Michael Jäger
14.08.2012 | 16:20 21

Das Ich schöpft nie aus sich allein

Urheberrecht Künstlerische Werke können zwar ohne Verwerter entstehen, nicht aber ohne Geschmack. Und wer bezahlt den?

Das Ich schöpft nie aus sich allein

Natürlich gibt es immer intellektuelle Vorläufer. Aber in den allermeisten Fällen ist Kunst mehr als nur eine Kombination von schon Vorhandenem

Illustration: Otto

Manches an der Urheberrechtsdebatte, die von der Piratenpartei angestoßen wurde, ist nur zu verständlich. Man braucht ja nur über das Wort „Urheber“ als solches nachzudenken: Es suggeriert, dass die Neuschöpfung ein allererster Anfang und geradezu eine creatio ex nihilo sei. Demgegenüber haben die Piraten mit Recht daran erinnert, dass jedes Kunstwerk aus anderen Werken schöpft, die schon vorher da waren. Wenn daraus aber der Schluss gezogen wird, dass im Maß, wie ein Künstler von andern Künstlern profitiert, der Geldwert seines Werks sinke, wird’s schon problematisch. Denn auch eine andere Erinnerung drängt sich nicht auf: daran, dass man gerade die angeblich voraussetzungslosen Urheber, die Gottbegnadeten, die wahren Genies – seien es Religiöse, Philosophen oder eben Künstler – seit eh und je nicht nur aufs Höchste bewundert, sondern ihnen auch jedes Recht auf ein Entgelt abgesprochen hat. Es ist eine seltsame Konstellation: Ob die Leistung der Künstler zu hoch oder zu niedrig eingeschätzt wird, das Resultat ist immer, sie sollen wenig oder gar kein Geld bekommen.

In der Debatte, wie hoch das Urheben vergütet werden soll, will ich keine Position beziehen. Die Piraten machen hier mindestens so plausible Vorschläge wie andere Parteien. Aber man muss näher hinschauen und sieht dann Probleme, die vom speziellen Ansatz der Partei herrühren. Wenn man sagt, die Piraten „erinnern“ an etwas, das eigentlich bekannt ist, ist man schon mitten in diesen Problemen. Denn wissen sie selbst, dass ihre Kritik an der Vorstellung des Urhebens nicht originär ist? Zu denen, die von sich sagten, sie säßen „auf den Schultern von Riesen“, gehörte Isaac Newton. Die Formulierung wurde schon im Mittelalter gebraucht. Wenn einem das einfällt, sieht man leicht, dass die Piraten vom Gewinn, den ein Kreativer seinen Vorgängern verdankt, eine sehr andere Vorstellung als Newton haben. Nehmen wir zum Beispiel Julia Schramm. Sie meint, es seien immer schon „Ideen“ im Umlauf, auf die sich die nächsten Ideengeber stützen, wobei aber eigentlich gar nichts Neues herauskomme; wenn es eine Entwicklung gebe, dann die, dass die Ideen „mutieren“. Genau dieselbe Vorstellung wurde uns kürzlich von den Erfindern der Maschine „Iamus“ präsentiert, die selbsttätig komponieren kann. Von der musikalischen Entwicklung, die herauskam, wurde gesagt, sie sei ein Mutieren des vom Programmierer eingegebenen Ausgangsmaterials.

Picassos Fußstapfen

Dem Iamus-Konzept und Schramms Vorstellung vom Urheben ist gemeinsam, dass das Urheben automatisch abläuft, ohne Absicht, ohne Subjekt. An die Stelle von Absicht und Subjekt tritt bei Schramm der „Filter“, durch den das Ich die Welt in sich hereinlasse. Die Welt, das sind sicher „die Informationen“, deren Flut im Internet über uns hereinbricht, denn über sie vor allem denken Piraten nach. Nicht alle streichen das Subjekt durch oder glauben gar wie Schramm, die Privatsphäre bereits sei mit dem Internet unvereinbar und müsse ihm zum Opfer gebracht werden. Der Kreis derer jedoch, die sich unter dem Urheben die bloße Neukombination schon vorhandener Informationen vorstellen, kann nicht anders als groß sein, da sie dem großen Vorbild selber entspringt, der Informatik und Internet-Maschine, dieser Errungenschaft der Entwicklung der Produktivkräfte. Newton indes stand anders auf der Schulter des Riesen Galilei. In Galileis Fallgesetz die Bewegung von Himmelskörpern um einen Zentralkörper zu erkennen, war keine Neukombination vorhandener Bausteine. Was Newton Galilei verdankte, hatte nicht den Charakter eines Abrufs von Informationen.

Mehr als ein Jahrzehnt musste er tüfteln, um seine Physik des Planetensystems urzuheben. Er brauchte viele Modelle, die immer komplexer wurden, bis er gefunden hatte, was ihm befriedigend schien. Da wir hier vom künstlerischen Urheben reden wollen, drängt sich der Vergleich mit Komponisten wie Anton Bruckner auf, der in gewisser Weise immer dieselbe Sinfonie komponierte. Arnold Schönberg meinte, ein Künstler verfolge im Grunde immer nur einen einzigen Gedanken. Wenn das Ergebnis vorliegt, kann man gewiss sagen, er habe als „Filter“ der Welt funktioniert. Aber was muss er dafür nicht getan haben! Wenn Geld der Lohn für Arbeit ist, also für Qualifikation und Zeitaufwand, wobei die Qualifikation selber sich einem Zeitaufwand verdankt, ist sein Tun mit Geld gar nicht aufzuwiegen – auch wenn man es dem Ergebnis nicht immer ansieht. Picassos Skulpturen zum Beispiel sind wirklich „nur“ Neukombination schon vorhandener Bausteine. Da bildet ein Spielzeugauto den Kopf eines Pavians, oder die Hörner einer Ziege sind eine Fahrradlenkstange. Wer meint, solche Dinge, die man auf dem Müllplatz finden kann, „mutierten“ fast automatisch zu Kunstwerken, kann ja mal versuchen, in Picassos Fußstapfen zu treten – nicht durch Wiederholung derselben Idee natürlich, sondern mit einer, die genauso originell ist und auch ebenso eine Botschaft enthält.

Es gilt für jede Art von Kunst, dass ihr Zeitaufwand in keinem Verhältnis zum Entgelt steht. Der Grund ist, dass sie nicht mechanisch, algorithmisch oder nach einer Ableitungsmethode generiert werden kann, sondern einer Logik der sprachlichen Verschiebung folgt. Dafür ist der Vorgang ein Beispiel, dass eine Fahrradlenkstange zur Metapher für Hörner wird oder dass, wenn man es umgekehrt sieht, Hörner Zivilisationsmüll erschließen. Zu einer solchen Verschiebung ist ein Kopf fähig, der sehr frei assoziieren kann und in dem sich viele Sinnstrukturen niedergeschlagen haben. Sie braucht aber Zeit. Vorbereiten lässt sie sich wohl, doch wann genau sie im Kopf eintrifft, kann nicht kommandiert werden. Selbst wenn es schnell geht, weil viel zeitaufwendige Übung vorausgegangen ist, bleibt das Verhältnis von Suchen und Finden immer inkommensurabel. Eben diese Inkommensurabilität ist der Grund dafür, dass man gemeint hat, es sei „Inspiration“, die von selbst komme und keines Geldes, wenn auch der höchsten Bewunderung wert sei.

