Mädchen oder Junge?

Gender-Trouble Ein schwedisches Paar verheimlicht das Geschlecht seines zweieinhalb-jährigen Kindes. Bekannt ist nur der Name: Pop. Verrückte oder sinnvolle Maßnahme gegen Stereotype?

Die Nachricht, dass ein schwedisches Paar sich weigert, das Geschlecht seines zweieinhalb-jährigen Kindes preiszugeben, wirft Fragen auf. Die erste lautet: Wem gegenüber verschweigen es die Eltern? Die Antwort lautet offenbar: Jedem, der fragt. Die Eltern wimmeln beiläufige Nachfragen einfach mit dem Hinweis ab, sie würden diese Information nicht weitergeben und vermeiden mit großer Vorsicht die Verwendung von Pronomen, indem sie nur den Namen des Kindes verwenden: Pop.

Die zweite Frage lautet: Warum? „Wir wollen, dass Pop freier aufwächst und wollen vermeiden, dass Pop von Anfang an in eine bestimmte Gender-Schablone gepresst wird“, sagt Pops Mutter. „Es ist grausam, ein Kind mit einem blauen oder einem rosa Stempel auf der Stirn in die Welt zu schicken.“

Bewundernswert, dass manche Leute nicht genug damit zu tun haben, ein Kind zu versorgen und großzuziehen, sondern sich noch zusätzliche Schwierigkeiten aufbürden – als wäre die Herausforderung nicht schon groß genug! In Pops Kleiderschrank gibt es Röcke und Hosen, und Pop entscheidet weitgehend selbst, was Pop jeden Morgen anziehen möchte. Auch Pops Frisur wird regelmäßig verändert, um nicht einem bestimmten Gender-Klischee zu entsprechen. Man fragt sich, wie lange die Vorbereitungen dauern, wenn Pop Orte aufsucht, an denen sein Geschlecht entdeckt werden könnte.

Auf der Internetseite der Zeitung, die die Geschichte veröffentlicht hat, finden sich sowohl zustimmende als auch ablehnende Kommentare: „Das kommt Kindesmissbrauch gleich“, schrieb jemand. Die Idee, das Geschlecht eines Kindes zu verschweigen, finden die Leute grausam, gefährlich, unnötig und auch irgendwie sehr schwedisch. Ironischerweise ist Schweden ein Land, in dem die Vor- und Nachteile, einem bestimmten Geschlecht anzugehören, relativ gering sind. Väter können sich beeindruckend lange für die Elternzeit freistellen lassen und es wird erwartet, dass innerhalb der nächsten zwanzig Jahre Frauen den Löwenanteil an Rechtsanwälten, Ökonomen, Architekten und Ärzten stellen werden.

Auf Grundlage dieser Vorhersage könnte ich in Versuchung geraten, Pop dazu zu drängen mehr Kleider zu tragen – aber ich mache natürlich nur Spaß. Pop, im Ernst: Immer mit der Ruhe, Du hast alle Zeit der Welt!

Der digitale Freitag

Mit Lust am guten Argument

Übersetzung: Holger Hutt
Geschrieben von

Tim Dowling | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian

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