Gary Younge
06.06.2017 | 15:41 14

Der Unwählbare

Großbritannien Seine Kritiker erklärten Jeremy Corbyn für nicht vermittelbar. Dass die Wähler darüber entscheiden, wurde vollkommen vergessen

Der Unwählbare

Der Labour-Chef hat sich als formidabler Wahlkämpfer erwiesen

Foto Christopher Furlong / Getty Images News

Auf einer Party in der Londoner Innenstadt, nicht lange nachdem Jeremy Corbyn zum ersten Mal zum Labour-Vorsitzenden gewählt worden war, erläuterte mir eine junge Journalistin die Faktenlage, wie die sich in ihren Augen darstellte.

"Er hat die Wahl schon verloren", ließ sie mich wissen.

"Ich dachte, er hätte eben erst eine gewonnen", gab ich zu bedenken.

"Ich meine 2020", erwiderte sie und bezog sich damit auf den Termin, der eigentlich für die nächste Unterhauswahl vorgesehen war. "Sprechen wir über 2020 jetzt schon in der Vergangenheitsform?", fragte ich nun wieder.

Das Problem mit der herrschenden Meinung ist oft, dass sie ohne Beipackzettel daherkommt. Niemand weiß genau zu sagen, wo ihre Gewissheiten eigentlich herkommen, trotzdem verbreiten sie die Leute weiter, als seien sie das Produkt ihrer eigenen politischen Vernunft und so klar wie ein wolkenloser blauer Frühlingshimmel.

Während der vergangenen zwei Jahre galt es als ausgemachte Sache, dass Labour unter Corbyn für die britische Wählerschaft unwählbar sei. Es hieß, Labour würde Wahlen nicht nur verlieren, sondern noch nicht einmal ernsthaft gegen die Tories antreten können. Das wurde nicht als Meinung präsentiert, sondern als Tatsache. Wer daran zweifelte, wurde behandelt, als würde er den Klimawandel leugnen. Wer Labour unter Corbyn ernsthafte Chancen einräumte, wurde schlicht nicht mehr ernstgenommen.

Soweit das Narrativ, das die politische Klasse an die Medien weitergab, die es druckten und versendeten, wie ihnen befohlen. Die politische Klasse, die sich größtenteils aus derselben sozialen Schicht rekrutiert wie die Leute, die ihr auf der anderen Seite der Mikrofone gegenübersitzen, deuteten dann die von ihnen diktierten Artikel als Beweis für die Richtigkeit ihrer Behauptungen. Die Gewissheit über Corbyns Unwählbarkeit wurde an alle übermittelt, auf die es ankam. Wen das nicht erreichte, auf den kam es per definitionem auch nicht an. In dieser Atmosphäre konnten natürlich keine neuen Ideen entstehen.

Nicht zum ersten Mal

Kurz vor der Wahl am 8. Juni liegt Labour in den Umfragen nun zwischen einem und zwölf Prozent hinter den Konservativen. Eine Hochrechnung kommt zu dem Schluss, dass die Tories keine absolute Mehrheit zusammenbekommen; die meisten sagen ihnen eine Mehrheit zwischen 30 und 70 Prozent voraus. Keine der Prognosen geht von einem Sieg für Labour aus. Die meisten prognostizieren Corbyn aber einen höheren Stimmenanteil, als ihn die Vorgänger Ed Miliband oder Gordon Brown für Labour erringen konnten. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass die Meinungsforscher falsch liegen.

Einer Umfrage zufolge könnte jeder Fünfte noch seine Meinung ändern. Klarheit werden wir erst am späten Donnerstagabend haben. Für diejenigen, die von Corbyns Unwählbarkeit überzeugt waren, kam es auf die eigentliche Entscheidung der Wähler selbst gar nicht an. Die Stimmabgabe war für sie reine Formalie. Wie es nun scheint, ist dieser Faktor aber durchaus nicht so unbedeutend, selbst wenn es für Labour nicht ganz reichen sollte.

Aber das sollte uns nicht allzu sehr überraschen – von der herrschenden Meinung mal ganz abgesehen. Wählbarkeit, ob sie sich auf eine Person bezieht oder ein Programm, ist keine Wissenschaft. Zugegeben gibt es da draußen kluge Leute, die bisherige Wahlen und das Verhalten der Wähler studiert haben, um Vorhersagen zu treffen. Das sind aber nur Wahlforscher und keine Hellseher.