Kants Gemeinsinn

Die Vorstellung vom kunstgenerierenden „Filter“ hat auch noch eine andere Seite. Die Piraten interessieren sich nicht nur für die Generierung von Kunst, sondern viel mehr noch für deren möglichst freie Rezeption. Da spielt nun statt des Künstlers der Rezipient die Rolle des Filters der Welt, hier der Kunstwelt – und will nicht, dass andere Filter sich einmischen. Im Fokus der Urheberrechtsdebatte sind ja gar nicht die Künstler, sondern die „Verwerter“, Buchverlage zum Beispiel, denen man voraussagt, sie würden vor dem Internet keinen Bestand haben. Diese Verlage, so scheint es, sind Schmarotzer am freien Austausch zwischen dem Ich, das sich selbst Filter genug sei, wenn es im Internet surft, und seiner frei herausgefilterten Kunst. Doch der Augenblick, in dem ich auf etwas stoße, das mich anspricht, ist in Wahrheit ebenso voraussetzungsvoll wie der Sekundenbruchteil, in dem sich die künstlerische „Inspiration“ ereignet. Denn alles, worauf ich stoßen kann, ist präfiguriert. Wenn etwas früher auf den Bildschirm kommt als anderes, haben Leute und Methoden dafür gesorgt. Und nicht nur, was ich finde, sondern auch, was ich suche, hängt immer von Mächten mit ab, Werbung zum Beispiel, die meinen Blick gelenkt haben.

Könnte man denn alle „Verwerter“ abschaffen, auch die blicklenkenden Internetunternehmen, ohne etwas Analoges an ihre Stelle zu setzen? Das ist unmöglich, denn das Ich, ob es nun vor dem Buch oder vor dem Bildschirm sitzt, braucht eine Art gesellschaftliche Beurteilung dessen, was man den „Geschmack“ genannt hat. Die Kritik der Urteilskraft von Immanuel Kant, sein Buch über Ästhetik, handelt davon. Ein zentraler Paragraf trägt den Titel: Die Bedingung der Notwendigkeit, die ein Geschmacksurteil vorgibt, ist die Idee des Gemeinsinns. Man sieht schon, er denkt die Filterung meiner Geschmacksbildung nicht so, dass eine bevollmächtigte Instanz sie mir vorschreibt. Wohl aber als Ergebnis einer Debatte und daher von Strukturen, die eine solche Debatte tragen können. Und genauso, wie zwar jeder ein Künstler sein kann, aber doch nur wenige die Kunst zu ihrer Berufung machen, gibt es Spezialisten der Geschmacksbildung, denen zwar keine Herrschaft zusteht, die man aber anhören soll. Was nun die Buchverlage angeht, sind sie nicht eine Mischung aus angemaßter Herrschaft, die uns ausbeuten will, und ästhetischer Urteilskompetenz, die wir brauchen? Und ist ihre Urteilskompetenz denn kleiner als diejenige von Internetunternehmen? Auf jeden Fall setzt sie Qualifikation voraus, verbraucht viel Zeit und würde also auch dann etwas kosten, wenn es gar nicht um „Verwertung“ ginge.

Mag sein, dass wir alle Formen von Verwertung einst abschaffen können. Es wäre wünschenswert. Aber eine gesellschaftliche Vermittlung unseres Geschmacks bräuchten wir auch dann. Wir müssten uns dann eben eine neue Institution ausdenken. Maschinen jedenfalls, die bloß eine Reihenfolge in die „Informationsflut“ bringen, können den organisierten Gemeinsinn der ästhetischen Urteilskraft nicht ersetzen. Was an der ganzen Debatte so sehr beunruhigt, ist die Vorstellung vom Ich, das ohne gesellschaftliche Strukturen der Beeinflussung frei entscheidet, was ihm gefällt und was nicht. Denn sie läuft auf Maggie Thatcher hinaus: „There is no such thing as society.“

Kommentare (21)

caipora 14.08.2012 | 19:19

Diesen Aspekt finde ich in der ganzen Debatte um freie Kunst und Urheberrecht besonders interessant, danke für den Artikel!

Eine Möglichkeit dem Problem der Flut an Information und neuen Werken zu begegnen wäre - gerade bei freier (cc-) Kunst größeren Wert auf Kuration zu legen. Teilweise wird das in Diskussionsforen und Review-Blogs schon getan, zumindest was freie Musik angeht. Bei sehr populärer Musik und großen Mengen an interessierten Menschen ist es nicht so einfach, die Diskussion zu ordnen. Sehr schlecht funktioniert das beispielsweise bei den youtube-Kommentaren. Aber ich denke das Metamoderation und Mechanismen, wie sie z.B. bei reddit.com implementiert sind, in der Lage sind einen "evolutionären Prozess" bzgl. der Meinungen und Kritiken herbeizuführen. Geschmacksurteile wären dann aber einem demokratischen Prozess unterworfen. Ob das im Sinne der Kunst ist?

iDog 14.08.2012 | 20:00

lieber Herr Jäger, Ihren Artikel in Ehren, aber ... mir kommen da doch ein paar Gedanken bzw Kritikpunkte in den Sinn.

Zuerst möcht ich widersprechen was ihren Untertitel angeht: Ich bin mir sicher , dass auch Werke gänzlich ohne Geschmack entstehen können. Wünchenswert ist dies vielleicht nicht, aber da heute nun mal faktisch das zur Kunst wird, für das ein aussagekräftiger Preis gezahlt wird bzw. was einen potenten Investor findet, bleibt der Geschmack der sprichwörtlich nicht Bestreitbare. Selbst bildenen Kunst ist insofern eine dem Produktivismus unterworfene Industrie. Und schlechte Bücher und schlechte Musik verkaufen sich hervorragen - warum?

Des weiteren ist mir durchaus nicht klar geworden warum der wünschenswerte "organisierte Gemeinsinn der ästhetischen Urteilskraft" der Verwerter nicht ersetzt werden kann, und warum ihnen keine "Struktur" einfällt, die diesen ersetzen könnte. Dass sie da nur auf Maschinen oder das Internet als automatische Sortierfunktion kommen, ist erstaunlich. Ihre "Verwerter" hingegen sind ja Menschen, die meist im Auftrage anderer Menschen, zB. Aktionären von Verlagen oder allgemein der Medienindustrie, diese erwünschte "ästhetischen Urteilskraft" repräsentieren und (eventuell) auch als Zeitaufwand und Kompetenz erbringen. Wieso reden sie, wenn sie das Internet als alternative dazu nennen, dann aber nicht auch von den Menschen die das Internet repräsentieren. Ein Internet nur aus Atomaten wird es wohl kaum geben können. Auch sie schreiben hier als Mensch für andere Menschen etwas. Die Interaktion der Nutzer ist die Essenz des Internets. Auch eine Schreibmaschine ist noch kein Roman, und die "ästhetische Urteilskraft" der "Verwerter" ändert übrigens nichts an der Sortiermethode. Wieso soll also die Gemeinschaft der Internauten, egal zu welcher Struktur diese sich nun formiert, besagten "organisierten Gemeinsinn der ästhetischen Urteilskraft" nicht hervorbringen können? Und voila, da haben sie schon einen Punkt, der uns zeigt wie obsolet die Verwertungsindustrie zum größten Teil ist. Sie kämpft nicht von ungefähr um ihr Überleben. Bekannte Beispiele sind hier sicher Bands, DJs, Musik allgemein, aber auch andere Kunst, welche ausschliesslich über den Zuspruch der Internauten auf bestimmten Portalen des Internets bekannt wurden. Diese Erfolge sind keinem Verwerter, sondern dem Künstler und vor allem seinem aufmerksamen Publikum zu verdanken.

