George Monbiot
21.02.2012 | 19:10 27

Die Scheckbuch-Wissenschaft

Klimaskeptiker Sie nennen sich Thinktanks, beanspruchen Steuerfreiheit - und forschen im Sinne ihrer Geldgeber. Die vertraulichen Akten des Heartland Institutes bestätigen diese Praxis

Erschreckend, faszinierend, überhaupt nicht überraschend: Sollten sich diese geleakten Dokumente als echt erweisen, dann bestätigen sie, was wir schon immer vermutet haben, aber nicht beweisen konnten: Das Heartland Institute, dem im Feldzug gegen die Klimaforschung in den USA eine wesentliche Rolle zukommt, wird unter anderem von Tabakfirmen, Ölunternehmen und einem der milliardenschweren Koch-Brüder finanziert.

Das Institut scheint sich an das Skript zu halten, das 2002 von einem Berater der US-Republikaner namens Frank Luntz geschrieben wurde: „Sollte die Öffentlichkeit den Eindruck erhalten, bestimmte wissenschaftliche Fragen seien geklärt, wird dies die Ansichten über die Erderwärmung entsprechend beeinflussen. Aus diesem Grund darf man nicht aufhören, das Fehlen wissenschaftlicher Gewissheit an erster Stelle zu thematisieren.“

Motto: "Teach the Controversy"

Die Luntzsche Technik wurde zuerst von der Tabakindustrie und den Kreationisten angewendet : Teach the Controversy – erzählen Sie den Leuten, diese Fragen seien umstritten, gesicherte Erkenntnisse gebe es nicht. Ob Zigaretten zu Lungenkrebs führen, die natürliche Zuchtwahl die Evolution vorantreibt oder fossile Brennstoffe den Klimawandel verursachen sei nach wie vor äußerst umstritten. Deshalb sollte die Sichtweise beider Seiten in den Schulen unterrichtet und in den Medien verbreitet werden.

Die geleakten Dokumente legen nahe, dass das Institut im Auftrag seiner millionenschweren Sponsoren einen Schul-Lehrplan zum Klimawandel entwickeln lassen hat, der lehrt, dass es „äußerst umstritten“ sei, „ob Menschen das Klima verändern und ob CO2 ein Schadstoff“ sei.

Das Institut behauptet von sich, unabhängig zu forschen und zu kommentieren. Es vertrete nicht bestimmte Positionen, „um einzelnen Spendern gefällig zu sein“ oder zu verhindern, dass sie ihre Zahlungen einstellen. Sollten sich die durchgestochenen Dokumente aber als echt erweisen, sobelegen sie, dass die Angriffe des Institutes auf die Klimaforschung maßgeblich von einem einzigen anonymen Spender finanziert wurden. Gehen dessen Spenden zurück, „werden entsprechend Projekte zur Erwärmung der Erdatmosphäre eingestellt.“, heißt es in den Dokumenten.

Absurde Anschuldigung?

Die Leugner des Klimawandels, die das Heartland-Insitut finanziert, haben ähnliche Schwüre auf ihre Unabhängigkeit geleistet. So erklärte beispielsweise Fred Singer gegenüber einer französischen Internetseite: „Natürlich bekomme ich kein Geld von der Mineralöllobby. Das ist eine völlig absurde Anschuldigung.“ Die Unterlagen legen allerdings nahe, dass das Institut, das unter anderem von dem Kohleunternehmen Murray Energy, dem Ölunternehmen Marathon und dem früheren Exxon-Lobbyist Randy Randol finanziert wird, Singer 5.000 Dollar pro Monat überweist. Und während Robert Carter behauptet hat, er erhalte kein Geld von Interessenverbänden für seine Forschung, erhält er den Leaks zufolge von Heartland 1.667 Dollar im Monat. Auf einer Konferenz des Institutes hielten Christopher Booker und James Delingpole vom britischen Telegraph Vorträge. Die Telegraph-Gruppe sollte nun öffentlich machen, ob und wenn ja wie viel das Institute ihnen bezahlt hat.

