Michael Angele
Ausgabe 2714 | 02.07.2014 | 11:54 12

Mario Draghi, der Alchemist

Drama "Die Plünderung der Welt": Michael Maier hat ein Buch verfasst, das die Finanzpolitik unserer Tage als faustisches Erbe beschreibt

Mario Draghi, der Alchemist

Der aktuelle EZB-Chef spielt eine hervorstechende Rolle

Foto: John Thys/ AFP/ Getty Images

Es gibt Bücher, die zum Nachdenken anregen wollen, andere wiederum wollen unterhalten, und dann gibt es solche, die den Leser durchschütteln sollen. Diese Bücher sagen dem Leser: Wach auf, Mann (oder Frau). Es ist fünf vor zwölf. Das vorliegende Buch sagt zwar, dass es Viertel vor eins sei, aber es ist dennoch ein Wachrüttelbuch. Oft stammen diese Bücher von Journalisten, die für eine Sache brennen und sich nicht zu schade sind, ihr Anliegen mit einem reißerischen Titel zu befeuern. Das Buch von Michael Maier heißt Die Plünderung der Welt. Wie die Finanz-Eliten unsere Enteignung planen.

Maier hat eine glanzvolle Karriere als Journalist in den Mainstream-Medien hinter sich, er war Chefredakteur der Berliner Zeitung und des Stern, gründete dann die Netzeitung (für die ich gearbeitet habe), tauchte zur Erforschung sozialer Netzwerke in die USA ab, dann als Herausgeber der Deutschen Wirtschaftsnachrichten, der Deutsch-türkischen Nachrichten, und der Deutschen Mittelstandsnachrichten im Internet wieder auf. Der dritte Titel gibt einen Hinweis darauf, wie weit der kapitalismuskritische Impuls in die Mitte der Gesellschaft gerückt ist.

Ein ordentliches Wachrüttelbuch braucht einen einprägsamen Slogan. Bei Thomas Pikettys Capital in the Twenty-First Century (das zur Subgattung der Nichtgelesenen Wachrüttelbücher gehört) ist es eine Formel: r > g. Meint: Die Vermögen wachsen schneller als die Wirtschaftsleistung. Meint: Die Reichen werden immer reicher.

Ein toller Fund

Bei Maier ist es eine simple Zahl: 0,123. Sie beantwortet die Frage, wer die Welt beherrscht. „Eine winzige Gruppe von 0,123 Prozent der Eigentümer internationaler Konzerne (Trans National Coprorations, TNC) kontrolliert 80 Prozent des Wertes dieser 43.000 Konzerne.“ Ermittelt hat die Zahl ein gewisser James B. Glattfelder. Nie gehört? Kein Wunder, er ist ein junger Schweizer Physiker, der in seiner Freizeit gern klettert. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat er über die „Vorhersagen von Finanzkrisen“ geforscht. Keine Ahnung, wo Maier dessen Dissertation ausgegraben hat. Aber sie ist ein toller Fund.

Diese winzige Superelite besteht im Wesentlichen aus britischen und amerikanischen Banken, aus Deutschland sind nur die Deutsche Bank und (vermittelt) die Allianz auf der Liste. Die Personen dahinter interessieren Michael Maier nicht. Es geht, anders als der Titel suggeriert, nicht um eine Verschwörung. Maier, der in Jerusalem über „Antisemitismus in den Medien der DDR“ geforscht hat, steht für Montagsdemos offenkundig nicht zur Verfügung.

So wie nun an Piketty Kritik geübt wird, kann man möglicherweise auch die Daten von Glattfelder relativieren. Es ändert nichts an der Grundstimmung unserer Zeit. Wir glauben, dass die Reichen immer reicher werden. Auf Kosten der Vielen. Praktisch überall auf der Welt.

Dass wir die Kosten der von der Elite entzündeten Finanzkrise tragen, bildet das Mantra in Michael Maiers Buch. Wir bezahlen selbst da, wo es nicht intendiert ist. Etwa bei den niedrigen Zinsen der Zentralbanken, die nicht bloß die Staaten entschulden sollen, sondern auch dazu führen, dass die Einlagen der Sparer an Wert verlieren. Maier braucht hier nicht Marx zu zitieren, es genügt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der von einer „Enteignung der Sparer“ spricht.

