Saudisches Komplott

Iran Präsident Hassan Rohani wirft Riad vor, sich im Jemen und Libanon einzumischen und damit die gesamte Region in eine weitere schwere Krise zu stürzen
Saudisches Komplott
Präsident Rohani hat Revolutionsführer Ali Chāmeneʾi hinter sich

Bild: Jewel Samad / AFP - Getty Images

Der iranische Präsident Hassan Rohani hat die Fehde zwischen seinem Land und Saudi-Arabien angeheizt. Er warf Riad vor, im Jemen Feindseligkeiten zu schüren, den IS zu stärken und den „bisher beispiellosen“ Rücktritt des libanesischen Premiers Hariri eingefädelt zu haben. Rohanis Reaktion kam einen Tag, nachdem der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman Teheran eine „direkte militärische Aggression“ durch die Lieferung von Raketen an die Huthi-Rebellen im Jemen vorgeworfen hatte. Teheran wies das vehement zurück.

Die Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien haben sich verschärft, seit vor Wochenfrist aus dem Jemen in Richtung Riad eine Rakete abgefeuert wurde, die man zwar abfangen konnte, doch landeten die Überreste auf dem internationalem Flughafen der saudischen Kapitale.

„Was soll diese Feinseligkeit gegenüber den Völkern Syriens und des Irak? Warum stärken Sie den IS und überlassen ihm die Völker der Region? Wieso mischen Sie sich in die inneren Angelegenheiten und die Regierungsführung im Libanon ein?“, spielte Rohani an Riad gewandt auf den Rücktritt des libanesischen Premiers Saad Hariri an, der am 4. November während eines Besuchs in Saudi-Arabien völlig unerwartet sein Amt niedergelegt hatte. Hariris Demission wurde in einer Fernseh-Ansprache aus Riad verkündet, in der es unter anderem hieß, Teheran kontrolliere die Region. Hariri warf der im Libanon mächtigen Shia-Gruppe und der politischen Hisbollah-Bewegung vor, das Land in Schach zu halten.

Beispielloser Vorfall

Präsident Rohani soll dazu vor seiner Regierung gesagt haben: „Noch nie in der Geschichte hat ein Land die Führung eines anderen Landes zum Rücktritt gezwungen, nur um sich in dessen innere Angelegenheiten einzumischen. Das ist ein beispielloser Vorfall!“ Mit dem gleichen Sound nannte Libanons Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah Hariris Rücktritt eine „saudische Entscheidung“.

Riad könne dem Iran nicht drohen, wandte sich Rohani sehr direkt an Saudi-Arabien, „auch viel Größeren ist es nicht gelungen, etwas gegen die iranische Nation auszurichten“. Iran hat formell vor dem UN-Sicherheitsrat gegen die saudischen Vorwürfe wegen des Raketenabschusses und die Androhung militärischer Vergeltung protestiert, da sie auf „unbegründeten Annahmen“ basierten. Laut Iran sind die Vorwürfe ein Versuch, „Schuld zu verschieben und vom Aggressionskrieg Saudi-Arabiens gegen den Jemen abzulenken“. Weiter wirft der Iran Riad vor, durch Angriffe auf die ärmste Nation der arabischen Welt „Kriegsverbrechen“ zu verüben und die Lieferung von Hilfsgütern in das vom Hunger geplagte Land zu blockieren. Saudi-Arabien stecke hinter „wahllosen Angriffen und dem Mord an unschuldigen Menschen im Jemen“.

Seit März 2015 führt Saudi-Arabien eine von den USA unterstützte Militärintervention im Jemen an, um die Wiedereinsetzung des abgesetzten Präsidenten Rabbo Mansur Hadi zu erzwingen, der im saudischen Exil lebt, und das Voranschreiten der mutmaßlich vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen zu verhindern.

Der Iran leugnet jeglichen militärischen Beistand für die Huthi, die sowohl die Hauptstadt Sanaa als auch weite Teile des Landes kontrollieren. Bisher hat Saudi-Arabiens Militäreinsatz viele zivile Opfer gefordert, ganz zu schweigen von der durch die jetzige Seeblockade heraufbeschworenen katastrophalen humanitären Situation. Den Huthi, die – ohne sich auf eine Wahl berufen zu können – die Macht an sich gebracht haben, wird ebenso vorgeworfen, den Konflikt verschärft zu haben.

Zweckallianz mit Israel

Rohani sagte weiter, Saudi-Arabiens Regierung mache einen „strategischen Fehler“, wenn sie die USA und Israel als Verbündete betrachte. Diese beiden Staaten versuchten, die Region zu dominieren, um „ihr Öl und ihren Reichtum zu plündern“. Donald Trumps Regierung sei „sehr geschickt darin, Saudi-Arabien heimlich etwas aus der Tasche zu ziehen“. „Heute ist die Frage, welche Vorteile Saudi-Arabien seine Feindseligkeit gegenüber den Völkern in der Region gebracht hat?“, so Rohani weiter, der die Rolle seines Landes im Irak und in Syrien verteidigte: „Dem Iran ist Einmischung in der Region vorgeworfen worden, während unser Land dem Irak und Syrien auf deren eigenen Wunsch hin gegen den Terrorismus unterstützt. Wir sind stolz darauf, den IS von seinen Zielen abgehalten zu haben.“

Die Reaktion aus dem Weiße Haus: „Wir verurteilen die Aktivitäten des iranischen Regimes und stehen hinter Saudi-Arabien.“ Teheran sei es, das den Krieg im Jemen am Laufen halte, um seine eigenen regionalen Ambitionen durchzusetzen. Die durch iranisches Militär ermöglichten Raketenangriffe der Huthi, so der Bescheid aus Washington, würden die „regionale Sicherheit bedrohen und UN-Bemühungen untergraben, ein Ende des Konflikts zu erreichen“.

12:06 13.11.2017
Geschrieben von

Saaed Kamali Dehghan | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian
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