Matthias Dell
15.05.2011 | 21:45 36

Komplett

Tatort Bremen versucht sich in den globalen Migrationsdiskurs einzuschalten, produziert aber nur exotische Klischees und billige Empörung: der "Tatort: Der illegale Tod"

"Der Wolf kommt aus dem Süden", heißt es in Heiner Müllers Titus Andronicus-Bearbeitung. Die kann man als ein Stück über den schwelenden Nord-Süd-Konflikt lesen, und auch wenn Müllers kulturalistisches Verständnis aus heutiger Sicht nicht mehr ganz weit vorn ist, so war das damals doch auch schon: eine Metapher.

Deshalb reibt man sich angesichts des Bremer Tatort: Der illegale Tod die Augen, denn da wird mit der Metapher ernst gemacht. Amali Agdebra, die einzig Überlebende eines im Mittelmeer gesunkenen Flüchtlingsschiffs aus Nordafrika, bewegt sich durch diesen Film wie ein Tier, was man besonders deutlich sehen darf, wenn sie wildkatzenhaft die Kneipe beobachtet, in der Stedefreund (Oliver Mommsen) und sein alter Freund Peer Förden (Michael Pink) haltlos dem Alkohol zusprechen, um ihr Wiedersehen zu feiern. Hätte man Stedefreund das zugetraut? Würde unser heterosexueller, männlicher, weißer Mittelstandsdarling Bootz aus Stuttgart  ebenso exaltiert feiern, wenn alte Kumpels vom Einsatz vor Malta zurück wären? Man kann den Hinweis von Tante Lürsen (Sabine Postel) – "Was sind denn das für Machospielchen?" – als verkniffen-lustfeindliche Kontrollwut auslegen, aber Stedefreund ist doch mittlerweile auch in einem Alter, in dem man sich so etwas wie einen Alkoholpegel eher als langsame Addition von gepflegten Bieren vorstellte.

Zurück nach Afrika. Das bleibt für das deutsche Fernsehen (Drehbuch: Christian Jeltsch, Regie: Florian Baxmeyer, Musik: Stefan Hansen) eine Herausforderung, an der es immer nur scheitern kann, und das Betrübliche daran ist, dass man selbst von einem Tatort schon nicht mehr Differenzierung erwartet als von der x-ten Wiederholung des Degeto-Klassikers Mein Traum von Afrika mit Jutta Speidel. Wo eine "Afrikanerin" auftritt, muss die Musik sofort auf "ethno" schalten, weil dass der Horizont ist, in den sich die Idee des Anderen dieses Südens überhaupt nur integrieren lässt.

Spitze Finger

So wird man also umgehend von "sphärischen" Klängen belästigt, die den Eskapismus von Michael Cretus Enigma-Projekt maximalst mit Nusrat-Fateh-Ali-Khan-Wehklagen aktualisieren. Dabei wäre es, ausnahmsweise gerade einmal im Sinne einer sarrazinschen Lesart von Integration, doch viel wohltuender, wenn so ein Tatort die Szenen mit dem Flüchtlingsschiff in seinem deutschen Fernsehstyle verwursten würde, statt ehrfurchtsvoll das Andere mit spitzen Fingern anzufassen, nur weil der Drehort Tunesien sein soll (immerhin: sinnvolle Inserts this time) und die handelnden Personen keinen Ariernachweis bis ins Mittelalter erbringen können.

Es ist also nicht schlimm nicht genug, dass, von außen betrachtet, Schauspielerkarrieren wie der Florence Kasumba, die hier Amali Agdebra spielt, in exotisierenden Musicals (Der König der Löwen) beginnen müssen, sondern dass im staatstragenden deutschen Fernsehfilm Rollen für Darsteller wie Kasumba immer nur als Exotismen denkbar sind. So schätzenswert der Versuch ist, die Migrationsproblematik im Mittelmeer, Bremerhaven sei dank, auf den Tatort Bremen herunterzubrechen, so unterkomplex wird er hier ausgeführt. Auch wenn Realität als schwieriges Kriterium für ein künstlerisches Produkt gilt, das der Tatort am Ende auch ist – die Idee der versuchten Rachegeschichte einer überlebenden Flüchtlingsmutter, die kurz vor Ende auf reines Theater zur Sichtbarmachung von Ungerechtigkeit abgebremst wird, kommt einem reichlich weit hergeholt vor.

