Michael Jäger
05.11.2010 | 12:15 84

Der halbierte Bürgersteig

Mobilität Sie versprechen Freiheit und rauben sie uns doch. Autos sollen aus der Gesellschaft verschwinden. Aber wie? Appelle allein reichen nicht, es müssen neue Strukturen her

Wie viel trägt der Autoverkehr zur Umweltkrise bei? Sollte man ihn abschaffen oder drastisch reduzieren, könnte man es überhaupt? Das waren Leitfragen eines Kongresses über „Auto. Mobilität. Krise“ am vorigen Wochenende in Stuttgart, veranstaltet von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die der Linkspartei nahe steht, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Gewerkschaftern und Umweltaktivisten. Dieser Kongress zeigte, die Verkehrssprecher der Linken treten noch entschiedener gegen die Autogesellschaft auf als die Grünen. Sie begnügen sich nämlich nicht mit der Alternative, die das Elektroauto angeblich darstellt, und widerstreiten so den Autokonzerninteressen. Das Dilemma der Ökologie liegt ja darin, dass sie nicht nur ein physikalischer, chemischer, biologischer Sachverhalt ist, sondern auch ein Geflecht gegensätzlicher Interessen.

Sogar ein IG Metaller wie Hans-Jürgen Urban hat große Zweifel daran, dass das E-Auto die Lösung sei. Selbst wenn alle technischen Probleme gelöst werden könnten, die Logik der Produktion wäre ganz anders, diese müßte radikal umgebaut werden, man bräuchte auch andere Zulieferer als bisher; ob die CO2-Bilanz überhaupt durchgreifend besser wäre, ist umstritten, klar ist nur, dass der Marktdurchdringungsgrad in den nächsten 30 Jahren noch gering sein würde. So viel Aufwand für so wenig Ertrag? Da fragt man sich, ob das E-Auto aus sachlichen Gründen oder eben aus solchen des Interesses erforscht wird. Eigentlich liegt es auf der Hand, dass vor allem über die Reduzierung des Autoverkehrs nachgedacht werden müsste. Gewiss tun das auch Grünen. Täte man es aber ganz kompromisslos, also ohne zugleich noch vom E-Auto Wunderdinge zu erwarten, man würde gerade auf technische Probleme kaum stoßen. Viele Initiativen, die es bereits gibt, zeigen, dass man es erreichen könnte mit wenig Umorganisation, begleitet von gar nicht schwieriger politischer Kommunikation. Man müßte nicht erst die Städte abreißen und auch nicht die Trennung von Stadt und Land rückgängig machen.

80 Prozent für die Freizeit

Das Auto ist eine Art, die Mobilitätsfrage zu beantworten. Mobilität ist ganz einfach die Anzahl der Wege pro Person und Tag. Von dieser nützlichen Plattheit muss man ausgehen, statt sich gleich in ideologische Konfusionen wie „Mobilität ist Freiheit“ zu verstricken. Es hat weder mit Freiheit noch mit Zwang etwas zu tun, dass der Mensch seine ganze Geschichte hindurch bestimmte Wege täglich zurücklegt, besonders den zur Arbeit, wobei sich nur deren Länge verändert. Das Auto ist bestimmt nicht besonders frei, da seine Nutzung nicht so sehr individualistisch als konformistisch macht. Was unterscheidet denn einen Autofahrer vom andern? Und macht etwa die Arbeitszeit frei, die man braucht, um ein Auto überhaupt kaufen zu können? Eine Untersuchung in mehreren deutschen Großstädten ergab, dass mit einem Drittel aller Autofahrten Distanzen von unter drei Kilometern zurückgelegt werden. Andererseits dienen 80 Prozent aller Fahrten der Freizeit. Der Weg zur Arbeit kann also nicht das ganz große Problem sein, das erklären würde, weshalb zum Beispiel in Stuttgart auf knapp 600.000 Einwohner 324.000 Autos kommen.

Auf der andern Seite ist das ökologisch Notwendige klar. Susanne Böhler-Baedeker vom Wuppertal-Institut legt Zahlen vor: Ein Individuum lebte umweltverträglich, wenn es nicht mehr als zwei Tonnen CO2-Emission pro Jahr verursachte und davon 23 Prozent für den Verkehr (mehr fällt für jedermann das Wohnen ins Gewicht, Heizung und Beleuchtung); das würde 276 Litern Benzin entsprechen, mit denen man bei denkbarem halbiertem Verbrauch der heutigen Antriebssysteme immerhin noch 5.600 km pro Jahr zurücklegen könnte. Heute werden aber durchschnittlich 10.000 km zurückgelegt. Dieser Überhang ließe sich durch einen Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) eliminieren. Denn hier ist der Verbrauch viel geringer, weil sich viele Personen dasselbe Fahrzeug teilen. Man hat es errechnet bei ­Zugrundelegung der wirklichen Kapazitätsauslastung solcher Fahrzeuge, es ist eine Tatsache. Sie bedeutet, dass man überlegen kann, wie man es erreicht, dass die Leute viel seltener Auto fahren. Zu erreichen wäre es nicht durch Appelle, sondern durch andere Strukturen, die das Verhalten anders bestimmen; durch ein anderes Verkehrsverbundsystem.


Die Zukunft liegt in der Vernetzung von ÖPNV, Fahrrad und Carsharing. Für heute wurde die Proportion Auto zu Fahrrad zu ÖPMV wie 50 zu 25 zu 25 errechnet, wünschenswert wäre 10 zu 50 zu 30. Die starke Reduktion der Autonutzung könnte eben durch Carsharing erreicht werden. Denn im Maß wie sich die Leute darauf einlassen, fangen sie an zu überlegen, für welche Wege sie ein Auto wirklich brauchen. Wenn Carsharing zur Regel wird, braucht man einen großen Pool von Autos aller Art, die Menge wäre aber viel kleiner als heute. Ein großer Mitarbeiterkreis würde benötigt. Es würde so funktionieren, dass man per Telefonruf ein Auto ordert und ebenso per Anruf mitteilt, wo man es am Ende stehen läßt; Mitarbeiter brächten und holten es. Im Grunde ein Taxisystem auf einer Metaebene. Dass es dann viele Arbeitsplätze gäbe, gehört zu den Vorteilen dieses Weges, schon weil sich heute die Frage stellt, was mit den Beschäftigten der Autoproduktion geschehen soll, wenn sie mehr als halbiert werden muss. Im übrigen ist ja auch ÖPNV arbeitsintensiv.

Der Weg wird bereits beschritten, die Auseinandersetzung um praktische Lösungen ist im Gange. Um die Vernetzung zu erreichen, also dass ein und dieselbe Person mal das Fahrrad, mal ÖPNV, mal Carsharing nutzt, müsste man noch die „empfundenen Zugangshürden“ beseitigen, so Wolfgang Hoepfner von ver.di Stuttgart. Das ist in Freiburg bereits gelungen, inden es dort eine „RegioMobilCard“ gibt, die für verschiedene Verkehrssysteme gleich gilt und die Abrechnung mit einem differenzierten Punktesystem bewältigt. In Stuttgart braucht man für jedes System einen anderen Zugang, das hält die Bürger ab. An diesem Punkt lohnt sich ein Blick auf die Interessen. Wenn Daimler „car2go“ anbietet, nimmt es sich zunächst wie ein weiteres Carsharing-System aus. Hier wird aber nur ein Fahrzeug angeboten, der Smart, und das ganze Projekt zielt ersichtlich auf die junge Generation ab, die laut Umfragen dabei ist, sich vom Auto abzuwenden. Man versucht also, Carsharing zur Einstiegsdroge zu machen, während es sonst als Ausstiegsdroge funktioniert. Es ist aber ohnehin klar, dass das nötige Verkehrsverbundsystem nicht von einem Unternehmen geschaffen werden kann: „Mobilität ist eine kommunale Aufgabe.“

Eisenbahn zum Verschrotten

In Europa jedenfalls wäre sie ohne weiteres lösbar. In den USA ist die Lage anders, auch dahin lohnt ein Seitenblick, wie ihn Heiner Monheim von der Uni Tier beitrug. Geschichtsbücher behaupten, Henry Ford habe die geniale Idee gehabt, ein ganz auf die Privatperson zugeschnittenes Auto anzubieten, mit dem es auf einmal möglich wurde, die Distanzen eines riesigen Raums individuell freiheitlich zu überbrücken. Die Wahrheit sieht ein wenig anders aus. Die USA hatten über das dichteste Eisenbahn- und Straßenbahnnetz der ganzen Welt verfügt, bevor dieses Netz von den Autoproduzenten zu großen Teilen vernichtet wurde. Sie kauften es nach Möglichkeit auf, nur um es zu verschrotten. In dem, was übrigblieb, waren die Privatpersonen noch „frei“ – hatten die Wahl zwischen Ford und Chrysler!

In den USA wurde dann auch die Autostadt erfunden, die sich durch Zersiedlung auszeichnet. Auch in Europa mussten Städte für den Autogebrauch ein wenig zerstört werden. In Deutschland hat sich nur Berlin dem ADAC-Begehren erfolgreich widersetzt, die Gehwege, die mit berechtigtem Pathos „Bürgersteige“ heißen, zu halbieren, damit die Autos mehr Raum haben. Und man muss immer neue Autostraßen bauen, woran übrigens auch 30 Prozent autofreie Haushalte aller Großstädte mitzahlen. Autos werden immer schneller, deshalb müssen dann auch die Straßen immerzu umgebaut werden. Wenn das Standardauto auf mindestens 180 Stundenkilometer hochgetrimmt ist, glaubt die Bahn nachziehen zu müssen und bietet mindestens 300 Stundenkilometer an.

Warum muss die Unvernunft aufrechterhalten werden? Doch nur, weil in den Autokonzernen Investitionen stecken, die, koste es was es wolle, zu amortisieren sind, und weil nach wie vor tolle Profite winken; wie viele Autos können in China, Indien und so weiter noch abgesetzt werden! Und weil die Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze bangen. Es war verdienstvoll, dass man Gewerkschafter zur Tagung geladen hatte. Sie äußerten sich denn auch als Bremser des nötigen Umbaus. Diese Debatte muss geführt werden. Lösungen liegen aber gar nicht fern. Selbst Uwe Meinhardt, der sich besonders konservativ gab, ließ am Ende durchblicken, ein Modell wie das jetzt bei Daimler ausgehandelte würde seinen Widerstand beseitigen: dass man dort Beschäftigten Lohnfortzahlung bis 2017 garantiert hat, egal ob die Arbeit dann längst verlagert ist oder nicht. Der Egoismus der Konzernherren freilich könnte nur durch Wirtschaftsdemokratie überwunden werden.

Der Traum vom Fahren ist mindesten so alt wie der vom Fliegen und in der Umsetzung tatsächlich die weit größere kreative Leistung denn fürs Rad und seinen Einsatz als Mobilitäts- und Transportmittel gibt es in der Natur kein Vorbild. Dennoch wurde es um 4.000 vor Christus in mehreren Kulturen zugleich erfunden.

Der Antrieb für Wagen aller Art blieb ein Problem, das mit Varianten von Muskelkraft, mit Wind und später mit Dampf gelöst werden sollte. In ganz Europa versuchten Forscher, die Räder zum Laufen zu kriegen. Isaac Newton konzipierte Ende des 17. Jahrhunderts einen Dampfwagen. Den Druchbruch aber brachte erst zweihundert Jahre später der Verbrennungsmotor von Carl Benz, mit dem er seinen dreirädigen Motorwagen antrieb. Das erste Auto verpuffte auf 100 Kilometer zehn Liter des Leichtbenzins Ligroin.

Die erste Tankstelle der Welt war noch eine Apotheke. Heute verheizen deutsche PKWs jährlich rund 50 Milliarden Liter Benzin und Diesel. Das Auto als persönliches Transportmittel stellt damit den mit Abstand größten Verbraucher von Kraftstoffen dar. Der Güterverkehr auf den Straßen der Bundesrepublik verschlingt insgesamt nicht einmal halb so viel Kraftstoff. Auch Flugzeuge und Schiffahrt benötigen im Vergleich zum Straßenverkehr nur wenig Sprit, nämlich nur ein Fünftel so viel. Entsprechend gestaltet sich der Anteil an den Treibhausgasemissionen: Ein Fünftel aller CO2-Emissionen stammen aus dem Straßenverkehr und damit mehrheitlich aus den kurzen und längeren Fahrten mit dem Auto.

Ein Auto zu haben wurde in den Fünfzigern zum erklärten Zeichen des Wohlstands, 1961 setzte sich Deutschland an Position zwei in der Liste der Autonationen. Heute sind mehr als 40 Millionen Autos in Deutschland zugelassen. Damit ist die Pro-Kopf-Autoquote zwar weit niedriger als in den USA, Kanada und Japan, aber in der Europäischen Union absolute Spitze.

