Paul Mason
19.04.2017 | 14:15 27

Atomkrieg wird wieder denkbar

Atomwaffen Ein Großteil aller nuklearen Sprengköpfe befindet sich in Händen von Männern, die bereit sind, sie zu benutzen. Ein alarmierender Gedanke

Atomkrieg wird wieder denkbar

Es ist an der Zeit, sich die Zerstörungskraft von Atomwaffen klarzumachen

Foto: -/AFP/Getty Images

In der vergangenen Woche hat Donald Trump seine Superwaffe Moab – die "Mutter aller Bomben" – zur Anwendung gebracht. Zehn Tonnen hochexplosiven Sprengstoffs detonierten in der Luft, um, so heißt es zumindest, 94 militante Islamisten zu töten. Die russischen Medien erinnerten unverzüglich daran, dass Russlands eigene thermobarische Bombe - der »Vater aller Bomben« - viermal so Zerstörungskraft besitzt. »Kinder, sagt Hallo zu Papa«, lautete die Schlagzeile des Kremlsprachrohrs Russia Today. Dennoch handelt es sich um Kinderspielzeuge, vergleicht man sie mit Nuklearwaffen. Vielleicht sollte man sich heutzutage daran erinnern, was eine Atomwaffe anrichtet.

Die Bombe, die auf Hiroshima abgeworfen wurde, hatte eine Sprengkraft von 15 Kilotonnen. Sie zerstörte alles in einem Umkreis von 180 Metern und verbrannte alles in einem Radius von zwei Kilometern. Ein Sprengkopf einer Trident-Rakete besitzt heute angeblich eine Sprengkraft von 455 Kilotonnen. Würde man eine über Berlin abwerfen, hätte der Feuerball einen Durchmesser von etwa 1,8 Kilometern und würde sich von der Friedrichstraße bis zum Alexanderplatz erstrecken. Jeder in einem Radius von acht Kilometern – etwa vom Tierpark im Osten Berlins bis zum Olympiastadion im Westen – würde Verbrennungen dritten Grades davontragen. Der radioaktive Niederschlag könnte eine Fläche von bis zu 16.000 Quadratkilometer betreffen. Etwa 230.000 Menschen würden sofort sterben, ungefähr 530.000 würden verletzt. (Hier kann man sein eigenes Szenario erstellen.)

Eine Trident-Rakete enthält jedoch bis zu acht solcher Sprengköpfe. Militärplaner könnten sie zudem in einem Muster rund um ein bestimmtes Ziel abwerfen und somit einen Feuersturm gleich jenen entfachen, die die konventionellen alliierten Bombardements während des Zweiten Weltkriegs in Hamburg und Tokio auslösten. Ich möchte Sie nicht beunruhigen. Aber gegenwärtig befindet sich ein Großteil der weltweit vorhandenen Nuklearsprengköpfe in den Händen von Männern, für die es durchaus denkbar wird, sie auch einzusetzen.

Für Kim Jong Un ist es denkbar. Für Wladimir Putin ist es so denkbar, dass jedes wichtige russische Planspiel mit einer »nuklearen Deeskalationsphase« endet. Das heißt: Man wirft eine Atombombe ab und bietet dann Frieden an. Am 22. Dezember vergangenen Jahres erklärten Trump und Putin beinahe gleichzeitig, ihre Nuklearwaffenarsenale ausbauen und die Technik auf den neusten Stand bringen zu wollen.

Trump ist von Nuklearwaffen besessen

Gerade ist eine Einsatztruppe von US-Flugzeugträgern auf dem Weg nach Nordkorea (der Demokratischen Volksrepublik Korea, DVRK), um Kims Schurkenregime einzuschüchtern. Wir wissen nicht, welche geheime Diplomatie sich in Mar-a-Lago zwischen Xi Jinping und Trump abgespielt hat. Aber die USA scheinen zuversichtlich, dass China die Nordkoreaner im Zaum halten wird. Wir wissen allerdings, dass Trump seit den Achtzigern besessen ist von Nuklearwaffen. Dass er sich weigert, Ratschläge von Berufsmilitärs anzunehmen und dass er das zentrale Konzept der Nato nicht zu begreifen scheint, demzufolge Nuklearwaffen als politische Abschreckungsmittel dienen sollten und nicht als militärische Superwaffen.

