Matthias Dell
23.02.2014 | 21:45 48

Witzelt also ruhig weiter

Tatort Noch ein tieferer Tiefpunkt als letzte Woche: Bremen legt mit "Brüder" eine astreine Verfilmung des beliebten Reaktionärenmantras "Das wird man ja noch sagen dürfen" vor

Den Witz versteht jetzt bestimmt keiner der Verantwortlichen, aber etwas verkürzt ließe sich sagen: Die Bremer Folge Brüder (RB-Redaktion: Annette Strelow, WDR-Redaktion: Dr. Götz Schmedes) benimmt sich auch deshalb so daneben, weil Köln, Ludwigshafen und die meisten anderen Schauplätze zur staatstragenden Wochenendbefriedung in der Regel einen Konformismus pflegen, der daran interessiert ist, dass man ihm nichts vorwerfen kann. Anschaulich wird das an einem Satz: "Vergesst mal das Multikulti-Gelaber, das ihr in der Polizeiakademie gelernt habt." Man muss "in der Polizeiakademie" nur durch "im Tatort" ersetzen, und fertig ist die Laube – wieder mal eine Gelegenheit, angeblich ungeniert "Kamelficker" sagen zu können.

In den erwartbaren Tatort-Anordnungen, gegen die sich Brüder wendet, ist migrantisches Leben, wenn es vorkommt, zwar verdächtig, aber dann irgendwie doch nicht Täter – so weit hat es die deutsche Integrationspolitik über 35 Jahre nach Heinz Kühn gebracht (Dabei bestünde, seufz, der repräsentationspolitische Clou eben darin, Migration in sogenannten normalen Rollen zu performen). Exemplarisch für die Ausflucht wäre der legendäre Lena-Odenthal-DFB-Tatort zur Fußball-WM der Ladies. Da wurde zwar dauernd mit "Ehrenmord" gedroht durch die Ermittler, am Ende war's aber der herkunftsdeutsche Platzwart, der die Expansionspläne des Klubs in den Kommerz nicht in seine Vorstellungen von Vereinsarbeit integriert bekam.

Die aufmerksame Zuschauerin wird freilich nicht überrascht sein, heißt das Autorengespann von Brüder doch Wilfried Huismann und Dagmar Gabler. Die sind in lebhafter Erinnerung durch ihren letzten Beitrag zum Bremer Tatort, der legendär-üblen Stasi-lives-Kolportage Schlafende Hunde aus dem Jahr 2010. Weinsztein hatte seinerzeit auf Huismanns Werdegang verwiesen, und natürlich steht es in der freien Welt jedem frei, seine Ansichten von links nach rechts zu verschieben.

Seufz 2

Es bleibt aber rätselhaft, warum die Öffentlichkeit unter dem Selbstrechtfertigungsdruck von einzelnen leiden sollte, wieso Huismann seine Vergangenheit nicht einfach bei sich zu Hause nicht mehr gut finden kann, statt Millionen Leute am Sonntagabend vom Gegenteil seines own private Ich-war-so überzeugen zu wollen. Immerhin kann man daran sehen, wozu "Tugendterror" vor allem gebraucht wird: um Diagonalkarrieren als zwangsläufig zu entschuldigen. Seufz 2.

Perfide ist Brüder bis zum Schluss oder vor allem an diesem. Polizeiabiturient David (die bekloppteste Rolle, die man seit langem gesehen hat: poor Christoph Letkowski) bringt seinen Rachefeldzug bis ans bittere Ende, das heißt – "Hassan muss weg" –, er erschießt oder schießt zumindest sehr den "bösen Migranten" Hassan (Dar Salim) an. Dessen Bruder Mesut (Matthias Weidenhöfer) scheint als der "gute Migrant" sich in dieser Szene für seinen Schulfreund David zu entscheiden, den "richtigen Bruder".

Dann kriegt Mesut vom siechenden Hassan aber die Thronfolge im Verbrecherclan geflüstert, und wie das bei Nidals aka Migrants so ist – es herrschen manners, als wär's das britische Königshaus. Folglich darf Stedefreund (Oliver Mommsen) in der letzten Szene ("Denkst du, was ich denke"), nachdem die Polizeistreife verzagt auf Zeit spielt und der Zuschauerin damit "So weit ist es schon gekommen"-Gemurmel souffliert, aussprechen, was das Hanebüchste vom Hanebüchenen ist: dass Vorzeige-Mesut sich erfolgreich kriminalisiert hat. So san's, die Ausländer mit ihrer Familienehre, das ist quasi genetisch. Nee, nee, nee, da gibt es schon so viele Drehbuchmitreder im deutschen Fernsehfilm, und dann geht der rassistische Dreck trotzdem unreflektiert durch.

Puuuh 1

Ein ganz klein wenig Verständnis könnte man für das Versäumnis aufbringen, insofern sich die Geschichte von Brüder bei der "'Blöd'-Zeitung" (Paul Stoever) nicht nur die Gesellschaftsanalyse leiht, sondern auch die Erzähllust: Es wird kurzatmig durchbehauptet. Also etwa: Das Superkronzeugenopfer schiebt hoffnungslos überkodiert im Rollstuhl Mitleid, und bevor es aussagt, schüttet ihm jemand Benzin über die Rübe. Der Richter muss in der Sauna nur einmal mitansehen, wie jemand den Aufgusslöffel auf den eigenen Kopf haut, zack, ist der handzahm wie die Katze von James Bonds Blofeld.  Und die Fetischbraut aus der Speditionsbranche stöckelt auffällig gegen die Schublade, in der Tante Lürsen (Sabine Postel) und Steadyfriend suchen müssen, um polizeiliche Ermittlungen abzukürzen.

