Funky Femmes

Weltmusik Die westafrikanische Frauenband Les Amazones d’Afrique singt für Gleichberechtigung und gegen Gewalt. Hört sich gut an

Die in Gabun geborene Afrojazz- und Bluessängerin Pamela Badjogo sagt es so: „Wir haben es satt, Frauen unter Gewalt leiden zu sehen, ob in den Familien oder in Kriegsgebieten. Wir wollen, dass es aufhört.“

Badjogo ist Mitglied von Les Amazones d’Afrique, einem weiblichen Kollektiv westafrikanischer Musikerinnen, das sich vor allem Frauenrechte auf die Fahnen geschrieben hat. In ihrem Album République Amazone verschmelzen alte Rhythmen mit Funk, Blues und Dub-Einsprengseln. Gesungen wird auf Englisch, Französisch und Mandinka, es geht um Liebe, Unterdrückung, weibliche Selbstbehauptung.

Die zwölf Musikerinnen – darunter die Grammygewinnerin Angélique Kidjo für das Best World Music Album 2016, Mariam Doumbia vom legendären Duo Amadou & Mariam und die international bekannte Popmusikerin Nneka – glauben daran, dass Musik eine Waffe sein kann, mit der sich die systematische Entrechtung von Frauen in ganz Afrika bekämpfen lässt. Begonnen hat das Projekt mit drei Sängerinnen aus Mali: Oumou Sangaré, Mamani Keïta und Doumbia. Die imposanten, glamourösen Künsterinnen verbrachten 2014 einige Zeit in der Hauptstadt Bamako mit Valérie Malot von der französischen Musikagentur 3D Family. Malot wurde zu ihrer Managerin: „Ich sah, wie schillernd ihr Leben war – die schöne Mode, die Düfte, die Musik, die Wahrsagerei. Mein Kontakt zu ihnen wurde immer enger“, erzählt Malot. „Wir erkannten, dass die Unterdrückung von Frauen auf dem afrikanischen Kontinent und auf der Welt etwas ist, das jede Frau berührt. Es ist keine Frage der Hautfarbe oder Kultur, sondern etwas ganz Allgemeines. Alle Frauen können einen Bezug dazu herstellen.“

Sangaré (die später aus dem Projekt ausstieg) hatte Polygamie und Zwangsheirat erlebt, Mamani Keïta sich viele Jahre als Musikerin in Paris durchgeschlagen. Es entstand die Idee, die Frauen sollten sich zusammentun, um Unterstützung und Geld für die Panzi-Stiftung aufzubringen. Die Panzi-Stiftung hat bislang über 85.000 Mädchen und Frauen mit gynäkologischen Verletzungen in der Demokratischen Republik Kongo behandelt. Mehr als die Hälfte davon hat sexuelle Gewalt erlebt. So wurden Les Amazones d’Afrique geboren. Der Name ist eine Hommage. An die legendären Amazonen von Dahomey, die über 200 Jahre lang das Königreich, das sich vom heutigen West-Nigeria bis ins heutige Ghana erstreckte, beschützt haben sollen. Und an die erste rein weibliche Popband Guineas, die Amazones de Guinée.

Töchter, Schwestern, Mütter

„Eine solche Gruppe kann man nur um eine Sache, eine Idee herum bilden“, sagt Malot. „Wir wollen die Gewalt gegen Frauen nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent, sondern der ganzen Welt stoppen.“ Nicht immer lief dabei alles glatt. Die Suche nach den Sängerinnen sei „irgendwie magisch“ verlaufen. Als es aber darum ging, eine rein weibliche Band für die Aufnahmen zu finden, gerieten die Dinge ins Stocken. „Es gab nicht genug Gitarristinnen und Schlagzeugerinnen. Es kam zu großen Enttäuschungen“, berichtet Malot. So musste man Pläne verwerfen, das Album ausschließlich mit Frauen zu produzieren. Mit Hilfe von Mouneïssa Tandina (der einzigen prominenten Schlagzeugerin Malis), Gitarrist Mamadou Diakité und Produzent Liam Farrell alias Doctor L gelang es schließlich, ein Line-up, also eine Band zusammenzustellen. Sie besteht nun aus Keïta, Doumbia, Kidjo, Nneka, Tandina und Badjogo, neben Kandia Kouyaté, Inna Modja, Rokia Koné, Mariam Koné und Massan Coulibaly.

