Ulrike Winkelmann
02.09.2010 | 08:00 111

Integriert euch!

Eingliederung Lange hat die Mehrheit einige Reiche aus Ignoranz oder falsch verstandener Toleranz einfach Parallel-Gesellschaften aufbauen lassen. Damit muss jetzt Schluss sein

Sie verschanzen sich hinter hohen Hecken. Kaum steht die Sonne schräg, lassen sie die Halbtonnen-Last der Rollläden herunter – per Knopfdruck und einer elektrischen Walze, denn niemand könnte das Gewicht von Metall-Lamellen auf der Breite solcher Fensterfronten noch mit dem Seilzug heben. Niemand weiß, was diese Menschen dann dort treiben, welchen Riten sie nachgehen. Was geschieht in den 65-Quadratmeter-Wohnzimmern der Bürgerhäuser in Ostwestfalen, Starnberg, Blankenese oder Zehlendorf? Was hat es zu bedeuten, dass sich in den Küchen fünf verschiedene Sorten Meersalz mit französischen Etiketten auf dem Regal drängen? Wieso ist da ein quadratisches Loch in den Terrakotta-Fußboden eingelassen mit einer hoffentlich bruchfesten Glasscheibe darin, durch die in den Weinkeller geschaut werden kann? Die Einwohner, die täglich diesen kleinen Kitzel wollen, wenn ihr Instinkt sie davor warnt, auf die Glasscheibe zu treten, geben keine Auskunft. Sie sprechen ohnehin fast nur mit ihresgleichen.

In den Milieus des oberen Einkommens- und Vermögenszehntels hat sich eine Parallelgesellschaft ausgebildet. Jahrzehntelang hat die Mehrheitsgesellschaft alles getan, um sie zu integrieren. Von einem erwachsenen Menschen ist nur ein begrenztes Maß an innerer Flexibilität zu verlangen. Aber den Kindern aus diesen Milieus standen alle Sportvereine offen, sie konnten jederzeit öffentliche Schulen besuchen. Möglicherweise ist der Zeitpunkt gekommen, zu sagen: Für weitere Geduld besteht kein Anlass mehr. Die Saturierten hatten ihre Chance, sie haben sie nicht genutzt. Sie müssen sich Integrationsverweigerer nennen lassen.

Gefesselt an den Dampf-Backofen

Wie anders ließe es sich auch bezeichnen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit zunehmend in Autos bewegen, die entweder das Tragen von großen Sonnenbrillen erfordern oder deren getönte Scheiben sie vor Blicken schützen? Deren Karosserie die gesamte Breite der städtischen Fahrspur einnimmt und sie immer nur weiter über das Niveau des Straßenpflasters erhebt, so dass sich das Fahrergesicht hinterm Lenkrad nur mehr erahnen lässt? Gehen sie einem Sport nach, so nutzen sie nicht die öffentliche Infrastruktur, besuchen nicht die Schwimmbäder, die sich die deutsche Gesellschaft errichtet hat. Nein, lieber kreiseln sie in eigenen Pools, und sollten sie auch alle zehn Meter zum Wenden gezwungen sein. Oder sie kommen in kleinen Gruppen an Golfplätzen zusammen, auf denen die einzige Person mit einem Durchschnittseinkommen der Golflehrer ist.

Der Zivilisationsgrad und die demokratische Durchdringung einer Gesellschaft wird oft an der Stellung der Frau gemessen. Zu Recht. Die Frauen reicher Familien werden immer noch zu einem erschreckend hohen Anteil im Reproduktionsalltag eingesperrt, verurteilt dazu, die Kinder zur Schule zu fahren, sie von dort abzuholen, zum Geigen-, Klavier-, Fecht- und Ballett-Unterricht zu fahren. Erwerbstätigkeit ist der Frau in solchen Milieus nicht grundsätzlich verwehrt. Doch verlangen die sozialen Traditionen von ihr meist weiterhin einen Teil-Berufsverzicht: Es soll nicht so aussehen, als reichte das Einkommen des Mannes nicht, um den Dampf-Backofen und den Kühlschrank zu füllen, in dessen Tür ein Eis-Zerkleinerer eingelassen ist.

