Ein Schritt Richtung Zukunft

Afrika Wie Blockchain und Internet der Dinge dem Kontinent auf die Sprünge helfen könnten

Ende 2016 verkündete Senegals Banque Regionale de Marches die Einführung von eCFA Franc; einer Kryptowährung für die Länder der westafrikanischen Währungsunion – Senegal, die Elfenbeinküste, Benin, Burkina Faso, Mali, Niger, Togo und Guinea-Bissau. Diese und ähnliche Innovationen zeigen den Beginn einer neuen Generation mit Apps – dem Internet der intelligenten Dinge – auf, das eine neue Infrastruktur für ökonomische Entwicklungen in ganz Afrika bereitstellen könnte.

Das Internet der Dinge ist ein Netzwerk, das aus physischen Geräten, Fahrzeugen, Gebäuden und anderen Gegenständen besteht. Diese sind ausgestattet mit Elektronik, Software, Sensoren und Netzwerken, um Daten zu sammeln und auszutauschen. Es besteht eine allgemeine Aufgeschlossenheit für spekulative Innovationen wie beispielsweise Kühlschränke und selbstfahrende Autos. Es ist jedoch auch eine Art stille Revolution vor allem in alltäglichen Systemen und Einrichtungen bemerkbar, wie beispielsweise finanziellen Hilfeleistungen.

Hier eröffnen sich besondere Möglichkeiten für Afrika. Das Wachstumspotenzial des Kontinents ist bereits bekannt. Zudem gibt es einen Überfluss an Möglichkeiten an digitalen Erfindungen. Diese Tatsache wurde zuletzt bei dem afrikaweiten Wettbewerb der Erfinder deutlich, der von der Graduate School of Business der Universität von Kapstadt organisiert wurde.

Darüber hinaus hat das ‚Internet der Möglichkeiten‘ die Kraft, die geringe Entwicklung Afrikas auszugleichen. Der Schlüssel ist hierbei die Entwicklung der Datenbanken von einem Randkonzept hin zu einer etablierten digitalen Innovation.

Die Blockchain und Afrika

Die Blockchain, allgemein bekannt als Technologie, um die digitale Währung der Bitcoins zu unterstützen, ist eine beinahe unbezahlbare Plattform für Transaktionen, Verhandlungen und Verträgen. Man kann auf sie von tausenden Computern weltweit zugreifen. Sie hat das Potenzial, gleichzeitig Gründung und Sprungbrett für eine neue entwicklungstechnische Infrastruktur zu sein.

Neue Blockchain-Plattformen wie Ethereum unterstützen die Entwicklung dieser etablierten Software. Diese „Entwicklungs-Apps“ können Zugänge schaffen, um die Blockchains zu benutzen. Sie funktionieren als „eigenständige Vermittler“ – kleine Maschinen, die Informationen erhalten und verarbeiten, Entscheidungen treffen und Aktionen ausführen. Diese neuen Fähigkeiten haben weitreichende Folgen, wenn sie via „intelligenter Kontakte“ mit Kryptowährungen verbunden werden, die wiederum in die Blockchain eingebunden sind.

Entwicklungs-Apps stellen eine praktische und bezahlbare Option dar, um Dinge intelligent zu machen und direkt mit anderen Dingen zu interagieren. Sie können programmiert werden, um datenbasierte Aktionen durchzuführen – ganz ohne menschlichen Eingriff.

Diese Innovationen werden ganz Afrika zum Vorteil gereichen. Ökonomisches Wachstum wird untermauert und ermöglicht durch angemessene finanzielle Hilfeleistungen. Frühere Internet-basierende Innovationen wie M-PESA aus Kenia haben klar ein Bedürfnis nach einem Zugang zu Internet-Finanzleistungen aufgezeigt. Jedoch sind viele kleine und mittlere Unternehmen noch immer eingeschränkt. Ihre Besitzer haben normalerweise keinen Zugang zu standardmäßiger Kreditfinanzierung. Banken akzeptieren keine Erweiterung der Kredite ohne traditionelle Titel über Land und Immobilien oder eine konventionelle Gehaltsabrechnungen.

Don und Alex Tapscott haben in ihrem letzten Buch aufgezeigt, dass die neue Blockchain der „Fixpunkt für alles“ sein kann. Ein Haus kann eine intelligente Einheit auf einer sicheren, verteilten Datenbank werden, sobald es mit raumbezogenen Referenzen und Sensoren markiert ist, die seine Existenz überwachen.

Der Besitzer kann durch einen Ethereum-basierten Vertrag einen Kredit sicherstellen und zu einem Start-up werden. Jegliche Vereinbarungen mit vermittelndem Charakter werden überflüssig. Ökonom Hernando de Soto mutmaßte, dies könnte „eine Revolution der Besitzrechte“ kreieren.

Wasser und Energie

Eigentum und Finanzierung sind nicht die einzigen Bereiche, in denen das Internet der Dinge Potenzial zeigt, um Afrikas Unterentwicklung zu kompensieren.

