Sophie Elmenthaler
Ausgabe 4814 | 27.11.2014 | 06:00 150

„Ich hänge nicht an der x-Form“

Interview Lann Hornscheidt lehrt Gender Studies und möchte geschlechtsneutral als Professx angeredet werden. Die Folge: üble Briefe, aggressive Medienberichte und Gewaltandrohung

„Ich hänge nicht an der x-Form“

Nicht „Herr“ oder „Frau Professor“, sondern „Professx“

Illustration: der Freitag

Freitag: Guten Tag, Lann Hornscheidt. Wie geht es Ihnen aktuell? Seit Sie die Wortendung -X vorgeschlagen haben, um geschlechterneutrale Substantive in der deutschen Sprache zu schaffen, wurden Sie verbal massiv angegriffen. Haben sich die Wogen etwas geglättet?

Lann Hornscheidt: Die Diskussion war vor einem halben Jahr schon einmal sehr stark, als ich mit der AG Sprachkritik der Humboldt-Universität einen Leitfaden zu feministischem Sprachhandeln herausgab. Jetzt hat sich alles neu daran entzündet, dass ich auf meiner Homepage stehen habe, wie ich persönlich bitte angeredet werden möchte, nämlich nicht als „Herr“ oder „Frau Professor“, sondern als „Professx“. Geglättet haben sich die Wogen noch gar nicht. Im Gegenteil: Gerade ist ein absurder offener Brief an die Universität und die Senatorin für Bildung gegangen, dass ich meiner Professur enthoben werden solle.

War denn die Professx-Form vorher noch nie irgendwo zu lesen? Haben Sie das jetzt neu auf Ihre Webseite geschrieben?

Nein. Ich bin ja auch nicht die einzige Person, die sich in den gängigen Sprachformen nicht wiederfindet. Was die Leute irritiert, ist, dass ich eine statushohe Person bin, die beim Staat angestellt ist. Wenn das Künstlxs machen, oder Personen, die Aktivismus betreiben, etwa in NGOs, dann scheint das eher okay zu sein.

Der offene Brief wurde von dem Bildungsforscher Michael Klein und der Soziologin Heike Diefenbach online bei sciencefiles.org veröffentlicht. Fast 70 Menschen, die meisten ebenfalls aus der Wissenschaft, haben ihn unterzeichnet. Man wirft Ihnen da „Dienstvergehen“ vor. Ihr Verhalten mache den Berufsstand „lächerlich“, heißt es.

Ja, so ist es dort formuliert. Wie gesagt: absurd. Vor einem halben Jahr, als unser Leitfaden zum Sprachhandeln herauskam (Anm. d. Red.: Der Freitag berichtete in der Ausgabe 11/2014), gab es ungefähr 800 Hate-Mails – und das war es. Jetzt bekomme ich aber immerhin auch sehr viele positive Zuschriften. Und das sind nicht alles Leute, die unbedingt die x-Form benutzen wollen, sondern Leute, die einfach sagen: „Ich finde es wichtig, dass hier zum Nachdenken angeregt wird.“

Halten sich Hass-Mails und positive Nachrichten die Waage?

Ich glaube, dass wir in einer Kultur leben, die es sehr einfach macht, andere Leute fertigzumachen, sie in einer nicht-produktiven Form zu kritisieren. Warum kann ich Differenzen nicht stehen lassen? Warum kann ich mich dadurch nicht bereichert fühlen? Warum muss ich denken, dass alle Menschen gleich sein müssen? Viele schrieben mir jetzt, wie wichtig sie den Vorstoß finden, vor allem Inter- und Transpersonen schrieben das. Es geht mir darum, für diese Leute Räume zu schaffen. Dass sie es wagen, sich selber neue Namen zu geben und sich zu sagen: „Vielleicht kann ich mir mein Leben und meine Identität noch einmal neu aneignen." Sprache ist sehr wichtig, gerade um eine widerständige Wirklichkeitsvorstellung auszudrücken.

Stimmt es, dass Ihnen sogar körperliche Gewal t angedroht wurde? Gibt es von Seiten der Universität Unterstützung?

Vor allem aus dem Ausland habe ich viel Unterstützung bekommen. Auch von verschiedenen deutschen Unis kam von unterschiedlichsten Leuten einiges an Support. Studierx von der HU sind ebenfalls sehr aktiv, schreiben mir E-Mails. Je höher der Status im Unibetrieb, desto weniger solidarisch sind die Rückmeldungen. Die stellvertretende Pressesprecherin der HU nimmt sich der Sache aber sehr souverän an, und dafür bin ich dankbar.

Wie erklären Sie sich, dass da so wenig Haltung vorhanden ist?

Ich glaube, die Frage, ob es da noch mehr gibt als nur Frauen und Männer, und mein Umgang mit dieser Frage fordern auch im Unibetrieb viele Personen stark heraus. Jenseits dessen sind natürlich viele Leute auch überarbeitet und haben das alles vielleicht gar nicht mitbekommen.

Stimmt es, dass Briefe kamen, die Ihnen nun noch mal zu beweisen versuchten, dass es nur zwei Geschlechter gebe?

Es wird immer diese Auffassung geben, dass es genau zwei Geschlechter gibt, die genetisch, hormonell oder wie auch immer festgelegt sind. Das Problem ist, dass Leute damit Trans- und Interpersonen diskriminieren, ihnen deren Lebenswirklichkeit absprechen. Auf meiner Homepage steht ja übrigens nur, dass ich selbst als Professx angesprochen werden will. Ich sage weder, dass alle Leute sich so anreden lassen sollen, noch, dass es keine Frauen und Männer gibt. Trotzdem ist das schon zu viel für manche Leute. Das Problem sind nicht unterschiedliche Auffassungen – sondern dass es diesen unbedingten Wunsch nach vermeintlicher Normalität gibt, und die Neigung, alles andere gewaltvoll abzulehnen.

Lann Hornscheidt, geboren 1965, Linguistin und Skandinavistin, lehrt an der Berliner Humboldt-Universität (HU). Dort hat sie die Professur für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien inne. Auf ihrer Homepage lannhornscheidt.com stellt sie ihre Arbeit vor

Zurück zu den Sprachformen: Wie kamen Sie auf das X?

Ich habe die x-Form zum ersten Mal von Personen gehört, die bei mir studiert haben, als eine feministische Form, die in Argentinien gefunden worden ist. Ich fand diese Form sehr spannend, weil sie tatsächlich versucht, Zweigeschlechtlichkeit herauszufordern. Sie sollte eine Ergänzung zu den Unterstrichformen sein, weil die ja doch immer Männlichkeit und Weiblichkeit aufrufen. Also bei der Schreibweise Student_in liegt der Unterstrich zwischen weiblicher und männlicher Endung. Und in der Mitte? Gibt es eine Lücke. Ich hänge aber nicht an der x-Form. Es ist toll, wenn andere Leute sich andere Sachen ausdenken. Es geht mir darum, Sprache als kreatives und wichtiges Handlungsinstrument zu verstehen. Denn das, was ein Mensch für normal und natürlich halten mag, ist gar nicht normal und natürlich, sondern immer gesellschaftlich hergestellt.

Was einen an der x-Form stören könnte, ist, dass sie an „Terra X“ oder „Tag X“ erinnert, an mysteriöse, unschöne Zusammenhänge. Wäre auch ein Y denkbar?

Klar ginge das. Wobei Y schwieriger auszusprechen wäre, aber ich finde: Alles ist möglich. Ich würde auch nicht dafür plädieren, gar keine Genderformen mehr zu benutzen, weil das Geschlecht in dieser Gesellschaft extrem wirkmächtig ist. Eine neutrale Form generell für alles einzuführen würde Sexismus und Genderismus unsichtbar machen. Das Wort „StaatsbürgerInnenschaft“, beispielsweise, ist an die verfassungsmäßig festgelegte Zweigeschlechtlichkeit gekoppelt. Es würde überhaupt keinen Sinn machen, da einen Unterstrich einzuführen. Da könnte aber eben ein Binnen-I benutzt werden. Die x-Form ist für Kontexte gedacht, wo ich sage: „Aha, hier wird eine zweigeschlechtliche Norm über die Sprache hergestellt und Trans- und Interpersonen werden ausgeschlossen.“

Viele Versuche, die Sprache zu verändern, klingen erst einmal sehr akademisch.

Politische Sprachveränderungen wurzeln in kleinen Communities. Die Akademie springt später auf solche sozialen Bewegungen auf. Es handelt sich um Vorschläge: Ich kann schauen, ob ich damit was anfangen kann oder nicht.

Werden solche Fragen in anderen Sprachräumen ähnlich debattiert? Oder ist das einfach ein sehr deutsches Problem?

Also wie das hierzulande in der Öffentlichkeit behandelt wird, halte ich für sehr deutsch – dieses Zusammenbringen von Sprache und Nationalismus. Das ist hier sehr ideologisiert. Und das betrifft nicht nur Genderformen. Auch die N-Wort-Debatte oder die Auseinandersetzungen, ob es Migrationshintergrund oder Migrantin oder Ausländerin heißt, zeigen, wie stark sich die Öffentlichkeit aufregt, sobald es um Diskriminierung geht. Auch im Englischen sind Trans-Formen eine große Herausforderung. Da wird viel „they“ benutzt, das Pluralpronomen als Singularpronomen, wie es auch im Mittelenglischen schon gebraucht wurde. Im Schwedischen gibt es die Form „hen“ als drittes Personalpronomen neben „han“ und „hon“ für „er“ und „sie“. Das „hen“ kommt aus einer Transbewegung, da gab es auch große Debatten. Sobald es um Sprachveränderungen geht, reagieren viele privilegierte Personen persönlich sehr angegriffen oder irritiert.

Warum eigentlich?

Ich glaube, es ist in dieser Gesellschaft angelegt, Diskriminierung zu individualisieren. Dabei handelt es sich um übergeordnete gesellschaftliche Strukturen. Das heißt, ich transportiere die Diskriminierung die ganze Zeit mit, etwa durch die Sprache, ohne mir dessen bewusst zu sein. Da kommt dann sehr schnell diese Abwehrhaltung: „Wieso, ich bin doch gar nicht diskriminierend, weil ich das doch auch gar nicht sein will!“ Was nun mich angeht: Ich gehe davon aus, dass niemand mich persönlich ausschließen möchte. Das heißt aber nicht, dass es nicht konzeptuell doch der Fall ist, vom gängigen Sprachmuster her. Warum kann ich also nicht aus Gründen des Respekts eine andere Form wünschen?

Klappt das? Werden Sie wirklich als Sehr geehrtx Professx Lann Hornscheidt angesprochen?