Les Amazones d’Afrique spielten ihr erstes, energiegeladenes Konzert im Oktober 2015 beim Musikfestival Fiesta des Suds in Marseille. Im vergangenen Sommer wurde die erste Single I Play the Kora veröffentlicht. Die Botschaft des Stücks – das Frauen zusammenbringt, um davon zu singen, warum „sie sich erheben und Ungerechtigkeit bekämpfen“ sollten – ist stark und direkt. „Wir sind stark, wir sind alle gleich“, heißt es im Song. Die Kora, ein der Harfe ähnliches, aus Westafrika stammendes Instrument, war Frauen lange verboten – nur Männern stand die Ehre zu, sie zu spielen.

République Amazone ist der Sound der nach Hause zurückkehrenden afrikanischen Diaspora, die ihren Platz jenseits von Genre und Zeit zurückfordert. Die Musikerinnen reihen sich ein in eine lange Tradition westafrikanischer weiblicher Selbstbehauptung, die über Musik hinausgeht und sich auf Frauen wie Adelaide Smith Casely Hayford berufen kann, die als die „afrikanische viktorianische Feministin“ bekannt ist und eine Mädchenschule im sierra-leonischen Freetown gründete. Oder Margaret Ekpo, Funmilayo Ransome-Kuti und Gambo Sawaba, die unbesungenen Heldinnen der Unabhängigkeits- und Emanzipationsbewegung Nigerias im 20. Jahrhundert, die ebenso wichtig für die Sache der Frauenrechte dort war wie die Suffragetten in Großbritannien. Les Amazones wissen: Soll die Gewalt gegen Frauen in den Ländern, in denen sie aufgewachsen sind, überwunden werden, muss die Rolle der Männer in der Gesellschaft verändert werden. Die haben viel voneinander gelernt im vergangenen Jahr, vor allem während eines intensiven Toursommers.

Das Ego zurückstellen

Die 36-jährige nigerianische Singer-Songwriterin Nneka sagt, es sei das erste Mal gewesen, dass sie mit Musikern und Musikerinnen zusammengearbeitet habe, die alle ihr Ego zurückstellen konnten. „Ich habe meine eigenen Erfahrungen mit Misshandlung und häuslicher Gewalt gemacht. Deshalb fühle ich mich diesem Projekt und diesen Frauen verbunden“, erklärt sie. „Man ist mit talentierten Frauen zusammen, die etwas zu sagen haben. Denen man zuhören und von denen man lernen kann. Die meisten von ihnen sind älter und haben viel Einfluss auf ihre Gesellschaft oder ihre Heimatstadt gehabt. Allein das zu sehen, hat mich inspiriert. Und es hat mir Hoffnung gegeben: Ich bin nicht allein. Nneka, auch du kannst arbeiten. Du kannst eine starke Frau sein und gleichzeitig für eine Familie da sein.“ Inna Modja ist eine 32-jährige malisch-französische Sängerin. Sie erzählt, wie sie und Nneka den älteren Frauen von Les Amazones etwas beibringen konnten. „Wir bringen etwas anderes mit. Aus unserer Generation, die weltoffener ist als irgendeine zuvor. Wir sind umgeben von verschiedenen Musikstilen aufgewachsen“, sagte sie gegenüber dem Magazin Le Pointe Afrique. Als Kollektiv singen sie für die Rechte von Töchtern, Schwestern und Müttern.

République Amazone ist auch „ein Liebesbrief an die Männer“, sagt Malot. „Jede sagt es auf ihre Weise: ,Wir brauchen euch.‘“

Info

République Amazone Les Amazones d’Afrique, Pias Uk/Real World 2017, 12,99 €

Charlie Brinkhurst-Cuff ist freie Journalistin, sie schreibt für gal-dem, ein neues Magazin, das von Women of Color produziert wird

Übersetzung: Zilla Hofman

06:00 26.04.2017
Geschrieben von

Charlie Brinkhurst-Cuff | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian
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