Der autofahrende Bundesbürger lässt sich diese umweltschädigende Mobilität auch gern was kosten: Rund 270 Euro im Monat gehen für die Karre drauf, das ist sogar mehr als für Bildung, Freizeit und Kultur, und fast genau so viel wie für den Betrieb des eigenen Körpers mit Nahrung. In einem Autohalterleben belaufen sich die Gesamtkosten damit auf 300.000 Euro. (zint)

Kommentare (84)

rolf netzmann 05.11.2010 | 16:29

Seitdem ich kein Auto mehr besitze, nutze ich die Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Lesen, Nachdenken oder meine Umwelt beobachten. Ich lebe freier. Klar brauche ich für manche Wege mehr Zeit, weil ich umsteigen oder auf das nächste Verkehrsmittel warten muss. Nur kann ich diese Zeit sinnvoll für mich nutzen, nicht wie an einer roten Ampel, die meine Aufmerksamkeit beansprucht.
Ein neues Auto werde ich mir nicht mehr zulegen, in Berlin mit seinem gut ausgebauten ÖPNV ist es einfach nicht notwendig.
Die Alternative Carsharing ist zu teuer, mit den laufenden Gebühren kann auch eine Monatskarte bezahlt werden. Brauche ich wirklich mal einen fahrbaren Untersatz, gibt es immer noch preiswerte Autovermietungen, die als Alternative möglich sind.
Ein lesenswerter Beitrag zu einem nicht nur umweltpolitisch wichtigen Thema, geht es doch im Kern darum, wie Mobilität und Umweltschutz zukünftig vereinbar miteinander werden.

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Ehemaliger Nutzer 05.11.2010 | 21:13

Ick weise mal dezent darauf hin, dass es gar nicht genug Lithium für die Akkus gibt. Eine Lösung ist auf lange Zeit nicht in Sicht. Dies konstatierte sogar ein ehemaliger VW Manager.

Außerdem extrem Umweltschädlich.

Weg mit dem Individualverkehr! Das ist ein Teil der ungesunden Egomanenkultur.

Rene Artois 05.11.2010 | 21:52

Da der ÖPNV, wie wir ihn heute kennen, trotz regelmäßiger Tariferhöhungen Jahr für Jahr größere Defizite einfährt, sollte man als kleinen Anfang hergehen, und ihn für alle kostenlos anbieten. Damit fiele die ganze Fahrscheinverkaufs- und Abrechnungsbürokratie als Kostenfaktor weg, und die Bilanz würde sich wohl kaum verschlechtern. Freiwerdende Mitarbeiter könnte man ja dann einsetzen, um die gewiss eintretende schlagartig stärker werdende Nutzung pesonell abzufedern, Takte zu verdichten und überall(!) vernünftig nutzbare Wochenend- und Nachtversorgung anzubieten. Mit dem jetzigen "Angebot" ist außerhalb gut funktionierender Ballungsgebiets-Verkehrsverbünde (VRR ...) doch wirklich kein Hund hinterm Ofen, geschweige denn ein Landbewohner am Wochenende aus seinem Auto zu locken, wenn er irgendwo hin will.
Das Ziel muß so etwas sein, was die Schweiz (dank fehlender Autoherstellerlobby) schon seit 1983 hat: Ein integrierter Taktfahrplan, in dem Fern- Regional-, Nah- und Nähestverbindungen so aufeinander abgestimmt sind, daß man in 99 Prozent der Fälle aufs Auto verzichten kann, weil man auch im entlegensten Winkel keine Kursbücher braucht, sondern weiß: Wenn ich jetzt zum Dorfplatz gehe und den Bus versäume, dauert es maximal 15 Minuten, bis der nächste kommt. Und der hat dan in der Kreisstadt garantiert(!) Anschluß an den Regionalzug, welcher in der Kantonshauptstadt garantiert den Intercity erreicht. In diesem Taktfahrplan sind auch die Ausflugsdampfer auf den Schweizer Seen eingebunden, also ist auch der Wochenendausflug ohne Auto möglich. Und so bringt es der Durchschnitts-Eidgenosse auf rund 5000 Bahnkilometer pro Jahr; der Durchschnittsmichel auf knapp 200 ...

Achtermann 06.11.2010 | 18:00

Das Auto ist eine Art, die Mobilitätsfrage zu beantworten. Mobilität ist ganz einfach die Anzahl der Wege pro Person und Tag.

Wenn es das nur wäre. "Der Weg ist das Ziel." Diese Weisheit von Konfuzius trifft für die Mobilität per Auto mehr zu als für alle Wanderungen auf dem Jakobsweg. Nur eine Minderheit, zumindest in Deutschland, betrachtet sein motorgetriebenes Fortbewegungsmittel rein sachlich als das Fortkommen von A nach B. 129,8 PS ist die durchschnittliche Motorstärke der in diesem Jahr gekauften Neuwagen. Diese Zahl zeigt, dass Autofahren mehr ist als "die Wege pro Person und Tag." Lässt man die Libido des Autofahrers, die der deutsche Kfz-Lenker seinem Automobil gegenüber entwickelt, außer Acht, wird das Phänomen, potenziell 24 Stunden am Tag bewundert werden zu können, nur unzulänglich beschrieben.
Das Auto ist eine Art, die Mobilitätsfrage zu beantworten. Mobilität ist ganz einfach die Anzahl der Wege pro Person und Tag.

Wenn es das nur wäre. "Der Weg ist das Ziel." Diese Weisheit von Konfuzius trifft für die Mobilität per Auto mehr zu als für alle Wanderungen auf dem Jakobsweg. Nur eine Minderheit, zumindest in Deutschland, betrachtet sein motorgetriebenes Fortbewegungsmittel rein sachlich als das Fortkommen von A nach B. 129,8 PS ist die durchschnittliche Motorstärke der in diesem Jahr gekauften Neuwagen. Diese Zahl zeigt, dass Autofahren mehr ist als "die Wege pro Person und Tag." Lässt man die Libido des Autofahrers, die der deutsche Kfz-Lenker seinem Automobil gegenüber entwickelt, außer Acht, wird das Phänomen, potenziell 24 Stunden am Tag bewundert werden zu können, nur unzulänglich beschrieben.

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sozenschiss 06.11.2010 | 18:33

Als Autobauer ist für mich die Position hierzu klar!
Ich lebe davon und wünsche mir, dass so viel Autos wie möglich verkauft werden.
Dann ist meine Zukunft und die vieler Menschen in unserer Gesellschaft wirtschaftlich gesichert.

Natürlich müssen Autos auch umweltfreundlich gebaut und betrieben werden.
Das werden sie auch, gemäß okologisch und ökonomischer Kompromisse!
Diesbezüglich sind sie auch ständig optimiert worden.
Natürlich werden auch Kundenwünsche, z. B. zu PS-starken Fzgen. berücksichtigt, welche die Umwelt mehr als kleine Fzge. belasten.
Sozusagend Kundenwünsche gegen Umweltaspekte.
Aber auch umgekehrt!
Die PS-stärksten Fzge. werden übrigens von unseren Politikern gefahren, die hierzu (scheinheilig wie häufig) mal wieder Wasser predigen, aber Wein saufen.

Welche Politik sich "automäßig" national und international durchsetzt, wird von der Gesellschaft, letztlich durch Wahlen von Politikern bestimmt. (Wäre aber schön, wenn die sich häufiger mal darüber klar auskotzen, was tatsächlich gewollt ist!).

Die Autobauer sind jedenfalls, überwiegend auf der ganzen Welt, in der Lage die Autos zu bauen, welche die ökonomisch/ökologischen Ansprüche erfüllen.

Und, - die meisten Menschen wollen Aotos als Voraussetzung für ihre mobile Freiheit!
Daran wird grünes und rotes Gebrabbel mit Sicherheit nicht viel dran ändern! ;-)

claudia 06.11.2010 | 23:16

@rolf netzmann:
>>Seitdem ich kein Auto mehr besitze, nutze ich die Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Lesen, Nachdenken oder meine Umwelt beobachten.
Die Erfahrung habe ich auch: Mehr freie Zeit. Ich musste auch noch nie eine Lokomotive oder S-Bahn die Werkstatt bringen. Das besorgen Andere…
Und gestern war ich bei lieben Freunden eingeladen und hab mir zwei Weissbiere gegönnt. Kein Problem für Heimfahrt.
Ausserdem ergeben sich in „Öffis“ immer wieder interessante Gespräche mit Leuten, die man sonst niemals treffen würde…
Aber wer will das schon ausprobieren?

---
@Rene Artois:
>>Das Ziel muß so etwas sein, was die Schweiz (dank fehlender Autoherstellerlobby) schon seit 1983 hat
Das ist einer Knackpunkte: Politik folgt der Lobby und nicht der Vernunft

---
Das Produktimage ist in einer kapitalistischen Marktwirtschaft das Produkt, Gebrauchswert ist allenfalls ein Nebeneffekt.
Ich erinnere noch aus der Kindheit Gespräche folgender Art:
Vater: „Der B. ist jetzt Abteilungsleiter geworden.“
Mutter: „Hab ich mir schon gedacht, der sich doch ein Auto angeschafft“
Irgendwann waren alle zum Fahrzeugbesitzer aufgestiegen. Damit begann der Wettbewerb: „Wer hat den Grössten?“. Der Nutzen der Maschinen war und ist kein Thema. Nur dass heute nicht wohl nicht mehr das Streben nach dem Statussymbol im Vordergrund sthet, sondern das Automobil eher eine Selbstverständlichkeit ist, über die m,na n icht nachdenkt: Der alte Zopf.

>>die Libido des Autofahrers
Das war wohl eines der wichtigsten Werbe“argumente“, solange Fahrmaschinenwerbung vor allem Männer ansprach.
Bis heute werden alle sachlichen Argumente vom Produktimage unterlaufen.

@Technixer:
>>Ick weise mal dezent darauf hin, dass es gar nicht genug Lithium für die Akkus gibt.
Ist denn bekannt, wie gross "unser Lithiumlager am Hindukusch" ist?
Wenn "wir" das erst mal fest in der Hand haben und die Chinesen am Zugriff hindern, dann wird sich damit schon was machen lassen...

---
@Sozenschreck:
>>Ich arbeite seit 1963
(Zitat von hier
www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/das-bedingungslose-grundeinkommen-der-freibetrag-des-kleinen-mannes?searchterm=Grundeinkommen )
Das heisst: Ihnen würde doch eine berufliche Neuorientierung erspart bleiben, wenn wir uns zu einem energieeffizienten und umweltverträglichen Verkehrs- und Transportsystem entschliessen könnten. Und Angst vor Altersarmut durch Arbeitslosigkeit müssen Sie auch nicht mehr haben.

Jüngere kämen ja mit einer Neuorientierung besser zurecht. Wir müssen eben die Verteilung der gesellschaftlich nötigen Arbeit organisieren.

Es gibt anderes und z.T. Wichtigeres zu tun als monströse Fahrmaschinen zu bauen, Tankstellen zu betreiben, Unfallopfer medizinisch zu versorgen…

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sozenschiss 06.11.2010 | 23:31

@claudia
>>Ich arbeite seit 1963
1.
...
Das heisst: Ihnen würde doch eine berufliche Neuorientierung erspart bleiben, wenn wir uns zu einem energieeffizienten und umweltverträglichen Verkehrs- und Transportsystem entschliessen könnten. Und Angst vor Altersarmut durch Arbeitslosigkeit müssen Sie auch nicht mehr haben.
--------------------
Stimmt! Meine Ängste (2 x vor der Firmenpleite) liegen schon etwas länger zurück!
----------------------------------------------------------------------
2.
Es gibt anderes und z.T. Wichtigeres zu tun als monströse Fahrmaschinen zu bauen, Tankstellen zu betreiben, Unfallopfer medizinisch zu versorgen…
-----------------------
Dann machen Sie doch mal Vorschläge hierzu.
Vorschläge, welche die Menschen auch wollen und die auch umsetzbar sind, ohne das es Armut in der Breite gibt!

Bei Asterix und Obelix waren es Hinkelsteine.Ging aber nicht lange gut! ;-)

Michael Jäger 07.11.2010 | 10:35

Wir sollten das auseinanderhalten: Nicht vom Autofahren wird die Definition "die Wege pro Person und Tag" ausgesagt, sondern von der Mobilität. Das Autofahren ist nicht die Mobilitätsfrage, sondern eine Antwort auf sie. Und daneben, da haben Sie allerdings recht, kann das Autofahren die Antwort auf eine ganz andere Frage sein, nämlich was wir denn nur, in dieser unserer nihilistischen Zeit, für ein Ziel haben könnten. Wenn es doch nur ein Ziel gäbe! Wozu leben wir überhaupt! Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts! Und, naja, dann fahren wir eben Auto, das ist doch immerhin etwas.

claudia 07.11.2010 | 13:08

>>Dann machen Sie doch mal Vorschläge hierzu.
Das ist ein weites Feld, und kann nicht von einer Einzelperson bestellt werden...
Das würde sehr schnell hier offtopic und wäre einen eigenständigen "brainstorming"-Thread wert. Patentlösungen von einer Einzelperson ist nicht mein Ding, dafür sind Götz Werner, Rüdiger Kalupner und eventuell der Papst zuständig.

Ich sehe zum Beispiel ein grosses Defizit in der Wissensvermittlung. Wenn man mal vom Schema: "kleine, informierte Elite / tumbes Volk, das nur Werbebotschaften verstehen muss" abgeht, wird das sichtbar.

Nun kann natürlich jemand fragen: Wie soll denn eine breit angelegte, für Viele attraktiv gestaltete Wissensvermittlung bezahlt werden?
Die Antwort: Wenn wir die Umformung von Materie zu physikalisch sehr uneffizienten Fahrzeugen "bezahlen" können, warum dann nicht auch Wissensvermittlung?

