Ulrike Baureithel
16.02.2013 | 11:00 43

Where I was from

Herkunft Woher stamme ich? Das dürfen nun auch Kinder von Samenspendern wissen. Und auch Babyklappen sollten nicht weiter anonym bleiben

Where I was from

Wenn Sperma heutzutage auf eine Eizelle trifft, muss es sich dabei nicht unbedingt um Geschlechtsverkehr handeln

Foto: science photo library/zephyr/dpa

Der Held, der in Unkenntnis des Orakels den Vater erschlägt und seine Mutter heiratet; Ausgesetzte, die im Wald überleben; Armenhauskinder, die eigentlich Prinzen sind: Die Literatur ist reich an Geschichten, in denen eine unbekannte Herkunft Quell von feudalen Erbverwicklungen oder inzestuösen Beziehungen ist. Diesen Erzählungen liegt ein Ursprungsmythos zugrunde, der die Frage der Herkunft mit der nach Identität und Sein verknüpft. Die Fantasie kreist um eine biologische Substanz, die bis noch vor hundert Jahren zwar opak bleiben konnte, aber eindeutig auf zwei Erzeuger zurückging.

Erst die moderne Reproduktionsmedizin, die ihren Ausgang nahm mit der Samenspende – die eigentlich Spermienspende heißen müsste, um die Frauen nicht einfach zu einem „Gefäß“ zu degradieren –, hat diese Dyade in eine biologische, genetische und soziale Elternschaft gesplittet, mit immer größerer Variationsbreite. Im September vergangenen Jahres waren beispielsweise die Briten dazu aufgerufen, über eine neue Fortpflanzungstechnik zu entscheiden, mittels der ein Baby künftig drei genetische Elternteile haben kann.

So ist es vielleicht ein zeitlicher, aber sicher kein sachlicher Zufall, dass die Herkunft von Kindern nun in zwei ganz unterschiedlichen Zusammenhängen in den öffentlichen Diskussionshorizont gerückt wird (Siehe auch Kasten). Vergangene Woche hat das Oberlandesgericht Hamm mit einem aufsehenerregenden Urteil die Rechte von Kindern, die durch eine Samenspende gezeugt wurden, gestärkt. Im anderen Fall geht es um die Aussetzung ungewollter Babys in sogenannten Babyklappen, derzeit immer noch eine rechtliche Grauzone, die Familienministerin Kristina Schröder (CDU) seit längerem aufgefordert ist zu schließen. Das Gesetz sollte Anfang Februar im Bundestag beraten werden, aber offenbar gibt es immer noch Abstimmungsbedarf.

Dringende Identitätsfragen

Beide Themenfelder scheinen auf den ersten Blick weit auseinander zu liegen: hier die immer folgenreichere Schneisen in die Fortpflanzung ziehende Reproduktionsmedizin; dort die ziemlich hilflose und archaische Praxis der Kindesaussetzung. Doch im Zentrum geht es immer um ein Kind, das um seine Abstammung gebracht wird. Sei es, weil ein Spender anonym bleiben will oder eine Mutter ihre Identität nicht offenlegt. Erfahren Betroffene heute im Erwachsenenalter, dass sie mittels Spendersamen gezeugt wurden, reagieren sie schockiert und wütend. Sie fühlen sich wertlos, weil man, wie die Selbsthilfegruppe Spenderkinder auf ihrer Website schreibt, es nicht einmal für nötig hält, die Daten über ihre Herkunft aufzubewahren. Für Kinder, die anonym abgegeben wurden, ist es sogar ein zweifacher Schock: Nicht nur wurden sie als Baby weggegeben, ihre Mutter hat es noch nicht einmal für nötig befunden, ihnen eine Identität mitzugeben.

Ein Kind kann sich seine Eltern nicht aussuchen – wohl aber die Eltern ihr Kind. Im El Dorado der Repromedizin, bei der California Cryobank, wird schon mit der unbegrenzt freien Wahl geworben: Haar- und Augenfarbe, ethnische Herkunft, auch kann nach Größe und Temperament, Ausbildung und Vorlieben weiter differenziert werden. Für den potenziell blonden, blauäugigen und hellhäutigen Nachwuchs stehen derzeit 30 Samenspender bereit, der letzte Neuzugang hat einen Mathe-Master und soll Kevin Costner ähnlich sehen.

In Deutschland, wo die Samenspende von der Bundesärztekammer im Jahr 2006 für verheiratete Paare für ethisch unbedenklich erklärt wurde – Lesben und Schwule sowie Unverheiratete bleiben nach wie vor diskriminiert –, werden spendewillige Männer auf ihre Gesundheit geprüft und ihr Sperma auf Fortpflanzungsqualität. Einige Wünsche dürfen die bestellenden Eltern äußern, etwa Aussehen und Bildungsgrad. Und die Reproduktionsmediziner, so Andreas Hammel von der Erlanger Samenbank, bemühen sich dann, „den Phänotyp von Spender und Vater so weit wie möglich auszugleichen.“

100.000 Kinder wurden nach vorsichtigen Schätzungen hierzulande auf diese Weise gezeugt, 4.500 bis 5.000 jedes Jahr. Allmählich werden die Kinder erwachsen, aber nur ein Bruchteil erfährt, dass sie einen biologischen Vater aus dem Tiefkühlfach haben. Auch die 21-jährige Sarah P. weiß erst seit vier Jahren, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist, sondern aus den Samenbankbeständen von Thomas Katzorke stammt, der seit über 30 Jahren ein „nach DIN ISO 9001 zertifiziertes“ Reproduktionszentrum in Essen betreibt. Er saß schon mit am Diskussionstisch, als die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) im Mai 2000 den ersten Anlauf unternahm, ein umfassendes Fortpflanzungsmedizingesetz auf den Weg zu bringen. Wäre Fischer nicht aus dem Amt gedrängt worden, hätte Sarah P. vielleicht nie vor Gericht ziehen müssen.