Oft ist die einzige Erwachsene, mit der diese Frauen im Laufe eines Tages vertrauensvoll sprechen können, die philippinische Kosmetikerin, die ins Haus kommt. Zugleich trägt der Trend zur hochpreisigen Inhouse-Dienstleistung allerdings zur Vereinsamung bei. Schließlich kann nicht jedes Thema mit den Honorarkräften beredet werden. Mit Glück hat die Gattin des Wohlstandsbürgers auch eine Freundin in der Nachbarschaft. Von ihren Verwandten ist sie oft genug abgeschnitten, weil seine Karriere den Umzug in die Fremde erzwang: Ehegattennachzug ist ein ungelöstes Problem. Drogenmissbrauch ist bei einem erkennbaren Prozentsatz die Folge. Kaum eine Bevölkerungsgruppe nimmt so viele Antidepressiva wie Hausfrauen in den Besserverdienden-Ghettos, mindestens ebenso viele begeben sich in die Abhängigkeit von Wunderheilern, die ihnen kleine Zuckerkügelchen gegen Hautunregelmäßigkeiten an den Beinen verschreiben und sie in die Arme einer wissenschaftlich kaum kontrollierten Wellness- und Heilkunde-Industrie treiben. Das Ergebnis: Viele trauen sich nur noch zum Shoppen vor die Tür.

Den Rückschlag spüren die Männer

Der psychosozial prekäre Zustand dieser Frauen schlägt auch auf das Befinden der Männer zurück. Ungemessen, aber sicher außerordentlich hoch ist der Anteil von ihnen, die nur noch deshalb mit ihrer Gattin zusammenwohnen, um die Immobilie zu retten: Laut einer US-Studie schmiedet nichts eine Ehe fester zusammen als ein teures Haus. Hinzu kommt, dass das Scheidungsrecht mittlerweile zwar Frauen benachteiligt, die einen Beruf zu Gunsten von Kindern aufgegeben haben. Dies aber gilt nicht für die Rente: Der Rentenanspruch des Mannes wird durch eine Scheidung weiterhin halbiert. Das zwingt diese Männer zu außerehelichen Affären, die oft genug ins Halbdunkel ungünstig gelegener Mittelklasse-Hotels verlagert werden und so das Bild einer tragfähigen und glaubwürdigen Lebensgemeinschaft nachhaltig schädigen: Ein unermesslicher Schaden für die nachwachsende Generation.

Ohnehin müssen die Kinder dieser Milieus hinnehmen, schon vom ersten Lebensjahr an von ihren Altersgenossen isoliert zu werden: Die Bildungsvorstellungen ihrer Eltern sind aufgedunsen durch abwegige pädagogische Ansprüche und Wertvorstellungen. In einem Berliner Aufsteiger-Quartier wurde beobachtet, wie unschuldige Zweijährige aus der Kindertagesstätte, in die sie sich gerade erst eingelebt hatten, abgemeldet wurden, um fortan in die deutsch-chinesische Kita zu gehen. Begründung: Chinas Bedeutung im deutschen Export sei speziell nach der Wirtschaftskrise dergestalt gewachsen, dass eine künftige Spitzenkraft auf Chinesisch-Kenntnisse nicht verzichten können werde. Ein Land, dessen Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft auf fröhliche, gesunde Kinder angewiesen ist, kann und sollte so etwas nicht mehr hinnehmen.

Auch die Kinder Vermögender haben ein Recht auf Normalität, haben ein Recht auf Erfüllung des zutiefst menschlichen und sinnvollen Bedürfnisses, dazuzugehören. Doch niemand verweigert seinem Nachwuchs so konsequent wie viele Bessergestellte lehrreiche Erfahrungen darüber, wie die Mehrheitsgesellschaft lebt, wie sie kommuniziert. Wie aber sollen die jungen Menschen sich in Deutschland noch zurechtfinden, wenn sie auf einem Gang durch eine beliebige Fußgängerzone nur noch Menschen begegnen, deren Sprache sie nicht sprechen, deren Habitus sie nicht deuten können, vor denen sie Angst empfinden müssen? Bis zum 18. Lebensjahr werden diese Kinder in Schulen gesperrt, deren Besuch Geld kostet. Sie sitzen in Klassenverbänden mit Kameraden, deren Eltern samt und sonders Ärzte, Anwälte, und Manager in Energieunternehmen sind. So entstehen soziale Ghettos, deren Grenzen auch zu den Grenzen der Phantasie und der Emotionen der jungen Leute werden müssen.