Ich persönlich sehe hier schon eine Gesellschaft, die sich der produktivistischen Industrialisierung von Kreativität langsam zu entziehen weis, und das mit gutem Grund. Ich selber kann ihnen ein Lied davon singen. Als ehemaliger Profimusiker , kann ich ihnen bestätigen, dass ich von einem verkauften Tonträger, wenn es hoch kam 15% Lizenz bekommen habe. Und um die geht es mMn in der so genannten "Urheberrechtsdebatte", die ja augenscheinlich vor allem von der Film und Musikindustrie initiiert wurde. Die konzeptionellen Gedanken, die sich unter anderen auch die Piraten stellen, reagieren ja nur auf restiktiven Lobbismus der Industrie, die ihr Monopol längst eingebüßt hat und nun, wie andere Industriebranchen (Saatgut- oder Pharmaindustrie) auch versucht sich über Eingriffe auf Gesetzesebene wieder gesundzustoßen.

Dass bei all diesem dieselbe Industrie als quasi Erstverwerter der Digitalisierung enorme Profitsteigerungen erzielen konnte, wird in der Debatte meist ignoriert. Jetzt aber geben diese Branchen uns den "Zauberlehrling" und fordern ein erneutes Monopol auf die Nutzung des digitalen Vorteils. Absurdistan. Und ganz von alleine wird sehr vielen Meschen klar, dass wir die Verwerter nicht mal mehr für "den organisierten Gemeinsinn der ästhetischen Urteilskraft" benötigen, unter anderem damit postThatcher endlich wieder eine "society" entstehen kann, die es Wert ist so genannt zu werden.

Martin Gebauer 14.08.2012 | 21:44

Ein wahrer Künstler spiegelt ein lebendiges Inneres, nach außen und es ist ihm egal, ob ihm jemand den es berührt, dafür Geld bezahlt oder nicht.

Ich persönlich kenne einen echten Künstler der sich durch verschiedene Arbeiten in der Landwirtschaft, das nötigste zum Leben hinzuverdient. Manchmal kommt ein Tourist und fühlt sich von einem seiner Werke angesprochen oder hingezogen und wenn der Künstler das spürt, dass jemand einen Teil in sich selbst fühlt und dessen durch das Kunstwerk gewahr wird und will das Kunstwerk besitzen freut es ihn gewissermaßen und er verkauft es.

Ich kannte auch Menschen die sich Künstler nannte und aus begüterten Verhältnisse kommen und sie es sich leisten konnten eine Kunsthochschule zu besuchen oder sozusagen Kunst studierten. Das sind für mich reine Kopisten vermarkten das was sie Kunst nennen professionell. Eine Kunst also, abgelesen von Notenblättern oder durch die Erlernung von Techniken alles aus dem äußeren geschöpft um die Leere im Inneren zu füllen. Ihr Marktwert bestimmt die Kunst und nicht umgekehrt. Ebenso gibt es Schriftsteller die nach Vorlage schreiben ähnlich einem Drehbuch, das sind keine Künstler denn es ist ihr Beruf zu schreiben abgelegte vorgefertigte Versatzstücke aneinandergereiht und sogar die Phantasie ist vom Verstand angelerntes Wissen.

Wenn ein Künstler echt ist und die Menschen merken, dass da etwas ist, was fühlt, empfindet und ausdrückt, wird er sein auskommen finden, vorausgesetzt, dass er das überhaupt will von der Kunst leben.

Beim Urheberrecht geht es doch ausschließlich darum, wie gut werde ich für meinen Job Kunst zu produzieren bezahlt.

Überlegen Sie einmal jemand der 45 Jahre arbeitet und durch seine Hände Arbeit das Recht auf eine Rente hat, was spricht also dagegen, die Rente für 70 Jahre zu beziehen, so dass seine Kinder auch noch etwas für seine urhebehrlich erworbene Rente haben.

Z. b. in Griechenland kann ein Pensionär seine Pension an die Tochter weitervererben, vorausgesetzt die Tochter findet keinen Mann der sie heiratet und dadurch für sie aufkommt.

Also, warum soll jemand, der ein Sachbuch schreibt dass z. b. an schulen und Universitäten als Standardwerk genutzt wird 70 Jahre lang Urheberrechtstantiemen kassieren von denen die Enkel noch kassieren, obwohl sie nichts dafür geleistet haben. Das gleiche gilt für ein Musikstück und anderer Kunst.

Michael Jäger 14.08.2012 | 22:56

Liebe(r) Idog, nur gnz kurz zu Ihrem ersten Punkt (ich bin erst ab übermorgen früh wieder in Berlin, schaue jetzt nur zufällig und knapp ins Internet, werde dann am Donnerstag richrig antworten): Die Unterzeile, die nicht von mir ist, nimmt nicht richtig auf, was ich im Artikel geschrieben habe. Die Geschmacksbildung ist für die Weitervermittlung von Kunst wesentlich - entstehen kann ein Kunstwerk, da haben Sie natürlich recht, häufig auch im Verstoß gegen den gerade herrschenden Geschmack - ein Ereignis, das dann selbst wieder der öffentlichen Vermittlung (Geschmscksbildung) bedarf. Dies ist sicher nicht der wichtigste Punkt in Ihrem Kommentar, aber wie gesagt, zum anderen bald.

Meyko 15.08.2012 | 14:02

Zitat: "Die Geschmacksbildung ist für die Weitervermittlung von Kunst wesentlich - entstehen kann ein Kunstwerk, da haben Sie natürlich recht, häufig auch im Verstoß gegen den gerade herrschenden Geschmack - ein Ereignis, das dann selbst wieder der öffentlichen Vermittlung (Geschmacksbildung) bedarf."

Abgesehen von der, vom sozialen Umfeld in der persönlichen Entwicklung vermittelten Geschmacksbildung, die häufig nach dem Muster "kenn ich, ist mir vertraut, und aus diesem Grunde gut" funktioniert, wird die öffentliche Vermittlung oder auch Verstärkung einer Geschmacksbildung sicherlich wesentlich von Medien getragen bzw. vorgenommen. Wobei ein wenig Außergewöhnliches bis hin zur „Protestkunst“ nicht unbedingt schadet und allgemein hingenommen wird.

Nicht viele Medienschaffende möchten ihre, ich nenn es hier mal „Marktmacht“, thematisiert haben. Es wird nur ungern darüber gesprochen. Eigentlich wird so getan, als wäre sie „gottgegeben“ bzw. zu ignorieren.

Nicht geleugnete Tatsache ist zumindest, dass ein Großteil der Industrie die meisten Produkte nur über „geschmacksbildende“ Werbung verkaufen kann und immer mehr Medien dazu übergehen, die die einstmals geschaffene Barriere zwischen Werbung und Information nach und nach zu ignorieren.

In der Kunst wurde Werbung allgemein eher verleugnet, fand jedoch von jeher auf eine etwas andere, subtilere Art in allen fast Medien statt. Kulturprogramme, Buchbesprechungen, Wissensmagazine, Beratungssendungen, und, und, und… Sie alle machen auf die eine oder andere Art ein „Werk“ bekannt und damit auch ökonomisch interessant.

