Matthias Dell
Ausgabe 1614 | 17.04.2014 | 06:00 30

"Kritik von unten"

Im Gespräch Maren Müller hat die berühmte Lanz-Petition initiiert. Seither hat die Ostdeutsche unter Etablierten viele Feinde

Man muss sich Maren Müller als die aufgeklärte Bürgerin vorstellen, von der in jeder Sonntagsrede geträumt wird: eine engagierte, kritische Frau, die von den Instrumenten der Demokratie Gebrauch macht. Weil sie aber als Initiatorin der Lanz-Petition, die binnen kurzer Zeit 230.000 Leute unterstützten, bekannt geworden ist, musste sie manchen als Albtraum erscheinen. Als Konkurrentin der Medienjournalisten, als Gegnerin der großen Fernsehanstalten, noch dazu völlig anders auftretend. Wie der Medienwissenschaftler Malte Daniljuk anmerkte: eine Frau, „aus dem Osten“, die Sächsisch spricht und in der Linkspartei war. Solchen Leuten begegnet man einfach nicht an der Hamburger Ericusspitze, wo der Spiegel sitzt,  oder in Berlin-Mitte. Grund genug, einmal mit Maren Müller zu sprechen: über ihre Erfahrungen mit der Petition und ein Folgeprojekt. Was angenehm schon deshalb war, weil sie Humor hat, wie die Schlussbemerkung über „den Herrn Polenz“ zeigen wird.

Der Freitag: Ein Spaßvogel könnte nach der Absetzungvon „Wetten, dass..?“ fragen: Und, sind Sie jetzt zufrieden?

Maren Müller: Laut einer Um­frage geben mir nur drei Prozent der Leute die Schuld an diesem „Desaster“. Lange vor der Petition haben die Medien Markus Lanz nach jeder „Wetten, dass..?“-Sendung unangespitzt in den Boden gerammt. Mein bescheidener Beitrag hatte nichts mit der Beendigung des Formates zu tun. Ich habe aber vielleicht den Granden des ZDF zu einer Denkaufgabe in puncto Publikumsanspruch verholfen.

Wie kamen Sie auf die Idee, nach der Talksendung von Lanz, in der er Sahra Wagenknecht nicht zu Wort kommen ließ, ausgerechnet eine Petition zu starten?

Ich hatte parallel auf Twitter verfolgt, wie die Sendung kommentiert wurde. Das war extrem, wenn Sie da den Hashtag Lanz aufgerufen haben. Ich wollte nicht, dass das verpufft. Petitionen verfolge ich schon länger und zeichne mit. Es gibt meines Wissens kein vergleichbares In­strument, um Protest zu bündeln.

Eine Petition ist eine Art Unterschriftensammlung. Haben Sie da, analog auf der Straße, Erfahrung mit?

Ja, zuletzt bei der Unterschriftensammlung für das Leipziger Bürgerbegehren Privatisierungsbremse. Das Quorum lag bei 25.000 Unterschriften, es hat ein Vierteljahr gedauert, die zu sammeln. Es ist schwer, Leute zum Mitmachen zu bewegen.

Wie sind Sie zum politischen Menschen geworden?

Anfang der neunziger Jahre, ich war selbstständig, habe ich mich in meiner Heimatstadt Borna im Gewerbeverein engagiert. Dann hat mich der Bürgermeister angesprochen, ob ich für den Stadtrat kandidieren würde. Habe ich, für die SPD, in die ich später eingetreten bin. Mit der Agenda 2010 haben die mich dann enttäuscht. 2007 bin ich in die Linke ein­getreten. Da bin ich auch raus.

Warum?

Ich komme mit den Hierarchien nicht klar. Ich krieg’s nicht hin, mich bei Leuten anzubiedern.

Muss man das auch da?

In jeder Partei. Banale Dinge: dass man einen guten Listenplatz kriegt für den Stadtrat. Aber wie soll man etwas verändern, ohne gegen die Parteidoktrin zu verstoßen oder Hierarchien zu stören? Das ist mein Problem. Ich kann mich so nicht unterordnen.