Von Debatten ausgeschlossen

Diese Tragik wird noch dupliziert durch die Segregation in den Systemen der gesundheitlichen und der Altersvorsorge. Im Reich der Privaten Krankenversicherung (PKV) gibt es kein Maß und Mittel mehr, nur noch die Vergütung dessen, was die forschende Arzneimittelindustrie hergibt. Den Jüngsten wie den Ältesten werden Medikamente verordnet, deren Nutzen so wenig erwiesen ist wie der Schaden ermessen. Statt junge, verantwortungsbewusste Oberärzte, die ihre Uni-Zeit noch nicht vergessen haben, behandeln PKV-Versicherte stets Chefärzte – auch wenn sie vom Stand der Wissenschaft längst abgekoppelt sind. Gleichzeitig interessiert sich der PKV-Versicherte nicht mehr dafür, wie sich der Versorgungsstand der übrigen 90 Prozent der Bevölkerung entwickelt. An Debatten um Gesundheitsreformen muss er als Laie teilnehmen.

Nichts kann es rechtfertigen, diesen Leuten ihre Abschottung weiter zu erlauben. Möglicherweise braucht mancher von ihnen Hilfe. Hier könnten Gesetzesänderungen etwa zur Aufhebung der Schranken zwischen privater und gesetzlicher Versicherung oder zwischen den verschiedenen Schulformen, dienlich sein. Doch der Staat kann nicht alles leisten, er soll es auch nicht. Wer verhindern will, dass Populisten auf der Welle der Frustration über misslungene Integration reiten, muss die Verursacher beim Namen nennen und zur Verantwortung rufen. Es sind die Gutverdiener, die sich bewegen müssen.

Kommentare (111)

Querdenker 02.09.2010 | 10:41

Wenn dieser eher peinliche Neid-Artikel eine besonders geistreiche Replik auf Sarrazin sein soll, hat er das Ziel weit verfehlt. Der Bezug auf US-Studien für die Beurteilung der hiesigen Rechtslage bei Ehen/Scheidungen/Immobilien ist auch völlig fehl am Platz.

Sie scheinen sich übrigens gut im Milieu auszukennen, Frau Winkelmann: Von wie vielen "Reichen" sprechen wir eigentlich?

PS: Ich glaube, ich habe zwei oder drei "verschiedene Sorten Meersalz mit französischen Etiketten": bin ich schon gefährdet?

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markisen 02.09.2010 | 11:16

Es hat Spass gemacht den Artikel von Anfang bis Ende zu lesen. Dem Inhalt kann ich nicht so recht zustimmen, denn wie auch immer man "die Reichen" gruppiert - in Deutschland bewegt man sich als Besserverdiener definitiv nicht in einem geschlossenen Ghetto. Und das gilt unabhängig davon ob Beobachtungen von Ihnen vereinzelt zutreffen können.

Volker 02.09.2010 | 11:37

Daneben gezielt und dabei voll ins Schwarze getroffen.

"Sarrazin liegt falsch: Was das Land kaputt macht, sind die Ego-Milieus."

Der Titel nach dem Doppelpunkt stimmt, davor nicht. Sarrazin selber ist Bestandteil seines Ego-Milieus - nur sieht er es nicht. Richtig ist, das Land wird von Ego-Milieus zerstört. Man findet sie grundsätzlich in allen Parallelgesellschaften, was eben inhaltlich nichts anderes sind als Ego-Milieus. Sie umfassen, wie hier als Karrikatur beschrieben, die Upperclass und enden bei integrationsunwilligen Migranten oder unmotivierten irgendwo weit unten, wo für Bildung keine Zeit ist. So sich in Parallelwelten sammeln und einrichten betreiben sie Bestandssicherung und werden dadurch Ego-Milieu. Gegen unten zu regieren ist vergleichsweise einfach, gegen oben fast unmöglich, treffen sich Regierte und Regierende als Schnittmenge öfters aquf allen Ebenen.

Das alles ist aber an sich nichts wirklich Neues. Neu ist die Annahme, dass dies das Land kaputt macht. Wer - also welches reale oder vermeintliche Ego-Milieu - formuliert diese Annahme?

