Über den Wolken..

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.. muß die Freiheit grenzenlos sein" vermutete einst der Berliner Liedermacher Reinhard Mey in einem seiner erfolgreichen Songs. Seine Freiheit, die er meinte, war nicht die des Geldes. Aber als er dies schrieb, hatten wir auch noch ganz andere Zeiten. Nun hat mich Daniela Dahn durch ihren Artikel "Koste es, was es wolle" an diese Liedzeile erinnert. Sie hat die aktuellen Umständ der Finanzmisere scharf beobachtet und trifft m.E. mit dem Titel wie auch dem Untertitel den Nagel auf den Kopf. Die Diskussionen über den Geldfluss lassen mir nur eine ganz bestimmte Interpretation der staatlichen Geldgeberfreude zu: Es handelt sich doch bloß um Steuergelder. Diese sind sowieso dazu da, die Posten der versammelten und gut honorierten Entscheidungsträger zu bezahlen. Auch die Verwendung für weitere gehobene Zwecke ist schon seit Gedenken lediglich eine konsensträchtige Verhandlungssache. Es ist moralisch, es ist praktisch, und es ist immer die einfachste Lösung. Auch jetzt, wo man sich ein wenig mehr gönnen muß, als sonst üblich, ist dies alles kein Problem, solang sich das Volk über seine verbliebenen Pfennige freut. Wie auch sonst? Zu lang ist es her - viel zu lang - daß Mister Normalo den Glauben hätte, durch des Staates Segen ändere sich an seinem Wohlstand irgendwann mal etwas entscheidendes. Arm bleibt arm. Und so sieht auch das adäquate Rezept für die Mittelschicht aus. Man nehme zunächst ein wenig diffus-wabernde Panikmache über die Verlustgefahr an Pfennigrollen. Diese wird in einer Kombination mit einer großzügig verkauften Einlagengarantie verabreicht, garniert mit einer schönen Ansprache der Kanzlerin. Wer fühlt sich da nicht geehrt? Was für ein schlichtes Blendwerk. Aber es reicht völlig aus, um den Lümmel zufrieden zu stellen. Schließlich sind die Deutschen schon immer mit wenig Aufwand bei der Stange zu halten. Wirklich alle? Oskar Lafontaine zum Beispiel nicht. Der vertritt eine erfrischend unbefangene Meinung zu dem Spiel, welches gespielt wird und outet sich für seine Wähler als Benachteiligter, als er zur Debatte um die Verstaatlichung der HRE-Bank erklärte: "Es zeigt sich immer mehr, dass die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister beim Aufspannen ihres Banken-Rettungsschirms den Bank-Vorständen auf den Leim gegangen sind. Erst lässt sich Merkel von den 'Ackermännern' der deutschen Finanzwirtschaft beraten, die mit ihren verrückten Renditezielen der Finanzmarktkrise erst ein Gesicht gaben. Dann kaufen sich Merkel und Steinbrück mit Milliarden Steuergeldern viel zu teuer bei der Commerzbank und nun bei der Aareal-Bank ein, ohne Mitspracherechte über die Verwendung der Gelder zu verlangen. Jetzt genehmigen sich die Bankmanager aus diesen Steuergeldern Millionen-Boni. Anstatt die Banken zu enteignen, enteignet die Bundesregierung die Steuerzahler." Das gehört wie üblich ungehört. Denn das große Geld wird schließlich dort gebraucht, wo man es am besten aus dem Fenster werfen kann. Dort in der Höhe, über den Wolken, wo Frau Holle wohnt. In einer Welt, die der Lümmel nur aus dem Märchen oder aus der Gazette kennt. Dort, wo in grenzenloser Freiheit auch die guten Posten für Industrie, Politik und Wirtschaft wachsen.Quellen:
http://www.presseportal.de/pm/41150/1354976/die_linke
http://www.freitag.de/politik/0908-bankenrettung-finanzkrise-verstaatlichung

23:35 18.02.2009
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Geschrieben von

manstruator

Der Dummheit hat die Natur keine Grenzen gesetzt - sie ist menschlich.
manstruator

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