Dass Männern mit ungehinderter Macht plötzlich so gern und viel über nukleare Kriegsführung sprechen, sollte das Thema Nummer Eins in den den Nachrichten und die größte Sorge demokratischer und friedliebender Politiker sein.

Innerhalb von zehn Tagen haben sich die Raketenstart-Feuerwerke auf den US-Kabelnachrichtenkanälen zu Bunkerbrecher-Luftdetonationspornos entwickelt. Ein US-Nachrichtensprecher beschrieb Erstere als »schön«.

Das wirkliche Problem wäre das soziale Chaos

Niemals werde ich die Botoxgesichter der US-Nachrichtensprecher vergessen, als diese nach dem Hurricane Katrina in New Orleans ankamen. Es war, als seien sie aus einem Traum erwacht. Die Besten von ihnen erkannten immerhin, wie sie schlafwandelnd auf die Katastrophe zugegangen waren.

Katrina hat gezeigt, was geschieht, wenn eine Katastrophe eine anfällige, von Armut geplagte und sozial fragmentierte Stadt heimsucht. In New Orleans brach die Zivilisation für einige Tage zusammen. Polizisten, die ihre übergewichtigen Körper plötzlich zu aufopfernder und mühsamer Arbeit schleppen sollten, verweigerten den Dienst. Es kam zum modernen Äquivalent von Lynchjustiz. Die Kontrolle der US-Regierung und des Militärs über die Situation brach zusammen. Meine Erfahrungen dort haben mich überzeugt, dass bei einem Vorfall mit einer großen Zahl von Todesopfern in einer Stadt in der entwickelten Welt das wirkliche Problem das soziale Chaos wäre und nicht die Strahlenkrankheit.

Trump fährt die Militärrhetorik aus einem furchtbar einfachen Grund hoch: Vor zwei Wochen wurde der isolationistische Flügel seines Teams von Generälen überflügelt. Sie versuchten es mit ein bisschen Krieg um zu sehen, wie es laufen würde und es lief gut.

Vielleicht werden wir Glück haben. Möglich, dass die chinesische Führung bereit ist, ernsthaften Druck auf Nordkorea auszuüben, um zu verhindern, dass Kims Regime irgendeine Provokation gegen die US-Marine anstellt. Oder wir haben Pech: Die Volksrepublik Nordkorea besitzt eine Atomwaffe, auch wenn die Raketen, die diese transportieren müssten, unzuverlässig sind.

Schweigen ist kriminell

Es liegt in der menschlichen Natur, dass wir – angesichts des Ausmaßes der Verheerung, die ein Nuklearkrieg mit sich bringen würde – die Möglichkeit aus unseren Gedanken löschen und uns über kleinere Risiken sorgen, da das große so unkalkulierbar ist.

Von den 1950ern bis zu den Nullerjahren des neuen Jahrtausends standen allen Nuklearmächten Politiker des militärisch-industriellen Komplexes vor, die den Wert des Multilateralismus verstanden. Überall um uns herum wird die Politik zunehmend emotionsgesteuert, unilateral, darauf bedacht, die Massen zufrieden zu stellen und fällt unter die Kontrolle unberechenbarer Familienclans und Mafias, statt von Technokraten, die die herrschenden Eliten repräsentieren.

Für die Kriegshetzer ist wirklicher Multilateralismus ein ernsthaftes Ärgernis. Deshalb zwingen so viele der Autokraten dieser Welt Nichtregierungsorganisationen dazu, sich zu registrieren, verweigern ihnen ausländische Gelder, verunglimpfen die Anwesenheit internationaler Beobachter oder sabotieren deren Arbeit.

Wenn die Staatschefs Europas uns eine nützliche Osterbotschaft hätte überbringen wollen, hätte diese lauten können: Wir werden an diplomatischem und wirtschaftlichem Druck festhalten, um Nordkorea zum Einlenken zu bewegen. Und wir werden unseren eigenen unabhängigen diplomatischen Einfluss nutzen, um Abrüstung und Nichtverbreitung zu stärken. Doch das allgemeine Schweigen – während Trump zeitgleich mit militärischer Eskalation und nuklearer Aufrüstung herumspielt – ist schlicht kriminell.