Zumal bei so einer schlampig erzählten Geschichte, bei der man sich jede Sekunde fragt, wann und wie Amila zu ihren Recherchen über die deutsche Küstenwache unter Frontex-Flagge gekommen ist, woher sie deutsch kann (ihr Mann studierte in Leipzig, also ist sie bilingual aufgewachsen? Gleichzeitig wird die Togo-Herkunft in Zweifel gezogen, obwohl das doch über den Mann, wenn man von ihm weiß, dass er in Leipzig studiert hat, nachprüfbar sein müsste), wann Stedefreund-Kumpan Peer sich in sie verliebt hat (in der versoffenen Nacht?), warum überhaupt eine Mutter inklusive Kleinkind fliehen und vor allem dann nichts Besseres als Gerechtigkeit im Sinn haben sollte?

Der Jan-Fleischhauer-Komplex

Darüber geht Der illegale Tod aber einfach hinweg, weil ihm an nicht mehr gelegen ist als an billiger Empörung (was Drehbuchautor Jeltsch in einem, gemessen an der Geschichte, differenzierten Interview sogar bestätigt). Das zeigt sich, einmal mehr, in der völlig statischen Anlage der Tante-Lürsen-Figur, die irgendwie 1968 ff. sein soll, in einer Form, die manch einem Anfang der achtziger Jahre zum Hals raus hing. Der Anfang der achtziger Jahre ist nun aber so lange her, dass Tante Lürsen schon ein sehr eindimensionaler Charakter sein muss, um 30 Jahre später noch immer so druff zu sein, dass es bei undifferenzierten Jungdynamos wie Stedefreund zu allergischen Reaktionen kommt ("Die Zeiten haben sich geändert") – zumal dieser insinuierte Sozialkundelehreridealismus so diffus ist, dass wir ihn im Gespräch mit dem ebenfalls äußerst merkwürdigen Flüchtlingsheimhausmeister gar nicht bemerkt hätten. Man merkt schon an den Disclaimern, die in die Handlungsbeschreibung eingebaut werden müssen, wie dürftig das Gerüst dieses Tatort ist. Und das Inzestuöse des 68er-Bashings besteht darin, dass man Figuren wie Tante Lürsen künstlich am Leben erhält, damit die Jan Fleischhauers dieser Welt auch morgen noch zu ihrem Herrenschneider gehen können, um sich guten Gewissens einen neuen Dreiteiler zuzulegen, weil sie im Fernsehen die "Hegemonie" eines von ihnen verachteten moralischen Besserwissertums sehen. Seufz.

Dass Tante Lürsen mit einer Kostüm tragenden Karrieristentochter geschlagen ist (Camilla Renschke), die nun auch noch ihre Vorgesetzte sein soll, ist eine Form von Strafe, die die 68er-Allergie hervorgebracht hat (siehe Jan Fleischhauer, dessen Eltern wir gerne einmal kennenlernen würden, weil sie, gemessen am Grad von Fleischhauers schnöseliger Scheuklappigkeit, vermutlich die einzigen wären, die uns Tante Lürsen als realitätsnah näher bringen könnten). Und ehe das Klagen über diese Folge kein Ende mehr nimmt, rufen wir dem Bremer Tatort für die Zukunft mit diesem dubiosen Küstenwachenquartett zu: "Reiß dich zusammen!"

Wird man sich künftig einen Tatort ohne ihn überhaupt noch vorstellen können: Arnd Klawitter, wieder mal in the house (wenn auch spürbar unterfordert)

Hundenamen, die man sich merken sollte: Balu

Kommentare (36)

Rene Artois 16.05.2011 | 00:00

Danke, Master Dell. All das, was Sie hier so richtig schreiben, hatte ich alter EinsfestivalnachzüglerundlieberLinleygucker schon nach den ersten paar Minuten gespürt, gesehen, gehört, gerochen ... Ich glaube, ich hatte den NZZ-Kommentar "Traurige Kommissare" schon mal erwähnt, oder?
Dieses Betroffenheitsskrimisurrogat muß man nicht haben. Ehrlich nicht.

