Redaktion
23.07.2009 | 14:15 139

Flick, Filbinger, Ceaușescu

Bundesverdienstkreuz Der Schriftsteller Ralph Giordano droht, wegen Felicia Langer seine Staatsorden zurückzugeben. Warum hat er sie überhaupt angenommen?

Sehr geehrter Herr Giordano,

Sie haben gegen die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer protestiert. Sollte der israelischen Anwältin und Menschenrechtsaktivistin die Ehrung nicht aberkannt werden, drohen Sie, so ist in dieser Woche zu lesen, alle Ihre Auszeichnungen zurückzugeben. Sie sehen sich „angesichts des konkreten Falles“ zu diesem Entschluss „gezwungen“.

Wir fragen uns: Wieso haben sie Ihre Verdienstorden überhaupt angenommen – zuletzt vor einem Monat das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik? Zu diesem Zeitpunkt, zu dem Frau Langer noch nicht zu den Trägerinnen gehörte, muss Ihnen bekannt gewesen sein, dass höchst bedenkliche Personen einen der vielen Staatsorden erhalten haben. Nur einige Beispiele:

Friedrich Flick: Unternehmer, Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer SS“ und verurteilter NS-Kriegsverbrecher, wurde durch Rüstungswirtschaft, Zwangsarbeit und Arisierungen zum reichsten Deutschen. Seit 1963 Träger des Verdienstkreuzes (mit Stern und Schulterband).

Reinhard Gehlen: Wehrmachtsgeneral und Leiter der „Abteilung Fremde Heere Ost“, später Mitgründer des Bundesnachrichtendienstes, verhalf dem engsten Mitarbeiter von Adolf Eichmann, dem SS-Mann Brunner, zur Flucht nach Syrien. Seit 1968 Träger des Verdienstkreuzes (mit Stern und Schulterband).

Nicolae Ceaușescu: rumänischer Staatschef, bekannt für ins wahnhafte reichenden Personenkult, ließ sich Führer, der Auserwählte und „unser irdischer Gott“ nennen, verantwortlich für brutale Geheimdiensttätigkeit und rücksichtslose Politik. Seit 1971 Träger der Sonderstufe des Großkreuzes.

Hans Karl Filbinger: Ministerpräsident Baden-Württembergs, als NSDAP-Mitglied mit der Nummer 4026789 an Todesurteilen der NS-Justiz beteiligt. Von Amtsnachfolger Günther Oettinger als „Gegner des NS-Regimes“ bezeichnet. Träger des Großen Verdienstkreuzes (mit Stern und Schulterband) und des Großkreuzes.

Ernst Jünger: deutscher Schriftsteller. Verherrlichte in Werken wie "Die Totale Mobilmachung", "Der Kampf als inneres Erlebnis" den Krieg. Seit 1985 Träger des Großen Verdienstkreuzes (mit Stern und Schulterband).

Heinrich Lübke: Bundespräsident mit Nazivergangenheit, an der Projektierung und dem Bau von Rüstungsanlagen und Zwangsarbeiterlagern beteiligt. Seit 1959 Träger der Sonderstufe des Großkreuzes.

Mohammed Reza Schah Pahlavi: bis 1979 Schah von Persien. Bekannt für die brutale Unterdrückung der Opposition im Land, ließ beim Berlin-Besuch 1967 Jubelperser auf protestierende Studenten los. Seit 1955 Träger des Großkreuzes (Sonderstufe).

Hat es Sie nicht gestört, mit den genannten Personen in einer Reihe zu stehen?

Mit freundlichen Grüßen
 Der Freitag

Kommentare (139)

Streifzug 23.07.2009 | 17:05

Liebe Redaktion,

wäre bei so einem Artikel nicht wenigstens ein winziger Hinweis angebracht, wer Felicia Langer ist und wofür sie steht. Es gibt auch die Möglichkeit einen Link zu setzen (diese lustigen Verweise, die zu anderen Seiten führen).

Es ehrt die Leser von derFreitag natürlich, dass so viel Wissen vorausgesetzt wird, daher nur für den undenkbaren Fall der Fälle:

de.wikipedia.org/wiki/Felicia_Langer

Joachim Petrick 23.07.2009 | 17:30

Liebe Redaktion.
Vielen Dank für den Brief an Ralph Giordano.
Da habt vom hohen Anstand aus einen kapitalen Medien Hirsch Bock Ralph Giordano ins Fadenkreuz eures Freitags Visiers genommen.
Alle Achtung.