In den Hass-E-Mails natürlich nicht, aber sonst: Ja, auf allen Verwaltungsebenen. Wichtig ist, es immer wieder zu versuchen.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 48/14.

Kommentare (150)

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 08:16

"...lehrt Gender Studies und möchte geschlechtsneutral als Professx angeredet werden. Die Folge: üble Briefe, aggressive Medienberichte und Gewaltandrohung"

Herrlich, wenn bereits eine Überschrift derart unausgegleichen und seiteneinnehmend ist, dass man sich den Rest des Artikels einfach mal sparen kann.

"möchte geschlechtsneutral" - nicht wertend bis positiv besetzt

"üble Briefe, aggressive Medienberichte und Gewaltandrohung" - wertend und negativ besetzt.

Und dann habe ich das Interview gelesen und gemerkt: Es ist genau so. Alle Klischees bestätigt. Selbstreferentielles Elfenbeingesülze gepaart mit der schlimmsten pseudotoleranten Intoleranz.

Richard Zietz 27.11.2014 | 09:44

Der meines Erachtens schlimmste Vorwurf, der man soziologischen Reißbrett-Modellen zur Schaffung einer geschlechtsneutralen Sprache machen kann, ist der, daß sie sich von normaler, gesprochener Alltagssprache entfernen und stattdessen eine bürokratische Kunstsprache etablieren, die nicht mehr sprechbar ist. Die Texte, in denen sie extensiv zum Einsatz kommt, mit einem Flair irgendwo zwischen Amtsschimmel und technokratischer Erziehungsdiktatur überzieht. Die meisten Sprach-Modelle im Bereich Gender kranken – mal mehr, mal weniger – daran, dass sie in realitas ausschließend wirken und in Wirklichkeit als eine Art elitärer Dresscode fungieren. Die Botschaft ans gemeine Volk: Ihr seid entwicklungstechnisch ein bißchen zurückgeblieben; darum zeigen WIR, die Weisen, euch, wo es gendertechnisch längs geht.

Spricht das komplett gegen Veränderungen, respektive das sprachlich korrekte Formulieren der Dinge? Selbstredend Nein. Eine Professorin ist ein Professorin und kein Professor. Die durch die Frauenbewegung angestoßenen Veränderungen sind längst im gesellschaftlichen Mainstream angekommen – auch wenn es ohne Frage anhaltende Widerstände gibt und ernstzunehmende Backlash-Bestrebungen. Die wirkliche Gefahr sitzt allerdings im sozialen Bereich – bei der Lohnschere, den auf Leistung und Konkurrenz getrimmten Geschlechtsbildern, der wachsenden, Frauen besonders in Mitleidenschaft ziehenden Ungleichheit generell. Hier sind letzten Endes beide Geschlechter betroffen. Mit noch mehr Planstellen und Projekten für erzieherische Wolkenkuckucksheim-Spielchen reißt man den Soziale-Schere-Karren nicht raus.

Fazit: Akademisch-selbstreferenzieller Nervkram – der nach den vorliegenden Informationen vollkommen zu Recht kritisiert wird. Auch wenn die genderfreundlichen Freitag-Redakteur*innen dies nicht gerne wahrnehmen möchten.

Comparse 27.11.2014 | 09:46

Sorry, aber ich würde sagen: Thema verfehlt.

Es geht nicht um ein x oder y, nicht um inländisch oder mit Migrationshintergrund, nicht um arm oder reich, um Mann oder Frau, um homophob oder nicht, um Kapitalist oder Kommunist etc. p.p.

Es geht um RESPEKT vor ALLEM Lebenden - hier im speziellen um dem Mensch in allen seinen Andersartigkeiten.

Ich kannte damals in den 70iger Jahren in der damaligen DDR auch eine sogenannte x.

Alle wussten davon - aber sie wurde respektiert, weil es auf anderen Dinge bei ihr, ihm, x ankam.

Kann mir nicht vorstellen, dass sie damals mit x angeredet werden wollte...

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 11:12

1. ist eigentlich der einzige mögliche Standpunkt für Sprachpolitik irgendeine Form von Sprachsubstantialismus? 'Professor' bezeichnet doch eigentlich eine Funktion, kein Individuum. Ob ein Wort darüber hinaus maskulin, feminin oder neutrum 'ist', stellt wieder eine Funktion dar. Anstatt dessen wollen Sprachpolitiker den Diskurs mit Neologismen fluten. Aber das ist im postmodernistischen akademischen Milieu ja sozusagen Brot und Butter, es wird ja nirgendwo mehr mit Worten geklingelt als dort.

2. wie spricht man (das 'Man' ist ein Existential und keine Abkürzung für 'Mann') 'Professx' denn nun aus? Ich lese: Profes-sex. Oder soll man lesen: Profess-ix? Welche Assoziationen sind hier eigentlich gewünscht? Sexy Prof.? Ist ja auch mal was, einen sexy Prof. zu haben. Oder ist das eine Anspielung/Anleihe bei der Praxis der recht obskuren Nation of Islam, den Sklavenhalternamen abzulegen und durch einen Platzhalter zu ersetzen, bis man einen besseren islamischen Namen gefunden hat? Profess X klingt ja ein bischen wie Malcom X. Allerdings hat Malcom X seine Spaltungspolitik nach seinem ersten Hajj aufgegeben und versöhnlichere Töne angeschlagen. Das Bild ist natürlich drollig. Die privilegiertesten Frauen der Welt als Lazaruskaste. Je crois je rêve!

3. Gender Mainstreaming ist das symbolpolitische Äquivalent zur 'Mütter-Rente' und tausend anderen symbolischen Ersatzhandlungen, in denen die Politik Gestaltungskraft beweisen will, die sie nicht hat.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 12:37

Übrigens ist die Homepage dieser/s Professorin/s das allerbeste Beispiel für Selbstreferentialität. Dort geht es AUSSCHLIEßLICH um Dinge, die sie/ihn selbst betreffen - Interviews, Texte, Gedichte, "trans_x_ing. trans_feminist activism" etc etc, etwas Egozentrischeres und Engstirnigeres mit akademischem Anstrich habe ich selten erlebt. Mit ist leider nicht wirklich ein Rätsel, wie solche Menschen in diese Machtpositionen an der Uni gelangen: Es ist die Angst der Menschen in den Gremien, politisch unkorrekt zu sein und sich damit genau gegenüber diesen Menschen angreifbar zu machen. Das war schon in den 60er und 70er Jahren so, das ist leider immer noch so. Zum Glück findet und fand die tatsächliche Gleichberechtigung ganz woanders statt.

Magda 27.11.2014 | 13:26

Die Seite ist ja eine Private Seite, weshalb sie auch eine private Adresse hat. Ihre offizielle Seite in der HUB ist hier.https://www.gender.hu-berlin.de/zentrum/personen/ma/1682130/

Mit ist leider nicht wirklich ein Rätsel, wie solche Menschen in diese Machtpositionen an der Uni gelangen:

Durch eine hervorragende - international anerkannte sprachwissenschaftliche Qualifikation. Inclusive Promotion und Habilitation . Sie ist Anglistin und Skandinavistin und hat auch sprachvergleichend promoviert.

Alles, was Sie nicht verstehen, ist Ihnen ein Rätsel. Mir ist auch vieles ein Rätsel, aber ich tröte das nicht auch noch in die Welt hinaus.

Magda 27.11.2014 | 13:38

Frau Hornscheidt hat als unattraktive lesbische Frau sicher viele unangenehme Diskriminierungserfahrungen gemacht.

Da Ihnen sowas offensichtlich nicht peinlich ist, antworte ich mit einem Zitat: Eine kluge Frau hat Millionen Feinde - alle dummen Männer". (Marie von Ebner-Eschenbach)

Ich stelle fest, dass das Niveau bei solchen Debatten regelmäßig sowas von in den Keller geht, dass es einen graust.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 13:40

Prinzipiell halte ich Geschlechterforschung für eine nützliche Sache. Wahrscheinlich erleben wir derzeit eine Image-Verzerrung all dieser Alternativ-Wissenschaften. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das alles bloß eleganter Unsinn wäre bzw. im Fall von Hornscheidt leider uneleganter Unsinn.

Wieso bekommen solche Leute eine Professur? Anders gefragt, aus welchen Gründen, die mit dem Anspruch der Theorie eigentlich nichts zu tun haben, hat die Bildungspolitik Stellen für solche 'Spinner' geschaffen? Es gab ja in den 70ern viele Lehrstuhl- und sogar Uni-Neugründungen, mit dem Erfolg, daß es dann in der BRD auf einmal eine institutionelle Basis für kritische Wissenschaftler gab. So haben ein paar westdeutsche Marxisten dann eine Professur bekommen. Professuren, die meist mit der Emeritierung der Inhaber aufgelöst wurden bzw. werden. Zur gleichen Zeit, zu der solche Lehrstühle aufgelöst wurden, sind noch neue entstanden für 'Gender Studies' und Co., wenn ich das nicht ganz falsch sehe (den HU Studiengang gibt es seit 1997 - jaja, die lustigen 90er Jahre!). Also die Institutionalisierung der Geschlechterforschung überschneidet sich mit der Deinstitutionalisierung des akademischen westlichen Marxismus. Wie das?

(H1) Nun, ein wiedervereinigtes Deutschland steht bis heute unter besonderem Druck, einen in der deutschen Kultur nicht selbstverständlich verankerten Kosmopolitismus unter Beweis zu stellen. Politiker brauchen irgendwelche Vorzeigeprojekte, um zu beweisen, wie fortschrittlich, demokratisch und weltoffen man hierzulande doch denkt und tut. Deutschland ist als einseitig auf Export ausgerichteter nationaler Wettbewerbsstaat, der seit neuerem wieder aggressiv die Interessen der hiesigen Kapitalfraktionen in der Welt durchsetzen will/muß, auf legitimatorische Instanzen angewiesen, nehme ich an. 'Demokratien' verbreiten ja in der Welt immer nur Frieden und Wohlstand, nie Krieg und Elend. Vielleicht sind Geschlechterforschungs-Lehrstühle solche Aushängeschilder für Regime, die nach Außen hin beweisen wollen, daß sie nicht barbarisch sind.