Auch wenn es in dem Artikel anfangs um das Urheberrecht geht, so erscheint der Sprung zum sogenannten „Leistungsschutzrecht“ der Verwerter nahezuliegen. Sie schreiben:

Zitat: „Mag sein, dass wir alle Formen von Verwertung einst abschaffen können. Es wäre wünschenswert. Aber eine gesellschaftliche Vermittlung unseres Geschmacks bräuchten wir auch dann. Wir müssten uns dann eben eine neue Institution ausdenken.“

Wenn der Mensch „Gemeinsamkeiten“ oder "Zugehörigkeit" weiterhin über medial vermittelten Kunstgeschmack signalisieren möchte, und das ein wesentlicher Punkt in unserer Kultur bleiben soll, dann haben sie vermutlich recht. Vielleicht entwickelt sich jedoch auch eine neue Vielfalt.

Meinen kleinen Beitrag dazu gibt’s hier.

miauxx 15.08.2012 | 17:11

Eigentlich ist es ja eine Binsenweisheit, dass jede geistige/ künstlerische Schöpfung nicht referenzlos geschieht. Gleichwohl scheint die Debatte ja so zu laufen, dass durchaus darauf hingewiesen werden muss. Und dass auch das Internet nicht, wie es Julia Schramm u.a. oberflächlich argumentieren, alles ohnehin auf Durchlauf schalte und das schöpfende Ich sich im Schwarm auflöse. Es ist, wie Jäger unterschwellig richtig argumentiert, nicht jede Schöpfung, die nun etwa digital publiziert wird allein aufgrund der technischen Möglichkeiten nur als Kompilation oder Katalysat von bereits Vorgedachtem zu verstehen, weshalb sie selbstverständlich gemeinfrei zu sein habe. Jedem bleibt freilich unbenommen, ob er aus seiner Schöpfung Geld ziehen will oder nicht. Der Anspruch an eine gewisse Schöpfungshöhe oder an die bestimmte beeindruckende oder zündende Idee und Umsetzung, hat sich nicht geändert. Dabei ist es eben egal, ob Kunst und geistige Schöpfungen heute auch digital verbreitet werden können. Auch in den Zeiten vor dem Internet, hat der eine vielleicht eine Menge Schrott zusammengetragen und es blieb aber auch nur Schrott. Der andere dagegen hat vielleicht aus dem gleichen Schrott etwas Beeindruckendes geschaffen.

Insofern stört mich an der Urhebrrechts-Debatte nun vor allem auch, dass ein Urheberrecht so unmittelbar mit der Frage der Verwertung vermengt wird.

R.M. 16.08.2012 | 18:09

Dass Künstler, welcher Sparte auch immer, nicht vorraussetzungslos arbeiten, ist selbstverständlich. Auch ein, wie ich in einem Kommentar lesen konnte, wahrer Künstler, also z.B. ein romantisch verklärter, steht in einem historischen Kontext, ob er will oder nicht, und muss sich Fragen gegenüber notfalls rechtfertigen. Die Künstler wissen dies nur zu genau, wissen, wie sie zur Tradition oder zu jüngeren Strömungen stehen, wissen um Auseinandersetzungen, Einflüsse, Weiterentwicklungen, Neuerungen, jedoch nicht immer mit hinreichender Distanz. Als Außenstehender lässt sich eine Einschätzung jedoch nur vornehmen, wenn Kenntnisse vorhanden sind. Dazu böte die gesellschaftliche Vermittlung, Bildung inklusive, eine Möglichkeit, wenn sie stattfinden würde. Geschmack spielt dabei, zumal in der kantschen Bedeutung als interessenloses Wohlgefallen, noch gar keine Rolle.Leider spielt in unserer Gesellschaft aber Neugierde als auch Kunst kaum eine andere Rolle, als die, künstlerische Produkte geschmacklich einzuschätzen, abseits von Fragen, was denn z.B. in einem Musikstück passiert. Wenn nur Loops ablaufen, erübrigt sich die Frage (fast), dann zählt wohlmöglich nur das Sounddesign und der Aufschrei: "Geil"! Es ist frappierend, dass sich besonders die Re-Mixer gegen eine Urheberverkärung wenden, die niemand in der Kunst veranschlagt, dann aber alles zu einem Re-Mixing werden lassen, ohne auch nur zu ahnen, um was es eigentlich in den künstlerischen Produkten oder Prozessen geht.Die Frage nach Geschmack wird durch die fehlende gesellschaftliche Vermittlung, um was es in den Künsten geht, seltsam hohl. Es war bundesdeutsche Realität, über Personen zu lachen, die einen Autokauf anhand der Lackierung entschieden. Mit Bezug auf die Künste ist ein solches Beurteilungsverhalten gesellschaftlicher Alltag! Den gesellschaftlichen Geschmäckern sind alle ausgesetzt, gleichgültig, ob sie selber künstlerisch tätig sind, Interesse an den Künsten zeigen oder .... Aber eine Herausbildung des Geschmacks hat immer auch mit Wissen zu tun, ebenso mit Neugierde. Fehlt ein Background, wird man (a) kaum mehr als Andeutungen vermitteln können, (b) werden die Einschätzungen aufgrund vorhandener Erfahrungen getroffen, wie auch sonst? Eine gesellschaftliche Vermittlung des Geschmacks geschieht ohnehin, offline als auch online, dagegen kann man sich innerhalb der Gesellschaft gar nicht wehren, es sei denn durch differenziertere Informationen.Eine Verwertung gegen Geschmacksvermittlungen auszuspielen, verwundert mich in diesem Zusammenhang sehr. Ich zeige durchaus Verständnis dafür, dass z.B. die GEMA kaum der Branche, nur sehr wenigen dient, ja sogar als hinderlich empfunden wird, weil z.B. Musiker ihre eigenen gemeldeten Stücke nicht aufführen können. Zu teuer für kleine Veranstalter. Doch Lizenzen - auch CC-Lizenzen - lassen sich differenzieren. Weshalb soll künstlerisch Tätigen diese Wahlmöglichkeit genommen werden? Und zur Wahrung dieser Rechte, z.B. gegenüber Rundfunk, Fernsehen, Werbefirmen, Wiederverkäufern usw. wäre eine Einrichtung durchaus angebracht. Freilich, nicht die GEMA ;-) Ich würde eine internationale Datenbank im Netz zur Titelmeldung und -abrufung befürworten und zunächst staatliche Einrichtungen, die Verwertungen nach einem (zu entwickelnden) System von Pauschalen abgelten, oder, je nach Fall, zu Verhandlungen mit dem Künstler auffordern. Je pragmatischer und transparenter, desto besser. Dabei muss die Industrie nicht mal eine Rolle spielen.Sorry, ist wohl etwas lang geworden ;-)

Michael Jäger 17.08.2012 | 18:02

Diese Debatte ist sehr anregend, schade, daß ich mich jetzt erst einschalten kann. Gegen die „Gemeinschaft der Internauten“ als geschmacksbildende Instanz spricht sicher gar nichts, im Gegenteil. Aber auch über die Frage, was Demokratie in der Geschmacksbildung heißen kann, muß man ernsthaft nachdenken. Mir fällt dazu sofort Weimar ein, dessen Fürstentum sich große Verdienste um die künstlerische Geschmacksbildung erworben hatte. Und noch in der Morgenröte der Demokratie unterstütze dieses Fürstentum den Weg in die Kunstavantgarde, es ist ja kein Zufall, daß das Bauhaus in Weimar entstand. Die Demokratie brachte dann die Avantgardefeindschaft mit sich, wovor der letzte Fürst schon zurückgewichen war, später waren gerade in dieser Stadt die Nazis stark. Nun will ich dergleichen in keiner Weise als Gefahr für die Internauten-Geschmacksbildung an die Wand malen, um Gottes willen! Aber doch darauf beharren, daß immer auch „Spezialisten“, solche, die Kenntnisse erworben haben, durch Studium und/oder eigenes Tun, eine wichtige Rolle spielen sollten.