Doch so wollte die Studentin der Geschichte wissen, wer für ihre genetische Ausstattung, für ihr Aussehen, unter Umständen auch für ihr Verhalten verantwortlich ist und klagte zunächst vor dem Landgericht Essen auf Herausgabe der Spenderdaten. Dort wies man sie vor einem Jahr mit Hinweis auf das informationelle Selbstbestimmungsrecht des anonymen Spenders ab. Vom Oberlandesgericht Hamm erhoffte sie sich eine zweite Chance, die Identität ihres Erzeugers zu erfahren.

In eine noch tiefere Identitätskrise können Kinder geraten, wenn beide Elternteile unbekannt bleiben, weshalb Adoptionen heutzutage offener gehandhabt werden. Die Spuren der Herkunft sollen nicht verwischt und das Kind frühzeitig damit vertraut gemacht werden, dass es Eltern gibt, die es gezeugt haben. „Wir halten die Adoptiveltern an, den ersten Eltern einen emotionalen Platz im Leben des Kindes einzuräumen“, erklärt die Psychotherapeutin Irmela Wiemann. Untersuchungen zeigten, wie belastend die Spurensuche nach leiblichen Verwandten ist und dass die Fantasien über die Gründe der Weggabe bei manchen Betroffenen das ganze Leben überschatten.

Dies gilt umso mehr, wenn ein Kind in einer Babyklappe abgelegt wird. Das Angebot wird damit legitimiert, dass die anonyme Abgabe Leben retten kann. Doch eine 2012 veröffentlichte Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigt etwas anderes: Babyklappen sind ein Angebot zur Konfliktvermeidung; sie werden von jungen Müttern, die sich in einer diffusen aktuellen Angst und Sprachlosigkeit befinden, in Anspruch genommen. In über der Hälfte der Fälle geben die Frauen ihre Kinder anonym ab, zwischen 2000 und 2009 wurde für 331 solcher Kinder ein Adoptionsverfahren eingeleitet. Wie schon der Deutsche Ethikrat kommt auch das DJI zum Schluss, dass die derzeitige Rechtslage in Widerspruch zur Praxis steht und eine Duldung „keine konstruktive Lösung“ darstelle.

Häufig Tragödien

Die Rechtslage wird zum einen bestimmt von der UN-Kinderrechtskonvention von 1989: Danach hat jedes Kind ein Recht darauf, seine Abstammung nachvollziehen zu können. Dieses Grundrecht (Artikel 2 Abs.1 GG) wurde vom Bundesverfassungsgericht 1989 und 1997 bestätigt und kann nicht nur von sogenannten Spenderkindern geltend gemacht werden, sondern auch von anonym Geborenen. Der Staat hat – wie beim Adoptionsverfahren – sicherzustellen, dass die Namen der leiblichen Eltern, aber zumindest der der Mutter im Rahmen einer „vertraulichen Geburt“ niedergelegt wird.

Im Fall der Samenspende kollidiert das Kinderrecht mit dem Selbstbestimmungsrecht des Vaters, der in der Regel in einer privatrechtlichen Vereinbarung mit der beauftragten Klinik seinen Wunsch auf Anonymität bekundet und sich jeglicher Unterhaltspflicht entledigt. Ein solcher Vertrag, der zu Lasten Dritter geht, ist jedoch nichtig, wie auch das OLG Hamm befand. Und obwohl zum Zeitpunkt der Samenspende eine nur zehnjährige Aufbewahrungsfrist galt, musste der Betreiber der Samenbank davon ausgehen, dass auch danach Ansprüche von Spenderkindern geltend gemacht würden.

Mittlerweile ist durch das Gewebegesetz und die Revision des Transplantationsgesetzes immerhin sichergestellt, dass die Unterlagen über anonyme Samenspender 30 Jahre lang vorgehalten werden müssen. Im Vergleich zu Großbritannien, wo ein spezifisches Register für Kinder von Samenspendern eingeführt wurde, und Schweden, das eine 70-jährige Frist vorsieht, ist das immer noch kurz, wenn man bedenkt, dass erst erwachsene Kinder die Entscheidung treffen können, ob sie ihrer biologischen Herkunft nachgehen wollen.

Die Aufdeckung einer Elternschaft kann dramatische Folgen nach sich ziehen. Sarah P. wollte lediglich wissen, wer ihr Vater ist und ob er Träger von Erbkrankheiten ist, einen dauerhaften Kontakt wünscht sie nicht. Das wirkt kühl und verweist auf eine neue Generation, die es gewohnt ist, Risiken abzuchecken.

Aber was, wenn da zwei zusammenkommen, die verschiedene Absichten verfolgen und unterschiedliche Interessen haben? Wenn ein erwachsenes Kind plötzlich doch eine Adoption anfechtet, um den biologischen Vater zu beerben? Wenn ein Samenspender sich in die Belange des von ihm gezeugten Kindes einmischt? Und was ist mit den vom Spender großzügig verstreuten Geschwisterkindern, die vielleicht einzige verwandtschaftliche Bindung eines Spenderkindes? Der Stoff, der aus solchen unübersichtlichen Beziehungen erwächst, ist kein nur literarischer und höchst explosiv.

