Richtung Horn von Afrika

KOMMENTAR Enduring Freedom für Ostafrika! Unbegrenzte Freiheit auch für Somalia? Dem Land der finstren Warlords und fanatischen Glaubenskrieger, das offene ...

Enduring Freedom für Ostafrika! Unbegrenzte Freiheit auch für Somalia? Dem Land der finstren Warlords und fanatischen Glaubenskrieger, das offene Rechnungen aus den frühen neunziger Jahren zu begleichen hat, als Enduring Freedom noch Restore Hope hieß. Die Schildknappen des Imperiums, unterwegs zum Horn von Afrika, wissen hoffentlich, dass Farah Aidid - der "Rebellenführer", der "Clankrieger", der "Teufel in Menschengestalt" - seit fünf Jahren tot ist und als Osama bin Laden Somalias nicht zur Verfügung steht. Aber sind sie seinetwegen ausgelaufen? Gehen sie nicht auf Weltreise, das Schlimmste zu verhüten? Und ist der Anti-Terror-Krieg nicht ein unermüdlicher Wettlauf mit der schlimmsten aller Heimsuchungen, ihn vielleicht besser nicht zu führen? Wie man ihn, siegreich, verlieren kann, bezeugen 4.000 tote Zivilisten in Afghanistan. Im Waffenlärm schweigen die Gesetze, sagt ein lateinisches Sprichwort. Das mag für Schröders Umgang mit der Verfassung gelten, nur für das höhere Gesetz des Krieges, dass nicht nur auf den Heerstraßen, sondern auch links und rechts im Graben gestorben wird, gilt es offenbar nicht.

Dennoch zieht es die gewachsene deutsche Verantwortung für die Welt und die deutsche Kriegsmarine gemeinsam nach Süden. Wenn Schröder sagt, "wir haben in drei Jahren deutsche Außen- und Sicherheitspolitik fundamental verändert", holen ihn im vierten Jahr erst recht die Reflexe des Wiederholungstäters ein. Einer, der hält, was er verspricht, man weiß das und befürchtet es viel zu wenig. Wie viele Jahre will er noch haben?

Die Geschichtsbücher liegen so offen vor uns, dass es sich lohnte, darin zu lesen, um genau das zu erfahren. Aber bevor es soweit sein wird, will erst noch fortgeschrieben werden, was jahrzehntelang unerledigt blieb. Das "kleinere Übel" zur Zügelung des großen Imperiums hat viel Schaum vorm Bug und nicht nur eine Handvoll Wasser unterm Kiel - auch manches Geschoss im Rohr.

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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur „Politik“, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen. Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zum Freitag. Dort arbeitete es von 1996 bis 2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

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