Das Highlight an erzählerischem Raffinement ist aber der Polizeiabiturient David, der den Superplan zur Hassan-Erledigung ersinnt, allerdings nur bis zur Hälfte: Davids "Ich weiß es nicht" auf die Nachfrage von Mesut ist das Credo des Drehbuchs von Brüder: Hauptsache, die Ressentiments und Rassismen sind alle untergebracht, wie sich das entwickelt und zusammengehalten wird – keine Ahnung. Wird schon was passieren, und vorne hilft der liebe Gott. Aber dann diese Brausepulversentimentalität über den Dächern dick ausspielen (Kamera: Marcus Kanter) – puuuh 1.

Dass es sich bei Brüder nicht um eine filmische Erzählung im strengeren Sinne handelt, ist in gewisser Weise Voraussetzung für die dargebotene Lynchjustiz-Ignoranz (auch geil, wie die bis in die Besetzung wirkt; dass der Vorwurf, schlecht deutsch zu sprechen, hier einer Figur gemacht wird, die ein Schauspieler spielt, der wegen seiner Herkunft einen dänischen Akzent im Deutschen hat, ist nicht ohne Ironie). Wenn man sich tatsächlich einmal für Milieus interessierte, von denen man zu handeln vorgibt, und nicht nur für Überlegenheitsgesten und fiese Blicke, dann würde sich so ein reaktionärer Schrott von selbst erübrigen.

Man sollte diesen Tatort künftigen Drehbuchschülerinnen an deutschen Filmhochschulen zur Abschreckung vorführen: Wer jemals ähnlich zusammenhanglosen Murx schreibt, wird umgehend und auf Lebenszeit zur Pressespiegelerfassung aller noch erscheinenden Sarrazin-Bücher abgeordnet.

Ein Frage, die nur der Odenthal-Kollege aus Ludwigshafen stellen dürfte: "Sind sie Herr Eisen?"

Ein Graffito, das jedes Wohnzimmer schmücken würde: "The only good nation is imagination"

Kommentare (48)

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Ehemaliger Nutzer 23.02.2014 | 22:23

Leider kann ich Ihnen da nicht zustimmen.

Gibt es denn keine Typen wie Hassan? Keine straffälligen Migranten. Darf man so etwas Ihrer Meinung nach nicht im politisch korrekten, sich selbst geißelnden MultiKultiLand nicht zeigen. Sind das alles nur „Opfer“ unserer brutalen Gesellschaft.

Manche Dinge aus diesem Tatort sind keineswegs erfunden, sondern bilden die Realität (leider) ab. Erschreckend fand ich, dass Leute im Gerichtssaal unbehelligt vulgär durch den Raum schimpfen durften und dass sich eine Polizistin beleidigen und bespucken lassen musste. Ich hoffe, letztere beide Szenen sind nicht wirklichkeitsgetreu. Wenn doch, haben wir ein ernsthaftes Problem.

lebowski 23.02.2014 | 22:32

Wie jetzt? Das soll Diffamierung migrantischen Lebens gewesen sein. Solche kriminellen Clans gibts wirklich und der Siri-Clan meines Wissens treibt sein Unwesen in Bremen. Also starker Realitätsbezug. Und by the way: seit wann sind denn Krimis dafür da, migrantisches Leben zu würdigen?

Wie geht man bei der Verbrechensbekämpfung nach Vorschrift, wenn die anderen über Leichen gehen. Das war die interessante Frage, die verhandelt wurde. Und die Antwort darauf war durchaus pessimistisch.

Über ein paar Plumpheiten muss man wie immer hinwegsehen, da die Öffentlich-Rechtlichen ja Versorgungskassen für Fernsehleute sind und nicht dazu da, um gute Filme zu machen.

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Ehemaliger Nutzer 23.02.2014 | 22:50

Klasse geschrieben, habe kurz mit mir gekämpft, Tatort gucken, dann lieber doch nicht, schaue eh nicht fern und laut Besprechung ist es Zeitverschwendung.

Ich persönlich finde die beschriebene Intention des Filmes erschreckend. Warum? Nun, wer wirklich Mulikulti ist und lebt, der kennt solche oder ähnliche Situationen mit jeweils unterschiedlichem Ergebnis. Der Bruder machte es oder der Bruder macht es nicht. Das ist unabhängig davon, welchem Kulturkreis die Brüder angehören, trifft ebenso auf deutsche Brüder zu. Kurz: Wer es kennt, der differenziert und ordnet es keinem Kulturkreis als "eingeschrieben" zu, er ordnet es eher anderen Beweggründen zu. So meine Erfahrung.

Für wen so ein Film mit solcher Aussage? Ich kann mir nur vorstellen, dass die Zielgruppe die gleiche ist, wie bei Wahlsendungen: Die Unentschlossenen.

In dem Fall sind die Unentschlossenen meist deckungsgleich mit denen, die sich hauptsächlich nur in einem Kulturkreis bewegen, erfahrungslos sozusagen, was Multikulti betrifft.

Da wackelt dann einer mit einem Tentakel, frei im Raum schwingend, rum und sucht eine Andockstelle, immerhin ist das Thema allgegenwärtig, nicht nur in Buchform. Einige finden sie in einem Bild-Beitrag, andere bei Sarrazin und wieder andere im Tatort. Plopp, angedockt, Vorurteil kann übertragen werden.

Was soll das? Wem hilft das? Warum? Mit meinem Geld, Gebühren? Auf keinen Fall.

Es gefällt mit überhaupt nicht, dass Unentschlossene per Tatort, nicht nur per Tatort, sozusagen einen Clash of Civilizations in Taschenformat vermittelt bekommen, der damit zur self-fulfilling prophecy werden kann (auch wenn Huntington wesentlich differenzierter schrieb). Oder aber Parteien wählen, die sich dieser Thematik in einer Weise annehmen, die mir noch weniger gefällt.