In Ländern, in denen die anonyme Geburt eine lange Tradition hat wie in Frankreich oder wo der Umgang mit den Angeboten der Reproduktionsmedizin großzügiger gehandhabt wird, gibt es inzwischen zahlreiche Selbsthilfegruppen, die bei der Suche nach leiblichen Eltern oder Geschwistern behilflich sind. Manchmal ist das mit Familientragödien verbunden, aber immer mit Wut, Trauer, Schmerz.

Ödipus, Sohn des Königs von Theben, ist eine mythologische Figur, die diese tiefe und schmerzhafte Spur im abendländischen Bewusstsein hinterlassen hat. Den Kaspar-Hauser-Kindern in der Literatur widerfährt auf die eine oder andere Weise Gerechtigkeit. Es scheint, ungeachtet aller medizintechnischen Künste und frivolen Denkbewegungen, die die Bindungslosigkeit zum Ziel der Existenz verklären, ein tiefes Bedürfnis nach Ursprung im Menschen zu geben. Ungeachtet aller sozialen Netze, so befriedigend sie auch erlebt werden, gibt es Menschen, die wissen wollen, woher sie kommen. Wir sollten ihnen endlich Rechtssicherheit geben.

Urteil zur Samenspende

Am 6. 2. 2013 urteilte das Oberlandesgericht Hamm, dass ein durch heterologe Samenspende gezeugtes Kind Anspruch hat, seine Abstammung zu erfahren. Der Arzt ist zur Auskunft auch dann verpflichtet, wenn ein privatrechtlicher Vertrag mit dem Samenspender dessen Anonymität schützt und die Aufbewahrungspflicht von Spenderdaten bereits abgelaufen ist. Das Interesse der Klägerin, so die Richter, ihre Abstammung zu erfahren, sei höher zu bewerten als das Geheimhaltungsinteresse des Arztes (ärztliche Schweigepflicht) und des Samenspenders. Der Arzt wird verpflichtet, die drei infrage kommenden Namen zu nennen, ansonsten drohen Zwangsgeld und Zwangshaft. Eine Revision gegen das Urteil ist nicht zugelassen. Juristen verweisen darauf, dass nach dieser Entscheidung Samenspender damit rechnen müssen, nicht mehr anonym zu bleiben und unter Umständen unterhalts- und erbpflichtig zu werden.

Anonyme Geburt

Auch Kinder, die anonym geboren oder in Babyklappen abgelegt werden, haben ein Recht auf ihre Abstammung. Deshalb ist die seit 13 Jahren gängige Praxis, Kinder ohne Hinterlassung ihrer Identität abzulegen, mit dem Persönlichkeitsrecht nicht vereinbar. Zudem hatten Missstände bei den Babyklappen-Betreibern, die Meldefristen missachteten und teilweise als Adoptionsvermittler fungierten, zum Handeln genötigt. Familienministerin Kristina Schröder hat ein „Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt“ vorgelegt, nach dem Schwangere zur Beratung verpflichtet werden und dazu ihre Daten zu hinterlegen. Das Kind soll ab dem 16. Lebensjahr dazu Zugang erhalten. Die Babyklappen sollten nur für eine Übergangszeit von acht Jahren weiter bestehen. Doch diesen Plan hat Schröder zurückgezogen, nachdem einige Länder Widerstand angekündigt haben. Nun wird die von Experten kritisierte Abgabepraxis der Babyklappen wohl fortgesetzt werden.

Kommentare (43)

THX1138 16.02.2013 | 11:36

Etwas vom Besten, was ich zu diesem komplexen Thema je gelesen habe, ganz speziell der Bogen von Kaspar Hauser, Ödipus et al. bis zur vergleichsweise profanen Alltagsrealität aller Kinder, die durch Babyklappen und Samenspenden (bislang) von ihren biologischen Wurzeln förmlich abgeschnitten worden sind! Diesen Artikel kann ich zu 100 Prozent unterschreiben.

rheinhold2000 16.02.2013 | 12:01

"Doch so wollte die Studentin der Geschichte wissen, wer für ihre genetische Ausstattung, für ihr Aussehen, unter Umständen auch für ihr Verhalten verantwortlich ist und klagte zunächst vor dem Landgericht Essen auf Herausgabe der Spenderdaten."

es gibt menschen deren "probleme" ich haben möchte!

mit was für einem neurotischen scheiß sich heutzutage die gerichte auseinandersetzen müsse....

Lethe 16.02.2013 | 12:16

Samenspenden und Babyklappen - wobei ich letztere für ein eigenständiges Problem erachte, das mit der Samenspende nur diesen hier thematisierten Aspekt teilt aber sonst nichts zu tun hat - dienen in erster Linie dem Wohl der sozialen Eltern, die auf diese Weise ein Kind bekommen können, wenn aus welchen Gründen auch immer ihnen die natürliche Zeugung nicht zugänglich ist. Das Wohl für das Kind ist erheblich schwieriger abzuschätzen, weil die Eventualitäten, die sein Leben bestimmen würden, wenn es nicht in dieser Weise gezeugt bzw. abgegeben worden wäre, derart unvorhersehbar sind, dass es praktisch gar nichts darüber ausgesagt werdenkann.