Das Geld entscheidet

Die Menschen, die „entscheiden“, ob jemand wählbar ist oder nicht, sind nicht die Wähler – die kommen erst viel später –, sondern meinungsbildende Eliten und jene, die diese Eliten finanzieren.

In den USA entscheidet das Geld über die Auswahl der Kandidaten, noch bevor die Wähler überhaupt einen Blick auf sie werfen dürfen. In Großbritannien spielen die Medien die entscheidende Rolle. „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken", schrieb Marx in seiner Schrift Deutsche Ideologie. Das erklärt, wie ein Mann wie Corbyn, der mit Sinn Féin geredet hat (eine Strategie, die sich bewährte) immer wieder nach seiner Unterstützung für den „Terrorismus“ gefragt werden kann, während eine Frau, deren Partei Nelson Mandela zum Terroristen erklärte, nie danach gefragt wird, warum sie die Apartheid unterstützt hat.

Es gibt auch keine festen Attribute, was einen Kandidaten wählbar macht und was nicht. Politische Kulturen sind lebendige Organismen. Sie verändern sich stetig; die Qualitäten wechseln, nach denen Wähler bei Politikern suchen.

In den USA galt es einmal für ausgemacht, dass einer weiß sein musste, um zum Präsidenten gewählt zu werden. 1958 antworteten 53 Prozent der weißen Wähler auf die Frage, ob sie einen schwarzen Kandidaten wählen würden, mit nein. 1984 waren es noch 16 und 2003 nur noch sechs Prozent. Wir wissen, dass das heute nicht mehr stimmt. Aber bis zur Wahlnacht 2008 konnten wir uns dessen nicht sicher sein.

Clintons Irrtum

Es stimmt auch für die Programme. Selbst wenn Parteien sich grundsätzlichen Prinzipien verschreiben, müssen sie in ihren Versprechen doch mit der Zeit gehen. Die Anhänger Blairs und Clintons haben das nicht nur verstanden, sondern sogar zu ihrem Glaubensbekenntnis gemacht. Doch nachdem sie eine neoliberale Agenda zusammengezimmert hatten, die sie in den 90ern und darüber hinaus für eine Mehrheit wählbar machte, glaubten sie offenbar, ihre Aufgabe sei erledigt: der Rechtsruck sei sowohl alternativlos und einmalig – sie werden das mutmaßlich nie wieder tun.

Der wirtschaftliche Zusammenbruch und die darauffolgende Austeritätspolitik haben für eine tektonische Verschiebung in unserer politischen Kultur gesorgt. Die Erwartungen der Menschen an eine Mitte-Links-Partei haben sich verändert. Die herrschende Meinung, wer oder was wählbar ist, hat diese Veränderung nicht nachvollzogen. Ihre hohen Priester beharren darauf, dass Wahlen in der Mitte gewonnen werden. Sie verstehen nicht, dass die Mitte sich verschieben kann und in Zeiten extremer Polarisierung sogar ganz verschwindet. Die Pragmatiker wurden zum Dogmatikern; die Modernisierer zu Konservativen.

Doch das grundsätzliche Problem mit der Vorstellung von Wählbarkeit besteht darin, dass es auf der Unterstellung beruht, dass etwas, das es so noch nicht gegeben hat, auch nicht funktionieren könne. Es unterstellt, die Art, wie die Menschen die Welt sehen, könne durch Argumente und politische Praxis nicht verändert werden. Stattdessen errichtet es Grenzen für das, was diskutiert werden darf. Wer es wagt, sich etwas zu erträumen, das außerhalb dieser Grenzen liegt, ist ein Utopist; wer sich außerhalb ihrer äußert, gilt als Narr.

Das Wahlfieber steigt

Es ist nur so, dass in Krisenzeiten wie der unsrigen die Kosten dafür, außerhalb der Grenzen der herrschenden Meinung zu denken, für viele geringer werden. Ein Kandidat wie Corbyn, der Terroranschläge im Inland mit den Kriegen in Verbindung bringt, die die eigene Regierung im Ausland führt, und für die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums und die Stärkung des öffentlichen Dienstes eintritt, hat massiv aufgeholt.

