Späte Rache

Somalia Die Ermordung eines Al-Qaida-Führers in Somalia vor wenigen Tagen durch ein US-Sonderkommando war ein unmissverständliches Signal für mehr US-Präsenz in Ostafrika

Das Ziel des US-Hubschrauber-Einsatzes vor Wochenfrist stand offenbar in Verbindung mit Ereignissen, denen unschwer anzumerken ist, dass sie die Handschrift von al Qaida tragen und dazu gedacht waren, deren Ruf als weltweit operierende Organisation zu befördern. Der Kenianer Saleh Ali Nabhan wird seit über zehn Jahren vom FBI wegen der Anschläge auf israelische Touristen und ein Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft el Al in Mombasa gesucht. Vermutlich war der israelische Geheimdienst Mossad daran beteiligt, ihn aufzuspüren. Nahaban – so wurde gemutmaßt – könnte auch in die zeitgleich verübten Selbstmordanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam im August 2008 verstrickt gewesen sein, eine der großen anti-amerikanischen Operationen Osama bin Ladens vor dem 11. September 2001.

Auch könnte der jetzige Zeitpunkt des Angriffs auf Saleh Ali Nabhan bewusst gewählt worden sein: drei Tage nach dem achten Jahrestag von 9/11, zu dem Osama bin Laden eine herausfordernde „Botschaft an das amerikanische Volk“ gerichtet hatte. Er verspottet darin Barack Obama, der nicht in der Lage sei, die Politik zu ändern, die George Bush auf den Weg gebracht habe.

Keinen Fuß mehr

Doch Obamas versöhnliche Botschaft an die islamische Welt und seine Pläne, das Lager Guantánamo zu schließen, gehen mit der festen Entschlossenheit einher, al-Qaida zu bekämpfen. Bei Angriffen durch Drohnen der CIA hat die Organisation bereits erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Durch den unangekündigten Angriff in Somalia, bekräftigt Washington seine Botschaft, dass die Feinde Amerikas sich nirgends in Sicherheit wiegen können.
Der Angriff auf somalisches Territorium ist um so erstaunlicher, wenn man sich das Black-Hawk-Down-Fiasko von 1993 ins Gedächtnis ruft, als unter UN-Mandat operierende US-Soldaten von Milizionären des somalischen Warlords Mohammed Aidid massakriert wurden. Dies stellte den Tiefpunkt des US-Engagements im Rahmen friedenssichernder Maßnahmen der UNO dar und dürfte den Amerikanern stets in unguter Erinnerung bleiben.

Ihr militärisches Engagement in Somalia beschränkt sich seitdem auf Luft- oder Raketenangriffe im Kampf gegen Al-Qaida-Bastionen oder -infrastruktur. Doch US-Truppen haben seit dem Abzug ihres UNOSOM-Kontingent, wie sich die UN-Mission seinerzeit nannte, keinen Fuß mehr auf somalischen Boden gesetzt.

Die Gruppe al Shabab

Im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte scheiterten angesichts der Opposition durch rivalisierende Warlords bereits zahlreiche somalische Regierungen. Die militante Islamistengruppe Al-Shabab, die enge Verbindungen zu al-Qaida unterhält, liefert sich einen erbitterten Kampf mit der gerade amtierenden Übergangsregierung. Die von den USA als Terrororganisation eingestufte Gruppe hat in den von ihr kontrollierten Gebieten die Scharia eingeführt. Die USA beschuldigen sie auch, Kinder für Selbstmordattentate auszubilden. Die provisorische somalische Regierung von Präsident Sharif Ahmed kontrolliert nur kleine Teile des Landes und einige Bezirke der Hauptstadt Mogadischu. Seit 2007 sind mehr als 18.000 Somalis eines gewaltsamen Todes gestorben, 1,5 Millionen wurden durch die ständigen Kämpfe aus ihren Häusern vertrieben.

Übersetzung: Holger Hutt

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Geschrieben von

Ian Black, The Guardian | The Guardian

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