Im Fall der Samenspende ist es vielleicht noch am einfachsten: das Kind wäre in der gegebenen Weise gar nicht erst gezeugt worden. Es darf für sehr wahrscheinlich gelten, dass dies von nun an das Schicksal vieler potentieller Kinder sein wird, für die sich keine Spender mehr finden lassen, die also nie existieren werden und somit auch nie das Verlangen entfalten können, etwas über ihre biologischen Wurzeln zu erfahren. Problem erledigt, das Leid möglicher sozialer Eltern in Kauf genommen, fertig.

Im Falle der Babyklappe sind die Optionen vielfältiger, bleiben aber reine Spekulation. Mag sein, die biologische Mutter fängt sich wieder, mag sein, es wird statt in der Babyklappe im Müleimer aufgefunden, mag sein, es wird lieblos aufgezogen. Nicht berauschend.

Das allermindeste, was verlangt werden muss, wenn einerseits Samenspende und Babyklappen in der bisherigen Form weiter bestehen sollen, andererseits das Recht auf SpenderIn-Anonymität aufgehoben werden soll, ist die eindeutige gesetzlich festgelegte Regelung, dass der Samenspender und die Mutter, selbst wenn sie namentlich bekannt sind, für immer von jeglicher finanzieller Verantwortlichkeit für ihre biologischen Kinder entbunden sind, so dass in dieser Sache also weder seitens des Staates, noch seitens der Kinder, noch seitens der sozialen Eltern, noch seitens irgendwelcher sonstiger Organisationen jemals finanzielle Ansprüche an sie gestellt werden können.

Ohne eine derartige eindeutige Festlegung werden Samenspenden und Babyklappen bald mehr als wahrscheinlich der Vergangenheit angehören. Wenn das politisch gewünscht und durchgesetzt wird, bitte sehr. Wenn die damit einhergehenden und leicht voraussehbaren Konsequenzen dann aber eintreten, würde ich den Befürwortern der Änderungen dann aber sagen: Haltet die Fresse.

GEBE 16.02.2013 | 12:45

"Ein Kind kann sich seine Eltern nicht aussuchen ..."

Die Begründung und die Beweisführung zu solcher Aussage würde mich ja mal brennend interessieren.

So hingeschrieben ist es ein Glaubenssatz, jedoch in Bezug auf Erkenntnis ein Unfug. Welche Erkenntnismethode führt zu solchen Behauptungen? Liegt solchen Behauptungen überhaupt eine Erkenntnismethode zugrunde?

rheinhold2000 16.02.2013 | 13:01

""Doch so wollte die Studentin der Geschichte wissen, wer für ihre genetische Ausstattung, für ihr Aussehen, unter Umständen auch für ihr Verhalten verantwortlich ist und klagte zunächst vor dem Landgericht Essen auf Herausgabe der Spenderdaten."

es würde mich auch interessieren was die studentin dann mit diesen informationen anfangen möchte.

den samenspender fragen welche pornos er beim masturbieren in das becherglas gelesen hat?

sich über die zu große nase beschweren?

ihn fragen warum er in bechergläser masturbiert (ich vermute mal er wollte geld verdienen)

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Ehemaliger Nutzer 16.02.2013 | 13:16

Danach hat jedes Kind ein Recht darauf, seine Abstammung nachvollziehen zu können. Dieses Grundrecht (Artikel 2 Abs.1 GG) wurde vom Bundesverfassungsgericht 1989 und 1997 bestätigt und kann nicht nur von sogenannten Spenderkindern geltend gemacht werden, sondern auch von anonym Geborenen.

Aha, Frau Baureithel, was wollen Sie denn auf den Weg bringen, um dieses Recht durchzusetzen?

Eine Möglichkeit wäre doch, jeden Bewohner des Landes im zeugungs- bzw. gebärfähigen Alter genetisch zu erfassen und einem Kind, so es aus beliebigen Gründen seine Abstammung wissen will, durch eine Analyse der eigenen Gene seinen beiden Erzeugen zuordnnen zu können, so denn beide (die Mutter auf jeden Fall) erfasst worden sind.

Dies mag im einen oder anderen Fall die eine oder andere Überraschung bereit halten; auf jeden Fall wird es ggf. dazu führen, dass der soziale Vater eines Kukukskindes beim biologischen Vater z.B. sämtliche Kosten einklagen kann, die mit der Erziehung und Ausbildung einhergekommen sind. Haben Sie schon einmal so weit gedacht, haben Sie schon einmal überlegt, was für ein Gesetzesmonstrum Sie da einfordern?

GEBE 16.02.2013 | 14:18

Ich fragte oben nach der Erkenntnismethode - allerdings nicht Sie. Ihre Reaktion darauf ist keine Benennung einer solchen. Meinetwegen hätten Sie auch im Kant'schen, Fichte'schen und/oder/usw. erkenntnismethodischen Sinn antworten können. Es scheint dies Ihnen offensichtlich aber nicht möglich; jedenfalls entspricht Ihre Antwort nicht ansatzweise dem. Statt dessen zeigen Sie lediglich auf, was Ihnen trapst. Und das ist äußerst dürftig.

Meyko 16.02.2013 | 18:51

Ein guter Bekannter hat seinerzeit eifrig gespendet und erklärte kürzlich so nebenher, er rechne bei erfolgreichen Nachforschungen der Kinder, mit etwas über dreihundert von ihm abstammenden Zöglingen, die hoffentlich mittlerweile eine abgeschlossene Berufsausbildung hätten...

