänzung:

3. Wenn ich mir die beiden Daten im Beitrag anschaue, zu denen ausländische Vermittlungsversuche nicht geriffen haben, dann scheint mir beide Male das "faschistische" Element ein zu berücksichtigender Faktor zu sein. Ich könnte mir vorstellen, dass beide Male so gehandelt wurde, dass man den "Faschisten" keinen Vorwand liefern wollte, die endgültige Ausschaltung anderer politischer Gruppierungen zu versuchen.

Mir schien nach Janukowitschs Flucht und parlamentarischer Absetzung ein Zustand eingetreteten, in dem die neuen Regierenden sich nicht auf die Sicherheitskräfte im Lande verlassen konnten. Es war de facto eine Regierung ohne Macht.

In dieser Situation die Rechten gegen sich aufzubringen, deren militärische Kader die einzig sicheren militärischen Machtstützen waren, wäre einem politischen Selbstmord gleichgekommen.

Und nach der einseitigen Waffenruhe schien sich dies zu wiederholen. Mit dem Unterschied, dass sich nun die Sicherheitskräfte soweit organisiert zu haben scheinen, dass die Regierung in Kiew weiß, auf wen sie sich verlassen kann. Diesen Zustand nun aber dadurch erneut zu strapazieren, dass man dem Militär weiter Ruhe verordnet, während zumindest Teile der "Separatisten" sich einen D.... darum scheren, wäre einer Aufforderung zum Militärputsch gleichgekommen.

Was ich selbst von all dem halte, tut hier nichts zur Sache. Ich versuche nur mal, heraus zu bekommen, was da möglicherweise abgeht. Das nur mal so hinzugefügt, weil man hier ja gleich als sonstnochwas gilt, wenn man sich nicht die russische Berichterstattung zu eigen macht....

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Ehemaliger Nutzer 07.07.2014 | 17:17

Schau an, schau an.

"In dieser Situation die Rechten gegen sich aufzubringen, deren militärische Kader die einzig sicheren militärischen Machtstützen waren, wäre einem politischen Selbstmord gleichgekommen."

Welche Rechten denn, welche militärische Kader?

Etwa die, welche es laut westlicher Dauerpropaganda und entsprechender Nachbeter nicht gibt?

Hat nicht auch ein SERIOUSGUY47 sich vor nicht all zu langer Zeit noch standhaft geweigert, diese zu sehen?

Handelt es sich um die Rechten und militärische Kader, die das Pogrom in Odessa veranstalteten und die nun massiv gegen Zivilisten, Frauen, Kinder losschlagen?

Also lieber mit Rechten und deren militärische Kader paktieren, als einen demokratisch legitimierten Präsidenten in einer ordnungsgemäßen Wahl "bekämpfen"?

Soll man das nun verallgemeinern?

Wenn in Griechenland das Militär sich weigert, gegen die Bevölkerung loszuschlagen, die Goldene Morhenröte aber Gewehr bei Fuß steht, dann auch dort lieber mit der Goldenen Morgenröte paktieren und gegen die Bevölkerung losschlagen, da ansonsten: politischer Selbstmord?

Lautet die SERIOUSGUY47-Regel vielleicht:

Statt politischen Selbstmord zu begehen wird allen kommenden Herrschern/Oligarchen anempfohlen, lieber Bevölkerungsmord mithilfe der Rechten und ihrer militärischen Kader zu begehen?

seriousguy47 07.07.2014 | 17:23

"Was ich selbst von all dem halte, tut hier nichts zur Sache. Ich versuche nur mal, heraus zu bekommen, was da möglicherweise abgeht. Das nur mal so hinzugefügt, weil man hier ja gleich als sonstnochwas gilt, wenn man sich nicht die russische Berichterstattung zu eigen macht...."

Erstmal ideologisch ausnüchtern, dann lesen und dann schreiben. Sonst wirds nur ein Pawlowscher Reflex.

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Ehemaliger Nutzer 07.07.2014 | 18:03

Genau Diejenigen, deren „Argumente“ für Kiew (Poroschenko), aber auch genauso für Deutschland und Frankreich so gewichtig und überzeugend sein müssen, dass diese gefälligst genau so handeln oder nicht handeln, wie diese aktuell und praktisch gerade handeln oder eben nicht handeln.

„Dass die ukrainisch-russisch-deutsch-französische Vereinbarung, bis spätestens Samstag (5. Juli) ein erstes Treffen über einen Waffenstillstand im Osten der Ukraine und über eine wirksame Grenzkontrolle organisieren zu wollen, vom NATO-Oberkommando und dem US-Außenamt sabotiert werden wird, war eigentlich zu erwarten. Welche „überzeugenden Argumente“ Poroschenko zu dieser Entscheidung „verhalfen“ bleiben ebenso im Reich der Spekulation verhaftet, wie jene von der US/NATO-Kriegfraktion ausgehenden und für diese so erfolgreichen „Entscheidungshilfen“ in Richtung der beiden großen EU-Führungsnationen.

Falls unter diesen Bedingungen aktiver Kriegseskalation, Deutschland und Frankreich morgen ihre u. a. auch verheerend selbstschädigende Sanktionsankündigung gegen Russland nicht cancelt, befinden wir uns ab morgen alle im unmittelbaren Kriegzustand gegen Russland.

Das sich die zurzeit die Oberhand habenden Extremisten aus NATO und US-Administration, erneut mit Scheinsanktionen und Aufschiebeoptionen zufrieden geben werden, darf bezweifelt werden.“

https://www.freitag.de/autoren/soenke-paulsen/poroschenko-folgt-der-rand-corporation#1404661051378557

Sikkimoto 07.07.2014 | 18:18

Über die Umstände kann natürlich nur spekuliert werden, aber es vorsichtig gesagt zumindest unvorteilhaft bei einem *einseitigen* Waffenstillstand feindliches Gebiet mit einem Kampfhubschrauber zu überfliegen. Also selbst wenn wir annehmen der wäre da ohne Kampfabsicht rumgeflogen: Was machen sie wenn da am Boden sitzt und ein feindlicher Militärhubschrauber vor ihnen fliegt der euch mit einem Knopfdruck töten kann? Auf Poroschenkos Ankündigungen vertrauen oder doch lieber gleich schießen?

Hans Springstein 07.07.2014 | 18:25

Mich erstaunt immer wieder, dass Sie bestimmte Dinge nicht zur Kenntnis nehmen wollen ...

Nur ein kleiner Hinweis auf das, was einer sagte, der von Poroschenko beauftragt wurde, Gespräche für eine friedliche Lösung zu führen:

STANDARD: Wie wahrscheinlich ist eine friedliche Lösung?
Schufritsch: Für uns kam die Entscheidung, die Anti-Terror-Aktion wiederaufzunehmen, völlig unerwartet. Doch das ist Poroschenkos Entscheidung, er ist dafür verantwortlich. Fakt ist allerdings auch, dass selbst nach Angaben des ukrainischen Sicherheitsrates zwischen 20.000 bis 25.000 Männer im Donbas unter Waffen stehen. Etwa 2,5 Millionen Menschen im Donbas haben beim sogenannten Referendum für die Abspaltung gestimmt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung will nicht mehr Teil der Ukraine sein. Damit müssen wir uns alle auseinandersetzen, auch wenn das in Kiew nicht jedem schmeckt. ..." (Der Standard, 7.7.14)

Natürlich ist jeder ein Putin-Versteher oder ein Putinist, der glaubt, dass Schufritsch von der Partei der Regionen vielleicht nur als Alibi beauftragt wurde, mit den "Terroristen" zu sprechen ... Ein bisschen muß ja Poroschenko auch berücksichtigen, was die EU will ...

Heinz Lambarth 07.07.2014 | 18:27

komische debatte, die sich um schuldige und aggressoren dreht (wie in Syrien und anderswo); dabei wird (absichtlich!) das wichtigste vergessen: Egal wie das gemetzel ausgeht, zurückbleibt ein land, das um jahrzehnte wirtschaftlich und politisch zurückgeworfen sein wird und das noch in hundert jahren mit der feindschaft von gruppen seiner staatsbürger zu kämpfen haben wird, in der Ukraine, in Syrien wie in Libyen.

Welcher zyniker will hier ernsthaft behaupten, dass dieser preis gezahlt werden muss für eine "glückliche zukunft ". Hier werden notstandsgebiete bewusst erzeugt, die noch jahrzehnte von westlichen hilfsgnaden und schutztruppen (siehe Kosovo) abhängig sein werden. Das ist alles!

Hans Springstein 07.07.2014 | 18:33

Und zum abgeschossenen Hubschrauber:

"... Der Leiter des ukrainischen Grenzschutzes räumte das Scheitern des Waffenstillstands ein und kündigte einen Großangriff der Regierungstruppen für die nächste Zeit an. Nach Darstellung der Aufständischen haben die Regierungstruppen ohnehin die ganze Zeit Umgruppierungen vorgenommen und Stellungen der »Armee des Südostens« angegriffen. So sei auch der am Dienstag gemeldete Abschuß eines Armeehubschraubers mit neun Soldaten an Bord im Rahmen einer Luftlandeoperation der Regierungstruppen erfolgt. ..." (junge Welt, 26.6.14)

Hans Springstein 07.07.2014 | 20:14

Doch der Jubel der Befreiten blieb aus. Nicht einmal regierungstreue Medien spürten ihn auf. Einige Realisten in der Hauptstadt kamen schon darauf, dass die prorussischen Kämpfer im Donbass weit besser gelitten seien als die proeuropäischen. Die einen gelten eben als »naschi«, also unsere, die anderen sind als »Faschisty« und »Banderowzy« verhasst und gefürchtet. Die angekündigte »Befreiung« von Donezk und Lugansk wird noch schwieriger und blutiger als die von Slawjansk. ..." (Neues Deutschland, 7.7.14)

Hans Springstein 07.07.2014 | 20:39

Zum Beitrag:

Der 20. Februar in Kiew und der 2. Juli in Berlin. Wer beide Daten zu Sternstunden einer Ukraine-Diplomatie erklärt, muss unter Wahrnehmungsstörungen leiden.

Damals wie heute sind EU-Außenminister vorgeführt worden – oder haben das wissentlich und willig mit sich geschehen lassen? Es gab nach dem Bruch der Kiewer Vereinbarung nicht einmal zaghafte Proteste.

Da gibt es noch den Konkurrenzkampf zwischen der EU und den USA um die Ukraine und in derselben. Dass die EU sich abstrampeln kann und Poroschenko trotz aller Gespräche auf die EU-Diplomatie pfeift und doch nicht das vereinbarte macht kann etwas damit zu tun haben, worauf in Moskau hingewiesen wurde: "Es sei völlig klar, dass die Rechten in der Kiewer Junta und ihre „Kuratoren“ in den USA Poroschenko zur Wiederaufnahme des Krieges mit noch grausameren Methoden gedrängt haben, sagt überzeugt der Direktor des Zentrums für eurasische Studien Wladimir Kornilow. Die Waffenruhe zu verlängern, dazu hatten auch die OSZE und alle führenden europäischen Länder aufgerufen, aber Poroschenko ignorierte diese Appelle. ..." (Stimme Russlands, 4.7.14)

"Poroschenkos Kurs ist offenbar mit den USA abgesprochen. Die Sprecherin des Washingtoner Außenministeriums, Jen Psaki, sagte am Montag kurz vor dem offiziellen Ende der Waffenruhe, es sei Sache der Ukraine, ob sie diese verlängere. Die USA würden jede Entscheidung Kiews unterstützen, egal wie sie ausfalle. Poroschenko erklärte am Dienstag, er sei bereit, wieder zu einer Waffenruhe zurückzukehren, wenn die Gegenseite zusage, die wichtigsten Punkte seines Friedensplanes zu erfüllen. ..." (junge Welt, 2.7.14)