Kurz: Ich hoffe nicht, dass Huismann verdeckte Wahlwerbung macht ...

miauxx 23.02.2014 | 23:20

Nein, Hr. Dell, das sind freilich alles nur Unterstellungen, die man da einem Milieu macht, von dem man zu handeln vorgibt. Wie konnte man hier nur eine arabisch-türkische Familie einsetzen? Ja klar - nur damit Sarrazin über linksmainstreamigen "Tugendterror" schreiben kann und es noch eines Beweises bedarf, dass er ja doch recht habe.

Was hätte es geändert, wäre eine Clan mit ausschließlich deutschen Mitgliedern eingesetzt worden? Wohl nicht viel - die Mechanismen in solchen Clans unterscheiden sich nicht wesentlich. Nur Türken oder andere mit "südländischem Temperament" mit so etwas zu besetzen, das geht natürlich nicht! Da müssen wir schon alle Rücksicht der Welt nehmen - denn wenn es so etwas doch einmal geben sollte, muss man schon dazu rechnen, wer "zuerst geschissen hat" (O-Ton Baba Nidal). Also lieber ganz viel Einsehen für solche, die behaupten "ich bin hier das Gesetz" - oder besser: Gar nicht anfassen das Thema, sondern lieber einen Arthouse-Sozialarbeiter-Film, in denen sich der Clanssohn dann doch zur Maler-Lehre überreden lässt.

Nehmens Sie's bitte nicht übel, Hr. Dell: Aber was Sie da oben schreiben, ist absolut albern. Vermutlich würden nicht allein Türken oder Araber, auf die diese vom Bremer "Tatort" gezeichnete Welt zutrifft (keinesfalls eine rassistische Projektion!), herzhaft über eine solche Kritik von einer "Kartoffel" lachen!

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Ehemaliger Nutzer 23.02.2014 | 23:40

So wie ich es verstanden habe, war der entscheidende Punkt, dass es zwei Brüder gab, einer drinnen, einer draußen, mal so formuliert. Und ja, natürlich gibt es all diese Strukturen. Und nein, es gibt keinen Automatismus, der einen Bruder, der sich entschlossen hat, draußen zu sein, wegen einer kulturellen Zugehörigkeit sozusagen automatisch reinzieht. Jedenfalls nicht in dem Maße, dass es so breitflächig thematisiert werden muss. Die wenigen Extremfälle, wo das so ist, die finden sich wiederum überall, auch bei den strammen Deutschen, Ehre den Helden und so.

ed2murrow 23.02.2014 | 23:49

Lieber Matthias Dell,

nun weiß ich den guten Grund, warum ich seit „Zahn um Zahn“ nie wieder einen „Tatort“ angesehen habe: Selten war eine Leich‘ schöner als Renan Demirkan, ein Kommissar männlicher als Götz George und der Stoff biblischer. Alles sortiert. Sogar die Musik war gefällig.

Um Ihren Job beneide ich Sie nicht; ich darf wegzappen.

Best, e2m

Richard Zietz 24.02.2014 | 00:41

Tapfer.

Sich Woche für Woche den Tatort zu geben (und auch noch darüber zu schreiben), ist derart abgedreht, dass es fast wieder Respekt verdient.

Postel, Bremen. Ich gebe zu, dass in meiner persönlichen Unterliga dieser brav-behäbig-staatstragenden Parade-Krimireihe die Bremer Produktionen ganz unten rangieren (vielleicht noch einen Platz über denen vom Saarländischen Rundfunk). Was soll man sagen? Von allen lebensfremden, zurechtkonstruierten und selbst innerhalb dieser Logik teils mit unlogischen, liegengelassenen roten Fäden strotzenden Reihe war mir die Bremer Reihe immer als besonders lebensfremd, zurechtkonstruiert und unlogisch erschienen. Die Kritik ist so alt wie heute mehr denn je zutreffend. Der Tatort krankt an fast allem. Punkt eins: das antiquierte Who-dunnit-Konzept. Punkt zwei: die stilisierten Kommissar(inn)e(n). Punkt drei: die Schauplätze fernab dort, wo tatsächliche Verbrechen passieren. Punkt vier: die lebensfernen, künstlichen (und irgendwo vorhersehbaren) Dialoge. Punkt fünf: die gewollte, zwischen bieder und künstlich auf »hip« gemacht schwankende Inszenierung. Punkt sechs: das Bürgermilieu, das sicher dem gedachten Konsumenten-Ideal entgegenkommen mag, aber für Verbrechen, Sorry, komplett ungeeignet ist (jedenfalls die Sorte, um die es in der Reihe geht).

All das (und noch viel mehr) wird man wirklichen Tatort-Fans (und davon gibts immer noch jede Menge) nicht ausreden können. Reden wir über’s Positive. Punkt eins: Die Serie ist jugendfrei; Ausnahmen wie der letzte Kölner Überflieger-Tatort bestätigen die Regel. Punkt zwei: Die Serie ist Gewohnheit; sie vereint die Menschen vorm TV, stiftet in gemeinschaftslosen Zeiten ein bißchen Gemeinschaft. Punkt drei: Der Tatort strukturiert die Woche. (= Verlängerung von Punkt zwei bzw. ein advocus diaboli, der beim Platzschinden erwischt wurde. ;-) Zusammengefasst bedeutet all dies: Was in einem Tatort passiert, ist ziemlich Jacke wie Hose.

Hm … Seien wir tolerant; lassen wir sie leben. Fakt ist: Es gibt schlimmere Menschen als Tatort-Gucker, und fragwürdigere Figuren als die Tatort-Kommissare (die vor allem eins sind: durch und durch grundgut). Postel? Wäre im echten Leben vermutlich nicht so verkehrt. Auch wenn mit einer krimitragenden Figur, Sorry, ungefähr so viel zu tun hat wie ein Fisch mit Fahrradfahren.