Wohin er blickt, das Muster ist immer das gleiche, Maier spricht von einem „System der Plünderungen“. Das klingt rabiat, aber nicht unvertraut. Sein Buch ist auch ein Kompendium der aktuellen Wirtschaftskritik. Dort, wo Maier die „Schulden-Tyrannei“ von IWF, Weltbank und WTO kritisiert, klingt er nicht nur nach Joseph Stiglitz, sondern auch nach Jean Ziegler und – an anderer Stelle explizit – nach David Graeber. Andere Stimmen sind überraschender. Etwa die von Hans-Hermann Hertle, der gezeigt hat, wie tief die DDR in die Schuldenfalle getappt ist. Die Beschreibung des Historikers erinnert Maier „fatal“ an die Zeitungsberichte über die heutige Lage der südeuropäischen Länder. Das Ende der DDR ist bekannt.

Das Skandalon

Der kühne Vergleich bildet seit Oswald Spengler die stärkste rhetorische Waffe der Wachrüttelbücher („schon das römische Reich ...“). Er ist einem ästhetischen Blick auf die Welt geschuldet. Wir sind Zeugen eines Dramas, sagt Maier. Und wir haben es mit einem Verbrechen zu tun. Das Skandalon besteht darin, dass das Verbrechen nicht geahndet wird. Es ist eben kein Raub, sondern eine „Plünderung“. Da sind keine Pistole und keine alte Frau mit Handtasche. Da sind die Zentralbanken, die im Interesse der Finanzwirtschaft agieren, und da sind wir, die Bürger. Aber auch dieser Plot eignet sich nur bedingt für einen guten Krimi. Das Personal der Finanzeliten, sagt Maier, ist blass. So hat der heutige EZB-Chef Mario Draghi zwar mitgeholfen, die Öffentlichkeit bei der Rettung der ältesten italienischen Bank zu täuschen, hervorstechend ist auch seine Rolle als Manager bei Goldman Sachs (die Bank, die Griechenland half, das massive Schuldenproblem vor der EU zu verschleiern), er bleibt dennoch ein Biedermann. Er hat keine faustische Tiefe.

Dabei bildet der Faust-Mythos das Fundament dieses Buchs. Was Maier das „Falschgeldsystem“ nennt, findet in der Studie Geld und Magie des St. Galler Nationalökonomen Hans Christoph Binswanger eine kulturtheoretische Durchringung. Binswanger hat aus dem zweiten Teil von Goethes Faust die Grundlagen der modernen Wirtschaft herausgelesen. Mit der Erfindung des Papiergelds wurde ein alter Alchemistentraum wahr; eine wertlose Sache wurde zu „Gold“ gemacht. Diese Verwandlung verhieß Reichtum ohne Anstrengung, grenzenlose Herrschaft, basierend auf der wundersamen Vermehrung von Werten, gegen die Natur und ihre Beschränkungen. Das „große Werk“ der Alchemisten. Man muss nur daran glauben. Indem die Wirtschaft transzendent geworden ist, hat sie die Religion weitgehend beerbt, sagt Binswanger. Deshalb ist dieser Glaube so hartnäckig, obschon er doch buchstäblich auf dem Schein beruht.

So weit zur Ästhetik. Und die Moral? Trotz einer schillernden Rhetorik hat Michael Maier kein linksradikales Buch geschrieben. Er will den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern auf ein menschliches Maß zurückstufen. In seiner Mitte steht der „partizipative Unternehmer“. Anders als der CEO der großen Konzerne, dessen einziges Ziel es ist, den Börsenwert der Firma zu steigern, ist dieser Unternehmer ein verantwortliches Wesen. Einer, der persönlich haftet. Ein Modell, das Maier auch für die Banken vorschwebt, der Staat soll sich da raushalten. Die EU wiederum muss reformiert werden, der Euro darf kein Fetisch sein, Währungsreformen gab es immer schon; eine Kritik, die implizit zwischen Linkspartei und AfD einen dritten Weg einschlägt. Das kann man vernünftig finden. Wem es noch zu wenig ist, der sollte bedenken, dass Wachrüttelbücher ihre größte Stärke im Wachrütteln haben.

Die Plünderung der Welt Michael Maier Finanzbuchverlag 2014, 288 S., 19,99 €

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 27/14.

Kommentare (12)

denkenundhandelnbitte 02.07.2014 | 12:49

die biedermänner sind die brandstifter, die kleinen unscheinbaren mit den alten aktentaschen..." VERBRECHEN , die ungeahndet bleiben " sind nur möglich durch 1. FALSCHE - also menschenfeindliche aber wirtschaftsfreundliche GESETZE , 2. eine NICHT unabhängige JUSTIZ und 3. unendliche MACHT- und HABGIER der TÄTER ! und die hilflose, schweigende masse der opfer , die sich bisher nicht wehrt ...