Man kann sich vorstellen, daß die „Diskussionsforen und Review-Blogs“ im günstigsten Fall zu zwei oder drei großen Plattformen zusammenwachsen, die dann von allen so selbstverständlich zu Rate gezogen werden, wie man heute immer auch guckt, was in Wikipedia steht. Also eine selbstoganisierte Schaffung von Übersichten, Zusammenfassungen geschmacksbildender Debatten. Das wäre wirklich großartig. Aber daneben müßte eine organisierte Bereitstellung von Kenntnis ebenfalls eine Chance haben, von allen gehört zu werden. Was wäre Wikipedia, wenn es nicht daneben auch noch die Universitäten gäbe? Ich denke also nicht in erster Linie an die Verwerter (wobei der Hinweis wichtig ist, daß man Urheberrechtsfragen mit Verwertungsfragen nicht einfach identifizieren sollte), es ist nur eben so, daß sie an einem Ort wirken – der nicht das Internet ist -, wo man sich statt ihrer auch Institutionen vorstellen könnte, die kenntnisreicher und weniger durch sachfremde Interessen geleitet wären als sie. Zwei Dinge, meine ich doch, kann man klar sagen: Erstens, der Kampf gegen das sachfremde Verwertungsintersse sollte nicht als Kampf gegen Verlage verstanden werden, die internetextern existieren. Wenn ich an Buchverlage denke, wie viele gibt es da, die durchaus im positivsten Sinn geschmacksbildend wirken, vor allem kleinere natürlich, aber auch größere! Ja, wenn ich mich recht erinnere, hat z.B. Walser, der Suhrkamp-Autor, diesen Urheberrechtsaufruf gegen die Piraten mitunterzeichnet, aber ich möchte nun wahrlich nicht in einem Nachkriegswestdeutschland gelebt haben, in dem es den Suhrkamp-Verlag nicht gegeben hätte. Das Zweite, weniger Wichtige, aber doch Erwähnenswerte: Sogar die puren Verwerter spielen manchmal eine nützliche Rolle. Da denke ich an die Leute, die die Rolling Stones und viele andere Gruppen um 1868 herum promotet haben; die haben dadurch Geld verdient, daß sie eine damals politisch revolutionäre Kultur stark gemacht haben.

Interessant auch die Frage der Grenze zwischen Werbung und Information. Ich denke, worüber wir hier reden, das ist gerade die Frage der Werbung, wobei man das Wort sowohl im gebrächlichen wie im wörtlichen Sinn nehmen muß. Gute Dinge bekannt machen heißt für sie werben. Mit je mehr Kenntnis und eben „Geschmack“ das geschieht, desto besser. Ich war in anderem Zusammenhang schon mal auf die Idee gekommen, daß es – in einer Anderen Gesellschaft – zu jeglichem Gut, das angeboten wird, mindestens zwei voneinander unabhängige für oder gegen es werbende Instanzen geben sollte. Wenn z.B. Möbel verkauft werden, gibt es die Werbung der produzierenden Unternehmen, aber es sollte daneben auch eine gesellschaftliche Instanz geben, aus Künstlern bestehend, auch aus an Kunst- und Designschulen ausgebildeten Menschen, die neben den Plakaten der Unternehmen ihre eigenen Plakate über weniger bekannte, aber vielleicht bessere Möbel klebt und auch sogar über mögliche Möbel; die Kosten wären von den Unternehmen zu zahlen. Alle Unternehmen hätten die Hälfte ihres Webeetats in einen gesellschaftlichen Fonds einzuzahlen, aus dem diese konkurrierende Werbung finanziert würde.

R.M. 17.08.2012 | 21:09

Das sind interessante Gedanken zum Thema 'Geschmacksbildung in der Gesellschaft'. Die Hinweise auf die Wirtschaft sind besonders interessant, weil gerade dort Probleme entstehen, besonders in der Kreativwirtschaft.

Es gibt einige (wenige) Blogs von Leuten aus den Bereichen Marketing und Werbung, die kritisch gehalten sind. Eine breite Öffentlichkeit haben diese jedoch nicht gefunden. Ab und zu findet sich mal ein Bild oder ein Filmschnipsel, um die Methoden des 'Schönmachens' aufzuzeigen, z.B. auf FB oder YT. Das wars dann aber auch. Eine Chance, Unternehmen dazu zu bringen, auch Gegen- bzw. Alternativwerbung zu finanzieren, sehe ich allerdings nicht, so spannend dies auch wäre. Hier wären eher die Medien gefragt, letztlich die Gesellschaft und ihr Interesse.

Labels, Verlage und Galerien würde ich den Geschmacksanbietern zurechnen. Diese Funktion ist jedoch mit einer zunehmenden Marktkonzentration in die Kritik geraten, ob nun im Hinblick auf eine sonderbar dogmatische Fassung von dem, was z.B. Literatur sei (wobei ich nicht an den Fall Hegemann denke, sondern an ästhetische Konzepte), oder auf eine Hinwendung zu Dienstleistungsprodukten, die sich durch eine Nachfrageorientierung auszeichnen, sich also am vorherrschenden Geschmack orientieren, keinen mehr anbieten.

Und die Zeitungen / Zeitschriften / Magazine, die eigentlichen Vermittler, von Geschmack, sind in eine ähnliche Krise geraten wie jene Anbieter, auch wenn sie konkret etwas anders aussieht: Viele Kulturjournalisten sind inzwischen davon überzeugt, dass die GEMA ausgedient hat, oder dass Verlage allmählich die Hoheit über die Literatur verlieren, dennoch werden in der Kritik ausschließlich Produkte berücksichtigt, die im traditionellen System entstanden sind.

Es gibt eine Scheu, sich den Leuten und Produkten zuzuwenden, die bereits außerhalb des alten Systems arbeiten. Dabei wäre dies unter Umständen sehr spannend. Soundcloud als auch Bandcamp, um nur zwei Beispiele von Portalen zu nennen, zumal aus der Musik, sind doch fantastische Stöber- und vielleicht auch Fundgruben! Und, das sollte nicht vergessen werden: Die Leute sind auch Leser, sogar solche mit speziellen Interessen!

Ich bin gespannt, ob und wann es geschieht, dass Medien mit Reichweite genutzt werden, um das Dickicht der systemexternen Produkte etwas zu lichten, ihren Geschmack zu vermitteln, falls sie einen haben, nach und nach. Die Blogs bei den etablierten Medien sind wie geschaffen dafür.

