Libby Brooks
10.12.2010 | 17:00 69

Frauenhass schadet Wikileaks

Akte Assange Waren es "echte Vergewaltigungen"? Seit Julian Assanges Festnahme hat sich eine seltsame Koalition gegen die Klägerinnen verschworen. Der Causa Wikileaks hilft das nicht

Julian Assanges Festnahme aufgrund von Sexualdelikten, die er mutmaßlich in diesem Sommer in Schweden begangen haben soll, war von Anfang an heftig umstritten gewesen. Doch seit der Chef von Wikileaks in London in Untersuchungshaft sitzt, werden die Argumente derer, die seine strafrechtliche Verfolgung für niederträchtig oder politisch motiviert halten, immer wütender und maßloser. Rund um Assange hat sich eine seltsame Koalition gebildet, und somit – sei es nun explizit oder implizit – gegen seine beiden Anklägerinnen.

Der renommierte Journalist John Pilger, Regisseur Ken Loach und Charity-Lady Jemima Khan haben dem Gericht Kautionen angeboten und die Vorwürfe als „politischen Trick“ abgetan. Die Autorin und Aktivistin Naomi Wolf verurteilte die Frauen dafür, dass sie „feministisch inspirierte Rhetorik und das Gesetz benutzen, um anscheinend persönliche Verletzungen zu lindern“. Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger twitterte über die mutmaßlichen Verbindungen einer der Klägerinnen zur CIA. In einem Brief an den Guardian stellte die britische Organisation Women Against Rape „den ungewöhlichen Eifer“ in Frage, „mit dem Julian Assange verfolgt wird“.

Will man Online so mit Opfern sexueller Übergriffe umgehen?

Diese linken oder liberalen Gedankenmodelle stehen, ob sie nun wollen oder nicht, Seite an Seite mit einer bunt gemischten Ansammlung von Verschwörungstheoretikern und Internet-Kampfhunden, von denen die Frauen traktiert werden, seit sie im August Anklage erhoben haben. Gerade erst etablierte Regeln, wie mit Fällen von sexuellen Übergriffen online umzugehen ist, wurden gekippt: Persönliche Fotos der Frauen, ihre Lebensläufe und Blogeinträge wurden als Beweis für sexuelle Abweichungen, mentale Labilität und Racheabsichten ans Licht gezerrt. Claes Borgström, der Anwalt der Frauen, erklärte am Mittwoch gegenüber dem Guardian, seine Klientinnen seien „die Opfer einer Straftat, man würde sie jedoch als die Täterinnen ansehen.“

Unter so explosiven und global bedeutenden Umständen wie in diesem Fall, ist es praktisch unmöglich, die Anklage nicht in Verbindung mit den weitreichenderen politischen Vorwürfen gegen Assange und seine Webseite zu betrachten. Die Geschwindigkeit, mit der die britische Justiz, die sonst für ihre Langsamkeit bekannt ist, wenn ihre eigenen Staatsbürger ähnliche Vorwürfe erheben, diesem Haftbefehl nachgekommen ist, darf man nicht außer Acht lassen. Dasselbe gilt für die schändliche Tradition – darauf weisen auch Women Against Rape in ihrem Brief hin –, die bis zu den Lynch-Mobs im tiefen Süden Amerikas zurückreicht, dass der Vorwurf einer Sexualstraftat benutzt wird, um politische Agenden zu füttern, bei denen es um alles andere als die Sicherheit von Frauen geht.

Whoopi Goldberg prägte den Begriff "rape-rape"

Doch Assanges Status als angegriffener Kämpfer für die freie Rede wird als Berechtigung aufgefasst – von Rechten wie von Linken –, sich in den niedrigsten Schlampen-Vorwürfen und Frauenfeindlichkeiten zu ergehen. Es ist erschreckend zu beobachten, wie schnell überkommene Denkweisen wieder aufkommen, wenn es um Vergewaltigung geht: Zweifel am sexuellen Anstand eines Mannes sind ein politischer Akt, der Vorwurf sexueller Übergriffe neigt zur Verlogenheit (und bedarf in diesen Fällen derselben gründlichen Überprüfung durch die Massen wie die geleakten Depeschen) und nicht alle Formen des nichteinvernehmlichen Geschlechtsverkehrs gelten als „Vergewaltigung-Vergewaltigung“.

Die merkwürdige Wortschöpfung „rape-rape“ stammt von Whoopi Goldberg, die sie im vergangenen Herbst zur Verteidigung des Filmregisseurs Roman Polanski erfand, dem damals die Auslieferung an die USA drohte, nachdem er wegen einer 32 Jahre alten Vergewaltigungsanklage in der Schweiz festgenommen worden war. Sie nährt den Konsens, dass Fälle so schwer zu beweisen sind, in denen das Opfer den Täter kannte, unter Drogen oder Alkoholeinfluss stand, und, dass der Missbrauch in diesen Fällen so viel geringfügiger ist, dass es sich nur lohnt, Fälle zu verfolgen, die mit gewaltätigen Fremden in dunklen Gassen zu tun haben. Sie nährt auch die Annahme, dass das gute Verhalten eines Mannes in der Öffentlichkeit sein schlechtes Verhalten im Privaten ausgleicht, was die häuslichen Übergriffe von Fußballern wie George Best und Paul Gascoigne wieder als unschicklich einstufen würde – anstatt als gewalttätige Straftaten.

Wikileaks verteidigen, heißt nicht Vergewaltigungen verteidigen

Wenn man diese Maßstäbe anlegt, dann schmälern sie die Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen freigeistigen Internet-Provokateur im Kontext seines Kreuzzuges für die Wahrheit, obgleich beides – so unangenehm das ist – parallel existieren kann.

Zur Verteidigung Assanges hat die Wikijungssphäre sich auf die Details der Fälle konzentriert, die in der öffentlichen Domäne sichtbar sind, insbesondere auf die Einwilligung zum Sex unter der Bedingung, dass ein Kondom verwendet wird, was eine falsche „Nicht-Vergewaltigung-Vergewaltigung“ beweisen soll. Das Entscheidende am schwedischen System ist in der Tat nicht, dass dort die Definition einer Vergewaltigung mehr umfasst als in anderen Ländern – dem ist nicht so – sondern, dass es bei einer Anklage nicht darum geht, ob Einvernehmen bestand, sondern ob die „sexuelle Integrität“ des Ankägers oder der Anklägerin verletzt wurde. Dazu kommt, dass mutmaßliche Opfer einen eigenen Anwalt beauftragen können, der nach einer ersten Ablehnung der Klage oft ein Zweitgutachten einholt, was eine nüchternere Erklärung dafür liefern könnte, weshalb die Fälle jetzt wieder eröffnet wurden.