Vermutlich war die Aussage gar nicht so ernst gemeint, jedoch allein die Vorstellung einer Einladung der Familie zum Heiligabend, ließ mich schmunzelnd zurück.

;-)

feminismus 16.02.2013 | 19:55

Nachher stellt sich sogar noch heraus, daß für das Kind nicht nur das Wissen über die Herkunft, sondern auch das Aufwachsen beim biologischen Vater wichtig ist. Das wäre ja der Wahnsinn!

BTW: Sind eigentlich Kampagnen geplant, welche Kuckucksmütter über mögliche Spätfolgen aufklären, oder wären solche Kampagnen frauenfeindlich.

Unerträglich diese Heuchelei von Feministinnen, die versucht haben in den letzten 30 Jahren den Vater komplett aus der Familie und dem Leben des Kindes auszuradieren .

thinktankgirl 16.02.2013 | 21:59

Ohne eine derartige eindeutige Festlegung werden Samenspenden und Babyklappen bald mehr als wahrscheinlich der Vergangenheit angehören. Wenn das politisch gewünscht und durchgesetzt wird, bitte sehr. Wenn die damit einhergehenden und leicht voraussehbaren Konsequenzen dann aber eintreten, würde ich den Befürwortern der Änderungen dann aber sagen: Haltet die Fresse.

Völlig richtig!

Desweiteren umschleicht mich der Gedanke, daß hier irgendwas anderes im Busch ist. Staatliche Kontrolle / Schnüffelei?

Der Begriff Persönlichkeitsrecht ist doch eine Leerformel, wie der Schutz der persönlichen Daten.

Johannes Renault 17.02.2013 | 03:55

"Desweiteren umschleicht mich der Gedanke, daß hier irgendwas anderes im Busch ist. Staatliche Kontrolle / Schnüffelei?"

Ja, TH-Girl, das zukünftige Homeland-Security-Amt in der Wilhelm Str. 666.

Der Satz "Der Begriff Persönlichkeitsrecht ist doch eine Leerformel, wie der Schutz der persönlichen Daten" ist mehr eine Leerformel als die oben im Artikel angesprochenen Kindsrechte. Auch persönliche Daten könnte man definieren, dann wüsste man: "Ah ha!"

Lethe 17.02.2013 | 12:22

Ein Kind kann sich seine Eltern nicht aussuchen

mutmaßlich zielt Frau Baureithel nicht in die hohen Sphären der Erkenntnistheorie, sondern auf die eher triviale Feststellung, dass selbst in einem christlich geprägten Umfeld recht wenig bis nichts Konkretes darüber bekannt ist, ob und wie der liebe Gott eine Seele vorher fragt, bei welchen Eltern sie inkarniern will, welch Umstand in besagter christlich geprägter Umgebung zumeist etwas flapsig als Ein Kind kann sich seine Eltern nicht aussuchen zusammengefasst wird, während die Vorstellung, ein Kind sei dazu befragt worden, in einer materialistisch geprägten Umgebung ohnehin eher etwas albern wirkt.

Und da der Freitag ein Meinungsmedium ist, dieser Blog von Frau Baureithel mithin als Kundgabe einer persönlichen Meinung gewertet werden kann, steht es ihr auch völlig frei, andere Kontexte, etwa hinduistisch-buddhistische - um nur die prominenteren zu nennen - in denen Vorstellungen existieren, die irgendeine Variante eines derartigen Befragtwerdens möglich erscheinen lassen, schlichtweg zu ignorieren, zumal dieses Problem offenbar auch überhaupt gar nichts mit dem Thema zu tun hat, welches der Autorin am Herzen lag.

Falls mir allerdings irgendein (blog)themenbezogener Aspekt ihrer Rückfrage entgangen sein sollte, Gebe, bitte ich demütigst um Aufklärung.

Lethe 17.02.2013 | 12:33

Desweiteren umschleicht mich der Gedanke, daß hier irgendwas anderes im Busch ist. Staatliche Kontrolle / Schnüffelei?

Sowas ist nie völlig auszuschließen, TTG, aber im Vorfeld schwierig zu beweisen. In Zeiten, in denen Verantwortung auf die Frage reduziert wird, wer bezahlt, gäbe es sogar ein starkes Motiv dafür.

Der Begriff Persönlichkeitsrecht ist doch eine Leerformel, wie der Schutz der persönlichen Daten.

Sagen wir so, die Realität der Konzeption ist das, was die Garanten der Umsetzung daraus machen. Es werden sich mutmaßlich also für jede Abstufung Belege finden lassen; insgesamt ein Vabanque-Spiel für diejenigen, die sich drauf verlassen.

Henry Stützchen 17.02.2013 | 23:36

@alle:

Mein Gedicht bereits vom 12.01.13 als "selbst-den-Erzeuger-nicht-Kenner" zu dem o.a. Thema:

„Samen-Gender“ oder: „Ständer für die Wissenschaft“ oder: „Gerührt, weil doch geschüttelt“ ???*

Gute Zeiten für manch Rammler

Gab’s einst, durch den Zusatzständer?

Jetzt hör’ ich im Geist den Stammler

Kotzen übers Amtsgeländer,

Weil Tausende Sack-Produkte

Von ihm, dem es einstens juckte,

Vater-Sein und Unterhalt

Einfordern, das möglicht bald!

???

…Waren das mal schöne Zeiten,

Wichsend, stets im Dienst der Kundin:

Samenbanken zuarbeiten!