Ihrer Petition wurde der politische Charakter abgesprochen. Der Vorwurf von Journalisten: Es sei so bequem und anonym.

Es ist nicht nur ein Klick. Man muss sich anmelden, wenn man mitzeichnen will. Dann kommt eine E-Mail zurück und man muss die Bestätigung klicken, dann erst zählt die Stimme. Das ist bei Bundestagspetitionen genauso. Natürlich kann ich mir eine falsche E-Mail zulegen, aber warum, wo ist der Sinn? Die meisten Unterzeichner haben die richtige Adresse angegeben.

Ein anderer Vorwurf: Mobbing, Hetzjagd, Pranger.

Was hat denn der Lanz gemacht? Der ist angetreten, um mit Herrn Jörges vom Stern Sahra Wagenknecht fertigzumachen. Das war Programm. Und was ist das, bitte schön, wenn die Medien den Lanz seit Wetten, dass..? auf dem Kieker haben? Die Zeitungen lesen Millionen, die haben eine viel größere Reichweite als die Petition. Herr Hanfeld von der FAZ hatte mal zu Lanz geschrieben: „Da hilft nur Schweigen“. Das war so böse. Dem habe ich bei unserem Gespräch gesagt, er möge seine eigenen Artikel lesen, bevor er Mobbing per Klick sagt.

Wie hat er reagiert? 

Er hat gelacht. Die wissen das doch selber.

Da wäre ich mir nicht sicher. Ich war kürzlich bei einem Podiumsgespräch zur Petition. Da saß Alexander Kühn vom „Spiegel“. Der kritisierte Lanz in einem fort – gegen Ihre Petition musste er ihn aber verteidigen.

 

Ach, ja?

Ich habe dann gefragt: Warum müssen Sie denn, Sie kritisieren ihn doch auch? Er sagte, das sei ein inneres Bedürfnis gewesen. Das ginge nicht, die Petition sei nicht der richtige Weg.

 

Die Journalisten regen sich nur auf, weil die Kritik mal von anderer Seite kommt. Von unten, von den Leuten, von denen sie leben. Es ist unverschämt, solche Dinge zu sagen, dass man den Leuten, von denen man abhängt, die Kritik verbieten will.

 Hat sich Ihr Bild von den Medien geändert?

 

Die meisten waren okay. Aber als Frau Hildebrandt von der Welt mich in die Pfanne gehauen hat, habe ich schon stark an der Seriosität der Presse gezweifelt.

Wieso?

 

Sie hat mich lächerlich gemacht, den sächsischen Akzent so hervorgehoben, „man stellt sich eine Märchentante vor“, dass ich alleinstehend sei, dabei habe ich nie ein Wort davon gesagt. Oder dass Wagenknecht meine Ikone sei. Auch das habe ich nie gesagt. Das steht aber in der Zeitung. Man wird reduziert auf den Frust. Dabei ging es nicht um Frust: Wie Lanz da aufge­treten ist, das war einfach nicht in Ordnung.

Haben Sie mit Frau Hildebrandt darüber gesprochen?

Wir hatten noch mal telefoniert. Sie hat gesagt, ja, das stimmt, das hatten Sie nicht gesagt mit der Ikone, das hat meine Kollegin reingeschrieben, das kann ich jetzt nicht mehr ändern. So was geht doch nicht! Ich bin relativ schmerzfrei, aber da war ich enttäuscht: Wir haben fast eine Stunde miteinander gesprochen, die war so nett. Und dann schreibt sie so einen Unsinn.

Sich beschweren ist da schwer.

Ich habe mich an den Presserat gewandt. Das hat drei Wochen gedauert, bis die überhaupt reagiert haben. Da kann man’s auch lassen. Bei einem Beitrag für den BR über Online-Petitionen war es ähnlich: Nichts von dem, was wir über drei Stunden erörtert hatten, wurde gebracht. Und am Ende kommt raus, dass Petitionen nichts taugen. 