Es ist deprimierend, mit welcher Geschwindigkeit diese jüngste Episode der Wikileaks-Saga auf die leidigen Klischees von der Sexfalle, den kastrierenden Feministinnen und den Opfern, die kein Mitleid verdienen, reduziert worden ist. In einem offensichtlichen Versuch, die Debatte aus der Suppe der Verunglimpfung und Gegen-Verunglimpfung zu ziehen, erklärte Naomi Klein „die Verteidigung von Wikileaks bedeute nicht, dass man Vergewaltigung verteidige“. Doch die Tatsache, dass Assanges Verteidigung diese unverhüllte, beißende Frauenfeindlichkeit hervorgebracht hat, sollte allen Frauen und Männern Anlass zur Sorge geben, die das ebenso geschmacklos und wahrheitsbehindernd finden wie die Angriffe auf Wikileaks selbst.

Übersetzung: Christine Käppeler

Kommentare (69)

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sachichma 10.12.2010 | 18:28

Was hindert Assange dann, wenn er denn so ein starker Kerl ist, sofort nach Schweden zu gehen und nicht sinnlos WL Spendengelder für einen aussichtslosen Kampf gegen seine Auslieferung für einen der teuersten Rechtsanwälte Londons, Mark Stevens, zu verbraten, obwohl er das Geld mal besser für die Verteidigung zum eigentlichen Vorwurf vor einem schwedischem Gericht braucht, - und, noch viel wichtiger, für die Verteidigung des wirklich wichtigen WL Kontributor: Bradley Mannings? Ohne den nämlich hätte Assange gar nicht erst die Chance gehabt so sehr im Rampenlicht zu erscheinen. Aber Mannings war Angehöriger der US Armee als er leakte. Und da sind die juristischen Fragen ganz eindeutig. Auch die Wau Holland Stiftung hat noch keinen Pfennig für die Verteidigung von Mannings ausgegeben. Wahrscheinlich sammeln die alle noch, machen T-Shirts, Sticker und Flugblatter und überlegen sich dann ob die Spenden zweckgemass eingesetzt werden. Trittbrettfahrer, so ähnlich wie bei S21. Das stinkst langsam alles bis zum Mond!!

Emma in Uniform 10.12.2010 | 18:53

Wieso wissen eigentlich nur die Wenigsten, dass B. Mannings
nur deshalb von seiner verblödeten Regierung geschnappt werden konnte, weil er mit seinen "Enthüllungen" in einem Forum geprahlt hat...dass er damit regelrecht hausieren ging, in dem gläsernen US-Web...Und jetzt soll Wikileaks, am besten Assange selbst(!), aha, diesem Idioten helfen?

Ohne Mannings hätte es noch genug Material gegeben, um den Großverweser USA und seine Alliierten zu entlarven,
nur weil Sie die nicht kennen oder noch nicht reingeschaut haben, echauffieren Sie sich jetzt über Assange?

Als hätte der nicht reichlich Mitstreiter?
Deren Bemühen ist wohl egal, oder wie?

Lesen Sie! Lesen! Schauen!
Die Irak-Files geben einiges her, was Mannings Video bei weitem übertrifft an Bestialität..

US-Amerikaner haben allenthalben auf Zivilisten geschossen, habens ganz sportiv genommen, um mal zu "relaxen wurden Kinder geriflet, nur mal so.

Peng.
Die Zahl der Toten in der Zivilbevölkerung sind dem Westen schlicht vorenthalten worden.

Das amerikanische Prinzip war und ist seit 2003 in ERSTER LINIE die Bevölkerung zu massakrieren,zu chaotisieren, Angst und Schrecken zu verbreiten, damit ein Bürgerkrieg verursacht wird, der amerikanische Waffenverkäufe bis ins nächste Jahrzehnt gesichert sind.

Und wäre es evtl. möglich das Thema Assange von der Herdplatte zu nehmen? Wie UNWICHTIG ist denn das daneben?
Ich kann das Gequatsche nicht mehr hören.

Es geht um die Kaltblütigkeit der US-Regierung und ihres verblödeteten Militärsaparats, ihren EU-Erpessungsversuchen, ihrer verlogenen, durchtriebenen Außenpolitik mit dem einzigen Ziel, möglichst viele Waffensysteme veräußern zu können, am liebsten natürlich illegal.

Es geht darum aufmerksam anzusehen, wie mit jedem Leak mehr, die konspiranten Herrscher außereinanderrücken, vergrämt, das Misstrauen offen bekundend, von den USA nicht "respektiert zu werden, ihre ersten Bande zerschneidend..
Zu sehen, wie die Medien sich selbst desavouieren, in dem sie versuchen Wikileaks zu relativieren, ihre eigene Korruptheit zu verbrämen, vergessen zu machen.

Die Causa Assange muss ruhen.
In dubio pro, basta.

Danach kann man sehen.

helmut-mit-hut 10.12.2010 | 19:22

dieser text schadet wikileaks. siehe "sachichma". aus dem infragestellen des vorgehens der schwedischen justiz kann man doch keinen frauenhass ableiten. wie engstirnig ist das denn?

überall wird im radio+fernsehen von vergewaltigungsvorwürfen gesprochen. aber jetzt liesst man: "... dass es bei einer Anklage nicht darum geht, ob Einvernehmen bestand, sondern ob die 'sexuelle Integrität' des Anklägers oder der Anklägerin verletzt wurde." sexuelle Integrität, soso. ich denke, dass ich nicht der einzige bin, der bei vergewaltigung an gewalt denkt. neue begriffe, die vllt erklärt werden sollten. und vllt auch mal nachdenken, inwiefern gerichte zur klärung von bettgeschichten gebraucht werden.

helmut-mit-hut 10.12.2010 | 19:22

dieser text schadet wikileaks. siehe "sachichma". aus dem infragestellen des vorgehens der schwedischen justiz kann man doch keinen frauenhass ableiten. wie engstirnig ist das denn?

überall wird im radio+fernsehen von vergewaltigungsvorwürfen gesprochen. aber jetzt liesst man: "... dass es bei einer Anklage nicht darum geht, ob Einvernehmen bestand, sondern ob die 'sexuelle Integrität' des Anklägers oder der Anklägerin verletzt wurde." sexuelle Integrität, soso. ich denke, dass ich nicht der einzige bin, der bei vergewaltigung an gewalt denkt. neue begriffe, die vllt erklärt werden sollten. und vllt auch mal nachdenken, inwiefern gerichte zur klärung von bettgeschichten gebraucht werden.

B.V. 10.12.2010 | 19:33

Was wird hier wieder für eine Opfersoap gespielt?
Mal davon abgesehen, das erst einmal die Unschuldsvermutung gelten sollte, bevor man Assange als Sex-Monster hinstellt, nur um wieder mal die Arie der Frauenfeindlichkeit zu singen.
So kann man sich doch schon fragen, ob hinter dem ganzen nicht ein gezielter Komplott gegen Assange am laufen ist.
Das was von den angeblichen Opfern so im Umlauf ist klingt für mich in der Tat reichlich bizarr.

B.V. 10.12.2010 | 19:43

Ja, ein selten dämlicher Artikel, aber auch so schön entlarvend.