Michael Jäger 17.08.2012 | 22:50

Sie haben recht, eine Chance, daß Unternehmen alternative Werbung finanzieren, gibt es in der gegenwärtigen Gesellschaft nicht. Ich hatte ja auch eine "Andere" (wirklich demokratische) Gesellschaft gedacht. In der gegenwärtigen sind in der Tat die Medien besonders gefragt. Eine Chance, daß alternative Medien mehr Einfluß gewinnen, besteht auch schon in der gegenwärtigen Gesellschaft.

anne mohnen 18.08.2012 | 15:40

Lieber Michael,

vielen Dank für Deine lesenswerten Artikel.

Ich kenne die Päpstin(!) des deutschen Urheberrechts nur zu gut, um als Laiin hier in eine Rechtsdiskussion einsteigen zu wollen. Sie würde es mir arg übel nehmen, unqualifiziert dazu Stellung zu beziehen.

Ich glaube nicht, dass Autoren, die ihre Rechte gewahrt werden wissen wollen, weil sie sich als „Urheber“ ihrer Werke fühlen, behaupten, ihre Werke „creatio ex nihilo“. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die Mehrheit der Klagenden über einen Reflexionshorizont verfüget, der ihnen erlaubt, über die natürlichen, sozialen und ökonomischen Bedingungen ihrer Arbeit/Werke zu reflektieren und sogar Auskunft zu geben.Was mich immer wieder erstaunt an der Diskussion über das Urheberrecht ist, dass die Aneignung der Natur als gegeben hingenommen wird. Sicherlich war sich Newton der natürlichen, ökonomischen, sozialen Bedingtheit seiner Entdeckungen bewusst. Die ungeliebte Halbwaise Newton hatte allen Grund sich die Umstände seines intellektuellen und ökonomischen(!) Aufstiegs vor Augen zu halten. Doch zwischen den Newtonschen Entdeckungen und der Klage des große Biochemikers Erwin Chargaff http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Chargaff liegen nicht nur Jahrhunderte, sondern Abgründe. Chargaff, dem sicherlich eine Anteil am Nobelpreis für die Entdeckung der DNA zugestanden hätte, verurteilte bereits vor Jahrzehnten die Ermöglichung der Patentierung von Erbgut aller Art als „größte Sünde(sic!)“ . Ohne von der zugebenermaßen missverständlichen Redewendung „Urheber“ überhaupt Gebrauch zu machen, gerieren sich nämlich Wissenschaftler, ganze Konzerne seit Jahrzehnten als Urheber, indem sie sich Gene patentieren lassen und werden steinreich von dem , was die Natur hergibt, was in ihr so vor- und anfällt. Nicht nur ganze Industriezweige basieren auf dieser trojanerhaften Urheberschaft, Börsenkurse werden davon beeinflusst. Ein Konzern wie Monsanto ist inzwischen einen Schritt weiter. Auf dem Hintergrund einer Monopolisierung von Saatgut mit verheerenden Folgen für Bauern weltweit (s. Ernteausfälle in den USA), ist das global agierend Unternehmen auf dem Vormarsch zu einem der weltweit größten Eigner von landwirtschaftlichen Flächen und damit zum zu einem der Herren über Hunger und Tod aufzusteigen. Ganz ohne „creatio ex nihilo, den, ganz legal und rational, funktioniert das! Nun, wird der eine sagen, das eine ist Urheberecht, das andere Patentrecht? Tja, und das Urheberrecht ist komplett veraltert, warum wohl, während das Patentrecht den „Zwängen“ der Zeit angepasst wurde. An den kleinen, schlechtverdienen Künstler/freischaffenden Schriftstellern und Journalisten, die, das hat es die Künstlersozialkasse einmal ausgerechnet um die 1000-1200€ im Monat verdienen, eine Urheberdebatte abzuarbeiten, scheint mir problematisch. Große Autoren, Künstler hingegen haben gut lachen. Für sie ist das Netz, Youtube sogar eine große Werbemaschine. Dies steht übrigens nicht im Widerspruch zu den Klagenden.Den subjektphilosophischen Diskurs erklärt Piratin Julia Schramm also zum Ladenhüter der Ideengeschichte, um es dann ganz unaufgeklärt wiederauferstehen zu lassen, wenn es um die Prolongierung eigener öffentlichkeitswirksamer Vermarktung geht. Anstatt ihr neues Buch ins Netz zu stellen, hat Frau Schramm sich ganz abgeklärt und sehr subjektbewusst für die Veröffentlichung in einem renommierten Verlag entschieden. Ihre Autorentätigkeit für die FAZ, wie passt denn das zur Urheberdebatte von Piraten? Das Subjekt, wie es in der Aufklärung entwirft, das ist ja die „Revolution“ der kantischen Philosophie, begreift sich als ein geschichtliches Subjekt und anthropologisch als gesellschaftlich Vermitteltes. Bei Philosophen wie Diderot, Rousseau; Hegel firmiert so eine Vermittlungsgeschichte bereits unter dem Stichwort: Entfremdung. Ach, was erzähle ich Dir da! Kant spielt in der Urheberdebatte des ausgehenden 18. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. Meines Wissens ist es die Schrift von 1785. Dem Aufsatz lag das Problem von Raubkopien zu Grunde. Schon der Buchdruck ermöglichte freibeuterischen Vervielfältigung von Publikationen. Da im“ tintenkleksenden Säkulum,“ wie Schiller das ausgehende Jahrhundert nannte, die Veröffentlichungen rasant ansteigen, nimmt Kant sich auch dieser Debatte an, aufgeklärt wie er war. Seine Thesen:

a) Der Autor spricht im Buch in eigenem Namen mit seine Lesern. Der Verleger handelt im Namen des Autors.

b) Der Verleger hat Rechte gegenüber Nachdruckern

c) Eigentum am Manuskript begründet noch kein Verfielfältigungsrecht. Es bedarf eines Vertrags zwischen Autor und Verlag

d) Kunstwerke dürfen zwar von jedermann kopiert werden, für die Rede und Schrift gelte dies nicht.

Kant betont ganz stark die rechte des Eigentums. Ich finde interessant, dass seine Überlegungen eingebunden an grundsätzliche Überlegungen über das Private und Öffentlichkeit. Während Kant ja noch maßgeblich an der Front stand, Öffentlichkeit herzustellen, steht heute das Private zur Disposition. Das macht die Diskussion mit ihm so spannend in dem Punkt.

Im Hinblick auf die Urheberrechtsdebatte im Netz, halte ich Kant für schwer übertragbar. Er bezieht sich ja rein auf das Buch. Verlege, die heutzutage an Gewinnen von News-Aggregaten wie zB. Google News beteiligt werden wollen, haben andere Inhalte und Dynamiken im Hinterkopf.

Wahrscheinlich kennst Du diesen Link: http://philobar.blogspot.de/2006/10/hffe-kant-und-das-urheberrecht.html

Schönes Wochende!

anne mohnen 18.08.2012 | 15:59

Lieber Michael,

vielen Dank für Deine lesenswerten Artikel.

Ich glaube nicht, dass Autoren, die ihre Rechte gewahrt werden wissen wollen, weil sie sich als „Urheber“ ihrer Werke fühlen, behaupten, ihre Werke seien „creatio ex nihilo“. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die Mehrheit der Klagenden über einen Reflexionshorizont verfüget, der ihnen erlaubt, über die natürlichen, sozialen und ökonomischen Bedingungen ihrer Arbeit/Werke zu reflektieren und sogar Auskunft zu geben.