Ein anderes Defizit sehe im Bereich "Gesundheit im Sinne von Lebensqualität".

Je mehr Menschen darüber nachdenken, was eigentlich wünschenswert ist, um so mehr Felder entdecken wir, auf denen es zu tun gibt. Starten Sie mal einen Feldversuch in ihrer Kneipenrunde. Nicht mit der Frage: "Was müssen wir haben?" Sondern mit der Frage: "Wie ist ein möglichst angenehmes Leben möglich?" Und nicht mit den 'aus der Pistole geschossenen' Antworten, denn das sind keine eigenen Gedanken, sondern Zitate.
Sondern mit Zeit zum Nachdenken bis zum nächsten Treffen.
Sie werden staunen, wieviel es dafür zu tun gibt, wenn man sich erst mal auf die Frage eingelassen hat und bereit ist, "Sachzwänge" inhaltlich zu verändern.

Und: Menschen können viel mehr als das, was sie zur Zeit gerade tun.

claudia 07.11.2010 | 13:38

Womit die Frage: "Was tun?" erschöpfend beantwortet ist: "kuppeln, schalten, Gas geben und lenken" :-)

Es sagte mal jemand, für ihn läge die Attraktivität darin, dass er seinem Blechkäfig sein eigener Herr sei: "Keine Anweisung von oben, kein Anschiss vom Chef, wenn ich mal ein Knöllchen riskiere".
Obwohl das "Knöllchen" ja auch ein Anschiss ist.
Aber es ist eben die einzige Möglichkeit, sich mal ein Quentchen Ungehorsam zuzutrauen...

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Ehemaliger Nutzer 08.11.2010 | 09:24

Hallo Herr Jäger,

vielen Dank für den Artikel, ich war seit der Ankündigung von Herrn Strohschneider auf Ihren Artikel gespannt.

www.freitag.de/community/blogs/tom-strohschneider/auto-tagung-zur-krise-eines-modells-und-alternativen-der-mobilitaet

Im Blog von Herrn Strohschneider hatte ich mich pessimistisch zu einer Wende im Bereich Mobilität geäußert. Auch Ihr Beitrag liefert gegen meinen Pessimismus zu wenig neue Ideen. Die Argumente, die gegen den Individualverkehr sprechen, sind mehr oder weniger bekannt. Auf der von Ihnen im Artikel besprochenen Ebene der "Mobilität" fänden sich überzeugende Lösungen.

Aber das "Auto" ist eine Lebensweise, eine Kultur, eine Religion, ein Produktionsverhältnis,.... Ihre Überlegungen auf der Ebene "Mobilität" sind gut aber nur die Oberfläche des Problems. "Achtermann" verwies mit "Libido des Autofahrers" schon auf das Thema. "Sozenschreck" verweist auf das Produktionsverhältnis, wenn auch unter anderen Voraussetzungen, als ich das sehe. Aber praktisch benennt er wesentliches.

Das Auto gibt viele Antworten auf Fragen, die sich gegenwärtige Menschen stellen. Nur eine der Fragen lautet: wie komme ich von A nach B? Die Fragen nach Sicherheit und Komfort des Autos sind noch rational, werden aber schon zu Fragen einer Lebenseinstellung. Das Branding des Autos, die Fahrweise, der Parkplatz, der öffentliche Auftritt mit dem Automobil aber löst ganz andere Probleme als die der "Mobilität".

Ohne eine Diskussion dieser Fragen kommen wir nicht voran. "Oxnzeam" macht mir da schon mehr Hoffnung >>>Na immerhin hat das Auto als Statussymbol in der Jugendkultur schon mal ausgedient Allerdings bin ich skeptisch, dass dies in allen Jugendkulturen so gesehen wird. Außerdem werden auch "Oxnzeam" und seine Kohorte älter und wir werden sehen, ob Sie mit einem iPhone, ihrer Kleidung, ihrer Frisur noch hinreichend Antwort auf Ihre Identitäts- und Statusfragen finden werden.

Michael Jäger 08.11.2010 | 11:28

Lieber Rapanui, ich bin ferne davon, Ihnen nicht zuzustimmen. Mein Artikel behandelt den Zusammenhang von Auto und Mobilität, weil er ein Tagungsbericht über die entsprechende Frage ist. Immerhin ist das ein, wenn nicht der zentrale Aspekt der Autofrage, aber es ist in der Tat nicht der einzige. Man kommt heute schon weiter, wenn man ihn vereinseitigt, weil eben, wie ich geschrieben habe, die Jugend sich vom Auto abwendet. Aber die Fragen des "Sinns", die dem Auto zugeschrieben werden, interessieren mich auch, lesen Sie www.freitag.de/kultur/1029-medientagebuch. Ich will mal eruieren, ob bei menen Kollegen Interesse für einen größeren Text über diese "Sinn"fragen vorhanden ist.

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Ehemaliger Nutzer 08.11.2010 | 11:57

Lieber Herr Jäger,

>>>Man kommt heute schon weiter, wenn man ihn vereinseitigt, weil eben, wie ich geschrieben habe, die Jugend sich vom Auto abwendet

Auf jeden Fall Zustimmung, auch kleine Schritte helfen. Auch die rationalen Gründen entfalten Ihre Wirkung, aber eben nur bei der immer gleichen Zielgruppe.

Wie üblich schreibt "Sozenschreck" unnötig polemisch und klischeehaft: >>>Und, - die meisten Menschen wollen Aotos als Voraussetzung für ihre mobile Freiheit!
Daran wird grünes und rotes Gebrabbel mit Sicherheit nicht viel dran ändern, aber er steht hier als Proband für eine Mehrheit in der Gesellschaft. Dieser Mehrheit Ansätze für ein Umdenken und praktische Handlungen zu liefern, bedarf es eines Herangehens auf mehreren Ebenen.

>>>Ich will mal eruieren, ob bei meinen Kollegen Interesse für einen größeren Text über diese "Sinn"fragen vorhanden ist.

Ja bitte. Zur Sinnfrage gehört auch die von "Sozenschreck" benannte Sicht des "Diplom-Ingenieurs". Das Auto ist ein, auch für mich, faszinierendes technisches Gerät. (Mal so nebenbei für Sozenschreck: Er ist im Forum nicht der einzige Diplomingenieur, obwohl er vom Habitus her immer die Rolle des Lobbyisten dieser Berufsgruppe spielt).

Im Auto drückt sich auch ein grundsätzliches Herangehen an das Phänomen "Technik" aus. Sollen Diplomingenieure andere Technik entwickeln, oder ist Technik überhaupt das Problem. Schafft das Auto, schafft Technik nicht ganz wesentlich die Strukturen der Gesellschaft. Sind Elite, Hierarchien, Informationen, Herrschaft, Macht, Zeitempfinden nicht Folge und Bedingung für Technik. Vielleicht wird das jetzt zu groß für das hier diskutierte Thema, aber ich betrachte das "Auto" auch unter diesem Aspekt.

Michael Jäger 08.11.2010 | 12:13

Sie haben recht, in dieser Weise müssen wir bei dem Thema bleiben. Eins noch vorab, ein Aspekt, der mich schon lange beschäftigt: Es müßte überhaupt erst einmal eine Situation geschaffen werden, in der das, was die Leute für sinnvoll halten (aus welchen Gründen auch immer und egal, ob Sie oder ich genauso denken wie die Leute oder nicht), dann auch tatsächlich durch- und u m g e s e t z t wird. Also wie jetzt in Stuttgart gefordert wird: Volksentscheid über S21. Aber nicht nur darüber, sondern über alle grundsätzlichen Produktionsfragen, Schlüsselfragen der Produktion, denken Sie nur an die Atomenergie oder den Einsatz von Gentechnik in der Nahrungsindustrie; allgemeine ökonomische Wahlen in diesem Sinn. In den Wahlkämpfen würden dann nicht nur ökonomische Kennziffern zur Abstimmung stehen, sondern Lebensentwürfe - d.h. die ökonomischen Außenseiten von solchen -, und das bedeutet, daß über diese in solchen Wahlkämpfen dann auch debattiert würde. So käme man an die "Sinn"fragen heran. Man sollte sie auch heute schon, denke ich, im Zusammenhang mit der Forderung solcher Wahlen in die öffentliche Debatte zu bringen versuchen.

lebowski 08.11.2010 | 14:07

Sie müssen sich hier nicht für Ihren Tunnelblick rechtfertigen.
Natürlich erwartet niemand von Ihnen, dass Sie freiwillig Ihre Existenzgrundlage aufgeben.

Das Auto hat trotzdem ausgedient, ob das in Ihre persönliche Karriereplanung passt oder nicht.
Das Auto war die Grundlage der dritten industriellen Revolution und dieses Zeitalter ist konsequenterweise nach einem Autobauer benannt worden. Gerade in der Automobilindustrie wurde immer mehr rationalisiert und automatisiert.
Heute haben wir weltweit Überkapazitäten für die Produktion von Autos, während gleichzeitig immer weniger Leute in der Lage sind, sich ein Auto zu leisten. Der Arbeiter, der in einer VW-Fabrik in der Slowakei arbeitet, kann sich keinen VW leisten. Mit der Abwrackprämie wurde den Leuten zum ersten Mal im großen Stil Geld in die Hand gedrückt, damit sie die produzierten Güter überhaupt noch kaufen können.
Der Kapitalismus hat sich mal wieder selber verarscht.

Übrigens: als Autofan sind Sie noch lange kein Sozenschreck. Die halbe niedersächsische SPD steht auf der Gehaltsliste von VW.

B.V. 08.11.2010 | 14:26

Das Auto hat keinesfalls ausgedient, da kommt wieder mal realitätsfernes Wunschdenken zum Ausdruck. Selbst wenn alle Deutschen so blöde wären ihre Autos abzuschaffen, kommen mindestens 3 Chinesen hinzu die sich welche anschaffen. Die kommen dann gerne nach Deutschland um sich, in ihren Augen, ein lebendes Museum anzuschauen, froh das ihre Fahrräder im Museum für Frühgeschichte eingemottet sind.
Sollte das Auto nicht mehr die Mobilität bieten, die es bisher bot, wird nur eine Erfindung als Nachfolgetechnologie die Chance haben sich durchzusetzen, die dieses, im vollen Umfang und mehr, bietet.
Mal sehen was das sein wird.

Joachim Petrick 08.11.2010 | 17:44

Lieber Michael,
Danke für diesen zielführenden Artikel.

„Der autofahrende Bundesbürger lässt sich diese umweltschädigende Mobilität auch gern was kosten: Rund 270 Euro im Monat gehen für die Karre drauf, das ist sogar mehr als für Bildung, Freizeit und Kultur, und fast genau so viel wie für den Betrieb des eigenen Körpers mit Nahrung. In einem Autohalterleben belaufen sich die Gesamtkosten damit auf 300.000 Euro.“ (zint)
Wie wäre es da, aus diesem Kosten- Aufkommen für das private Halten von Automobilen eine Einkommenssäule pro Bürger/in als Bedingtes Grundeinkommen zu etablieren
“Verzicht auf Eigentum als Auto- Individualverkehr ergibt einen monatlichen Einkommenszuschuss von € 270.-/monatlich, was mit den eingesparten 270.- €/monatlich für das Halten eigner Autos als Teil des Bedingten Grundeinkommens ein Zusatzeinkommen in Höhe von 540.- E/monatlich ergibt

tschüss
Jochen

Achtermann 08.11.2010 | 18:58

@ Michael Jäger

Man sollte sie auch heute schon, denke ich, im Zusammenhang mit der Forderung solcher Wahlen in die öffentliche Debatte zu bringen versuchen.

Durchaus richtig. Nur: Was ist eine öffentliche Debatte? Ich erinnere an die Zeit, als noch munter spekuliert wurde und die Parteien von halbrot über grün bis schwarz und gelb alles taten, damit das weltweit überschüssige Kapital nicht nur für die Produktion sondern hauptsächlich für die Spekulation eingesetzt werden konnte. Die öffentliche Debatte, die von der Presse hätte angestoßen und geführt werden müssen, hat nicht stattgefunden, weil nahezu alle den neoliberalen Glaubensbekenntnissen nachhingen und der Privatisierung öffentlichen Guts das Wort redeten. Deshalb bin ich sehr skeptisch, ob das Auto, für das seit Jahrzehnten Strukturen für öffentliche und private Ausgaben geschaffen wurden, zum Gegenstand der Kritik werden könnte. Das KFZ-Gewerbe zählt immer noch zu einer der Schlüsselindustrien und wird sich gegen öffentliche Debattenversuche mit gut bezahlter PR bestens gerüstet zur Wehr setzen können. Bei den Journalisten soll es nach wie vor nicht wenige geben, die bereit sind auf die andere Seite zu gehen, um für besseres Geld gute Arbeit im Sinne der vermeintlich Bedrängten zu leisten.

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Ehemaliger Nutzer 08.11.2010 | 19:54

@ B.V.