Nur scheint mir bei Ralph Giordano die Frage prekär gestellt, ist er doch wie ein Trüffelschwein zu jedem Spektakel aufgelegt, warum dann nicht im Fall der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Frau Felicia Langer?

Berührungsvorbehalte hat Ralph Giordano als ausgewiesen selbsternannter landbekannter investigativer Journalist noch nie zelebriert, u. a,. ein Einsatz für „aktive Sterbehilfe“ an der Seite des damaligen Justizsenator in Hamburg Roger Kusch, der sich gerade Tage vorher verfassungswidrig geweigert, geladen vor einen Parlamentarischen Untersuchungsauschuss der Hamburger Bürgerschaft zu treten.

Warum hat Ralph Giordano nicht stehenden Fusses sein Großes Bundesverdienstkreuz mit „Brillianten am Bande“ zurückgegeben, als Bundeskanzlerin Angela Merkel den gerade neu erfundenen miltiärischen Tapferkeitsorden, angelehnt an den Preussischen Verdienstorden das Eiserne Kreuz an drei Bundeswehrsoldaten nach deren Einsatz in Afghanistan vergab?

Weiss Ralph Giordano nicht, dass Bundesverdienstkreuze die Wirkung von „Hundemarken mit Sender“ entfalten, um den/die Ordenträger/in als Mitglied der Historical Soap Deutschland Family ausgewiesen milde gestimmt am Bande zu halten?
tschüss
JP

Streifzug 23.07.2009 | 17:59

Nun noch zur inhaltlichen Kritik.

Da keinerlei Wertung oder Einordnung von Felicia Langer in dem Artikel vorgenommen wird, stellt man sie aufgrund der logischen Struktur des Artikels auf eine Stufe mit den genannten Personen.

"Zu diesem Zeitpunkt, zu dem Frau Langer noch nicht zu den Trägerinnen gehört, muss Ihnen bekannt gewesen sein, dass höchst bedenkliche Personen einen der vielen Staatsorden erhalten haben."



Das empfinde ich freundlich gesagt als entweder dumm oder frech. Ich kann auch fragen: "Welcher Trottel hat diesen Artikel verbrochen?"
Baszlo 23.07.2009 | 18:10

@Streifzug
"Da keinerlei Wertung oder Einordnung von Felicia Langer in dem Artikel vorgenommen wird, stellt man sie aufgrund der logischen Struktur des Artikels auf eine Stufe mit den genannten Personen."

Ja? Ich finde eher das sie durch die Verleihung eines Ordens, den vor ihr schon so viele Kriminelle und Tyrannen erhalten haben, mit diesen Personen auf eine Stufe gestellt wird.
Es steht ihr aber frei, diesen abzulehnen!

Tom Strohschneider 23.07.2009 | 18:15

Vielleicht ist genau das das Problem, dass Sie glauben, so fragen zu können. Während die Autoren hier mit offenem Visier arbeiten, agiert die Chefkommentatorenriege unter Pseudonym. Das macht es schon im Normalfall nicht immer angenehm, auf Kritik zu antworten. Aber nun: Uns war bewusst, dass dieser Eindruck entstehen könnte - weshalb wir ihn mit eben jener Formulierung ausdrücklich vermeiden wollten. Langer war zu dem Zeitpunkt, auf den sich unsere Aufreihung bezieht, noch nicht Preisträgerin, steht also noch nicht in dieser Reihe. Ein Kompromisskniff, vielleicht nicht zu 100 Prozent gelungen. Darüber ließe sich reden. Aber nicht mit Leuten, die aus der Hecke mit der Trottel-Verbrecher-Invektive schießen.

matzerat 23.07.2009 | 18:28

Aus der Mathematik ist bekannt, dass dort die Nullen zählen. Warum also nicht auch bei der Verdienstkreuz Arithmetik?

Ich frage mich stets bei solchen Verleihungen, wie kann man sich so etwas "verdienen"? Wer schreibt die Anträge? Wie kommt man auf die Liste? Wer wählt aus?
Wer sonnt sich im Glanz des Ordens?

Einer der wenigen "Orden", die sich ihre TrägerInnen
verdienen, ist das Sportabzeichen.

Matthias Dell 23.07.2009 | 18:32

@streifzug generale
eine begründung hat tom strohschneider geliefert. meine hat versucht mit dem ton, in dem der text geschrieben ist, zu argumentieren. wenn das missverständlich ist, ok. andererseits hoffen wir natürlich, dass die ironie in diesem unserem lande noch was gilt. und ich sehe wohl das argument, glaube aber wiederum, dass man dem text anmerken kann, ob er an die hecke von herrn giordano oder frau langer pinkelt.