Schrippe 24.02.2014 | 08:33

angesichts ihrer meckerei erscheinen alle berechtigten kritikpunkte popelig, weshalb ich versucht bin den tatort zu verteidigen, nur um ihrem ich-bin-zu-klug-für-krimi irgendwas entgegenzusetzen. andererseits kann ja jeder leser eine suchmaschine bemühen und fundierte tatort-kritiken zu rate ziehen. oder halt nicht tatort schauen und sich selbst auf die schulter klopfend mitmeckern.

glamorama 24.02.2014 | 10:10

Dieser Tatort trieft von rassistischen Klischees wie ein Thilo-Sarrazin-Buch, und er macht dabei dieselben Fehler: Falsche Fakten werden herangezogen, um falsche Thesen zu untermauern.

Exemplarisch dafür sind die Szenen, in denen sich die arabische Großfamilie im Gerichtssaal wie eine Horde Affen aufführt, ständig dazwischen schreit und über die Stuhlreihen springt. Jeder deutsche Richter würde in so einer Situation spätestens nach der zweiten Ermahnung den Saal räumen lassen - nicht so im Tatort, weil man dann ja darauf verzichten müsste, die vorgebliche Primitivität der "südländischen Untermenschen" weiter zur Schau zu stellen.

Davon abgesehen dürften sich Berufsverbrecher wie die dargestellten Araber (bzw. die real existierende Großfamilie, auf die sich das Drehbuch bezieht) vor Gericht und in Polizeiwachen davor hüten, sämtliche Beamten zu provozieren, die beim Strafmaß ein Wörtchen mitzureden haben. Hier aber passiert das Gegenteil - wohl ebenfalls, um die "Dummheit" der Ausländer hervorzuheben. Dass jemand eine Staatsanwältin vor zahlreichen Zeugen anspuckt und als "Fotze" beschimpft, würde in der realen Welt wohl kaum ohne eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung durchgehen.

Fazit: Dieser Tatort ist unrealistisch wie die meisten seiner Art, die Realitätsferne wird aber bewusst genutzt, um primitive rassistische Klischees zu bedienen. Dass es so viel Applaus dafür gibt, lässt tief blicken in die deutsche Seele. Eben ganz wie bei Sarrazin.

Grundgütiger 24.02.2014 | 10:13

Ein gefährlicher Beitrag, dieser Tatort.

Dass das angesprochene Milieu im realen Leben schon lange an Hells Angels, Bandidos und ähnliche "Motorradclubs" übergegangen ist, geschenkt.

Der "Albanertoni" hat schon lange verloren, alles ist wieder in deutscher Hand.

Das meiste Heroin wird deutsch kommissioniert.

Zwanzigjährige mit dem Denkvermögen und Verhalten von vierzehnjährigen ist kein Privileg junger Libanesen, trifft man in erdrückender deutscher Übermacht vor jeder Disco.

Aber hier wurde gesagt, so sind sie, die Migranten.

Dieser Tatort wird in Kreisen der NPD wahrscheinlich als Beispielmaterial für gute deutsche Kinokunst gepriesen werden.

Ein Skandal.

Wär bei "Schimmi" nie passiert.

spoekenkieker 24.02.2014 | 11:52

Da habe ich aber Glück mit meiner Entscheidung gehabt, mir diesen Tatort anzuschauen. Endlich mal was von der üblichen Langeweile und Linearität (bis zur Vorhersagbarkeit) Abweichendes.

Dazu auch ein hoher Realitätsbezug, natürlich keine eins-zu-eins Abbildung.

Und wenn einer so viel zu dem Film zu erzählen und zu kritisieren hat, muss der Film auch gut sein - einfach gut.

Muss ja nicht jeder Krimi Werbung für sogenanntes Multikulti sein - vor allem wenn dieses immer von Monokulti eingefordert wird.

Don Isi 24.02.2014 | 13:34

Ach wissen Sie Herr Dell..... You're boring! Quasi the boring Dell!

Vielleicht liegt das ja an Ihrem Beruf. Sie liegen bei jedem Tatort auf der Lauer. Und dann kommen Sie mir vor.... wie so ein REFA Mann.... Wenn er nichts findet, dann läuft ja alles optimal und dann kann man den REFA Mann feuern.

Ihre Rezension hätten Sie in den 70ern schreiben können. Damals hätte ich wahrscheinlich gesagt: "Recht hat er!" Ich hätte mich empört über jene Wahrnehmung von Ausländern...

Schnitt

Einige Jahre sind vergangen. Auch ich bin in der Realität angekommen. Einige meiner besten Freunde haben einen Migrationshintergrund. Das macht sie für mich nicht weniger wert. Aber auch nicht mehr!

Und ja: Es gibt diese Ausländer, die ich nicht mehr sehen kann und von denen ich mir wünschte, dass sie dorthin gehen, wo der Pfeffer wächst. Dazu zählen jene kruden Salafisten genauso, wie andere Menschen mit radikalen und menschenverachtenden Sichten. Und dazu zählen jene, die diesen Staat nicht ernst nehmen und auf Gesetz und Ordnung nicht einmal ansatzweise etwas geben. Der Fall Bushido und seine höchst zweifelhafte Sippschaft ist hier wahrscheinlich Vorlage für das Drehbuch gewesen.

Herr Dell.... Nicht jeder, der diesen Menschen kritisch gegenüber steht, ist ein Ausländerfeind, genauso, wie nicht jeder, der Israel kritisiert ein Antisemit ist.

Der Tatort hat uns eben auch einmal auf den Umstand hingewiesen, dass es eine Parallelgesellschaft gibt, die unsere Ordnung nicht hinnehmen und deren einziges Ziel es ist, sich zu bereichern und denen alles andere egal ist.

Genau solche Menschen können wir hier nicht gebrauchen.

Im Übrigen hat der Tatort zumindest ansatzweise versucht, aufzuzeigen, wie die Problematik entstanden ist.