>>>Sollte das Auto nicht mehr die Mobilität bieten, die es bisher bot, wird nur eine Erfindung als Nachfolgetechnologie die Chance haben sich durchzusetzen, die dieses, im vollen Umfang und mehr, bietet

Da hätte ich folgende Vorschläge:
- Reduzierung der gesundheitsschädigenden Zwangshaltung: sitzend, Arme nach vorn, Kopf starr nach vorn
- Reduzierung der enormen Anspannung in dichtem Verkehr
- Reduzierung des Stress', den durchgeknallte Raser und Drängler verursachen
- Reduzierung der sozialen Isolierung durch einsame Fahrten; mehr Möglichkeiten für Spiele, Bildung, Gespräch
- Abschaffung der Lebensgefahr durch auf 5...20m auffahrende 40 Tonnen schwere LKW in Baustellenabschnitten;
- gegenseitige Beeinflussung der Fahrzeuge; ich stelle den Sicherheitsabstand ein, den die anderen mir gegenüber einzuhalten haben
- Reduzierung der Lebensgefahr durch mit abgestellter Beleuchtung nachts in Parkplatzeinfahrten stehende LKW
- Sichtfreiheit durch Abschaffung abgedunkelter Scheiben und Einführung standardisierter PKW-Höhen (Verbot von SUV)
- Angleichung der Massen von PKW, um Unfallfolgen zu minimieren
- Lärmreduzierung, insbesondere bei Motorrädern

Das würde ich mir unter mehr Mobilität vorstellen. Ist es auch das, was Sie meinen? Mir fällt ein, dass manche dieser Anforderungen schon jetzt durch Verkehrsmittel umgesetzt werden, z.B. in der Bahn.

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Ehemaliger Nutzer 08.11.2010 | 20:28

@ Michael Jäger

>>>Es müßte überhaupt erst einmal eine Situation geschaffen werden, in der das, was die Leute für sinnvoll halten (aus welchen Gründen auch immer und egal, ob Sie oder ich genauso denken wie die Leute oder nicht), dann auch tatsächlich durch- und umgesetzt wird

Meinen Sie damit Entscheidungen auf der Grundlage von Mehrheiten? Oder sollen Entscheidungen so gefällt werden, dass diejenigen, die anders leben wollen respektiert werden.

Eine Mehrheit ist für den Besitz eines eigenen Autos, aber ich muss die Infrastruktur mitbezahlen und werde durch die Macht des Faktischen gezwungen auch so zu leben.

Nur eine Minderheit ist für das lärmende Rasen auf Motorrädern wie einer Ducati Monsta. Aber alle müssen sich das anhören, wenn die Interessen dieser Minderheit geschützt werden sollen.

Damit kommen wir wieder zu diesem Problem: die "Technik" setzt schon Machtverhältnisse, bevor die Demokratie und das Recht überhaupt zu Wort kommen. MAcht nutzt dieses Phänomen ganz gezielt. Kann man sich vorstellen, dass Technik erst dann eingeführt werden, wenn Demokratie und Recht auf der Höhe der technischen Anforderung sind?

webpoet 08.11.2010 | 20:31

In einer Stadt wie Münster ist das Auto sicherlich nicht mehr so wichtig, denn Bus und Fahrrad sind hier gut vertreten.
Doch wer im Umland wohnt und in Nachbargemeinden fahren will bekommt dicke Probleme. Beispiel: Steinfurt nach Metelen oder Steinfurt nach Schöppingen oder umgekehrt. Man sollte es mit Bus und Bahn besser nicht probieren. Also für die Landbevölkerung ist und Bleibt das Auto wohl noch lange ein muss!

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Ehemaliger Nutzer 08.11.2010 | 20:44

@ webpoet

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Besitzer entlegender Einödhöfe fahren mit einem Leichtfahrzeug an Knotenpunkte, hier kommen alle 10 min kleine Busse und fahren zu übergeordneten Knotenpunkten mit größeren Bussen usw. Je größer die Entfernung, desto größer und schneller das Verkehrsmittel. Je geringer die Entfernung, desto höher die Taktfrequenz. Ab einer bestimmten Taktfrequenz lohnt die Schiene. Dazu Transportmodule für die persönlichen Güter, die an jedes dieser Verkehrsmittel angekoppelt werden können.

Wenn deutsche Ingenieurkunst, sich nicht mehr mit dem schmatzenden Türfallgeräusch von BMW Vordertüren befasst, sondern mit Mobilität, dann werden erstaunliche und schöne Lösungen entstehen. Wenn die gigantischen volkswirtschaftlichen Investitionen in den den Individualverkehr in den ÖPNV gehen, dann sehr ich für so etwas überhaupt keine Probleme.

Allein es fehlt der politische Willen und die politische Akzeptanz einer ideologisch, kulturell und materiell an das Auto gebundenen Mehrheit der Bevölkerung.

claudia 08.11.2010 | 22:31

Das Automobil als Massenverkehrsmittel setzt eine strenggläubig islamische Gesellschaft voraus. Denn anders kann der Unfallfaktor Alkohol nicht von der Strasse fern gehalten werden.
Ich fordere Koranunterricht als Pflichfach an allen Fahrschulen. Grundlage für diese Forderung ist GG Art. 2:
"Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit."

gweberbv 08.11.2010 | 22:40

@Rapanui

Du brauchst hier wirklich nicht auf die "Besitzer entlegender Einödhöfe" zurückzugreifen, um auf dem Land den ÖPNV an der Leistungsgrenze zu sehen. Dafür reicht es völlig, sich mal in ein beliebiges Kaff im Sauerland mit 100 Seelen zu stellen und auf den Bus zu warten. Ein Bus, der einen dann natürlich zum nächsten "Knotenpunkt" fährt, wo man dann einen Bus nimmt, der eventuell grob in die Richtung fährt, wo man eigentlich hin will. Und nach fünfmal umsteigen und einem halben Tag ist man dann vielleicht am 30 km entfernten Ziel. In vielen anderen ländlichen Regionen ist es ähnlich.

Massentransportmittel sind schlichtweg nicht tauglich in Regionen, wo es a) keine Massen und b) keine ausgezeichneten Verkehrs-"Knotenpunkte" gibt. Dort verkehren nur Individuen - und dafür gibt es den Individualverkehr. Ohne die Möglichkeiten eines der eigenen Willkür unterworfenen Transportmittels würden dort noch mehr Menschen abwandern als ohnehin schon der Fall ist.

gweberbv 08.11.2010 | 22:56

@Rapanui

Es gibt in der jährlich BRD ca. 5000 Unfalltote im Straßenverkehr. Diese Zahl sinkt seit Anbeginn der Aufzeichnungen bei gleichzeitig starkem Anstieg der gefahrenen Kilometer.

Das reicht bei weitem nicht, um eine der größten Umbrüche der Technik- und Wirtschaftsgeschichte (=Weg vom Auto) einzuleiten.

Das Auto ist dann am Ende, wenn der Treibstoff nicht mehr zu bezahlen ist. Und das wird kein schönes Ende werden.

claudia 08.11.2010 | 23:03

Gegenden mit geringer Besiedelungsdichte werden sich den Kosten und Unbequemlichkeiten einer eigenen Fahrmaschine wohl unterwerfen müssen.
Das ist aber nicht sehr wesentlich für Umwelt- und Ressourcenschonung.
Wenn alle, auch die kleinen Städte und grossen Dörfer mit einem Schienennetz verbunden werden und dichte, gut benützbare Taktzeiten eingeführt werden, dann wird der Chemierohstoff Erdöl ein paat 100 Jahre länger reichen...

---
Dass ein Zurücklenken des Verkehrs auf die Schiene auch im ländlichen Raum möglich ist, wurde im Grossraum Karlsruhe bewiesen. Die elektrischen* Bahnen, die Orte im Nordschwarzwald ohne Umsteigen mit dem Karlsruher Strassenbahnnetz verbinden, werden gut angenommen.
Es kommt eben auf das Angebot an, und da lässt sich sehr viel mehr machen als heute getan wird...

---
*elektrische Bahnen sind energieeffizient: Nicht nur wegen der geringen Reibungsverluste des Systems Metallrad/Metallschiene, sondern auch, weil sie Überschussenergie beim Bremsen in das Netz zurückgeben.

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Ehemaliger Nutzer 08.11.2010 | 23:21

@ Rapanui:

Dein Nickname weißt auf den Fehler der Menschen hin. Erst kaputtmachen und zerstören und sich dann wundern warum nix mehr funktioniert.

Du hast meine volle Zustimmung. Brainpower und Milliarden an Steuergeldern, werden für den Wahnwitz der vierrädrigen Egomanenschleuder ausgegeben.
Ganze Fachbereiche technischer Hochschulen und Fachhochschulen (Bsp. TU Wien und TU Berlin) beschäftigen sich mit Antriebssystemen im Pkw-Bereich.

Enge Kooperationen der Industrie mit den Ingenieuren liefern denen günstiges Knowhow zur maximalen renditären Ausschlachtung. Die Studentenköpfe fehlen in der Entwicklung alternativer Motoren in flexibilisierten öffentlichen Verkehrsmitteln.

Und das Scheinargument "Wir auf dem Land haben aber nunmal diese Situation, deswegen kann man das nicht ändern." ist ja wohl mal mehr als engstirnig, über Alternativen wurde in diesen Gemeinden doch gar nicht wirklich nachgedacht.
Das Gros der Menschen arbeitet in den Städten, dort werden die meisten Autos gefahren. Kulmination findet das Ganze in den SUVs, wo eine Person drin sitzt.

Das Problem ist einfach, dass die Deutsche Bahn massiv Gewinne gehortet hat, dieses Geld wurde in der Infrastruktur, Wartung usw. eingespart. Ganze Regional-Expresslinien wurden eingestampft, nur weil der Hartmut seinen DB-Quanzarsch an die Börse bewegen und den begierig wartenden Großaktionären eine dicke Eigenkapitaldecke präsentieren wollte.

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sozenschiss 08.11.2010 | 23:35

@Joachim Petrick
„Der autofahrende Bundesbürger lässt sich diese umweltschädigende Mobilität auch gern was kosten: Rund 270 Euro im Monat gehen für die Karre drauf, das ist sogar mehr als für Bildung, Freizeit und Kultur, und fast genau so viel wie für den Betrieb des eigenen Körpers mit Nahrung. In einem Autohalterleben belaufen sich die Gesamtkosten damit auf 300.000 Euro.“ (zint)
Wie wäre es da, aus diesem Kosten- Aufkommen für das private Halten von Automobilen eine Einkommenssäule pro Bürger/in als Bedingtes Grundeinkommen zu etablieren.
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Wieder mal sozialistisches Ganzheitsdenken, kleiner als im Bierdeckelradius!

Ohne Autos wären Gedanken an ein BGE völlig irrelevant!
Denn ohne Autos wären die Volkswirtschaften dermaßen abgebrannt, dass es nur noch um die nackte Existenz ginge.
Hungersnöte würden in der Welt grassieren.
Da ist es auch kein Trost, dass die Sozialisten zuerst verhungern würden! ;-)

Mein Gott, mir kommt das kalte Grauen, wenn ich daran denke, dass Kommunisten/Sozen mal etwas zu sagen bekämen.

Gut, dass über 90% der Bevölkerung nicht so dusselg sind!

claudia 08.11.2010 | 23:38

>>Das Auto ist dann am Ende, wenn der Treibstoff nicht mehr zu bezahlen ist. Und das wird kein schönes Ende werden.
Das wird erreicht, noch bevor jeder Chinese ein Auto hat. Die chinesische Regierung ist da auch drauf gekommen: Wenn das Ziel erreicht ist, stehen die nur noch rum, weil der Treibstoff unbezahlbar sein wird.
Drum setzen sie jetzt auf den Elektroantrieb für Automobile. Es sind 20 - 30 neue Kernkraftwerke geplant.
Dann wird es natürlich ein paar heftige Kriege ums Uran geben. Ein paar Atombomben sind ja noch, damit das richtig fetzt...

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sozenschiss 08.11.2010 | 23:41

@gweberbv
Das Auto ist dann am Ende, wenn der Treibstoff nicht mehr zu bezahlen ist. Und das wird kein schönes Ende werden.
----------------------------------------------------------------------------
Keine Sorge!
Es wird immer Treibstoff und Autos geben!
Dafür sorgen Ingenieure im Auftrag der Wirtschaft.

Ein unschönes Ende wäre nur zu befürchten, wenn b*scheurte Sozen/Kommunisten die Oberhand gewännen!

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sozenschiss 08.11.2010 | 23:41

@gweberbv
Das Auto ist dann am Ende, wenn der Treibstoff nicht mehr zu bezahlen ist. Und das wird kein schönes Ende werden.
----------------------------------------------------------------------------
Keine Sorge!
Es wird immer Treibstoff und Autos geben!
Dafür sorgen Ingenieure im Auftrag der Wirtschaft.

Ein unschönes Ende wäre nur zu befürchten, wenn b*scheurete Sozen/Kommunisten die Oberhand gewännen!

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sozenschiss 08.11.2010 | 23:41

@gweberbv
Das Auto ist dann am Ende, wenn der Treibstoff nicht mehr zu bezahlen ist. Und das wird kein schönes Ende werden.
----------------------------------------------------------------------------
Keine Sorge!
Es wird immer Treibstoff und Autos geben!
Dafür sorgen Ingenieure im Auftrag der Wirtschaft.

Ein unschönes Ende wäre nur zu befürchten, wenn b*scheuerte Sozen/Kommunisten die Oberhand gewännen!

gweberbv 09.11.2010 | 01:16

"Wenn alle, auch die kleinen Städte und grossen Dörfer mit einem Schienennetz verbunden werden und dichte, gut benützbare Taktzeiten eingeführt werden, dann wird der Chemierohstoff Erdöl ein paat 100 Jahre länger reichen..."