Ökonomisches Wachstum hängt auch davon ab, dass man im Besitz von bezahlbaren und verlässliche Anbietern für Wasser und Energie ist. Besonders Wasser ist in vielen Teilen Afrikas eine zunehmend knappe Ressource. Dies betrifft insbesondere die Städte. Das enorme Bevölkerungswachstum führt dazu, dass die bereits entwickelten Pläne unbrauchbar werden.

Hier kann Technik helfen. Eigenständige Vermittler, die in verschiedensten Stellen der Netzstruktur geschaltet werden, können den Verbrauch von Wasser, Strom und Abwasser überwachen. Diese „little brains“ können angemessene Schlüsse ziehen, und Schäden und Bruchstellen entdecken und berichten und betroffene Versorgungsleitungen schließen. Intelligente Geräte können ebenso die Wasserqualität bewerten und vor Gesundheitsrisiken warnen. Sie können den Wasserkonsum regulieren und bemessen.

Auf ähnliche Weise funktionieren die Geräte bei der Stromversorgung und werden bereits bei konventionellen und alternden Stromnetzwerken in anderen Teilen der Welt eingesetzt. In Australien beispielsweise können intelligente Geräte überwachen, welche individuelle Stromverbindung gerade Probleme bereitet. Daraufhin wird der Fehler weitergeleitet und eine Reparaturfirma verständigt. Weiterhin können sie mit anderen Stromverbindungen kommunizieren und die Versorgung entsprechend auf andere Verbindungen umleiten, um die Gesamtleistung zu erhalten.

Parallel zu den konventionellen Versorgungssystemen können neue Technologien die Integration von erneuerbaren Energien und die intelligente Verteilung der Versorgung für die einzelnen Haushalte ermöglichen. Die neue Blockchain wurde für sichere peer-to-peer-Transaktionen entwickelt, die aus Verträgen zwischen mehreren Parteien, die nicht verkäuflich sind, speist. Individuelle Haushalte können ihre eigene Verteilung organisieren und selbst erzeugte Energie integrieren. Ein Haus mit einem einfachen Windrad und einem Dach, das mit Hilfe von Photovoltaik Strom erzeugt, könnte dann überschüssige Energie an einen Nachbarn verkaufen. Ebenso könnten sie zusätzliche Energie von einem Nachbarn kaufen, um ein eigenes Defizit auszugleichen.

Solche Mikronetzwerke sind bereits in der Entwicklung. Die Kombination aus einer allgegenwärtigen und bezahlbaren Bandbreite und kostengünstigen Vermittlern könnte bedeuten, dass es demnächst bezahlbare Energie für Gemeinden gibt, die bisher zu keinem Zeitpunkt eine zuverlässige Stromversorgung genießen konnten.

Eine neue Infrastruktur könnte also ein Sprungbrett für die ökonomische Entwicklung sein – von kleinen Unternehmen, die die Ressourcen haben, um die Innovationen anzupassen, bis hin zu signifikant effizienten Haushalten und einem Zuwachs der Stromverbraucher. Wie es bereits bei früheren Technologienentwicklungen erkennbar war, werden die Produktionskosten drastisch sinken, wenn der weltweite Markt für intelligente Dinge ausgebaut wird. Das, was heute außergewöhnlich scheint, wird morgen alltäglich sein. Was steht uns also noch im Weg?

Etablierte Interessen

Es ist nicht die Technologie, die Afrika aufhält, das Internet der Dinge anzunehmen. Vielmehr sind es die etablierten Interessen, die mitspielen. Diese beinhalten staatliche Unternehmen und Monopole, die stark an konventionellen Systemen interessiert sind, sowie lokale Netzwerke und konventionelle Banken und letztlich auch das Scheitern einer politischen Vision.

Was gebraucht wird, ist eine effektive öffentliche Politik und Unternehmen, um sicherzustellen, dass das Potenzial dieser nächsten Welle der digitalen Innovation umgesetzt wird. Regierung und gesellschaftliche Innovatoren müssen sich auf diese Entwicklung konzentrieren.

Die ist der Grund, warum die Initiative der Kryptowährung der westafrikanische Währungsunion so vielversprechend ist. Es ist ein Schritt Richtung Zukunft, die Don und Alex Tapscott hier sehen – ein Schritt hin zu einem Internet, das von den sinkenden Produktionskosten, Politik und durchgesetzten sozialen und kommerziellen Verträgen bestimmt wird.

In dieser neuen Umgebung sind Integrität, Sicherheit, Zusammenarbeit und die Privatsphäre aller Transaktionen die wesentlichen Merkmale. Genauso wertvoll wird die Erschaffung und Verteilung sein. Und das sind großartige Neuigkeiten für Afrika.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf netzpiloten.de bzw. aufThe Conversationunter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Martin Hall ist emeritierter Professor an der MTN Solution Space Graduate School of Business der Universität Kapstadt. Er forschte im Bereich der digitalen Zukunft, Inklusion und moderne Methoden für Führungskräfte

09:42 19.07.2017
Geschrieben von

Martin Hall | Netzpiloten

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