Moral der Hassprediger

Kommentar Das Ende der Stasi-Unterlagenbehörde naht

Warum geht es gerade jetzt mit der Stasi-Unterlagenbehörde zu Ende? Weil Dienstherr Schily die stolze Frau Birthler nicht leiden kann? Weil den Finanzminister der 100-Millionen-Euro-Etat für den mit 2.300 Angestellten wahrscheinlich größten öffentlichen Arbeitgeber in Ostdeutschland bitter ankommt? Weil der Auftrag, den die letzte und zugleich erste freigewählte Volkskammer der DDR diesem weltweit wohl einmaligen Institut zugeschrieben hat, als erfüllt gelten kann? Auftrag erfüllt - da könnte was dran sein. Zumindest dann, wenn die Volkskammer 1989 beschlossen hätte: "Schafft ein Feindbild, das ekelhaft genug ist, mit den DDR-Eliten ein für allem aufzuräumen. Schürt Angst und Hysterie (Stasi-Seilschaften) und zerrt immer mal einige Leute heraus, die öffentlich geschlachtet werden können. Verhängt nur lebenslänglich. Wenn Beweise dünn sind - werdet moralisch."

Diesem nie genannten, aber inoffiziell verbindlichen Auftrag entsprach das Treiben des Herrn Gauck und der Frau Birthler, dem wir in den vergangenen 15 Jahren mal entgeistert, mal verängstigt zugesehen haben. Das hat geklappt. Mit dem Hassprediger Gauck stand eine Figur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, die christlich-missionarischen Eifer mit der Freude an der öffentlichen Denunziation und am hochtönend moralisierenden Vortrag verband. So hat uns der andauernde Nachweis, dass Gysi, Stolpe, Heym, Hermlin, diverse Müllers, ein Bertram, ein Dubinski und ein "Hauptmann Fuchs" aus der TV-Krimiserie "Polizeiruf 110" Ausgeburten des Totalitären waren, das neue Deutschland von seiner ausnehmend ausladenden Seite erleben lassen.

Das hat sich erschöpft. Die geile Vorfreude, die Frau Birthler mit den von der CIA überreichten "Rosenholz"-Dateien weckte, wurde enttäuscht. Das war ihre letzte Chance. Bisky steht nicht vorm Tribunal. Nicht mal Wallraff konnten sie kriegen. Die Presse ist kaum noch interessiert. Ihre Leser und Zuschauer haben andere Probleme. Täter und Opfer geben sich auf den Arbeitsämtern die Klinke in die Hand. Daran kann die Stasi schlechterdings nicht mehr schuld sein. Außerdem - die Deutschen haben mehrheitlich nichts gegen Geheimdienste. Selbst V-Männer und versteckte Kameras auf öffentlichen Plätzen werden akzeptiert.

Die Abschaffung der Stasi-Behörde, dieses quirligsten aller Kinder der Revolution, kommt gerade richtig, um das Birthlerkollektiv vor imperialer Überdehnung zu bewahren. Denn die gute Marianne wartet auf positiven Bescheid aus Bagdad - dort will sie das "Erfolgsmodell" Unterlagen-Behörde der jungen Demokratie vermachen. Einstweilen muss sie sich allerdings mit Wanderausstellungen begnügen, und so ziehen mit den Zeugnissen der Diktatur Geruchsproben von Opfern durchs Land. Tapfer lässt Frau Birthler verlauten: "Wir verzeichnen ein steigendes Interesse an den Dingen, die mit unseren Unterlagen zutage kommen."


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