"... dass es bei einer Anklage nicht darum geht, ob Einvernehmen bestand, sondern ob die 'sexuelle Integrität' des Anklägers oder der Anklägerin verletzt wurde."
Wer bestimmt da die Kriterien?
Muss nun immer ein Gericht mit ins Bett genommen werden, damit hinterher auch beim Prozeß die Wahrheit ans Licht kommen kann?
Absurdistan.

zveri 10.12.2010 | 21:22

Jetzt hab ich wirklich gedacht (bis for ein paar Minuten), ich hätte eine wirklich coole Site entdeckt (Links in Kommentaren von Zeit-Online).
Und dann das hier!
"Selten dämlicher Artikel" ist mir zu unspezifisch, also:

"Die Autorin und Aktivistin Naomi Wolf verurteilte die Frauen dafür, dass sie „feministisch inspirierte Rhetorik und das Gesetz benutzen, um anscheinend persönliche Verletzungen zu lindern“.
Richtig!

"...stellte die britische Organisation Women Against Rape „den ungewöhlichen Eifer“ in Frage, „mit dem Julian Assange verfolgt wird“."
Richtig!

"Claes Borgström, der Anwalt der Frauen, erklärte am Mittwoch gegenüber dem Guardian, seine Klientinnen seien „die Opfer einer Straftat..."
Sind sie nicht!

"..., man würde sie jedoch als die Täterinnen ansehen.“
Sind sie!

Bis hier habe ich den Mist gelesen. Den Rest spare ich mir.

Gruß

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sachichma 10.12.2010 | 22:23

Mir geht's nicht um Assange, sondern darum das er sich persönlich den Vorwürfen stellen muss um WL nicht zu schaden. Was ist denn das für ein Problem?

Im übrigen die Iraq Files geben nichts wesentlich neues her. OK hatte ja 3 Jahre in diesem Gulaq gesteckt, aber wo sind denn mit den Infos über Falludscha? Nichts, Nada! Kein einziges wirklich neues Detail von dem Aufknüpfen der beiden Blackwater Leute bis zum Flächenbobardement und tagelangem Beschuss mit DU Munition. Nichts, absolut nichts. Die Stadt ist ein Gorleben in der Wüste. Von der geplunderten deutschen Botschaft, der US Botschaft mit gigantischem Geheim-Archiv.

Frau Emma (!) die Pastaran im Iran waren da enthüllender als die 1979/80 bei der Botschaftsbesetzung alle geheimen US / CIA Dokumente einfach zu den Leuten auf die Strasse geworfen hatten. Wer weiss denn hier heute noch davon was die gegen die Kurden ausgeheckt hatten... Ne,ne, das WL Material is schon 'nen büschen dünn.

Und wenn sich WL nicht der Unterstützung von Bradley, diesem Kid, entschliesst bricht die Solidarität mit dessen Unterstützer Organisationen zusammen, die machen weiter böse Nachrichten und alles wird dann zu einem lustigen Gequarke ala S21.

derDonnerstag 10.12.2010 | 22:42

Deine gedankliche Flexibiliät ist immer wieder faszinierend, Rahab. Vermutlich findest Du das schwedische Strafrecht, wonach eine Vergewaltigung dann als bewiesen gilt, wenn die Frau es sich hinterher anders überlegt, und die Scharia, wonach nicht der Vergewaltiger, sondern das Opfer bestraft wird, gleichermaßen sympathisch.
PS. Ich beziehe mich auf die Praxis, nicht auf die Theorie.
Ach ja, und was Deine 180-Grad-Verdrehungen anbelangt: Müsstest Du Iranopoly eigentlich nicht auch voll sympathisch finden?

crumar 11.12.2010 | 12:10

Das Problem ist a. das schwedische Recht, b. sozialdemokratische Frauen in Schweden und c. eine feministische Staatsanwältin.

Es kursieren Berichte (Tagesspiegel), wonach Assange sehr wohl Kondome verwendet hat, die jedoch in beiden Fällen platzten. Danach trafen sich dann beide Frauen und mutmaßten, Assange hätte die Kondome absichtlich platzen lassen. Auf der Grundlage dieser *Verschwörungstheorie* hätten sie dann Anzeige erstattet.

Dass es sich um eine Verschwörungstheorie handelt ist ganz einfach zu erklären: Was hätte Assange im Falle einer ungewollten Schwangerschaft/en erwartet?
Eine noch peinlichere Presse und 200.000.- Euro Zahlungen an beide Frauen für Unterhalt Minimum.

Ich kann die Sorge der Frauen vor einer Infektion verstehen, daraus eine Anklage wegen Vergewaltigung zu machen ist jedoch absurd.
Zudem ist Assange noch Wochen in Schweden geblieben, um für eine Anhörung bzw. Vernehmung zur Verfügung zu stehen, die jedoch nicht stattfand.

Andere (Faz) berichten über einen Zusammenhang des 2005 reformierten schwedischen Strafrechts mit diesem Fall.
Demnach gelte als Vergewaltigung in einem minder schweren Fall z.B., wenn Assange die Frauen genötigt hätte, weiterhin mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben, obwohl das Kondom schon gerissen war.
Es wäre also die Einvernehmlichkeit des Sexes dann in Frage gestellt, insofern sich diese auf den *geschützten* Geschlechtsverkehr bezogen habe.

Als Mann gesprochen: Damit habe ich die Arschkarte gezogen, denn wie will ich beweisen, dass das Kondom erst nach dem Vollzug kaputt ging?

Ich kann ja nur das Indiz vorbringen, die Angst vor Infektion und Schwangerschaft macht nur Sinn, wenn mein Sperma sich bereits verteilt hat - hätten die Frauen den Geschlechtsverkehr im Wissen um das bereits gerissene Kondom fortgesetzt, dann hätten sie beides billigend in Kauf genommen oder ich hätte die Frauen dann tatsächlich genötigt, diese Risiken zu tragen.
Das wäre dann wirklich Nötigung gewesen, aber in der Rsisikoabwägung halte ich es für völlig unwahrscheinlich, dass die Frauen darauf eingegangen wären.

Es spricht also eine Menge dafür, dass das Platzen des Kondoms erst nachträglich bemerkt wurde.

Diese Anklage wird nun aber von einer feministischen Staatsanwältin erhoben, die in ihrem Blog eine schwedische Übersetzung des Klassikers: „7 Steps to Legal Revenge“ anbot, diese jedoch ex Post löschte.

Selbige Staatsanwältin soll auch interpretiert haben (Faz), es handle sich schon um Vergewaltigung, wenn: " (...) dass nach schwedischem Recht Nötigung oder Vergewaltigung in einem minder schweren Fall vorliegen kann, wenn sich eine Frau nach dem Sex unwohl fühlt oder sich ausgenutzt vorkommt."

Eine solche Interpretation eines Straftatbestandes ist selbstredend geradezu eine Einladung für das Ausleben von weiblichen Rachefantasien.
Wenn es nur noch rein subjektive Maßstäbe für einen Straftatbestand gibt, dann ist eine Straftat, wenn ich sie als Straftat empfinde.