… Auf, dass sie damit auch, rund, in

Neun Monaten niederkomme,

War des Arztes Wunsch, der fromme?!:

Gleich des Reibens Schnell-Erguss

Just in time zum Uterus?

Heut’, ihr geilen Samenspender,

Kommt die leicht verdiente Kohle,

Durch die* Richter - als Vollender

Deutschen Rechts auf höchster Sohle -

Ganz schön teuer, euch, zu stehen?

...Aber, man wird weitersehen,

Ob das, was sich, fest verankert

Raus kam einst, als Samen-BANKert,

...

Will dann noch die Onanisten

- Die sich schmählich einst verpissten -

Überhaupt als Massenvater?!

...Nicht, dass überfällt, der Kater,

Manche alte Kinderseele,

Und sie sich dann richtig quäle:

„Nein, das fiese Sackgesicht

Sei mein echter Vater, nicht...!“

???

Ich könnte das gut verstehen,

Denn, wie Sie hier** dito sehen

- Hören, mehr - zu meinem Werden,

Dass - als Bankert – ich auf Erden

Hatte erste harte Zeiten,

Die mir heute noch bereiten

- Kaum am Tag, eher im Schlummer -

Hie und da noch leichten Kummer…

???

…Kommt mir jetzt zur rechten Zeit,

Dieses Thema! Bin soweit:

Den Erzeuger kenn ich nicht!

Habe dazu kein Gesicht!

Machte mich stets damit froh:

„Vielleicht ist es besser, so!?“

…Gut, ich mach’ jetzt, weil’s sein muss,

Mit der weit’ren Suche Schluss!

???

In DER Sache war ich blind!

Dafür meinem inn’ren Kind***

Lieben Dank und: Weiter, so!

- Machst mich immer wieder froh!

- Spürst der Seele Trauerreste!

- Zeigst mir „zufällig?“ das Beste!

- Weist geschickt mich auf das hin,

Wofür ich grad offen bin…

!!!

So mag sich denn bald entscheiden,

Ob mein Kind*** mein ICH mag leiden,

Endlich?! Wird auch langsam Zeit,

Leb‘ ja nicht in Ewigkeit!

Amen, Omen, oder so...

_____

* http://www.berliner-zeitung.de/politik/rechtslage-entscheidung-mit-konsequenzen,10808018,21685008.html

** http://www.swr.de/landesschau-rp/persoenlich/ /id=8504226/did=10887342/pv=video/nid=8504226/resvf4/index.html

*** “Das innere Kind“ s. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind

Nr. 10 für Feb. 2013 aus insgesamt 2504 Gedichten ab März 2004; Kreativkernzeit: 12.02.13, ca. 00:05 – 01:20 Uhr, Copyright © Heinz-Albert Ellner (alias „Henry Stützchen“) – D56727 Mayen"

Gruß

Euer Henry Stützchen

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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 07:22

Desweiteren umschleicht mich der Gedanke, daß hier irgendwas anderes im Busch ist. Staatliche Kontrolle / Schnüffelei?

Der unausgesprochene Tenor liegt vielleicht darin, dass die bekennende Kampflesbe, einst von ihrem in unbefleckter Empfängnis erzeugten Kind gefragt, ob die zweite Mama denn auch der Papa ist, darauf verweisen kann, dass dies zwar biologisch nicht möglich sei, doch das Gendergedöns sich einer biologischen Anleihe bediente, die nun, da diese Frage im Raume steht, sich gefälligst um die Kosten zu kümmern habe. Dies zu gewährleisten ist der Autorin Angelegenheit, Programm und (Selbst)zweck in Einem; dabei auch noch, in aller Munde, beratend selbstverständlich, die Folgen der Forderung als ferner liefen zur Seite stellend: akademischer Feministinnenschnack! Ich entscheide ganz allein, die Kosten werden übernommen, denn eine Alimentenversicherung … Oh, das wäre doch mal ein Projekt, Frau Baureithel, oder?

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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 07:29

Die Welt hat wohl noch andere, als die hier angesprochenen Luxusprobleme:

Massenhafte Abtreibung von Mädchen

eine Buchrezension von Cristoph Pöppe beginnt so:

Ein junger indischer Medizinstudent tritt Anfang der 1970er Jahre den praktischen Teil seines Studiums an – und das Erste, was ihm an der Tür des Kreißsaals begegnet ...

und ist hier zu lesen

eldorado 18.02.2013 | 08:23

Hier ein extremer Fall aus der Schweiz. Es ist die bisher älteste Mutter in der Schweiz, die gleich noch Zwillinge geboren hat. Sie war bei der Geburt 66 Jahre alt. Die Eizelle ist von einer fremden Frau, die Spermien von einem unbekannten Mann. Also, das Kind hat weder eine biologische Mutter noch einen Vater. Die Frau ist alleinstehend:

http://www.focus.de/panorama/welt/pfarrerin-bringt-zwillinge-zur-welt-schweiz-streitet-ueber-66-jahre-alte-mutter_aid_720805.html

Nicht sehr lange vorher ist eine Frau Mutter geworden, etwa 1 bis 2 Jahre jünger. Sie ist verheiratet. Die Eizelle ist auch von einer anderen Frau. Ob die Spermien von ihrem Mann waren oder nicht, weiss ich nicht mehr.

Beide mussten die Behandlung im Ausland machen, weil das in der Schweiz nur bis ca. 45 Jahren gemacht wird. Bei solchen Extremen tauchen schon viele Fragen auf.