Rene Artois 16.05.2011 | 00:00

Danke, Master Dell. All das, was Sie hier so richtig schreiben, hatte ich alter EinsfestivalnachzüglerundlieberLinleygucker schon nach den ersten paar Minuten gespürt, gesehen, gehört, gerochen ... Ich glaube, ich hatte den NZZ-Kommentar "Traurige Kommissare" schon mal erwähnt, oder?
Dieses Betroffenheitsskrimisurrogat muß man nicht haben. Ehrlich nicht.

Blinkfeuer 16.05.2011 | 00:13

Dass ein Eishockey WM- Finale nicht DER Kracher sein würde, das ahnt auch der Laie.
CZ - RUS war ja schon mittags und interessant. Dass ein Tatort aber noch öder besetzt und gespielt ist als nicht nur das Nordduell....ich kann nicht mehr!
Warum sind die blassesten Gestalten als Mittelmeercrew besetzt? Waren die nur unter Deck? Und sind deshalb nicht braungebrannt wie'n Hottento---oh, sorry---pc---da muss Will besser drüber labern.
Sendeklick: 22:13:02h

Avatar
andershoppe 16.05.2011 | 00:33

Nervig an den letzten Tatorten finde ich stets dieselben Schauspieler neben den Kommissaren.
Heute wieder derselbe Schauspieler als Wasserpolizist, der vorletzte (?)Woche gerade einen Psychologen gespielt hat und vor etwa drei Wochen eine schwulen Galeristen und Fitnesstrainer oder so. Er ist nicht der einzige, der fast in Reihe auftaucht. Da sind noch eine jugendliche Schauspielerin mit eine prägnanten Piepsstimme und ein rotblonder, muskulöser Darsteller. Immer in engen Abständen.

THX1138 16.05.2011 | 01:09

Billig und schlampig, diese Folge, in der Tat! Dieses Mal wurde mit dem rauhen Defender-Deserter-Polizistenboy wohl das stilistische Gegenstück zur kleinbürgerlich-verkrampft wirkenden Cowgirrrrl-Komissarin vom letzten Mal aufgefahren.

By the way: Stand der Beleuchter unter Drogen? Wirkte irgendwie alles wie im selben Studio abgedreht.

paulart 16.05.2011 | 01:34

In der NDR-Talkshow am Freitag-Abend wurde die Hauptdarstellerin Sabine Postel eingeladen - und es wurde auch über diesen Tatort gesprochen. Eine ganz kurze Sequenz gab's auch zu sehen. Die Ankündigung, übrigens unter Mitwirkung der ehemaligen Bischöfin Käßmann als Co-Moderatorin, schien einen spannenden und zugleich aufrüttelnden Film zu versprechen. Aber es wurde dann doch nur wieder das 16:9-Klischee-Format.

Als ich die Frontex-Selbstdarstellung las, hielt ich das allerdings auch für einen Werbeflyer von AI:
www.freitag.de/community/blogs/elbeeins/frontex-damit-wir-ein-gutes-gewissen-haben-koennen

hokoerner 16.05.2011 | 02:12

Wenn man verfolgt, wie sich Radio Bremen nun schon seit Jahren tapfer weigert, sich mit der Realität auseinanderzusetzen, die nun einmal nicht in Flüchtlingsmorden durch BRD-Gesetzeshüter besteht, sondern gerade in Bremen durch umkippende Stadtteile und kriminelle Gangs wie den Miri-Clan gekennzeichnet ist, dann kann man über dieses sozialpädagogische Machwerk von präsenilen 68ern und ihren Erziehungsprodukten nur müde und leicht angewidert den Kopf schütteln. Nicht umsonst weist die PISA-Studie für Bremen das mieseste Ergebnis aus.

Wer zudem Jean Raspeils politisch inkorrektes aber durchaus visionionäres "Heerlager der Heiligen" gelesen hat, würde Frau Postel und ihren Trupp von Realitätsverweigerern rasch wiedererkennen.

weinsztein 16.05.2011 | 04:20

Ich glaube nicht, dass es den Bremer Tatörtlern darum ging, billige Empörung zu produzieren. Empörung ist wohl allerseits, aber Drehbuch und Regie scheitern am Thema, auch mit Klischees. Wem hilft es, wenn der Frontexchef wie ein Mafiahäuptling daher kommt und ein, zwei Morde empfiehlt. Dass mit dem was nicht stimmt, spürt Inga Lürsen nämlich sogleich, empört bricht sie einem beschränkten Staatssekretär (oder sonst wem) sogleich das Nasenbein.