Das kann man auch mal so sehen 02.07.2014 | 17:08

Der Beitrag ist gelungen, warum er Michael Maier, den Herausgeber der DMN, DWN, etc., jedoch in dem Zusammenhang so hochjubelt, bleibt mir ein Rätsel. Außerdem wurde in der Liste vergessen, daß Michael Maier auch bei einer jüdischen Zeitung gearbeitet hat.

Und ich möchte mir vorab schon einmal verbitten mir einen Judenhaß oder dergleichen zu unterstellen, aber wenn Kommentare, in denen das Wort Jude nur auftauchen, generell zensiert werden, dann habe ich da so meine Befürchtungen.

Das ist mir sowohl bei den DMN, wie auch der DWN mehrmals passiert. Ich finde durchaus, daß man eine kritische Haltung zu ihrer Interpretation der Bibelstelle, in der es heißt, "daß Juden sich nicht von ihrer Hände Arbeit nähren sollen, aussprechen darf, ohne von der Zensur gefressen zu werden. Zumal eben gar nicht alle Juden diese biblische Textpassage so auslegen, dies aber doch der Grund ist, warum einige Fundamentlisten dieser Religionsgruppe dies zum Anlaß nahmen, sich vornehmlich im Geldverleih zu betätigen, und den Zinsverleih im Handel etablierten, der unzweifelhaft einer der Mitverantwortlichen des Desasters ist welches sie als Plünderung bezeichnen.

Wenn man Geld eine Zeugungsfähigkeit andichtet, die es nun mal aus seiner Natur nicht hat, dann müssen die Zinsen, also des Geldes Nachkommen, ja von Anderen geleistet werden. Dadurch wird der Mensch zum Diener des Geldes, was eigentlich einmal genau umgekehrt angedacht war.

Wenn man solche Dinge, in den durch Michael Maier herausgegebenen Zeitungen nicht mehr sagen darf, ohne zensiert zu werden, dann halte ich das für mehr als Bedenklich. Zumal meine Kommentare durchaus explizit darauf hinwiesen, daß dies weder DER Jude im allgemeinen so macht, sondern lediglich eine kleine Minderheit von ihnen diese Passage der Bibel auf diese Weise auslegt, noch daß man solch verqueres Glaubensgut nur bei den Juden findet, sondern zum Beispiel auch bei den Jainas, einer indischen elitären Glaubensgemeinschaft, die ebenfalls ihre Schrift so auslegen, daß sie sich nicht von ihrer Hände Arbeit nähren sollen. Das diese Jainas dann ebenfalls im Geldverleih und Geldhandel anzutreffen sind, und die finanzielle Elite des Landes stellen, ist bezeichnend. Zu der übrigens Anshu Jain, der Chef der Deutschen Bank gehört.

Erst als mir auffiel, daß es diese "Regel" seitens der Zensur dieser Zeitungen gab, machte ich mich auf die Suche, nach ihrem Herausgeber und seinem Werdegang, und fand darunter eben auch seine Mitarbeit bei einem jüdischen Blatt. Es mag jedem selbst überlassen sein, ob meine Schlüsse, die ich daraus ziehe nun gerechtfertigt oder überzogen sind.

Man könnte diese Stelle der Bibel, "daß man nicht von seiner Hände Arbeit nähren soll, weil man Gott ganz dienen soll", nämlich durchaus auch anders auslegen. Es könnte auch bedeuten, daß sich nur von dem nähren soll, was Gott einem von alleine schenkt. Also von Früchten, zum Beispiel, die bekommt man nämlich ganz ohne Hände Arbeit. Zu mindest nicht mit mehr Hände arbeit, die man zu Geld zählen braucht.

Gruß aus Bremen

knattertom 02.07.2014 | 17:13

" „Eine winzige Gruppe von 0,123 Prozent der Eigentümer internationaler Konzerne (Trans National Coprorations, TNC) kontrolliert 80 Prozent des Wertes dieser 43.000 Konzerne.“ Ermittelt hat die Zahl ein gewisser James B. Glattfelder. Nie gehört? Kein Wunder, er ist ein junger Schweizer Physiker, der in seiner Freizeit gern klettert. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat er über die „Vorhersagen von Finanzkrisen“ geforscht. Keine Ahnung, wo Maier dessen Dissertation ausgegraben hat. Aber sie ist ein toller Fund."