Streifzug 23.07.2009 | 18:42

Matthias Dell, dottore,

bei meiner grundsätzlich wohlwollenden Einstellung zum derFreitagTeam habe ich den Artikel anfangs auch so gelesen. Beim Spaziergang mit dem Hund fiel mir dann die "Positionslosigkeit" auf.

Da die Positionierung in genau diesen Fragen die "Linke" momentan spaltet, ist für mich die Tendenz unklar zu bleiben verständlich aber nicht akzeptabel.

Immerhin hat mein Artikel eine Reaktion bewirkt.

Titta 23.07.2009 | 20:24

Hallo Streifzug,

ich verstehe dein Problem auch nicht so recht.

Es wird doch aus dem Blick von R. Giordano über Frau Langer geschrieben, was deutlich zu erkennen ist.
Zudem werden durch einen Vergleich die zu vergleichenden Personen noch nicht auf eine Stufe gestellt bzw. gleich bewertet. Durch einen Vergleich können ja auch gerade Unterschiede deutlich werden.

Persönliche Bemerkung: Trottel, frech und dumm, finde ich schon heftig formuliert.
Es gibt auch die Möglichkeit, das zurückzunehmen, auch für einen Streifzug.

@Tom Strohschneider

"Während die Autoren hier mit offenem Visier arbeiten, agiert die Chefkommentatorenriege unter Pseudonym. Das macht es schon im Normalfall nicht immer angenehm, auf Kritik zu antworten."

Das habe ich noch nicht ganz verstanden.

Ist die Anoymitität der Kommentatoren das Unangenehme? Oder andersherum: Was geht durch die Anonymität leichter auf Seiten der Kommentatoren bzw. was wird schwerer auf Seiten der Nichtanonymen? Die Argumentation? Der Ton? ...

Oder ist das Unangenehme, daß es sich dabei um eine Riege handelt, während der Redakteur alleine dasteht?
Das träfe hier aber nicht zu, da Streifzug ganz alleine gegen Sie und Herrn Dell steht mit seiner Argumentation/Meinung.

Generell herrscht aber eher ein unwohles Gefühl auf Seiten der Redaktion vor, wenn sie der Community gegenübersteht. Oder wie soll ich die Äußerung nun deuten? Jedenfalls läßt sie mich etwas ratlos zurück.

Liebe Grüße
Titta

Streifzug 23.07.2009 | 20:41

@Michael Angele, 18:16,

ein "Pseudonym" im Internet zu verwenden ist sinnvoll und zu empfehlen. Ich hoffe dass muss nun nicht auch noch erklärt werden.

Ansonsten würde ich solche Fragen auch lieber unter meinem wirklichen Namen stellen, da keine Notwendigkeit besteht sich zu verstecken.

Damit es leichter fällt eine sachliche Diskussion zu führen nehme ich aus meiner Frage: "Welcher Trottel hat diesen Artikel verbrochen?" den "Trottel" und das "verbrochen" zurück. (So sehen innerlich gestellte Fragen von Lesern an Verfasser von Artikeln nun mal aus, wenn man sie denn hören will.)

Wenn man nun die persönlichen Empfindlichkeiten beiseitelässt, bleibt der sachliche Einwand. Wie stehen sie zu dem, was Felicia Langer vertritt? Da mal das Visier zu lüften, wäre hilfreich.

Titta 23.07.2009 | 21:33

Hallo Streifzug,

nach Lesen der letzten Kommentare verstehe ich nun besser, worum es dir geht. Du möchtest eine Position der Redaktion zu Frau Langer.

Meine Fragen:
- Braucht es eine Positionierung seitens der Redaktion?
- Ist nicht dieser Brief schon eine solche?
- Wird dieser Brief nur hier veröffentlicht, oder bekommt Herr Giordano tatsächlich diesen auch persönlich zugestellt?

@all

Eines habe ich in meinem vorherigen Kommentar vergessen:

Was heißt/bedeutet das eigentlich für die Community wie die Redaktion, wenn von einer Chefkommentatorenriege die Rede ist?

Wer gehört dazu? Wer nicht? Ist das überhaupt eine relevante Frage?
Wie sieht das überhaupt die Community?
Was hat das alles eigentlich für eine Wirkung?