• Lawrow: USA drängen Kiew zu Konfrontation
"Die USA sind bemüht, die ukrainische Staatsführung auf den Weg einer Konfrontation zu bringen, so der russische Außenminister Sergej Lawrow. „Unsere amerikanischen Kollegen sind – dafür gibt es zahlreiche Zeugnisse – geneigt, die ukrainische Führung auf einen Konfrontationsweg zu lenken“, sagte Lawrow am Samstag in einem Interview für das russische Fernsehen.
„Wenn alles von Russland und seinen europäischen Partnern abhängen würde, würden die Chancen für die Friedensherstellung in der Ukraine größer sein“, betonte er. Nach seiner Ansicht ist die gegenwärtige Staatsführung in der Ukraine in Bezug auf die Regelung des Problems nicht homogen. „Präsident Pjotr Poroschenko möchte die Spannungen abbauen und die Waffenruhe verlängern, in der ukrainischen Staatsführung gibt es aber Radikale, die weiterhin bewaffnete Nationalisten – den Rechten Sektor, Bataillone von Igor Kolomoiski und andere ernst zu nehmende Gruppierungen – kontrollieren bzw. mit diesen eng kooperieren, welche die Anweisungen des zentralen Kommandos und des Oberbefehlshabers der Ukraine verweigern.“ ..." (RIA Novosti, 28.6.14)

Mit Blick auf den 20. Februar 2014 ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Gegenstandpunkt (2-14) klar beschrieben, was da geschah: Amerika hätte den euroäischen Vermittlungsversuch torpediert und überging "alle europäischen Berechnungen und durchkreuzt die Steinmeier-Diplomatie, indem es seinen langjährig aufgebauten Einfluss in der Ukraine dazu nutzt, das Abkommen platzen zu lassen. Die Opposition wird zum Durchmarsch ermuntert und befähigt. Der Präsident wird samt einem Teil seiner parlamentarischen Mehrheit verjagt, das parlament unter Belagerung durch die Maidan-Mannschaften dazu genötigt, dem Umsturz zu akllamieren. Damit sind "Jaz" und seine Timoschenko-Partei an die Macht geputscht. Die kurze Lebensdauer des Steinmeier-Abkommens, die saure Miene, die sein Namensgeber dazu macht, als "im Laufe des Samstags ... Steinmeier klar (wird), dass die Geschichte über das Abkommen teilweise hinweggegangen ist" (FAZ, 23.2.14) - dokuemntieren, das die offizielle Lesart von der Einmütigkeit des Westens die Sache keineswegs trifft; die Behandlung des Falls durch Amerika folgt mehr dem Motto von Frau Nuland, der vertreterin des US-Außenministeriums für Europa und Eurasien: "Fuck the EU!"
Die USA sind immer schon so frei, das europäische programm der östlichen Partnerschaft in ihrem Sinne umzufunktionieren. Von beginn an haben sie auch die europäische Anwerbung der Ukraine als ihr Instrument zur Eindämmung und Einkreisung Russlands behandelt und mit eigenen Einflussmitteln flankiert und kontrolliert. Nun übernehmen sie offiziell die Regie in Kiew und sorgen für eine Besitzergreifung in ihrem Sinn. ..."

Und da ist immer wieder diese Meldung vom 1.5.14: "Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor den Folgen eines weiteren Zerfalls der Ukraine für die gerade beschlossenen Finanzhilfen gewarnt. Sollte die Übergangsregierung in Kiew die Kontrolle über die Ostukraine verlieren, müsse das Programm im Umfang von 17 Milliarden Dollar (12,26 Milliarden Euro) überarbeitet werden, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des IWF zu den Hilfskrediten."

Hans Springstein 07.07.2014 | 21:02

Noch ein Nachtrag:

"... Die US-Position zeichne sich dagegen „vor allem durch Ungeduld aus“, stellte die Neue Zürcher Zeitung am 8. Februar fest: „Das State Department dringt mit aller Kraft darauf, die Restauration der Verhältnisse vor der orangen Revolution durch Präsident Wiktor Janukowitsch und dessen Mentor im Moskauer Kreml zurückzudrängen, und zweifelt daran, dass die EU in der Lage ist, zu diesem Zweck genügend Härte zu zeigen.“ Die Schweizer Zeitung ging noch weiter: Nulands Bemerkung widerlege „die in Washington gern gemachte Behauptung, die Zukunft der Ukraine liege alleine in den Händen des ukrainischen Volks“. ..."

geschrieben am 26.2.14

Auch daran muss in dem Zusammenhang erinnert werden: 5 Milliarden Dollar für den Staatsstreich

So viel hat die EU einfach nicht investiert ...

koslowski 07.07.2014 | 21:50

"Schon ist von von einem "Völkermord" gegen die russischsprachige Bevölkerung des Ostens die Rede. " - Wer redet diesen Unsinn, der die wirklichen Völkermorde der letzten Jahrzehnte relativiert? Vermutlich jene, die das Ende der Herrschaft von Janukowitsch als "faschistischen Putsch" , die Annektion der Krim als Kollateralschaden dieses Putsches und die bewaffneten Aufständischen in der Ostukraine als Wiedergänger der Pariser Commune beschreiben. Die politische Instrumentalisierung des Faschismus-Begriffs in der russischen Propaganda und in der linken Debatte um die Ukraine - das wäre mal ein Thema für einen kritischen politischen Redakteur. Aber der scheint selbst zu glauben, dass die mögliche Blockade von Lugansk und Donezk dem Vorbild der Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht folgt, billigend in Kauf genommen oder gar angeleitet durch die deutsche Bundesregierung.

Hans Springstein 07.07.2014 | 22:56

Sie sind ja ein ganz kritischer Geist ...

Aber Sie irren sich in einem Punkt, niemand von den kritikern der Ereignisse in der Ukraine, auch nicht Herr Herden, hat von einem "faschistischen Putsch" in Kiew geschrieben und redet auch nicht davon, sondern dass bei dem Staatsstreich, bei dem Regimechange in Kiew sich dessen westliche Initiatoren der faschistischen Schläger vom Rechten Sektor bedienten, die zuvor schon die Maidan-Proteste dominierten. und heute stellen diese "Kämpfer" die Helden, die die Ostukraine "befreien" undd abei nicht mal ihre faschistische Symbloik ablegen:

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42161/42161_1.jpg
Die Miliz Azov wird privat finanziert und sucht auch Kämpfer aus dem Ausland. Quelle

Aber das ist natürlich alles nur russische Propaganda und diese und andere Bataillone ähnlicher Art in Wirklichkeit von Moskau bezahlt, damit der Kreml sagen kann: In der Ukraine kämpfen Faschisten ...

Was Sie so alles glauben, so als wahrer kritischer Geist ... faszinierend.

mymind 07.07.2014 | 23:21

Nur mal so am Rande erwähnt:

Antirussische, paramilitärische & rechtsextremistische Gruppierungen sind in der Ukraine seit Anfang der 90er Jahre präsent. Die bekannteste ist die UNA-UNSO, die in Tschetschenien gemeinsam mit den islamistischen arabischen Mujahideen kämpften als auch überall dort, wo Kriege & Konflikte gegen Russland ausgetragen wurden. Sie kooperiert mit dem ´Rechten Sektor´, der treibenden Kraft der Maidan-Gewalt & Verbündete der regierungsbeteiligten Swoboda-Partei.

So schließt sich der Kreis, der nicht mit einem Fingerschnipp in absehbarer Zeit weggezaubert werden kann.

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Ehemaliger Nutzer 07.07.2014 | 23:33

@Heinz Lambarth

"komische debatte, die sich um schuldige und aggressoren dreht (wie in Syrien und anderswo); dabei wird (absichtlich!) das wichtigste vergessen: Egal wie das gemetzel ausgeht, zurückbleibt ein land, das um jahrzehnte wirtschaftlich und politisch zurückgeworfen sein wird"

Stimmt, is ne komische Debatte, solltest du der örtliche Kriminalpolizei auch unbedingt mal verklickern, was für widerliche Kreaturen!

Nach den Tätern suchen..., und dann wird da auch noch rumgeballert, tssssss was für eine patriarchalische Kackscheisse, ekelhaft!

Wer denkt denn an die politisch Korrekten?!

Und wo bleibt die Triggerwarnung?!

Räbähhhh

Maria Jacobi 07.07.2014 | 23:44

""Die Säuberung Slawjansk von den Unmenschen hat überragende symbolische Bedeutung""

Ist das nicht die Anweisung Heinrich Himmlers an seine speziellen Polizeikräfte? Nein? Was, das ist die Anweisung eines Staatschefs, dessen Land gerade ins Vorzimmer der EU aufgenommen wurde und dessen Säuberungen mit unseren Steuergeldern finanziert werden? Ich verstehe. Faschisten unter sich.

Hans Springstein 08.07.2014 | 00:03

Und nicht nur an ihren Taten, auch an ihren Worten sollt' und könnt' Ihr sie erkennen:

Poroschenko am 30.6.14: "... wir kämpfen um unser Land von Dreck und Parasiten zu befreien" (Reuters, 2.6.14)

"Auch Regierungschef Arsenij Jazenjuk trat schon mit Ausfällen in Erscheinung, die die Spaltung des Landes noch vertiefen können. Am Sonntag veröffentlichte die ukrainische Botschaft in den USA auf Englisch ein Statement des Premiers zum Tod der Flugzeuginsassen beim Abschuss in Luhansk. Er pries sie als Helden, die ihr Leben verloren hätten bei der Verteidigung des Landes, ihre Gegner schmähte er dagegen als "subhumans" - "Untermenschen". Gemeint waren sowohl Russen als auch Ukrainer aus dem Osten, die gegen die Regierung in Kiew kämpfen." (Spiegel online, 17.6.14)

seriousguy47 08.07.2014 | 00:10

Ich kann es auch mal anders formulieren: Was ich mich frage ist, ob Poroschenkos Verhalten, das im Beitrag kritisiert wird, auch damit etwas zu tun haben KÖNNTE, dass er meint, einen Putsch von rechts bzw. vom Militär bzw, von beiden auf jeden Fall vermeiden zu müssen.

Dann aber geht es nur noch darum, wie bestimmte Dinge von den entscheidenden Kreisen WAHRGENOMMEN bzw. DARGESTELLT werden.

Und laut SPIEGEL war es ein Transporthubschrauber, kein Kampfhubschrauber, also zumindest kein direkter Bruch der Waffenruhe.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-konflikt-separatisten-schiessen-hubschrauber-des-militaers-ab-a-977247.html

Der Abschuss erfolgte überdies einen Tag, nachdem die Separatisten sich der Waffenruhe angeschlossen hatten. Und dass Putin den Abschuss verurteilte, verstehe ich so, dass er militärisch nicht gerechtfertigt war.

Dazu kommt dann im Sinne meiner Eingangsspekulationen noch erschwerend, dass ja bereits einen Monat zuvor ein weiterer Hubschrauber abgeschossen worden war, wobei ein Armeegeneral ums Leben kam.

Da gehe ich dann nicht davon aus, dass das Militär das so einfach wegsteckt. Und darüber wiederum kann sich ein Präsident, der von der Solidarität des Militärs abhängig ist, sich auch nicht so einfach hinwegsetzen.

Ich könnte mir also vorstellen, dass Poroschenko unter starkem innenpolitischen Druck stand/ steht, mit dem er irgendwie umgehen muss. Das wollte ich sagen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich sehe meine Rolle in dieser Debatte auch lediglich darin, hin und wieder einen Stachel in die missionarische Einheitsmeinung zu setzen und die Diskussion offen zu halten, solange wir davon ausgehen müssen, dass wir massiv von unterschiedlichen Seiten belogen werden.

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Ehemaliger Nutzer 08.07.2014 | 05:35

"Ich sehe meine Rolle in dieser Debatte auch lediglich darin, hin und wieder einen Stachel in die missionarische Einheitsmeinung zu setzen und die Diskussion offen zu halten, solange wir davon ausgehen müssen, dass wir massiv von unterschiedlichen Seiten belogen werden."

Wie drollig. Nach der mal wieder Nichtbeantwortung der oben gestellten Frage, ob es denn nun in der Ukraine die von Dir selbst angesprochene Rechte mit einem militärischen Kader gibt, die einerseits "die Politik" unter Druck setzen und andererseits gegen die Bevölkerung der Ost-Ukraine vorgehen, sehe ich Deine Rolle eher darin, treu die vorgegebene Linie der grünen Parteiführung langzuhecheln, rhetorische Fragen zu stellen und sich ansonsten blind und dumm zu stellen. Tut das nicht weh?

Hans Springstein 08.07.2014 | 09:17

Und was, wenn nicht tatsächlich ein faschistischer Putsch ist es denn eigentlich, wenn für einen Sturz eines gewählten Präsidenten, eines Regimewechsels (von einem Oligarchen zum anderen) sich faschistischer Schläger bedient wird? Und wenn jene, die dann an die Macht gebracht wurden, sich immer wieder neu faschistischen Vokabulars bedienen?