Was er nicht geschafft hat, ist mir aufzuzeigen, wie ein Motorradfahrer, der "unauffällig" durch einen Stedefreund-PKW verfolgt wird, genauso langsam oder auch schnell sein kann wie der PK'W. Was mir nicht klar geworden ist, woher die Informationen aus dem Polizeirevier kamen und welche Schritte dagegen eingeleitet worden sind. Schließlich fehlt mir irgendwie die Intention des "guten Bruders" oder auch des Viertgeborenen, sich in diese zweifelhafte Gesellschaft zurückgleiten zu lassen. Besonders dies ist nicht richtig ausgeleuchtet worden. Hier ließ der Tatort einiges liegen. Deshalb auch keine eins oder zwei, sondern eine Zwei - .

Der Tatort war nach meinem Eindruck ein gutes, solides Stück, von dem wir (natürlich auch mit anderen Grundproblematiken) durchaus mehr erhoffen.

koslowski 24.02.2014 | 13:55

Guter "Tatort": endlich mal wieder ein Polizeithriller, schnell, hart, illusionslos. Und realistisch, denn der Vorwurf, er liefere nur Setting und Bilder für einwandererfeindliche Phantasien, übersieht, dass es solche Nidals gibt, offenbar selbst im beschaulichen Bremen. Was der Fall ist, muss auch mit den Mitteln der Fiktion dargestellt werden dürfen. Kein Zuschauer mit Lebenserfahrung dürfte auf die Idee kommen, alle Einwanderer seien in kriminellen Großfamilien organisiert und stellten das staatliche Gewaltmonopol in Frage. Also kein Skandal, nur ein Anlass, um über Sinn und Unsinn von politischer Korrektheit im "Tatort" nachzudenken.

zephyr 24.02.2014 | 16:21

Ich finde es zum Piepen, dass Herr Weidenhöfer einen Libanesen spielt und diverse Deutsche türkischer und arabischer Abstammung (vielleicht waren auch noch Deutsche iranischer oder armenischer Abstammung dabei, keine Ahnung, finde keine ausführliche Besetzungsliste im Netz) erkennbar Freude daran haben, den libanesischen Clan zu mimen. Der Auftritt bei Gericht muss einen Höllenspaß gemacht haben.

Magda 24.02.2014 | 17:13

Die beste Kritik kommt von der Schweizer NZZ: Titel: Kampf der Kulturen.

Zitat daraus: Unterschwellig ist viel diffuses Raunen in diesem «Tatort». Er breitet ein Phantasma vor dem Zuschauer aus, den verbreiteten Albtraum von den primitiven Horden, die das geschwächte Abendland überrollen und denen wir hilflos ausgeliefert sind, von der kraftstrotzenden Virilität, gegen die unsere Bürokratie, unsere Political Correctness und unsere weltfremde Kultiviertheit keine Chance haben. Wie es im Film einmal heisst: «Bevor ihr mit eurem Multikulti-Geschwafel anfängt, müsstet ihr ihnen erst mal zeigen, wer der Boss ist.»

Genau so fand ich auch die Botschaft und ich wundere mich, dass sowas überhaupt gesendet wird. Und zwar nicht als Thema, sondern in solch einer Machart. Übel, übel, übel.

migra 24.02.2014 | 17:59

Oho... es war mal zur Abwechslung also nicht der "herkunftsdeutsche Platzwart", sondern eine Bande krimineller Einwanderer. Soll es auch geben; darf aber offensichtlich nicht sein (auch hier hilft google sehr schnell weiter). Tja, das Leben ist eben kein Ponyhof, auf dem es nur Vorzeigeeinwanderer gibt. Allesamt studiert mit akzentfreiem Deutsch (Iih! Deutsch! Würg!) und auf der anderen Seite die ollen Kartoffelnazis. In was für einer Welt hier so mancher lebt. Ick kann mir echt nur wundern!

zephyr 24.02.2014 | 19:03

Mit hätte es ja auch besser gefallen, wenn der Charakter des Herrn Weidenhöfer am Ende geläutert geblieben wäre. Oder wenn irgendein Beamter/eine Beamtin der libanesischen Mini-Mafia profitabel zugearbeitet hätte. War jedoch nicht so. Stattdessen nur zwei nette Deutsche mit Migrationshintergrund, welche den Charakter des Herrn Letkowski ins Krankenhaus fahren. Weshalb die NZZ jedoch gleich den "Kampf der Kulturen" bemüht, kann ich nicht recht nachvollziehen.

Insgesamt wundere ich mich öfter darüber, wie man "früher", also damals, problemlos bewundernd alle Folgen des "Paten" angeschaut hat. Kein Mensch hat sich aufgeregt, ob der Darstellung der italienischen Mafia in den USA. Weder hier noch in den USA. Lag das an Robert de Niro? Oder daran, dass der Begriff des "politisch Korrekten" in der Zeit gerade erst in den USA erfunden wurde ?

ausbein 24.02.2014 | 22:00

Ein zunächst stark erscheinender, dann deutlich schwächer werdender Tatort, und ein insgesamt übertriebener, sehr schwacher Dell. Dachte ich, zunächst.

Dann fiel mir "Gran Torino" ein, mit einer nicht unähnlichen Thematik: Rassismus, "unbesiegbare" Gang, etc. Ohne sozialdemokratisch zu werden und ohne seine Figuren zu verraten schafft es der (deutlich kitschigere) "Gran Torino", tatsächlich Strukturen und Menschen hinter den Rassen und Nationen zu zeigen und nebenbei den allgegenwärtigen Rassismus als eine - im Grunde lächerliche - Fassade bloßzustellen.

Davon bleibt der Tatort so meilenweit entfernt, dass mein Fazit sich geändert hat: Mathias Dell beschränkt sich (leider) auf nur einen kritischen Aspekt des gestrigen Tatort - aber er hat nicht unrecht damit.