Je dichter das Netz, je enger die Taktung desto ressourcenfressender wird auch der Betrieb. Ein ÖPNV-Netz, dass das dem Auto auf einem Großteil der möglichen Strecken an Schnelligkeit und Flexibilität nicht deutlich unterlegen sein soll, spielt sich entweder nur im Innenbereich der Metropolregionen ab oder produziert analog zum Auto selbst jede Menge "Fast-Leer"-Fahrten.

"Es kommt eben auf das Angebot an, und da lässt sich sehr viel mehr machen als heute getan wird..."

Unbestritten. Das (eigene) Auto macht halt sehr oft das beste Angebot. Ein optimiertes ÖPNV-Netz könnte da sicherlich ein paar Prozent abknapsen, aber das war es dann auch.

Selbst in Berlin gibt es ja jede Menge Privatwagen und da ist - von den jüngsten Problemen einmal abgesehen - der ÖPNV wirklich flächendeckend und super getaktet. Wenn das schon nicht reicht...

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2010 | 07:17

@ gweberbv

>>>Einödhöfe versus >>>Berlin

Stellen Sie sich folgendes vor: Es gibt in den äußeren Parametern standardisierte Transportkabinen, die Sie auch Auto nennen können. Diese sind auf kurzen Entfernungen in der Lage sich energie- und platzsparend fortzubewegen.

An den Knotenpunkten werden diese Transportkabinen mit anderen Transportkabinen gekoppelt und bewegen sich als kleines komplexes Transportmittel zum nächsten Knotenpunkt. Die Antriebe werden gekoppelt, man öffnet ein Fenster in seiner Kabine, wenn man mit dem Nachbarn schwätzen will oder man lässt es zu, wenn man noch schlafen will.

Ab einem ökonomisch rentablen Knotenpunkt verlässt man die Transportkabinen, nimmt seinen kleinen Transportbehälter für die eigenen Sachen und steigt in einen Zug. Wer es sich leisten kann und will, kann auch hier seine Transportkabine mit ins Ballungszentrum nehmen, allerdings an den Zug gekoppelt. Vom Ballungszentrum aus, könnte man sich so zu einem anderen Einödhof bewegen. Sich die technischen Details dieses Systems auszudenken, haben wir gut ausgebildete Diplomingenieure. Der Fantasie wären keine Grenzen gesetzt.

Der immer wieder instrumentalisierte Gegensatz zwischen ÖPNV und Auto würde sich so auflösen, weil ein Auto ein hybrides Fahrzeug wäre, individuell, wenn mental und ökonomisch sinnvoll, kollektiv, wenn mental und ökonomisch sinnvoll.

Dann sind wir bei dem Thema, was ich weiter oben mit Herrn Jäger schon diskutierte. Jeder Mensch würde in einem äußerlich relativ gleichen, dem technischen Zweck unterworfenen Auto sitzen. Noch lösbar wäre eine innere kreative Gestaltung des Autos durch verschiedene Komfortvarianten. Nicht mehr darstellbar wären weitergehende einseitige Repräsentations- oder Sicherheitsbedürfnisse.

Mein Vorschlag wäre dann, die Funktion des Autos als Kleidungsmittel auf die am Körper zu tragende Kleidung zu verlagern. Dies geschieht ja schon jetzt, das iPhone sehe ich auch als Kleidung und Transportmittel - Kleidung, weil es auch zur Selbstinszenierung benutzt wird und Transportmittel, weil es Informationen zum Transport bereitstellt.

An zwei Beispielen habe ich gezeigt, wie mit einem Auflösen starrer Denkmuster und Gegensätze: 1. individuelles Auto vs. kollektives Auto 2. Kleidungsmittel aus Blech vs. Kleidungsmittel aus Textil und Elektronik neue Produkte und Lebensformen entstehen können.

Der tobende und trollende "Sozenschreck" erscheint dann als der in eine blecherne Zelle, die er als Auto bezeichnet, eingesperrte Wahnsinnige, der nicht aus seiner Zeitschleife herauskommt. Er sagt, so glaube ich das verstanden zu haben: "Konservativ" dazu. Da hat er rechts.

claudia 09.11.2010 | 08:47

@gweberbv
Zu Fast-Leer-Fahrten:
Wenn ich auf Fussgängergrün warte, kann ich gut beobachten, wie auf der Strasse zu allen Tageszeiten mit einem Aufwand von ca. 70 KW Motorleistung/Person gefahren wird. Das entspricht der Besetzung eines 8-achsigen Stadtbahntriebwagens mit ca. 8 Personen. Beim Stadtbahnsystem ist diese geringe Auslastung ausserhalb der Hauptverkehrszeiten in den ländlichen Aussenbezirken möglich, beim PKW ist die geringe Energienutzung aber der Tagesdurchschnitt.

---
>>Das (eigene) Auto macht halt sehr oft das beste Angebot.
Ich staune immer wieder, wie leicht Leute die hohen Kosten für Kaufpreis/Wartung/Versicherung/Treibstoff wegstecken und die Zeit opfern, die man im fahrergesteuerten Fahrzeug für sich hat. Und den Stress der "rush-hour" auf sich nehmen.
Es werden sogar immer wieder (Rest-)Alkoholfahrten riskiert, obwohl jede/r weiss, wie das enden kann.
Rational ist das nicht erklärbar.

Einzig, wenn der Benzinpreis steigt, furcht sich mal die Stirn des Automobilisten, aber nachdem er ein bisserl über die Ölkonzerne abgelästert hat, fügt er sich wieder.

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2010 | 09:02

@ claudia

Allerdings würde ein massenhafter Wechsel von Autofahrern in Kollektive Transportmittel zum Kollaps führen, weil die Kollektiven Transportmittel nicht die Kapazität hätten.

Hinter der Sicherstellung des Individualverkehrs stecken gigantische volkswirtschaftliche Investitionen, die man realistischerweise nicht einfach abschreiben kann. Die Kunst in der Gegenwart würde darin bestehen, die bestehende Infrastruktur anders zu nutzen und spätere Ersatzinvestitionen genau zu bedenken.

Also: Eine 6 spurige Autobahn dann auf einer Richtungsfahrbahn zu renaturieren oder für den Ausbau der Bahn zu nutzen.

Oder: Ausbau des Radwegenetzes, Reduzierung von Flächen für den stehenden Verkehr, Busse das alles geht ohne große Investitionen.

Straßenbahnen wären dann der mittlere Bereich

U-Bahnen, Fernbahnen der langfristige Bereich.

Bedenken muss man, dass nicht nur Menschen, sondern auch Güter transportiert werden müssen. Auch hier sind Ideen gefragt.

claudia 09.11.2010 | 10:58

@rapanui
>>Die Kunst in der Gegenwart würde darin bestehen, die bestehende Infrastruktur anders zu nutzen und spätere Ersatzinvestitionen genau zu bedenken.
Ja klar. Ich sage ja nicht, dass morgen, den 10.11.2010 alle Automobilisten die öffentlichen Verkehrsmittel stürmen sollen :-)

Es ist aber sinnvoll, jetzt zu beginnen und das Machbare nicht länger zu verschleppen.
Wenn das derzeitige System erst mal zusammenbricht, weil niemand mehr den Brennstoff bezahlen kann (auch für Gütertransport), dann wird hektisch irgend eine sub-suboptimale Notlösung zusammen gestrickt.
Zumal dann auch ölbeheizte Wohnungen kalt blieben und Erdöl weitgehend als Chemierohstoff ausfiele...
Zur Zeit wird sehr viel beschwichtigt: Man werde schon "irgendwelche Lösungen finden", wenn das Problem akut ist.
Die Notlösungen sind bekannt: Immer grössere Landwirtschaftsflächen für Biospritplantagen resevieren oder 20 neue Kernkraftwerke für die Akkuladung der Elektro-PKW.
Für die Entsorgung der Kernkraftabfälle wird man schon irgend eine Lösung finden, wie wir alle wissen.

---
Im Übrigen kann man ja auch darüber nachdenken, ob es wirklich die höchste aller erreichbaren Lebenqualitäten ist, sich per Produktwerbung aus technischen Hilfsmitteln eine "Identität" basteln zu lassen.
Ich kann mir ja auch einen Löffel und eine Gabel ins Knopfloch stecken, um zu zeigen, dass ich noch was zu futtern habe und die technischen Hilfsmittel zur Nahrungsaufnahme besitze...
Damit stehe ich dann schon eine Stufe über Hungerleidern und kann mir was drauf einbilden.

gweberbv 09.11.2010 | 15:08

@Rapanui

Das von dir angedachte System hat einige ernsthafte Hürden, die du nicht einfach an irgendwelche Ingenieure delegieren kannst.

Das fängt schon damit an, dass so eine Transportkabine in der Perlenkette plötzlich umdrehen könnte, weil ihr Insasse seinen Aktenkoffer zuhause hat liegen lassen. Oder es muss mal jemand "für kleine Jungs". Oder da will einer noch schnell zu Aldi, etc.

Damit so ein Verbund Sinn macht, müsste er ja eine längere Strecke beisammen bleiben. Ansonsten frißt das immer wieder neue rangieren zuviel Zeit und Energie. Aber WENN ich z. B. von Frankfurt nach Hamburg kommen will und Zeit Lust habe, um mich irgendwo mit Gleichgesinnten zusammenzuschalten und die Strecke dann durchzufahren, DANN kann ich auch die Bahn nehmen und vor Ort nen Mietwagen.

Dafür braucht es dann keine Transportkabinen, die auf zwei völlig unterschiedliche Fortbewegungskonzepte optimiert sein müssen.

Michael Jäger 09.11.2010 | 17:53

@ Rapanui

Ich will zunächst sagen, daß das eben m.E. die zu untersuchenden Fragen wären; es gibt genug sozialwisenschaftliche Intelligenz, die sich hier sinnvoll betätigen könnte. Ich selbst jedenfalls will es tun, in meinem Blog. Warum sollten solche Fragen nicht lösbar sein?

Eine nähere Untersuchung vorbehalten, würde ich sagen, daß bei allen Schlüsselgütern, die es zulassen, auch "diejenigen die anders leben wollen respektiert werden" müssen. Gerade im Verhältnis Auto : ÖPNV wäre das der Fall. Es sollen so viele Autos verkauft werden wie die Leute kaufen wollen, vorausgesetzt nur, daß die Grenzen des Umweltraums der ensprechenden Automarkt-Region nicht überschritten werden. Diese Grenzen müssen natürlich vorher festgelegt und akzeptiert sein. Aber nehmen wir selbst an, daß das noch nicht hat geschehen können. Nehmen wir an, es ist wie oben im Text konstatiert: faktisch vorhandene Proportion Auto : Fahrrad : ÖPNV :: 50 : 25 : 25, dagegen im fortschrittlichen Wahlprogramm vorgeschlagene Proportion 10 : 50 : 30. Nun gibt es zwei Möglichkeiten.

Entweder es gibt nur zwei oder drei Wahlprogramme / vorgeschlagene Proportionen, und die mit Mehrheit gewählte gilt. In jedem von ihnen wäre auch die Minderheit vorgesehen, freilich nicht von ihrem eigenen Standpunkt, sondern von dem der Programmacher.

Oder diese Programme sind mehr dazu da, eine je mögliche Kompossibilität der volkswirtschaftlichen Güter und Zusammenhänge dazustellen und zu begründen, jeder Wähler jedoch stimmt nur darüber ab, welche Proportion er für sich selbst will.

Mir erscheint im Moment nur die zweite Variante sinnvoll, auch durchführbar. Im Endergebnis der Wahl wüßte man, wie viele Autofahrten ca. gewählt worden wären, auch wie groß die Bereitschaft wäre, an Carsharing teilzunehmen. Dem folgend müßte dann produziert werden.

Viele Fragen bleiben da offen, wie gesagt, es ist nur ein Ansatz. Der Witz der Sache ist jedenfalls, erstens, auf solcher Basis könnte über den Sinn der Güter, ja eines Güter-Zusammenhangs sinnvoll öffentlich debattiert werden. Wenn uns das Wahlergebnis nicht gefällt, müssen wir dann eben weiter für unsere Sache werben; anders als demokratisch kann es nicht gehen! Zweitens aber: Das Ergebnis hätte u n b e d i n g t e G e l t u n g . Es wäre voll demokratisch zustande gekommen, wenn also dem Konzernherrn, der dagegen verstoßen will, die Polizei ins Haus kommt, kann der nicht schreien, das sei Stalinismus.

Die Sache mit der Infrastruktur kann man wahrscheinlich auch so regeln, daß nicht mehr für sie ausgegeben wird als dem Steueranteil der Nutzer, d.h. ihres Wähleranteils entspricht. Überhaupt müßte ja bei einer solchen Wahl eine Gewichtung der Stimmen nach individuellem Steuerbeitrag stattfinden, da sie dazu diente, die Nachfrage zu eruieren; es würde sich so gesehen um eine "Zensuswahl" handeln.

Die Technik wird der Wahl immer vorauseilen und das ist auch gut so. Aber alles, was sich einmal gezeigt hat, kann wieder zurückgenommen werden. Ich denke, das ist auch sonst im Leben die Art und Weise, in der man frei wählt.