Info

In seiner Originalversion enthält der Beitrag Beispiele und Passagen, die sich speziell auf Großbritannien beziehen. Wir haben sie für die deutsche Version angepasst.

Übersetzung: Zilla Hofman

Kommentare (27)

apatit 19.04.2017 | 14:53

Danke für diesen Artikel! Wo ich die medialen Ergüsse für die “Mutter aller Bomben“ gelesen habe, da war wieder der Eindruck – einige haben ( Politiker, Militärs, kalte Krieger usw. ) nicht alle Tassen im Schrank! Und auch bei den Atomwaffen und der USA Politik – die auch versteckt bejubelt wurde wie in Syrien - zeigen eine Arroganz der “gelobten“ westlichen Wertegemeinschaft und wie dehnbar das Völkerrecht ist!

Wer kennt noch das vor 1989? 2. Strophe einer Nationalhymne...

Glück und Friede sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
schlagen wir des Volkes Feind.
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
daß nie eine Mutter mehr
ihren Sohn beweint.

… nun 2017 haben wir die “Freiheit“ ins Gras zu beißen, man haben wir uns weiterentwickelt!

30sec 19.04.2017 | 17:57

Atomkrieg wird wieder denkbar, offenbart Verdrängung oder Gedankenlosigkeit.
Ein Atomkrieg war und ist seit Hiroshima jederzeit denkbar - und machbar. Dazu braucht es keine irren Trump, Kim etc., es reicht ein Irrtum bei gestressten, übermüdeten Militärs. 1.800 Atomwaffen werden in ständiger Alarmbereitschaft gehalten, sind also per Knopfdruck startbar. Beinahe-Katastrophen gab es mehrere, von tausenden "Unfällen" ganz zu schweigen. Ausführliches dazu und zu Atomwaffen allgemein bei Atomwaffen A-Z.

Nagel mit Kopf 19.04.2017 | 21:06

Danke für diesen aufrüttelnden Artikel von Paul Mason!

Leider haben die Medien haben einen grossen Anteil an der wachsenden Kriegstreiberei. Schon das gedankenlose gegenseitige Abschreiben des militärischen Übernamens "Mutter aller Bomben" für die MOAB-Riesenbombe (eigentlich die Abkürzung für Massive Ordnance Air Blast) ist die obszöne Verharmlosung einer Schreckenswaffe. Ein guter, kritischer Artikel über diese Waffenfaszination findet sich hier.

Wenn wir uns daran erinnern, dass Trump im Wahlkampf sagte, Atomwaffen seien nicht da, um sie nicht einzusetzen, läuft es mir kalt den Rücken runter.

Es ist höchste Zeit für eine neue starke Friedensbewegung in Europa: «Schweigen ist kriminell.»

schmidtrainer 19.04.2017 | 22:12

Atomkrieg wird wieder denkbar

Nun, ist diese Nachricht wirklich so neu? Die Atomwaffen-Arsenale der Supermächte reichten schon immer selbst zu einem Bruchteil aus, diesen, unseren Planeten auszulöschen.

Passiert ist es nicht. Auch ich kann mir durchaus einen besonneneren Präsidenten der USA vorstellen als Donald Trump.

Nichtsdestotrotz: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Atomwaffen gegen einen unliebsamen , politischen Gegner einsetzt.

Ein atomarer Schlag, egal wer gegen wen, wird unweigerlich zu einem Gegenschlag führen.

Und die meisten Kriege werden meiner Meinung nach der Eroberung halber geführt. Verseuchtes Land aber bietet keine Lukrativität.

Und auch ein größenwahnsinniger nordkoreanischer Diktator wird sich einen Atomschlag sehr gut überlegen. Zumal nicht nur Nordkorea über Atomwaffen verfügt.

Schon möglich, dass ich die Dinge zu naiv betrachte, doch sehe ich die Atomwaffen primär als Abschreckung.