Die Kluft zwischen Schein und Sein könnte nicht größer sein: Organisationen, die die Beseitigung von Regulierungen, die Absenkung von Spitzensteuern und andere millionärsfreundliche Maßnahmen fordern, bezeichnensich als wirtschaftsliberale oder konservative Thinktanks.. David Frum, der einst Fellow am American Enterprise Institute war (einer jener konservativen Einrichtungen), sagt sie „funktionierten zunehmend wie PR-Agenturen“. Die Botschaft, die sie an ihre Angestellten vermitteln, laute: „Wir bezahlen euch nicht, damit ihr denkt. Wir bezahlen euch, damit ihr nachplappert.“

Wie groß die Profite sind, die umweltschädliche und skrupellose Unternehmen und Banken machen, hängt stark von den Regulierungender Politik ab. Darum machen die Thinktanks Stimmung für einen schlanken Staat. Wenn Regulierungen das öffentliche Interessen beschützen, gehen die Profite zurück. Sind sie schwach, steigen die Profite. Milliardäre und Großunternehmen erkaufen sich Einfluss, um sich der demokratischen Kontrolle zu entziehen. Es scheint, die so genannten Thinktanks stellen einen wichtigen Bestandteil dieser PR-Netzwerke dar.

Nur eine Gruppe nannte ihre Geldgeber

In den meisten Fällen ist ihre Finanzierung völlig intransparent. Als ich einige der bekanntesten britischen Gruppen darauf ansprach, nannte nur eine von ihnen mir ihre Geldgeber. Die anderen weigerten sich. Einige von ihnen scheuen nicht einmal davor zurück, sich als wohltätige Organisationen eintragen zu lassen und Steuerfreiheit zu beanspruchen.

Die Charity Commission, die diesen Status anerkennen muss, ist in England und Wales so nachlässig, dass sie zu einer Bedrohung der Demokratie wird. Diese Organisationen versuchen nicht, historische Gebäude zu restaurieren oder notleidende Esel zu retten. Sie versuchen in äußerst umstrittenen Bereichen Einfluss auf die Politik zu nehmen. Die Minimalanforderung für alle diese Gruppen, egal ob links oder rechts, sollte darin bestehen, dass sie ihre finanziellen Hauptquellen offenlegen, damit wir wissen, in wessen Namen sie sprechen. Die Kommission deckt die heimliche Finanzierung von Kampagnen durch Multimillionäre zur Vermehrung von deren Vermögen. Wenn das etwas mit Wohltätigkeit zu tun hat, dann ist eine Polizeisirene Musik.

Die Indienstnahme angeblicher Thinktanks auf beiden Seiten des Atlantik korrespondiert meinem Eindruck nach mit dem Einsatz von Super-Political-Action Committees in den USA (die als Super-PAC abgekürzten Komitees bezeichnen Lobbygruppen, die Regierungswahlkämpfe unterstützen oder gegen sie arbeiten und dabei unbegrenzt von Unternehmen und Verbänden unterstützt werden dürfen, Anm. der Redaktion).

Seit der Supreme Court die Beschränkungen beseitigt hat, wie viel eine Privatperson im Wahlkampf spenden darf, haben die Milliardäre die Politik fast vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Vergangene Woche hieß es in einem Artikel des Medien-Blogs TomDispatch, im Jahr 2011 hätten 196 Spender für 80 Prozent des Geldes gesorgt, das von den Super-PACs eingesammelt wurde.

Gemeinnützige Schmiergeldfonds

Die führenden Kandidaten der Republikaner haben es fast vollständig aufgegeben, die Öffentlichkeit für ihre Unterstützung zu mobilisieren. Statt dessen verwenden sie die Großspenden ihrer millionenschweren Förderer um die Glaubwürdigkeit ihrer Gegner in Fernsehspots anzugreifen. Noch mehr Geld wird durch 501c4 Gruppen geschleust – steuerbefreite Körperschaften mit mutmaßlich gemeinnützigen Zielen – welche, (anders als die Super-PACs), die Identität ihrer Geldgeber nicht angeben müssen. Auf TomDispatch.com heißt es dazu: „Millionären als Schmiergeldfond zu dienen, qualifiziert einen heutzutage anscheinend bereits als gemeinnützig.“