@ Achtermann

Die vorstehenden Überlegungen setzen eine Art "Revolution" voraus. Eine, auf deren Sieg man bereits aufbauen kann. Davon ist unsere Situation heute zu trennen. Sie haben recht, was heutige sog. öffentliche Debatten angeht, aber ich sage ja gerade, man muß dafür kämpfen, daß unsere Ideen dort trotzdem hineinkommen. Das geschieht ja auch auf vielfältigste Weise, man kann gar nichts anderes tun. Im Moment ist die Auto-PR ungerechtfertigt stark, in dem oben beschriebenen Wahlsystem wäre sie es nicht mehr, da würde auch das demokratisch geregelt werden. Aber man kann trotzdem jetzt schon eine fortschrittliche PR gegen sie setzen, was, wie gesagt, auch schon geschieht (zum Beispiel hier an diesem Ort) – es wäre aber eben gut, wenn dabei nicht nur eine andere Proportion der Güter gefordert und propagiert würde, sondern auch, daß über die Güterproportion demokratisch abgestimmt werden soll.

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2010 | 18:36

@ gweberbv

Die Idee habe ich heute morgen mal so "aus der Hüfte argumentierend" formuliert. Wenn die geballte Intelligenz deutscher Ingenieurskunst sich mit solchen Fragen beschäftigt, würden Ideen noch ganz anderer Art entstehen. Ich möchte jetzt also nicht irgendeine schnelle Idee verteidigen, sondern einfach darauf verweisen, dass die jetzige Situation nicht für alle Zeiten gelten kann.

Zu Ihren praktischen Fragen:
>>>Das fängt schon damit an, dass so eine Transportkabine in der Perlenkette plötzlich umdrehen könnte, weil ihr Insasse seinen Aktenkoffer zuhause hat liegen lassen. Oder es muss mal jemand "für kleine Jungs".

Wenn Sie in der Stadt im Auto, Im Bus, in der U-Bahn sitzend "mal für kleine Jungs müssen" finden Sie auch eine Lösung,... Details erspare ich mir. Dito die Geschichte mit dem Aktenkoffer. Merken Sie das mit dem Aktenkoffer nach 0,5 Stunden Fahrt müssen Sie doch auch jetzt eine Entscheidung treffen, ob der Aufwand des Zurückfahrens lohnt. Im "Treck" melden Sie einen Halt an, koppeln sich aus und fahren zurück.

>>>Aber WENN ich z. B. von Frankfurt nach Hamburg kommen will und Zeit Lust habe, um mich irgendwo mit Gleichgesinnten zusammenzuschalten und die Strecke dann durchzufahren, DANN kann ich auch die Bahn nehmen und vor Ort nen Mietwagen.

Genau das schrieb ich schon oben, ein Zug ist ein Zug ist eine Bahn.

"Ab einem ökonomisch rentablen Knotenpunkt verlässt man die Transportkabinen, nimmt seinen kleinen Transportbehälter für die eigenen Sachen und steigt in einen Zug."

Immerhin Sie setzen schon auf Leihwagen und Bahn, da sind wir doch einer Meinung. Es geht voran.

>>>Dafür braucht es dann keine Transportkabinen, die auf zwei völlig unterschiedliche Fortbewegungskonzepte optimiert sein müssen.

Dann eben etwas anderes, Hauptsache keine Blechkopfsprüche auf ADAC-Niveau oder Auto-Bild.

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2010 | 21:19

@ Michael Jäger

Dank für Ihre Überlegungen.

Am ergiebigsten scheint mir dieser Ansatz
>>>Die Sache mit der Infrastruktur kann man wahrscheinlich auch so regeln, daß nicht mehr für sie ausgegeben wird als dem Steueranteil der Nutzer, d.h. ihres Wähleranteils entspricht

In der politischen Praxis wird das zu einem zähen Ringen führen, aber anders wird es nicht gehen. 1. Um die Punkte für einzelne Elemente der jeweiligen Verkehrsinfrastruktur; Wieviel ist ein Radweg wert, wieviel dagegen Parkplätze für Autos; wie bewertet man ein Tempo 30 Limit, wie längere Grünphasen für Fußgänger usw. 2. in der Diskussion wenn sich laut Stimmenverteilung Punktverschiebungen ergeben würden; Umwandlung einer Richtungsfahrbahn in einen Fahrradweg, Bau einer Straßenbahn,...3. Problematisch ist, dass wir die Spielregeln festlegen, nachdem das Spiel schon läuft; das Auto ist privilegiert und müsste erst einmal lange Zeit nur Reduzierung hinnehmen.

Im Rating einzelner Komponenten der Verkehrssysteme und in deren Evaluierung würde dann die eigentliche Arbeit für die Vorbereitung von Wahlen liegen. Die Kunst der politischen Arbeit bestünde dann darin, dieses fachliche Denken anschaulich darzustellen und für seine Position zu werben.

Ich hatte unten ein Denken in hybriden Lösungen vorgeschlagen, ein Auto das noch eines ist, aber auch schon ein Zug. Das ist politisch nicht so konfrontativ.

Unklar bleibt mir, wie die Ressourcen für die PR umverteilt werden sollen. Ohne diese Umverteilung, hat das Auto in der öffentlichen Wahrnehmung einen riesigen Vorsprung, der kaum eingeholt werden kann. Da nützt unser Treiben hier nur sehr wenig.

claudia 10.11.2010 | 12:24

@rapanui
>>Sich die technischen Details dieses Systems auszudenken, haben wir gut ausgebildete Diplomingenieure. Der Fantasie wären keine Grenzen gesetzt.
Ich möchte mal kurz etwas zu "Grenzen der Kreativität" sagen.
Ein Ingenieur ist in der Regel jemand, der nach seiner Ausbildung einen Käufer für seine Arbeitskraft sucht.
Automobilkonzerne kaufen ziemlich viel Ingenieursarbeitskraft ein. (Damit befindet sich der Ing. in einer ökonomischen Lage, die wir als "lohnabhängig" bezeichnen.)
Jetzt stellen wir uns vor, ein Ingenieur sagt: "Ich habe eine Idee, wie man den Energieaufwand pro Personenkilometer drastisch senken kann. Die Mobilit#t der Menschen würde damit vergleichbar mit der heutigen bleiben, hätte aber den Vorteil, das die Fahrzeit zum Lesen oder irgendwelche Tätigkreiten mit dem Laptop oder für ein Nickerchen genutzt werden könnte. Einige Kollegen würden mitmachen."
Dazu wage ich eine Prognose, denn ich war lange selber angestellt:
Das Konzernmanement würde sagen: "zur Zeit ist der Verkauf von Atuomobilen sehr profitabel. Iher Aufgabe ist, mit kleinen Innovationchen am Automobil der Konnkurrenz ein paar Kunden abzujagen.
Wir sehen keinen Grund, viel Geld in die Entwicklung von alternativen Verkehrs- und Transportsystemen zu stecken, solange unser Geschäft gut läuft."
Der Käufer der Arbeitskraft bestimmt darüber, wie sei einzusetzen ist. Ich lange Zeit selber angestellt, bei verschiedenen Firmen, und weiss das aus Erfahrung.

Mitte der 80er Jahre lief mir mal der "Zukunftsforscher" Robert Jungk über den Weg. Er erzälhlte u. a. von Gesprächen mit Vorständen von Automobilkonzernen. Man sei der Ansicht, dass das Automobil seine Zukunft hinter sich habe wolle von der "Kompetenz fürs Automobil" weg zu Kompetenz für Verkehrstechnik wechseln. Hätte es damals starke politische Impulse gegeben (vom Volk ausgehend), die das bekräftigen, dann wäre wahrscheinlich Einiges in technische Fortschritte der Mobilität investiert worden. Es kam anders: Die immer noch laufende Werbung überzeugte viele Menschen, nicht über Umwelt- und Energieprobleme nachzudenken. Steigender Energieaufwand pro PKW-Personenkilometer war ein "Verkaufsargument", auf das Viele ansprangen, China wurde als neuer Markt entdeckt. Aus die Maus: Warum noch in technische Innovationen investieren, wenn das Geschäft so toll brummt?

Da stossen wir an die Grenzen eines veralteten Wirtschaftssystems, das längst kein "Motor des technischen Fortschrittes" mehr ist, sondern sich immer mehr zum Bremklotz wandelt.
Man hätte ja schon Vieles tun können ohne den Bremsklotz.

B.V. 10.11.2010 | 14:30

Nein ich meine das:

-Reduzierung der enormen Anspannung in dichtem Verkehr durch bequemere Autos
- Reduzierung des Stress', den durchgeknallte Raser und Drängler auf Fahrrädern verursachen
- Genießen der individuellen Freiheit durch angenehme einsame Fahrten ohne nervende Nebenpersonen.
-Reduzierung der Lebensgefahr durch Radfahrer ohne Beleuchtung.
-Führerscheinpflicht für Radfahrer... :-)))

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Ehemaliger Nutzer 10.11.2010 | 16:46

@ Claudia

Die systematischen Hemmnisse für die "Diplomingenieure" durch Anstellung, Wettbewerb, Rentabilität, angewöhnten Habitus,... sind mir klar.

Ich argumentiere auf der Ebene "Machbarkeit". Es wird hier von b.v. und Sozenschreck beispielhaft suggeriert, dass das Auto eine "Endstufe" sei, ein "Optimum",.. Ich stelle dar, dass es andere Möglichkeiten gibt das vorhandene technische Wissen der Ingenieure anders einzusetzen und Kreativität zu entwickeln.

gweberbv 10.11.2010 | 19:20

@Rapanui

Das Optimum ist dann erreicht, wenn man sich zu beliebiger Zeit instantan und für 0 € an jeden beliebigen Zielort "beamen" kann. (Jetzt mal "der Weg ist das Ziel"-Aktionen wie Spazierfahrten/-gänge außen vor gelassen.)

Natürlich unerreichbar. Je nach Situation gibt es nun Verkehrsmittel, dieser Wunschvorstellung möglichst nahe zu kommen. Oftmals ist es halt das Auto - oder abstrakter: ein individuell steuerbares, geschlossenes Verkehrsmittel mit einer erreichbaren Reisegeschwindigkeit um die 100 km/h -, welches am besten passt. Insbesondere dann, wenn man nicht extrem sparsam reisen will/muss.

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sozenschiss 10.11.2010 | 19:27

@Rapanui
@ Claudia
@gweberbv
Es wird hier von b.v. und Sozenschreck beispielhaft suggeriert, dass das Auto eine "Endstufe" sei, ein "Optimum",..
-----------------------------------------------------------
@Rapanui, dass habe ich so nicht gesagt!
Vielleicht wird es einmal ganz andere (individuelle) Verkehrsmittel geben.

So wie @gweberbv das schon angedeutet hat.

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sozenschiss 10.11.2010 | 19:44

@claudia
1.
Ein Ingenieur ist in der Regel jemand, der nach seiner Ausbildung einen Käufer für seine Arbeitskraft sucht.
..........................................................
Das gilt doch für alle, die eine Ausbildung abgeschlossen haben! :-)
---------------------------------------------------------------
2.
Wir sehen keinen Grund, viel Geld in die Entwicklung von alternativen Verkehrs- und Transportsystemen zu stecken, solange unser Geschäft gut läuft.
............................................................
Einspruch, Euer Ehren!
Dann würde die Firma bald Pleite gehen, weil sie ggfs. den Anschluß zu Wettbewerbern in der Zukunft verliert!
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3.
Ich habe eine Idee, wie man den Energieaufwand pro Personenkilometer drastisch senken kann. Die Mobilit#t der Menschen würde damit vergleichbar mit der heutigen bleiben, hätte aber den Vorteil, das die Fahrzeit zum Lesen oder irgendwelche Tätigkreiten mit dem Laptop oder für ein Nickerchen genutzt werden könnte.
......................................................................
Gibt es ja schon heute prinzipiell.
Allerdings häufig zu Lasten der Individualität.
Da liegt der große Nachteil z. B. von Bussen und Bahnen!
Das mit dem Nickerchen und dem Laptop nutze ich gelegentlich auch gerne aus.
Deshalb bekomme ich dann eine DB-Jahreskarte vom Arbeitgeber.
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4.
Aus die Maus: Warum noch in technische Innovationen investieren, wenn das Geschäft so toll brummt?
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Stimmt so nicht! Ich kenne keinen Autobauer, der da pennt!
"Meine" Fa. macht z.B. alles, um innovativ zu sein.
Der Aufwand geht in die mrd.€ Höhe!
Aber, letzlich können wir nur entwickeln und bauen, was der Markt wünscht.
Sonst gehen wir Pleite.
Versäumen dürfen wir auch nichts!
Sonst gehen wir auch Pleite!

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Ehemaliger Nutzer 11.11.2010 | 08:43

@ Sozenschreck

Ich habe mir Ihre Beiträge hier im Thread noch einmal durchgelesen, was aufgrund Ihrer vielen pauschalen Beschimpfungen (z.B. wenn bescheuerte Sozen/Kommunisten) keine leichte Aufgabe ist, und präzisiere meine Aussage >>>Es wird hier von b.v. und Sozenschreck beispielhaft suggeriert, dass das Auto eine "Endstufe" sei, ein "Optimum",.. etwas.

