Vom Spielzeug zum Kulturphänomen

Drohnen Wie kaum eine andere Technologie haben Drohnen in den vergangenen Jahren einen Hype erfahren. Ihr Nutzen kann groß sein, doch es bleiben noch immer viele Fragen offen

Von den vielen Technologien, die unsere Fantasie in den letzten fünf Jahren angeregt haben, gab es wenige, an die so hohe Erwartungen gestellt wurden, wie an Drohnen. Diese Hightech-Flugmaschinen haben einen neuen kulturellen Zeitvertreib geschaffen, der Hobby-Enthusiasmus und die simple menschliche Neugier am Himmel vereinigt.

Im Jahr 2015 wurde die Firma DJI, der größte kommerzielle Drohnenentwickler, auf einen Wert von über 10 Milliarden US-Dollar geschätzt, während Medienkonzerne wie Facebook und Google im Hintergrund Drohnenhersteller aufgekauft haben, um ihre Ansprüche zu erweitern, auch die letzten Menschen zu erreichen, die noch nicht im Internet sind. Dies soll geschehen, indem sie Drohnen für extreme Höhen nutzen, um Daten mithilfe von Laserstrahlen zu senden, was auch den abgelegeneren Regionen eine Möglichkeit gibt, online zu gehen.

Wie sehen nun aber die großen fünf Anwendungsbereiche aus, die die Vermehrung von Drohnen in diesem Zeitraum erklären und die einen wichtigen Beiträge für unsere Gesellschaft darstellen?

Liefern

Das Großartige an Drohnen ist, dass sie klein, schnell und agil sind, sich selbst steuern und Dinge transportieren können. Seit dem ersten Patent auf Drohnen-Zustellungssysteme von Amazon im April 2015 sind neue Entwürfe und Anwendungen entstanden. So gab es unter anderem Bestrebungen, einen luftschiffartigen Drohnenträger zu bauen, der in der Lage sein wird, eine Flotte von Drohnen direkt vom Himmel zum Einsatz zu bringen. In der Zwischenzeit haben Firmen wie Flirtey die Erlaubnis bekommen, mit Drohnen kommerzielle Zustellungen für Lieferservices von Pizza über Wasserflaschen, Notfallessen bis hin zu Erste-Hilfe-Sets aufzubauen.

Andere Lieferideen wären beispielsweise Rettungsdrohnen, Blutversorgungsdrohnen und Defibrillator-Drohnen – bei diesen Prototypen wäre sowohl Erfolg als auch die unbedingte Nützlichkeit unumstritten.

Filmen

Im Jahr 2015 fand in New York das weltweit erste Drohnen-Filmfestival statt, kurz darauf fanden Festivals dieser Art auf der ganzen Welt statt. Im selben Jahr wurde der Drones for Good-Preis in Dubai ins Leben gerufen, der jährlich eine Million US-Dollar an Entwickler ausbezahlt, die die besten Drohnen-Anwendungen an den Start bringen. Die Finalisten erstreckten sich von Drohnen, die entwickelt wurden, um Biodiversität zu kartographieren, bis hin zu einer Rettungsdrohne, die weltweit den ersten Platz belegte.

Der preisgekrönte Filmemacher Liam Young drehte mit „In the Robot Skies“ den ersten Film, der ausschließlich aus Drohnenaufnahmen besteht. Die Künstler setzen sogar 360-Grad-Kameras auf Drohnen, um Virtual-Reality-Perspektiven zu erzeugen, wie im Fall des preisgekrönten „In the Eyes of the Animal“ des Marshmallow Laser Feast, wobei man Drohnen, LiDAR-Scans und Virtual Reality benutzte, um eine komplett neue Perspektive auf die Welt zu bieten.

Drohnen-Rennen

Die Vereinigten Arabischen Emirate gründeten das welterste „Grand Prix Krone Racing“-Event, bei dem Luke Banister, ein Teenager aus Großbritannien, im Jahr 2016 die Spiele bei der Eröffnungsveranstaltung und damit ein Preisgeld von 250.000 US-Dollar gewann. Seitdem sind weltweit eine ganze Community von Drohnen-Rennen entstanden. Das erste professionelle Rennen wird 2017 in der o2-Arena in Großbritannien stattfinden.

Erhaltung

Drohnen haben außerdem die besondere Fähigkeit, Teile unserer Umwelt zu erkunden, die man nicht ganz so einfach einsehen kann. Die Geräte wurden von Umweltforschern dazu genutzt, die Natur auf eine Weise zu verstehen, wie es zuvor nie möglich war. Der Primatenforscher Serge Wich hat zum Beispiel Affen von oben beobachtet, indem er verschiedene Drohnensysteme einsetzte. Neil Entwistle von der School of Environment and Life Sciences an der Salford University hat Überschwemmungsmuster in Großbritannien kartographiert, um herauszufinden, wie wir uns gegen Unwetterkatastrophen schützen können.

Journalismus

Auch Journalistsen haben bei der Nutzung von Drohnen recht schnell reagiert. Das Knight News Foundation-Projekt entwickelt eine Anleitung für Drohnen-Journalismus, die Reportern helfen soll, ethisch und sicher zu fliegen. In Ländern, in denen strenge Medienkontrollen herrschen, haben Drohnen einen besonderen Wert, um Orte zu erreichen, die zum Sperrgebiet erklärt wurden. So wurde beispielsweise in der Türkei angeblich die Drohne eines Aktivisten, der versuchte, Bilder von Demonstrationen in Istanbul zu machen, von der Polizei abgeschossen.

Hype?

Unter all diesen bemerkenswerten Anwendungsbereichen gibt es einen großen Hype, wenn es darum geht, wohin Drohnen uns führen können. Viele Ideen werden gerade noch entwickelt. Die Regeln ändern sich fortlaufend, die Freiheit, fliegen zu können, wird in vielen Ländern eingegrenzt, wie beispielsweise in Spanien und es bleibt weiterhin im Gespräch, wie Sicherheit und Haftungsumfang am besten geregelt werden können.

Des Weiteren ist es wichtig, ein Auge darauf zu haben, wie sich die Verbindungen von Militär- und Verbrauchersektor überschneiden – und zwar sowohl ökonomisch als auch politisch.

Es gibt bereits eine Gegenbewegung gegen eine Welt, in der wir von Drohnen umgeben sind, wie beim Projekt No Fly Zone, bei dem US-Bürger versuchen, den Luftraum um ihre Häuser vor dem Eindringen von Drohnen zu schützen. Außerdem haben wir ein enormens Design-Problem, wenn es darum geht, wie eine Autobahn im Himmel tatsächlich aussehen könnte.

Eine Sache ist jedoch klar: das Kapital, um diese Anwendungen auf lange Zeit zu fördern, ist vorhanden und es gibt kein Anzeichen dafür, dass die Anzahl der Drohnen-Anwendungen schrumpfen könnte. Also können wir in Zukunft eine große Veränderung erwarten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf netzpiloten.de

Andy Miah ist Dozent für Wissenschaftskommunikation und Zukunftsmedien an der School of Environment and Life Sciences an der University of Salford in Manchester

11:15 15.02.2017
Geschrieben von

Andy Miah | Netzpiloten

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