Zum Einsatz werden diese mMn. nicht kommen, die jüngste Geschichte dieser Welt hätte schon oft genug Gelegenheit dazu gegeben.

schmidtrainer 19.04.2017 | 22:15

Atomkrieg wird wieder denkbar

Nun, ist diese Nachricht wirklich so neu? Die Atomwaffen-Arsenale der Supermächte reichten schon immer selbst zu einem Bruchteil aus, diesen, unseren Planeten auszulöschen.

Passiert ist es nicht. Auch ich kann mir durchaus einen besonneneren Präsidenten der USA vorstellen als Donald Trump.

Nichtsdestotrotz: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Atomwaffen gegen einen unliebsamen , politischen Gegner einsetzt.

Ein atomarer Schlag, egal wer gegen wen, wird unweigerlich zu einem Gegenschlag führen.

Und die meisten Kriege werden meiner Meinung nach der Eroberung halber geführt. Verseuchtes Land aber bietet keine Lukrativität.

Und auch ein größenwahnsinniger nordkoreanischer Diktator wird sich einen Atomschlag sehr gut überlegen. Zumal nicht nur Nordkorea über Atomwaffen verfügt.

Schon möglich, dass ich die Dinge zu naiv betrachte, doch sehe ich die Atomwaffen primär als Abschreckung.

Zum Einsatz werden diese mMn. nicht kommen, die jüngste Geschichte dieser Welt hätte schon oft genug Gelegenheit dazu gegeben.

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Ehemaliger Nutzer 19.04.2017 | 23:48

Mit der Entwicklung der Atombombe wurde mit Hiroshima und Nagasaki lediglich angedeutet wie ein Atomkrieg aussehen könnte.

Vorstellbar bleibt ein Atomkrieg bis heute allerdings nicht, auch wenn viele Militärs mit Uran spielen wie die Bälger in ihren bislang noch als nichtatomar bezeichneten Kriegen, die in Wahrheit längst keine nichtatomaren Kriege mehr sind.

Bunkerbrechende Waffen mit abgereicherter Uranmunition als nichtatomar bezeichnen zu wollen - was anderes kann das sein als euphemisierend auf eine ultima ratio hinweisen zu wollen, die für viele Militärs zur prima ratio geronnen zu wirken scheint?

na64 20.04.2017 | 09:12

Supererde nur 40 Lichtjahre entfernt!?.
Diese schlechte Kommunikation führt zu persönlicher Resignation und verhindert ein anstreben für die Richtigen Veränderungen, da Sie die enge Sicht zum Horizont auf den wir uns zu bewegen mit unseren Problemen, die wir mit unserer Umwelt und Umgebung haben nicht mehr betrachtet und Wahrgenommen werden soll. Unser Bewusstsein wird und soll mit Träumen und Zielen gefüttert werden, die eine Orientierung als Aufgabe einer Arbeit und so die Teilhabe in der Gesellschaft gewährleisten kann. Das vermittelt persönliche Wertigkeit und die durch unserer Leistungsbereitschaft und Einordnung in diese wirtschaftlichen Autarken Systeme, über unserer Entlohnung den Wert und unsere Befriedigung aus der Arbeitswelt hin in persönliche Fortschritte mittels Konsumbeteiligung ein jeder als Stolz auslebt.
Diese Inspirationen durch schlechte Kommunikation bewirken einzig nur ein Ergebnis bei uns arbeitenden Menschen, dass man Ihnen beim persönlichen Wertschöpfen über Ihre Arbeit diesen Wert und das Ziel für den eigenen persönlichen Fortschritt seiner Sinnhaftigkeit beraubt um Ausgrenzungen in den Hierarchien gestalten zu können, damit ein hoch arbeiten in bessere Lebenssituationen 40 Lichtjahre dauert. Also schier unmöglich ist.
Wenn Menschen sich nicht mehr selber hoch arbeiten können, dann entsteht eine merkwürdige und abscheuliche Gewalt, die sogar mir Angst macht und ich Achtsam Ihr gegenüberstehen werde, um nicht von Ihr aufgefressen zu werden. Wir sind alle 40 Lichtjahre entfernt, von einem Horizont der uns über das $ystem Arbeit Verbesserung bescheren soll.
Schlechte Kommunikation führt zu Wutausbrüchen und formiert sich in einer persönlichen empfundenen Enge, hin zu willkürlichen Tötungsdelikten. In einem Sumpf, dem finsteren Reich der Armen, ist es den Leuten egal welche Regierungsform, ob Demokratie oder Autokratie das $ystem der Arbeit bestimmt, da die Wirtschaft für Sie eh keine Ziele mehr bietet. Aus diesen Lebensumständen kann ein weitaus anderer Mob entstehen, der vor Lynchjustiz nicht zurückschrecken wird. Dies kann auch eine Motiv Variable als Wahrscheinlichkeit für den BVB Anschlag sein. Diese Entwicklung hält nicht mal die AfD auf, weil das finstere Reich der Armen sich politisch gewohnt nicht mehr organisiert und sich auch nicht mehr mit den Parteirichtlinien Identifiziert.
Was tut man jetzt gegen diese schlechte Kommunikation, bei der Appelle an die Vernunft nicht wirken werden!?.