(H2) Die praktischen Resultate der Genderforschung scheinen sich für symbolische Gleichberechtigungspolitik sehr zu eignen. Die Politik in diesem Land kann und möchte keine Einkommensgerechtigkeit, lies: Einkommensneutralität, herstellen. Dazu wären soziale Kämpfe nötig. Kämpfen aber erfordert Kraft, ganz viel Kraft. Da kommt es doch gelegen, wenn man alles beim Alten lassen kann und anstatt dessen nun ein paar Worte anders schreibt. Das hat auch noch den angenehmen Effekt, die realen Verhältnisse in der Sprache noch weiter zu verschleiern. Die Deutschen sind dazu ohnehin sehr begabt, sich mit Worten zu belügen (man denke nur an Arbeitgeber(Arbeitnehmer). Also wird jetzt eben noch mehr gelogen, ok.

(H3) Die Katheder-Marxisten waren eine Anomalie im westdeutschen Bildungssystem. An die neuralgischen Punkte dieser Gesellschaft setzt kein Bildungspolitiker, der noch recht bei Trost ist, Systemkritiker, sondern Systemfreunde, die sich bewährt haben. You gotta be one of the boys. Die alten Westlinken mit ihrem ständigen Gerede von Kapitalismus, Ausbeutung, Produktionsverhältnissen, Geld, Bank- und Kreditwesen etc. pp. waren schlechte Vorbilder für die wissenslustige Jugend außerhalb der MINT-Fächer. Was will denn die Bildungspolitik? Was will die Industrie? Die Industrie will willfährige Ingenieurstypen, die nicht Fragen, was und wozu sie tun, sondern die in die Hände spucken und konstruieren, was grade am Weltmarkt gefragt ist. Ich überzeichne: Tagsüber werden partielle Differentialgleichungen gelöst und abends wird dann die neue Mario Barth Sendung geguckt. Dann braucht man noch Verwaltungspersonal und Entscheidungsträger. Schließlich dürfen die Gesellschaftswissenschaften Herrschaftswissen herstellen, damit der Kapitalismus noch 500 Jahre weitergeht. So ist es doch.

Hornscheidt und Co. erfüllen in diesem System die Funktion, eine kritische Auseinandersetzung mit den Produktions- und Eigentumsverhältnissen zu verhindern. Wer Geschlechterforschung studiert hat, hat nichts anderes gelernt, als jedes Phänomen als Zeichen irgendeines Machtwillens zu interpretieren und bildet sich ein, die Weltprobleme lassen sich durch Sprachreform lösen. Die Genderforschung wirkt also unmittelbar an der Systemstabilisierung mit, weil sie junge Leute davon abhält, ein rationales Verhältnis zum real-existierenden Kapitalismus zu entwickeln.

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Richard Zietz 27.11.2014 | 14:19

Unangenehm an diesem selbstreferenziellen universitären Autismus ist unter anderem auch die Robustheit, mit der feststehende Begriffe aus dem wissenschaftlichen Diskurs gekapert und im Sinn des eigenen Anliegens zweckentfremdet bzw. grob verfälscht werden.

In analyse & kritik beispielsweise findet sich ein – grosso modo stark sympathisierendes – Interview mit Frau Hornscheidt. Erstmal korrekt; wieso sollte der ak die Thesen nicht gut finden bzw. politisch zielführend und entsprechend featuren? In einem Erklärungskasten zum Interview wird ergänzend der Begriff »Gender Gap« erklärt. Dem ak zufolge ist »Gender Gap« der intersexuelle, also im Sinn von Frau Hornscheidt korrekte Einsatz des Unterstrichs (etwa so: »Femi_nistinnen«) und entsprechend der politisch korrekte Nachfolger des Binnen-I, da letzteres – aus der Sicht der Gender Studies – zu sehr auf Zweigeschlechtlichkeit fokussiere und daher ebenfalls abzulehnen sei. Kurzinfo also: Gender Gap = Unter_Strich.

Huch, dachte ich, zehn Jahre (mindestens) mit einem groben Wissensfehler durch die Gegend gelaufen? Mitnichten. Der entsprechende Wikipedia-Artikel beschreibt »Gender Gap« so, wie den Begriff alle verstehen (inklusive nicht so vollenthusiastische, eher klassenkämpferisch gestimmte Zeitgenossen wie ich): als Begriff zur Klassifizierung der Schere zwischen männlichen und weiblichen Lebenschancen. (Mit genügend Quellenangaben versehen ist der Beitrag auch – also No Chance, das ganze abzuklambüsern nach dem Motto »Wikipedia spinnt ja eh«.)

Fazit: Nix also Unter_strich. Andererseits: Die Umdeutung von Begriffen entsprechend der selbstgeschaffenen Ideologie hat irgendwo eine Folgerichtigkeit: Wenn Sprache nur noch Transportmittel ist für die Durchsetzung der eigenen Ideologie, kann man eigentlich gar nicht genug Gewißheiten und Begrifflichkeiten zertrümmern.

Am Ende steht dann halt ein »X« für ein »U«.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 14:45

..."Frau Hornscheidt ist 1. lesbisch und 2. nicht hübsch. Über ihre sexuelle Orientierung besteht kein Zweifel, das ist ein Faktum"...

Hallo Jörn G. (Ich darf doch du sagen, so unter uns, oder?)

Das Frau Hornscheid nicht hübsch ist, wurde natürlich per Google abgestimmt, oder?

..."Was hübsch oder häßlich ist, ist nicht meine subjektive Meinung, sondern gesellschaftlich-biologisch determiniert"...

Uppsala, Rassenlehre?

Wenn ich als Europäer eine Indianerin sehr schön finde kann es passieren, dass Einheimische die gar nicht hübsch finden. Wie passt dass denn nu?

Haben die doofen Indianer kein "gesellschaftlich-biologisch determiniertes" Schönheitsideal? Sind die nur zu blöd? Kann ich hübsch von hässlich nicht Unterscheiden?

Blondie's sind doch nur Albinos?

Jörn ist Adonis?

Fragen über Fragen...

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 15:35

"..."Was hübsch oder häßlich ist, ist nicht meine subjektive Meinung, sondern gesellschaftlich-biologisch determiniert"...

Uppsala, Rassenlehre?"

Oh je, die Nazikeule. Geht im linken Milieu immer. Natürlich ist körperliche Schönheit genetisch determiniert, ebenso wie die Definition dessen, was schön ist. Es geht im Wesentlichen um Merkmale, die einer Fortpflanzung und dem Überleben des Nachwuchses dienen. Völlig unabhängig davon gibt es natürlich auch eine 'innere' Schönheit, die von vielen verschiedenen Werten bestimmt wird und im Auge des Betrachters liegt. Aber die als Beispiel herangezogneen Indianer haben sicherlich ein anderes, genetisch determiniertes Schönheitsideal als etwa Skandinavier.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 15:40

Es ist wichtig, hier Äpfel und Birnen zu trennen. Frau Hornscheidt war mir bisher nicht bekannt, und es schockiert mich, dass andere Menschen als Reaktion so kranke Drohungen von sich geben. Das ist strafrechtlich relevant und wird sicher auch verfolgt werden.

Völlig unabhängig davon kann das, was Frau Hornscheidt sagt oder schreibt, natürlich trotzdem 'abartig' oder ganz einfach total blöd sein.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 15:48

Bezüglich der ausführlichen Analyse der Verdrängung gesellschaftskritischer Lehrstühle durch pseudo-gesellschaftskritische Lehrstühle stimme ich voll zu. Es geht ganz klar darum, der Wirtschaft und einem erstarkten (Staats)kapitalismus nicht im Wege zu stehen und zugleich Offenheit für Neues zu symbolisieren. Juniorprofessuren von BWLern fallen mir hier noch ein.

Ansonsten muss ich, auf der anderen Seite, noch an Werner Rügemer denken, ein scharfer Geist, schon recht kommunistisch eingestellt, aber auf jeden Fall, was seine Darstellungen zu Neoliberalismus und Public-Private-Partnerships angeht, mutig und sich selber treu.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 16:09

Nazikeule und "innere Werte".

Ja natürlich, da spricht der Profi:

"Natürlich ist körperliche Schönheit genetisch determiniert"... und "Es geht im Wesentlichen um Merkmale, die einer Fortpflanzung und dem Überleben des Nachwuchses dienen"...

Der Biologe spricht, Wow, mitten aus dem Reagenzglas sozusagen.

Na jut, machen wir mal ein bisschen Anthropologie: Na wie geht denn das?

Seltsamerweise ist ja der Homo Autofaricus ein selten daemliches Tier, bei denen sich die ablaeufe komplexer, undurchsichtiger und unlogischer entwickelt haben.

Ich meine, der oder die hoipolloi kann sich ja mal ohne die Augen zu verbinden versuchen auf dieses deterministische sexuale Idealbild draufzulegen:

http://1.bp.blogspot.com/-hj09xoad8hA/TeuZ3TPtqbI/AAAAAAAAADQ/Wj5IDw8hW1Q/s1600/chinka5web.jpg

lecker, gell? oder dieses

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c4/ParacasSkullsIcaMuseumOne.jpg/600px-ParacasSkullsIcaMuseumOne.jpg

Es koennten glatt kulturelle Konstruktionen im Spiele sein, in Neudeutsch "Marketing" genannt, nicht wahr?

Ich koennte jetzt noch ca. 20 "deterministische" Schoenheitsideale ausbuddeln, aber ich glaube, das reicht jetzt schon.

Zum Thema "Heiratspolitik = Machtpolitik" lasse ich mich jetzt hier nicht auch noch aus, das wird zu komplex, hat aber wiederum gar nichts mit deterministischen Fortpflanzungsmodellen im Sinne von "Schoenheitsidealen" zu tun, das ist noch ein bisschen komplizierter...

Gruss

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 20:03

In den frühen indogermanischen Sprachen gab es zwei grammatische Geschlechter: ambigen (für alle Personen) und genus impersonale (für Sachen). Später bürgerte sich das femininum als ehrende Sonderform für Frauen ein (das muß wohl noch während des Matriarchats gewesen sein), während Männer weiterhin mit dem simplen ambigen bezeichnet wurden. In Fällen, wo Personen unbestimmten oder beiderlei Geschlechts gemeint sind, blieb das genus commune, das seit der Antike masculinum genannt wurde, im Gebrauch.

Und was das leidige "man" betrifft, das heute gerne durch "frau" ersetzt wird:

"Im ursprünglichen Altnordischen bedeutete man "Frau" (engl. woman). Das Wort für "Mann" war nicht man sondern wer, aus der Sanskritwurzel vir, wie in wer-wulf, dem Wolfsmann.