M. aus HB 24.02.2014 | 22:18

Sehr geehrte Herr Dell,

vielleicht sollten Sie mal ihren Resortchef um Versetzung bitten. Gegebenfalls machen sie es auch freiwillig und freuen sich über jeden Verriss ihrerseits eines Tatortes. Ich persönlich habe gestern das erste Mal seit ca 15 Jahren einen Tatort angesehen, das auch nur weil einige Freunde dort als Statisten aufgetreten sind. Mal abgesehen von der filmischen Qualität von Brüder, fand ich ihn nicht reaktionär oder migrantenfeindlich. Wahrscheinlich leben sie in einem schönen Vorort einer Großstadt oder sogar eher ländlich, vielleicht aber auch in einem künstlerisch angehauchtem Viertel einer Großstadt. Ich bin in Bremen in einem "migrantenreichen" (hübsch neudeutsch) Viertel aufgewachsen. Jeder hat seine Erfahrung gemacht, positiv wie negativ, ob deutsch, türkisch oder eben auch libanesisch. Aber wer halbwegs in der Realität lebt, weiß das diese Familienclans so ziemlich genauso wie im Tatort handeln. In Bremen ist es die Familie Miri von denen ich einige auch persönlich kenne und damals auch mit befreundet war. Ich kenne die dunkle Seite und die gute Seite dieses Clans, von daher kann ich behaupten, das dieser Tatort realistisch ist. Ich lade sie gerne nach Bremen ein um sich selbst zu überzeugen, das die Polizei teilweise machtlos ist, weil sie von der von Demut geblendeten Politik in Stich gelassen wird. Suchen sie doch mal das Gespräch mit Polizisten in Problemvierteln! Lassen sie sich ihre Augen öffnen. Ein sehr guter türkisch-stämmiger Freund hat mich mal gefragt,warum wir unser eigenes Land an solche Individien verlieren. Ich konnte ihm nicht antworten!!!!

M. aus HB 24.02.2014 | 22:20

Sehr geehrte Herr Dell,

vielleicht sollten Sie mal ihren Resortchef um Versetzung bitten. Gegebenfalls machen sie es auch freiwillig und freuen sich über jeden Verriss ihrerseits eines Tatortes. Ich persönlich habe gestern das erste Mal seit ca 15 Jahren einen Tatort angesehen, das auch nur weil einige Freunde dort als Statisten aufgetreten sind. Mal abgesehen von der filmischen Qualität von Brüder, fand ich ihn nicht reaktionär oder migrantenfeindlich. Wahrscheinlich leben sie in einem schönen Vorort einer Großstadt oder sogar eher ländlich, vielleicht aber auch in einem künstlerisch angehauchtem Viertel einer Großstadt. Ich bin in Bremen in einem "migrantenreichen" (hübsch neudeutsch) Viertel aufgewachsen. Jeder hat seine Erfahrung gemacht, positiv wie negativ, ob deutsch, türkisch oder eben auch libanesisch. Aber wer halbwegs in der Realität lebt, weiß das diese Familienclans so ziemlich genauso wie im Tatort handeln. In Bremen ist es die Familie Miri von denen ich einige auch persönlich kenne und damals auch mit befreundet war. Ich kenne die dunkle Seite und die gute Seite dieses Clans, von daher kann ich behaupten, das dieser Tatort realistisch ist. Ich lade sie gerne nach Bremen ein um sich selbst zu überzeugen, das die Polizei teilweise machtlos ist, weil sie von der von Demut geblendeten Politik in Stich gelassen wird. Suchen sie doch mal das Gespräch mit Polizisten in Problemvierteln! Lassen sie sich ihre Augen öffnen. Ein sehr guter türkisch-stämmiger Freund hat mich mal gefragt,warum wir unser eigenes Land an solche Individien verlieren. Ich konnte ihm nicht antworten!!!!

dualactive 25.02.2014 | 00:17

Ich finde die Kritik von Herrn Dell zutreffend.

Ich fand außerdem, dass die Anspielungen auf die von den Polizeigewerkschaften kritisierte Kennzeichnungspflicht (Abreißen des Namensschildes "Bulle Förster", wir finden raus, wo du wohnst...) ein allzu offensichtliches und unhinterfragtes Zugeständnis an die hearts and minds der zuschauenden Cops waren, ebenso die Veralberung der Diskussion um Polizeigewalt in der Anfangsszene...

Herr Zhao 25.02.2014 | 01:52

Wenn das die beste Kritik im deutschsprachigen Raum sein soll, dann frage ich mich, was Germanistik , Anglistik, Filmwissenschaften und Kritisches Weißsein in der BRD alles verschlafen haben.

Krimis sind ein Genre, dass zu der mentalen Struktur des des Empirismus passt. Gothic und Horror sind Genre einer romantischen Weltanschaung. Rationalismus hat das Genre des Science Fiction.

Krimis eignen sich also dazu, statistische Diskurse über geanderte Minderheiten ästhetisch erfahrbar zu machen. Der Ermittler ist an die Genre-Regeln gebunden,nur mittels Vernunft und Schlußketten aus Indizien zum Täter zu kommen. Die Katharsis besteht darin, dass am Ende das vernünftige Individuum gegen das irrationale, dämonische Böse triumphiert.

Krimis kann man fabrizieren. Es gehört kaum Kunst dazu, weil es nur 36 dramatische Szenen gibt. Die meisten Szenen sind mit zwei Sprechrollen, einige mit drei Sprechrollen etc. Es gibt eine endliche Zahl von Kombinationen. Wie erreicht man nun, wenn man Minderheiten in der Rolle der "Bösen" besetzt die optimale Spannungskurve ?

Zunächst kann man Krimis als Anwendungsfall der Spieltheorie verstehen. Der Ermittler hat Handnlungsoptinen (Anklagen, Nichtstun, ...) und der Täter hat Handlungsoptionen (Ermittler töten, Gestehen,...). Krimiszenen können als Entscheidungsknoten in einen Spielbaum eines Nullsummenspiels, Mixed-Strategy Spiel und Reputationsspiel verstanden werden. Es ist möglich durch Auswahl einen Pfad im Spielbaum mit der optimalen Spannungskurve zu finden.