Aber wie stellte unlängst Eckart Spoo fest: "Die Zusammenarbeit mit Faschisten sei aber nichts Neues oder Ungewöhnliches für die NATO, erinnerte der renommierte Journalist und verwies auf Portugal, Spanien und Griechenland. In letzterem sei der faschistische Putsch 1967 gar nach dem NATO-Generalstabsplan »Prometheus« abgelaufen." Oder hat das damals auch Moskau inszeniert?

karamasoff 08.07.2014 | 10:02

Man sollte sich (damit ist der Profijournalist gemeint) langsam mal die Frage stellen, von welchen Quellen die großdeutschen Politiker in Berlin ihre Informationen und Beratungen (das lustige Rätselraten?) über die Lage in der Ukraine erhalten.

Mit Realpolitik hat das nämlich nichs mehr zu tun, das ist eher Bimbespolitik auf BER-Planungsniveau (wer bekommt wieviel von wem, für was ist egal) und zum Ausgleich schreit man nach Militarisierung ins Volk, damit die Schwächen als Stärken daherkommen.

Lutz Herden 08.07.2014 | 10:23

Ich entnehme der Debatte, dass die Darstellung von Differenzen zwischen der EU-Diplomatie und der US-Ukraine-Politik vonnöten wäre. Dem ist zuzustimmen, hätte aber diesen Artikel gesprengt, weil der entscheidende Kontext bei einer solchen Analyse zunächst einmal das Verhältnis zu Russland wäre. Und darum ging es bei der Reaktion auf die jetzige Militäroffensive nun einmal weniger.

seriousguy47 08.07.2014 | 13:22

Ich weiß nicht, welche Linien irgendwelche Parteiführungen vertreten. Das interessiert mich im Moment allenfalls in Wahlen und bei S21. Ansonsten vertrete ich mich selbst.

Das macht mich eingefleischten Parteigängern seit je verdächtig. Denn am meisten gefürchtet sind seit je bei Ober- wie Untertanen der freie Gedanke und derjenige, der sich nicht einordnen lässt, der "unsichere Kantonist".

Deshalb findet man sich historisch auch immer wieder gerne zu Hexenjagden zusammen - der historisch wohl am häufigsten praktizierten Version der "klassenlosen Gesellschaft". Nichts ist so stabilisierend wie ein gemeinsamer Feind.

Aus meiner Lehrertätigkeit ist mir z.B. wohlbekannt, wie gerne sich spinnefeinde Familienmitglieder, die man als Vermittler irgendwie zusammen bringen möchte gegen eben diesen Vermittler zusammenschließen. Ist schließlich bequemer, als sich an schmerzhaften Lösungen der eigenen Probleme zu versuchen. "Feinde" sind manchmal beliebter als Freunde.

Kritisches, unabhängiges Denken schließlich führt per se zu gedanklicher Instabilität, weshalb sich gegen Kritiker gerne der verängstigte Untertan und der machtgeile Obertan zusammenschließen.

Passt nicht nur bei Mutti und der Tea Party, sondern auch bei Putin & den Seinen.

Tao Traveller 08.07.2014 | 13:24

Um auf das eigentliche Thema des Artikels zurueckzukommen ...

Aus Sicht deutscher Interessen ist es vermutlich sehr sinnvoll, hier wie in der NSA-Affaere als etwas trotteliger Vermittler aufzutreten.

Warum sollte sich unsere Regierung scharf profilieren?

Offensichtlich ist Putin dabei sich selbst auszutricksen, die Wirtschaftsanktionen des Westens scheinen zu greifen.

... "setze dich an's Ufer des Flusses und warte bis die Leiche deines Feindes voruebertreibt" ...

Ist doch gar nicht schlecht, oder? Erst mal zaehlt Deutschland, erst dann alles andere.

Niemand nimmt uns richtig ernst, niemand ist richtig sauer. Und wir geniessen die WM in Brasilien, unseren Sommer, unsere Grill-Parties.

seriousguy47 08.07.2014 | 13:53

In der deutschen Ukraine-Debatte scheint eine lange schwärende Eiterbeule aufgeplatzt zu sein, aus der sich nun all der aufgestaute, blinde Amerika-Hass entlädt (Anti-Amerikanismus scheint mir zu verharmlosend), den man dann auch noch als Kampf gegen die neoliberale Perversion verkauft - ohne zu bemerken, dass man sich dabei gefährlich jenem Trick der Nazis nähert, nationalen ("völkischen") Hass als Anti-Kapitalismus zu verkaufen.

Ich stehe da nurmehr entsetzt davor und frage mich, ob das nun das Ergebnis jahrelanger Aufklärungsbemühungen in Sachen Faschismus, Demokratie und Rechtsstaat ist.

Was der linke jüdische Politologe & Historiker Zeev Sternhll im aktuellen SPIEGEL (28/2014, S. 128 ff) über Faschismus sagt, verdient in meinen Augen ziemlich viel Widerspruch, aber die autoritäre, russischer Blut & Boden-Politik zugeneigte anti-Maidan-Linke könnte sich durchaus mal dies anhören:

"Marine Le Penn und andere westeuropäische Nationalisten haben Putins Ideologie richtig erkannt, sie bekunden unverhohlen ihre Wertschätzung. Auch das ist ein alter Topos aus der Geschichte: Alle Konservativen und Reaktionäre Europas, die in der Französischen Revolution die größte Katastrophe seit dem Untergang des Römischen Reiches sahen, erwarteten das ganze 19. Jahrhundert über das Heil vom russischen Zaren. Putins ideologische Propagandisten greifen diesen missionarischen Drang dankbar auf. Der russische Expansionismus ist vom Zarenreich über Stalin bis zu Putin ungebrochen. Der Stalinismus ist in Wahrheit immer ein Nationalbolschewismus gewesen. ...."

Man muss sich deshalb noch lange nicht einem teilweise zutiefst verlogenen US-Missionarentum anschließen. Aber vielleicht wäre es an der Zeit, mal innezuhalten und zu schauen, in wessen Gesellschaft man sich mit einem fundamentalistischen Amerika-Hass begibt:

"Den Amerikanern traue ich eine große Zukunft [ schon] deshalb nicht zu, weil sie in meinen Augen ein verderbter und korrupter Staat sind. Dazu kommen noch Gesellschaftsgegensätze in der schwersten Form.Das antike Rom war ein kolossaler ernster Staat.... In England ist das heute nicht so. Trotzdem ist mir ein Engländer tausendmal lieber als ein Amerikaner. ... Einen Haß und eine Abneigung tiefster Art habe ich gegen den Amerikanismus. Jeder europäische Staat steht einem näher. Amerika ist in seiner ganzen geistigen Haltung eine halb verjudete und vernegerte Gesellschaft...".
"Dies ist Originalton Adolf Hitler - Hitler im Winter 1941/42 nach der deutschen Kriegserklärung an die USA. Der deutsche Anti-Amerikanismus in seiner historischen Form hatte bei ihm einen unerreichbaren Höhepunkt gefunden."

http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-1560/schwabe.html

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Ehemaliger Nutzer 08.07.2014 | 13:54

Viel Blabla und weiterhin keine konkrete Aussage.

Sehr aufschlussreich. Da schreibt jemand:

"In dieser Situation die Rechten gegen sich aufzubringen, deren militärische Kader die einzig sicheren militärischen Machtstützen waren, wäre einem politischen Selbstmord gleichgekommen."

und wenn man ihn konkret fragt, ob es die von ihm erwähntenRechten und die militärischen Kader denn nun gibt, kneift er und flüchtet sich ins Ungefähre und in Projektionen. Der gelebte Untertan sozusagen, der der Wirklichkeit flieht, obwohl er sie vor Augen hat.

Im Unterschied zu Dir bevorzuge ich kritisches und unabhängiges Denken. Mir geht es um tote Zivilisten, tote Kinder, tote Frauen, das Abschneiden ganzer Ortschaften und Städten von Strom, Energie, Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten. Ein klarer Bruch der Genfer Konvention. Begangen von der "Regierung" in Kiew und den hochgerüsteten Rechten und ihrem militärischen Kader. Und die Betroffenen flüchten nicht nach Kiew sondern nach Russland.

Die ehemals grünen Blätter fallen von den Bäumen und färben sich braun ...

karamasoff 08.07.2014 | 14:07

Das wäre in der Tat ein eigener Artikel und diesen auch Wert. Es gibt ja meines Erachtens nur zwei Quellen für Regierungen: den eigenen Geheimdienst und der aus dem Ausland, abgesehen von den direkten Kontakten ins Konfliktland. Die Frage ist nun, ob Fehler gemacht werden auf der Basis von Desinformation von Aussen oder Innen oder auf der Basis reiner Interessenspolitik. Die nötige journalistische Distanz und kompromißlose Härte, um das in einem Artikel auseinanderzunehmen sehe ich in Deutschland nichtmal mehr im Ansatz. Das Land versinkt in Berichten von dezent regierungsgehorsamem Abtexten bis hin zur offen verschwurbelten Kriegspropaganda.

Hans Springstein 08.07.2014 | 14:09

Da ich es Dir nur auf diesem Weg mitteilen kann: Es ist ein Trauerspiel ...

Eigentlich könnte es mir egal sein, da diese Vorwürfe, die erneut bis zum russischer Blut & Boden-Politik zugeneigten Antiamerikanismus reichen, nichts mit mir und auch nicht mit Dir zu tun haben, aber irgendwie nehme ich sie leicht fassungslos zu rKenntnis, erstaunt, über so viel Blockaden selbst bei ernstfahten Menschen, die tatsächlich noch an das Gute auf dem Maidan glauben ...

Es ist wahrscheinlich der von Dir erwähnte Algorithmus.

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Ehemaliger Nutzer 08.07.2014 | 14:12

Auf einmal kann er kontret werden, wenn es um Unterstellungen geht. Mit einer Wortwahl, die schlimme Erinnerungen weckt. Von schwärende Eiterbeule, die aufplatzen und aus der sich nun all der aufgestaute, blinde Amerika-Hass entlädt.

Wer konkrete Zustände kritisiert, ob nun die NSA oder die Militanz bestimmter Kreise, wird als Amerika-Hasser diffamiert.

Und diejenigen, die schlicht und einfach die Gewalt der Rechten und Faschisten auf dem Maidan kritisieren, übrigens in der FAZ seit Monaten langjährige Leser, werden als "autoritäre, russischer Blut & Boden-Politik zugeneigte anti-Maidan-Linke" etikettiert, als Putin-Versteher, das ist übelste Propaganda, wie sie seit Monaten von den Grünen und den Medien verbreitet wird.

Das ist auch die Sprache, die Klemperer dankenswerterweise in LTI analysiert hat. Denn sie ist nicht nur diffamierend sondern obendrein verlogen.

Zeig mir einen Satz, der bei mir auf Antiamerikanismus schließen lässt. Im Gegenteil, ich weise immer wieder darauf hin, dass jeder, eben auch die EU, Deutschland und Russland für sein Tun selbst verantwortlich ist.

Sehr erhellend. So kurz ist der Weg von der Unfähigkeit einfache Fragen zu beantworten, zu einer umfassenden Diffamierung Andersdenkender.

seriousguy47 08.07.2014 | 14:13

Sie haben recht: ich habe den STANDARD nicht zur Kenntnis genommen. Weil ich ein solches Interview bereits 2 Tage vorher in der total einseitigen und amerikanisch versauten deutschen Presse gelesen habe, nämlich hier:

http://www.tagesspiegel.de/politik/ukraine-krise-ich-bin-jederzeit-zu-verhandlungen-bereit/10156934.html

Im Übrigen lese ich gerne alles von dieser Journalistin, was mir so über die Maus läuft. Und noch mehr.

seriousguy47 08.07.2014 | 14:25

"Unfähigkeit einfache Fragen zu beantworten" :

SG: "In dieser Situation die Rechten gegen sich aufzubringen, deren militärische Kader die einzig sicheren militärischen Machtstützen waren, wäre einem politischen Selbstmord gleichgekommen."

MoppK: "und wenn man ihn konkret fragt, ob es die von ihm erwähntenRechten und die militärischen Kader denn nun gibt, kneift er und flüchtet sich ins Ungefähre und in Projektionen."

Wem sich die Überflüssigkeit dieser "Frage" nicht erschließt, dem kann ich auch nicht weiterhelfen.

Im übrigen lasse ich mich weder verhören oder unter irgendeine Parteiparole zwingen. Insofern beantworte ich solche Ansinnen auch nicht.