Noch ein Vorwurf: dass Sie sich „sehr mutig“ vorgekommen wären mit so einer Petition?

Mutig? Würde ich nicht sagen. Ich habe mal zwei Nazis angezeigt, die wussten, wo ich wohne. Das finde ich eher mutig.

Gab’s vom ZDF eine Reaktion?

Es wurde immer behauptet in den Medien, dass das ZDF ein Gesprächsangebot gemacht habe. Dem war aber nicht so. Die akzeptieren das noch nicht mal als förmliche Programmbeschwerde. Die kann immer nur eine einzeln aufsetzen. Da schreibt man seine Adresse rein und kriegt eine automatisch generierte Mail als Antwort. Das war’s.

Sie haben mittlerweile einen Verein gegründet.

Die „Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien“. Ich wollte den erst Bund der Beitragszahler nennen, wie Bund der Steuerzahler, als kernige Ansage. Aber die Anderen meinten, diese Assoziation sei nicht gut. Es geht darum, aus der geballten Ladung von Zustimmung zur Petition etwas Kon­struktives zu machen.

Und zwar?

Eine Plattform zu organisieren, auf der Gleichgesinnte sich verbinden zu einer kritischen Begleitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wo auf den Programmauftrag geachtet wird und eine Programmbeschwerde dann 100 oder 3.000 Mitzeichner haben kann. Es gibt ja diese 5.000 Leute, bei denen die Quote gemessen wird. Ich fände es gut, wenn es bei der Publikumskon­ferenz genauso viele werden, die sich um die Qualität kümmern.

Was wäre ein Erfolg?

Wenn sich das etabliert und die Sender, die keinen Grund haben, etwas zu verändern, weil die Gebühren sowieso kommen, wenn die wissen: Da ist immer jemand, der kritisch zuschaut. Obwohl der Herr Polenz vom ZDF-Fernsehrat gesagt hat: Das brauchen wir nicht. Wir haben doch ein Beschwerdemanagement, mit dem wir 19 Beschwerden bearbeitet haben im letzten Jahr. 19!

Das Gespräch führte Matthias Dell

Maren Müller lebt in Leipzig, ist beim MDR beschäftigt. Aus der Lanz-Petition soll ein Verein werden, der gerade in Gründung ist: publikumskonferenz.de

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 16/14.

Kommentare (30)

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Ehemaliger Nutzer 17.04.2014 | 10:13

Ein herzerfrischendes Interview, welches den Finger auf den wunden Punkt der gemachten Öffentlichkeit legt, der immer dann sichtbar wird, wenn wachsame und informierte Bürger auf den politisch-medialen Komplex prallen.

Dann stehen diese wachsamen und informierten Bürger plötzlich vor einer geschlossenen Phalanx, bestehend aus repräsentativen bevormundenden Politikern und gleichgesinnten Medienleuten, deren nach außen simulierte Verschiedenheit innerhalb der politisch/medialen Parallelgesellschaft verklumpt, Politiker der "verschiedenen" Parteien sind ebenso geschmeidig verschiebbar, wie es egal ist, ob jemand bei Spiegel, FAZ, Springer oder der Zeit arbeitet. Untereinander zelebrieren sie ihre lustigen Scheingefechte, schließen aber sofort die Reihen, wenn ein wachsamer und informierter Bürger in den Ring tritt, sie herausfordert und ihre Pfründe bedroht. Den gilt es gemeinsam zu "beerdigen", egal mit welchen Mitteln.

Da hilft nur solch schon fast subversives Agieren von Frau Müller, die hellwach, zeitnah und multimedial (im wahrsten Wortsinn) einen Trend/Schwachpunkt erkannt (Ich hatte parallel auf Twitter verfolgt) und verstärkt hat. Glückwunsch ...