Auf der Ebene des Prinzips "individuelles Auto" sind Sie tatsächlich bereit, sich Verbesserungen vorzustellen. Sie kommen aber nicht über das Denken in dieser Form "individuelles Auto" hinaus. Die enormen technischen Verbesserungen, die an Autos erreicht worden sind, auch im Hinblick auf die Umweltbelastung, werden durch andere Komponenten im Auto selbst (geringere spezifischer Benzinverbrauch/ höhere Leistung) und natürlich durch das gesamte expandierende System "Indivdualverkehr" (steigende Anzahl, Flächenverbrauch, Lärmbelästigung) überkompensiert. Das ist der Ansatzpunkt des Artikels von Herrn Jäger und der ihm hier zustimmenden "Fraktion".

Es geht also nicht prinzipiell gegen das "individuelle Auto", sondern gegen das zum ideologischen, dogmatischen Prinzip erhobene "individuelle Auto". Dieses Dogma wird politisch durchgesetzt, nicht weil es besonders gut wäre, sondern weil es bequem (im Denken und auch in der Nutzung) ist, und außerdem genau zu kennzeichnende Machtverhältnisse (Wähler + Besitz) stabilisiert.

In diesem Sinne verstehen Sie Auto schon als eine "Endstufe" und ein "Optimum".

claudia 11.11.2010 | 09:34

@Rapanui:
Gedanken wurden ja immer wieder mal geäussert. Es fehlt an der Kapazität für konkrete Projekte.
Wenn ich erinnere, was in den vergangenen Jahrzehnten schon alles gedacht wurde: "Man könnte, sollte, müsste, wenn nur die da oben nicht so stur, so dumm, so korrupt wären"...

Wir kommen an der Systemfrage nicht vorbei, ob in Fragen der Umwelt, der Rohstoffressourcen, der Gesundheit, der Bildung...
Wenn überall wieder an die gleiche Grenze stösst, dann ist es eben genau diese und keine ander Grenze, die eine effiziente Bearbeitung unserer Malheurs verhindert.

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Zurück zur Vekehrstechnik: Sogar die Optimierung der vorhanden Rad/Schiene-Infrastruktur ist hier stark gebremst, wenn man das mit der Schweiz vergleicht. Da nützt es nichts, sich im Kämmerlein was auszudenken...

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sozenschiss 11.11.2010 | 09:43

@Rapanui
Sie kommen aber nicht über das Denken in dieser Form "individuelles Auto" hinaus.
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Würde ich so nicht sagen.
In den letzten ca. 40 Jahren habe ich gelernt, dass alles entwickelt und gebaut wird, was die Gesellschaft und somit die Kunden wollen.

Klar sind damit auch Konflikte verbunden, wie die Gesellschaft eben auch nicht konfliktfrei ist.

Die einen wollen schnell und komfortabel sein, die anderen besonders sparsam und umweltfreundlich und wieder andere wollen einen Kompromiss des Vorgenannten usw..
Am besten sind die Bundesminister. Sie predigen sparsam und umweltfreundlich, bestellen aber schnell und komfortabel! ;-)

Was letztlich Dogma wird und politisch durchgesetzt wird, ist so kompliziert, wie die Gesellschaft selber.
Natürlich haben die Autobauer auch eine Lobby und versuchen die Politik zu beeinflussen.
Politiker "kotzen" sich häufig auch zu spät oder nicht klar genug aus und fügen der Volkswirtschaft manchmal damit großen Schaden zu.
Rücksichtnahme auf Arbeitsplätze ist naturgemäß sehr wichtig. Ggfs. Arbeitsplätze kontra Ökologie usw..

Die Autos und die Gesellschaft ändern sich dauernd.
Der Wunsch nach individuellen Verkehrsmittel ist sehr groß und wird wohl auch groß bleiben.

Autobauer würden jedenfalls so ziemlich alles bauen, was die Gesellschaft sich wünscht. Notfalls auch Müllpressen, Flugzeuge oder sonst irgendetwas.
Gewollt dabei ist Wohlstand für die Beschäftigten und der ganzen Gesellschaft.

Die Rezepte für den Wohlstand von Sozialisten passen wenig zu Produkten für den Indivdualverkehr.
Probleme zur steigenden Anzahl von Autos, Flächenverbrauch, Lärmbelästigung usw. müssen technisch und durch sinnvolle Kompromisse gelöst werden. Nicht durch schwachsinnige Anordnungen.

Immer auch bitte daran denken, dass systembedingt für Industriegesellschaften ein zurück ins Moos, wie es sich viele Grüne/Sozen) wünschen, nicht mehr funktioniert, bei ca. 6,5 mrd. Menschen auf der Erde.
Du Flucht nach vorne ist gefragt!

Ohne den Konsum (nicht nur von Autos), die Wissenschaft, die Technik und Arbeit würden wir in Kürze wieder Gras fressen und uns dann ganz verabschieden müssen.

gweberbv 11.11.2010 | 11:50

@Rapanui

Für eine Ware/Dienstleistung ist Bequemlichkeit ein ganz erheblicher Faktor für die Beurteilung, ob das Produkt für die Kunden "gut" ist.

Verfolgt man deine Linie weiter, ist nach dem Individualverkehr schnell das "Individualwohnen" an der Reihe. Was könnte man nicht alles an Ressourcen eingespart werden, an Vereinzelung/Individualisierung aufgehoben werden, wenn die Menschen nicht mehr in aller Regel für sich allein bzw. mit den nächsten Familie zusammenleben würden, sondern in Kommunen zusammengeschlossen wären.

Ist es nicht ein Wahnsinn, dass (fast) jeder von uns einen eigenen Herd, eine eigene Dusche, Balkon, etc. benutzt? Ist da nicht bloss die Bequemlichkeit im Denken und Handeln, die "uns" daran hindert, über das Prinzip des Individualwohnens hinauszudenken?

Ja, verdammt! Ganz genau um diese Bequemlichkeit/das eigene Wohlbefinden geht es!

claudia 11.11.2010 | 13:04

@gweberbv:
>>Das Auto ist dann am Ende, wenn der Treibstoff nicht mehr zu bezahlen ist. Und das wird kein schönes Ende werden.
"Nun lehnen wir uns halt mal bequem zurück und warten das in Ruhe ab, dann sehn wir schon..."

>>Was könnte man nicht alles an Ressourcen eingespart werden, an Vereinzelung/Individualisierung aufgehoben werden,...
Ja, ich weiss noch, wie das "Häuschen draussen vor der Stadt" zum Traum aller Bürger hochgejubelt und von der Regierung massiv gefödert wurde. Und die Frage: "Wie komme ich dann zur Arbeit" wurde mit der Kilometerpauschale und dem Umbau der Städte beantwortet. Damit die Vielen Häuslebauer sich irgendwie bis zum Ziel in der Stadt voranstauen konnten.
Immer zu wollen, was von oben gewünscht wird, ist eben bequem. Stau, Umfahren von Unfallstellen oder der eigene Crash und nicht vergessen: TÜV ist fällig würzen das Leben und machen es interessant. Sonst hat man ja keine Abwechslung im Arbeits-und Fernseheinerlei. :-)

Man konnte auch darüber nachdenken, wie statt autogerechtem Umbau die Städte lebenswerter gestaltet werden könnten, um die Flucht nach draussen unnötig zu machen. Aber wer das nicht nur dachte, sondern auch sagte, galt in 60er Jahren als völlig durchgeknallt. Nach dem Prinzip: "Gut ist immer was ist, und was sein könnte, ist böse"

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Eine eigene Dusche ist gegenüber Massenduschen im "Volksbad" nicht sehr energieungünstiger, denn zum Volksbad müsste man ja hin fahren.
Genau so gibt es kaum rationale Gründe für eine Massenkochstelle.
In der obigen Aufzählung fehlt die kommunale Zahnbürste, an der man sich abend immer anstellt. :-)

Interessanterweise steigen ja dort, wo öffentliche Verkehrsmittel konsequent optimiert werden, durchaus Leute um. Weils halt bequemer ist.
Siehe den obigen Vergleich mit der Schweiz. Dort wurde der öffentliche Verkehr niemals in dem Masse abgebaut wie hier. Es gab nie den Druck zum Umstieg auf die Strasse wie hier.
Ohne diese Erziehungsmassnahme blieben Tram und Bahn die gewohnten, einfach zu handhabenden Verkehrsmittel und die weitere Optimierung konnte durch eine Volksabstimmung beschlossen werden.
Ich kenne Leute in Zurich, fahren ganz entspannt und als Individuen mit Tram und Bahn. Dass ausgerechtnet ein Strassenstau und der Blechschaden, wenns kracht, der Individualität zugute käme, sagte nur mal die politisch bedeutungslose "Autopartei". Die Schweiz ist aber offenbar zu klein, als dass dort Automobil- und Ölkonzerne massive Parteispenden einsetzen würden. Ausserdem kann eine Abstimmung dafür sorgen, dass das Geld zum Fenster hinausgeworfen wurde.
Drum läuft das dort etwas anders...

mahung 11.11.2010 | 13:47

"Die Autobauer sind jedenfalls, überwiegend auf der ganzen Welt, in der Lage die Autos zu bauen, welche die ökonomisch/ökologischen Ansprüche erfüllen."

Das ist ein schönes Märchen, welches durch die Realität längst widerlegt ist, meinetwegen auch durch "grünes und rotes Gebrabbel"

"Und, - die meisten Menschen wollen Aotos als Voraussetzung für ihre mobile Freiheit!"

Können sich das "die meisten Menschen" überhaupt leisten und was wäre - global gesehen - wenn Sie das tatsächlich könnten? Auch wegen der "ökonomisch/ökologischen Ansprüche".

mahung 11.11.2010 | 14:05

"Selbst wenn alle Deutschen so blöde wären ihre Autos abzuschaffen,"

in deutschen Großstädten sind - je nachdem - bereits die Hälfte der Menschen "so blöde" gar kein Auto zu besitzen und damit ganz gut, bequem und auch ggf. sportlicher ohne ein solches auszukommen. Ganz freiwillig! Wunschdenken ist es wohl, da gebe ich Ihnen Recht, aber realitätsfern ist es nicht. Siehe Schweiz, die schon wesentlich weiter sind, im Anbieten von praktikablen Alternativen. Selbst die Chinesen setzten nicht nur auf das Auto - können auch längst noch nicht alle dort. Außerdem, wenn Sie es alle könnten, müsste Ihr eigenes Auto, B.V., wohl aus Rohstoffmangel stehen bleiben.

mahung 11.11.2010 | 14:21

"Ich möchte auch nicht von einem alkbefüllten Flummi an den baum gequetscht werden."

eben! und der baum hat auch das recht auf baumliche unversehrtheit. soll hier nicht vergessen werden. es gibt heute noch provinzpolitiker, die fordern die völlige entbaumung von landstraßen. denn merke, nicht der besoffene raser ist die gefahr, sondern der alleebaum - springt der schlingel doch immer auf die fahrbahn ...

gweberbv 11.11.2010 | 16:08

@Claudia

"Immer zu wollen, was von oben gewünscht wird, ist eben bequem. Stau, Umfahren von Unfallstellen oder der eigene Crash und nicht vergessen: TÜV ist fällig würzen das Leben und machen es interessant. Sonst hat man ja keine Abwechslung im Arbeits-und Fernseheinerlei."

Ich fahre jetzt gut 11 Jahre Auto, habe in der Zeit an die 200.000 km zurückgelegt. Dabei bin ich einmal liegen geblieben und war in vier (kleinere) Unfälle verwickelt. That's it. Und damit dürfte mein bisheriges "Autofahrerleben" noch vergleichsweise ereignisreich verlaufen sein.

So wie man in S- und U-Bahn nicht wöchentlich von Schlägereien, Selbstmorden und Zugausfälle betroffen ist, so besteht auch die Zeit hinterm Steuer nur zu einem kleinen Teil aus Stau, Crash, etc. Die meiste Zeit hockt man da, hört nen Podcast (früher Kasetten) oder überlegt, was man gleich noch einkaufen will.

Alles ganz easy, trau dich ruhig mal einzusteigen.

"Ich kenne Leute in Zürich, fahren ganz entspannt und als Individuen mit Tram und Bahn."

Das müssen ja ganz außergewöhnliche Menschen sein. Obwohl, mein Untermieter macht das auch - und der ist nichtmal Schweizer. Hat halt das Glück in der Innenstadt zu arbeiten und für den Wocheneinkauf kann er bei Pappa mitfahren. Der braucht kein Auto. So, wie zig andere Leute auch - selbst in deiner Nachbarschaft. Das ist ja keine Glaubensfrage, man bedient sich einfach der Verkehrsmittel, die optimal sind.

Die Schweiz mag in Sachen öffentlicher Verkehr sehr gut ausgestattet sein, so ändert das jedoch nichts an der Tatsache, dass es dort nur unwesentlich weniger KFZ pro Nase gibt als hierzulande. Da sollte man eher auf Holland blicken, wo es fast 20% weniger PKW/Kopf gibt. Allerdings ist das ja auch ein einziges Ballungsgebiet mit wenigen ländliche Regionen.

Realistisch: Auf dem Weg zu einem Verkehssystem, bei dem das private KFZ marginalisiert ist, befindet sich Deutschland vielleicht auf Meeresniveau, wohingegen die Schweizer auf einen Hügel gekrakselt sind. Und das Ziel, das liegt auf dem Mond.