Es kann durchaus sein, dass die beiden schwedischen Frauen nun in Übereinstimmung mit dem Gesetz und dessen Interpretation handeln und sie von ihrer Aufrichtigkeit subjektiv völlig überzeugt sind.
Nur reagiert eben die Weltöffentlichkeit und die deutsche Öffentlichkeit sowohl im Kontext der anderen Versuche, Wikileaks zu schaden, als auch in Kenntnis zahlreicher Falschbezichtigungen öffentlich bekannter Männer.

Das ist Pech, aber nicht per se frauenfeindlich.

Gruß, C.

THX1138 11.12.2010 | 14:09

Sex ohne Kondom wird in Schweden gleich gesetzt mit Vergewaltigung, was ich insgesamt für äusserst interessant halte.

Langsam wird mir klar, dass im Fall Assange niemand mehr Bescheid weiss, weder bei der Kernfrage, ob die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen der US-Aussenpolitik einen ernsthaften Schaden zugefügt hat oder nicht, noch bei der Frage, ob hinter der Verhaftung Assanges höhere Interessen stecken oder nicht, noch beid er hier im Artzikel gestellten Frage, ob er nun die beiden Frauen zum Sex unter welchen Voraussetzungen auch immer gwzwungen hat oder nicht und wenn ja wie oder was.

Der Fall Assange ist zu einer medial wohl einzigartigen Spekulationsblase geworden; zu einem kaum mehr deutbaren Phänomen und einer sich ständig wandelnden Hydra.

Das passt insgesamt sehr gut in unsere kopf- und orientierungslose Zeit.

hansl 11.12.2010 | 15:33

Ein schwieriges Thema, diese Vergewaltigungsvorwürfe. Die ganze Affäre hat mehr als nur "ein Geschmäckle". Assange hat der schwedischen Staatsanwaltschaft genug Möglichkeiten gegeben, ihn zu vernehmen - das war vor den letzten Leaks. Auch weiterhin hat er einer Vernehmung per Videokonferenz in der schwedischen Botschaft zugestimmt.Das wurde von der zuständigigen Staatsanwältin abgelehnt, mit der Begründung die rechtstaatliche Souveränität eines fremden Staats nicht untergraben zu wollen. Möglicherweise hätte an Stelle einer offiziellen Vernehmung als Beschuldigter auch ein informelles Gespräch zu einer Klärung beitragen, oder zumindest Ermittlungsansätze liefern können. Stattdessen wird eine Red Notice bei Interopol ausgegeben. Es wird suggeriert, dass Assange ein Verbrecher auf der Flucht ist. Es ist schon recht unüblich, das eine Vergewaltigung zu einer Ausschreibung bei Interpol führt - aber es ist ein gutes Mittel den potentiellen Täter noch "viel böser" aussehen zu lassen. Verstärkend kommt noch der Terminus der "minderschweren Vergewaltigung" hinzu. Dieser Begriff wird nicht dem gerecht, was wir uns darunter Vorstellen. Und er muss ein Schlag in Gesicht derer sein, die wirklich ausgesetzt waren - das aber nur nebenbei bemerkt.

Man muss sich fragen, welche Ziele die Staatsanwältin verfolgt. Ist sie der verlängerte Arm der CIA? Möchte sie sich profilieren? Geht es ihr um den schutz der Opfer? Oder ist sie vielleicht selber das Opfer einer Intrige geworden?

Es gibt glaube ich derzeit keine belastbaren Indizien, welche die Staatsanwältin in Verbindung mit einer CIA-Verschwörung bringen. Ich halte das auch eher für unwahrscheinlich - wenn auch nicht für unmöglich. Um Schutz oder Gerechtigkeit für die Opfer scheint es ihr aber auch nicht zu gehen. Zumindest nicht, wenn sie noch einen Funken Verstand besitzt. Es war abzusehen, das in dem Rummel der letzten Tage es nicht lange dauern würde, bis die ersten Stimmen laut werden, dass die Vorwürfe gegen Assange unhaltbar sind. Diese Stimmen haben mittlerweile auch den Mainstream erreicht. Sollten diese Vorwürfe mehr als nur heiße Luft sein, hat sie sehr erfolgreich die Glaubwürdigkeit ihrer Zeuginnen untergraben. Schon allein aus Gründen des Opferschutzes wäre es geboten gewesen, die ermittlungen eine Zeit lang ruhen zu lassen. Bleiben noch die Möglichkeiten, dass sie sich profilieren wollte, oder das sie selber das Opfer einer Intrige wurde. Ich halte es für plausibel und wahrscheinlich, dass sich eine bekannt feministische Staatsanwältin mit einem solchen Fall zu profilieren versucht. Ebenso plausibel finde ich die Möglichkeit, dass ihre Eitelkeit und ihr beruflicher Eifer dazu benutzt wurde eine Schmutzkampagne gegen Assange zu führen. Ob diese Schmutzkampagne nun politisch oder persönlich motiviert ist bleibt offen. Für beides gibt es Indizien. Zum einen ist da der Dokumentierte Eifer von Anna A., sich an Männern zu rächen die fremdgehen, oder mehrgleisig fahren, was im Fall Assange ja eindeutig der Fall war. Zum anderen gibt es Hinweise, die zumindest eine mittlebare Verbindung zu CIA-Mitarbeitern nahelegen. Selbst wenn diese Verbindungen belegt sind, muss das noch nichts heißen, aber ein fader Nachgeschmackt bleibt.

@dieser Artikel: Blogeinträge wurden ans Licht gezerrt? Was ist das denn für ein Blödsinn? In dem Moment wo diese Einträge verfasst wurden, waren sie öffentlich verfügbar. Gerade die Äußerungen von Anna A. sind hilfreich, um ihre Glaubwürdigkeit zu beurteilen. Es handelt sich hier nicht um irgendwelche Schmutzwäsche, sondern um Äußerungen, die direkten bezug haben, zu dem was eingetreten ist.

@sachichma: Du schreibst er würde Spendengelder sinnlos verbraten. Was soll er deiner meinung nach tun? Sich gegen seinen Willen ausliefern lassen für eine Tat die er nicht begangen hat? Ich weiß natürlich nicht dass er unschuldig ist, aber wenn das der Fall ist, dann kann ich verstehen, dass er sich mit allen Mitteln dagegen wehrt. jetzt kann man natürlich argumentieren, dass Schweden europäische Rechtsstandards erfüllt und eine Auslieferung deshalb nicht so tragisch ist. Aber es kann ja wohl nicht sein, das man aufgrund irgendwelcher unbewiesenen Behauptungen gegen seinen Willen in ein anderes Land deportiert wird. Das würde dem Rechtsmißbrauch durch wen auch immer Tür und Tor öffnen.

drdre 11.12.2010 | 18:29

In diesem Fall geht es nicht um Frauenfeindlichkeit oder Machogehabe. Hier geht es um zwei Damen die mit Verbindungen zur CIA das Spiel der Einschränkung der Meinungsfreiheit spielen.

Dies ist nach den Hintergrundinfos als Grund für diese Anklage zu sehen.