Ich sehe hier seit Wochen kein Bedürfnis zu Debatte und Gedankenaustausch, sondern eine geradezu gewalttätige Aufforderung zur Einheitsmeinung. Es herrscht eine Atmosphäre von Volksgerichtshof.

Margrit 08.07.2014 | 14:41

Ich muss die Frage auch stellen:

Wer hat denn in der Ukraine gezündelt?

Putin? NEIN

Es waren die EU, USA und wir

Was also soll das alles?

Wollen usnere Politiker einen neuen Krieg? Ist ihnen der lange Friede den wir haben, zu langweilig?

Und was haben die USA damit zu tun?

Noh niemals haben die USA nach dem russ. Kontinent gegriffen, was also ist hier los?

koslowski 08.07.2014 | 14:45

Die Äußerungen der Kollegen dürfen Sie nicht zu ernst nehmen. Sie sind Außenseiter, die hier ihre Plattform gefunden haben und sie mit dem Fleiß und dem Selbstbewusstsein jener nutzen, die glauben, auf der richtigen Seite von Moral und Geschichte zu stehen. An Ihrer Stelle würde ich sie ignorieren und ihren Selbstgesprächen überlassen.

Anders wäre es, wenn ihre Positionen nun auch die Linie der Redaktion bestimmten. Dieser Artikel von Herden mit seinen zynischen Anspielungen auf Völkermord, Leningrad und deutscher Verantwortung für den ukrainischen Bürgerkrieg ist ein Hinweis darauf, dass es so kommen könnte. Deshalb (und aus anderen Gründen) habe ich gestern mein Abo beendet und darum gebeten, meinen Account hier zu löschen, was leider noch nicht geschehen ist.

Beste Grüße nach Stuttgart, alles Gute für Sie.

Hans Springstein 08.07.2014 | 14:54

Ein bisschen Nachhilfeunterricht zum Nachlesen für manchen:

Poroschenko´s Frieden: eine Kriegserklärung – Kommentar zu einem exemplarischen Meisterstück der Demagogie
Bemerkenswertes ist dieser Tage in deutschen Medien über den „Friedensplan“ des neuen Ukrainischen Präsidenten zu lesen und zu hören, so beispielsweise in dem überaus interessanten Kommentar von Reinhard Veser in der FAZ vom Samstag, d. 21. Juni 2014, der – anders als man es in letzter Zeit zu hören und zu lesen gewohnt war und anders als Frau Merkel es verlauten lässt, die den „Friedensplan“ Poroschenkos für eine gute Grundlage hält „jetzt eine politische Lösung zu finden“ – kritische Töne gegenüber der Kiewer Regierung anschlägt – um dann allerdings nach einigen halbwahren Wendungen und Unterstellungen mit umso martialischeren Forderungen aufzuwarten. ...
Nicht das Gespräch um die zukünftige Ordnung wird angemahnt, sondern die gewaltsame Widerherstellung der alten, eben noch mit klaren Worten kritisierten Ordnung unter neuen „westlichen“ Vorzeichen. Und nicht etwa die humanitären Folgen der Kiewer Offensive, die inzwischen Hunderttausende Menschen über die Grenze nach Russland getrieben hat, werden als Problem benannt, das zu lösen sei, sondern Russland soll mit der Erweiterung der Offensive gezwungen werden, „Farbe zu bekennen“. Wohin sollen solche Aufforderungen führen, außer in einen Vernichtungskrieg innerhalb der Ukraine und eine verantwortungslose Provokation Russlands? Dass hierzu die Märchen von einem Russland wieder aufgewärmt werden, das die Krim „annektiert“ habe, obwohl dies eindeutig kein gewaltsamer Vorgang war, von einem Russland, das nichts zur Deeskalation beitrage, obwohl Putin die Separatisten zu deren Ärger und Enttäuschung zum widerholten Male zum Einlenken aufgefordert hat, sind nur die kleineren Übel, die mit dieser Vergiftung des geistigen Klimas einhergehen.

Kai Ehlers, 21.6.14

freedom of speech? 08.07.2014 | 15:01

Noch nicht bemerkt?

Die Propheten der Querfront saufen gerade erbarmungslos ab.

„…Ähnlich erging es dem Neoimperalisten Alexander Dugin. Ende Juni enthob die Moskauer Lomonossow-Universität ihn seines Postens als stellvertretender Leiter eines Lehrstuhls für Soziologie. In einem Interview hatte Dugin gesagt, gegenüber den Unterstützern der faschistischen "Kiewer Junta" gebe es nur eine Antwort: "töten, töten, töten"…..“

„….Attacken drohen nur von den russischen Nationalisten, die nach der Angliederung der Krim auf ein ähnliches Szenario in der Ostukraine gehofft hatten. Nun wittern sie einen Verrat Putins zugunsten wirtschaftlicher Interessen. "Kreml, warum schweigst du?", fragte vor wenigen Tagen Eduard Limonow, Kultschriftsteller und Chef der verbotenen "Nationalbolschewistischen Partei"…..“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-russland-entschaerft-propaganda-gegen-kiew-a-979813.html

Die beste Nachricht seit Monaten. Putin sammelt seine Zauberlehrlinge wieder ein.

Viele Grüße

fos?

Hans Springstein 08.07.2014 | 15:44

Hier nur noch eine Quelle für die Poroschenko-Äußerung von den "Unmenschen": Badische Zeitung, 7.7.14

Interessant auch die Passage im dpa-Beitrag: "Vergessen scheint eine Vereinbarung, die Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) eben erst bei einem Treffen in Berlin auf den Weg gebracht hat. Dabei war vereinbart worden, dass die Führung in Kiew und die Aufständischen in Verhandlungen einen Ausweg suchen – und nicht auf dem Schlachtfeld."

Hans Springstein 08.07.2014 | 15:54

Hier etwas zu Limonow und Kaminer
taz, 19.2.03: Kaminer über Limonow

die jungle world am 30.1.02 (wenn auch leicht denunziatorisch): "Auch in der radikalen Linken sind hierzulande Kontakte zur nationalistischen Gegenkultur in Russland entstanden. Insbesondere in Teilen der ehemaligen Ostberliner Opposition scheinen nationalbolschewistische Anleihen aus Russland mit einer generell stark antiwestlichen Ausrichtung identitätsstiftend zu wirken. Bereits im März 1998 luden die Berliner Herausgeber der Zeitschrift Sklaven, von denen heute einige das Kaffee Burger betreiben, den Nationalbolschewisten Dmitrij Kostenko (Zitat: »Es gibt keine andere Form des sozialen Protestes, die dem Charakter des russischen Volkes mehr entspricht als das Pogrom«) zu einem Vortrag ein unter dem Titel: »Die wahren Revolutionäre im heutigen Russland«. (12)
Im November 2000 sowie im Juli/August 2002 organisierte der gleiche Personenkreis ebenfalls in Berlin Konzerte mit Graschdanskaja Oborona und propagierte deren neuen Text »Hakenkreuz« in seiner Zeitschrift Gegner. (13) Unangenehm tat sich beim letzten Konzert der Schriftsteller Wladimir Kaminer hervor, der nach Angaben protestierender Konzertgegner Graschdanskaja Oborona nicht nur verteidigte, sondern sich in ähnlich rassistischer Weise wie deren Sänger über so genannte Kaukasier äußerte. (14)
Dass Kaminer ein zumindest ambivalentes Verhältnis zur NBP hat, verdeutlicht auch sein Text über den seit dem April des letzten Jahres inhaftierten NBP-Führer Edward Limonow. (15) Ohne ein Wort über dessen faschistische Orientierung zu verlieren, porträtiert Kaminer ihn primär als ein Opfer der russischen Justiz und Oligarchie und trägt so, wie auch mit dem Titel »Ein heldenhaftes Leben«, zu seiner romantisierenden Popularisierung bei. ..."

seriousguy47 08.07.2014 | 16:07

Der Rückhalt für Präsident Poroschenko schwindet unterdessen offenbar: In einer Umfrage des Wochenmagazins „Korrespondent“ sprachen sich 46 Prozent der Befragten gegen die Fortführung des Krieges aus, rund 35 Prozent befürworten die Linie der Regierung, 19 Prozent glauben, dass die Separatisten ihre Position durch die derzeitige Politik der Regierung stärken können.“

http://www.tagesspiegel.de/politik/ukraine-krise-rueckhalt-fuer-poroschenko-schwindet/10165016.html

Am Montag veröffentlichte das staatsnahe Meinungsforschungsinstitut WZIOM eine Umfrage, wonach sich zwei Drittel der Russen gegen einen Einmarsch russischer Truppen in die Ostukraine äußern. Gleichzeitig ist die Angst der Russen vor einem Krieg mit der Ukraine gestiegen.

Die vorsichtige Entschärfung der russischen Propaganda und die ersten Konsultationen über einen Waffenstillstand unter Beteiligung des russischen Botschafters und des Putin-Vertrauten Wiktor Medwedtschuk deuten an, dass Moskau zu einer Strategie der Deeskalation bereit ist.“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-russland-entschaerft-propaganda-gegen-kiew-a-979813.html

Tao Traveller 08.07.2014 | 16:07

Lieber Herr Springstein,

warum muss denn jetzt auch noch Wladimir Kaminer hier "verbraten" werden. Sicherlich ist er ein Patriot, aber doch kein Unmensch.

Haben Sie schon mal eins seiner Buecher oder eine seiner Geschichten gelesen?

Der unnoetig raue Ton hier geht mir sowieso auf den Keks. Meinung ist Meinung, persoenliche Abqualifzierung ist etwas ganz anderes.

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Ehemaliger Nutzer 08.07.2014 | 16:13

"Ohne ein Wort über dessen faschistische Orientierung zu verlieren, porträtiert Kaminer ihn primär als ein Opfer der russischen Justiz und Oligarchie und trägt so, wie auch mit dem Titel »Ein heldenhaftes Leben«, zu seiner romantisierenden Popularisierung bei."

So passt ein Mosaiksteinchen zum anderen.

Genau diejenigen, die aktuell in der Ukraine keine Faschisten und Rechten erblicken mögen, auch wenn diese unverkennbar sind, sich dafür aber der medialen Denkprothese "Putin-Versteher" bedienen, lieben Kaminer, der ebenso faschistische Orientierungen nicht nur ausblendet ...

Tao Traveller 08.07.2014 | 16:15

Lieber Herr Springstein,

warum muss denn jetzt auch noch Wladimir Kaminer hier "verbraten" werden. Sicherlich ist er ein Patriot, aber doch kein Unmensch.

Haben Sie schon mal eins seiner Buecher oder eine seiner Geschichten gelesen?

Der unnoetig raue Ton hier geht mir sowieso auf den Keks. Meinung ist Meinung, persoenliche Abqualifzierung ist etwas ganz anderes.

Daniel Domeinski 08.07.2014 | 16:21

Wieso hielten eigentlich weder Kaminer noch sein Vertreter es für nötig, an einer Diskussionsveranstaltung teilzunehmen, die die Junge Welt zu den Ereignissen organsiert hatte.

http://www.satt.org/gesellschaft/02_10_letow_1.html

Kaminer ist der bekannste Promoter für russische Sub- und Popkultur in Berlin. Dort hätte er zeigen können, dass er auch politisch etwas zu sagen hat.

Tao Traveller 08.07.2014 | 16:27

Lieber Herr Springstein,

kann schon gut sein, dass wir zwei verschiedenen Realitaeten zugneigt sind. Auch beim 2. Lesen empfinde ich ihre Aeusserungen ueber Wladimir Kaminer als Abqualifizierung.

Wenn er (wieviel andere hier gebeuteltebn) nicht gerade zufaellig hier online ist, kann er sich noch nicht einmal dazu aeussern.

Ist das ein angemessener Stil? Von mir ein klares: "Nee, isses nich!"

Tao Traveller 08.07.2014 | 16:44

Lieber SeriousGuy47,

ich kann ihnen nur zustimmen.

Es ist wundervoll, wenn widerstrebende Meinungen nuechtern oder auch gerne temperamentvoll aufeinander treffen.

Aber Meinungen sind Meinungen und sollten es auch bleiben. Wer kann angesichts unserer grundsaetzlich "beschraenkten Rationalitaet" schon Anspruch auf mehr erheben?

Die Meinungen der "anderen" sind nicht prizipiell kurzsichtiger als meine eigenen. Ein Koernchen interessanter Nachricht ist immer darin.