Letztendlich geht's doch um die Frage des eigenen Selbstverständnisses der Community, oder?

Oder vielleicht ist das alles nur für mich ein Frage und für den Rest nicht.

Streifzug 23.07.2009 | 21:48

@Titta,

ich möchte deshalb eine Position der Redaktion zu Frau Langer, weil nur so die unterschwellige Eingruppierung von ihr in die Reihe der Personen auf der Liste bestätigt oder widerlegt wird.

Schau dir doch mal, an was da für Leute sind, was Frau Langer vertritt und warum Giordano wegen ihr die Orden zurückgeben will.

(Unter uns, pssst, nicht weitersagen, meine unflätige Frage war wie das überschüssige Kamel in der Rechenaufgabe. Hat dich diese Frage nicht irritiert, da sie doch wenig zu meinem sonstigen Ton in direkten Kommentaren passt?)

Der Begriff "Chefkommentatorenriege" war wohl ein ehrlicher Ausrutscher.

Joachim Petrick 23.07.2009 | 22:48

Lieber Streifzug,
ist nicht gerade diese unvoreingenommene "Nichtpositionierung" in diesem Brief der Freitag Redaktion an Ralph Giordano die gelungene Einladung an ihn, Position im Freitag zu beziehen?
Was fuhrwerkst Du da einmal mehr mit deiner vermaledeiten "Wossi- Wortgrätsche" in Beiträge hinein, statt den Freitag als wahren Streifzug durch den Meinungswald zu nehmen, die Meinungen dort gerade oder krumm gewachsen zu hegen und achtsam zu pflegen?
Warte doch einmal mit uns ab, welche Reaktion von Ralph Giordano auf diesen gut platzierten Brief der Freitag Redaktion kommt!?
Irritierend ist sicher, dass mancher, der hier Briefe schreibt, denkt der Brief ginge ab in die Rohrpost, versiegelt und verschlossen durch das Post- und Briefgeheimnis!?
Wenn ich es auch nicht für immer sage, aber hier bin ich froh, dass es die umsichtige Meinung von Titta gibt.
tschüss
JP

Titta 24.07.2009 | 00:40

Hallo Streifzug,

natürlich hab ich mich gewundert = dich nicht verstanden.

Ich bin aber ein viel zu direkter Mensch für solche "Strategiespielchen", wie du sie da wohl veranstaltet hast. Ich frage, wenn, dann lieber direkt, als irgendwas zu provozieren bzw. indirekt zu erreichen. Raffinement liegt mir einfach nicht.
Kann man nun als Manko oder auch als Stärke auffassen. Je nach Betrachtungspunkt.
Ich mag einfach Menschen nicht so aufs "Glatteis" führen bzw. für Spielchen instrumentalisieren.

Inhaltlich kann ich mich dem Kommentar von J.Petrick anschließen. Die neutrale Positionierung war eine gute Einladung, und jetzt mal abwarten.

M1xP1yne 24.07.2009 | 00:42

@ Streifzug

Prinzipiell Verständnis, da die Positionierung in Hinsicht auf Frau Langer wirklich mehr als missverständlich ist.
Dennoch:
1. Es gibt, wie Titta auch schon erwähnt hat, eine gewisse Pflicht zur Höflichkeit anderen Menschen gegenüber, auch als "anonymer Kommentator" (Unwort des Jahres ?)
2. Du möchtest etwas von den Betreffenden, nämlich eine Stellungnahme. Wäre eigentlich nicht unklug, dies in einem anderen Tonfall vorzutragen.
Persönlich mache ich schnell dicht, wenn jemand in dieser Art was von mir verlangt.
3. Wenn man Dir nach zig Posts noch keine befriedigende Antwort gegeben hat, dann sind entweder Deine Ansprüche an eine Antwort zu hoch, oder man möchte Dir einfach nicht antworten. Sinnlos, dann weiter zu fragen, das bringt nur böses Blut, und hinterher stehst Du trotzdem mit leeren Händen da.

