Angebot aus dem All

Weltraum Bei einer Online-Auktion kann man Objekte von den Astronauten der Apollo-Missionen ersteigern - noch bis zum 20. Januar. Der Preis liegt zwischen 100 und 2000 Dollar

Für einen Jungen reichten die Apollo-Missionen Ende der sechziger Jahre an Wunder heran. Nachdem ich meinen Kopf jahrelang auf die Erde gerichtet hatte, wendete ich ihn nun zum ersten Mal Richtung Unendlichkeit. Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin die erste Mondwanderung beendet hatten, ging ich nach draußen, um zu schauen, ob ich nicht etwas von der Mondfähre sehen könnte. Ich glaube immer noch, dass ich etwas entdeckt habe.

All dies erschien mir so unglaublich glamourös. Hier waren echte Helden für eine düstere, unzufriedene Zeit: nervenstarke Männer, die mit mehreren tausend Meilen pro Stunde, umgeben von glänzender Science-Fiction-Technologie, durch den Weltraum rasten, um neue Welten zu entdecken. Die Zeitungen konnten nicht genug von ihnen kriegen und ich ebenso wenig. Angefangen mit der Apollo 8 – der ersten, die die Erdumlaufbahn verließ – legte ich von jeder Mission ein Erinnerungsalbum an bis die bemannte Raumfahrt zum Mond mit Apollo 17 endete.

Vierzig Jahre danach erscheint all dies vollkommen unglaublich. Die Technik bestand aus nichts anderem als aus Hardwarekomponenten und Plastikteilen, die mit großer Erfindungsgabe auf gut Glück zusammengeschraubt wurden; angesichts der damals topaktuellen Computer würde heute jeder Hersteller von Digitaluhren die Nase rümpfen. Diese Dinge haben ihren Zauber bis heute nicht verloren.

Auch wenn wir weiter wissenschaftliche und technische Fortschritte gemacht haben, hat die Raumfahrt für mich ihren ursprünglichen Reiz verloren, als das Apollo-Programm 1972 eingestellt wurde. Und ich kann von diesen frühen Jahren immer noch nicht genug kriegen. Obwohl ich, glaube ich, fast jedes Buch über die Pionierzeit der Nasa und auch der Raumfahrtprogramme der Sowjetunion gelesen habe, kann ich nie widerstehen, wenn ein neues in den Handel kommt.

Das Stromkabel der Apollo 15

Ich hätte mir nie zu träumen gewagt, dass ich jemals in den Besitz eines Teiles dieser Geschichte gelangen könnte. Die Nasa war dafür berüchtigt, alles als Staatseigentum zu betrachten. Ihr entging so gut wie nichts. Jetzt aber stellt sich heraus, dass der Geist des privaten Unternehmertums auch bei einigen Raumfahrern eine Zuflucht fand: Einige der Accessoires, die sie von der Nasa mitgenommen haben und an Privatpersonen weitergegeben haben, sind plötzlich aufgetaucht. Jeder kann sie in die Finger kriegen, der bereit ist, den entsprechenden Preis zu zahlen.

Im Augenblick hält das in Amherst, Massachusetts ansässige Auktionshaus RR Auction die vermutlich größte Versteigerung von Weltraum-Memorabilia aus jener Zeit ab. Sie werden zwar kein Mondgestein und keine kompletten Raumanzüge finden – dafür müssen Sie nach wie vor ins Museum gehen – aber Sie können zum Beispiel das Headset ersteigern, das Charlie Duke in der Bodenstation trug, um mit Buzz Aldrin auf dem Mond zu kommunizieren. Oder das Stromkabel, das in der Raumfähre Apollo 15 verwendet wurde, das Kalenderbild der Miss August 1969 aus dem Playboy, das ohne das Wissen der Nasa an Bord der Apollo 12 versteckt war, das Zehncent-Stück mit dem Konterfei Franklin D. Roosevelts, das Gus Grisson während der Gemini 3 Mission von 1965 bei sich trug; Flaggen aller Apollo-Missionen, signierte Fotografien aller Astronauten des Mercury-Programms; eine Schraube der Kapsel, die Hal, den Schimpansen flog; ein 56 Zentimeter großes Armaturenbrett mit intakter Elektronik, Kabeln, Ziffernblättern und Schaltern, das haargenau dem entspricht, das bei der Apollo 1 Mission zum Einsatz kam, die Grissom, White und Roger Chaffee das Leben kostete oder einen kühlgetrockneten Braten, den man nun aber wohl besser nicht mehr essen sollte.


Insgesamt handelt es sich um über 500 Posten, von denen einige mit einem Startgebot von 2.000 US-Dollar ins Rennen gehen, andere fangen schon bei 100 an. „Es ist für jede Brieftasche etwas dabei und alles ist garantiert authentisch“, sagt der Auktionär Bobby Livingston. „Alle Gegenstände kamen direkt von den Astronauten selbst oder einer handvoll privater Sammler. Das ist eine Chance, ein Kultobjekt zu erwerben.“ Eines, auf das leider verzichtet werden musste, war der Schmutzwasser-Tank der Apollo 11. „Der Besitzer lebt in Großbritannien und wir konnten einfach nicht garantieren, dass es in einem Stück zurück über den Atlantik kommt.“

Mein eigener Favorit? Das würde Sie sicher interessieren, aber ich will natürlich niemanden auf die Idee bringen, gegen mich zu bieten. Wenn Sie aber ein Auge auf etwas geworfen haben, gehen Sie einfach auf die Seite rrauction.com. Sie funktioniert wie Ebay. Die Auktion endet am 20. Januar.

Übersetzung: Holger Hutt

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14:00 15.01.2011
Geschrieben von

John Crace | The Guardian

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The Guardian

Ausgabe 41/2021

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