Die Lösung wäre ein Neugestalten der Infrastruktur Arbeit. Doch wie soll das gehen wenn unser Credo im Wachstum von immer mehr Mobilität unter Zeitdruck die Erde hin zu einem transformierten Superstern bewegt. Wir lernen, verstehen und erkennen nichts von dem was wir hier tun, wie auch der anstehende Kampf und Krampf im menschlichen Sein, was sich als Wettstreit zwischen Demokratie vs. Autokratie letztendlich als unsere Supererde dann darstellen wird.

Würden Außerirdische uns entdecken, so würden diese den Kontakt mit uns meiden wollen, da Sie sehen, höre und es auch verstehen wie wir diesen Planeten in einen wachsenden Abfallhaufenspass verwandeln, bei dem uns der Müll zu keiner Supererde, hinaus aus unserer Atmosphäre zu anderen unendlichen Weiten, wie Weiden bewegen wird. Wir bauen ja hier auf der Erde in Kleinstaaterei schon Digitale Grenzräume. Sperren andere aus und uns ein, damit die Wirtschaft als $ystem überleben kann. Es gibt dann nur noch Völkerwanderungen innerhalb dieser begrenzten Räume durch Arbeit und Kontaktaufnahme zu anderen Räumen wird über den Gott Mars geschehen. Krieg als Bewusstsein für ein weiter Leben in schlechter Kommunikation. In unserem Bewusstsein sind wir 40 Lichtjahre davon entfernt, unserer Spezies weiterhin auf diesem Planeten einen Artgerechten Lebensraum bieten zu können. Unser Nachruf wird dann lauten: Schade um den Menschen. Er war der die einzige Lebensform auf diesem Planeten, die sich selber zerstörte.

ape$ound_watching - the $ystem life creates his future Part 4

Flegel 20.04.2017 | 11:36

Perverse Gehirne gibt es überall

Als ich mich im vergangenen Jahr hier in der dFC über die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vom 6. August und 9. August 1945 empörte, entgegneten mir einige Diskussionsteilnehmer, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank. Ich sollte mir besser mal ansehen, was die Japaner beim Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 angerichtet hätten.

Der amerikanische Atombombenabwurf sei absolut gerechtfertigt gewesen, wie auch die Tatsache, dass sich die USA hierfür bis heute nicht entschuldigt haben.

Kriege gibt es, weil sich intellektuelle Brandstifter und größenwahnsinnige Schurken für privilegierte Götter halten, uns den Krieg vor dem Hintergrund ihrer pathologischen Deutungsmentalität als Ultima Ratio zu verkaufen und denen es gelingt, selbst noch das Volk in diesem Sinne ebenso skrupellos wie pathologisch zu agitieren. "... Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?“

Und diese Gesinnung ist auch unter jener Population von uns Bürgerinnen und Bürgern zu finden, die sich im Allgemeinen für die „Normalos“ halten.