Wir sollten uns halt gegenseitig achten und entsprecehnd miteinander umgehen - egal welcher "Realitaet" wir anhaengen.

Und ueberhaupt ... ich halte Wladimir Kaminer fuer einen tollen Autor :)

Hans Springstein 08.07.2014 | 17:25

Es ist eigentlich echt ein Witz, wenn auch ein ziemlich trauriger, was hier ein weiteres Mal abgeht:

Hinweise auf Fakten, Argumente, Hintergründe und Zusammenhänge werden beantwortet mit Behauptungen und Unterstellungen bis zum bis zum russischer Blut & Boden-Politik zugeneigten Antiamerikanismus. Das ist nur eines der traurigen Beispiele. Auf den sachlichen Ton der Hinweise zu einem Thema folgt ein Gegeifer und Geschimpfe, wird unterstellt und ohne jeglichen Beleg beahuptet, dass es nicht nur zum Kopfschütteln ist ... Wer sich dagegen wehrt, dem widerspricht, sachlich, selbst wenn das Sachlichbleiben schwerfällt, dem wird prompt unterstellt, eine missionarische Einheitsmeinung durchsetzen und Diskussionen verhindern zu wollen usw. usf. Solche Vorwürfe sind ja schon deshalb unsinnig, weil jemand wie ich als einer der Angegriffen schon gar nicht davon ausgeht, jemandes Anderen Meinung auch nur ansatzweise verändern zu können, nicht nur, weil ich mich nicht selbst überschätze. Da hilft es auch nichts, wenn ich z.B. bei den Nachrichtenmosaiken explizit darauf hinweise, dass diese ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind usw. usf.

Und ausgerechnet jene, die das Recht auf freie und offene Diskussion einfordern, werfen denen, die diskutieren und widersprechen genau das vor, eben, dass sie widerprechen, gar noch ihren Widerspruch begründen, dass sie nach den fehlenden Argumenten zu den Behauptungen gegen sie fragen. Dann ziehen sich die "Kämpfer für offene Diskussionen", die selbsternannten "Stachel" möglichst beleidigt zurück, weil hier angeblich nur Außenseiter dominieren wollen ... Dafür sind natürlich wieder genau die Angegriffenen verantwortlich, wird prompt geschrieben ...

Wäre ich nur ein ganz außenstehender Beobachter, ich würde lachen über dieses Trauerspiel und Jammertal, was hier abgeliefert und gezeigt wird ... Da ich gewissermaßen mittendrin stecke belasse ich es beim Kopfschütteln und der Frage: Geht's eigentlich noch?

Das eigentliche Thema des Beitrages von Lutz Herden spielt dabei längst die allerletzte Rolle ...

Ist das nur blinder Eifer, ist das Propagandapatrouille, ist das Blowart-Denke, ist das was auch immer ...? Egal, was und warum es ist, es bleibt nicht gut.

Magda 08.07.2014 | 17:29

Also wenn man den taz-Beitrag liest, dann wird ein ziemlich ironischer Abstand deutlich. Nix mit romantisierender Popularisierung.

Sowas zum Beispiel:

Am besten gefiel Limonow die Rolle des einsamen Helden, des nach Anerkennung schreienden, ausgestoßenen Engels mit dämonischem Blick. Es gelang ihm aber immer weniger, diese Rolle auszufüllen. Die Zeiten der Kohlsuppen auf dem Balkon waren vorbei. Limonow wurde immer dicker. Frustriert ging er wieder auf Reisen und besuchte seinen ehemaligen Unterschlupf in New York. Von dort war er früher fast jede Nacht durch die gefährlichsten Abschnitte des Central Park gelaufen und hatte vor nichts Angst gehabt, weil er nichts zu verlieren hatte. Nur ein scharfes Messer steckte in seiner Hosentasche. Er wurde dort jedoch niemals angegriffen.

Man muss eben lesen wollen. Aber, wenn man jemandem ein Etikett anhängen will, dann wirds eben gemacht.

Hans Springstein 08.07.2014 | 17:35

Herjemineh, auch ihnen erkläre ich es noch einmal: Ich habe nicht mehr und nicht weniger getan als Lutz Herden auf zwei Beiträge hinzuweisen, die zeigen, dass Limonow und Kaminer nicht noch nie voneinander gehört hatten, weil er schrieb: Nein, das glaube ich nicht, habe auch nie etwas dergleichen gelesen.

Zu dem Inhalt habe ich mich nicht weiter geäußert, werde ich auch nicht tun ...

Aber Ihnen stelle ich mal eine rhetorische Frage, ganz bewußt rauh, offen und direkt: Seid Ihr so bescheuert oder tut Ihr nur so?

Tao Traveller 08.07.2014 | 17:48

Lieber Herr Mopperkopp,

angesichts des vorangegangenen Meinungsaustauschs fuehle (auch) ich mich angesprochen, zumindest indirekt.

Ich stoebere ganz gerne mal in ihren Beitraegen, auch wenn sie mir i.d.R. zu lang sind und oft mehr Fremdinhalte als eigenen inhalt zu enthalten scheinen.

Und wenn nicht, dann aeussern sie sich meistens irgendwie empoert. Warum eigentlich? Etwas ermuedend fuer mich, sorry to say. Na gut, jeder hat seinen Stil. Da muss man durch oder man laesst es.

Um nochmals auf Wladimir Kaminer zurueckzukommen: was sagen sie denn zu "Magda"s comment von heute, 17:29? Der dort wiedergegebene Text spricht doch eine deutlich andere Sprache als sie gemutmasst haben. Da stimmen sie mir sicherlich zu, oder?

Zitieren ist gut, vorher lesen ist langfristig empfehlenswert.

seriousguy47 08.07.2014 | 17:52

"Das eigentliche Thema des Beitrages von Lutz Herden spielt dabei längst die allerletzte Rolle ..."

Dies war mein erster Kommentar:

"seriousguy47 07.07.2014 | 16:41

1. "Zur gleichen Zeit kassierte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einseitig die am 20. Juni ausgerufene Waffenruhe für die Ostukraine und befahl eine Großoffensive."

Also, soweit ich mich erinnere hatte Poroschenko einseitig eine zeitlich befristete Waffenruhe erklärt, die - von wem auch immer - offensichtlich nicht eingehalten wurde. Und wenn, was ja verbrieft ist, "Separatisten" dies dazu nutzen, einen Hubschrauber der legalen ukrainischen Armee abzuschießen und die Insassen zu töten, dann gebietet es schon allein die Fürsorgepflicht eines Landeschefs, dass er die ihm unterstellten Menschenleben nicht weiter dadurch gefährdet, dass er sie weiter wehrlos macht.

Und, soweit ich mich erinnere, wurde die Waffenruhe nicht kassiert, sondern sie wurde nicht verlängert.

Sollte mein Gedächtnis mich täuschen, bitte ich um Berichtigung. Sollte es recht haben, bitte ich um eine saubere journalistische Reaktion: die Korrektur der Falschdarstellung im Beitrag.

2. Zumindest auf dem Papier ist die Ukraine ein unabhängiger Staat, also nicht unter der Fuchtel irgendwelcher Außenminister anderer Länder. Diese können also allenfalls raten, auffordern, erpressen usw. Aber es ist nun mal so im Leben, dass nicht jeder Rat immer & gleich befolgt wird.

Das nun den Außenministern quasi vorzuwerfen, scheint mir etwas daneben und vernachlässigt leider, dass das Leben nicht immer nach dem Fernbedienungsprinzip funktioniert: Mag ich nicht? Weg damit. Manchmal braucht es eben zähe Arbeit und einen langen Atem. Und da ist dann halt hin und wieder selbst bei Merkel & Steinmeier ein Problem oder eine Krise nicht bis Redaktionsschluß "gelöst".

Und dass der Autor eine internationale militärische Intervention in die Ukraine wünscht, um die Interessen irgendwelcher anderer Außenminister durchzusetzen, das schließe ich mal aus."

seriousguy47 07.07.2014 | 16:56@seriousguy47

Ergänzung:

3. Wenn ich mir die beiden Daten im Beitrag anschaue, zu denen ausländische Vermittlungsversuche nicht geriffen haben, dann scheint mir beide Male das "faschistische" Element ein zu berücksichtigender Faktor zu sein. Ich könnte mir vorstellen, dass beide Male so gehandelt wurde, dass man den "Faschisten" keinen Vorwand liefern wollte, die endgültige Ausschaltung anderer politischer Gruppierungen zu versuchen.

Mir schien nach Janukowitschs Flucht und parlamentarischer Absetzung ein Zustand eingetreteten, in dem die neuen Regierenden sich nicht auf die Sicherheitskräfte im Lande verlassen konnten. Es war de facto eine Regierung ohne Macht.

In dieser Situation die Rechten gegen sich aufzubringen, deren militärische Kader die einzig sicheren militärischen Machtstützen waren, wäre einem politischen Selbstmord gleichgekommen.

Und nach der einseitigen Waffenruhe schien sich dies zu wiederholen. Mit dem Unterschied, dass sich nun die Sicherheitskräfte soweit organisiert zu haben scheinen, dass die Regierung in Kiew weiß, auf wen sie sich verlassen kann. Diesen Zustand nun aber dadurch erneut zu strapazieren, dass man dem Militär weiter Ruhe verordnet, während zumindest Teile der "Separatisten" sich einen D.... darum scheren, wäre einer Aufforderung zum Militärputsch gleichgekommen.

Was ich selbst von all dem halte, tut hier nichts zur Sache. Ich versuche nur mal, heraus zu bekommen, was da möglicherweise abgeht. Das nur mal so hinzugefügt, weil man hier ja gleich als sonstnochwas gilt, wenn man sich nicht die russische Berichterstattung zu eigen macht...."

Mir schien & scheint ein Bezug zum Beitrag zu bestehen.

Magda 08.07.2014 | 17:53

Danke Herr Springstein.

Es mag ja sein, dass man in der Fülle der Kommentare nicht alles mitkriegt. Und weil Sie von "bescheuert" reden: Solche Debatten - vor allem, wenn es heiß hergeht - folgen manchmal eigenen Gesetzen. In der Fülle des Materials kann man sich vertun - Sie nicht, Sie sind ja nicht bescheuert - aber das ist Ihnen egal. Ihre Bemühungen werden fehlgehen, weil Sie das Argumentieren mit "Die Leute mit Links und Zitaten Zuschmeißen" verwechseln. Das ist das Problem. Und dann auch noch reden wie ein Schulmeisterlein. Das ist doch Unsinn.

Andererseits: Koslowski haben Sie jetzt erfolgreich rausgedrängelt. Bald seid Ihr unter Euch. Ist das der Sinn der Sache?

Tao Traveller 08.07.2014 | 17:55

Sachte, sachte, Herr Springstein,

"bescheuert" ist sicherlich kein Kompliment, an niemanden! Und schon gar nicht an eine Dame. Ich mag das nicht.

Wenn man schreibt, sollte man sich durchaus auch vorstellen, wie andere das spaeter lesen. Oder das geschriebene erstmal liegenlassen und spaeter nochmal anschauen, bevor man es "raushaut".

Dann muss sich jemand schon sehr anstrengen, oder einen schlechten Tag haben, um es krass misszuverstehen.

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Ehemaliger Nutzer 08.07.2014 | 18:36

"Poroschenko und seine Hampelmänner"

Ich mag diese aus dem Nichts aufgetauchten oder aus dem Sumpf der Korruption gesäuberten und statt mit schwarzen Pulli nun mit weissen Hemden und Krawatten ausgestatteten Gestalten nicht, mit ihrem komischen Maidanquatsch, dem fehlenden Willen von Bürgermeister und Boxer Klitschko, den Müll dort weg räumen zu lassen, die ukrainischen Nationalisten, die nun unsere Freunde sind und ohne Kriegsrecht im eigenen Land auf alles schiessen, was bei Tri nicht weg ist, nein, die gefallen mir alle nicht, mit denen möchte ich nicht zum Frühstück sitzen wie Herr Steinm., aber wirklich traurig macht es mich, dass niemand einsieht, dass die immer allzu voreilige Einteilung jeder Konfliktpartei in der Welt in Gut oder in Böse nicht Einfluss auf den Gang der Geschichte sein kann.