Das Geld gewinnt. Aus diesem Grund haben die Republikaner bei den Zwischenwahlen so viele Stimmen hinzugewonnen und deshalb sind die verbleibenden Demokraten von ihren politischen Gegnern kaum noch zu unterscheiden. Aus diesem Grund scheint Obama, entgegen all seiner Versprechen, so wenig in der Lage, das öffentliche Interesse zu vertreten. Was kann er den Banken sagen: „Macht was ich sage oder ich nehme euer Geld nicht mehr!“? Wie kann er die Milliardäre besteuern, die ihre Hände fest an seiner Gurgel haben? Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Wir haben es hier mit Plutokratie in Reinform zu tun. Der Kampf um die Demokratie ist ein Kampf gegen Milliardäre und Großunternehmen, die die Politik ihren Interessen entsprechend gestalten wollen. Die erste Forderung für jeden Demokraten sollte daher sein, von jeder Gruppe, egal welcher Couleur, die Offenlegung ihrer Geldgeber zu fordern.

George Monbiotist Amerika-Kolumnist des Guardian

Übersetzung: Holger Hutt

Kommentare (27)

Abraham Scythe 21.02.2012 | 22:02

Es ist nichts neues in der Geschichte der Wissenschaft, dass sie durch Mäzene gefördert wird, jedoch waren dies Menschen, die sich ihren Ruhm durch die Förderung und nicht durch die Mehrung ihres Kapitals verdienen wollten.

Wir haben hier nun also ein klassisches Problem des Kapitalismus vorliegen, und der dazugehörigen Wirtschaftsmechanismen, welche, um es mit den Worten Habermas´zu sagen, ihre Sprache auf ein fremdes System aufpfropfen.

Es bleibt also nun dem Einzelnen überlassen, sich nicht den Geist vom dem Schleier dieser "Professionalität" verdecken zu lassen, und bestmöglich die eigene Meinung und Verantwortung auf den Plan zu rufen.

Eine Gesellschaft, die sich ihr Wissen von oben herab diktieren lässt, ist sicherlich keine freiheitliche und erst recht nicht erstrebenswerte.

Die Frage, wie dem Geld die Macht zu entziehen ist, ist glaube ich über die Wertschätzung der Arbeit in unserer Gesellschaft zu lösen. Hier ist Hannah Ahrendt mit ihrer "Vita activa" sicher auf dem richtigen Weg.
Denn "Arbeit ist frei" ist nicht nur ein Satz mit schrecklicher Vergangenheit, sondern auch eine contradictio in adiecto wie aus dem Lehrbuch.

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2012 | 11:19

Schöner Artikel.
Aber was nützt uns das Wissen, wenn die Reichen, die Konzerne und die Banken eh' alles unter Kontrolle haben? Politik wird einfach gekauft - das ist eben Kapitalismus!
Vielleicht merken ja mal mehr Leute als ein paar Linke, in was für einem System wir wirklich leben. Da unterscheiden sich die USA kaum von der BRD! Und Sozialdemokraten/Grüne kaum von der CDU/CSU/FDP.
Und auch die Medien sind meistens unter Kontrolle von ein paar Reichen und sogenannten Meinungsmachern! Ändern wird sich erst etwas, wenn sich das System ändert!

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2012 | 12:46

Das Heartland Institute, einThinktank … allein dieser Begriff vermittelt schon den Eindruck von Kompetenz und Seriosität. Die Absonderungen dieser Tanks stinken im Grunde wie ein Güllefass, so dass man annehmen sollte, sie würden den Deckel wieder schließen, weil sie an ihrem eigenen Gestank verrecken.