Johannes Renault 17.04.2014 | 19:57

So ein Glücksfall. Da habe ich geglaubt dass der überregionale StaatsTV zum Erhalt der Einheit und Ruhe im Lande dient, die richtige Gesinnung und Richtung verbreitend seinen Dienst auch manchmal gegen unseren Willen -weil die 's besser wissen müssen, mit all ihren Qualifikationen- unter teils harscher Kritik im innern mit uns selber, fertigbringt, und dann kommt da ne lütte aus Sachsen und multipliziert den Aufstand. Das war es dann, es wird Mittel und Wege geben alles und jeden der daran beteiligt war zu diskreditieren, diffamieren, ganz zärtlich und von anderer Seite. Bis wieder die alte Ordnung der Priesterschaft hergestellt ist. War sie jemals wirklich gestört? Nun ist der Bundesparteiliche Rundfunk nicht die Priesterkaste eines Echnaton, noch die Bundesparteien so schlecht wie Gebrauchtwagenhändler oder Kinderschänder am Sonntag, aber wer will mit der ARD in den Urlaub ohne sich vorher selbst korrumpiert zu haben? Ich. Gebt mir Geld, Anstellung, Ruhm und Namen. Ich will Miroschka sein, ein Leben ohne an der Aussenalster Hot Dogs verkaufen zu müssen. Gegebenfalls muss man in die NDR Talkshow, alle klatschen. Da ich alles nicht erreichen werde .. ach, ..

karamasoff 17.04.2014 | 22:07

"Die wissen das doch selber."

"die war so nett. Und dann schreibt sie so einen Unsinn."

"Das ginge nicht"

"sei nicht der richtige Weg"

"das kann ich jetzt nicht mehr ändern."

"Das brauchen wir nicht."

Schräggestellt sind die Zitate von Frau Müller, dei sie von anderen wiedergibt, Fettschrift sind ihre eigenen.

Man muss diese Aussagen langsam wirken lassen, dann tauchen langsam ungemütliche Assoziationen auf.

In Zeiten einer GRoKo ist die ausserparlamentarische Opposition nicht nur wichtig. Sie ist lebenswichtig, alternativlos, systemrelevant, mag sie auch politisch nicht so öffentlichkeitswirksam und zentriert daherkommen wie damals in den 60ern.

Von Studentenseite ist eh nichts mehr zu erwarten, die kultivieren lieber den Muff der nächsten 1000 Jahre.

dame.von.welt 18.04.2014 | 10:03

Ein kleiner Zweifel am Grad der Aufklärung der aufgeklärten Bürgerin kommt bei mir auf, indem Frau Müller ausgerechnet die Propagandaschau als einzigen Blog in ihrer Blogroll listet. Mir persönlich ist die zu oft zu propagandistisch, die nötige Menge Salz überschreitet die Größe handelsüblicher Salzfässchen.

Weshalb ich ergänzende Lektüre empfehlen möchte, eine Auswahl: Carta, Stefan Niggemeier, Bildblog, fefe, NZZ-Medienblog, Juan Cole, The Intercept ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Ich fürchte, es gibt keine zeitsparenden Abkürzungen zum selber-lesen, -gucken und -denken.

Für Freitag und FC von Interesse ist der aktuelle Blog der Propagandaschau: Hinweis in eigener Sache – PS-Blog beim “Freitag”

Horge 18.04.2014 | 10:24

Es ist einfach an der Zeit, in der der Gebühreneinzug, heute Rundfunkbeitrag genannt, einer öffentlichen Grundsatzdiskussion der Finanzierbarkeiten ausgesetzt werden muss. Wer kein Fernsehen schaut, soll auch nicht bezahlen. Die allgegenwärtige "Digitale Schnittstelle" in Wohnungen oder im Auto kann nicht das "Totschlagsargument" dafür sein, auf eine Reform des Rundfunkstaatsvertrags in der Form zu drängen, das Nichtseher und Hörer auch nicht bezahlen müssen. Ein gesellschaftliches System einzurichten, indem ich in einem Zug sitze der keine Türen an Austiegsmöglichkeiten mehr hat und all Rutsch kommt der Kassierer vorbei um neue "Fahrkarten" für immergleiche Landschaften die an den Fenstern vorbeirauschen zu verkaufen, ist ein geschickt eingefädeltes Inkassosystem und für mich eine totalitär organisierte wieder mal alternativlose Abkassiererei.