LG
Volker

mh 02.09.2010 | 11:58

als das mit der sarrazin-diskussion losging dachte ich mir, dass es dann auch mal wieder zeit sein könnte den freitag zu lesen, denn dieser müsste zu dem thema eigentlich besonders viel beizutragen haben. vor allem deswegen, weil dieses thema gerade zu geeignet ist sich wohltuend aus der masse der konkurrenz abzuheben.

nach den widerlichen pamphleten von michael jäger und ulrike winkelmann habe ich davon abgesehen. es ist ja nicht nur keine qualität gewesen, sondern auch recht platte ressentiment-bedienung.

und auch wenn man diesen gequält-witzigen artikel hier liest... man landet wieder nur bei der erkenntnis, dass der freitag nichts mitzuteilen hat, was von gesellschaftlicher relevanz ist. statt das diskutierte thema distanziert und vielschichtig zu betrachten, flüchtet man sich einfach nur in eine andere neiddebatte, die zwar leuten wie uwe theel sicher gefallen wird, die aber genauso typisch deutsch und reflexhaft ist wie die diskussion über sarrazin.

es wird übrigens niemand ein problem damit haben, wenn sich die reichen in deutschland erheblich vermehren und die armen verdrängen. o_O

mfg
mh

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preussenmichel34 02.09.2010 | 17:31

. . . und vom Hundechampagner mit Mettwurstgeschmack wird überhaupt nicht gesprochen . . .

Was mir auch fehlt, sind die z.T. prekären Arbeitsverhältnisses von Unternehmergattinen im eigenen Betrieb.

Dem Diktat von Steuerberatern folgend müssen hier Minijob's oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse eingegangen werden oder man wird gar zur Geschäftsführerin der Unter-, Schein- oder Neben- co.KG und davon kein Wort im Beitrag . . .

denoc 02.09.2010 | 18:06

Widerlich sind deine Kommentare hier! Es gibt tausende Internet-Plattformen, wo du Gleichgesinnte findest. Aber du musst ja dein rassistisches Gedankengut auch noch hier verbreiten, genauso wie ein paar andere User hier. Warum tust du den Lesern dieser Zeitung nicht den Gefallen und verschwindest von hier.
Gibt es im Internet kein einziges Plattform, wo man von solchen widerlichen Rassisten verschont wird? 65 Jahre hat es gedauert bis die Nazi-Diskurse wieder bei der Mehrheit der Deutschen Zustimmung findet.
Mir ist auch egal, wer was von mir denkt. Und ich habe keine Lust mich mit Rassisten inhaltlich auseinadersetzen. Die Meinung dieser Leute geht mir am Arsch vorbei! Ich schreib mir hier nur die Frust aus der Seele, weil ich es langsam unerträglich finde mit diesen Menschen zusammen in diesem Land zu leben.
Und jetzt könnt ihr mich aus der Community rausschmeißen!

merdeister 02.09.2010 | 19:18

Typisch Freitag! Es passt zu dieser Zeitung, sich die schwächsten unserer Gesellschaft herauszupicken und ihnen die Schuld an den Missständen in unserem Land zu geben.
Können Sie sich, Frau Winkelmann eigentlich annähernd vorstellen, wie es ist am Ende der Tagesschau, kurz vor dem Wetterbericht auf die Börsenberichte zu warten, um dann zu sehen, dass das Portfolio wieder 0,5% hinter den Erwartungen geblieben ist? Haben sie eine Ahnung vom Druck der Peergroup auf dem Golfplatz, wenn man der einzige ist, dessen Frau sich nicht davon überzeugen lässt, ihre Brüste...

Hach, das hat Spaß gemacht. Typisch deutscher Neid Humor. Ich gehe mich mal schämen.

Vielen Dank für den Artikel.

denoc 02.09.2010 | 20:33

Ich habe einige male, auch hier, versucht mich mit solchen Leuten inhaltlich auseinandersetzen. Vergeblich! Ich habe es aufgegeben. Hier in der Community werden doch immer wieder die gleichen langweiligen Debatten geführt, bei denen immer die gleichen Schlagworte auftauchen: "Gutmenschen, PC, Multikulti vs. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit etc." Gähn!
Ich bezeichne mich neuerdings selber als Gutmensch und Euch bezeichne ich als Schlechtmenschen. Die Diskussionen bringen nichts, aber die Fronten sind geklärt. Gutmenschen vs. Schlechtmenschen.
Und wenn die Schlechtmenschen diese Republik in die Vergangenheit zurück katapultieren wollen, dann werden wir Gutmenschen auch zur Tat schreiten! Und unsere Parole wird heißen: No Pasaran!