Diese Gesinnung ist es, die Atombomben ermöglichen und selbstverständlich auch Kriege.

iDog 20.04.2017 | 19:34

Um zu beweisen , dass man der "Gute" ist, das banal Böse tun? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Aber halt, nein, denkbar ist das nicht. Philosophisch zumindest spricht alles dagegen. Getant wurde es schon und vielleicht wird es wieder getan werden. Das ist aber etwas ganz anderes, als es zu denken. Dieses Tun wäre dann zudem die Erfüllumng eines Programms, dass nichts mit Denken zu tun hat. Aus der Projeizierung der eignen Unfähigkeit, des eignen Scheiterns nach außen wird noch keine Lösung, sondern die mehr oder weniger bewusste Selbstvertnichtung à la III. Reich. Diese ideologische überhöhung der kapitalistischen Konkurenz in eine finale Destruktion nach dem Motto: Der Tod des Sytems ist unser Tod und der aller ... ist so klar wie Klosbrühe. Das solche Exzesse immer nur dann stattfinden oder auf den Spielplan kommen, wenn alles den Bach runtergeht, gerade runtergegangen ist, die Macht , die Hegemonie, alles bröckelt, am Ende ist, sollte evident sein und auch als empirisch bewiesen gelten.

Wann werden diese Charakterclows und debilen Rollenschweine , welche solches Tun verantworten wollen, endlich mit dem weißen Wagen abgehohlt? ... und von wem? Von uns ...

naja 20.04.2017 | 20:01

Atomkrieg wird wieder denkbar

Natürlich ist ein Atomkrieg denkbar - keine Frage. Aber ist ein Atomkrieg auch führbar? Das heißt: Kann ein Atomkrieg präsidial befohlen, generalstabsmäßig geplant und schließlich geführt werden

Welcher Staat sollte einen solchen Atomkrieg führen und gegen wen sollte er mit welchem Ziel geführt werden? Spontan dürfte da den allermeisten Menschen die USA einfallen. Sie haben schon Atombomben abgeworfen, Agent Orange entlang des Ho Tschi Min Pfads und angrenzenden Gebieten, zum Teil auch im Grenzgebiet von Laos und Kambodscha verschüttet. Menschenverachtend, aber der Zweck heiligt halt die Mittel.

Im Falle der der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki wurde der Krieg schon auf Inseln (Iwo Jima) des japanischen Mutterlands geführt. Beide Male wurde ein asymetrischer Krieg geführt. Der technischen Übermacht hatten weder Japan noch Nordvietnam was entgegen zu setzen. Nur war Japan schon vor dem Atombombenabwurf dem Zusammenbruch nahe und Nordvietnam kam Kanonenfutter kein höherer Wert zu. Dazu verlor der Krieg in den USA an Zustimmung in der Bevölkerung, hatte die südvietnamesiche Regierung in ihrer Bevölkerung kaum einen Rückhalt. Antiamerikanismus nahm/nimmt weltweit zu - noch ist er nicht besorgniserregend, aber beklagt haben sich amerikanische Politiker schon bei Merkel.

Nun behauptet Mason, daß Trump von Nuklearwaffen besessen sei, "sich weigert, Ratschläge von Berufsmilitärs anzunehmen und dass er das zentrale Konzept der Nato nicht zu begreifen scheint, demzufolge Nuklearwaffen als politische Abschreckungsmittel dienen sollten und nicht als militärische Superwaffe." Das mag schon stimmen. Nur, meiner Beobachtung nach ist Trump nur wenig mehr als ein Strohmann, der der Welt den US-Präsidenten gibt. Man sehe sich nur an was Trump in letzter Zeit gemacht hat. Er verfaßt Dekrete und ärgert sich über Richter, die sie seine Dekrete wieder einkassieren, er hievt seine Tochter Ivanka in Positionen für die ihr meiner Meinung nach die Eignung fehlt. Trump empfängt May und Xi und die Welt erfährt, daß auf Syrien Marschflugkörper unterwegs seien. In seine noch sehr junge Amtszeit aber waren sein Kriegsminister Mattis und Außenminister Tillerson auf Reisen gehen, um allen die's wissen sollten die Welt zu erklären. Genau besehen droht Trump dem Nordkoreaner Kim mit einem Flugzeugträger, der entweder Trumps Befehl nicht verstanden hat oder von seiner Elektronik im Stich gelassen wurde. Sind so gesehen Trumps Minister wirklich alle seine Wahl oder sind sie ihm von der republikanische Partei "empfohlen" worden, um nicht zu sagen: Untergejubelt?