Aber nein, das geschieht nicht und es stellt sich die Frage warum nicht. Man mag auf der einen Seite die Macht des Marketings anführen, aber nicht vergessen werden darf man die desaströse Bildungslage in Gottes eigenem Land, die er in folgendem Artikel offenlegte:

www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gespraech-mit-richard-sennett-amerika-im-niedergang-1.703926

In Anbetracht einer Gemütslage, die irgendwie doch erkennt, dass wohl nicht alles so ist, wie es kolportier wird, im Angesicht einer vollkommen veralteten Infrastruktur in Verkehr und Energieversorgung, einer hohen Arbeitslosigkeit, 50 Mio. Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze mehr oder weniger vegetieren, werden die Erfolge dieser Strategen immer rätselhafter, da das Offensichtliche doch von überall ins Augen springt.

Gleichwohl wird dieser Traum, diese amerikanische Illusion von der Freiheit von allem, entblößt von jeder ethischen Verpflichtung gegenüber der Menschheit, befreit von jedem Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Handelns zunehmend ad absurdum geführt und kann nur in einer zunehmend lauter werdendem Kakophonie argumentativer Missgriffe betäubt werden.

Im Sinne einer negativen Dialektik könnte man fast wähnen, die Probleme sind durchaus bekannt (und ich gehe auch davon aus), aber die Kaste wähnt sich in der komfortablen Situation, letztlich die Masse aus dem zu rettenden Humanfond absondern zu können und in splendig Isolation bessere Tage abwarten, vielleicht sogar wieder eine Feudalgesellschaft aufbauen zu können, mit Mord, Totschlag, Krieg und Unterdrückung haben die Amerikaner ja ohnehin keine Probleme.
Kuni

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2012 | 15:11

Nein, liebe Beutelratte, brauchst Du nicht. Die Geflüchtetem aus dem gelobten Land sammelst Du um Dich (geht ganz leicht, musst nur ein großes Kreuz aufstellen und wirre Thesen verbreiten).
Du sprichst vom Fluch des Herrn, der die gottlosen Dinosaurier von der Erde tilgte und den Gottesfürchtigen großen Reichtum hinterließ, den diese nur aus dem Boden graben müssten. Und dann zeigst Du auf den Krater, rufst den Herrn an und befiehlst in seinem Namen zu graben.
Und wenn das Loch tief genug ist gehst Du in den Wald und rufst den Zukurzgekommenen zu, dass ihre Götter zürnen weil Gier an ihrer Erde kratzt, aber sie brauchten nur das Loch zu schaufeln, das würde den Zorn der Götter beschwichtigen.
Das alles ist zwar nicht nett, aber Du bist sie dann los, blöd genug sind sie ja ... :-D
MIT macht doch auch thinktanks, oddder?

Bisweilen stinken die aber auch

B.V. 22.02.2012 | 15:16

Es wäre doch schon mal gut, wenn das Potsdamer Institut seinen Klima-Gate-Skandall ehrlich aufarbeiten würde seine Klimalügenpropaganda einstellen. Kein Skeptiker leugnet den Klimawandel, wie oben in dem Artikel behauptet, was durch ständige Wiederholung auch nicht wahr wird. Auch sollte man die Al Gore-Lügenindustrie hier nicht aus dem Auge verlieren, auch da stecken ja wohl Interessen und geldverdienen dahinter.

tlacuache 22.02.2012 | 15:48

An Kuni,
Kreuz aufstellen:
Das haben die 3000 Km ca. suedlich vom "gelobten Land" tatsaechlich erfolgreich praktiziert, so anno 1521, da hatten die einheimischen Behringstrassenueberquerer doch tatsaechlich den Kapokbaum (Ceiba pentandra) als 5. Himmelsrichtung (Axis mundi) verwechselt, dabei sind es nur Schwimmwesten und Matratzen.

Da kam dann der spanische Kinderf. mit seinem Hohlkreuz an, und symbolisierend verwechselte es der Einheimische mit seinen Repräsentationen.