Giuseppe Navetta 02.09.2010 | 22:32

Vielen Dank!

...ach, Mensch...so manche Guthaben hätte selbstverständlich auch ich gerne, macht das Leben schließlich in manchen Bereichen doch wesentlich leichter und unbeschwerter...

...allerdings ohne den Preis "gehobener Mittelschichten" dafür zahlen müssen, deren ständig repräsentierter Distinktionswille, etwas Besseres sein zu müssen, sie eben gerade nicht von der von ihr verachteten "breiten und dummen" Unterschichtsmasse unterscheidet, deren Minderwertigkeitsgefühle wiederum sie ebenfalls in die Arme von nicht mit überbordender Intelligenz ausgestatteter Populisten treibt...

So finden sich die Menschen zusammen in einem Boot wieder, wo die eine Gruppe fast ihr ganzes Leben damit verbringen darf, ein paar Kröten hinterher zu rennen und die anderen vor lauter pekuniärem Überfluss nicht wirklich weiß, was sie gelangweilt damit anfangen soll. Zusammen in einem Europa der Staaten, deren politische Führungen die "soziale Frage" wirklich nicht "rafft"...

Sarrazin Co. haben etwas "forrest gump-mäßiges", denn schließlich sollte man sich ernsthaft fragen, ob ein Land, das einen solchen Notenbank-Executive hervorbringt, ein wirklich lohnenswertes Einwanderungsziel ist (...möglicherweise auch gerade deshalb!!!).

Magda 02.09.2010 | 23:57

Also über diesen Beitrag kann ich gerade noch lächeln.

Aber das geht jetzt über viele Folgen - mit den Reichen. Wie die ticken, dass die gern stiften...nee, nich stiften gehen, sondern Geld geben, dass die anders sind. ...Wie jetzt anders? Die müssen auch auf Klo und wenn sie im Bett liegen, sollten sie gut schlafen.
Ehrlich, mich interessieren die nicht so sehr, ich kenne keine reichen Leute und ich gönne ihnen alles, was sie haben. Von daher...weiß ich auch nicht. Was sich ändern muss, das sind politische Entscheidungen, das sind Strukturen, Mentalitäten, Verantwortungsbewusstsein.
Ja, ich weiiß, ist Satire - aber eben nicht so reich...an Humor.

chrislow 03.09.2010 | 13:14

Also, irgendwie will man einem Menschen, der unentwegt im selben Thema im Äther vorkommt, eine gewisse Liebe zum Detail unterstellen....
Aber Sarrazin (wie andere) möge man besser nicht bei dem Wort nehmen, desen Ton wir hören... wenn wir in uns horchen....!

In den beiträgen und Kommentaren (vor allem) wundert mich, dass niemand einen besonderen Teil dieser Thesen wahrnimmt. Nämlich das mit den Genen.
Entweder es scheinen alle überfordert und deshalb zufrieden mit dem Echo der Wissenschaft (das ach so viel vom Gen abhinge...) oder es scheint sich tatsächlich ein Glaube damit zu verbinden.

In der Hauptsache dient aber das Gen wohl nur als Ausweg aus der eigenen Unmöglichkeit und ... Faulheit dem entgegen zu treten.

Mich fasziniert noch immer die Nähe zu vergangenen Zeiten, wenn in der Welt über Gene gesprochen wird. Dieses Thema besitzt mir zu viel Diktat zur Hinnahme des "Schicksals", welches man mit dem jeweiligem "Mangel" verbindet.
Dafür hat "das" Mensch meiner Verachtung...

Wer im Hier und jetzt lebt, kann unmöglich annehmen, das sein Gen etwas einschränkt. Diese Thesen unterscheiden sich im Grunde von Gottesgläubigkeit überhaupt nicht.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit...

chrislow 03.09.2010 | 13:29

Was der beitrag vordergründig hergibt, scheint sich aber hintergründig immerzu zu begeben. Nömlich der Drang/Wille/Zwang zu Abgrenzung. Das kann man niemanden wirklich ankreiden. Ob der dann Reich oder Migrant sei.... Oder gar beides...!
Emo´s grenzen sich auch ab. Parteimitglieder, Fußballfans, Jeansträger, Kräutergartenverweigerer, .... und so weiter.