Hfftl 18.02.2013 | 18:47

Einen Ausgleich schafft hierzulande immerhin die Gepflogenheit der Gerichte, Entscheidungen, wenn immer es möglich ist, zu Lasten der biologischen Väter zu treffen. In diesem Fall (der mit dem Samenspender-Urteil wesentlich mehr zu tun hat als das Problem der Babyklappen):

http://www.mopo.de/nachrichten/wer-ist-der-vater--der-irre-kampf-um-lara,5067140,21693120.html

wird dem Kind keinerlei Recht eingeräumt, seinen biologischen Vater zu kennen - weil dadurch gleichzeitig die Rechte dieses Vaters berücksichtigt werden würden. Und das darf in diesem Land nicht sein.

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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 18:58

Warum ist das so wichtig? Gerade habe ich gelernt, dass Intelligenz und allerlei künstlerische Ambitionen beim Menschen nicht vererbbar sind, weil das heissen könnte, dass sonst die Negativvarianten auch vererbbar wären und das geht natürlich gar nicht und nun wollen plötzlich alle ihren Erzeuger kennen lernen? Was soll das für eine Bedeutung haben?

In Zeiten der Tortenspritzenzeugung tauchen allerdings Probleme auf, auf die der Rechtsstaat erst noch kommen muss. Da werden die Hungernden in der Dritten Welt noch staunen, mit was sich der Westen ernsthaft befasst.

TobiB07 19.02.2013 | 17:45

Im September vergangenen Jahres waren beispielsweise die Briten dazu aufgerufen, über eine neue Fortpflanzungstechnik zu entscheiden, mittels der ein Baby künftig drei genetische Elternteile haben kann.

Die Wissenschaft hat es geschafft, drei biologisch-genetische Eltern zu ermöglichen? Flunkern Sie auch nicht, Frau Vielfachbewegte? Quellen? Belege? Links?

Ich behaupte: Sie lügen und führen ihre Leser irre.

anne mohnen 20.02.2013 | 18:14

In den USA feiern Paare, viele lesbische Frauen längst schon Partys mit den Halbgeschwistern ihrer Kinder. Da kommen dann schon mal auf einem Kindergeburtstag 25 Kinder zusammen.

Befragte Samenspender geben übrigens hinsichtlich der Motivation für ihre Spendenbereitschaft an, sie fänden die Vorstellung super, ganz viele Kinder gezeugt zu haben. Diese archaische Drang, könnte Ihnen bald auf die Füße fallen und den Kindern eines Tages, orakelt man, Unterhaltsansprüche von pflegebürftigen Vätern bescheren. Da ist also noch ganz viel Luft nach oben für die Rechtssprechung.

Weitet man das Problem europaweit aus gehören dann die Kinder von Leihmüttern nicht auch zum Problemkreis?

Ulrike Baureithel 20.02.2013 | 19:51

Nein, bei dem Fall, den ich oben beschrieben habe, ging es um etwas anderes:

Die HFEA befragte die Briten, ob im Rahmen der IVF drei Eltern erlaubt sind. Es handelt sich um ein relativ seltenes Krankheitsbild, das Leagh-Syndrom: Dabei ist nicht der Zellkern beschädigt, sondern nur ein winziger Teil im Erbgut, in den Mitochondrien (und nur über die Mütter vererbbar). Meist wirkt dieser Fehler sich gar nicht oder wenig aus, in seltenen Fällen aber sehr erheblich.

Mit einer neuen Technik kann man in die (entkernte) Eizelle einer zweiten Frau den Zellkern der Frau einsetzen und dann mit den Spermien des Mannes befruchten, natürlich alles im Reagenzglas. Das Erbgut der "zweiten" Mutter (also der entkernten Zelle) schlägt nur sehr gering durch, aber fällt unter den Begriff "gespaltene Mutterschaft". Die ist nach dem dt. Embryonenschutzgesetz verboten.

Man mag den "Erbbeitrag" für gering halten; das Prozedere ist für beide Frauen invasiv und die Ärzte müssen ja irgendwie an die zweite Eizelle herankommen. Aber es handelt sich wohl um einer der Fälle, bei denen eine weitere Tür geöffnet wird. Es sind immer medizinisch-technische Angebote, die ein eigentlich psycho-sozielas Problem (unfreiwillige Kinderlosigkeit ect.) zu lösen versprechen und neue Probleme aufwerfen.

Ulrike Baureithel 20.02.2013 | 19:55

Diese archaische Drang, könnte Ihnen bald auf die Füße fallen und den Kindern eines Tages, orakelt man, Unterhaltsansprüche von pflegebürftigen Vätern bescheren.

Der Bezug auf das "Ihnen" ist nicht ganz klar, aber ich denke, Sie meinen die Kinder. Ja, das ist eine spannende Frage; viele Länder haben die Unterhaltsfrage hinsichtlich der Kinder (bei Samenspende) geregelt; aber umgekehrt?

anne mohnen 21.02.2013 | 10:04

@ Liebe Frau Baureithel,

sorry, es muss „ihnen/ Kinder" heißen!! Was die deutsche Groß- und Kleinschreibung doch für Missverständnisse produziert. Danke ;)))))

Ich dachte in dem Zusammenhang auch über die „Eispende“ nach, die hierzulande verboten ist, jedoch in Nachbarländer – z.B. Tschechien, Schweiz- nicht. Da gibt es bereits einen regen Adressenaustausch und Reproduktionstourismus. Gerade deutsche Paare machen davon Gebrauch, ob es dem Gesetzgeber passt oder nicht. (Wobei mir, jenseits der von Ihnen sehr gut, weil differenziert geschilderten Problematik, nie einleuchten wird, was sinnigerweise noch gegen „Eispende“ spricht, aber das stockt die Diskussion nur auf)

Mir ist es ein Rätsel, dass man diese Theamtik so ungeregelt im Raum stehen lassen konnte. In den USA haben Kinder und biologische Eltern von Samen- und Eispendern keine materiellen Ansprüche.