Was mich immer wieder erstaunt an der Diskussion über das Urheberrecht ist, dass die Aneignung der Natur als gegeben hingenommen wird. Sicherlich war sich Newton der natürlichen, ökonomischen, sozialen Bedingtheit seiner Entdeckungen bewusst. Die ungeliebte Halbwaise Newton hatte allen Grund sich die Umstände ihres intellektuellen und ökonomischen(!) Aufstiegs vor Augen zu halten.

Doch zwischen den Newtonschen Entdeckungen und der Klage des große Biochemikers Erwin Chargaff liegen nicht nur Jahrhunderte, sondern Abgründe. Chargaff, dem sicherlich eine Anteil am Nobelpreis für die Entdeckung der DNA zugestanden hätte, verurteilte bereits vor Jahrzehnten die Ermöglichung der Patentierung von Erbgut aller Art als „größte Sünde (sic!)“. Ohne von der zugebenermaßen missverständlichen Redewendung „Urheber“ überhaupt Gebrauch zu machen, gerieren sich nämlich Wissenschaftler, ganze Konzerne seit Jahrzehnten als Urheber, indem sie sich Gene patentieren lassen und werden steinreich von dem , was die Natur hergibt, was in ihr so vor- und anfällt. Nicht nur ganze Industriezweige basieren auf dieser trojanerhaften Urheberschaft, Börsenkurse werden davon beeinflusst.

Ein Konzern wie Monsanto ist inzwischen einen Schritt weiter. Auf dem Hintergrund einer Monopolisierung von Saatgut mit verheerenden Folgen für Bauern weltweit (s. Ernteausfälle in den USA), ist das global agierend Unternehmen auf dem Vormarsch zu einem der weltweit größten Eigner von landwirtschaftlichen Flächen und damit zu einem der Herren über Hunger und Tod aufzusteigen. Ganz legal und rational, funktioniert das!

Nun wird der eine sagen, das eine ist Urheberecht, das andere Patentrecht? Tja, und das Urheberrecht ist komplett veraltet, warum wohl, während das Patentrecht den „Zwängen“ der Zeit angepasst wurde.

An den kleinen, schlechtverdienen Künstler/freischaffenden Schriftstellern und Journalisten, die, das hat es die Künstlersozialkasse einmal ausgerechnet um die 1000-1200€ im Monat verdienen, eine Urheberdebatte abzuarbeiten, scheint mir problematisch. Große Autoren, Künstler hingegen haben gut lachen. Für sie ist das Netz, Youtube sogar eine große Werbemaschine. Dies steht übrigens nicht im Widerspruch zu den Klagenden.

Den subjektphilosophischen Diskurs erklärt Piratin Julia Schramm also zum Ladenhüter der Ideengeschichte, um es dann ganz unaufgeklärt wiederauferstehen zu lassen, wenn es um die Prolongierung eigener öffentlichkeitswirksamer Vermarktung geht. Anstatt ihr neues Buch ins Netz zu stellen, hat Frau Schramm sich ganz abgeklärt und sehr subjektbewusst für die Veröffentlichung in einem renommierten Verlag entschieden. Ihre Autorentätigkeit für die FAZ, wie passt denn das zur Urheberdebatte von Piraten? Das Subjekt, wie es in der Aufklärung entwirft, das ist ja die „Revolution“ der kantischen Philosophie, begreift sich als ein geschichtliches Subjekt und anthropologisch als gesellschaftlich Vermitteltes. Bei Philosophen wie Diderot, Rousseau; Hegel firmiert so eine Vermittlungsgeschichte bereits unter dem Stichwort „Entfremdung“. Ach, was erzähle ich Dir da!

Kant spielt in der Urheberdebatte des ausgehenden 18. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. Meines Wissens ist es die Schrift von 1785. Dem Aufsatz lag das Problem von Raubkopien zu Grunde. Schon der Buchdruck ermöglichte freibeuterische Vervielfältigung von Publikationen. Da im“ tintenkleksenden Säkulum,“ wie Schiller das ausgehende Jahrhundert nannte, die Veröffentlichungen rasant ansteigen, nimmt Kant sich auch dieser Debatte an, aufgeklärt wie er war. Seine Thesen:

a) Der Autor spricht im Buch in eigenem Namen mit seine Lesern. Der Verleger handelt im Namen des Autors.

b)Der Verleger hat Rechte gegenüber Nachdruckern

c)Eigentum am Manuskript begründet noch kein Vervielfältigungsrecht. Es bedarf eines Vertrags zwischen Autor und Verlag

d)Kunstwerke dürfen zwar von jedermann kopiert werden, für die Rede und Schrift gelte dies nicht.

Kant betont ganz stark die rechte des Eigentums. Ich finde interessant, dass seine Überlegungen eingebunden sind in grundsätzliche Überlegungen über das Private und das Öffentliche. Während Kant ja noch maßgeblich an der Front stand, Öffentlichkeit herzustellen, steht heute das Private zur Disposition. Das macht die Diskussion mit ihm so spannend in dem Punkt.

Im Hinblick auf die Urheberrechtsdebatte im Netz, halte ich Kant für schwer übertragbar. Er bezieht sich ja rein auf das Buch. Verlege, die heutzutage an Gewinnen von News-Aggregaten wie zB. Google News beteiligt werden wollen, haben andere Inhalte und Dynamiken im Hinterkopf.

Wahrscheinlich kennst Du diesen Link: http://philobar.blogspot.de/2006/10/hffe-kant-und-das-urheberrecht.html; http://www.urheberrechtsbuendnis.de/

Schönes Wochenende!

miauxx 18.08.2012 | 23:35

Es sollte gelten, Urheberschaft und Eigentum, letzteres eben im privatrechlichen Sinne unbegrenzter (Geld-)Wertschöpfung, zu trennen. Sonst, folgte man etwa einer Julia Schramm, ließe sich etwa auch kaum noch ein Nobelpreis (wissenschaftliche Leistung!) erklären. Obwohl, wie wir beobachten können, auch der gar nicht mehr unbedingt mit dem idealistischen Ur-Gedanken seines Schöpfers A. Nobel zu verbinden ist, sondern sich ebenso den "Zwängen der Zeit" unterzuordnen hat.

anne mohnen 19.08.2012 | 08:33

Lieber miauxx,

der Nobelpreis wird ja nicht für Urheberschaften (im klassischen Buchsinne nur der Literaturnobelpreis), sondern grobgesprochen für Entdeckungen vergeben. Gegen dieses Preisgeld ist nichts einzuwenden, auch nicht, dass Wissenschfatler einen Haufen Geld verdienen, mal provakant gesprochen. Etwas anderes ist halt die Patentierung von Natur.

Im übrigen verstehe ich Deinen Einwand nicht. Diese alte Unterscheidung ist im alten Urheberrecht/ Patentrecht drin. Davon profitieren, sagt man nicht nur, vor allem die großen Verlagen und riesige Konzerne.

"Urheberschaft" und Eigentum wird an amerikanischen Ivy-Leaques, ich denke konkret an Standford, so gelöst: Der "Urheber", resp. Forscher tritt von vorenherein alle Eigentum- resp. Wertschöpfungsrechte an die Uni ab, es sei denn, er handelt mit Unternehemne einen Deal aus. Diese Co-Operationen sind ander Tagesordnung. Dann wird es zwar kompliziert, aber es fallen mehr als nur Brosamen ab.