Hier handelt es sich um ein Reputationsspiel oder ein Signaling Game. Das Besondere an Signaling Game um die Ehre oder Reputation ist das Ergebnis, dass es zu irrationalen Endresultaten kommen kann, selbst wenn sich alle Spieler vollkommen rational verhalten. Daher eignen sich das Schreibmodell Reputationsspiel besonders dafür, den Kampf der Kulturen in die Köpfe zu hämmern. Täter und Ermittler bangen um ihre Reputation und müssen Gewaltbereitschaft und Coolness signalisieren, um eine Drohkulisse aufzubauen mit Eindrucksmanagement. Da das kulturellen Kommunikationscodes folgt, ist das ein Repräsentationsmodus für den Kampf der Kulturen.

Auf der Seite der Figuration kann man die Charakterisierung von Minderheiten durch Attribution von Eigenschaften über Sprachcodes, Kleidung und Kameraführung andern. Die Dämonie entsteht durch die Abweichung von der nicht weiter sichtbar gemachten weißen Norm. Typischerweise läuft das über die Erzeugung von riechbaren Körpercodes - z.B. Muskelshirt, Tanz und Parfüm, um abweichende Gender geruchsmässig erfahrbar zu machen.

Figuration findet aber auch statt durch die Kombination der Haupt- und Nebenfiguren in den Szenen. Die Eigenschaften der Hauptfigur leiten sich ab aus den Eigenschaften und Handlungen der Nebenfiguren. Wenn die Nebenfiguren besonders gewalttätig sind, leuchtet das Heroische der Hauptfiguren besonders stark. Normen werden so performativ bestätigt.

Binäre Logiken der Figuration von Charakteren weiß/ethnisch, Mann/Frau kann man sehr gut mit Netzwerkdynamiken in den einzelnen Szenen zeigen. Knoten sind dann die Charaktere und die Kanten sind dann Tötungsbeziehungen, Blicke, Dialoge etc. Für die Tötungsbeziehungen sind besonders interessant, ob ohne den Toten Charaktere isoliert werden der einen oder anderen Koalition. Es entsteht dann in der nächsten Szene ein Kandidat für den Verräter oder den Verzweifelten. Auch die Todesumstände sind spannend, weil Charaktere der Mehrheitsgesellschaft anders sterben als Chraktere der Minderheiten - nämlich weniger mitleidserregend.

Die Analyse der Blickbeziehungen zeigt ungewöhnliche Muster bei Genderbeziehungen auf. Frauen werden nämlich anders angesehen als Männer. Wenn man das Netzwerk der Tötungsbeziehungen und das Netzwerk der Blickbeziehungen übereinander legt, kann man bei einer Reihe von Krimis erkennen, dass Tötungsbeziehungen und Blickbeziehungen bei Frauen kongruent sind. Frauen sind nämlich sehr häufig Opfer, wenn sie sich zu sexuell aufreizend benehmen in Krimis, die normative Männlichkeit inszenieren sollen.

Bei Dialogszenen illustrieren die Netzwerke die Sprechanteile. Es kommt beim Nachweis von Rassismus darauf an, die Dialoge mit semantisch angereicherten Wörterbüchern zu Rassismus zu vergleichen.

Die topologischen Generation von Formen der Netzwerkmotive kann man durch Annotation des Narrativs erreichen. Amerikaner bauen dazu gewaltige frei verfügbare digitale Bibliotheken nebst Software-Werkzeugen auf.

Computer Linguisten und Computational Visualistichaben auch Maße entwickelt, um Intertextualität und Intervisualität aus vorgebenden Texten und Bildern heraus zu fischen. Rassismus kann man damit sehr leicht im Diskurssträngen und deren Wechselwirkungen verfolgen.

Auf der Rezipientenseite existieren inzwischen von Seiten der experimentellen Psychologie Testbatterien aus der Persönlichkeitsforschung, um die Selbstethnisierung und Fremdethnisierung in der Identifizierung mit fiktionalen Charakteren nachzuweisen.

US-Amerikaner sind sogar bereits jetzt in der Lage über emotionale Wörterbücher auf youtube hochgeladende Filmszenen automatisch zu annotieren. Es lassen sich damit auch rassistische Individuen identifizieren und sehr genau ihre Sehgewohnheiten über ihre youtube Accounts auslesen. Das Medienverhalten von Rassisten kann man sehr genau beobachten.

Auf der Seite der Neurologen pionieren Amerikaner die Neurocinematics mit fMRI Brainscans, um neurologische Korrelate für Rassismus zu finden, die durch den Anblick schwarzer Gesichter gebildet werden. Über den Verlauf eines Filmes mit Afro-Amerikanern kann man sehr genau die Kontrolle des Produktionsteams über die Wahrnehmung von Afro-Amerikanern im Publikum verfolgen.

Es gibt also diese hochmodernen us-amerikanischen Herangehensweisen, um Rassismusforschung in den Medien auf Basis neuester Wissenschaft am rassistischen weißen Subjekt durchzuführen, und es gibt diese spekulativen deutschen Geisteswissenschaften. Rassismus in den Medien kann man mit Experimenten unter Labor-Bedingungen an grossen Textmengen und Bildmengen jedes Genres untersuchen. Deutschland ist wie immer ganz weit hinten im internationalen Diskurs.