Man hatte uns gesagt, dass so etwas nicht möglich sei. Und genau darin liegt der Grund, warum zum ersten Mal seit langem viele Leute dieser Wahl entgegenfiebern. Ob Corbyns Labour-Party gewinnt, wissen wir bald. Der einzige Weg, wirklich herauszufinden, ob etwas wählbar ist, besteht darin, dafür zu kämpfen und zur Wahl zu gehen.

Übersetzung Holger Hutt

Kommentare (14)

gozilla 06.06.2017 | 16:28

"Ob Corbyns Labour-Party gewinnt, wissen wir bald., sagt Gary Younge. Und Pit Wuhrer meint: "Ein Sieg von Labour ist ziemlich ausgeschlossen. Andererseits könnte es durchaus sein, dass die Konservativen nicht – wie von May erhofft – an Sitzen hinzugewinnen, sondern ihre Mehrheit verlieren. In diesem Fall wird es ab dem kommenden Wochenende spannend. Denn mit wem wollen die Tories regieren? Eine Wiederholung der konservativ-liberalen Koalition (2010 – 2015) ist praktisch ausgeschlossen; in der Europafrage liegen die LiberaldemokratInnen und die Tories zu weit auseinander. UKIP wird es wieder nicht ins Parlament schaffen. Bleibt noch eine Allianz mit der stockkonservativ-protestantischen Democratic Unionist Party in Nordirland, die Mühe haben wird, ihre acht Unterhaussitze zu verteidigen.

Die Alternative: ein progressives Bündnis von Labour, SNP, den LiberaldemokratInnen, den nordirischen und walisischen Kleinstparteien sowie den Grünen (bisher: ein Sitz) – aber das wird allerdings nicht so leicht zu schmieden sein."

Übermorgen wissen wir es....

Oskaristderbeste 07.06.2017 | 00:14

Was man in Deutschland nicht sieht, ist das ein Mann wie Corbyn der Deutschen SPD fehlt, er kann zwar keine Dampfplauderei wie dieser unselige Schulz, aber was er den Leuten zusagt, das wird er auch tun...und er tut das, was der Führer einer sozial demokratischen Partei tun sollte, nämlich den Wählern ein sozial demokratischen Programm anzubieten. Und wenn er am Freitag morgen tatsächlich zu Queen gehen sollte (bzw.im Falle einer Koalitionsregierung am Montag), dann wäre das historisch, nicht weil damit die fast vierzigjährige Terrorherschaft des Thatcherismus in UK zu Ende wäre, wichtiger noch wäre das Signal an die Sozialdemokraten in den Sozialdemokratischen Parteien Europas, sich endlich ihre Partei zurückzuholen: ach hier ein Link zu einer Veranstaltung heute abend in Birmingham (so etwas hat in dieser Form wohl seit Willi Brandt nicht gegeben.)

https://www.facebook.com/labourparty/videos/10154579521852411/

Michaela 07.06.2017 | 09:06

Die Massentrottel, diese Nacktaffen im Anzug und diese Professoren an den Universitäten, diese ganze verfluchte Bildungsbürgersattbequemfeigbekloppttruppe, die werden jetzt z.B. eine Brittmerkelverschnittmoderweibpuppe wählen, mitsammt ihren Politschranzen im Schlepptau, gerade aus dem Grund, weil die öffentlich versprechen, sie noch etwas genauer im Affenstall beobachten und maßregeln zu lassen!

Alle Menschen die nicht spätestens jetzt aufhören gegen Lohn zu arbeiten und in die Wälder fliehen, sich dort dem Irrsinn verweigern, notfalls auch etwas handfeste Sabbotage üben, hoffend die Polizei- und andere bewaffnete Kettenhundaffen mögen kapieren, dass sie nur Fressen aber sonst auch gar nichts bekommen, was ja ein reflektiertes Wesen bräuchte (oder sind wir am Ende schlicht völlig ohne Intellekt - ist das was wir so definieren ein Trugbild, damit der Menschenhaufen auch so richt destruktiv bis ans Ende funktioniert?).