Wenn die Schweden Assande schriftl. garantieren ihn nicht an die US Behörden auszuliefern, kann sich dieser ohne weiteres den Vorwürfen stellen. Dann wird man sehen ob da was dran ist oder nicht.

Solange die Schweden diese Garantie nicht geben, wäre es für Assande nicht ratsam nach Schweden zu gehen.
Einige Offizielle in den USA haben sich ja nicht umsonst für den Tod von Assande ausgesprochen.. das spricht ja Bände was Demokratie und Freiheitsverständnis dieser Leute angeht.

konyhakert 13.12.2010 | 12:38

[i](ich schaffe es jetzt leider nicht, die masse der kommentare zu lesen. vllt. steht schon hier, was ich jetzt schreiben möchte. seis drum){/i]

mir wird anhand dieses artikels erst einmal die weite der dimension klar, die da angerissen wurde. und es erschreckt mich.

ohnehin hatte ich als erstes eine ziemliche wut, als ich von den vergewaltigungsvorwürfen gg. assange hörte. mag man zu ihm stehen als person wie man will. so denke ich doch, wie wohl die meisten, daß es hier nicht um die vergewaltigung an sich geht, sondern um die demontierung der person assange in der öffentlichkeit und damit einen entscheidenden schritt gg. wikileaks selbst.

wut war deshalb da, weil man sich eines vorwurfes bediente, der perfider kaum sein konnte. denn: vergewaltigung ist es, neben kinderpornographie, worauf sich sicherlich so gut wie alle menschen einigen können, daß dies etwas widerliches, abstoßendes und zu verachtendes ist.

einem solchen vorwurf ausgesetzt zu werden, und danach die gesamte sexuelle ausrichtung in allen möglichen details durch die öffentlichkeit gezehrt zu bekommen - das ist fast noch widerlicher. und diesen makel wird ein mensch vermutlich auch niemals loswerden. davon bleibt immer etwas kleben. (gilt genauso für den kachelmann, wen gehen eigentlich die einzelheiten was an? das sollte keinen von uns allen überhaupt interessieren, aber die medien reißen sich darum wie die hyänen. einfach nur widerlich. ähnliches ist jetzt vermutlich bei assange zu erwarten)

aber daß dieser vorwurf jetzt eine welle von frauenhaß losgetreten hat, das erschreckt mich nur noch mehr. können die leute eigentlich nicht zwei verschiedene schuhe auseinander halen?

oder brauchte es einfach nur eines anlasses, um frauenhaß wieder salonfähig zu machen?
(ich beobachte seit einer weile, daß bei jedem tehma, in welchem es um frauen geht, in welchem zusammenhang auch immer, eine welle von regelrechte haßtiraden auf frauen losgetreten werden. neulich bekannte sich sogar jemand zu dem etikett "antifeministen".)

daß die vergewaltigungsvorwürfe gg. assange höchst umstritten sind und mglw. allein die profilneurose einer schwedischen staatsanwältin dahinter stecken könnte, das ist mittlerweile bekannt. sie hat mglw. die chance ihres lebens erkannt, eine karriereförderliche maßnahme in die wege zu leiten. schließlich kennt man die zuvor unbekannte jetzt ebenfalls weltweit.

ich mag mich nicht in verschwörungstheoretischen vermutungen ergehen. allein, die vorwürfe und schließlich die verhaftung assanges vor diesem hintergrund und zum fraglichen zeitpunkt erscheinen mir fragwürdig, perfide und abstoßend.
wer immer sich, falls es so war, dies hat einfallen lassen, hat etwas verstanden davon, wie man zwei fliegen mit einer klappe schlägt. offenbar ist momentan nicht nur wikileaks selbst geschwächt, sondern auch die ohnehin im abklingen befindliche frauenbewegung hat ihr fett noch weg bekommen. prima sache, das!

ich für meine person versuche einfach zu trennen: zwischen der sache wikileaks selbst und der verhaftung mit den schwer haltbaren vorwürfen. ich halte mich für eine selbstbewußte frau, wenn auch weitab von der traditionellen frauenbewegung, und daher ist es mir auch möglich, einerseits wütend zu sein über die perfide verhaftung unter fadenscheinigen vorwürfen gg. assange UND gleichzeitig vergewaltigung und sowieso jegliche gewaltanwendung abzulehnen.

Magda 13.12.2010 | 12:45

Danke für den nachdenklichen Kommentar. Es sind wirklich verschiedene Paar Schuhe, die da zusammengebunden werden. Sie haben Recht.

"oder brauchte es einfach nur eines anlasses, um frauenhaß wieder salonfähig zu machen?
(ich beobachte seit einer weile, daß bei jedem tehma, in welchem es um frauen geht, in welchem zusammenhang auch immer, eine welle von regelrechte haßtiraden auf frauen losgetreten werden. neulich bekannte sich sogar jemand zu dem etikett "antifeministen".)"

Das erschreckt mich auch immer wiederi von Neuem. Aber da kann man wenig gegen tun.

THX1138 14.12.2010 | 08:28

Kritik am Feminismus = Frauenhass

Ist doch klar, oder? Wer bestehende Autho-ritäten ernsthaft in Frage stellt, hat einen an der Waffel, nicht? Der Feminismus ist unfehlbar, war das schon immer und wird es auch immer bleiben.

Andere Frage: Ist Feminismus immer automatisch gleich Gleichberechtigung..?! Gibt es nur einen einzigen richtigen Weg zur Gleichberechtigung, nämlich denjenigen, den uns der Feminismus vorzeichnet? Wir haben ja schliesslich auch nicht nur eine politische Partei..! Oder führt neuerdings nur ein einziger Weg nach Rom? Und wenn ja: Warum? Warum können es nicht mehrere sein?

konyhakert 14.12.2010 | 09:46

ach, und im übrigen bin ich auch keine freundin von frau schwarzer. ganz und gar nicht. aber sie ist ja nicht die alleinige feministin. leider aber dominiert sie diesen total. das gehört mit zu dem, warum ich sie nicht mag. und ihre auffassungen sind fast immer völlig überzogen.

nur wie gsagt; sie ist zwar die total dominierende feministin hier in deutschland. aber gott sei dank nicht die einzige.

B.V. 14.12.2010 | 19:21

"ach B.V.
vertief dich einfach ins schwedische strafrecht!"