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2014 | 09:53

Warum hatte Bushido denn keine Gastrolle in "Brüder"? Wurde er etwa von Abou-Chaker-Clan erpresst? ;D Spaß beiseite. Wie einige meiner Vorkommentatoren kann ich den Wirbel um Lebensrealitäten nicht verstehen. Wie Koslowski schon schrieb, wird ein Erwachsener doch zwischen Lebensrealitäten und Film unterscheiden können. Wer in seinem Leben viel unterwegs und umgezogen ist, wird die Unterschiede zwischen bestimmten Bezirken und demetsprechenden kulturellen als auch Verhaltensweisen einzelner Personen und Grüppchen sauber kennen und trennen. Es ist etwas anderes, wenn ein schwules Pärchen in Friedrichshain händchenhaltend zwischen Retro-Hipstern spaziert oder eben in Neukölln auf der Marx blöd angemacht werden. Wer das abstreitet, belügt sich selbst. Viele ziehen nur gar nicht erst in Stadtteile und können daher gar nicht wissen, was abgeht und welches Klientel dort zum Teil abhängt. Es greift der Mechanismus "aus den Augen, aus dem Sinn", Verdrängung pur. Der Tatort weist viele Parallelen zum Abou-Chaker-Klan auf: http://www.spiegel.de/video/spiegel-tv-bushido-und-den-abou-chaker-clan-video-1267683.html Besonders auffällig ist m.E. auch die typische Täter-Opfer-Umkehr bei solchen Typen (- was ich übrigens auch selbst schmerzlich erfahren habe). Hinterher stilisieren sie sich stets als die "armen Integrationsopfer", dabei gilt es auch hier zu differenzieren. Es gibt nicht nur eine Seite, die "schuldig" ist: http://www.fes.de/forumpug/inhalt/documents/bfg-nr-28.pdf . Am Fall von Jonny K. hat man gesehen, wie eine "wildgewordene Horde Affen" bzw. die Mörder des jungen Mannes, offenbar auf der Toilette des Landsgerichts Moabit aufgenommen, ihr Opfer und die Justiz verhöhnen und dies auch noch im Internet präsentieren: http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article124613458/Verurteilte-Schlaeger-verhoehnen-ihr-Opfer-Jonny-K-im-Internet.html Dieses Verhalten kommt mir bekannt vor. Die Typen, die mir vor ein paar Jahren zwei Finger gebrochen haben, haben psychisch noch lange Zeit nachgetreten und sogar die Polizei hatte Angst vor ihnen. Von den Angst- und Panikattacken, die Opfer sehr lange begleiten, mal ganz zu schweigen, insbesondere, wenn man genau weiß was mit einem in diesen Momenten passiert, man diese Gefühle sogar körperlich spürt, aber absolut NICHTS dagegen tun kann. Auch dies fand ich im Tatort sehr realistisch dargestellt.

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2014 | 10:31

Kern erfasst. Weinsztein arbeitet doch (angeblich) beim WDR. Er sollte also den einen oder anderen Filmwissenschaftler kennen und mal nachfragen. (Interessant übrigens Weinszteins betonung auf "Kommentator" und intelligenz. Er hätte auch über einen "intelligenten Kommentar" sprechen können, aber nein, er versucht [mal wieder], jemanden persönlich anzugreifen. Allerdings bemerkt er dabei nicht, dass er sich damit doppelt selbst disqualifiziert, denn Intelligenz kann man - wie jeder kluge Mensch weiß - nicht via Ferndiagnose von Laien über ein Internetforum beurteilen.) :D

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2014 | 10:39

Kern erfasst. Weinsztein arbeitet doch (angeblich) beim WDR. Er sollte also den einen oder anderen Filmwissenschaftler kennen und mal nachfragen. (Interessant übrigens Weinszteins betonung auf "Kommentator" und intelligenz. Er hätte auch über einen "intelligenten Kommentar" sprechen können, aber nein, er versucht [mal wieder], jemanden persönlich anzugreifen. Allerdings bemerkt er dabei nicht, dass er sich damit doppelt selbst disqualifiziert, denn Intelligenz kann man - wie jeder kluge Mensch weiß - nicht via Ferndiagnose von Laien über ein Internetforum beurteilen.) :D

ceebee 25.02.2014 | 13:01

Mir fehlen die Erikative.

Dieser Film hat versucht mich mit seinem Fatalismus, seinem Rassismus, seinem ganzen kruden Wahrnehmungs- und Empfindungsmangel anzustecken. Das ist eine grobe Missachtung und Herabsetzung meiner Fähigkeiten.

Und, liebe Kommentatoren, es ist in diesem Zusammenhang, nämlich der Beurteilung eines Film als Film - und nicht als Maßstab einer Wirklichkeit- VÖLLIG belanglos, ob es ’Nidals’ so oder in ähnlicher Form gibt oder nicht gibt und ob und was ich, Du und Müllers Kuh mit ihnen erlebt haben.

Matthias Dell 25.02.2014 | 13:48

überrascht ist vielleicht das falsche wort, aber doch einigermaßen verwundert, wie schematisch hier zumeist gedacht wird, was mit integration/migration zu tun hat.

diese ganze, mit verlaub, widerlichen reflexe, in denen die auch hier artikulierte vorstellung von realität 2014 festhängt, also dass, wer so ein machwerk kritisiert, menschen mit migrationshintergrund automatisch für die besseren hält, weil es ja unmöglich ist, zu verstehen, dass es einfach nur menschen sind wie du und ich, die nicht deshalb kriminell werden, weil man das in libyen, der türkei oder woher auch immer sie kommen, so macht. dass das menschen sind, die nicht in sippenhaft genommen werden für und nicht alle ihre handlungen auf das merkmal reduziert kriegen können, das sie von der heterogenen weißen deutschen mehrheit nach außen unterscheidet.

oder eben umgekehrt, dass man einen film, der das angstgetriebene hirngespinst einer weißen mittelschicht ist, die nach anlässen sucht, die sau gegenüber allen rauszulassen, die nicht aussehen, wie man selbst, dass ein solcher film gefeiert wird für seine angebliche ähnlichkeit mit der realität, die sich leider auf eine statistische feststellung beschränkt, also darauf, dass es hier und da einen verbrecherischen clan "gibt".

warum schafft es der tatort nicht, einblick in das tatsächliche funktionieren von in clans organisiertem verbrechen zu geben - weil das nicht so bequem wäre zum schimpfen und hassen?

vor den menschenbildern, die hier unterwegs sind, kann einem grausen.

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