Bei den skandinavischen und anderen Stämmen Europas wurde mit Man der Mond, die Schöpferin aller Wesen, bezeichnet.
Selbst im Rom der Kaiserzeit war Man oder Mana die Mutter aller manes oder Ahnengeister. Die Sanskritwurzel man bedeutete sowohl "Mond" als auch "Weisheit", ein Attribut der Urahnin. (Siehe auch die Bedeutung von Mondtag)

Die heidnischen Skalden dichteten eine Gruppe von Liebesliedern, die dem weiblichen Prinzip des Mondes und seiner irdischen Inkarnation, der Frau, geweiht waren; dies waren 'mansongr', die "Frauenlieder". Die katholische Kirche verbot sie ausdrücklich.

Die englische Isle of Man war früher der Mondfrau geweiht..."

Quelle

Ciao

Wolfram

Mycroft Holmes 27.11.2014 | 20:14

Es ist erschreckend und bezeichnend für unsere Gesellschaft, daß Leute, die es geistig nicht fertigbringen, rational zwischen grammatikalischem "Genus" und biologischem "Geschlecht" zu differenzieren, Professuren erhalten und vom selbsterrichteten "Moral High Ground" aus abstrusen Feldzüge führen können, die Don Quijotes Windmühlenattacken als leuchtendes Beispiel für vernunftgesteuertes Handeln erscheinen lassen. Marie von Ebner-Eschenbach hatte schon recht, als sie feststellte: "Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie."

Mycroft Holmes 27.11.2014 | 20:32

Si schreben es selbst: Geschlechtsneutral, griffig, vollkommen ausreichend."2

Mithin völlig ungeeignet, eine Front aufzumachen um des Frontaufmachens willen – es geht doch nicht in erster Linie um zu erlangende "Gerechtigkeit", sondern darum, sich PR-mäßig zu positionieren, aufzufallen.

Scho Hans Arp, 1887-1966, hatte erkannt:

"Heute ist der Sinn des Lebens, Geschwätzwettbewerbe zu veranstalten, gigantische Krachmaschinen, Heulmaschinen, Geschwätzverstärkungsmaschinen Tag und Nacht in Betrieb zu erhalten."

Meinen Sie etwa, das wäre seitdem abgeflaut? Im Gegenteil; es hat sich zu einem Sturm nie für möglich gehaltener Stärke augewachsen und wächst minütlich weiter.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 20:41

...dass ich auf meiner Homepage stehen habe, wie ich persönlich bitte angeredet werden möchte, nämlich nicht als „Herr“ oder „Frau Professor“, sondern als „Professx“.

Vielleicht ist meine Zunge ungelenker als jene der meisten, aber für mich spricht sich "Professx" doch ziemlich schwer.

Eine neutrale Form generell für alles einzuführen würde Sexismus und Genderismus unsichtbar machen.

Die Frage ist natürlich, ob das erstrebenswert ist. Wenn das Thermometer in der Wohnung 14 ˚C anzeigt, dann kann ich ein Feuerzeug drunter halten und der Meßwert steigt auf angenehme 20 ˚C. Wärmer wird mir aber davon auch nicht.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 20:42

@Magda

Danke, die eigene Unbelecktheit und Unkenntnis aufs Beste belegt. Nicht, dass man nichts weiß über eine Sache oder eine Wissenschaft ist schlimm, sondern, dass man "nichts darüber wissen will" das ist der Jammer und das absolute Armutszeugnis. Danke für diese eindrückliche Demonstration.

Ich gehe davon aus, daß Goedzak sehr wohl schon vorher wußte, was "selbstreferentiell" bedeutet, er wollte sich eher über die gestelzte Wortwahl lustig machen.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 20:53

..."Schlecht geschlafen?"...

Nein Nein, auf solch' versierte Textgeber wie Sie habe ich nur gewartet, da kann man noch etwas lernen:

..."ich war früher Spritzbrunnenaufdreher beim Baron Rembremerding. Des war auch immer sehr schön"...

Auch der Colman's English Mustard hat es in sich, ich kann Ihnen dann etwas von dem "Stinkholz" erzählen, oder wie wäre es mit "u-morok", faseln aus der Welt kann ich auch, scho, nicht wahr?

..."Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie"...

Inhaltlich kann man auch viel in Firlefanz verpacken, vielleicht sind Sie ein Meister darin, sehen kann ich davon aber bis jetzt in der "Moral Low Ground" auf dem Level von einem britischen Sergant im Gin - Tonic - Wahn der sich die Malaria vom Halse halten will.

hendelfo 27.11.2014 | 21:24

@TLACUACHE

Ich seh schon, sie rechnen Texte nach Zeilen, nicht nach Inhalt ab ;-)

Hätte ich gewusst, dass wir hier beim Arbeitszeiten-Schwanzlängenvergleich sind, wäre ich natürlich auch darauf eingegangen. Aber auch Menschen, die viel weniger Steuern zahlen als möchtegern Freiberufler, haben natürlich das Recht sich über die Verschwendung ihrer Steuern zu beschweren.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 22:31

@Daniel Domeinski

Steht doch eindeutig im Interview:

"Ich habe die x-Form zum ersten Mal von Personen gehört, die bei mir studiert haben, als eine feministische Form, die in Argentinien gefunden worden ist. Ich fand diese Form sehr spannend, weil sie tatsächlich versucht, Zweigeschlechtlichkeit herauszufordern..."

Gibt’s jetzt keine zwei Geschlechter mehr? Ich mein, die Intersexuellen (oder wie nennt man die jetzt korrekt?) sind doch kein eigenes Geschlecht, sondern eine Mischform, ein Grenzfall, was weiß ich. Die Biologie kennt Lebensformen, bei denen sie sich schwer tut, sie als Pflanzen oder Tiere einzusortieren. Trotzdem ist die Unterscheidung Pflanze-Tier für den Hausgebrauch gar nicht schlecht.

Ciao

Wolfram

Richard Zietz 27.11.2014 | 22:42

Allgemein zu Theorie & Praxis der gesellschaftsverbessernden (= links, fortschrittlichen) Wirkung der ganzen Chose: das Schlussresummée einer Auseinandersetzung mit Hornscheidts Theorien auf kritisch-lesen.de. Zitat:

»(…) Gleichwohl Hornscheidts Vorschlag der x-Form, der unter sprachwissenschaftlichem Gesichtspunkt der bisher avancierteste ist, ohne Zwang daherkommt, bleibt der Eindruck, dass eine solche Sprachkritik und -politik vergessen hat, dass die Mehrheit der Menschen ihr Dasein nicht auf sprachwissenschaftlichen Professor_innenstühlen fristet und mit Problemen zu kämpfen hat, die Alternativen zum generischen Maskulinum nicht werden lösen können. Fruchtbarer für ein Diskussionsklima wäre deswegen, politische Partizipation nicht allein von der Einhaltung formalsprachlicher Subszenen-Standards abhängig zu machen.«

Denke, bringt das Wesentliche auf den Punkt.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2014 | 23:41

Was Leute wie Frau Hornscheidt so verhasst macht, ist nicht, dass sie anders sind oder eine höhere Position einnehmen, sondern dass sie zu dem erlauchten Personenkreis zählen, der glaubt dem Rest der Gesellschaft political correctness und Sprachregeln aufzwingen zu dürfen und zu müssen.

Regeln gegen die man sich nur schwer wehren kann, wenn sie sich einmal etabliert haben. Egal wie blödsinnig sie sind.

Und mit Verlaub, gender studies sind schon ausgeprägt unwissenschaftlich, die Regeln die diese Frau herausgebracht hat, sind reine Realsatire und ganz konkret sehr gut geeignet die Universität lächerlich zu machen.

Man kann Frau Hornscheidt immerhin zu Gute halten, dass sie mit der konsequenten Weiterführung des Regel- und Gleichsstellungswahns aufzeigt, dass Umgangssprache damit absolut unverständlich und ungenau wird. Sie hat damit außerdem bewiesen, dass sie in einem Elfenbeinturm lebt.

Ich bin nicht glücklich, dass solche Leute Lehrstühle besetzen. Andererseits fände ich es weit konsequenter die unwissenschaftlichen ideologischen gender studies generell zuzumachen oder sie zumindest strikt wissenschaftlich auszurichten.

Das wäre besser als mit einer subjektiven Begründung eine einzelne Vertreterin rauszuwerfen. Die das in der Folge sicher als Diskriminierung interpretieren wird und laut das große Opferlied anstimmen und auf die Freiheit von Forschung und Lehre verweisen.

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 00:15

Guter Beitrag. Danke.

Was mir allerdings aufstößt, ist der Begriff gender-"forschung". Forschen die? Wenn ja wie? Und wo ist der Output etwa an empirischen Studien, Ursachenforschung etc.?

Alles was ich aus der Ecke mitbekomme, sind Vorschläge wie man eine (aus Sicht der gender-Leute) angenommene gesellschaftliche Schieflage beheben könnte. Ohne dass nachgewiesen wäre, dass es überhaupt eine Schieflage ist, diese Wahrnehmung basiert m.E. ausschliesslich auf den idR unbewiesenen Theorien dieser Leute (klassische Selbstreferentialität).

Ich fände echte Geschlechterforschung auch spannend, sie findet m.W. aber nicht statt. Bitte korrigiert mich, wenn ich da einer Fehlwahrnehmung erlegen bin.

Das widerlich narzisstische einer sich an sich selbst erregenden Lehre, ist hingegen dumm und langweilig. Es erinnert an Theologie, neoklassische Volkswirtschaftslehre oder die kruden Gedankenspiele moderner Philosophie. Alles Disziplinen die sich explizit nicht an der Realität messen lassen wollen. Disziplinen für überbezahlte gebildete Dummheit...

Sowas sollte man besser niemals mit dem Begriff "Forschung" adeln...

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 00:36

Wenn ich die Sprachregeln richtig verstehe, wollen die ganz generell jeden Hinweis aufs Geschlecht ausmerzen. Hinweise auf Hautfarbe und Ethnie sind ja schon weitgehend political correcten Verboten zum Opfer gefallen. Das wird übrigens nochmal schön subsummiert:

"Was wir* und dixs Studierxs kritisieren, ist zum Beispiel die Re_produktion von problematischen Wörtern wie zwei Be_griffe die mit "W" und "S" beginnen, wir* aber nicht re_produzieren wollen, da diese kolonialrassistisch und somit diskriminierend für Schwarze und People of Color und gleichzeitig privilegierend für weiße Menschen sind."