Warum wissen wir immer, wer auf der Welt im Recht ist und woher wissen wir das gerade in Deutschland? Weil wir zwei Kriege angezettelt haben, Millionen Juden umbrachten oder eher, weil unsere amerikanischen Freunde uns die Welt rechtzeitig erklären und - nein, es kommt jetzt nicht das Wort " Gleichschaltung" , mir fällt aber kein anderes ein, warum also stolpert stets im Gleichschritt die gesamte Zunft der Schreiberlinge mit offiziellen Mandat und regelmässigem Geldfluss in nur die eine einzige Richtung und obwohl ich Ihre Einschätzung nicht voll und ganz teile, Herr Herden, bin ich doch stolz darauf, aus der Einheitspresse, den Einheitsparteienquatsch und den Freunden Amerikas eine eigene Meinung , lesen zu dürfen!

janto ban 08.07.2014 | 19:21

*****

Die kapieren es nicht. Die eine Hälfte kann - und die andere will nicht. Ideologische Doppel-Verblendung ist die neue Dialektik. Putins anti-liberaler, national-staats-kapitalistischer Autoritär-Klerikalismus an Sauce Napoléon ist die neue Antwort auf die entgleisten Hoffnungen in eine globalisierte Welt, die mehr Blumenwiese als Finanz'markt'diktatur sein müsste. Und das müsste sie dringend.

Aber anstatt den "Europäischen Mittelweg" hereinzubitten und zu begrüßen, wenn er leise an die Tür klopft, wird die "Hampelmann-Theorie" ausgerufen. Diagnose: Unzurechnungsfähigkeit. Dass das transatlantische Verhältnis im vergangenen Jahr tatsächlich Schaden genommen und zu bröckeln begonnen haben könnte, kann nicht sein, weil es nicht sein darf. Wohin sonst mit dem Selbsthass..?

Und ein bisschen Antiamerikanismus geht so wenig, wie ein bisschen schwanger. Entweder ganz oder Vorführ-Minister. Mit Antiputinismus verhält es sich selbstverständlich umgekehrt. Nur uneingeschränktes Verstehen bedeutet Antifaschismus.

Mein Vorschlag deshalb: Ganz Ost-Europa wird mit sofortiger Wirkung von der EU entkoppelt und in die Russische Föreration eigegliedert. Die Vorteile sind mannigfaltig. Krieg aus, Bruderschaft vereint, Nazis weg, Kapitalismus besiegt - und die CSU kann keine Kampagnen gegen Sozialtourismus mehr fahren.

Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise (...) aus der Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.

Oder so ähnlich.

JR's China Blog 08.07.2014 | 22:10

Ich stehe da nurmehr entsetzt davor und frage mich, ob das nun das Ergebnis jahrelanger Aufklärungsbemühungen in Sachen Faschismus, Demokratie und Rechtsstaat ist.

Der Lack ist ab, und darunter rostet es, Seriousguy. Allerdings fand ich die Selbstsicherheit, mit der sowohl die eigene Immunität als auch das Unverständnis für die Väter bis Urgroßväter zelebriert wurde, schon als Teenager irgendwie falsch, ohne benennen zu können, was ich daran "falsch" fand.

Geht mir heute noch so, wobei meine Vorstellungen vielleicht etwas klarer werden (ohne dass sie zutreffen müssen). Antisemitismus, Fremden-Ablehnung etc. sind derart alte und traditionelle Pakete, dass es eigentlich wundern müsste, wenn sie nach 1945 nicht weiter durchgereicht worden wären.

Manchmal fällt die deutsche Öffentlichkeit - die vor den deutschen Haustüren - auch sehr auf ihre eigene Propaganda herein die da lautet: wir sind klein, unsere Herzen sind rein.

Und wenn die Scheiße dann rausquillt, kommt Panik auf.

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Ehemaliger Nutzer 09.07.2014 | 00:00

So hoch möchte ich es nicht hängen. Hier handelt es sich um einen typischen "Herden mit seinen Hampelmännern". Alexander Jelinek hat heute in der "gleichgeschalteten Mainstreampresse" (@Maxi Scherenberg) unter dem Titel "Angriff aufs eigene Volk" einen lesenswerten Leitartikel in den Nürnberger Nachrichten geschrieben, in dem er mit Poroschenkos Politik abrechnet und die schwere Niederlage Steinmeiers konstatiert. Der Artikel Herdens fällt dahinter zurück und findet trotzdem sein akklamierendes Puplikum. What shalls? An einer Debatte zu seinen Arttikeln zeigt Herden kaum, er will Claqueure und die findet er. Sei es ihm gegönnt.

JR's China Blog 09.07.2014 | 07:21

Schön, wieder von Ihnen zu lesen, Hardob!

Alexander Jelinek hat heute in der "gleichgeschalteten Mainstreampresse" (@Maxi Scherenberg)

Die Oldenburger "Nordwestzeitung" schlägt re Ukraine letzthin ebenfalls ungewöhnliche Töne an: Poroshenko feiere auf dem Schlachtfeld seine Siege, vergesse dabei offenbar, dass dieses Schlachtfeld sein Land ist, so in etwa.

Auch die Leser der Provinzpresse geben wohl kräftig Rückmeldung und bitten die Redaktion um zumindest etwas subtilere Verarschung, denn die bisherige ist ja beleidigend.

So hoch möchte ich es nicht hängen.

Ich beziehe Seriousguy's Kommentar über die braune Blase nicht auf Herden oder auch Springstein. Dazu sehe ich keinen Anlass, und Seriousguy schreibt ja generell von der Ukraine-"Debatte" in Deutschland.

Und darin stimme ich ihm zu.

frei von und zu 09.07.2014 | 11:13

Der Artikel verwässert auch "putschähnlich". Da klar ist, was einen Putsch ausmacht, ist auch klar, dass das in Ukraine einer war. Wenn der hier nicht mehr glasklar benannt wird, ist es mindestens fahrlässig, wenn nicht liebedienerisch (wem gegenüber?). In gerade "unabhängigen" Reportagen erwarte ich aber Kompromisslosigkeit, wahrhaften investigativen Journalismus. Wo auch sonst?

Herr Springstein, danke für alle Ihre Quellenverweise und Klarstellungen.

In diesem Sinne muss man sich selbst auch immer wieder grundsätzlich klar machen, wer überhaupt in der Ukraine etwas zu schaffen und zu entscheiden hat. Als allerletzte sind das USA, EU oder D. Auch über Mittelsmänner, Söldner, Finanziers und Hampelmänner.

Es lohnt weiterhin, sich nochmals die völkerrechtlichen Grundlagen zu vergegenwärtigen.

Sonst seien Puschkin, Dostojewski, Tolstoi dringend anempfohlen.

Hans Springstein 09.07.2014 | 12:05

Herr Herden, zu Ihren Worten einen Blockadering um Lugansk und Donezk zu legen. Wann und von wem sind zuletzt Städte in Osteuropa blockiert und ausgehundert worden? fand ich im Schweizer Tages-Anzeiger vom 7.7.14 Folgendes: "Die Taktik der ukrainischen Armee war bisher denkbar einfach: Die Rebellen wurden mit Flugzeugen und schwerem Geschütz sturmreif geschossen. Keine Seite scherte sich gross darum, dass Zivilisten zwischen die Fronten gerieten. Gestern hat die ukrainische Armee angekündigt, man werde die beiden Städte abriegeln – aushungern, wie einst im Mittelalter. Dies werde die Terroristen dazu bringen, die Waffen niederzulegen, hiess es in Kiew. Und kein Wort darüber, was mit den friedlichen Bürgern der beiden Städte passieren soll in den nächsten Tagen, Wochen oder gar Monaten."

frei von und zu 09.07.2014 | 12:51

Exkurs

Das ist der Wert der auch hier so inbrünstig beschworenen "Meinung". "Meinung" vs. "Fakten, Regeln, Prinzipien, Gesetze".

"Aber Meinungen sind Meinungen und sollten es auch bleiben." (TRAVELLER) - eben nicht, weil die Meinung nie gleich bleibt. Sie ist höchst flexibel und erhebt nicht den Anspruch auf Richtigkeit Stabilität, Kontinuität, geschweige Prüfbarkeit. Sie bedarf auch keiner Fakten für ihre Änderung, sondern nur eine Laune.

Wäre ja auch noch schöner, sollte man sich festlegen, verbindlich sein und wirklich ernst genommen werden wollen. ;-)

Das ist der Lohn des ebenso beschworenen Pluralismus, der gemeinhin mit Freiheit verwechselt wird.

Einer der ätzensten Sätze der gegenwärtigen Deutschen: "Kann doch jeder seine Meinung haben."

Exkursende und freundliche Grüße

molodjez 09.07.2014 | 18:06

Ja es ist schon ein Kreuz mit der Ukraine. Am Wochenende habe ich mich mit einem guten, alten Freund verstritten. Er ist voll auf der Seite der veröffentlichten Meinung und davon überzeugt, dass hinter den Kämpfen in der Ostukraine einzig und allein Russland steht und ich glaube eher, dass der Westen die Ukraine in diese fatale Situation gebracht hat. Wahrscheinlich sollten wir uns gar nicht um dieses Land kümmern. Die machen eh nur was sie wollen. Wenn die Russen diesen komplett kaputten abgewrackten Staat wollen, dann sollen sie ihn haben und an dem Brocken zugrunde gehen. Die Ukraine ist seit über zwanzig Jahren ausgeplündert worden, das Land ist völlig am Boden. Demokratie hilft hier nicht, denn die wirklichen Schlüsselpositionen in Industrie, Verwaltung und Medien haben Oligarchen beetzt. Hier würde nur ein Reset und eine Enteignung/Bestrafung der Milliardäre helfen. Aber ob das die EU will? Ich denke nicht: Die EU-Regierung in Brüssel wird mit vollen Händen Steuergeld in die Ukraine schieben und glauben, so die Probleme zu lösen.

Tao Traveller 09.07.2014 | 18:45

Schlimm, das hoert man bereits seit geraumer Zeit.

Eine ukrainische Bekannte von mir hat trotz Business BA, Business MA und Promotion in Finnland (U. Helsinki) zu einem sehr relevanten Supply-Chain-Thema keinen Job in ihrer Heimat bekommen. Obwohl sie sehr "angewandt" gearbeitet hatte.

Ursache: Qualifizierte Bewerber, und Frauen sowieso, werden in der Wirtschaft und beim Staat nicht nachgefragt.

knattertom 09.07.2014 | 19:59

Mir erscheint es auf jeden Fall nicht förderlich, hier gegenseitig aufeinander einzudreschen, denn die Besorgnis darüber, dass eine Tagesreise von Berlin entfernt, bewohnte Städte mit schwerer Artillerie beschossen werden, treibt doch wohl jeden hier. Warum nicht an einem gemeinsamen pragmatischen Text arbeiten, der Forderungen nach einer Abkehr von Gewalt und nach einer friedlichen, politischen Lösung formuliert?

Dazu ist vor allem wichtig, die Vergangenheit, auch die kürzlich zurückliegende, für den Moment in den Hintergrund rücken zu lassen, und sich zu fragen, wie kann man dafür sorgen, dass die Kanonen zum Schweigen gebracht werden?

freedom of speech? 09.07.2014 | 21:15

"..."Die beste Nachricht seit Monaten. Putin sammelt seine Zauberlehrlinge wieder ein."

Nun ja, wer weiß schon so genau, was Putin antreibt bzw. wer ihn treibt? Wie heißt es doch ihn jenem Gedicht:

"Halb zog sie ihn, halb sank er hin...."

Vielleicht dämmert ihm ja jetzt, wie das Ding endet:

"...und ward nicht mehr gesehn."

http://meister.igl.uni-freiburg.de/gedichte/goe_jw.html

..."

Goethe war einfach ein Weltklassespieler!

Viele Grüße

fos?

molodjez 09.07.2014 | 22:02

Ja das ist aber normal dort. Die guten Jobs bekommen die, die dafür Bestechungsgelder zahlen. Und das liegt nicht daran, dass die Ukraine noch nicht in der EU ist, wie ein Blick nach Rumänien oder Bulgarien zeigt. Die Hoffnung, daß Poroschenko die Korruption bekämpfen wird ist einigermaßen grotesk. Und daß in der deutschen Regierung Leute sitzen, die das glauben, ist noch grotesker.

knattertom 10.07.2014 | 04:00

Nun, wenn sich Menschen, die sich nicht unter einem gemeinsamen "Parteibanner" befinden, einen offenen Brief verfassen, in dem z.B. die Forderung nach einem umgehenden Waffenembargo und Entwaffung der gesamten Ostukraine sowie weitere konstruktive Ansätze formuliert sind und sich eine grosse Anzahl an Unterzeichnern, z.B. in Form einer Petition, finden, dann könnte das wohl nicht schaden. Das wäre in meinen Augen sinnvoller, als sich hier über Interpretationsfragen zu fetzen, zu denen wir uns auf Grund mangelnder Information letztlich sowieso keine wirklich fundierte Meinung bilden können.

frei von und zu 10.07.2014 | 10:55

und TRAVELLER, es scheitert daran, dass sich die Unmutigen nicht auf etwas einigen können, was sie eigentlich gemeinsam wollen. Es reicht nur bis zum Nicht-Wollen.