@ Titta
Weiß nicht, ob ich Teil der Community bin, aber persönlich ist mir das egal, mit wem ich diskutiere, und ob derjenige anonym ist oder nicht. Ob das Redaktion oder Community ist, das egal, solange ein gewisser Umgangston gewahrt bleibt. Letztlich ist die Trennung zwischen Redaktion und Community doch nur eine Frage der Administratorenrechte, oder?
Selber verwende ich eigentlich nur ein Pseudonym, weil ich das Coole Bild und dieses alte Pseudonym weiterverwenden wollte.
Inzwischen poste ich aber auf der Mehrheit der Seiten mit meinem richtigen Namen, und habe damit auch kein Problem. Ich bin der Meinung, ich muss auch in 10 Jahren noch zudem stehen können. Und wenn meinem zukünftigen Arbeitgeber meine Ansichten nicht passen sollten, dann kann er mich.
Wobei den meisten das wohl egal ist....

h.yuren 24.07.2009 | 01:39

so ganz kann mir nicht einleuchten, was dieser heckmeck hier soll. merdeisters frage landet im abseits, weil der eine nicht weiß, was der andere vielleicht getan hat.
streifzugs kritik ist überflüssig (sorry, streifzug, aber ich bin besseres von dir gewöhnt, nicht im sinne von "chefkommentatorenriege", wohl aber als witzig, geschliffen, blitzend vor schärfe) weil wir hier im netz sind, wo jeder, der nicht zum ersten mal surft, weiß, wie googeln geht.
warum habt ihr von der redaktion nicht sentsprechend geantwortet, stattdessen gereizt reagiert?
in der aktuellen printausgabe unter "Kultur" steht der offene brief nicht. mag er also halboffen sein, gerechtfertigt und informativ ist er gewiss.

Jakob Augstein 24.07.2009 | 01:59

Ha!
Ein Community-Mitglied, dass den Print-Freitag liest!
Lieber h.yuren! Danke!
Eine Zeitung ist eine Zeitung ist eine Zeitung. Und man muss sie in die Hand nehmen können! Das Internet ist toll. Aber Papier ist eben nicht zu schlagen. In hundert Jahren nicht.

Und ich will hier - auch wenn es überhaupt nicht hierhingehört - mal sagen, dass ich das neue Titelbild ganz großartig findet.
So - und jetzt könnt ihr euch schön weiter über Giordano Bruno streiten und ihn verbrennen oder es bleiben lassen.
(In Wahrheit seid ihr, liebe Redaktion und liebe Community, in der Frage doch eh aller einer Meinung ...)

M1xP1yne 24.07.2009 | 02:05

@ Streifzug

Eigentlich bezog ich mich auf die gerade gemachten Äußerungen. Was sonst so von Deiner Seite kommt, habe ich, so ich es gelesen habe, nicht zu beanstanden, sonst hätte ich es dann jeweils hingeschrieben. Ich glaube Dir auch gerne, dass Du bekommst was Du willst, doch zumindest hier sieht es bis jetzt nicht so aus...

@ Titta

Tu es nicht!
Die daran verschwendeten Minuten werde ich eines Tages noch bitter bereuen.

M1xP1yne 24.07.2009 | 02:10

Leider hat Sie es schon angenommen.
Vielleicht sollte Sie es zurückgeben, dann ständen einige Leute plötzlich noch dümmer da, als sonst.
Wobei, viel weiter kann auch Herr Giordano kaum sinken. Wirklich ein tiefer Fall.

Was das Gewese um FL soll?
Naja, Ihre Ansicht paßt einigen Leuten nicht, und die hoffen jetzt, dass Ihre Schmutzkritik die gute Frau erledigt. Auch deshalb, und da stimme ich Streifzug zu, wäre eine Stellungnahme des Freitags doch nett.

Joachim Losehand 24.07.2009 | 02:11

Es tragen.

(Das Bundesverdienstkreuz ist keine UdSSR-Auszeichnung für Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges - die kommen m.W. damit tatsächlich in den Genuß von Vorteilen.)

Früher in Athen wurde man geehrt, indem man auf Staatskosten im Prytaneion auf Lebzeiten verköstigt wurde (Sokrates hat das u.a. für sich gefordert). Die Reichtstagskantine soll nicht übel sein ...

Titta 24.07.2009 | 02:30

@JA

Also bezüglich des Titelbildes.

Das ist doch auch unfreiwillig komisch. Das Titelbild (was mich irgendwie an die bekifften 70er samt Prilblumen erinnert) und dann dieser rote Kommentarblock rechts oben, der sich immer dazwischendrängt mit dem von Ken bedrohten Männergefühl.