Frau Lürsen muss wieder schrecklich gestanzte Sätze sprechen, so wie sich Autor und Regisseur eine echauffierte Altinke eben vorstellen. Ich sage es nur ungerne, aber mimisch bleibt sie Mutti.

Die schöne schwarze Rächerin (Florence Kasumba) soll nicht nur die Story über 90 Minuten tragen, sondern, quasi ein Aufwasch, auch Herrenträume befeuchten.

THX erwähnte schon die verschiedenen Milieus in stets gleichem Licht, die für Verwirrung sorgen: wo sind wir denn jetzt gerade? Dazu tragen auch lange O-Ton-Vorüberlappungen bei (liest sich geil, oder?). Gemeint ist: In einer Szene hört man schon die Stimme des Schauspielers, der erst in der nächsten Szene an einem anderen Ort zu sehen ist.

So ein wichtiges Thema, durchaus für einen Tatort geeignet -und so grausig vergeigt.
Frankfurt hat es vorgemacht: neues Team, frische Darsteller, neue Autoren, Regisseure, eine andere Küche, in der Tatorte zubereitet werden.

lucubro 16.05.2011 | 08:55

Wenn man es vergleicht mit anderen Tatorts von gesellschaftlicher Relevanz, etwa neulich mit dem Stuttgarter Afghanistan-PTSD-Trauma-Tatort, der vor Klischees nur so strotzte und atmete, ja ohne nicht annähernd funktioniert hätte, gings hier eigentlich noch!

Vielleicht bezeichnend, dass auch hier, wie letztens beim neuen Frankfurter, die Leichen erst gegen Ende kommen. Gibts da nicht eine Drehbuchregel, von wegen, Leiche in den ersten 5 Minuten? Oder ist das Hörensagen? Wer weiss was?

Schockierende Details: Die Bilder vom Strand, die stumme Anklage gegen Menschenhändler in Form der langen Kamera auf dem Kühlcontainer. Oder die Wasserpistolenspiele der Kinder im Flüchtlingslager. Kürzer und knapper kann man die realen Verhältnisse kaum kritisieren. Drehbuchautor Christian Jeltsch hat mir im Tatort-Chat bestätigt, dass dieses Bild ein Zitat korrespondierender Szenen in Blood Diamond sei. Schockierend hüben wir drüben!

lucubro 16.05.2011 | 09:09

Der obere Standard der Problemzonentatorts ist ja m.E. die Münchner Folge "Nie wieder frei sein".

Schockierend vom Abladen der vermeintlichen Frauenleiche, über den Prozess, die Freisprache des Sexualmörders wegen den getürkten Beweisen, das Stalking der Überlebenden durch den Täter, die Lynchstimmung und schliesslich das drastische Ende der ehrgeizigen jungen Anwältin!

Unerreicht, unerreichbar. Ein Tatort wie nur wenige pro Jahr.

Kann man eigentlich gezielt einzelne Episoden auf DVD kaufen? Weiss jemand was? Es gibt ja die Ermittlerboxen.

Matthias Dell 16.05.2011 | 11:36

ob es denen darum ging (allerdings klingt der drehbuchautor im interview ja so), sei mal dahingestellt, aber viel mehr als empörung kommt eben nicht rum. gerade in der postel-mutter-tochter-konstellation. diese vorwürfe, wer sich engagiert und wer nicht empört, das bringt keinen weiter; darum kann sich doch dieser fleischhauer kümmern. soll man jetzt staunen, dass die wohlstandsversierte tochter anfängt, sich auch mal zu empören, die welt ist grausam und ungerecht, nein, wer hätte das gedacht?

lebowski 16.05.2011 | 15:49

Es gibt ja Szenen in deutschen Fernsehkrimis, die ich immer wieder herzallerliebst finde. Gestern kam mal wieder meine Lieblingsszene. SEK Bremen stürmt ein Gebäude, mittenmang dabei der Stedefreund. Während die SEK-Leute mit Helm und schusssicheren Westen herumlaufen, bevorzugt Stedefreund den casual chic. Was soll mir das sagen? Dass Stedefreund in Drachenblut gebadet hat und im Ernstfall keine Weste benötigt?