Tja, und dann darf derjenige sich ja sagen lassen, dass er den Ruhm hat, dass er Gemeinschaftsgüter nutzte. Die ntut im hohen Maße auch der, der über die Autobahn fährt, während ich, die noch nicht einaml einen Führerschei hat, das nicht tut.

Wohl dem, der sich nicht bewegt!

Du siehst ich bin da sehr emotional, vielleicht auch zu doof, das zu verstehen. Einfach andere machen lassen und abgreifen, oder eben, wie Schramm, sich die Welt wie Pipi Langstrumpf zusammenzustreichen. dann klappts nicht nur mit der FAZ, sondern auch mit dem Honorar.

Ich bin froh, dass ich da nicht allein bin, die das nicht checkt:

http://urheberrechtsdebatte.wordpress.com/

Michael Jäger 20.08.2012 | 00:20

Liebe Anna Blume,

dem was Du zu Chargaff und Monsanto schreibst, ist wahrlich nichts hinzuzufügen. Und es stimmt, eine „Diskussion mit Kant“ müßte spannend sein und, wie ich denke, noch zu ein paar weiteren aktuell nützlichen Einsichten führen. Es ist ja nicht nur der kurze Text Von der Unrechtmäßigkeit des Büchernachdrucks von 1785, sondern Kant hat sich dann auch im Abschnitt Rechtslehre der Metaphysik der Sitten zu der Frage geäußert, im Unterabschnitt „Was ist ein Buch?“, dem einer über Geld vorausgeht. Ich habe kürzlich die recht sorgfältige Erörterung dieser Äußerungen durch Marcel Hénaff (Der Preis der Wahrheit. Gabe, Geld und Philosophie, Ffm. 2009 [i.O. 2002]) zur Kenntnis genommen und überlege schon, ob ich darüber nicht in den nächsten Tagen noch einen kleinen Blogeintrag nachschieben sollte. Wenn nicht das, schreibe ich hier in der Kommentarspalte noch was dazu auf, bin aber heute zu müde. Weil Hénaff aber die Kant-Erörterung mit einer kurzen Diderot-Erörterung einleitet, möchte ich von dem was zitieren, weil’s so schön ist. Diderot hat sich nämlich auch schon mit der Frage des Raubdrucks herumgeschlagen. Er schreibt:

„Welches Gut kann einem Menschen wohl gehören, wenn ein Werk des Geistes, die einzige Frucht seiner Erziehung, seiner Studien, seiner durchwachten Nächte, seiner Zeit, seiner Forschungen, seiner Beobachtungen, und wenn die schönsten Stunden, die schönsten Augenblicke seines Lebens, wenn seine eigenen Gedanken, die Gefühle seines Herzens, der kostbarste Teil seiner selbst, jener, der nicht vergeht, jener, der ihn unsterblich macht, ihm nicht gehören? Welcher Vergleich zwischen dem Menschen, der Substanz selbst des Menschen, seiner Seele, und dem Feld, dem Baum oder dem Weinberg, den die Natur am Anfang allen gleichermaßen bot und den der Einzelne sich nur durch den Landbau angeeignet hat, dem ersten legitimen Mittel des Eigentums?“ (Lettre sur le commerce de la librairie, 1767, meiner Herv.)

Bis bald!

anne mohnen 21.08.2012 | 01:32

Lieber Michael,

vielen Dank für die Replik.

Diderot ist großartig. Die Eleganz seiner Formulierungen: Im Rahmen des Encyclopédie-Projektes tauchte im Hinblick auf den Traum von einer universellen Kultur das Problem auf, dass die Kultur so vielgestaltig war, dass ihre Übersetzung sich aller Mittel bedienen musst. Diderot unternahm in seinen Salons vor allem, die Malerei in Worte zu übertragen, und vice versa übertrug ein Maler wie Fragonard die Worte in Malerei. Die Begriffe Übersetzung, Nachahmung und Illustration bezeichnen hier den selben Sachverhalt. Ich erwähne dies, weil dieses Zitat sprachlich so fein „gezeichnet“ ist, Für den Libertin Diderot gehören Sprache und Malerei Natur noch eng zusammen.

Wie recht er hat, dass einem die Gedanken und das Herz nicht allein gehören. Die Gedanken sollten deshalb fließen und (florieren) das Herz keine Mördergrube werden! Der Gedanke „Welcher Vergleich zwischen dem Menschen, der Substanz selbst des Menschen, seiner Seele, und dem Feld, dem Baum oder dem Weinberg, den die Natur am Anfang allen gleichermaßen bot und den der Einzelne sich nur durch den Landbau angeeignet hat, dem ersten legitimen Mittel des Eigentums?“ nimmt schon einiges vorweg(?), was Rousseau im2. Diskurs über die Ungleichheit herausstellt.

‚À propos Plagiat. Die Encylopédisten hatten ja jede Menge Ärger: Es gibt da eine hübsche Geschichte, die sehr in die heutige Zeit passt: Ein Mitarbeiter des Werks, ein Abbé de Prades hatte mit Erfolg seine Doktorarbeit an der Sorbonne eingereicht, als jedoch 1770 der erste Bande erschien, fuhren die Gegner schwere Geschütze auf, infolge dessen Prades‘ Arbeit einer erneuten Prüfung unterzogen wurde, und wie es der Teufel so wollte, man Abweichungen von der katholischen Glaubenslehre festgestellte. Der gute Abbé suchte das Weite und konnte sich nach Berlin absetzen, jedoch der gesamte erste Band der Encyclopédie wurde nun auf Fehler und Plagiate durchforstet. Und siehe da, Diderot und seine Mitarbeiter hatten sich fleißig bei ihren ärgsten Feinden den Jesuiten bedient, die ja Herausgeber des Konkurrenzunternehmens des Dictionnaire de Trévoux waren. Es kam dennoch zur Veröffentlichung.

Also, die Debatte um das Urheberrecht hat einen langen sehr realen Vorspann.

Ja, schreibe bitte ein Blog über dieses Buch von Marcel Hénaff. Es würde mich sehr freuen!!

Übrigens, wenn Du einmal Zeit hast, lies Dir doch einmal mein Blog durch. Mich interessiert seht, wie Du das stilistisch bewertest. Ist es zu akademisch abgefasst? Du musst mir nicht gleich antworten.

https://www.freitag.de/autoren/anne-monen/brauchen-wir-eine-neue-liberale-netz-partei

LG Blume

Michael Jäger 21.08.2012 | 02:04

Liebe Anna, mein Gott, Du kennst Dich aber gut aus in der Zeit. Wundert mich aber nicht, habe mir schon so etwas gedacht. Zu Deinem Blog später. Habe ihn eben nur überflogen, und wenn Du nicht danach gefragt hättest: Auf den Gedanken, daß er zu akademisch abgefaßt sei, oder auch nur darauf, in so eine Richtung zu fragen, wäre ich nie gekommen. Aber ich verstehe, was Du damit sagen willst. Sehr toll finde ich, was Du über Fragonard schreibst, den liebe ich nämlich sehr. Daß er jemand sei, die “die Worte in Malerei überträgt“, ist ein hochinteressanter Hinweis, für den ich Dir sehr dankbar bin. Schöne Grüße, Michael