In dem Zusammenhang:
Nach der ganzen Genderdiskussion in den letzten Tagen und der Erfahrung, daß Männer-Frauen-Themen immer am meisten ziehen (neben den religiös-kirchlichen) im Freitag. Wie wäre es denn mal mit einem schönen nackten Mann auf dem Titelbild. Aber bitte drapiert wie eine Frau!
Kunst und Porno kann man ja immer schön dadurch auseinanderhalten: wenn das gleiche Bild von einer Frau mit einem Mann nicht "geht", dann ist es keine Kunst, dann ist es nur Porno.

Ok. Ist vielleicht eine etwas bekiffte Idee. Aber auf so was kommt man halt mit solchen Titelbildern!

Joachim Petrick 24.07.2009 | 03:28

Lieber Streifzug,
u deinem kurz zackigen :-) klaro sage ich nur "Bürger :-) klaro "Rührt Euch!"Sie scheinen übertrainiert und gleichzeitg unterfordert in ihrer vorgreifenden Erregung, wie man im Sport vor dem Start sagt?
Meist kommen dann die fehlstarts bei raus.
Links um!,
Marsch! Marsch!,
ab in den Freitags Meinungswald zum Blääter sammeln als wären es eigene Gedanken.
tschüss
JP

PS: Ab wann gibt es das Freitagsvedientkreuz für unermüdlich heldenhaften Einsatz in der vordersten Linie der Meinungsfront?
Halt dich wacker, ahlt sich sauber "Bürger :-) klaro"!
tschüss
JP

Anette Lack 24.07.2009 | 11:03

Danke für Artikel und Hinweise! Ich weiss schon, warum Hanseaten, zumindest Hamburger, keine Orden annehmen... :) (Das höchste für sie ist die Ehrenbürgerwürde).

Bei Ralph Giordano, den ich persönlich kenne (dies nicht zum Angeben, sondern als Anmerkung, warum ich mir hier einen wiederum persönlichen Kommentar erlaube), drängt sich mir immer der Verdacht auf, dass es ihm mangels neuer Einfälle und Verdienste vor allem darum geht, sich so wieder in die Medien zu bringen. Hätte er nur Einwände gegen die Nominierung erhoben, hätte es längst nicht so viel Aufmerksamkeit erregt. Eine pathetische Geste eines überaus theatralischen Charakters.

Streifzugs Vorschlag, Namen wie oben zu verlinken, finde ich gut: Denn hier wissen zwar viele vieles, aber leider (noch) nicht alles :)

Herzlich, Anna

Anette Lack 24.07.2009 | 11:14

Lieber JA;

wie kommen Sie nur darauf, dass die Community den Print-Freitag nicht liest?! Das tun hier doch sicher viele, 1a) weil der Print-Freitag noch ausführlicher ist; 1b) um dem Freitag und damit der Community das Überleben zu sichern 2. auch wegen der fast durchweg sehr lesenswerten und nicht online erscheinenden "Nahaufnahme" 3. spätestens um zu sehen, ob wir irgendwie drin vorkommen :)

Herzlich, Anna

merdeister 24.07.2009 | 12:03

Sowas!

Lieber JA,
dann möchte ich mich gleich den Empörten anschließen, auch ich mag den Freitag auf Papier. Dazu gleich eine Frage: Kann ich online erkennen, welcher Artikel im Printfreitag erscheinen wird (zumindest sobald das der Redaktion klar ist)? Das wäre sehr schöne, weil Papier ist schöner als Bildschirm.

@ Titta:
"Eigentlich hatte ich eher gedacht, daß das Männergezicke sofort aufhört, sobald die Männer sich gegen eine Frau verbünden können.
Das war der Plan!"

Diese Opferbereitschafft klingt aber sehr katholisch, hast Du da noch Leichen im Keller ;-p

Wie wäre es mit einem Titelbild, das so kontrovers (?) ist, das die Ausgabe verboten werden soll. Das gibt Presse...

Magda 24.07.2009 | 13:06

Ja, ich habe mal recherchiert. Über die hanseatische Ablehnung. Aber, sie ist ja eigentlich Berlinerin.

Und in den Biographien steht immer, sie habe erklärt, sie wolle sich nicht dafür ehren lassen, dass sie ihr Leben ordentlich gelebt hat.

Noch etwas: In einer Talkshow hat sie vor vielen Jahren einmal räsoniert, sie wolle nicht zusammen mit einer Frau (ich glaube, die hieß Jürgens oder so ähnlich), die sich um ehemalige SS-Mitglieder kümmert, in der Liste der Träger des Bundesverdienstkreuzes stehen.

Friedland 24.07.2009 | 13:21

Ralph Giordano stampft einmal empört auf und schon hat er ein Sommerloch in den Boden gerammt, um das sich nun die Diskussion dreht, bis ihr und uns schwindlig wird.