"Die Jagd auf Julian Assange mag viele unbeabsichtigte Folgen haben, doch angesichts seiner drohenden Auslieferung an Schweden, besteht ein Nebeneffekt darin, dass der Europäische Haftbefehl einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Das juristische Instrument ist umstritten, seit es im Jahr 2003 eingeführt wurde, es verursacht seitdem tagtäglich neues Unrecht. Kaum jemanden außerhalb der kleinen Gruppe von Anwälten, die beruflich damit befasst sind, kümmert dies. Wer die Wikileaks-Story verfolgt hat, fragt sich nun, wie Assange ausgeliefert werden könnte, wenn doch noch so viele Fragen unbeantwortet sind. Warum zum Beispiel kann jemand wegen eines Vergehens, das es wohl nach schwedischem, nicht aber nach britischem Recht gibt, in Großbritannien inhaftiert werden? Und wie kann ein Richter einer Auslieferung zustimmen, ohne über genügend Beweise zu verfügen?"
weiter hier:
www.freitag.de/politik/1049-drei-auslieferungen-pro-tag

Calvin 14.12.2010 | 22:19

Die beiden Mädels kamen irgendwie erst in der Kiste auf die Idee, "sein problematisches Verhältnis zu Frauen" af die Probe zu stellen.
Außerdem kannten sich die Beiden von einer Ausstellung, von der Nr. 1 mit ihm (Assange) vor Nr. 2 den Geschlechtsakt vollzog.

Das ist sehr praktisch, weil wir nun in kurzer Abfolge 2 "Vergewaltigungen" haben und damit 2 Aussagen gegen 1 (die von Assange) haben.

Man muss kein Frauenhasser sein, um zu erkennen, das der ganze Prozess mehr als ein G´schmäckle hat.

Ansonsten muss ich mich der Mehrheitsmeinung an: Selten so einen dämlichen Artikel im Freitag gelesen.

thinktankgirl 15.12.2010 | 00:15

Naomi Wolf:

J'Accuse: Sweden, Britain, and Interpol Insult Rape Victims Worldwid

In other words: Never in twenty-three years of reporting on and supporting victims of sexual assault around the world have I ever heard of a case of a man sought by two nations, and held in solitary confinement without bail in advance of being questioned -- for any alleged rape, even the most brutal or easily proven. In terms of a case involving the kinds of ambiguities and complexities of the alleged victims' complaints -- sex that began consensually that allegedly became non-consensual when dispute arose around a condom -- please find me, anywhere in the world, another man in prison today without bail on charges of anything comparable.

Of course 'No means No', even after consent has been given, whether you are male or female; and of course condoms should always be used if agreed upon. As my fifteen-year-old would say: Duh.

But for all the tens of thousands of women who have been kidnapped and raped, raped at gunpoint, gang-raped, raped with sharp objects, beaten and raped, raped as children, raped by acquaintances -- who are still awaiting the least whisper of justice -- the highly unusual reaction of Sweden and Britain to this situation is a slap in the face. It seems to send the message to women in the UK and Sweden that if you ever want anyone to take sex crime against you seriously, you had better be sure the man you accuse of wrongdoing has also happened to embarrass the most powerful government on earth.

Tycho 15.12.2010 | 09:05

Ich habe es erst einmal sacken lassen und überlegt.

Grundsätzlich ist ein Nein stets ein Nein. Nun ist ein in der Hitze des Gefechts auch ein Nein. Das Problem dabei ist nur, wie mensch das noch auseinander dröseln will, wann und in welchem Grad das Nein erfolgt. Wenn das dann Objekt einer Untersuchung durch Gutachter bei Gericht werden soll, dann Gute Nacht.

Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, sollte sich gut überlegen, mit wem er oder sie Liebe macht, um die Wahrscheinlichkeiten und Abläufe des Liebesleben vorher zu regeln, statt in einer Art Besessenheit in einen Akt zu verfallen, dessen Durchführung nun einmal intimstes berührt.

Gibt es also eine Art Grundverantwortung sich selbst und dem anderen Gegenüber vor Beginn des Aktes? Kann und sollte ich einen zerkratzten Rücken vor Gericht als Körperverletzung einklagen können und dürfen? Ich verstehe ja durchaus, dass der Frau als Penetrierte im Liebesleben eben besondere Rechte zukommen müssen, aber ich verstehe nicht, dass während des einvernehmlich zustande gekommenen Aktes Vorgehensweisen unter dem rationalen Aspekt gewertet werden können, wobei bei uns Männern sicherlich Affekt eine Rolle spielen mag.
Wenn es aber soweit geht, dass nicht mehr Vaterschaft und Verantwortung nach einem solchen Fall gerichtlich zu Disposition stehen sollen, sondern solches als Vergewaltigung angesehen wird, so wird einerseits der Begriff Vergewaltigung aus gedünnt und andererseits muss dies bedeutet, dass der einvernehmliche Akt stets nur noch mit offenen Augen und ohne Hörschutz, bei voller Bewusstseinshöhe begangen werden kann, bei dem der Mann im Intervall das Einverständnis der Frau abzufragen hat und sofort inne halten muss, wenn seitens der Frau diffuse oder fehl interpretierbare Seme aus gestoßen werden.

Oh Lord!

Also, wenn ich Frau wäre, was ich nicht bin, würde ich so einen Kerl abschießen und die Sache abhaken, ggffls. Schwangerschaftstest und Gesundheitscheck machen und mich ärgern, weshalb ich mit dem so früh in die Kiste gesprungen bin, ich Flittchen, ich, zu einem Zeitpunkt nämlich, an dem man sich nicht kennt und nicht eventuelle Nachweise für HIV negativ und dergleichen vorliegen. Als Mann sehe ich das so.

Wie sieht Frau das?

Tycho 15.12.2010 | 09:17

@Smith

Nein, ganz sicher nicht sind Frauen über 100% vertrauenswürdig, aber auf Grund der Physis eines Geschlechts sind sie eben besonders zu schützen vor sexuellen Übergriffen. Mir wird das erst bewusst, wenn ich über mein Mann-sein hinaus an eine mögliche Tochter denken würde, was es dann viel haptischer macht, sich vorzustellen, in welchen Settings eines Aktes die Frau "Nein" sagt und "Nein" meint, und dass ich dann sehr wohl auf besonderen Rechtsschutz dieses "Neins" bestehen würde. Daraus ergibt sich das für mich generell.

Das schützt weder den Mann davor, rein gelegt und zu Unrecht einer schon schweren Straftat beschuldigt zu werden, bekräftigt aber keinesfalls den Umkehrschluss daraus, der grundsätzliche Schutz wäre deshalb unrichtig. Vielleicht erzieht es uns Männer ein wenig dazu, mit Frauen erst dann einen Akt zu vollziehen, wenn wir sie näher kennen und gewisse Wahrscheinlichkeiten sich eingestellt haben.