8 Stunden ging die MIT - Riffle - Umsatz - Geschichte...

Ueber Kreuze und Kreuz tragen am Osterhasen:
Dem ziehe ich noch die Hammelbeine lang, den Ohrenschleimern:
de.wikipedia.org/wiki/Siebenten-Tags-Adventisten

de.wikipedia.org/wiki/Scientology

de.wikipedia.org/wiki/Mormonentum

und wie sie alle heissen, denen lutsche ich auch noch den letzten Penny raus...
;-)
Lethe 22.02.2012 | 18:38

Teach the Controversy – erzählen Sie den Leuten, diese Fragen seien umstritten, gesicherte Erkenntnisse gebe es nicht. Ob Zigaretten zu Lungenkrebs führen, die natürliche Zuchtwahl die Evolution vorantreibt oder fossile Brennstoffe den Klimawandel verursachen sei nach wie vor äußerst umstritten.

Ja und nein. Man kann der Meinung sein, alle diese und viele weitere Sachverhalte seien der Hinterfragung mittlerweile und für alle zeit enthoben, so dass jeder, der sie noch hinterfragt, sich automatisch als nicht satisfaktionsfähig outet. Man kann aber auch der Meinung sein, dass eine derartige rekursive Absicherung ihre Gegenstände im Narrenparadies platziert.

Speziell zu den drei genannten Themen würde ich mich nicht zu sehr in Selbstsicherheit wiegen. Dass Zigarettenrauchen und Lungenkrebs irgendwie miteinander korreliert sind, ist unbestritten; wie die genauen Kausalverhältnisse sind, ist längst nicht so klar, und ein Monokausal-Zusammenhang wird der Komplexität der Ursachen von Krebs nicht annähernd gerecht. "Evolution" ist im wesentlichen eine Metapher und als solche eine Kategorie menschlichen Ordnungssinnes, mit der das, was in der Natur (noch eine Metapher) wirklich passiert, - das Leben, Fortpflanzen und Sterben von Lebewesen - in ein Schema egbracht werden soll. Und dass fossile Brennstoffe den Klimawandel verursachen - auch da wieder die beliebte Verwechslung von Korrelation mit Kausalzusammenhang.

Alle diese Dinge sind nur deswegen unhinterfragbar gewiss, weil mit dieser Gewissheit politische Absichten durchgesetzt werden sollen. Darin treffen sich die Apologeten der verschiedenen Deutungssysteme übrigens^^ es geht, streng nach Nietzsche, nur um Deutungshoheit, also um Macht. Die reale Faktenlage ist beinahe gegenstandslos, weil für politische Zwecke viel zu komplex.

tlacuache 22.02.2012 | 19:12

Lethe schrieb am 22.02.2012 um 17:38
Teach the Controversy ...
und Ihre Wirtschaftsinteressen!
Als Kettenraucher ;-)

"tlacuache schrieb am 09.02.2012 um 03:44
Fritz wer?...
Kuni im Winterschlaf...
;-)
..."Vahrenholt bekleidet mehrere Aufsichtsratmandate u. a. bei den folgenden Unternehmen:

Aurubis (Mitglied)
ThyssenKrupp Technologies AG (Mitglied)
Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern AG (Vorsitz)
Vereinigte BioEnergie AG (stellvertr. Vorsitz)
Kelag AG, (Mitglied)
PUTZ PARTNER Unternehmensberatung AG (Mitglied)

Frühere Aufsichtsratmandate:

Norddeutsche Affinerie AG
ErSol AG
HEW
Deutschen Shell AG
REpower Systems
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"Die börsennotierte Aurubis AG (ehemals Norddeutsche Affinerie AG) ist der größte Produzent von Kupfer in Europa (zweitgrößter Produzent weltweit) und der weltgrößte Kupferrecycler."
Ein echter Umweltlappen, diese Kupferindustrie.
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"Die ThyssenKrupp AG ist ein deutsches Industrieunternehmen und Deutschlands größtes Stahl- und Technologieunternehmen. Der Konzern mit Firmensitz in Duisburg und Essen entstand 1999 aus der Fusion der Friedrich Krupp AG Hoesch-Krupp mit der Thyssen AG."
"...Neues Stahlwerk in Brasilien...Infolge des Baus kam es zu Konflikten mit der dort lebenden Bevölkerung. Seit 2007 protestierten Fischer gegen das Kraftwerk. Die Fischer der Bucht beschwerten sich über die Verschmutzung der fischreichen Küste; mehr als 8000 Familien sahen durch die Baustelle der Stahlschmelze und der Hafenanlagen ihre Lebensgrundlage gefährdet. Die Fabrikanlage CSA verstößt nach Ansicht der Anwohner und von Menschenrechtsorganisationen gegen Umwelt-, Arbeits- und Menschenrechte. Die Liste der Vorwürfe gegen den Konzern umfasst: Umweltverstöße, Verseuchung der Bucht, Bau in einem Naturschutzgebiet und illegale Rodung von Mangrovenwäldern, Verletzungen von Arbeitsbestimmungen, Umgehung von behördlich angeordneten Baustopps, Privatisierung öffentlicher Gewässer und eine Zunahme der Kohlendioxid-Emissionen der Stadt Rio de Janeiro um 76 % – allein durch das Stahlwerk. Einer der Fischer erhielt Morddrohungen - laut seiner Aussage vom Sicherheitschef der TKCSA. Laut Aussagen der Fischer der Bucht von Sepetiba im November 2009 im Europaparlament und im Deutschen Bundestag und im Januar 2010 auf der Aktionärsversammlung von ThyssenKrupp gehören Sicherheitskräfte der TKCSA zugleich bewaffneten Milizen an. Ein hochrangiger Funktionär des brasilianischen Gewerkschaftsverbandes CUT beklagte, dass Aktivisten der Gewerkschaft vom Sicherheitsdienst der TKCSA mit Waffengewalt vom Gelände vertrieben worden seien.
Obwohl die Menschenrechtskommission des Parlaments von Rio die Veröffentlichung der Daten zur Wasserqualität bereits seit Monaten offiziell verlangt hatte, verweigerte das zuständige Umweltamt des Bundesstaates Rio de Janeiro, INEA, jedoch die Herausgabe der Daten. Der Präsident des Umweltamtes beteuerte am Vorabend der Eröffnung des Stahlwerks in der Tageszeitung Globo, dass alle Umweltkompensationen von ThyssenKrupp angemessen seien. Aus einer Stellungnahme des Konzerns gegenüber dem Deutschen Bundestag vom 27. Januar 2010 geht hervor, dass das Umweltamt INEA zur Renovierung seines Dienstsitzes von ThyssenKrupp umgerechnet rund zwei Millionen Euro erhalten hatte. Die Anwohnervereinigung sah dadurch die Unabhängigkeit des Umweltamts INEA erheblich in Frage gestellt und für die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro lag ebenfalls der Anfangsverdacht einer Interessenkollision des Umweltamtes vor.
Nach Betriebsbeginn des Stahlwerks beschwerten sich Anwohner über Luftverschmutzung, obwohl ThyssenKrupp wiederholt erklärt hatte, dass sich das Stahlwerkprojekt auf dem neuesten Stand der Technik befinde. Die Anwohner berichteten über Hustenreiz und notwendige Krankenhausbesuche. In der Nähe des Stahlwerks lebende Kinder erlitten schwere Hautverletzungen, nachdem sie beim Spielen mit chemischen Rückständen in Berührung gekommen waren. Die Werksleitung hatte die Behörden nicht über die giftigen Schadstoffemissionen, vor allem Schwermetalle, informiert. Im August 2010 wurde das Konsortium ThyssenKrupp/Companhia Siderúrgica do Atlântico (TKCSA) wegen Verstoßes gegen Brasiliens Umweltschutzauflagen vom Staatlichen Umweltinstitut INEA zur Zahlung von umgerechnet 750.000 Euro, zur Reduktion der Produktion von geplanten 6000 auf 3000 Tonnen am Tag und zur Begrenzung des Schmelzens auf fünf Wochentage verurteilt.
Im Dezember 2010 erhob die Staatsanwaltschaft von Rio de Janeiro Anklage gegen die TKCSA und mehrere Verantwortliche für das Stahlwerk wegen massiver Umweltverstöße. Den Projektverantwortlichen drohen bis zu 19 Jahre Haft. Möglich sind auch Strafzahlungen, die komplette oder teilweise Schließung der Anlage sowie der zeitweise Ausschluss von Staatsaufträgen für einen Zeitraum von fünf Jahren sowie die Aberkennung von Steuererleichterungen. Laut einem Gutachten des Instituts für Geowissenschaften der Bundesuniversität Rio de Janeiro wurden die zulässigen Grenzwerte in der Umgebung des Stahlwerks bei einigen Schadstoffen um bis zu 600 % überschritten. Im Rahmen des Verfahrens wird auch gegen den Werkschutz des Unternehmens ermittelt. Die gegen das Stahlwerk protestierenden Fischer hatten seit 2008 wiederholt berichtet, dass der Werkschutz Mitglieder so genannter Mafiamilizen beschäftigt, von denen sie bedroht werden.