Horge 19.04.2014 | 10:22

@Matthias Dell

kann ich unterschreiben in der Theorie. Die Praxis ist parteiisch oder von den Amtskirchen oktroiert. Für mich funktionieren die Anstalten eher wie ein aus der Fläche kommende Kulturinitiativen "begrüßender" und auf dem weiteren Weg dann aufsaugender Staubsauger, der z.B. in der Fläche aufkommende kulturelle und kreative Initiativen wahrnimmt und über gewisse Zeiträume hyped um diese dann später in der Idee selbst zu übernehmen und schlussendlich so zu assimilieren, das in der Fläche dann nichts bleibt. Dies finden Kommunen auch ganz doll, sparen diese sich doch dadurch einen Haufen Finanzen für musikalische Konzepte, die aus der eigenen Stadt kommen könnten und auch kamen und eben Geld kosten. Ich sehe viele Dinge, die ich persönlich vor Jahren bei mir hier vor Ort mit vielen Menschen und Sach- wie Betriebskosten deckenden kommunalen Kulturgeldern initiiert habe im musikalischen Bereich, heute im TV oder bei anhängigen Organisationen. Dies geschah in vielen Kommunen meines Bundeslandes BaWü zu der Zeit, davon scheint nun fast nur das übrig, was wir quasi im TV für Rundfunkbeitrag und Produktkosteneinpreisung vorgesetzt bekommen. Schöne Ostern noch an alle.

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Ehemaliger Nutzer 19.04.2014 | 14:10

@Wiesengrund

...verglichen mit den Einschaltquoten ist diese Zahl geradezu lächerlich. Sie brächten genauso viele "Gegner" oder "Hasser" von DSDS, Wetten Dass, oder einer anderen beliebigen Sendung zusammen, würden Sie eine dies gerichtete Petition starten. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Ab-, bzw. Umschalten hilft und reicht als Meinungsäußerung vollkommen aus.

"Schwachsinn" sollte unterstreichen, dass sich viel zu viele Leute über allerlei Kleinigkeiten aufregen, erbosen, Blogs und Petitionen starten. Also, wenn wir sonst keine Sorgen haben...

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Ehemaliger Nutzer 19.04.2014 | 19:11

@weil sie Humor hat, wie die Schlussbemerkung über „den Herrn Polenz“ zeigen wird.

Das Interview ist geglückt und gibt den angesprochenen Humor Maren Müllers sehr schön wieder.

Ich vermisse lediglich Auskunft darüber, ob nicht in der Formulierung der Petition selbst bereits ein gehöriger Schuss Humor enthalten war.

Ich persönlich fand die Forderung, Lanz aus den Rundfunkgebühren herauszulösen (sinngemäß), ebenso witzig wie klug.

Aber irgendwie kam ich mir bei der Debatte, die zeitweise recht verbiestert geführt wurde, ziemlich alleine auf weiter Flur vor.

karamasoff 20.04.2014 | 19:56

Dann liegen sie falsch, denn ich wollte damit sagen, daß ein statistisches Datenerhebungssystem auf der Basis mathematischer Formeln zu validen Aussagen kommen kann.

Die Nennung einer Zahl mit NULL statistischem Gegenwert dagegenzsutellen, um die absoluten Zahlen als gegebene statistische Fakten zu präsentieren, ist unseriös und reine subjektive Interpretation.

Wiesengrund 22.04.2014 | 04:30

... Ihr Verweis auf die Einschaltquoten, die viel höhere Protestmehrheiten generieren könnten und ansonsten Beleg für des Publikums Zufriedenheit darstellten, ist entweder zynisch oder positivistisch motiviert - und man weiß nicht was schlimmer ist!