Auch an die exaltierten Wiedersehensparties alter Buddies wie Stedefreund und Peer mag ich nicht wirklich glauben.
Mit fortgeschrittenen Alter werden solche Wiedersehensrituale zunehmend langweiliger. Eine enthemmte Sauferei findet so gut wie nie statt.

Ach ja, Matthias Dell, was ihr kleiner Seitenhieb auf Fleischhauer angeht: es ist schon eine echte Tragik, dass "Linke" keine geschützte Bezeichnung ist. So lebt Jan Fleischhauer auch weiterhin in dem Wahn, dass jeder deutsche Spießer, der ein Che-Guevara-T-Shirt trägt, ein Linker ist.

lebowski 16.05.2011 | 15:50

Es gibt ja Szenen in deutschen Fernsehkrimis, die ich immer wieder herzallerliebst finde. Gestern kam mal wieder meine Lieblingsszene. SEK Bremen stürmt ein Gebäude, mittenmang dabei der Stedefreund. Während die SEK-Leute mit Helm und schusssicheren Westen herumlaufen, bevorzugt Stedefreund den casual chic. Was soll mir das sagen? Dass Stedefreund in Drachenblut gebadet hat und im Ernstfall keine Weste benötigt?

Auch an die exaltierten Wiedersehensparties alter Buddies wie Stedefreund und Peer mag ich nicht wirklich glauben.
Mit fortgeschrittenen Alter werden solche Wiedersehensrituale zunehmend langweiliger. Eine enthemmte Sauferei findet so gut wie nie statt.

Ach ja, Matthias Dell, was ihren kleinen Seitenhieb auf Fleischhauer angeht: es ist schon eine echte Tragik, dass "Linke" keine geschützte Bezeichnung ist. So lebt Jan Fleischhauer auch weiterhin in dem Wahn, dass jeder deutsche Spießer, der ein Che-Guevara-T-Shirt trägt, ein Linker ist.

lucubro 19.05.2011 | 15:05

Einig mit ihnen gehe ich, dass es erstaunlich ist, wenn Leitmayr und Batic einen so komplexen Fall bekommen, einen so unironischen Fall ohne Kalauer und sonstiges Sprachspiel.

Der Anfang war so eindringlich, dass es im Lauf der 90 Minuten kaum mehr zu toppen gewesen wäre, es demnach einleuchtet, wenn die inszenatorischen Mittel nachher wechselten (siehe Musik, Kameraführung, Spiel-im-Spiel, sprich: das Interview der Kommissare). Das wirkte übermarkiert, aber ich verstand es als zur Rolle passend, da sich Batic zu dem Zeitpunkt zusammenreissen musste, um die sensationslüsternen, die Ermittlungen behindernden Medien nicht an Ort und Stelle zu verprügeln.

Gar nicht mit ihnen überein, lieber Dell, stimme ich in der Frage, ob es eine Schwäche war, dass man von Anfang an wusste, wer der Mörder war. Das war eine Stärke, keine Schwäche, die Umkehrung der Spannungsstruktur gehörte unabdingbar dazu. Nur so war der Schockmoment möglich, als der Mörder als Stalker draussen auf der Terrasse stand. Allenfalls eine Schwäche wars, dass es nicht von Anfang an noch klarer gemacht wurde, dass tatsächlich er es war, der die Leiche im Schlamm ablud!

Auch die Pointe mit der Anwältin fand ich konsequent; natürlich dürfte es (leider) noch eine Weile dauern, bis eines Tages ein Tatort mit einem unaufgeklärten Lynchmob enden wird. Von den verbliebenen Varianten fand ich diese eine der spannenderen. Wirklich untauglich und schal hätte ich z.B. einen Racheakt der Angehörigen gefunden.

Vielen Dank für den Lesetipp Ihrer Besprechung.

Diesen Tatort wünschte ich mir in der DVD-Sammlung, muss man der ARD mal nahelegen!