Die "Bösen"

Gaming Ein junger Mann kämpft gegen Siedler im Isreal-Palästina Konflikt. Aber sind Spiele der richtige Ort, um solch komplexe Themen aufzufangen?

Auch wenn es nicht immer offensichtlich ist, sind die meisten Spiele, speziell Shooter politisch angesetzt. Während die ersten Ego Shooter mit denen ich aufwuchs sich zum größten Teil mit dem Nacheifern des zweiten Weltkrieges auseinandersetzten (Medal of Honor, Call of Duty), haben sich über die letzten zehn Jahre neue Schauplätze gebildet: der Mittlere Osten, Afrika, Süd Amerika, Asien.

Und in Spielen wie Delta Force: Land Warrior, Full Spectrum Warrior, Counterstrike, wie auch in neuen Versionen von Call of Duty und Medal of Honor (in denen sich die Feinde gewöhnlich zu Arabern entwickelt haben), kommen die Helden mit Knarren und Granaten und amerikanischen Akzenten. Die überwältigende Erzählung macht klar wer Held und wer Bösewicht ist. Und die Helden sind stark, militant und bereit zu töten.

Die in London sitzenden Spielentwickler Paolo Caravajal und Vinay Chaudhri versuchen das in Frage zu stellen. Ihr Spiel „Ramzi's Rumble“ ist eine Plattform, die darauf aus ist, die traditionelle Perspektive auf Opfer und Übeltäter zu stürzen, mit ihren eigenen politischen Ansichten.

In Ramzi's Revenge sieht der junge Ramzi, der nach Hause kommt sein Land in Händen von Siedlern. Es ist nicht subtil, das Spiel hat den Fokus auf das Problem der illegalen Settlements gelegt.

„Im Herzen des Konflikts ist die Geschichte von jemandem der einem kleinen etwas großes nimmt.“ sagt Chaudhri. „Es geht um die systematische Ungerechtigkeit, die den besetzten Palästinensern zu Teil wird. Wir fühlten uns irgendwie verpflichtet eine alte Geschichte neu zu erzählen. Spiele treffen die Konsumenten viel eingehender . Wir wollten mit einem neuen Medium experimentieren, um zu testen ob es die Diskussion verschärft oder schwächt.“

Zum Glück ist das Format des Spiels nicht so komplex wie das Problem mit dem es sich auseinandersetzt. Es gibt nur vier Charaktere: Ramzi, Siedler, Soldaten und Bauarbeiter und hat somit einen recht simplen Umfang. Ziel des Spiels ist es Ramzi zu helfen Geröll auf die Bauarbeiter zu werfen, ihren Hammern auszuweichen und die Soldaten zu zerquetschen.

Co-Entwickler Caravajal sagt, die Simplizität des Designs sei gewollt. Trotzdem ist das Spiel an Erwachsene gerichtet und sie hoffen dem Spiel zu einem späteren Zeitpunkt eine Altersbegrenzung zu geben. Zur Zeit ist das Projekt ein Kickstarter und auf der Suche nach Unterstützung.

Spiele als Provokation

Aber ist es zu provozierend? Kritiker mögen bemängeln die kompromisslose Message sei Pro Palästina Propaganda. „Das soll sie nicht.“ sagt Carajaval „Was das Spiel tut, ist ein spezielles Problem zu benennen; über illegale Settelements. Es geht weder um Politik noch Religion, sondern geht ausschließlich um illegale Besetzungen. Ein paar Leute klauen Land und Heimat von anderen. Das oberste Gericht in Israel lehnt Settlements ab, wie auch die internationale Community, die EU, viele Juden und nicht-Juden.“

Mainstream Gamer aufzufordern sich politisch mit globalen Problemen zu beschäftigen ist keine schlechte Sache – und ist auf dem Vormarsch. Letztes Jahr fand die Veröffentlichung der kritisch umjubelten Zeitung „Please“ eine Simulation, welche die Spieler in die Rolle von Grenzwärtern setzt, die die Grenze zu einem fiktiven aber osteuropäischen Staat kontrollieren. Das diesen November veröffentlichte Spiel „This War is Mine“ von dem polnischen Studio 11Bit geht darum Zivilisten zu helfen in der vom Krieg zerrissenen Stadt zu überleben. Auch dieses Spiel versucht den Fokus auf illegale Besetzung zu legen und eine Disskussion zu entfachen.

Sarah Colborne, Direktorin der Palestine Solidarity Campaign, unterstützt diese Amtion. Sie sagt: „Israels Settlements in der West Bank sind nur ein Aspekt von Israels illegale Landbesetzung in Palestina und sind rechtlich verurteilt von der UN und Regerierungen weltweit, auch unserer eigenen. Das Nutzen des Mediums der Videospiele ist ein neuer Weg die Message zu verbreiten, das Bewusstsein zu stärken und hoffentlich neue Menschengruppen zu erreichen, die unserer Stimme zur Gerechtigkeit Gehör schenken.

Bestimmt ist es das Konzept des kleinen Mannes, der zurückschlägt das Thema was die meisten Gamer wiedererkennen werden – nur das hier der Mann eine andere Kultur repräsentiert die gewohnte.

Wird diese Art von sozialem Kommentar alltäglich in Videospielen. Caudhri hofft es auf jeden Fall.

„In Spielen, Filmen und Comics sind Araber selten die guten. Also sind da draußen Millionen intelligente junge Köpfe, die ewig Shooterspiele spielen, wo die Guten amerikanische special-operation-Machos sind und die Bösen dunkelhäutige Ausländer. Wenn die Spieler die echten Geschichten über diese Leute sehen, wird es schwierig sei sich weiterhin mit dem auf einem menschlichen Level abzuheben, denn bis dahin waren sie doch die Bösen. Wie musst du dich fühlen, wenn diese „Bösen“ die Opfer von Bomben und Besetzungen sind?“

Der digitale Freitag

Mit Lust am guten Argument

Übersetzung: Anton Humpe
Geschrieben von

Kieran Yates | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian

The Guardian

Die Vielfalt feiern – den Freitag schenken. Bewegte Zeiten fordern weise Geschenke. Mit dem Freitag schenken Sie Ihren Liebsten kluge Stimmen, neue Perspektiven und offene Debatten. Und sparen dabei 30%.

Print

Für 6 oder 12 Monate
inkl. hochwertiger Weihnachtsprämie

Jetzt sichern

Digital

Mit Gutscheinen für
1, 6 oder 12 Monate

Jetzt sichern

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden