Piraten würden Musik kaufen

Download Eine norwegische Studie hat überraschenderweise ergeben, dass praktizierende Musikpiraten auch häufiger bereit sind, für legale Downloads zu bezahlen

Online-Piraterie mag für die Musikindustrie zwar einerseits ein Fluch sein – womöglich ist sie aber gleichzeitig auch ein Segen. Eine norwegische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass diejenigen, die Musik illegal auf ihre Rechner herunterladen, mit einer 10mal höheren Wahrscheinlichkeit für die Stücke bezahlen würden als Leute, die sich keine Songs herunterladen.

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Anmerkungen zum Fall Pirate Bay von Katrin Schuster

Es ist allgemein bekannt, dass die Verkaufszahlen der Musikindustrie in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind, wofür landläufig das Tauschen von Musikdateien verantwortlich gemacht wird. Es wird der Eindruck vermittelt, als würden Legionen Krimineller Lieder mithilfe von Bit-Torrent herunterladen und nie auch nur einen Cent dafür bezahlen. Die einzige gute Nachricht in diesem Schreckensszenario besteht im Anstieg der digitalen Musikverkäufe. Millionen braver Gutmenschen zahlen für ihre Lieblingslieder und kaufen sie bei Amazon oder im I-Tunes Music Store. Nun hat Professor Anne-Britt Gran herausgefunden, dass es sich bei den beiden Gruppen um ein und die selbe handeln könnte.

Die in Norwegen durchgeführte Studie untersuchte nahezu 2.000 Online-Musikfans im Alter von über 15. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass diejenigen, die legal oder illegal kostenlos Musik aus dem Netz herunterladen, mit einer zehn mal höheren Wahrscheinlichkeit auch für Musik bezahlen. Danach wären Musikpiraten gleichzeitig das größte Publikum für Online-Verkäufe. Clevererweise verließ die Studie sich nicht auf die Aufrichtigkeit der Musikpiraten und die Mitarbeiter der Studie baten die Musikliebhaber um Belege für den Erwerb von Musik.

Das Resümee der Untersuchung erscheint gerade richtig zum Ende des schwedischen Pirate-Bay-Prozeses. Die vier Angeklagten von Pirate Bay, denen das Betreiben des Bit-Torrent-Trackers vorgeworfen wird, wurden zu einem Jahr Haft und 2,5 Millionen britischer Pfund Schadensersatz verurteilt.

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Übersetzung: Holger Hutt
Geschrieben von

Sean Michaels, The Guardian | The Guardian

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