R.G. kann annehmen, abnehmen oder ablehnen, was und wie viel er möchte, wenn es ihm ein Kreuz mit dem Kreuz ist. Aber seine Begründung scheint nicht von Langer Hand vorbereitet.

Am Ende geht es ihm wie Günter Grass et al.: Alte Männer werden grenzsenil und es fällt ihnen selbst zuletzt auf...

M1xP1yne 24.07.2009 | 20:13

@ h.yuren

Blühende Landschaften kenne ich nur als Fette Lüge (Man beachte die bitte die unverhohlene, vulgäre und eigentlich vollkommen unnötige Anspielung auf eine gewisse Person der Zeitgeschichte, die mit diesen Worten des öfteren in Verbindung gebracht wird).

Das Titelbild des Freitag hingegen ist zwar hipp, aber gerade das ist auch das Problem.
Als ich Heute in eine Drogeriekette schwäbischer Herkunft musste, fiel mein Blick zufällig auf ein sog. Fanprodukt, welches dem Titelbild in Stil und Aufmachung erstaunlich ähnlich war. Das Erschreckende daran ist die Tatsache, das es sich dabei um ein Hannah Montana Poesiealbum handelte.
Soviel nochmal zum Titelbild.

Anette Lack 24.07.2009 | 22:02

Lieber Axel Henrici;

danke für Ihre Anmerkung! Da können Sie mal sehen, dass ich den Print-Freitag aufmerksamer lese als die Online-Ausgabe :)

Schön, dass ich es jetzt besser weiss. Ich werde die "Nahaufnahme" aber vermutlich weiterhin im Print lesen. Sie ist ein klassisches Lesestück für Papier, wie ich finde; um einige Stellen noch einmal zu lesen, dabei Kaffee oder Tee zu trinken, mit Muße zu lesen, mit Zeit... Danke dafür!

Herzlich, Anna

leif eriksson 25.07.2009 | 15:11

Fakt ist, und festzuhalten bleibt, dass die degoutante Kampagne gegen Langer, die von einem Publizisten namens Broder und seinem (publizistisch zweifelhaften)Umfeld (aus antideutschen Kommunisten und Bush treuen, deutschen Neokonservativen) losgetreten wurde, nicht gezündet hat und nun, nach wenigen Tagen schon, in den Tiefen versandet.

Beispielhaft für den Rohrkrepierer: Auf Spiegel Online wurden gleich drei Artikel gestellt, zuletzt einer von Meister Broder selbst, die allesamt in den Forumskommentaren nicht das gewünschte Ergebnis “Empörung gegen Langer” zeitigten, sondern die Bundesverdienstkreuzverleihung an Langer differenziert betrachteten und eher solche Leute wie Giordano kritisierten, die versuchten, den Bundespräsidenten zu erpressen: Die Erfolglosigkeit zeigte sich in der schnellen Schließung der jeweiligen Kommentarsektionen.

Insofern kann man froh sein über “webzwonull”: Die Meinungsherrschaft und Deutungshoheit solcher Leute wie Giordano und Broder ist - zumindest über deutschen PCs - gebrochen.

Und das ist gut so!

Ellhard Behrends 26.07.2009 | 16:59

Ich habe das ungute Gefühl, dass der offene Brief und diese Debatte am Kern des Themas vorbei gehen: einer Kritikerin Israels (der ich die Legitimation dazu nicht absprechen will) wird das d e u t s c h e Bundesverdienstkreuz verliehen. D a s i s t e i n e p o l i t i s c h e B o t s c h a f t !
Und ob man Giordano persönlich mag oder nicht, interessiert überhaupt nicht. Dass er gegen diese Verleihung protestiert, ist für mich nachvollziehbar: trotz der aufgelisteten Verdienstkreuzträger, die die Verleihung natürlich nicht verdient haben. Und dass er auch schon bei der Verleihung an ihn selbst, dagegen hätte protestieren können, ändert nichts an dem Vorgang, der jetzt stattgefunden hat.