Diese Gesellschaft braucht einen totalen Bruch - den auch ein Puppenwesen, das ein Labor-Schildchen um den Hals hängen hat, ist letztlich zu keinerlei Kurswechsel bereit - da es sonst ja schnell vom Trog vertrieben würde!

Leute es geht nicht ohne persönlichen, drastischen Verzicht - auch die Mastsau muss hungern, wenn sie es schafft dem Fleischfabrikanten vom Band zu hüpfen!

Ihr habt die Wahl, satt und dumm - oder mit knurrendem Magen und den Verstand benutzend, um zu überleben!

Es gibt keinen Systemwechsel im System!

Michaela 07.06.2017 | 09:37

Man muss eine Horde feiger, bequemer Nackaffen nicht für dumm verkaufen, aber man sollte es tun, damit sie einen gut versorgen!

Wer der Horde sagt, es gilt endlich mal selber zu denken, selber zu handeln und selber zu entscheiden, den wird sie auffressen, aber keinesfalls diese "abstrusen" Forderungen reflektieren.

Wo sind kluge Leute????? Mag sein ich bin irre - doch im System finde ich keine Menschen, die auch nur halbwegs konsequent vertreten, dass es in diesem Irrsinn keine positive Entwicklung gibt!

Im Gegenteil, es wird blöd geschwafelt, nie wäre es den Menschen besser gegangen.

Klar, nach Tausenden von Generationen dieser Nacktaffen, haben diese ihren Fressmodus perfektioniert und jene die mitten im Opfer fressen, waren niemals fetter und niemals dazu in der Lage mehr in sich hineinzuwürgen (der Destruktivitätsgrad eines modernen Milliardärs dürfte jenen der römischen Kaiser bei Weitem übersteigen - selbst wenn diese tausende von Sklaven am Tag für ihre Zwecke (die ganz persönlichen....) verschlissen haben sollten - ein Gates topt das locker.

Das ist der "Fortschritt" - tägliche Maximierung der Destruktion des Lebensraums und Verfeinerung der kannibalistischen Prozesse - sonst gibt es keinen Fortschritt - sozial sind wir immer noch im Affenhordenmodus unterweg - wobei wir da eher zu den asozialsten Affenarten gehören dürften, bzw. wir sind wohl die bei Weitem asozialste.

Aber als Blutsauger sind sie ja Realist und wissen wovon ich spreche, sie ärgern sich nur nicht mehr, sondern saugen täglich so einen Trottel aus - dabei müssen sie wirklich kein schlechtes Gewissen haben - schade eigentlich, Vampire wären wirklich wünschenswert.

30sec 07.06.2017 | 09:55

Die Missionarrin fällt das Urteil über ihre Mitmenschen:
"Die Massentrottel, diese Nacktaffen im Anzug ..."

Nix dagegen, sogar sehr sympathisch, dass sie sich der Gesellschaft nicht anpassen mag, sich dem Konsum verweigert, ihre Nische sucht. Aber alles dagegen, dass sie meint, deshalb von ihrem Baum im Wald verächtlich auf die Angepassten verbal runterkotzen zu dürfen, sie als Nacktaffen verunglimpft, mit Mastschweinen vergleicht.
Diese Überheblichkeit ist ebenso obszön wie der Yuppiespruch: "Eure Armut kotzt mich an!"

Michaela 07.06.2017 | 10:48

Verflucht, ja, mich kotzt die Feigheit an!

Stell Dir vor, da sind 7 Mrd. Artgenossen, und statt gemeinsam eine wundervolle Gemeinschaft zu gestalten, fressen sie sich mal mehr, mal weniger subtil gegenseitig auf!

Wen da nicht die nackte Wut überkommt, der ist entweder ein zynischer Sadist, oder aber ein abgestumpfter Ignorant - die Nuancen machen letztlich keinen Unterschied, da alles seinen verfluchten Gang ins Elend geht, auch wenn man selbst vielleicht bis ans eigene Ende wohlbehütet auf den Leichen schwimmt - das macht es für die "Gewinner" vielleicht spaßig und bequem - doch nur wenn man dabei niemals auf den Ozean blickt auf dem man in seiner Yacht schippert - bzw. eben - siehe genannte Typen.