Nun, vielleicht hat er einfach nur Fernsehen geschaut:

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/19067010_die-story-im-ersten-geld-regiert-die-welt

Wer lieber alternativ schaut, einfach auf youtube nach "Blackrock" suchen.

"Diese winzige Superelite besteht im Wesentlichen aus britischen und amerikanischen Banken, aus Deutschland sind nur die Deutsche Bank und (vermittelt) die Allianz auf der Liste. Die Personen dahinter interessieren Michael Maier nicht."

Nein, die Elite besteht nicht aus Institutionen, sondern aus Menschen. Dass der Autor diese nicht namentlich benennt, ist sein gutes Recht, macht Ihre Aussage hier aber nicht richtiger.

"So wie nun an Piketty Kritik geübt wird, kann man möglicherweise auch die Daten von Glattfelder relativieren. Es ändert nichts an der Grundstimmung unserer Zeit. Wir glauben, dass die Reichen immer reicher werden."

Pardon, aber was hat das mit "glauben" zu tun? Für die Erkenntnis reichen logisches Denkvermögen und die vier Grundrechenarten.

"Das Skandalon besteht darin, dass das Verbrechen nicht geahndet wird. Es ist eben kein Raub, sondern eine „Plünderung“. Da sind keine Pistole und keine alte Frau mit Handtasche. Da sind die Zentralbanken, die im Interesse der Finanzwirtschaft agieren,....."

Die Zentralbanken, a ha, handeln die nicht im Interesse ihrer Staaten?!? Nehmen Sie die hirnrissigerweise behauptete "jüdische Weltverschwörung" einiger weniger Montagsdemonstranten hinweg, und Sie landen genau an diesem Punkt, welcher vielleicht noch durch die Erwähnung und einige Hintergrundinfos zur BIZ (BIS) ergänzt werden sollte.

"Deshalb ist dieser Glaube so hartnäckig, obschon er doch buchstäblich auf dem Schein beruht."

Sehr schön formuliert :o)

Wissbegieriger 07.07.2014 | 16:11

Guter Beitrag. Allerdings scheint es so, als wenn auch dieses Wachrüttelbuch sich zu sehr in der Kapitalismuskritik verliert. Denn die auswucherungen des Finanzsystem sind kein Resultat des Kapitalismus, sondern genau andersherum. Die Wirtschaft/Wirtschaftsform(Kapitalismus) ist nur ein Diener des Geldsystems. Wenn wir es nicht schaffen die Art wie Geld erzeugt wird zu ändern, ist es völlig uninteressant in welcher Wirtschaftsform wir leben. Genauso wenig kann man den Kapitalismus auf ein gesundes Maß reduzieren bzw. sozialisieren.

Sehr gut finde ich das Ergebnis des schweizer Physikers, welches für mich ein weiterer Baustein ist, um die "Verschwörungstheorien" über die Bankiersfamilien zu komplementieren. Die besagt ja, das im Laufe der letzten 300-400 Jahrhunderte, nach der Erfindung/Einführung von Papiergeld, Anleihen und Zentralbanken, eine Hand voll Industriedynastien und Bankiersfamilien immer reicher und mächtiger wurden und nach und nach ihre Konkurrenz aufgekauft oder vernichtet haben. So langsam wird die (Macht)-Struktur dahinter erkannt: Konzerne -> Zentralbanken -> Privatbanken -> Eigentümer der Privatbanken. Jetzt muss man rausfinden wer die Eigentümer sind, aber anscheinend ist niemand wirklich in der Lage dieses Netz aus Scheinfirmen zu durchleuchten und die wahren Eigentümer zu ermitteln. Im Gespräch sind immer die altbekannten Rothschild, Morgan, Rockefeller etc., aber die haben sich ja nach Einführung der FED ziemlich rar gemacht und verschleiern ihren Reichtum/ihre Macht auf brilliante Weise. Aber ich würde gerne mal Handfeste Beweise dafür sehen, ob die heute immer noch das Ruder in der Hand haben und/oder ob da neue dazugekommen sind, evt. auch welche aus der 2ten oder 3ten Welt. Weil die verstehen auch immer besser das System aus Schuld und Ausbeutung, wenn man sich die steigende Anzahl von Milliardären in zb. Brasilien, Indien, China anguckt.

iDog 08.07.2014 | 00:29

ja ? ... oder doch nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Also, dass der Kapitalismus die große Plünderung ist, um es genauer zu sagen ganz grundsätzlich von dem lebt , was sinnwiderigerweise dem Kommunismus immer vorgeworfen wird, nämlich von der Enteignung, das kann man zB. auch sehr anschaulich behandelt bei Hannah Arendt lesen, in ihrem "Vita Activa".

