Wenn der Staat gegensteuert

Rezession In der EU sind viele Anti-Krisen-Programme nationale Alleingänge, im Umgang mit den maroden Banken unterscheiden sich Deutschland und Großbritannien erheblich

Der Freitag hat in den vergangenen Wochen wiederholt die Auswirkungen der Finanzkrise auf die internationale Politik analysiert, nicht zuletzt in der Serie zur Zukunft des Kapitalismus. Mittlerweise spitzt sich die Diskussion auf die Frage zu, inwieweit die Gründung einer Bad Bank unvermeidlich ist. Elmar Altvater kann dem Modell, wie es in Großbritannien angedacht wurde, nämlich dass faule Papiere auf Kosten des Steuerzahlers aufgekauft werden, nichts abgewinnen. Seine These lautet: Faule Kredite dürfen nicht verstaatlicht werden, eine Sozialisierung von Verlusten privater Banken ist heute weniger denn je angezeigt.

Der Bremer Ökonom Rudolf Hickel befürwortet hingegen eine "Bad Bank light", die den Banken beim Aufkauf derzeit nicht mehr realisierbarer Finanzderivate zur Seite steht. Dies sollte jedoch an strenge Rückzahlungen gebunden sein, sobald die entsprechenden Institute wieder Gewinne machen

Michael Krätke selbst hat den Ausbruch der Finanzkrise in Großbritannien beobachtet und kommentiert. Wie in den USA begann sie mit dem Platzen einer gigantischen Immobilienblase. Mit dem Absturz der Northern Rock Bank, dem fünftgrößten britischen Hypotheken-Finanzierer, begann der Tanz. Das war im Herbst 2007. Im Februar 2008 bereits sorgte der Absturz dieser Bank für einen Präzedenzfall – sie wurde für 33 Milliarden Pfund verstaatlicht. Damit wurde ein Weg eingeschlagen, der in Großbritannien sehr viel konsequenter als etwa in Deutschland beschritten wurde. Verstaatlichung nicht als ultima ratio der Krisenbewältigung, sondern auf fortwährende Praxis staatlichen Eingreifens.

Der Freitag wird das Thema weiterhin im Auge behalten.


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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur „Politik“, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen. Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zum Freitag. Dort arbeitete es von 1996 bis 2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

Lutz Herden

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