Meckern, protestieren, demonstrieren, petitionieren ja! Ziemliche Übereinstimmung bei dem, was abgeschafft werden soll. Aber was dann kommen und sein soll - da gibt es scheinbar keinen kleinsten gemeinsamen Nenner.

"Kapitalismus besser machen" - einfach nur lachhaft! Abwinken und abwenden.

Tao Traveller 10.07.2014 | 11:43

Ich kann ihren Verdruss gut nachvollziehen.

Fuer meinen Geschmack waere es besser, die Ukraine-Frage und andere im Freitags-Kontext etwas niedriger zu haengen.

Forderungen sind, wie gesagt, leicht zu stellen. Konsequenzen sind eine andere Sache. Da spielt man in einer anderen Liga. Von denen, die dort "spielen" ist vermutlich niemand auf Der Freitag.

Jeder, der sich dazu berufen fuehlt kann eine e-Petition starten. Das waere dann ein Startpunkt, von dem aus man mehr Menschen erreichen koennte und im guenstigen Fall auch neue Inputs bekaeme.

Ich denke DAS waere durchaus "unser" Spielniveau.

seriousguy47 10.07.2014 | 14:44

Ich maße mir nicht an, final unterscheiden zu können, was westliche, was östliche oder was überhaupt Propaganda sein soll und was nicht. Und ich habe, ehrlich gesagt, auch nicht den Ehrgeiz, mich in jede Mediensau wissenschaftlich einzuarbeiten, die durchs Dorf gejagt wird.

Ich schaue mir an, was mir an Informationen so über die Maus läuft und nehme mit, was mir plausibel und einigermaßen unparteiisch erscheint. Und wenn ich mich zu Wort melde, dann überwiegend da, wo mir offenkundig gefälscht/ manipuliert zu werden scheint oder wo es vor Einseitigkeit geradezu knallt.

Dies ist bei diesem Zitat nach meiner Erinnerungslage der Fall :

"Zur gleichen Zeit kassierte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einseitig die am 20. Juni ausgerufene Waffenruhe für die Ostukraine und befahl eine Großoffensive."

Für den Fall, dass meine Erinnerung mich täuscht, habe ich ausdrücklich um Korrektur gebeten - was nach meiner Kenntnis bislang nicht erfolgt ist. Für mich heißt das: ich habe in diesem Fall Recht. (Die Aussage, ich würde Propaganda aufsitzen, rechne ich nicht zu den aufklärenden/ korrektiven Sachargumenten. Es ist zunächst einmal nur eine subjektive Einschätzung.)

Ansonsten versuche ich hin & wieder, innerhalb meines Horizontes, nachzuvollziehen, was in bestimmten Situationen wozu geführt haben könnte. Das habe ich auch in besagtem Kommentar getan. Wenn ich das tue, heißt das aber noch lange nicht, dass ich es genauso tun würde oder für richtig/ wünschenswert halte.

Mein generelles Problem in dieser Debatte ist, dass sich (für mich!) immer deutlicher herausschält, dass Informationsvorsprünge z.B. dank Russisch-Kenntnissen oder genaueren Kenntnissen von Land & Leuten allzu häufig gepaart sind mit einer ziemlich dröhnenden Parteilichkeit & einer bestimmten, (dogmatischen) politischen Einstellung.

Was mir auch scheint, ist, dass das sog. "penetrated system" (= die Reproduktion der Fronten des Kalten Krieges in Deutschland selbst) nach wie vor (in den Köpfen) vorhanden ist und sich speziell in der Ukraine-Debatte widerspiegelt.

Ich habe mich diesen Frontvorgaben weder früher gebeugt, noch tue ich dies heute. Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten, im Propaganda-Krieg herauszufinden, was Sache ist und es steht jederman/ jederfrau frei, mich zu korrigieren bzw. mir zu widersprechen.

Ich nehme das dann zur Kenntnis und überlege mir, was ich davon halte. Und dabei werde ich auch bleiben. Wer meine Blogs gelesen hat, wird hin & wieder festgestellt haben, dass ich durchaus debatten- & lernfähig bin. Aber nur weil irgendwo Linkspartei, Putin oder sonstwas drauf steht, muss ich es noch lange nicht für richtig halten. Und nur weil etwas in FAZ oder WELT steht, muss es nicht falsch sein.

Soweit muss selbständieges Denken schon auch gehen.

Was mir speziell in der Debatte zu diesem Thema auffällt, ist, dass, wenn mir überhaupt geantwortet wird, dies in Schmähungen, parteilichen Einordnungen, erkennbar überflüssigen rhetorischen Fragen, kaum erkennbar manipulierten Zitaten oder einem Tsunami von Beispielen oder historischen Vorgängen geschieht, die ich weder angesprochen noch geleugnet habe.

Das erinnert mich irgendwie an neurotisches Abwehrverhalten in Therapiesituationen und ich halte es deshalb irgendwann für unergiebig, darauf einzugehen. Es wird sonst zu einem Hase-und-Igel-Spiel mit bekanntem Ausgang.

Wenn dieses mein Verhalten dann ziemliche Aggressionen auslöst, bestärkt mich das in meiner Einschätzung ("Diagnose).

Hinweis: Dies ist eine allgemeine Antwort & darf nicht in allen Punkten auf den von mir geschätzen Autor des Bezugskommentars bezogen werden.

Tao Traveller 10.07.2014 | 15:23

Was mir speziell in der Debatte zu diesem Thema auffällt, ist, dass, wenn mir überhaupt geantwortet wird, dies in Schmähungen, parteilichen Einordnungen, erkennbar überflüssigen rhetorischen Fragen, kaum erkennbar manipulierten Zitaten oder einem Tsunami von Beispielen oder historischen Vorgängen geschieht, die ich weder angesprochen noch geleugnet habe.

Seufz ... sie sprechen mir aus dem Herzen. Leider kann man jede noch so klar formulierte Meinungsaeusserung in einen beliebigen anderen Kontext zerren, wenn man es darauf anlegt.

Fuer manche Meinungsaeusserer scheint dies ganz normal zu sein. Vielleicht denken diese, "wir" muessten unbedingt belehrt werden? Wirkt auf mich wie "Gutsherrenart".

Jede Meinung steht doch ersteinmal fuer sich selbst, unabhaengig davon, aus welchem "Geist" heraus sie von wem auch immer formuliert wurde. Darauf kann man eingehen oder nicht.

Den Schreiber einer Meinung als Person an sich abzuqualifizieren oder zu beschimpfen, geht eindeutig zu weit und kann keinesfalls als legitime Meinung durchgehen.

Warum Beleidigungen fuer manche - oft immer wieder dieselben - so hohe Attraktivitaet als Diskussionsmittel haben, kann ich aus dem common sense heraus nicht nachvollziehen. Fuer mich ist und bleibt dies ueberfluessig, stoerend und oft belaestigend.

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Ehemaliger Nutzer 10.07.2014 | 15:32

"Was mir speziell in der Debatte zu diesem Thema auffällt, ist, dass, wenn mir überhaupt geantwortet wird, dies in Schmähungen, parteilichen Einordnungen, erkennbar überflüssigen rhetorischen Fragen, kaum erkennbar manipulierten Zitaten oder einem Tsunami von Beispielen oder historischen Vorgängen geschieht, die ich weder angesprochen noch geleugnet habe.

Das erinnert mich irgendwie an neurotisches Abwehrverhalten in Therapiesituationen und ich halte es deshalb irgendwann für unergiebig, darauf einzugehen. Es wird sonst zu einem Hase-und-Igel-Spiel mit bekanntem Ausgang."

Welch ein Blabla und welch erhellende Projektionen.

Es ist wie immer. Leute, die einerseits einfachste Fragen nicht beantworten wollen, wie beispielsweise

"Gibt es die von Dir selbst angesprochene Rechte in der Ukraine, mit einem militärischen Kader, die einerseits "die Politik" unter Druck setzt und andererseits gegen die Bevölkerung der Ost-Ukraine vorgeht, denn nun?"

weil sonst ihr ganzes (grünes) Kartenhaus zusammenbricht, können andererseits ellenlang im Ungefähren schwafeln und andere "beurteilen". Kein gutes Renommee für einen gewissen Berufsstand ...

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Ehemaliger Nutzer 10.07.2014 | 15:53

1. Das hier hat eine Vorgeschichte.

2. Es ist nicht die Rede von "müssen" sondern von "wollen".

3. Die Nichtbeantwortung einer solchen Frage, die nicht mal eine ist, sondern nur die nachfragende Bestätigung einer vom Befragten aufgestellten Behauptung, gibt zu Denken ...

4. In meinem Profil finden sich zahlreiche Beiträge zu dem hier behandelten Thema.

5. Gibt es von Ihnen auch etwas Eigenes und Konkretes zu dem Thema?

6. Ich habe momentan wenig Zeit und werde in Kürze einen weiteren ausführlichen Beitrag zu der Thematik verfassen.

seriousguy47 10.07.2014 | 16:39

Apropos Berufsstand. Bezieht sich vielleicht auf die Tatsache, dass ich mal der Tätigkeit eines Sozialkundelehrers nachging.

Zu den Ereignissen, die mich da gelegentlich beeindruckten gehörte z.B. der von mir zufällig mitgehörte Streit einer Schülergruppe nach dem Unterricht über die Frage, ob ich nun eher CDU, SPD oder Grün sein. Ich dachte grinsend: Dann hab ich ja nix falsch gemacht...;)

Oder, als mir ein bekennender Rechtsradikaler am Ende des Schuljahres sagte, meine politische Ausrichtung teile er zwar nicht, aber als Lehrer gehöre ich zu den wenigen, die er akzeptiere. Ich glaube wegen meiner ehrlichen Art oder sowas. Weiß ich nicht mehr.....

Nur, um den Berufsstand nicht allzu sehr für neuerliche Projektionen auf mich frei zu geben....

knattertom 10.07.2014 | 16:43

"Meckern, protestieren, demonstrieren, petitionieren ja! Ziemliche Übereinstimmung bei dem, was abgeschafft werden soll. Aber was dann kommen und sein soll - da gibt es scheinbar keinen kleinsten gemeinsamen Nenner."

Danke für den Kommentar, letztlich ist es ja nicht die Aufgabe von Otto- und Ottilie-Normal-Verbraucher, den Politikern zu sagen, was und wie sie es machen sollen. Dafür, sich darüber einen Kopf zu machen und die Ergebnisse dann umzusetzen, werden diese Herrschaften immerhin recht gut bezahlt.

Aber klar und deutlich darauf hinzuweisen, wo u.E.n. zu wenig, oder gar das falsche getan wird, das können wir durchaus.

Wer daran Interesse hat, ich wäre am Sa. vormittag frei, einen offenen Brief mit zu formulieren.

Tao Traveller 10.07.2014 | 16:50

Mach Sachen! Sind sie sich da ganz sicher? Dann haette Herr MOPPERKOPP womoeglich unrecht? Soweit wuerden sie tatsaechlich gehen? :)

Ich wuerde mich ja nicht wundern, wenn sich letztlich herausstellt, sie und ich, und womoeglich auch andere blogger gar nicht wirklich existieren. :)

Vielleicht sind wir nur accounts von Herrn MOPPERKOPP und er laesst uns so posten wie wir es tun, damit er daran seine Diskussionsbeitraege aufhaengen kann? Wer weiss? :)

Sind sie vielleicht mein Mit-Avatar? :)

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Ehemaliger Nutzer 10.07.2014 | 17:27

„…ich habe, ehrlich gesagt, auch nicht den Ehrgeiz, mich in jede Mediensau wissenschaftlich einzuarbeiten, die durchs Dorf gejagt wird.

Ich schaue mir an, was mir an Informationen so über die Maus läuft und nehme mit, was mir plausibel und einigermaßen unparteiisch erscheint. Und wennich mich zu Wort melde, dann überwiegend da, wo mir offenkundig gefälscht/ manipuliert zu werden scheint oder wo es vor Einseitigkeit geradezu knallt.