Wer da nicht reinmöchte, kann der anders als mit Zorn und Wut reagieren, sobald er mal wieder einen Blick in das Zimmer wagt??

Die letzten Monate blüht das Staatsterrorwesen, was machen die Menschen?

Sie zünden Kerzen an und trauern um die Ermordeten.

(Wann zünden sie die Kerzen an, die täglich Opfer des Konsumwahnsinns werden? Trauern die alle um Ihre eigene Feigheit, um den Verlust ihrer Würde, um die Hoffnungslosigkeit ihrer Träume - gar um die schwarze Milch, die sie an ihre Nachkommen ausschenken?

Man könnte täglich tausende von Todesfugen dichten - das Massengesindel würde sie weinend rezitieren und anschließend zu Mac Donnalds rennen und sich vollstopfen mit Burgern!

(..... oder ins Sternerestaurant flanieren - für die Oberklasseaffen!)

Man kann nur obszön sein, schließlich bin ich auch ein Nachtaffe, machtlos zusehend, - ein Glück, ich kann die Türe - noch - (es gibt hier viele Winkel da man die Existenz von Menschen vergessen kann....) - schließen.

Doch dazu hätte ich nicht leben müssen, um zu erleben, wie hässlich ich bin, wie schwarz die Milch meiner Gedanken wird, sobald ich an Meinesgleichen denke!

Ich lebe als Teil der Natur, als Mensch verachte ich uns alle!

Könnte man nur einer selektiven Demenz anteilig werden, schlicht vergessen, ein Mensch zu sein, sich zum lebensfähigen Einzelaffen formen, der das Feuer zu nutzen versteht, der seine Umwelt begreift und in ihr das Nötige findet, der mit Rindenresten und gefallenen Blüten Collagen zaubert, auf trockenem Todholz trommelt, gemeinsam mit dem Wind die Melodie der Erde in ungezählte Varianten formt und irgendwo ein artgleiches Wesen findet, das ähnlich empfindet und friedlich seine Zeit zu empfinden sucht.

In der Zivilisation der menschlichen Kampfhorden geht das alles unmöglich!

30sec 07.06.2017 | 13:46


" ... - ein Glück, ich kann die Türe - noch - (es gibt hier viele Winkel da man die Existenz von Menschen vergessen kann....) - schließen."

Anscheinend muss aber die Tür immer wieder geöffnet werden, um sich die Qual des Geworfenseins unter den Terror der Konsumwelt bei diversen Blogs durch dringende Notdurft zu erleichtern, gleich zu welchem Thema.

Wenn's denn Erleichterung verschafft, weiterhin gute Verrichtung.
Ich muss das immer gleiche Lamento ja nicht mehr lesen.

Flegel 07.06.2017 | 18:04

Ein Kandidat wie Corbyn, der Terroranschläge im Inland mit den Kriegen in Verbindung bringt, die die eigene Regierung im Ausland führt, und für die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums und die Stärkung des öffentlichen Dienstes eintritt“,

einen solchen Kandidaten kann Deutschland gar nicht erst vorweisen.

Dafür hat das „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“ gesorgt. Sie betreiben bekanntlich seit der AGENDA 2010 die deutsche Innnen- und Außenpolitik gemeinsam.

Dieses Parteienkartell steht für die Mentalität des Deutschen Bundestages, ungeniert über die Besitzstände der Bürgerinnen und Bürger zu verfügen und ansonsten den Beutezug der (internationalen) Finanzmärkte zu organisieren, auch um den Preis von völkerrechtswidrigen Kriegsbeteiligungen.

Die Grünen haben1999 zudem zusammen mit der SPD dafür gesorgt, dass Deutschland wieder kriegstauglich wird.

Und darum wird sich im September in Deutschland nicht wirklich etwas verändern. Weil es nämlich keine Rolle spielt, welche Partei die Regierung bilden wird.

res heiligensee 08.06.2017 | 10:38

Der Artikel von Gary Younge ist auch eine Kritik an der deutschen Debatte.

1. Er schafft es allerdings nicht in die gedruckte Ausgabe 23/17.

2. Ich darf erinnern, dass ich seit langem der Überzeugung bin, Corbyn hätte eine reellle Chance.

3. Eine solche internet-affine Zeitung wie der Freitag hätte sich schon längst weitaus mehr mit Momentum und ähnlichen grass-roots-Bewegungen befassen müssen. Motto: von den Besten lernen.