Quelle

Das beweist außerdem, dass die Autoren dieser ultra-dämlichen und unanwendbaren Regeln diese selbst nicht beherrschen und noch nichtmal die Veröffentlichung ausreichend gründlich bearbeitet haben.Was die sich wünschen, ist die Austilgung sämtlicher Informationsgehalte aus der Sprache. Denn jegliche Information über die Realität kann dazu führen, dass sich jemand diskriminiert fühlt. Du bist eine Frau? Das darf niemand wissen! Du hast schwarze Haut? Um Himmelswillen, jemand könnte Vorurteile haben! Du hast studiert? Mein Gott, ein Ungelernter könnte Minderwertigkeitskomplexe bekommen! Du wohnst in einem schönen Haus? Ein Obdachloser könnte Depressionen entwickeln. Ein solche Sprache kann man auch auf "hmmm, hm, hmmmmm, hmmm, ooo, äääh" verkürzen. Sie wäre schlicht überflüssig, da Sprache nunmal zum Informationsaustausch dient :-)Allein, dass eine Professorin nicht in der Lage ist diesen Widerspruch in ihren Forderungen zu erkennen, spricht Bände!

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 03:01

@Rupert Rauch

Wenn ich die Sprachregeln richtig verstehe, wollen die ganz generell jeden Hinweis aufs Geschlecht ausmerzen. Hinweise auf Hautfarbe und Ethnie sind ja schon weitgehend political correcten Verboten zum Opfer gefallen.

Einer hat hier mal geschrieben, daß diejenigen, die solche semantischen Eiertänze aufführen, dieselben sind, die bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit Quoten fordern.

>>Das wird übrigens nochmal schön subsummiert:<<

"Was wir* und dixs Studierxs kritisieren...

Alle möglichen Leute kreieren sich ihre eigenen, je unterschiedlichen Sprachregelungen und nach einiger Zeit weiß keiner mehr, was die von X verwendeten Wörter eigentlich bedeuten. Jeder brabbelt dann vor sich hin und keiner hört mehr zu, weil es sich eh nicht lohnt.

Ich stell mir gerade vor, wie jemand unvorbereitet auf diese Website kommt und dort "dixs Studierxs" liest. Der denkt doch, er ist im Wald oder der Autor hat beim Tippen ein Krampf in den Fingern bekommen.

Denn jegliche Information über die Realität kann dazu führen, dass sich jemand diskriminiert fühlt.

Der "Witz" dabei ist, daß die Diskriminierung nicht verschwindet, wenn man sie nicht mehr benennt, nicht mehr benennen kann, weil irgendwann die Wörter dafür fehlen. Dann tut auch niemand mehr was gegen Diskriminierung, weil sprachlich gibt es die dann nicht mehr.

Ich darf mich selbst zitieren:

" Ich erinnere an George Orwells Roman "1984". Der Autor widmet darin einen Absatz dem Thema "gezielte Sprachveränderung". Der Wortschatz wird reduziert, Worte in ihrer Bedeutung verändert.

Zur Bewertung gibt es nur noch "gut". Davon abgeleitet sind die Steigerungen "plusgut" und "doppelplusgut". Das Gegenteil heißt "ungut", mit den Steigerungen "plusungut" und "doppelplusungut". Wir sind im übrigen bereits auf Orwells Spuren, alles, was nicht ausgesprochen scheiße ist, nennt man "genial", ist es noch ein kleines bißchen besser, spricht man von "super".

Okay, das wäre zunächst mal nur ein herber Verlust für die Poesie. Aber die Sprachveränderung geht bei Orwell so weit, daß das Wort "free" nur noch in der Bedeutung von "kostenlos" existiert. "Frei" im Sinne von "selbstbestimmt" gibt es nicht mehr, mit dem Wort verschwindet auch das durch das Wort bezeichnete Ding (im Bewußtsein des denkenden Menschen, nicht in der Wirklichkeit)."

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 08:02

Mir ist da etwas aufgefallen, was ich echt interessant finde, auch wenn ich mich hier damit in die Nesseln setzte. Und zwar, dass sich hier an der Diskussion einige Männer beteiligen mit recht differenzierten Beiträgen, abgesehen von der unnötigen Bemerkung über das Aussehen dieser Frau. Und auf der anderen Seite sind hier Beiträgen von einigen Frauen, die ich irgendwie zwischen beleidigt und dogmatisch einordnen würde. Nun weiß ich natürlich, dass beide Geschlechter gleich differenziert und intelligent sein können, und vor allem weiß ich, dass sehr viele Frauen dieses ganze Genderzeug für totalen Quatsch halten. Nur die beteiligen sich hier gar nicht. Kann es sein, dass sich viele Frauen vielleicht mehr für Dinge interessieren, die sie unmittelbarer betreffen, wogegen zumindest viele der hier vertretenen Männer sich einfach rein akademisch für diesen Artikel interessieren und da mehr über den Tellerrand schauen? Man könnte auch sagen, ihre Ressourcen weniger bündeln? Nur so eine Idee...

Bademeister 28.11.2014 | 08:25

Sehr geehrtx Anthropologx, Ihnen dürfte allerdings bekannt sein, dass das, was Siex da als Beispiele anführen nicht als Schönheitsideal entstanden, sondern als ein Unterdrückungsinstrument der Fraux.

Wie erklären Siex den Umstand, dass Menschx sich nicht unbedingt in Menschx verlieben, die sie schön finden, sondern sie die Menschx schön finden in die siex sich verliebt haben? Das hat sicher nichts mit Genetik und Hormonen zu tun, nicht wahr?

Ichx freue michx auf Ihrex Antwortx. ;)

Bademeister 28.11.2014 | 09:10

tlacuache28.11.2014 | 01:29 "Mir geht die X - Bla Bla Bla - Diskussion am Arsch vorbei, aber so etwas nenne ich eine Arschkarte auf Kosten anderer rausziehen, stehst du auch dazu?"


Naja, aus der Psychologie ist hinlänglich bekannt, dass ein Mensch, der sich von anderen unterscheidet und deshalb nur schwer seinen Platz in der Gesellschaft findet mit einer größeren Wahrscheinlichkeit im Ergebnis unter mentalen Abweichungen von der Mehrheit der durchschnittlichen Menschen leidet. Man kann das Verhalten bzw. die Denkweise dieser Menschen auch als „abnormal“ bezeichnen. Wird ein Mensch von der Mehrheit als unästhetisch wahrgenommen und kann er seine äußerliche „Hässlichkeit“ nicht durch andere Eigenschaften ausgleichen (Witz und Humor, Charme, Intellekt etc. Jeder von uns kennt hässliche Menschen, die er aber gerne mag), so ist es nicht unwahrscheinlich, dass er davon psychischen Schaden nimmt. Dieser kann sich unter Umständen auch darin äußern, dass er unter Verfolgungswahn oder ähnlichen Vorstellungen leidet, sich in Themen reinsteigert, die ihn betreffen, etc.

Es gibt dabei ein abnormales Denken oder Verhalten, das andere Menschen nicht stört und daher akzeptiert wird. Manchmal wird es aber als störend empfunden und eben nicht akzeptiert. Das ist aber auch das gute Recht anderer Menschen, etwas nicht zu tolerieren, was sie stört. Toleranz und Antidiskriminierung sind keine absolut schutzwürdigen Werte, sondern stehen anderen Rechten der Mitmenschen gegenüber und es muss eine Balance gefunden werden, die beide Seiten befriedigt. Ohne Kompromisse geht es nicht. Minderheitenschutz ja, nicht aber der Zwang für die Mehrheit, unter den durch die Minderheit gesetzten Regeln zu leben. Das nennt sich nämlich Diktatur. Bisher ist es die Mehrheitsgesellschaft, die Kompromisse eingegangen ist und weiterhin eingeht, nicht aber die Minderheit, die sogar mit Gewalt ihre Umerziehungsmaßnahmen durchzuführen bereit ist. Es ist also mein gutes Recht, mich dagegen zu wehren.

Soll die Mehrheit umerzogen werden, um eine bestimmte Ideologie durchzusetzen? (Die Abschaffung von Geschlechtern ist auch eine Ideologie, da die „Anerziehung“ der Geschlechter (sexus, zu unterscheiden von Geschlechterrollen, was die Genderisten leider vergessen!) bis jetzt nicht wissenschaftlich belegt; als Wissenschaft bezeichne ich dabei nicht die „Genderstudies“. Eine ausgedachte Theorie ruft nach einem empirischen Beweis, soweit es möglich ist, und dafür gibt es hier Biologie und Chemie; hier gibt es bisher keinerlei Anzeichen dafür, dass das Geschlecht „anerzogen“ sei. „Genderstudies“ bleibt daher eine herbei gedichtete Theorie und hat nichts von einer Wissenschaft. Und jetzt kommt nicht mit dem Argument, man müsse auch den Begriff der Wissenschaft umdefinieren.

amos ameis 28.11.2014 | 10:04

Gehen Sie lieber nicht in dieses Hasenloch. Da kommt nichts gutes mehr.

Der Grund für diese Sprachmisshandlung ist, dass all diese Begriffe irgendwie mit Macht und Status in Verbindung gebracht werden können. Dadurch, dass man sie verhackstückt soll man nicht drum herum kommen diese zu reflektieren. Ganz wilde Blüten treibt das Spiel, wenn's um Wörter wie "Standpunkt" geht. Das ist diskriminierend gegenüber Menschen, die nicht stehen können. Also wird daraus ein "Stand-/Sitz-/Liegepunkt". Kein Witz, steht alles in X's "Leitfaden".

Richard Zietz 28.11.2014 | 11:28

Interessant an dem Ganzen ist, dass Frau Hornscheidt in einem Tagesspiegel-Interview Anfang Mai Zwänge bzw. Handlungsanleitungen noch kategorisch ausschloss. Zitat:

Frage Tagesspiegel: Würden Sie vorschreiben wollen, „Professx“ zu sagen?

Antwort Lann Hornscheidt: Nein, definitiv nicht. Menschen sollen darüber nachdenken, und selbst Veränderungen wollen. Jede Vorschrift ist problematisch.

Auf Homepage, Uniseite sowie den betroffenen Seminaren sieht das bekanntlich anders aus. Handlungsanleitung auf Seite Humbold-Uni:

Wollen Sie mit Profx. Lann Hornscheidt Kontakt aufnehmen? Achten Sie bitte darauf, Anreden wie
"Sehr geehrtx Profx. Lann Hornscheidt" zu verwenden.

Bitte vermeiden Sie alle zweigendernden Ansprachen wie "Herr ___", "Frau ___", "Lieber ___", oder "Liebe ___".

Noch Fragen?

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 12:07

Noch Fragen?

Nö...;-)) Mich erinnert das eher an Asterix und Obelix und Idefix.

Aber ich hätte da für TripleX Hornscheidt noch ein neues Betätigungsfeld. Die Dani aus Neuguinea kennen nur zwei Farbwörter (in etwa "hell" und "dunkel"), können aber farbliche Nuancen genauso differenziert wahrnehmen wie englische Muttersprachler. Hier sollte sie einschreiten, ist sicher wichtig.