Ellhard Behrends 26.07.2009 | 19:25

@Titta M1xP1yne
Was ist der Vorgang?
Jede Verleihung ist eine politische Botschaft

Richtig, jede Verleihung ist eine politische Botschaft.
Aber wenn es um deutsche „Botschaften“ an Israel geht, kann auch heute niemand so tun, als gäbe es keine deutsche Geschichte und daraus resultierende Verantwortlichkeiten. Was heißen soll: Wenn ein Bürger eines beliebigen Staates oder gar eine Frau jüdischer Abstammung, die Politik Israels kritisieren, ist das etwas anderes als wenn dies Deutschland als Rechtsnachfolger des NS-Systems tut. Das ist hier natürlich nur immanent der Fall. Aber deshalb impliziert diese Verleihung für mich eine politische Botschaft, die, gelinde gesagt, heikel ist. (Das ist der „Vorgang“.)

M1xP1yne 26.07.2009 | 20:35

Ganz gefährliche Argumentation!
Deutschland muss sich also zurückhalten, wenn es Israel kritisiert? Gilt das auch bei den unzähligen Sinti und Roma, den Schwulen, den Lesben, den Kommunisten, den Juden, die nicht in Israel leben?
Und warum sollte man sich denn überhaupt zurückhalten?
Kritik ist nicht per se feindschaftlich gemeint, oft sogar notwendig. Ich kritisiere und werde kritisiert, ein ganz normaler Vorgang, an dem, solange die Form gewahrt bleibt, auch nichts schlechtes ist.
Zudem verbinden Sie hier zwei Sachen, die viele Leute ja eigentlich nicht verbunden sehen wollen. Der Massenmord durch das Dritte Reich und die Unterdrückung der Palästinenser sind zwei Dinge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Hier ein Kritikverbot herzuleiten ist unsinnig, ja gerade zu unverschämt.
Vor allem wenn man bedenkt, dass die gleichen Leute, die oft sich einen Vergleich dieser beiden Ereignisse verbitten, auch die gleichen sind, die kein Problem haben, auf Deutschlands Vergangenheit zu verweisen, wenn es um Kritik an dem Vorgehen Israels gegen die Palästinenser geht.

Ich stimme dahingehend zu, dass dieser Vorgang eine Botschaft enthält. Aber ich bin der Meinung, dass diese Botschaft nicht nur wichtig, sondern geradezu notwendig ist. Zudem ist diese Kritik, die Frau Langer da äußert, und die damit indirekt durch die BRD geteilt wird, weder in ihrer Form noch in ihrer Art unangemessen.
Ich kann nichts dabei findet, dass Deutschland an einem Staat, auch wenn er von vielen Überlebenden deutscher Verbrechen gegründet wurde, Kritik übt.
Im Gegenteil, ich hätte ein Problem wenn die BRD das nicht täte, denn das würde m.E. den Opfern des Hasses nicht gerecht.

Ellhard Behrends 26.07.2009 | 23:29

@ M1xP1yne
Ich habe doch ausgeführt, dass Kritik an der Politik Israels nicht zu beanstanden ist. Ich bin wie Sie sogar der Meinung, dass sie notwendig ist.
Der Punkt ist, dass sich mir der Eindruck aufdrängt, dass eine Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den deutschen Staat, dem ganzen eine andere Dimension gibt (ich denke, ich muss es nicht noch einmal erklären).
Das ist meine persönliche Meinung

M1xP1yne 27.07.2009 | 00:36

Jede Verleihung einer Auszeichnung an einen Kritiker einer wie auch immer gearteten ausländischen Regierung stellt ein politisches Statment dar.
Wenn wir uns aber soweit einig sind, dann verstehe ich das Problem nicht. Die Verleihung an Frau Langer, die notwendige Kritik an der Politik Israels ausübt, welche sich die BRD zumindest teilweise zu eigen macht, indem sie den Orden an Frau Langer vergibt, stellt ja insofern kein besonderes Problem dar, denn diese Kritik ist ja der Sache nach wie auch in ihrer Form legitim.
Man könnte natürlich sagen, dass die BRD bei der Ordensvergabe allgemein Neutralität bewahren sollte. Doch dann ist es praktisch unmöglich, jemandem noch einen Orden zu verleihen, denn es findet sich fast immer jemand, der sich kritisiert fühlt.
Sieht man hingegen die Kritik der Bundesrepublik an der Politik Israels (nicht an Israel selbst!) als unzulässig oder anmaßend an, so verweise ich auf meine obige Argumentation. Der "SOnderstatus" Israels ist nicht nur angreifbar, sondern ein selbst wenn man ihn bejaht, wird man kaum zu dem Schluß kommen können, Kritik in irgendeiner Form sei unzulässig. Denn Kritik kann, wie oben gesagt, durchaus auch positiv sein.

P.S.
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