4. Heute - am Wahltag - wurde die erste Meinungsumfrage publiziert, die Labour vorne sah. Es darf also noch geträumt werdem.

5. Der Freitag sollte seine Kooperation mit dem liberal-windelweichen Guardian überdenken und öfter auf Owen Jones und Paul Mason als Kommentatoren zurückgreifen. Der New Statesman wäre da eine Alternative.

Richard Zietz 09.06.2017 | 02:33

Offenbar doch nicht ganz unwählbar :-))).

Bei der ARD bestimmt wie bei derlei Gelegenheiten üblich Selbstreferenzialität die Berichterstatttung. Hauptthema, und zwar ziemlich ausschließlich: die heiligen Prognosen haben nicht gestimmt. Entsprechend fühlt man sich von der Pflicht, senderauftragsgemäß über das eigentliche Ereignis zu berichten, entbunden und schafft es sogar, die wirklichen News kunstvoll im hinteren Teil des Beitrags zu verstecken – wo dann, vermutlich aufgrund des Engagements eines übereifrigen Nachrichtenredakteurs, sogar das Unwort »Labour« mehrmals platziert ist.

Also wieder mal: Mainstreammedien at his best. Immerhin haben sie einen BBC-Link zum aktuellen Stand der Hochrechnung.

Michaela 09.06.2017 | 08:30

Die Medien schreiben pro forma kurz die "Niederlage" an die Wand, wohlwissend, das Schicksal der Menschen auf der Insel bleibt weiter in Händen der üblichen Verdächtigen.

Gerade eben ist die Mehrheit perfekt - die Liberalen haben zwar Stimmen verloren, doch satte vier Kreise dazugewonnen (+50% - von acht auf zwölf) - somit dürfen sie nun den arbeitenden Menschen den Stinkefinger zeigen und die Menschennutzer können weiter munter ausbeuten und das Rudel gegeneinander hetzen.

Vor allem die ohnehin völlig zerrissene Labour Truppe dürfe bald wieder ihre hässlichen Figuren aus dem Käfig lassen, trotz eines fulminaten Stimmenzuwachses von beinnahe 10% bleibt man hinter den Tories.

Angesichts der desolaten Situation für so viele Menschen, schlicht ein weiterer Grund zornig zu rufen - streikt Euch endlich an die Macht!

Die vielen Artgenossen, die - noch - satt und zufrieden in ihren Häuschen kauern und nur ihre Grabesruhe pflegen möchten, sollten endlich spüren, dass die Hälfte der Menschen es satt hat, für sie ständig den Dreck wegzuräumen und gegen Hungerlohn die destruktiven Prozesse mit Leben zu füllen.

Es geht um beides - soziale Gerechtigkeit und eine tiefgreifende ökonomische Transition, den nur mit dieser wird ersteres möglich - "for the many and the earth, an not the few!" - da müsste der Slogan für uns alle sein!

(Leider hocken eben in den HDC´s noch mehr "Wenige" Dumpfbackenegotrottel - als Menschen für die es sich lohnte, aus dem Tal zu kommen und aktiv zu kämpfen, als sich nur passiv der ganzen Scheiße zu verweigern.

Hätten in England nur ein Viertel der Satten nachgedacht, .... - ok - wahrscheinlich hätten sich ohnehin nur die Nacktaffen auf den gutbezahlten öffentlichen Posten die Klinken in die Hand gedrückt und wäre das Nepotenbkarussell hektisch in rasante Rotation verallen...... - doch zumindest für einen Moment - man hätte hoffen dürfen. (Vielleicht hätte Mr. Corbyn ja tatsächlich einen aufrechten und klugen Premier abgegeben, vor allem vielleicht hätte er das Gesindel aus den maßgeblichen Strukturen der LAB jagen können und - Wunder - engagiertes und talentiertes Personal gefunden - kurz - aussichtslose Träumerei.... - ohnehin durch die Wahl nicht auf die Szene geschrieben....)

Der Footsie hüpft schon mal freudig hoch..... soviel zur Realität.