In dem Zusammenhang beruht wie nebenbei alles auf dem gern verschleierten Unterschied zwischen Besitz und Eigentum.

Um ein zweites Detail herauszugreifen: Die alchemistische Tradition und damit : wie aus wertloser, besser toter (vorsorglich getöteter oder für tot erklärten) Materie Gold wird - und dann nicht nur die akute Wissenschaftsglaubigkeit, sondern auch der (göttliche? männliche?) Erschaffungsmythos - nicht nur in Bezug auf Macht durch Eigentum - historisch in eine kausale Kette des realisierten Wahns gestellt wird mit dem was man heute Turbikapitalismus nennt .... das alles kann man zB. sehr nett zusammengefasst bei Claudia v. Werlhof lesen - seit 30 Jahren.

Einige andere (Horkheimer, Adorno, Hanneff, Heinsohn, Chomsky, Graeber kam oben schon vor ... und viele mehr) haben auch schon zu wenig Gehör gefunden mit denselben Wahrheiten, denn die intressieren den Kapitalisten selbstredend nicht. Die Mehrsten halten sich nun mal für solche. Welche fataler Irrtum.

Dass, um nochmal zu Hannah Arendt zurückzukommen, zumindest historisch kausal ( im Gegensatz zu ideologisch) ohne Eigentum kein Bürgerrecht möglich ist, und, siehe da, auch keiner Rechte hat, der kein Eigentum hat oder zuwenig, das Politische mit der Tradition der Enteignung anderer schon immer zum Exklusivrecht der immer weniger , immer reicher werdenen Enteigner wird, und vieles mehr läßt sich schön an der heute sogenanten "Krise der Demokratie" ersehen. Die Demoktraten werden logisch immer weniger und treffen sich zum Kuchenteilen zB. bei den TAFTA Verhandlungen, wärend der Rest der "Gesellschaft" sich immer noch scheut den eigenen Status anzuerkennen: potenzielle Sklave ... auch gerne mittelständige.

Ich sags ja : alter Wein, der Wetterbericht für jetzt vor der eignen Haustür, falls man keine Zeit hat rauszuschauen .... Weckruf für die, die schon nicht mehr schafen können?

Radikal? Der Kapitalismus ist nicht beherrschbar, wenn er herrscht. Wenn er nicht herrscht ist "es" kein Kapitalismus. Kleinunternehmersentimentalität ? Verantwortlicher Kapitalist? Sozialromanzen? Nostalgie? Gute alte Zeit. Vergesst es. Kommt nicht wieder.

Wer oder was - der Staat kann es offensichtliche schon nicht mehr, oder nur noch sehr bedingt - kann in einer solchen Situation also den Einzelnen noch Bürgerrechte garantieren?

Helmut Eckert 08.07.2014 | 08:26

Selbst der reichste Mensch kann nur in zwei Betten zur gleichen Zeit liegen. (Er muss sich quer in ein Doppelbett legen). Es ist eine unumstößliche Tatsache.

Nun die Frage, die sich viele Menschen stellen: Was macht ein Milliardär mit seinen 100 Milliarden?

Die Antwort ist so fatal wie schlicht: Es ist die Macht, die ihm das Geld, der Besitz gibt. Macht über andere Menschen, Macht über den Verlauf der Geschichte, die er glaubt zu besitzen.

Oft sind es Greise, die hochgelobte Begehrlichkeiten der Menschen selbst nicht mehr genießen können. ( Sex; Völlerei, wie Trinken und Essen der teuersten Speisen und noch teure Weine. Sie leben mit Diäten und Pillen. Verbringen einen großen Teil ihres restlichen Lebens in Kurkliniken, oder leben zurückgezogen, abgeschottete vom richtigen, pulsierenden Leben in einsamen Villen. Versorgt von Personal das katzbuckeln um sie schleicht.