MfG Unschaerfe...der mit dem X-Factor.

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 12:27

...hat sie ihren Vornamen "Antje" in Lann umgeändert.

Nachdem ich meiner Frau davon erzählt habe, saßen wir noch lange bei einem Glas Wein zusammen, und haben dann entschieden, unsere drei Kinder auch umzubenennen - damit sie es später mal einfacher haben. Sie heißen jetzt Schnick, Schnack und Schnuck. Und damit es auch gleichberechtigt zugeht, dürfen sie die Namen auch untereinander tauschen. Es erleichtert auch die Einteilung der Hausarbeit, sind wir der Meinung.

MfG Unschaerfe

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 12:56

Wäre Schn_ick, Schn*ack und Schn uck nicht politisch korrekter?

Bin ich jetzt auch überfragt. Aber es gibt eine amerikanische Linguistin, Lila Gleitman (kein Scherz jetzt, die heißt so), von der University of Pennsylvania, die meint: "Sprache ist nur ein kleiner Teil gemessen am großen Reichtum unserer Gedanken."

Mit Politik verhält es sich ähnlich.

MfG Unschaerfe...der mit dem X-Factor.

mister-ede 28.11.2014 | 13:33

Mensch, da gibt man sich Mühe Diskriminierung und Benachteiligung zu verhindern und übersieht, dass man einfach ein paar Wörter ändern muss. Statt Benachteiligung von Frauen (oder Männern) zu beseitigen einfach die X-Form einführen.

Das lässt sich auch prima auf andere Bereiche übertragen. Atomproblem? Ach komm, nennen wir Atommüll doch einfach Wertstoff für eine strahlende Zukunft. Flüchtlingsproblem? Iwo, das sind Weltenbummler oder Abenteuertouristen.

Wow, schon drei große Probleme abgeräumt, das ist ja gar nicht so schwer! Hat noch jemand Ideen um die Welt zu verbessern?

Ironie Ende!

Richard Zietz 28.11.2014 | 13:36

Schnick, Schnack & Schnuck – gefährliches politisches Glatteis. Unterstriche reißen das auch nicht mehr raus:

Schnuck = Schnuckelchen. Gefährliche, sexistische & heteronormierte Attributierung; eigentlich schon hart an der Brüderle-Grenze.

Schnack = Schabernak. Wollen Sie Schabernak treiben mit Intersexuellen und dem Rest der identitär Diskriminierten? Sie wissen, wo Schabernak hierzulande leicht enden kann.

Schnick = Schnickschnack. Nee – Schnickschnack ist das alles überhaupt nicht.

GEBE 28.11.2014 | 14:02

Mißtrauen seiner selbst und Angst vor der eigenen Schlechtigkeit läßt Menschen auch Regeln für andere erfinden, die jedoch nur der eigenen Exkulpierungs-Vorsorge dienen.

Charakteristisch für die Vorgehensweise ist dabei stets, daß besonderer Wert auf Formalismus mit Regelwerk zu Konversionen gelegt wird. Dieser dann ausgestellte Formalismus dient als Camouflage der Wahrheitsbeugung. Die eigene Schlechtigkeit wird external attribuiert und in ein formalistisches Konstrukt überstellt. In der Regel gehen solche psychopathischen Verlogenheiten im Alltag subtil unter. Daneben jedoch, wenn solche charakteropathisch konversiven Defekte in den Stand von abgestempelter Wissenschaftlichkeit oder wissenschaftlicher Autorität gesetzt sind, werden sie zu ponerologischem Dominanz- und Machtgebaren.

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 17:55

Was der Wunsch nach einem X am Ende nun mit Unanständigkeit zu tun haben soll, erschließt sich mir zwar nicht, aber ich verstehe es auch nicht, warum so ein kompliziertes und unaussprechliches Wort überhaupt zur Diskussion gestellt wurde von dieser Professorin. Wenn sie nicht total bescheuert ist, hat sie ja vielleicht ganz bewusst so ein Wortunikum auf den Markt geworfen, um genau so ein Spektakel darum zu erreichen, wie jetzt gemacht wird. Wenn es ihr nur um die geschlechtsneutrale Form der Ansprache gegangen wäre, hätte sie ja einfach das schon lange übliche Prof als Standard verlangen können, wie @TAOtraveller schon schrieb. Aber daß sie sogar Drohbriefe deshalb bekommen hat, finde ich andererseits noch abnormer. Anscheinend haben viele Leute nicht genügend Probleme oder Spannung in ihrem Leben und müssen dann mit so einem Scheiß aufwarten.

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 22:13

Magda

Sie fühlt sich - wo steht es ja wohl auch in dem Interview - keiner sexuellen Identität zugehörig oder will als nicht zugehörig angesprochen werden. Deshalb hat sie ihren Vornamen "Antje" in Lann umgeändert und will keine entsprechende Anrede, die eine Geschlechtsbestimmung enthält.

Nun stellt aber dummerweise die real existierende deutsche Sprache keine grammatische Konstruktion zur Verfügung, die sich nicht auf das Geschlecht des Angesprochenen bezieht. Du zeigst es selber sehr schön: "Sie fühlt sich...", "Deshalb hat sieihren Vornamen...". Im Englischen hast du das Problem nicht oder doch erheblich weniger, dort mußt du Zusätze einführen, um klarzumachen, wessen Geschlechtes eine Person ist, ich denke an "boy friend" oder "girl friend".

Obwohl... In vielen süddeutschen Dialekten gibt es die sächlich-neutrale Form auch für Menschen: "das Annamirl". Aber gut, mit so was kommt man nicht in die Zeitung.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2014 | 22:15

@Bademeister

tlacuache >>Mir geht die X - Bla Bla Bla - Diskussion am Arsch vorbei, aber so etwas nenne ich eine Arschkarte auf Kosten anderer rausziehen, stehst du auch dazu?<<

Naja, aus der Psychologie ist hinlänglich bekannt, dass ein Mensch, der sich von anderen unterscheidet und deshalb nur schwer seinen Platz in der Gesellschaft findet mit einer größeren Wahrscheinlichkeit im Ergebnis unter mentalen Abweichungen von der Mehrheit der durchschnittlichen Menschen leidet.

Ich würde ja einen Menschen, der es zum Professor einer deutschen Universität gebracht hat, nicht als jemand bezeichnen, der "nur schwer seinen Platz in der Gesellschaft findet".

Wird ein Mensch von der Mehrheit als unästhetisch wahrgenommen und kann er seine äußerliche „Hässlichkeit“ nicht durch andere Eigenschaften ausgleichen...

Wann wird schon mal ein körperlich (heißt: sexuell) wenig attraktiver Mann wegen seiner äußeren Erscheinung geringschätzig betrachtet (1)? Ob das Zufall ist? Mir scheint, Männer neigen dazu, Frauen danach zu beurteilen, ob sie chiavabile sind oder nicht. Nein, das Wort übersetze ich nicht, sonst werde ich gesperrt, auf italienisch klingt das viel hübscher als auf Deutsch.

Es gibt dabei ein abnormales Denken oder Verhalten, das andere Menschen nicht stört und daher akzeptiert wird.

Ich mein, ich spotte hier ja auch über die Marotte von Frau/Herrn Hornscheidt. Wie aber könnte es mich stören, wenn sie/er sich eine eigene kleine Sprachnische erfindet? Wenn ich bei ihr/ihm noch eine akademische Prüfung zu absolvieren hätte, dann gäbe es wahrscheinlich ein Problem, so aber? Wir wollen doch allesamt nicht bei ihr/ihm promovieren.

Minderheitenschutz ja, nicht aber der Zwang für die Mehrheit, unter den durch die Minderheit gesetzten Regeln zu leben. Das nennt sich nämlich Diktatur.

Ich sehe keine, und zwar überhaupt keine Gefahr, daß das Hornscheidt uns anderen seine Regeln aufzwingt. Vielleicht will sie das ja sogar, aber... Ich empfehle: Tiefer hängen! Sehr viel tiefer hängen. Wenn die Welt untergeht, dann bestimmt nicht wegen dem Hornscheidt.

Bisher ist es die Mehrheitsgesellschaft, die Kompromisse eingegangen ist und weiterhin eingeht, nicht aber die Minderheit, die sogar mit Gewalt ihre Umerziehungsmaßnahmen durchzuführen bereit ist. Es ist also mein gutes Recht, mich dagegen zu wehren.

Ob das jetzt nicht ein bisserl paranoid ist? Wo siehst du Umerziehungsmaßnahmen, wo gar Gewalt? Das Hornscheidt tut doch nichts, das will nur spielen.

Ciao

Wolfram

(1) Dabei sind Männer im Schnitt ohnehin deutlich weniger... ich sag mal: dekorativ als Frauen. "Alles, was ein Mann schöner ist wie ein Aff ist ein Luxus" hat schon die Tante Jolesch gesagt.

http://img.zvab.com/member/g21403/32501639.jpg

Magda 28.11.2014 | 22:27

Nun stellt aber dummerweise die real existierende deutsche Sprache keine grammatische Konstruktion zur Verfügung, die sich nicht auf das Geschlecht des Angesprochenen bezieht.

Ja, das ist der casus knacktus. Sie will es nicht. Und wirbt deshalb für eine Endung, die das Geschlecht unkenntlich macht. Professx eben.

Du zeigst es selber sehr schön: "Sie fühlt sich...", "Deshalb hat sie ihren Vornamen...".

Das ist, weil ich mich nicht an die Idee von Lann Hornscheidt halte. Ich hätte das umschreiben müssen mit: Lann Hornscheidt hat den Vornamen usw. ....

Die Idee - alle Geschlechtsidentität zu tilgen hat natürlich Folgen, die noch gar nicht diskutiert sind. Ich persönlich denke aber eher: Das ist ein Sprachexperiment, das noch nicht beendet ist . Das Ziel ist, Geschlechtszuschreibungen eher zu hinterfragen als abzuschaffen. Ich hatte dabei die Idee vom "Stolperstein". Denn - in der Tat - ist das ein endloses Hinterfragen ,wenn man damit erstmal anfängt.

miauxx 28.11.2014 | 23:54

"Was die Leute irritiert, ist, dass ich eine statushohe Person bin, die beim Staat angestellt ist."

Diese Position bietet aber auch überhaupt erst den Vorteil, das tun zu können. Also sogar die Forderung aufzustellen, eine ganz spezielle Anrede zu verwenden sowie die eigene Post dergestalt zu unterschreiben. Schreibt Normalix eine Bewerbung als Mechanx oder Verkäufx, landet diesselbe wegen der naheliegenden Vermutung von Schreibfehlern oder Veralberung im Papierkorb.