Trump weist, sogar mit dem 39. US-Präsidenten Jimmy Carter verglichen, keine eigenen Aktivitäten auf.

Bleibt die Frage: Würden Tillerson und Mattis einen Atomkrieg führen? Kaum! Denn das Spielfeld Europa reicht inzwischen bis zur russischen Westgrenze. Bundeskanzler Schmidts Befürchtung, daß es nach einem Krieg in Europa, nichts mehr zu verteidigen gäbe ist, ist immer noch zutreffend. Daß amerikanische Nuklearwaffen Russland heute sehr viel näher sind, läßt jedem russischen Präsidentem keinen Spielraum - es sei denn er unterwirft sich, um einen Krieg zu vermeiden. Das käme einer Selbstverleugnung gleich!

Warum sollte es keinen Krieg mit atomarem Einsatz geben? Ganz bestimmt nicht, weil die USA so friedliebend sind, sondern nur, weil weil sie ihren Einfluß auf die Staaten behalten wollen, mit denen sie Wirtschaft treiben. Es geht lediglich um den Erhalt und/oder Vergrößerung ihres Einflußgebeites. Daß sie ihre Kinder lieben, wie Sting von den Russen hofft und glaubt, ist bei den Amis eher nicht anzunehmen. Sonst würden stolze Eltern ihre 16 jährigen Söhne nicht volljährig erklären, wie vor dem Iraq-Krieg vereinzelt geschehen, würden sie nicht wie seit dem Eintritt in den WK II, also seit über 7o Jahren personell und/oder materiell Kriege führen.

Bleibt Putin! Ich glaube, daß er nicht das Geld hat einen konventionellen Krieg zu führen, materiell könnte er das Baltikum in weniger als 2 Stunden überrannt haben.

Bleibt Kim! Ihm wär's zuzutrauen. Aber hat er die Technik? Kim könnte sich nicht einmal darauf verlassen, Seoul nicht unwillentlich zu zerstören. Das liegt inder amerikanischen Einflußzone, deshalb droht man, appelliert an China und Russland ihn zu zügeln. Die Teilung Koreas, an der niemand ein echtes Interesse hat sie zu beenden, läßt einen Krieg möglich erscheinen. Der reiche Süden, würde sehr viel ärmer. China bekäme amerikanische Nuklearwaffen an seiner Grenze stationiert, und und und ...

So gesehen, mag Trump, wie Mason behauptet vom atomaren Arsenal besessen sein, was ausgesprochen krank ist, aber Angst wie Mason intendiert, muß man aktuell nicht übermäßig haben.

Daniel Uxa 21.04.2017 | 12:02

Es ist schon bemerkenswert. Als 2014 die Situation in Europa (Stichwort: Ukraine) in Richtung Eskalaion in einen heißen Krieg abzurutschen drohte, mit bis heute nicht aufgeklärten Zusammenhängen, was hatte sich da nicht für eine groteske Fraktion an Abwieglern und Bescheidwissern im Netz und auch hier im Freitag aufgemacht, die Dinge ins Rechte Licht zu rücken. Friedensbewegung? Brauchen wir nicht ... Atomkrieg? Ach so ein Quatsch ... Militärmacht USA? Friedensnobelpreis! Natürlich trägt der Russe Putin die Alleinschuld.

Und jetzt macht man sich plötzlich Sorgen um eine nukleare Eskalation der globalen Konflikte weil der neue US-Präsident wie seine Vorgänger weiter am Rad dreht und keiner weiß, wann der Rest der großen Führer dieser Erde mit am Rad drehen wird?

Na guten Morgen, ich hoffe der Schlaf war erholsam. Was hat sich denn seit dem "Ende" des Kalten Krieges geändert? Ach so ja, es sind global noch ein paar Großmachtsanwärter dazugekommen, und die Atomwaffenarsenale wurden modernisiert.

Hoffentlich kommt jetzt endlich mal eine sachliche Debatte im Netz zu diesen ganzen Themen in Gange, es ist dringend nötig.