Dass sich genauso viele Gegner von anderen TV-Shows finden ließen, ist im geringsten Falle Spekulation, daneben wünschenswert und in jedem Fall kein Gegenargumet dafür, dass Menschen immer sagen dürfen, wenn ihnen etwas nicht passt. Jeder der das mit Aussagen wie "Umschalten reicht aus" in Abrede stellt, sollte sich einmal nach der Substanz seiner demokratischen Gesinnung befragen. (Zumal es gegen DSDS ja keine Petitionen gibt, die binnen kürzester Zeit Zigtausend UnterzeichnerInnen finden - also liegt inhaltlich offensichtlich ein Unterschied vor)

Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, aber das ist seit Kant ein Allgemeinplatz. Und ändert vor allem nichts an der Tatsache, dass über gewisse Dinge - man nennt sie das Politische - ein Diskurs geführt werden will. Und der funktioniert nur, wenn manche Menschen ihre Meinung in die Öffentlichkeit tragen, damit sich andere wiederum dazu verhalten können (vgl. dieses Blog).

Wenn Sie die Petition gegen Lanz als "Schwachsinn" deklarieren und fordern, dass sich die Leute nicht über "derlei Kleinigkeiten aufregen", frage ich mich vielmehr, warum Sie sich darüber aufregen? Ich fürchte, dass da eine Form von Verbitterung, Faulheit oder tiefer Verachtung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungsversuchen dahinter steckt?Zumindest einer Zufriedenheit mit der Welt wie sie ist.

Denn die Phrase "als, wenn wir sonst keine Sorgen haben" - á la ´schlimmer geht`s immer`, wirft nicht nur die Frage auf, wer denn dieses "Wir" sein soll, sondern auch, welche Sorgen überhaupt noch artikuliert werden dürfen, wenn man nicht im Südsudan, in Kiew oder Dhaka lebt?

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Ehemaliger Nutzer 23.04.2014 | 14:38

@Wiesengrund

In jedem Falle zynisch. Aber ich bin schon ziemlich erstaunt, bzw. leicht schockiert über Ihren Kommentar. Sie fragen sich weshalb? Nun gut:

"ist im geringsten Falle Spekulation"

Starten Sie ne Umfrage!

"daneben wünschenswert"

Warum das denn? Soll jetzt über das TV-Programm abgestimmt werden?

"demokratischen Gesinnung"

Ahso! Das Fernsehprogramm ist eine Auswahl aus tausenden von Möglichkeiten über deren Sinn und Unsinn nicht demokratisch abgestimmt werden kann.

"Zumal es gegen DSDS ja keine Petitionen gibt, die binnen kürzester Zeit Zigtausend UnterzeichnerInnen finden"

Oh doch! Aber auch viele dafür. Aber was soll's, MUSS man ja nicht gucken!

"tiefer Verachtung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungsversuchen dahinter steckt? Zumindest einer Zufriedenheit mit der Welt wie sie ist."

Richtig. Eine Petition gegen Lanz hat nichts mit gesellschaftlicher Veränderung zu tun, dies wäre schon sehr hoch gegriffen. Und ja, ich bin zufrieden - im Großen und Ganzen - mit der Welt, wie sie so ist. Auf diesem Fleckchen Erde hier lebten die Menschen zu keiner Zeit friedlicher und in größerem Wohlstand!

"Denn die Phrase "als, wenn wir sonst keine Sorgen haben" - á la ´schlimmer geht`s immer`, wirft nicht nur die Frage auf, wer denn dieses "Wir" sein soll, sondern auch, welche Sorgen überhaupt noch artikuliert werden dürfen, wenn man nicht im Südsudan, in Kiew oder Dhaka lebt?"

Wir hier in Deutschland und im letzten Satz nehmen Sie ja Bezug auf "wirkliche Probleme" der Welt.

iDog 23.04.2014 | 15:03

"Aber wie soll man etwas verändern, ohne gegen die Parteidoktrin zu verstoßen oder Hierarchien zu stören? Das ist mein Problem. Ich kann mich so nicht unterordnen."

Das kann ich gut verstehen. Widerstand gegen Ungerechtigkeit kann nicht mit Anbiederung und Hierarchie koherent sein. Konsequenz ist dann wohl alles was bliebt.