Er schreibt hier doch selber auf, warum er regelmäßig und bei vollem Bewusstsein neben der Sache liegen muss.

Übrigens steht diese totalitäre Erscheinungsform staatsbürgerlicher Antikritik, dem Bildungsauftrag seines (ehemaligen?) Arbeitgebers überhaupt nicht im Weg.

Ganz im Gegenteil!

berlino1010 10.07.2014 | 18:03

|| Schmähungen, parteilichen Einordnungen .. ||

Die Gefahr durch realitätsverweigernde Parteinahme in diesem Konflikt ist in der Tat sehr gross. Auch mir persönlich ging es seit Dez13 häufiger so, dass ich einseitig wurde und die tatsächlichen Gegebenheiten selektiert und meiner aktuellen Meinung angepasst habe. Und das durch die Empathie zu den Menschen in der UKR/RUS und durch allzu einseitige Propaganda, die in unseren Medien Einzug gehalten hat.

Deutschland ist in diesem Bürgerkrieg auch nicht neutral, sondern Kriegspartei auf Seiten Poroschenkos, und die Medien, insbesondere die TV-Nachrichten ziehen so heftig wie noch nie mit in den Krieg - für mich eine erschreckende Wahrnehmung. Die Beobachtung, Analyse und Enttarnung dieser Propaganda ist eine wichtige Aufgabe. Man muss allerdings aufpassen, dabei nicht nur auf Abwehr bzw. Fürsprache für die andere Partei zu verfallen.

|| im Propaganda-Krieg herauszufinden, was Sache ist .. ||

Jenseits der Propaganda beider Seiten kristallisierten sich für mich immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien heraus, die beide die nationalistische Verschärfung des Konfliktes suchten, um den sozialen Protest und den Kampf für mehr Selbstbestimmung zu unterdrücken. - 20 Thesen

Denn auch die Führer Süd-Ost sind Kriegstreiber und Nationalisten. Und auch die dahinterstehende Großmacht RUS steuert aus Eigeninteresse gegen die Interessen der Menschen der Ukraine, die keine Lobby und auch keine Medien haben.


|| Soweit muss selbständiges Denken schon auch gehen. ||

Es gibt einige eindeutige Propaganda-Stellen, bei der für mich Menschen selbständiges Denken, einen unabhängigen, wahrheitsorientierten Blick auf den Konflikt verlieren. Wer diesen Propaganda-Thesen folgt, outet sich als blind parteiisch:

* Maidan und Regierung sind faschistisch, zu nichts legitimiert
* Die Militär-Aktion inkl. der Aufnahme der Krim in die RF waren gerechtfertigt
* Die Separation in Donezk und Lugansk muss akzeptiert werden
* ..

* Nicht der Maidan, sondern Janukowitsch hat die Internationalen Friedensvereinbarungen durch Flucht zerstört
* In Süd-Ost agieren von Moskau gesteuerte Terroristen, der geäusserte Volkswille in den Referenden gefälscht
* Kiew führt eine gerechtfertigte Anti-Terror-Operation
* ..

Leider sind die magnetischen Anziehungskräfte der jeweiligen Propaganda-Seiten sehr stark. Hier sitzen jeweils die politischen, finanziellen und medialen Unterstützungen.

Es gibt kaum Stimmen und Bestrebungen,
* die unangenehme Wahrheiten anerkennen - unabhängig ihreres eigenen Standpunktes
* die wahrheitsgemäß die jeweiligen Beteiligten kritisieren
* die versuchen Gräben zu überwinden und einen politischen Kompromiß für die Zukunft der Ukraine zu finden.

Ich versuche es. Ich fürchte um die Zukunft des Ukrainischen Volkes. Ich fürchte, sie werden von ihren Oligarchen und vom Westen ausgeraubt und benutzt. Aber ich anerkenne, dass es ihr überwiegender Wille ist, sich an EU / IWF zu orientieren.

Ich akzeptiere den überwiegenden Willen in Süd-Ost auf mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von Kiew. Nur eine grössere Autonomie sichern sie vor der Diskrminierung Kiews. Eine Separation wäre allerdings fatal und muss von Kiew nicht akzeptiert werden.

Es wäre an der Zeit, zu denationalisieren, und den Menschen der Ukraine wieder mehr Selbstbestimmung zu geben. Es kann nicht sein, dass wir als Aussenstehende schon in unversöhnliche Streitigkeiten verfallen. Wie sollen denn dann die Betroffenen zu einem friedlichen Ausgleich gelangen?

seriousguy47 10.07.2014 | 18:13

"...die Medien, insbesondere die TV-Nachrichten ziehen so heftig wie noch nie mit in den Krieg - für mich eine erschreckende Wahrnehmung."

Mir scheint, die Kritik von Links und v.a. auch im Internet hat da schon einiges im positiven Sinne bewirkt.

Ansonsten gefällt mir der Kommentar ausgesprochen gut. Ich sehe es ähnlich, aber mir fehlen erstens persönliche Bezüge/ Kontakte, zweitens Informationen. Und dann ist da natürlich noch meine Westorientierung als quasi zweite Natur sowie meine spontanen Sympathien für die "Basis".

Und da muss ich mich dann eben informativ durchwursteln.

molodjez 10.07.2014 | 20:10

Nun, ich glaube Sie verwechseln Antiamerikanismus, oder wie Sie schreiben "Amerika-Hass", mit einem Hass auf die US-Amerikaner. Das ist genau die selbe "Begriffsstutzigkeit" von manchem, der Israel-Kritik nicht von Antisemitismus unterscheiden will. Ich für meinen Teil betrachte mich durchaus als Linken und glaube, dass Antiamerikanismus zum guten Stil eines Demokraten und Humanisten gehören sollte. Es gibt keinen guten Grund, der gegen Antiamerikanismus spricht, weder ökonomisch noch politisch oder kulturell.

Tao Traveller 10.07.2014 | 21:16

Ich glaube, dass wir, also deutsche Regierung und ihr Volk keinen wirklichen Grund zu Antiamekanismus haben.

"Wir" aalen uns unter dem Schutz und Schutzversprechen Amerikas. Unterstellen dabei, dass Amerika "uns" sieht und immer wohlwollend behandelt wie eine Mutter ihr Kind. Weigern "uns" aber, das politische teenager-Alter zu verlassen und politische Erwachsenen-Verantwortung zu uebernehmen.

Ich glaube auch, dass "unsere" Regierung das nuechterner und wahrhaftiger einschaetzt als "wir".

Gut, dass Frau Merkel und Herr Steinmeier den Ball flach halten.

Antiamerikanismus (nicht gleichzusetzen mit Amerika-kritischer Einstellung) waere das naechste hausgemachte deutsche Disaster.

Garantiert.

seriousguy47 10.07.2014 | 23:32

Auf die Gefahr hin, in die Oberlehrer-Schublade einbetoniert zu werden:

Wie Tao Traveller schon gesagt hat, ist Amerika-Kritik etwas anderes als Antiamerikanismus. Sie selbst bestätigen das übrigens mit dem Verweis auf Israel, wo Sie selbst korrekt zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus unterscheiden möchten. Antiamerikanismus wäre demnach, in Ihrer eigenen Logik, das Äquivalent für Antisemitismus in einem anderen "rassischen" Kontext - wobei das beim multiethnischen Amerika natürlich nicht wirklich passt.

Für mich war es übrigens eine sehr späte Überraschung, festzustellen, dass der Antiamerikanismus auch typisch für die Nazis war (ist). Auf die Schnelle hab ich dazu diesen Link gefunden:

http://www.cicero.de/weltbuehne/hitlers-erbe-antiamerikanismus-und-antisemitismus/57398

Darin u.a.:

"...These lautet: Hitlers Antisemitismus resultierte aus seinem Antikapitalismus, sein Antikapitalismus aus seinem Antiamerikanismus. Vorrangig waren der Hass auf die angloamerikanische Welt, der Neid auf die militärische Macht Großbritanniens und der USA, die Schmach über die als Kolonie-Status empfundene Degradierung Deutschlands durch Versailles."

"Man fühlt sich etwa an Max Horkheimers Beobachtungen aus dem Jahr 1967 erinnert, als er feststellte, „dass überall dort, wo der Antiamerikanismus sich findet, auch der Antisemitismus sich breitmacht“. Gefolgt von der Warnung: „Die Demagogen von rechts aber, bis zu einem gewissen Grad auch die von links, haben längst erkannt, dass sich hier ein fruchtbares Feld findet, und nützen die Lage in zunehmendem Maße aus.“

Anderer Link:

http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-1560/schwabe.html

molodjez 11.07.2014 | 11:32

Nun, dass die Nazis die USA hassten ist eigentlich bekannt und ein eher schwaches Argument bei der Beurteilung der gegenwärtigen US-Politik (einige Nazis hatten auch ein Faible für biodynamische Landwirtschaft, sollen wir deshalb alle Bio-Läden boykottieren?). Ich finde an der US-Politik sehr vieles kritikwürdig, ob sie nun von Mormonen, Schwarzen, Weißen, Juden oder sonstwem gemacht wird ist dabei egal. Aber wir schweifen vom eigentlichen Thema Ukraine ab.

knattertom 12.07.2014 | 05:50

"...These lautet: Hitlers Antisemitismus resultierte aus seinem Antikapitalismus, sein Antikapitalismus aus seinem Antiamerikanismus. Vorrangig waren der Hass auf die angloamerikanische Welt, der Neid auf die militärische Macht Großbritanniens und der USA, die Schmach über die als Kolonie-Status empfundene Degradierung Deutschlands durch Versailles."

Auch wenn es off-topic ist, so ganz unkommnetiert soll das hier nicht stehenbleiben. Als A. Hitler wegen des Putschversuchs 1923 in Landsberg inhaftiert war, schrieb er "Mein Kampf". Das er sich das erlauben konnte, und nicht wie andere Häftlinge für sein Geld im Knast arbeiten musste, lag daran, das er für die Hearst-Presse in den USA regelmässig Kolumnen und Kommentare verfasst hat.

Die Nazis waren von bestimmten Kreisen in den USA stets als Verbündete ausgegangen und die haben 1933/34 auch einen Versuch unternommen, dort ebenfalls ein faschistisches Regime zu installieren. Als Stichworte für eine Onlinesuche:

General Smedley Butler

Business Plot

Gerald C. MacGuire

Prescott Bush

Randolph Hearst

Tara 13.07.2014 | 12:57

Also, Herr Poroschenko hat 6 Prozenten Bewohner befreit! Hurra!

Jetzt Poroschenko arbeiten an einer Lösung für folgendes Problem: frei machen 4 Prozent Bewohner von Lugansk und Donezk von 96 Prozent der "Terroristen".

Was für ein feiner Kerl!

Und das tut er auf Geld der europäischen Steuerzahler! Wieder einmal Prost!

Tara 13.07.2014 | 21:02

"Präsident Poroschenko gab einen Sonderbefehl auf die Anwendung heute abends Kampfstoffe gegen Milizen. Diese Daten kamen zu dem Hauptquartier der Miliz von in Donbass gefangene ukrainischen Soldaten. Laut Gefangenen, wurden sie angewiesen, um in der Nacht aus der Schusslinie weggehen.

Punisher erhielt chemischen Schutz-Kits und Reagenzien für die Verarbeitung gepanzerte Fahrzeuge. Chemischer Angriff ist in der Umgebung von Schnee-Saur-Graves, südlichen Gruppe ukrainischer Truppen umgeben geplant. Befehl kam aus Kiew, die Gruppe um jeden Preis lösen, unabhängig von Menge Opfern."

SiebzehnterJuni 19.07.2014 | 05:32

@lutz herden - vorausberechenbarer artikel wie das amen in der kirche

"....Poroschenko und seine Hampelmänner

Ostukraine Statt politische Lösungen zu suchen, wie das ein Außenministertreffen in Berlin beschlossen hat, will Kiew die militärische Entscheidung. .."

Um den Terroristen im Osten der Ukraine den Garaus zu machen, ist eine militätrische Entscheidung das einzig senkrechte! Und reden wollen die Terroristen doch nicht, könnenn es doch auch gar nicht.Oder hat es einen vernünftigen Satz dieser bunt verkleideten russischen EliteSoldaten bisher gegeben??

Und jetzt Abschuss eines Zivilflugzeuges Wer stoppt endlich diese Banmditen??