Grenzpunkt 0 21.04.2017 | 17:37

Für jeden, der glaubte, vor diesem Artikel in Sicherheit zu sein, und jetzt denkt, die Gefahr (wieder)erkannt zu haben, empfiehlt sich die Lektüre "Command and Control: Die Atomwaffenarsenale der USA und die Illusion der Sicherheit". Eric Schlosser recherchiert einen Beinahe-Unfall akribisch und beleuchtet daran und an dutzenden anderen Vorfällen die Fehlbarkeit der Technik, die uns mehr als nur einmal an den Rand des Untergangs gebracht hat. Diese Ereignisse, die es im Verantwortungsbereich auch der anderen Atommächte sicher genauso gab, zeigen, dass die Gefahr tagtäglich da ist und die Auslöschung unseres Planeten ganz banal ausgelöst werden kann. 1983 rettete Stanislaw Petrow die Menschheit, nachdem das sowjetische Frühwarnsystem amerikanische Raketen im Anflug "entdeckt" hatte. Selig sind wir als Unwissende.

Ein etwas schaler Geschmack bleibt nach dem Lesen der Übersetzung des Artikels zurück. "men" kann man als "Männer", aber auch als "Menschen" übersetzen. Bezeichnenderweise ist dann auch der Abschnitt zu Theresa May in der Übersetzung entfernt worden, die ja die Herrscherin über die britischen Trident-Raketen ist. Und ob eine Nikki Haley zögern würde, auf den Knopf zu drücken, steht in den Sternen, genau wie bei den erwähnten "Herren der Schöpfung". Nicht alles, was angekündigt wird, wird wirklich, und manches passiert ohne Vorwarnung.

G.A. 21.04.2017 | 19:01

Wenn ein Atomkrieg noch nicht geführt wurde, dann wegen der drohenden eigenen totalen Vernichtung. Eingesetzt wurden diese Waffen bisher nur gegen diesbezüglich wehrlose Gegner.

Leider hat sich diesbezüglich die Welt weiterentwickelt. In den USA gibt es einflussreiche Kräfte, die in einem zukünftigen Atomkrieg zwischen Russland und den Westen die USA als Sieger mit vertretbaren Verlusten auf eigener Seite sehen, wenn es gelingt das Heimatland größtmöglichst vor der Vernichtung zu schützen.

Voraussetzung ist hierfür eine "Atomlastverteilung" auf die an Russland angrenzenden Länder und der Ausbau des Verteidigungsschirms um die USA, Ziel ab ca. 2025.

Genau diese Strategie wird gerade realisiert, zusätzlich kombiniert mit einer west-/östlichen Entflechtung der Wirtschaft (Wirtschaftssanktionen).

Egal wer den Atomkrieg beginnt, verantwortet, wie hoch Westeuropa gerüstet sein wird und wer ihn gewinnt.- Europa und insbesondere von Deutschland würden in eine atomar verseuchte und menschenlehre Steinzeit gebombt.

Deswegen ist jeder europäischen Politiker, der das Wettrüsten und die Eskalation zwischen dem Westen und Russland unterstützt, ein Totengräber seiner eigenen Nation.

Siehe eigene Worte der US-Strategen: USA, CSIS, Mai 2015: „A Report of the CSIS International Security Program”:

“… States will “respond in kind” and proportionately to nuclear attacks on its allies. The credibility of that message is reinforced because the U.S. homeland would not be engaged in the U.S. response to a nuclear attack on a regional ally, which leaves the burden on the regional aggressor to escalate to the level of “homeland exchanges.” The price, however, for this more credible U.S. “nuclear umbrella,” is likely to be the ally’s willingness to host U.S. nuclear weapons. This is what will constitute “nuclear burden sharing” in 2025–2050…“

Alexander 21.04.2017 | 22:01

"Zum Einsatz werden diese mMn. nicht kommen, "

Robert McNamara über die Kuba-Krise: "In the end, it was luck. We were *this* close to nuclear war, and luck prevented it."

(Den Vorfall mit dem mit Nukleartorpedos bewaffneten sowjetischen U-Boot vor Kuba, das die US Navy zum Auftauchen zwingen wollte, mag jeder selber recherchieren)

Darüber, wie gefährlich es 1983 im Rahmen von "Able Archer" geworden ist, findet man ebenfalls beunruhigende Aussagen.

Ich halte es für nahezu sicher, dass die Angelegenheit früher oder später schief gehen wird!