Willkürlich ist auch die Begrenzung der Adoptionsunterlagen auf 30 Jahre. Ich finde mit dieser "Verschiemlung" tut dem sehr wichtigen und menschlichen "Institut" der Adoption unrecht.

Aber das Adoptionsrecht bzw. die Handhabung liefert ja auch in vielen Fällen den Hintergrund für die Inanspruchnahme von Reproduktionsmedizin. Irgendwie schließt sich da der Kreis. Allerdings ist das ein anderes Thema.

LG am

Ulrike Baureithel 21.02.2013 | 12:53

Liebe Anne Mohnen,

wenn Sie sich für das Thema "Reproduktives Reisen" interessieren, werden Sie hier bestens informiert, allerdings stammt die Studie aus 2008, ist wahrscheinlich schon wieder etwas überholt:

http://www.profamilia.de/publikation-forum-onlineberatung/publikationen/produktliste.html?tx_commerce_pi1[showUid]=98&tx_commerce_pi1[catUid]=17&cHash=48f6c758258f736e7bd0bd45cfa44652

Was die Aufbewahrungsfristen betrifft: Die einschlägigen Selbsthilfegruppen fordern ja, dass die Aufbewahrungsfrist über 30 Jahre hinausgehen muss bzw. unbefristet ist.

Eizellspende: Ich finde nach wie vor, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen Samenspende und Eizellspende gibt:

1. invasives Verfahren, mit nicht absehbaren gesundheitlichen Folgen für die Frauen

2. Begehrlichkeiten der Forschung

3. soziale Abhängigkeiten: Wer spendet warum? (Empfehlung Film: Frozen Angels) In krisengeschüttelten Spanien, habe ich gelesen, spenden Frauen, um Geld ("Aufwandsentschädigung) zu verdienen

Dies in aller Kürze, über Ihren ausführlichen Kommentar zur Adoptionsspende muss ich nachdenken, aber Sie haben den Aufhänger, glaube ich, zu ernst genommen.

lg ub

anne mohnen 21.02.2013 | 17:18

@ Liebe Frau Baureithel,

d’accord – im Prinzip stimme ich mit Ihnen überein und teile Ihre Meinung nicht nur hinsichtlich der Gesundheitsrisiken, sondern auch wegen ethischer resp. kultureller Bedenken.

Doch „die Büchse der Pandora“ ist nun einmal geöffnet und Tatsache ist , dass diese Eispenden „beim Nachbarn“ zu haben sind. Dann bleibt die Frage, wie handhaben andere Länder das mit der Problematik?

Gespendet wird in allen Ländern gegen Geld. In den USA von Studentinnen, die genetisch bevorzugte Zielgruppe, von Paaren/Frauen mit Kinderwunsch. Die Studentinnen finanzieren sich damit nicht selten ihr Studium bzw. tilgen ihre Studienkredite mit solch einer „Aufwandsentschädigung“. Da gibt‘ Rankings hinsichtlich Aussehen (Haar- Augenfarbe sehr wichtig; sehnt sich das Paar nach einem Sohn: Körpergröße!!) und Bildung, Hobbyvorlieben. Das alles ist Ihnen sicher längst bekannt incl. „Gender-Selection“.

http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0916/005_wunschkind.jsp

Leider finde ich nicht mehr den Link zur Phönix Sendung: eine lange Reportage über den Reproduktionsmarkt in den USA. Das hatte was ganz „Futuristisches“, wie ja "die Mutter der Pille" Carl Djerassi prophezeite, in Ländern wie den USA sei das Problem , die Herausforderung nicht mehr die Kontrazeption, sondern die Reproduktion – für eine bestimmte Schicht von Frauen.

LG am

Ulrike Baureithel 21.02.2013 | 17:49

Liebe Anne Mohnen,

Djerassi und alles was damit zusammenhängt, kenne ich natürlich. Das ist noch einmal ein eigenes und eigentlich skurilles Feld.

Die "Büchse der Pandora", das haben wir schon gesagt, als Ende der achtziger Jahre das Embryonenschutzgesetz diskutiert wurde, war die IVF. Viele Frauen haben damals vehement darauf hingewiesen, dass man da, wenn einmal praktiziert, nicht mehr zurück kann. Und alles, was wir seither diskutieren, ist Makulatur, Einhegung, Schutzgefecht. Aber dennoch nötig, um immer wieder vor Augen zu führen, woher alles kommt.

Ich befasse mich wie schon in früheren Jahren gerade mal wieder mit Euthanasie. Ich lese Götz Aly und frage mich, warum er bei all dem, was er weiß und schreibt, die Linie vom Externitalisierten des NS zum heutigen Internalisierten nicht zieht. Die biopolitischen "Brücken" sind heutzutage viel sublimer.

Aber das ist jetzt noch mal eine andere Baustelle

lg ub.