konyhakert 15.12.2010 | 09:31

lieber tycho,

als frau würde ich sagen, deine ausführungen haben lang und breit viel richtiges. wenngleich, als frau gesagt, würde ich mir überlegen, daß die ganze sache insgesamt zum himmel stinkt. und ich würde mir sagen, daß mich das intimleben von assange so wenig zu interessieren hat wie überhaupt sagen wir das von scarlett johannson oder keine ahnung robby williams oder sonst irgendeinem promi. es fällt zwar schwer, weil man es an jeder ecke aufs brot geschmiert bekommt, augen und ohr vor solchen intimen detaills geschlossen zu halten. aber ich würde auch hier, als frau, nicht wissen wollen, welches die detaills der 3 probanden gewesen ist,weil das geht nur die drei (und in dem fall noch polizei, staatsanwaltschaft und dergleichen) was an. sonst niemand.
und darüberhinaus würde ich denken, wenn die detaills nur die drei was angeht, und überhaupt das ans-licht-zerrender ganzen geschichte und sie überhaupt insgesamt sehr dubios ist, dann ist es auch nicht möglich, die detaills insgesamt zu verallgemeinern und andere völlig unbeteiligte und unschuldige frauen damit zu konfronieren. denn dies geschichtchen mit dem assange, das is ne sehr spezielle, und die interessen die da wie genau ausgehandelt und angewogen werden und was überhaupt am ende dabei rauskommt, das können wir, auch bei all den detaills, die da durch die presse gezerrt werden, gar nicht wissen. also würde ich als frau gesehen, meine beziehung zu mann, wie oder wen auch immer ich da kennenlern, nicht weiter mit mißtrauen aus der mir fremden geschichte mit dem assange behelligen. und das eine das eine sein lassen und das andere das andere. und mich ansonsten dem kerl zuwenden, der da was will von mir.

thinktankgirl 15.12.2010 | 10:59

Ich denke, es gibt noch ein anderer Gesichtspunkt, warum die 2 Schwedinnen sich "Haß" zuziehen.

Ich habe mich in letzter Zeit in verschiedenen Foren rumgetrieben, die Wikileaks und deren Ideen nahestehen.
Vorgestern habe ich auch ein sehr interessantes Porträt über Assange im New Yorker gefunden.

Wikileaks, Aktivisten und Assange haben ständig irgendwelche staatlichen Behörden an den Fersen, die ihnen das Handwerk legen wollen.
Um das Projekt Wikileaks durchzuziehen und nicht ausgeschaltet zu werden, müssen sich die Mitarbeiter und Unterstützer absolut aufeinander verlassen können. Und d.h. auch, niemand klungelt mit der Staatsmacht und gefährdet dadurch das Projekt. Zumal sie von ihrem Selbstverständnis her, nichts mit Ordnungs- und Kontrollorganen zu tun haben sondern "autonom" sein wollen.
Und da kommen nun 2 Frauen auf die Idee, sich an die Polizei zu wenden, wegen eines Kondom-Unfalles und eines geraubten GVs, während die Frau noch schlief. D.h. sie haben Assange dem Feind ausgeliefert, gegen den Ethos, der in solchen Gruppierungen herrscht.
So was regelt man normalerweise intern und hätte sich beim internen Tribunal, an dem sicherlich auch Feministinnen teilgenommen hätten, rausgestellt, daß Assange wirklich ein Vergewaltiger wäre, dann wäre das sein sozialer Tod in diesen cryptoanarchistischen Gruppen.

Tycho 15.12.2010 | 11:17

Hmmja, Anarchie hin Anarchie her, alles was nicht direkt mit der Durchführung von wl zu tun hat bewegt sich keinesfalls im rechtsfreien Raum und bedarf der Rechtssprechung.

Das mit dem Hass um die Vermeintliche Zerstörung einer Ikone verstehe ich schon, ..nur ist das wirklich misogyn?
Misogyn verstehe ich eher als Hass auf frauenspezifische Rechtslagen...nicht als Hass auf Mädels selbst, die hier auch Kerle hätten sein können. Vorrangig gesehen also die Beschädigung einer Ikone beziehungsweise des anderweitig juristisch verletzbar außerhalb des Datenklau Vorwurfs..

thinktankgirl 15.12.2010 | 20:13

Der rechtsfreie Raum spannt sich gerade zwischen Schweden und England auf:

Ein Mensch wird mittels Europäischem Haftbefehl, dem keine Anklage zugrunde liegt, in England in Isolationshaft gehalten - 24 Stunden Videoüberwachung, 23 1/2 Stunden in der Zelle, kein Zugang zur Bibliothek, Fernsehen, Internet. Seine Post wird zensiert: Times hat ihm ein Exemplar mit seinem Poträt auf dem Cover zugeschickt - beschlagnahmt, etc.
Es werden ca. 200.000 Pfund Kaution und eine Meldeadresse bereit gestellt, eine elektronische Fussfessel akzeptiert und der Paß abgegeben....
Und die schwedische Staatsanwaltschaft akzeptiert das nicht???

derDonnerstag 15.12.2010 | 23:17

Tut mir leid, aber ich habe es aufgegeben, mit Dogmatikern zu diskutieren. Es bringt nichts, einen sachlichen Austausch mit Leuten zu suchen, denen es um nichts Anderes geht als Deutungshoheit und die Zugehörigkeit zu einer privilegierten Opfergruppe.
Oder macht es irgendeinen anderen Sinn, dass Sie ständig betonen müssen, dass Ihre Meinung davon abhängt, dass Sie eine Frau sind?

konyhakert 16.12.2010 | 00:32

oh mann, dd, wie konntest du das nur so schnell erkennen, daß ich mich zu einer opfergruppe bekenne? oh mann, ich gehöre sogar zwei opfergruppen an, wenn man es genau bedenkt sogar drei opfergruppen.

nein ehrlich, dd, merkst du wirklich nicht selbst, wie lächerlich du dich machst mit deiner antwort?

du bist offenbar nicht in der lage, ironie zu erkennen.

dafür wie viele deiner gruppe immer dabei, dich sofort angegriffen zu fühlen. männer sind ja heute sooo benachteiligt und frauen immer soooo böse zu männern. ehrlich, das ist langweilig.

ich habe von dir bisher auch noch nichts gelesen, was über simple provokationen hinausgeht, aber einen intelligenten kommentar bisher noch nicht.

thinktankgirl 16.12.2010 | 11:05

@weinsztein

Isch bin up-to-date!

kryptoanarchistisch:

Crypto-anarchism expounds the use of strong public-key cryptography to bring about privacy and freedom. It was described by Vernor Vinge as a cyberspatial realization of anarchism.[1]

de.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange

Assange steht Ideen des Krypto-Anarchismus nahe. Ausgehend von libertärem Gedankengut stellt der Krypto-Anarchismus eine Informationsasymmetrie zwischen Staat und Bürgern fest. Während ein Staat in der Lage sei, große Teile der Kommunikation seiner Bürger zu überwachen, versucht er gleichzeitig, viele Informationen vor diesen geheim zu halten. Die technischen Innovationen des Internets böten nun die Möglichkeit, die festgestellte Asymmetrie umzukehren. Einerseits könnten alle privaten Informationen mit kryptographischen Mitteln geschützt werden. Dies hätte eine weitgehende Beschränkung staatlicher Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten zur Folge. Das gleiche Ziel könnte andererseits aber auch durch die konsequente Veröffentlichung von Herrschaftswissen erreicht werden.

Hervorhebung durch mich

Azenion 16.12.2010 | 21:57

Ich vermute, daß das, was hier als "Frauenhaß" interpretiert wird, im wesentlichen männlicher Ärger über den Umstand darstellt, daß ein Mann, sobald er mit einer Frau ins Bett steigt, mit einem Bein im Gefängnis steht, da er prinzipiell niemals beweisen kann, daß er dort nichts Unrechtes angestellt hat.