Mach dir nix vor: Es ist halt oftmals sehr bequem ein Auto zu haben. Da kann man in den ÖPNV bzw. die Bahn oder meinetwegen Fernbusse investieren wie man will. Vielleicht schafft man damit ein paar Prozent des privaten Autofahrten zu ersetzen, aber das war es auch.

Das einzige, was eine spürbare Wende einleiten könnte, wären Kosten und Vorschriften, die das Autofahren derart unattraktiv machen, dass es einem Verbot gleichkommt.

Ravenbird 12.11.2010 | 11:20

Es stimmt wir benötigen was den Verkehr betrifft ein ganz anderes Konzept. Doch das fängt an sich viel tiefer als beim Ansatz von alternativen Antriebssystemen an.

Klar kann und muss man den Öffentlichen Nahverkehr ausbauen und gerade da hat die Schiene sehr großes Potential. Doch da sind wir auch schon wieder bei einen Knackpunkt! Die Schiene hat nur dann großes Potential wenn die Menschen nicht allzu weit von den Wirtschaftlichen und industriellen Zentren entfernt und direkt in Schienennähe leben, sprich nicht noch einmal das Auto nutzen müssen um zum Bahnhof zu gelangen. Sprich man muss den Anreiz sich in solchen Bahnhofsnahen Gebieten anzusiedeln erhöhen. Auch muss man im Umkreis des Startbahnhofes und des Zielbahnhofes für eine schnelle und umweltfreundliche Beförderung sorgen. Dafür wiederum bieten sich vor allen Fahrräder oder fahrradähnliche Konzepte, teilweise auch mit Elektromotoren an. An den Bahnhöfen braucht es entsprechende Unterstellplätze, am besten richtige Parkhäuser speziell für diese Fahrzeuge. Daneben bieten sich gerade in Städten freilich auch noch Busse, Straßenbahnen, Einspurbahnen etc. an. Im Ländlichen Bereich hingegen sind diese Öffentlichen Verkehrsmittel außerhalb der Schulzeiten im Normalfall nicht gut besetzt und müssen massiv subventioniert werden.

Nur mal so als eine kurze Idee dazu. Zu sagen gäbe es bei dem Thema freilich noch weitaus mehr.

Ravenbird 12.11.2010 | 11:32

@rolf netzmann: Eine schöne Vorstellung mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zu seiner Arbeit zu kommen und auch seine sonstigen Erledigungen bewältigen zu können. Hier draußen wo ich wohne ist das leider nur äußerst eingeschränkt möglich, in meinen persönlichen Fall sogar ganz unmöglich.

Dazu kommt das ich klar auch gerne mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln (hier nur Busse) in die nächste etwas größere Stadt fahren würde, doch braucht der Bus für die Strecke von 30 Kilometern gut drei mal so lange wie ich mit dem Auto, eben weil er alle kleinen Dörfer abfährt und darüber hinaus eine geringere Durchschnittsgeschwindigkeit als das Auto hat.

Sprich ein Dilemma. Auf Dauer sehe ich durchaus auch sinnvolle Konzepte für die Fläche, letztendlich wird jedes Konzept aber dazu führen das die Orte entlang der Bahnlinien verstädtern und das Land mit seinen vielen kleinen und mittleren Dörfern immer mehr ausblutet. Einfach weil die Energiekosten immer weiter steigen werden und es sich somit keiner mehr leisten kann auf dem Land zu leben. Und das wird wohl auch für mich gelten, so gerne ich auch direkt hier draußen mitten in der Natur lebe und so sehr mein Herz daran hängt.

gweberbv 12.11.2010 | 13:25

@Ravenbird

"Es stimmt wir benötigen was den Verkehr betrifft ein ganz anderes Konzept."

Ähm, warum brauchen wir das?

Weil billige Treibstoffe spätestens in einigen Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr zur Verfügung stehen? Einverstanden. Aber deswegen jetzt schon den Individualverkehr zurückzudrängen erscheint mir wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Im übrigen wird es am Ende der Ära fossiler Brennstoffe noch ganz andere Herausforderungen geben. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben.

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Ehemaliger Nutzer 12.11.2010 | 17:35

@ gweberbv

Im Thread habe ich auf 2 Ebenen diskutiert: Einerseits sehe ich die Chance eine Alternative zum automobilen Individualverkehr zu entwickeln, als äußerst gering an - diese Seite meiner Ansicht wurde in der gestrigen Printausgabe des "freitag" auch zitiert. Insofern kann ich Ihren Beiträgen weitgehend zustimmen. Was uns unterscheidet ist, dass Sie die gegenwärtigen Situation zur Grundlage auch Ihrer persönlichen Haltung machen - das ist natürlich legitim und heißt dann Opportunismus.

Ich glaube (sic!), dass ein Mensch in der Lage ist, sich eine Zukunft vorzustellen und diese anzustreben. Das individuelle Auto sehe ich als Synonym für eine verfehlte Vorstellung von Wohlstand, mit inzwischen krankhaften Auswirkungen auf die Gesellschaft. Das Auto fährt für das Auto, es ist ein Autoauto - sehr unterhaltsam beschrieben von Magnus Mills "Ganze Arbeit", Suhrkamp.

Auch in der gegenwärtigen Situation kann man schon verantwortungsbewusst mit dem Auto umgehen und Ziele für sich und das eigene Auto formulieren: Geschwindigkeitsbegrenzung, Massebegrenzung, Lärmbegrenzung, Leistungsbegrenzung, sparsame Fahrweise, Lebensdauer ausnutzen, Wartungsintervalle einhalten, wenig benutzen.... Dies formulieren, darüber sprechen, sich so verhalten kann jeder. Dann zählen Ihre Verweise auf irgendeinen "Konsumenten", irgendeine "Bequemlichkeit" überhaupt nichts - darin kommt ausschließlich Ihre persönliche Haltung zum Ausdruck. Sich über die Fahrer von SUV, 2 Tonnigen BMW, Porsche-Cayenne und ähnlich hässlichen "Pausbacks" zu amüsieren, gehört für mich zum guten Umgangston.

Hier geht es um Eleganz und Schönheit, die gegen feiste Dumpfbacken und tiefergelegte Kleinhirne verteidigt werden muss. 2 Tonnen Blech für einen Leib ist einfach unästhetisch. Yeah!

gweberbv 12.11.2010 | 21:15

@Rapanui

"Was uns unterscheidet ist, dass Sie die gegenwärtigen Situation zur Grundlage auch Ihrer persönlichen Haltung machen - das ist natürlich legitim und heißt dann Opportunismus."

Mit Opportunismus wird zumindest landläufig das Arrangement mit einer aufokroyierten Ordnung bezeichnet.

Ich dagegen habe das Auto bei zahllosen Gelegenheiten für mich oder Menschen in meiner Umgebung als nützliches, bequemes Fortbewegungsmittel zu schätzen gelernt. Ungefähr so wie Zentralheizung, Mobiltelefon und Wäschetrockner. Wobei ich nichtmal ausschließen will, darauf eines Tages auch zu verzichten, wenn es für mich eben nicht mehr nützlich und bequem ist.

Und wenn du dem Großteil der Bevölkerung keine "Macke" unterstellen willst, dann werden die das ähnlich handhaben. Auto nützlich -> her damit, Auto unnütz -> ab in die Tonne bzw. gar nicht erst anschaffen.

Das wird meines Erachtens ganz pragmatisch betrachtet. Die Zeit als das Auto mal ein Statussymbol/ein Sehnsuchtsobjekt war, sind weitgehend vorbei bzw. treffen nur noch auf ein kleines Grüppchen von Enthusiasten zu. Heute gibt es "ne Karre" ja überall und für (fast) jeden, der zugreifen will.

"Das individuelle Auto sehe ich als Synonym für eine verfehlte Vorstellung von Wohlstand, mit inzwischen krankhaften Auswirkungen auf die Gesellschaft."

Naja, manche würden ähnliches über die Pille, das Privatfernsehen, die "Schwulenehe" oder den Fleischkonsum äußern.

Die (negativen) Auswirkungen des Autos sind heute jedoch geringer als vor Jahrzehnten. Es gibt weniger Tote und Verletzte, weniger Schadstoffaustoß (vom CO2 mal abgesehen), weniger Lärm und mehr Ortsumgehungen, etc.

"Sich über die Fahrer von SUV, 2 Tonnigen BMW, Porsche-Cayenne und ähnlich hässlichen "Pausbacks" zu amüsieren, gehört für mich zum guten Umgangston."

Na, das sei dir ja unbestritten. 90% der Automobilisten sitzt aber in irgendwas zwischen Lupo und A3 (falls sie sich nicht auskennen, das sind die kleineren Modelle) und hat mit dieser Klischeevorstellung nix zu tun.

"Auch in der gegenwärtigen Situation kann man schon verantwortungsbewusst mit dem Auto umgehen und Ziele für sich und das eigene Auto formulieren: Geschwindigkeitsbegrenzung, Massebegrenzung, Lärmbegrenzung, Leistungsbegrenzung, sparsame Fahrweise, Lebensdauer ausnutzen, Wartungsintervalle einhalten, wenig benutzen.... "

Nur zu. Das geht im Übrigen auch außerhalb des Autos. Also weniger Wohnraum nutzen, seltener waschen, keine Südfrüchte essen, duschen statt baden, etc. Auf gehts!

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Ehemaliger Nutzer 14.11.2010 | 10:24

@ gweberbv schrieb am 12.11.2010 um 20:15

>>>Mit Opportunismus wird zumindest landläufig das Arrangement mit einer aufokroyierten Ordnung bezeichnet

Ich meine mit Opportunismus das bequeme Anpassen an die gegebenen Umstände, das Zurückweichen vor Schwierigkeiten, die Prinzipienlosigkeit.

>>>90% der Automobilisten sitzt aber in irgendwas zwischen Lupo und A3 (falls sie sich nicht auskennen, das sind die kleineren Modelle) und hat mit dieser Klischeevorstellung nix zu tun.

Auch diese Autos haben eine aberwitzige Motorisierung. "Mein" Autohändler sagt, dass er praktisch kein Auto unter 100 PS verkaufen kann. "MiniSUV" "MiniVAN" sind der Ausdruck dafür, dass auch der "kleine Mann" vom "Pausback" träumt. Solche Auto sind nicht pragmatisch, nicht nützlich - es sind Wahnvorstellungen - insofern unterstelle ich den Nutzern schon so etwas wie eine "Macke".

Damit hier kein falsches Bild entsteht: ich bin "Heavynutzer" eines Autos und nicht gänzlich frei von dieser Art "Macke". Aber ich fühle mich üerhaupt nicht wohl und würde mich sehr gern auf andere Weise fortbewegen.

>>>Naja, manche würden ähnliches über die Pille, das Privatfernsehen, die "Schwulenehe" oder den Fleischkonsum äußern.

Wieso Sie die Pille und die Schwulenehe hier aufführen, weiß ich nicht. Aber bei "Fleischkonsum" und "Privatfernsehen" geht es genau um diese Ressourcenverschwenung, Unvernunft, Partikularinteressen, Massengesellschaft wie beim Auto.

Stiesel 16.11.2010 | 13:47

Es ist interessant, dass den Befürwortern des Abbaus automobiler Mobilität gerne Technologie- und Fortschrittsfeindlichkeit unterstellt wird. Man wolle lieber "wieder in Höhlen leben" oder "Gras fressen", wie hier bereits einmal geschrieben wurde. Bricht das Abendland zusammen, wenn wir nicht mehr Auto fahren?

Im Gegenteil fordern doch die oben genannte einen hoch ambitionierten technischen Fortschritt, nämlich die Effektivierung des Individualverkehrs.

Und der hat's nötig: Der Verbrennungsmotor ist ein vergleichsweise ineffizienter Energiewandler, die Nutzung desselben erschreckend schwach: 50 Millionen leere, übermotorisierte Kfz mit hohem Eigengewicht/Nutzlast-Verhältnis auf Deutschlands Straßen. Und was tun die da? Richtig: Meistenteils lediglich herumstehen.

Ich bin selbst Ingenieur und es tut mir im Herzen weh, wie da Material und Ressouren verbraten werden zu... ja was eigentlich? Transport jedenfalls nicht.

Ich tippe auf Eitelkeit und Bequemlichkeit. Das regt sich nämlich bei mir, wenn ich über den Besitz eines Porsches oder SUVs nachdenke.

LTR 19.01.2014 | 23:52

Mal ein kleines Beispiel zur Mobilität aus dem fernen Eritrea: Taxis stehen in der Haupstadt Asmara an vielen verschiedenen Punkten und sind zu Fuß gut zu erreichen. Sie fahren erst los, wenn sie voll besetzt sind, vorher nicht. Der Fahrpreis ist wie hier entfernungsabhängig, man wird jedoch nicht bis vor die Haustür gekarrt, sondern in der Nähe abgesetzt, so das der Taxifahrer keine großen Umwege fahren muss, um alle Passagiere abzuliefern.
Will sagen: wenn man Mobilität mit größtem individuellem Komfort gleichsetzt, kann das nicht klappen, wenn man es als Kompromiss aus mehreren Ansprüchen sieht, möglicherweise schon.
Ich habe mich schon als kleines Kind immer gefragt, warum denn immer nur eine Person in den Autos sitzt, die sich in langen Schlangen durch die Stadt wühlen, später kamen Fahrgeminschaften in Mode, irgendwie muss das jedoch eingeschlafen sein, das Bild sieht heute wieder aus wie in den 70er/80ern.