Nur die unstillbare Gier der Macht treibt diese Menschen an. Jede Sucht ist eine gefährliche Krankheit. Keine Sucht ist so zerstörerisch, wie die Sucht nach Macht! Macht ist immer verbunden mit dem Narzissmus. Die eigene Selbstliebe verachtet den Mitmenschen. Der Narzisst macht sich gottgleich. Gibt es gerechte Machtausübung? Ich bezweifele es. Macht ist allein ohne Beteiligung weiterer Menschen, Tiere nicht möglich. Selbst der Spruch: Ich habe Macht über meinen Körper stimmt nur sehr bedingt, wahrscheinlich gar nicht. Wo es Macht gibt, gibt es immer die unterdrückten der Macht.

Solange es auf der Welt den Besitz geben wird, so lange wird es die Sucht nach Macht geben. In meiner Zeit im DDR Zuchthaus lernte ich die Macht der dortigen Aufseher kennen. Alle Gefangenen litten unter dieser Machtstruktur. Trotzdem, oder genau darum waren einige der Gefangenen bestrebt, Macht in ihrem Umfeld zu erlangen. So der KAPO. Der Gefangene im Besitz von Tabak konnte sich damit Macht kaufen. Er stand automatisch eine Stufe über dem besitzlosen Gefangenen. Der Spitzel glaubte an seine Macht. Er konnte diese Macht nicht offen zeigen. Er freute sich im Stillen um seine Macht, den Mitgefangenen zu verraten und somit zu schädigen.

Läuft dieser Film nicht genau so ab in unserem, so eingebildeten freien Leben? Ich sehe keine großen Unterschiede. Auch im Knast krochen einige der Gefangenen den Wärtern in den Arsch. Wie hier in der Gesellschaft……

Frank Linnhoff 08.07.2014 | 10:47

Ich habe das Buch "die Plünderung der Welt" nicht gelesen, werde dies auch wahrscheinlich nicht nachholen. Die Darstellung Herrn Draghis als Mephisto, als Personifizierung des Teuflischen, am Beginn dieses Artikels und durch das Foto halte ich für dumm; denn er ist ein kleines Licht in der Welt der Hochfinanz, seine Macht und diejenige der EZB wird überbewertet und lenkt nur von den wirklichen Gründen für die ungeheure Konzentration der Geldvermögen seit etwa 30 Jahren in wenige Hände ab. Leider interessiert es viel zu wenige Mitbürger, wie unser Geld- und Banksystem funktioniert, warum die Staaten bei den Geschäftsbanken derart überschuldet sind, warum diese Schulden nie zurückgezahlt werden können etc., warum der Druck derartig groß ist, dass die Staaten ihre Sozialsysteme abbauen. Der wahre Skandal ist, dass gerade in Deutschland die Fiskalpolitik die Einkommen aus Arbeit wesentlich höher besteuert als die Kapitaleinkommen, die Politik quasi nichts unternimmt, um die Steuerflucht für Kapitaleinkommen zu unterbinden. Es gibt derzeit keine im Parlament vertretene politische Partei in diesem Land, wobei ich die LINKE ausdrücklich eingschließe, welche eine notwendige Vollgeldreform unterstützt. Es wäre besser, Professor Binswanger als einen der führenden Köpfe für die Vollgeldinitiative in der Schweiz herauszustellen. Sein Aufsatz über Goethe, Faust 2 und Papiergeld ist interessant. Doch nicht Papiergeld ist das Problem in unserer Welt, sondern das Geldsurrogat Giralgeld, welches in unserer Volkswirtschaft schon jetzt mehr als 80% der Geldmenge ausmacht (Tendenz steigend). Die Politiker all unserer Parteien scheinen es durchaus richtig zu finden, dass der Staat sein altes Hoheitsrecht über die Schöpfung des Geldes an Geschäftsbanken abgegeben hat. Echte Aufklärung tut Not, kein "Aufrütteln".

Schachnerin 13.11.2014 | 09:34

netzpolitik.org hat von den Deutschen Wirtschaftsnachrichten eine Abmahnung bekommen, sie dürfen nicht mehr schreiben, dass die Deutschen Wirtschaftsnachrichten der Kopp Verlag für irgendetwas mit Wirtschaft sind und sie dürfen nicht mehr auf ein Video verlinken, auf das die Deutschen Wirtschaftsnachrichten selber verlinken.

https://netzpolitik.org/2014/deutsche-wirtschafts-nachrichten-schicken-uns-abmahnung/

In der Netzlese hier beim Freitag ist darauf verlinkt

http://www.internet-law.de/2014/11/deutsche-wirtschafts-nachrichten-mahnen-netzpolitik-org-ab.html

Michael Maier gibt die Deutschen Wirtschaftsnachrichten heraus.

netz