Aus dem umgekehrten Grund nimmt der traditionelle Feminismus so gern die Form von Männerhaß an: Dann nämlich, wenn der Ärger darüber vorherrscht, daß die *Frau* nichts beweisen kann, wenn ihr im Bett Unrecht angetan wurde, so daß Vergewaltiger prinzipiell nichts zu befürchten haben.

Welcher Ärger ist nun berechtigter? Das hängt vor allem davon ab, in welche Richtung die öffentliche Meinung und die Staatsgewalt tendiert:
In dubio pro Mann (das deckt sich normalerweise mit dem rechtsstaatlichen "in dubio pro reo", was für Feministinnen ein zusätzliches Ärgernis sein dürfte); oder in dubio pro Frau?

In Schweden gilt offenbar letzteres, denn daß dort eine (gemäß ihrer Aussagen) durchgeknallte Fanatikerin Staatsanwältin werden kann, zeigt, wie die Staatsgewalt tickt -- und daß das Volk es in Ordnung zu finden scheint, zeigt, wo die öffentliche Meinung steht.

Es würde insofern dem Geschlechterfrieden dienlich sein, wenn Frauen dort sich jetzt für eine rechtsstaatlich einwandfreie strafrechtliche Regelung einsetzen würden, anstatt den männlichen Ärger als "Frauenhaß" verächtlich zu machen.

Canabbaia 19.12.2010 | 12:26

Mit den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Julian Assange habe auch ich mich intensiv auseinander gesetzt (vgl. meinen Blog-Eintrag "Vergewaltigung, CIA-Verschwörung, Feminismus: Julian Assange ... zwischen verruchtem Landei und gehörntem Engelsgesicht" (beltwild.blogspot.com/2010/12/vergewaltigung-cia-verschworung.html mit zahlreichen Links ).

In der Tat ist Misogynie im Allgemeinen und sind im speziellen Falle die Hassausbrüche gegen die beiden Frauen (hauptsächlich aber wohl gegen Anna Ardin gerichtet, die auch ich als die treibende Kraft bei der strafrechtlichen Verfolgung von Assange ansehe) verwerflich.

Andererseits unterschlägt aber auch die pauschalierende Betrachtung von Libby Brooks einige wesentliche Dimensionen des Falles.

Zunächst einmal kann ich es nicht für illegitim halten, wenn die Verteidiger (nicht nur die Juristen) "persönliche Fotos der Frauen, ihre Lebensläufe und Blogeinträge ... als Beweis für sexuelle Abweichungen, mentale Portabilität und Racheabsichten ans Licht" zerren.

Manche "Beweislinien", die auf diese Art konstruiert werden (etwa im Stil von 'Anna Ardin ist eigentlich eine Lesbe; wenn sie trotzdem mit Julian Assange geschlafen hat, kann nur die CIA dahinter stecken') sind zwar völlig abstrus.
Dass Anna Ardin aber ein Racherezept ins Schwedische übersetzt hat, das inhaltlich exakt mit ihrem Verhalten gegenüber J. A. übereinstimmt, oder dass sie sich nach der angeblichen Vergewaltigung begeistert über Assange geäußert hat, ist für dessen Verteidigung wichtig und es ist absolut legitim (und begrüßenswert), wenn solche Fakten von 'Internet-Amateur-Detektiven' aufgedeckt werden.

Auch eine scharfe Kritik am Verhalten der Frauen halte ich für berechtigt.

Julia Wilen muss sich für ihre Naivität kritisieren lassen, wenn sie zwei Wochen lang alles über Assange im Internet erreichbare Material gelesen und trotzdem geglaubt hat, sie könne einen solchen Mann in ihrem Provinznest Enköping als Windelwäscher sesshaft machen.

Und Anna Ardin ist ganz einfach eine fiese Typin, wenn sie einerseits die Dinge in einem Interview so hinstellt, als habe man auf der Polizei ja nur mal nachfragen wollen, und eigentlich sei der Julian Assange ja gar nicht so schlimm, andererseits aber unmittelbar nach der Aufhebung des Schnellschuss-Haftbefehls durch die Staatsanwaltschaft einen Prominentenanwalt einschaltet, mit dem offenkundigen Ziel, auf Biegen oder Brechen einen Vergewaltigungsvorwurf (dieser liegt, wenn ich es richtig verstanden habe, wohl nur insoweit vor, als Julian Assange die Sofial Wilen am Morgen des 17.08.2010 penetriert haben soll, während diese noch schlief, hat also nichts mit den geplatzten bzw. nicht verwendeten Kondomen zu tun, die nur minder schwere Tatbestände sind). Nach allem was davon öffentlich bekannt ist muss ich Anna Ardin als eine Schlangenzunge ansehen, die in der Öffentlichkeit (nicht zuletzt wohl auch in ihrem engeren Umfeld wird sie jetzt "Zunder" bekommen) als Unschuldsengel angesehen werden möchte, während sie in Wirklichkeit einen perfiden Rachefeldzug führt.

Was eine mögliche CIA-Einwirkung angeht, erscheint mir auf der Grundlage des allgemeinen Kenntnisstandes lediglich das folgende Fazit möglich:

1) Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Anna Ardin und/oder Sofia Wilen wissentlich für US-Behörden agieren.

2) Es ist nicht ausgeschlossen (aber keineswegs offenkundig), dass sie ohne ihr Wissen in diplomatische oder geheimdienstliche Schachzüge der US-Behörden eingeplant wurden und eingespannt sind. Wenn überhaupt eine US-Organisation (Geheimdienst oder Diplomaten) auf eine oder beide Frau(en) Einfluss nimmt, dann ist eher an einen indirekten Ablauf zu denken: über besorgte Freunde und Bekannte nämlich ("Du tust mir ja so leid, was dieser Schuft dir angetan hat", "Das darfst du dir von dem nicht gefallen lassen", "Ich leihe dir Geld für den Anwalt", "Du darfst jetzt nicht klein beigeben" usw. könnten die Einflüsterungen lauten, die ihrerseits wieder von Einflüsterungen oder knisternden Scheinen inspiriert worden sein könnten. Geheimdienstliche oder diplomatische Eingriffe sind aber auch an ganz anderer Stelle vorstellbar, etwa in das Ermittlungsverfahren auf die ermittelnde Staatsanwältin.)

3) Es ist sicher, dass der private Rachefeldzug der beiden Damen den gegen die Arbeit von Wikileaks gerichteten Aktionen der US-Regierung nützt. Auch dieser Umstand rechtfertigt zwar nicht jenen Hass, der ihnen im Internet teilweise entgegenschlägt. Aber Kritik an ihrem widersprüchlichen Verhalten (insbesondere bei Anna Ardin; bei Sofia Wilen mehr an ihrer Naivität und Hysterie) scheint mir auf jeden Fall berechtigt und wird ja sogar auch von zahlreichen feministischen Persönlichkeiten und Institutionen geübt.