Die Fischer verklagten das ThyssenKrupp-Stahlwerk auf Verdienstausfälle beim Fischfang vor den Zivilgerichten in Rio de Janeiro. Die Forderung der in sieben Sammelklagen zusammengeschlossenen 5763 Fischer ergibt einen Gesamtbetrag von umgerechnet 756 Millionen Euro.
Aufgrund eines Erlasses des Gouverneurs des Bundesstaates Rio de Janeiro, Sérgio Cabral, der die Entlassung von 800 Arbeitern befürchtete, konnte das Unternehmen Mitte Dezember 2010 den zweiten Hochofen hochfahren. Infolge wurden die Häuser der Bewohner in unmittelbarer Nachbarschaft des Stahlwerkgeländes mit einer aus Metalloxiden bestehenden Staubschicht bedeckt. Eine Anwohnerin berichtete, dass nach dem Hochfahren des zweiten Hochofens die Staubbelastung so schlimm wie nie war. Daraufhin setzte das Umweltamt INEA der Konzernleitung eine Frist von 30 Tagen, um zu einer „definitiven“ Lösung des Problems zu kommen.
Laut dem Bundesstaatsanwalt in Rio de Janeiro, Daniel Pereira, habe sich ThyssenKrupp bei der Standortentscheidung für das Stahlwerk im Stadtteil Santa Cruz auch nicht an den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1500 Metern zu den nächsten Wohnhäusern gehalten. Eine im Oktober 2011 vorgestellte Analyse der dem Gesundheitsministerium unterstellten Stiftung Fundação Oswaldo Cruz (FIOCRUZ) ergab, dass in dem Staub, den das Stahlwerk in die Umgebung emittiert, sich auch giftige Schwermetalle finden und nicht, wie von ThyssenKrupp wiederholt behauptet, „nur Graphit“, sondern auch „Eisen, Kalzium, Mangan, Silizium, Schwefel, Aluminium, Zinn, Titan, Zink und Kadmium“. TKCSA reagierte mit einer Zivilklage gegen die drei Wissenschaftler der FIOCRUZ und einer Uniklinik wegen „immaterieller Schäden und anderer“.
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"Die VERBIO Vereinigte Bioenergie AG mit Sitz in Zörbig (Sachsen-Anhalt) ist eine Hersteller und Anbieter von Biokraftstoffen. Rund 750 Mitarbeiter an drei Standorten produzieren im großindustriellen Maßstab Biodiesel, Bioethanol und Biogas."
Wir machen aus Grundnahrungsmitteln der 3. Welt Formel 1 - Sprit.
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"Die Royal Dutch Shell plc (Kurz: RDS) ist eines der weltweit größten Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen und war im Juli 2009 das nach Umsatz weltweit größte Unternehmen überhaupt."
A 1 bis A 8: Da geht kein tropfen aus, höchstens in Nigeria:
"...Trotz eines Verbotes durch den Federal High Court of Nigeria 2005 wurden 2006 noch über 3,5 Mio. Tonnen Kohlenwasserstoffe, vor allem Erdgas, von der Shell Petroleum Development Company (SPDC) Tag und Nacht abgefackelt. Die Möglichkeit einer Einhaltung des gesetzlichen Verbotes ab 2008 wurde von Shell bisher nicht bestätigt, das Gesetz angefochten. Aus diesem Anlass musste Shell 2005 den „Public Eye Award“ in seiner ursprünglichen Form als Negativ-Preis entgegennehmen..."
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"PUTZ PARTNER Unternehmensberatung AG"
Ja da is' ja nich' viel auf der Homepage, komisch, die machen doch nicht etwa Staudamm's - Beratung oder in Trinkwasser 2018 ?
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"29. Oktober 2011 · Die Welt meldet, dass Suzlon REpower per Squeeze-Out der Minderheitsaktionäre vollständig übernommen hat."
Klar, Wind hat keine Zukunft, muss man an die Inder verkloppen.
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Nochemool Deutschland:
seit dem 01.02.2008 Chief Executive Officer, RWE Innogy GmbH, Essen:
"RWE kämpft intensiv gegen die von der Bundesregierung geplante Brennelementesteuer und fordert eine Laufzeitverlängerung für seine Kernkraftwerke"
Auf das die Hütte brennt...
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Fazit:
Von "Seveso ist überall" über "Die Lage der Nation · Umwelt-Atlas der Bundesrepublik: Daten, Analysen, Konsequenzen" sieht man am Schluss den Beelzebub "ausser Spesen nix gewesen".
Dankeschön,
auf SO ein Buch und SO einen Autor habe ich noch gewartet...
Es werde Sonne bidde bidde"...
www.freitag.de/politik/1206-sonne-und-klima