Auch wenn ich das Bestreben dieser Akademikersparte wenig nachvollziehen kann - wohl v.a., weil ich mir keinen Begriff von Trans- oder Inter-Sein machen kann -, fühle ich aber keinen Zorn darüber oder gar Furcht um den Untergang des Abendlandes oder der Kultur, so wie sie Hassmailer oder auch Kommentierende hier lesen lassen. Ich kann mir eben genausowenig vorstellen, wie man sich darüber derart echauffieren kann.

Universitäten sollen, wie es ihr Name eigentlich besagt, offen sein für eine möglichst breites Spektrum an geistiger Beschäftigung und Fragestellungen. Zumindest aber, solange diesen Bildungsorten so etwas wie Wirtschaftswissenschaftler, bei denen man sich fragt, ob die überhaupt mal einen Schuss hören oder BWLer, die als gewissenloses Controllerpack enden, entspringt, kann ich mich doch nicht ernsthaft über Gender-Profssx oder -Studx aufregen!!??

miauxx 29.11.2014 | 00:32

Na, wenn ich das richtig verstehe, fühlt sich Hornscheidt aber nicht als Frau. Schulbiologisch mag es vielleicht keinen Zweifel geben. Aber sie fühlt sich halt "dazwischen". Wender Männlein noch Weiblein. Trans und/oder Inter, wie das genannt wird.

Dazu im ob. Interview:

"Ich bin ja auch nicht die einzige Person, die sich in den gängigen Sprachformen nicht wiederfindet. (...)
Viele schrieben mir jetzt, wie wichtig sie den Vorstoß finden, vor allem Inter- und Transpersonen schrieben das. Es geht mir darum, für diese Leute Räume zu schaffen. (...)
Die x-Form ist für Kontexte gedacht, wo ich sage: „Aha, hier wird eine zweigeschlechtliche Norm über die Sprache hergestellt und Trans- und Interpersonen werden ausgeschlossen.“

Wie ich in meinem Kommentar oben schrob, kann ich mir das auch nicht vorstellen, sich, das soziale Geschlecht betreffend, "dazwischen" zu fühlen. Und so wird es bei den Meisten sein und daher rührt dann eben auch schnell die völlige Ablehnung, der Vorwurf des bloßen Spinnertseins, das obendrein noch als staatlich hofierte Disziplin betrieben werde, die einzig das Ziel der völligen Umpolung der Gesellschaft verfolge.

An diesem Trans- und Intergeschlechtlich-Fühlen muss aber offenbar schon mehr dran sein, als es der mittlerweile völlig arrivierte Zustand verschiedener Männer- und Frauentypen zu beschreiben vermag. Wer als Mann am Herrentag mit seinen Kindern einen Ausflug mit Eisessen macht, statt mit dem Fahrrad von Kneipe zu Kneipe zu eiern, gilt ja heute nicht mehr gleich als unmännlich. Aber Intergeschlechtlich ist wohl doch noch einmal ein ganz anderer Horizont, der furchtbar weit weg scheint. So wie noch in den 50ern der Mann am Herd.

Ich denke jdf., dass man sich nicht so ohne weiteres über die Befindlichkeiten solcher Leute hinwegsetzen oder sie gar mit schlimmeren Attributen belegen sollte. Wie groß das Leiden, "zweigendernd" angesprochen zu werden, tatsächlich ist oder ob es einx Hornscheidt und Kollegenschaft doch mit der versuchten (Parallel-)Etablierung neuer Sprachformen zuvorderst um einen Aufmerksamkeitsfaktor, der spielerisch/ künstlerisch ins Werk gesetzt, geht, wäre eine Frage.

Bei Inter- und Transgeschlechtlichkeit muss sich wohl doch um eine immer noch weitestgehend übersehene bzw. auch ignorierte soziale Tatsache handeln. Ich frage mich aber etwa auch, ob Genderforschung nicht gut in den Fachbereichen Soziologie und Psychologie aufgehoben wäre.

mymind 29.11.2014 | 00:39

Die Dekadenz, die aufgrund einer grundsätzlichen Oberflächlichkeit in eine Thematik, die in einer offensichtlichen Langeweile geboren wurde hin zu einer möchtegern-gesellschaftlichen Sprachreform gedeiht, ist bedenkenswert.

Derartige Verschwendung von Geist & Zeit & Raum ist nur in der Kunst zu begrüßen. Oder in Zeiten, in denen wir keine anderen Probleme erfahren - aber da sind wir noch nicht angekommen....

beyond 29.11.2014 | 10:27

Sehr geehrte/r MYMIND,

von Dekadenz kann ich in dieser Causa nichts entdecken. Ganz im Gegenteil. Grundsätzlich ist zu empfehlen, sich zunächst erst einmal ernsthaft um Information über den wissenschaftlichen Kontext zu bemühen, bevor man sich zu einem öffentlich abwertenden Urteil in der Lage sieht:

"Die Kategorie Geschlecht wird als interdependente Kategorie verstanden, d.h. in ihrem komplexen Zusammenspiel mit anderen Kategorien wie Sexualität, „Rasse“, Schicht, Alter, Staatsbürger_innenschaft, Behinderung oder Glaube und Weltanschauung untersucht und eröffnet so kontinuierlich weitere Perspektiven, Fragestellungen und Wissensfelder. Dementsprechend gehören zum Feld der Gender Studies an der HU auch Queer Studies, kritische Rassismus-Forschung, postkoloniale Studien und weitere kritische Ansätze verschiedener Disziplinen." (https://www.gender.hu-berlin.de/zentrum/konzept)

Es geht um die kritische Reflexion von Identitätskonzepten überhaupt aus einer, in meinen Augen, grundsätzlich solidarisierenden Perspektive in Anbetracht zunehmend prekarisierender gesellschaftlicher Verhältnisse:

"Diesen [sozialen] Bewegungen geht es im Kampf gegen die Prekarität nicht um die Überwindung der Interdependenz; es geht ihnen vielmehr um Bedingungen, unter denen die Interdependenz und Verletzlichkeit lebbar werden. Das ist Politik, in der die performative Aktion körperlich und pluralistisch wird und sich kritisch den Bedingungen körperlichen Überlebens und Gedeihens unter den Vorgaben radikaler Demokratie zuwendet. Soll ich ein gutes Leben führen, dann wird es ein Leben gemeinsam mit anderen sein, ein Leben, das ohne diese anderen gar kein Leben wäre.

Ich verliere dabei nicht dieses Ich, das ich bin; wer immer ich bin, verwandelt sich im Bezug zu den anderen, da ich, um zu leben und gut zu leben, notwendig von anderen abhängig und auf andere angewiesen bin. Unsere gemeinsame Gefährdung durch Prekarität ist nur ein Grund unserer potenziellen Gleichheit und unserer wechselseitigen Verpflichtung zur gemeinsamen Schaffung der Bedingungen für ein lebbares Leben. Indem wir uns eingestehen, dass wir einander brauchen, bekennen wir uns zugleich zu grundlegenden Prinzipien der sozialen und demokratischen Bedingungen dessen, was wir als „das gute Leben“ bezeichnen könnten." (http://www.fr-online.de/kultur/judith-butlers-dankesrede-kann-man-ein-gutes-leben-im-schlechten-fuehren-,1472786,17255122.html)

Vielleicht können Sie mit dieser Einordnung etwas anfangen?

MfG

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Ehemaliger Nutzer 29.11.2014 | 16:07

Beim Lesen der Kommentare befällt mich eine Ahnung, dass es das X ist, was auf der Erde am besten zuallererst in Ordnung gebracht werden sollte. Nicht der Hunger, nicht die Kriege, nicht die Umweltzerstörung, nicht Unfreiheit und Diktaturen, nein, es ist die Sache mit der xAnsprache.

Warum ich mich aufrege? Ich rege mich nicht auf, ich habe nur den Eindruck, dass soviel Gedöhns um die eigene Person pathologische Züge verrät.

Tief beeindruckt verabschiede ich mich in's WE.

Schachnerin 29.11.2014 | 23:52

Danke für den link.

Dann gibt es aber auch diesen sehr gewaltvollen Shitstorm von Leuten, die glauben mir sagen zu müssen, wie ich richtig angeredet werden soll. Die gehen dann von richtigen und falschen Normen aus, unterstellen mir auch, ich zerstöre die deutsche Kultur, wollen mir erklären, was Sprache sei und beschweren sich darüber, wofür Steuergelder aufgewendet werden.

Wie weit gehen diese negativen Rückmeldungen?

Die gehen teilweise bis zu Morddrohungen. Androhung von Vergewaltigung ist ein sehr beliebtes Instrument. Ich denke aber, dass die meisten Menschen, die so gewaltvolle Mails schreiben, zutiefst verunsichert sind und eine Persönlichkeitsstruktur haben, in der sie keine Unterschiede aushalten können und Differenzen stehenlassen können. Sie versuchen das darüber zu kompensieren, dass sie gewaltvoll gegenüber anderen Menschen sind und dankbar sind für jedes Ziel.

Wie geht es Ihnen mit solchen Mails?

Ich benutze sie für meine Forschung, denn als Linguistin bin ich sehr daran interessiert, wie Menschen Diskriminierungen sprachlich äußern – da habe ich jetzt ein hervorragendes Material, um das zu untersuchen.

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Ehemaliger Nutzer 30.11.2014 | 03:53

@Magda

>>Nun stellt aber dummerweise die real existierende deutsche Sprache keine grammatische Konstruktion zur Verfügung, die sich nicht auf das Geschlecht des Angesprochenen bezieht.<<

Ja, das ist der casus knacktus. Sie will es nicht. Und wirbt deshalb für eine Endung, die das Geschlecht unkenntlich macht. Professx eben.

Das Kreuz ist natürlich, daß es, wenn sich jeder eine Privatsemantik nach seinem Gusto erfindet, schließlich keiner mehr weiß, was der andere da vor sich hinbrabbelt.

Gerade wenn ich eine unterschiedliche Meinung zu bestimmten gesellschaftlichen Sachverhalten habe, sollte ich allergrößten Wert drauf legen, daß die anderen - die von der Mehrheitsfraktion - genau verstehen, was ich sagen will.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 30.11.2014 | 03:54

@Schachnerin

Was mir an dieser Diskussion gar nicht gefällt, ist dass Lann Hornscheidt von einzelnen für geisteskrank erklärt wird.

Na ja, ein bisserl wirr im Hirn ist sie natürlich schon. Aber auch nicht viel wirrer als du oder gar ich.