MfG, Tlacuache

tlacuache 22.02.2012 | 19:17

Dazu noch ein bemerkenswerter Nebensatz eines nicht ganz unbekannten Autors:
"Das ist die Tragik des IPCC (eines wirklich vieltausendfachen Thinktanks), dem an jeder Ecke unterstellt wird, letztlich aus Eigennutz eine Klimafantasie zu erzählen, während die mit viel größeren Portfeuilles und viel weiterführenderen Wirtschaftinteressen operierenden Kritiker sich zurück lehnen und tönen, ihnen ginge es um die Korrektur und Richtigstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse."...
So, jetzt gehe ich mir erst mal eine Fluppe anmachen, lieber Lethe

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2012 | 20:03

tlacuache schrieb am 22.02.2012 um 18:12

*****

…dass in dem Staub, den das Stahlwerk in die Umgebung emittiert, sich auch giftige Schwermetalle finden und nicht, wie von ThyssenKrupp wiederholt behauptet, „nur Graphit“, sondern auch „Eisen, Kalzium, Mangan, Silizium, Schwefel, Aluminium, Zinn, Titan, Zink und Kadmium“.

Wenn Eisen im Hochofen aufgeschlossen wird, werden alle Metalle, die das eisen begleiten, zum größten Teil oxidiert und fallen dann als flüssige Schlacke an, die auf dem flüssigen Eisen schwimmt. Dem Eisen/Stahl selber werden die Beimischungen gegeben, die zur entsprechenden Qualität notwendig sind und dann wird abgestochen. Die Schlacke, die zu guter Letzt aus dem Hochofen kommt, wird in Wasser geleitet und reagiert dann bei ca. 1.500°C. Das ist der weiße Qualm der dabei aufsteigt.
Den letzten Hochofen, der so produzierte habe ich 1989 in Dillingen (Saarland) gesehen, ansonsten müssen die Schwebstoffe wegen ihrer Gefährlichkeit abgeschieden werden. Das spart man sich in der dritten Welt.
Und nix Winterschlaf ... lullern zu Mittag
:-)

Lethe 23.02.2012 | 13:29

missverstehe mich bitte nicht, lieber tlacuache, ich bin sehr für wissenschaftliche und besonders für kritische wissenschaftliche Hinterfragung der Dinge. Ich bin nur dagegen, wenn diese kritische Hinterfragung vor der kritischen Hinterfragung haltmacht und diese ins Narrenparadies selbstimmunisierender Unhinterfragbarkeit versetzen will, welchen Umstand ich in dem von mir zitierten Text als gegeben erachte.

Dass die Menschheit mit dem Klima, den Ressourcen, der Natur und nicht zuletzt mit sich selbst jede Menge Schindluder treibt, darüber brauchen wir uns nicht wirklich zu streiten^^