Manchmal beneide ich dein Federvieh. Die Rollen zwischen den Geschlechtern sind klar definiert, und sowohl der Gockel als auch die Henna sind damit zufrieden. Solange es noch irgendwo einen Wurm gibt und die Schachnerin uns Körndl hinstreut kann es mit der Welt so schlimm nicht sein, denken sie. Und wenn die uns irgendwann den Hals umdrehen, dann ist es zwar aus, aber zuvor war es eigentlich ganz nett.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 30.11.2014 | 03:57

@Magda

Danke Wolfram - da haste jetzt schlüssig Stellung genommen Ich denke auch, dass Hornscheidts Antje keinen linguistischen Sprachstreich im Schilde führt.

Sie will halt in die Zeitung kommen, was ihr gelungen ist.

Die Aufregung darum ist allerdings auch sehr merkwürdig.

Die Aufregung um die Hornscheidt (ich bezeichne sie jetzt doch wieder als Frau, mir ist der Gender-Eiertanz auf Dauer zu mühsam) ist in der Tat äußerst bemerkenswert, es ist ja nix passiert. Daß ein Professor manchmal merkwürdige Dinge von sich gibt, ist nichts besonderes. Meistens spinnt der Professor halt einfach nur, manchmal aber stoßen uns die spinnerten Professoren das Tor zu einer ganz neuen und sinnvollen Sicht auf die Dinge auf. Fast immer stellt sch das erst nach geraumer Zeit heraus.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 30.11.2014 | 04:18

@miauxx

Na, wenn ich das richtig verstehe, fühlt sich Hornscheidt aber nicht als Frau.

So was kommt vor, aber deswegen gleich ein dermaßen ein Geschiß machen? Als meine Kinder klein waren, habe ich vor allem zuhause gearbeitet, ich habe gekocht, ich habe sie gewickelt und bin mit ihnen im Kinderwagen durch die Gegend gefahren. Gelegentlich haben sie von mir als von "die Papa" gesprochen. Und wenn ich vom Einkaufen zurück gekommen bin, habe ich meiner Frau erzählt, eine andere Hausfrau hätte sich vor mir vorgedrängelt.

Ich habe damals nicht das Bedürfnis verspürt, mir eine neue Semantik und Grammatik zu erfinden. Obwohl... Wenn ich es gemacht hätte, wäre ich inzwischen vielleicht berühmt oder doch wenigstens berüchtigt. "Wolfram Heinrich, ist das nicht diese Spinnerin, die seinerzeit..."

Ciao

Wolfram

miauxx 30.11.2014 | 13:27

"Ich habe damals nicht das Bedürfnis verspürt, mir eine neue Semantik und Grammatik zu erfinden."

Du scheinst meinen Kommentar nicht richtig gelesen zu haben. Ich finde, man sollte das zunächst viell. doch ernst nehmen, dass es Menschen gibt, die sich tatsächlich und ernsthaft als "Interperson", wie Hornscheidt es nennt, fühlen. Also dass das vielleicht doch mehr ist, als nur eine Laune, die allein das Aufbrechen etablierter Normen demonstrieren will. Und dass noch etwas ganz anderes gemeint ist, als wenn man etwa als Mann selbstverständlich auch für die Kinder kocht; also allein Verhalten an den Tag legt, die aus dem Rahmen des traditionellen Rollenbildes fallen.

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Ehemaliger Nutzer 30.11.2014 | 14:02

@miauxx

Du scheinst meinen Kommentar nicht richtig gelesen zu haben. Ich finde, man sollte das zunächst viell. doch ernst nehmen, dass es Menschen gibt, die sich tatsächlich und ernsthaft als "Interperson", wie Hornscheidt es nennt, fühlen.

Daß sie (ich nehm jetzt halt mal die weibliche Form) sich als Interperson fühlt, daß sie eine Interperson ist, ist ihr ja unbenommen. Ich finde es halt ein bisserl übertrieben, so viel Wind drum zu machen.

Mit "Wind machen" meine ich jetzt das Sprach-Trara. Daß sie ihre Interpersonalität (sagt man so?) thematisiert und eine Diskussion darüber anstößt, ist noch mal was anderes, dagegen ist nichts einzuwenden, darüber mache ich mich nicht lustig.

Ciao

Wolfram

miauxx 30.11.2014 | 22:41

"Mit "Wind machen" meine ich jetzt das Sprach-Trara. Daß sie ihre Interpersonalität (sagt man so?) thematisiert und eine Diskussion darüber anstößt, ist noch mal was anderes, dagegen ist nichts einzuwenden, darüber mache ich mich nicht lustig."

Ja, ich bin auch arg skeptisch, dass es überhaupt ein geeigneter Weg ist, so von der Sprache her anzusetzen. Ganz interessant übrigens auch dieses Interview.

lilith.berlin 01.12.2014 | 17:47

an lann hornscheidt:
ich wollte Ihnen meine bewunderung für Ihren mut aussprechen, wie Sie das thema trans- und intersexualität in die öffentlichkeit bringen.
ich verstehe dies als einen weg und eine möglichkeit und freue mich über alle menschen, die kreativ mit geschlechterzuschreibungen umgehen können und sich gegen diskriminierungen wehren.
die diskussion, wie sie jetzt im freitag läuft, ist zum teil zutiefst entlarvend und zeigt wie notwendig diese debatte ist. umso mutiger, dass Sie die kraft haben, sich dem als einzelperson auszusetzen. nochmals meinen größten respekt! Das macht mut!

lilith.berlin 01.12.2014 | 18:34

es gefällt mir was lann hornscheidt dazu sagt: "Das ist ein ganz altes sexistisches Muster, über Fotos eine Abwertung herzustellen – das kenne ich schon mein ganzes Leben, das schreckt mich nicht. Diskriminierung ist eben etwas ganz Strukturelles und gibt es schon sehr lange. Es wird immer Leute geben, die bestimmte Dinge nicht aushalten und keinen souveränen und erwachsenen Umgang damit haben." und herrlich das da eine person das patriarchale wissenschaftsgedöns und die deutungshoheit so punktgenau unterläuft! darum gehts!

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Ehemaliger Nutzer 02.12.2014 | 06:21

..."Sehr geehrtx Anthropologx, Ihnen dürfte allerdings bekannt sein, dass das, was Siex da als Beispiele anführen nicht als Schönheitsideal entstanden, sondern als ein Unterdrückungsinstrument der Fraux

Wie erklären Siex den Umstand, dass Menschx sich nicht unbedingt in Menschx verlieben, die sie schön finden, sondern sie die Menschx schön finden in die siex sich verliebt haben? Das hat sicher nichts mit Genetik und Hormonen zu tun, nicht wahr?

Ichx freue michx auf Ihrex Antwortx. ;)"...

Sehr geehrte BademeisterniXe,
wie Ihnen bekannt sein duerftx, sind verliebtheitx mit wie gebex meine GeneX weiter zu tunx.

Es gabx mal eine Zeitx, als MadeliX noch starke Arme suchenX erfolgreich war, um seine GeneX weiterzugebenX. Dann kam die ZeitX, als auf einmal der SchwertherstellerX in dem sozialem GefuegeNIX ganz wXtix wurden, auf einmal durfte der SchwertherstellerX schwache Arme und GeiernasenX haben, stand aber auf der sozialen HirachieX ganz oben, heute sehen wir, wie PorscheChayenneNIX aus der Investmentbranche ganz wichtix sind um die GeNIX weiterzugeben, nicht wahrNix?
SowirddasniX...

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Ehemaliger Nutzer 02.12.2014 | 12:41

..."Muss ich das? Ich finde es immer ein wenig problematisch das Aussehen von Leuten für irgendwas heranzuziehen. Ganz unrealisitsch ist die geäußerte Vermutung aber sicher auch nicht. Ein lässlicher Faux Pas"...

Nein nein, muss man natürlich nicht, ich finde es ganz toll wenn Leute dazu stehen was sie sagen, insbesondere mit dem Hinweis "Ganz unrealisitsch ist die geäußerte Vermutung aber sicher auch nicht. Ein lässlicher Faux Pas"...

Da weiss man doch was man hat, ganz unrealistisch finde ich diese betrachtungsweise auch nicht, auch, wenn ich sie irgendwie daneben finde, aber macht ja nichts, jeder so wie er meint...

Nicht wahr?

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Ehemaliger Nutzer 02.12.2014 | 12:49

In der Tat.

Sich an solchen Nebensächlichkeiten, die im Eifer des Gefechtes mal rausrutschen können, aufzuhängen, dient ja doch nur der Ablenkung vom eigentlichen Thema. Meinst du nicht?

Du möchtest den Herrn gern anhand seines Faux Pas aus der (unbequem gewordenen) Diskussion ausschliessen und suchst Verbündete dafür, habe ich recht? Mit mir kannst du dabei nicht rechnen.

Lethe 02.12.2014 | 13:10

Sehr geehrtx Professx

Selbstverständlich entwickeln sich Sprachen darüber weiter, dass einzelne Personen einfach sprachschöpferisch tätig werden. Allerdings kann das in zwei Richtungen erfolgen, mit dem Strom und gegen den Strom. geehrtx ist eindeutig gegen den Strom.

Meiner Ansicht nach ist es nahezu unmöglich, eine existierende Sprache so zu modifizieren, dass ein substantieller Teil aller Sprecher dieser Sprache die neuen Formen und Begriffe mitmachen, und es wird vollends unmöglich bei Begriffen gegen den Strom. Der reale Sprachgebrauch wird einfach über die Verfügung hinweg gehen und 20 Jahre später kommen auch präskriptive Lexika und Grammatiken wieder in der Realität an.

Mensch täte gut daran, sich da nicht täuschen: die Realität, wie sie absichtsbehaftet und verfälscht in den Medien dargestellt wird, ist nicht die Realität, die da draußen gelebt wird. Man kann sich bei dem ganzen medialen Getöse zwar einbilden, eine große Mehrheit aller Menschen fänden Aktionen zum Umweltschutz, Gendergerechtigkeit, Feminismus, sozialen Utopien und allem möglichen sonstigen Aktivismus ganz toll - in Wirklichkeit interessiert das kaum jemanden. Und nur in gewissen medialen Ballungszentren wird der Eindruck erweckt, die Welt stünde unmittelbar vor der großen humanistischen Revolution.

Es könnte vielleicht gelingen, wenn Esperanto oder eine andere Kunstsprache als verbindliche Amtssprache eingeführt wird, nachdem die auf natürliches Geschlecht umgebügelt wurde. Nein, kann es trotzdem nicht. Differenzen, die wahrgenommen werden, suchen sich ihren Ausdruck, und der kommt, immer.