Corporate Design ist Abgrenzung - oder umgekehrt?

Nur die Hürde mancher Abgrenzung ist nicht so leicht zu überwinden - etwa Hautfarbe ...

Ansonsten stimme ichheute mit hm überein - das sich gelegendlich die Harmoniesucht im Portal durchsetzt. Nichts gegen Harmonie, ... aber sehr wohl gegen Sucht... was auch immer einer jetzt dabei erkennen und empfinden mag.
Es braucht nämlich kein Mensch Kommunities, wenn alle einer meinung wären....

SiebzehnterJuni 03.09.2010 | 14:03

das sind die Friedman-Fragen, die Sarrazin nicht beantworten wollte

►Aber was ich Sie fragen kann, ist Ihre Bemerkung vom Wochenende. Ich will das mal zitieren: Gibt es eine genetische Identität? Darauf antworten Sie: Juden haben ein bestimmtes Gen, das alle Juden gemeinsam haben. Auch Basken übrigens. Und das sie von anderen unterscheidet. Um welches Gen handelt es sich konkret?

►Ich frage noch einmal: Um welches konkrete jüdische Gen handelt es sich?

►Das ist streitig, Herr Sarrazin. Übernehmen Sie denn diese wissenschaftliche, ins Detail gehende These, die Sie nicht überprüfen konnten? Wenn Sie sagen, alle Juden haben ein bestimmtes Gen, dann übernehmen Sie eine bisher immer noch streitige wissenschaftliche Frage. Dann kommt aber, wenn Sie es übernehmen, für mich die Frage: Was bewirkt denn dieses Gen? Was macht das aus mir, ich bin ja ein Jude?

►Würden Sie auch heute noch sagen: Es gibt ein jüdisches Gen, das die jüdische Identität definiert?

►Also noch einmal: Juden haben ein bestimmtes Gen, das alle Juden gemeinsam haben. Das ist auch die Frage: Gibt es eine genetische Identität? Das ist jetzt wirklich wörtlich alles. Wir können es ja auch anders fragen: Gibt es ein christliches Gen?

►Ich stelle fest fürs Protokoll: Es ist von Ihnen nicht zurückgenommen worden, es gibt eine genetische Identität. Juden haben ein bestimmtes Gen, das allen Juden gemeinsam ist und sie von anderen unterscheidet. Das ist das eine. Aber Sie haben anscheinend Amnesie.

►Dann frage ich Sie noch einmal über das, was Sie jetzt gerade gesagt haben. Sie glauben also, dass man Christen, würde man ihr genetisches Material analysieren, unterscheiden könnte von Juden mit ihrem eigenen genetischen Material?

►Aber etwas anderes, was Sie gesagt haben, hat ja auch wieder mit Erbleistungen zu tun. Sie behaupten in Ihrem Buch, dass Gene und Erbmöglichkeiten der islamischen und muslimischen Bevölkerung ihnen eine andere, eine geringere Intelligenz hervorgerufen haben als anderen. Wie kommen Sie auf diese statistische Ermittlung des genetischen Apparates und Materials der Muslime?

►Das haben Sie nicht gesagt? Sie haben nicht gesagt, es gäbe eine Kausalität zwischen dem, was die muslimische Bevölkerung, die türkische Bevölkerung in Teilen an Erbmaterial hat und ihrem Bildungs- und Intelligenzniveau?

Columbus 03.09.2010 | 14:30

Frau Winkelmann,

Die Satire ist Ihnen gelungen und sie spiegelt tatsächlich das Vorgehen Thilo Sarrazins.

Der Trick bei der Abgrenzung von oben. Sie hat es geschafft, als natürlich, fast naturgesetzlich zu gelten und wird im Grunde von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung, übrigens auch vielen Wählern der Sozialdemokratie (Thilo Sarrazins Anhänger in der SPD), akzeptiert.

Es ging gut, weil ein Land wieder aufgebaut wurde und ein zweites Land sich anschloss, das vorher mit Gewalt abgetrennt war. In diesem Prozess gab es fast nur Gewinner, weil immer was abfiel.

Aber die weithin hingenommene Ungleichverteilung der erarbeiteten Vermögen und Besitztümer und der seit etwa zwanzig-dreißig Jahren viel mehr Kapital und ebenso mehr Profite und Besitz generierenden Finanz- und Anlagewirtschaft, wusste die Politik, absichtlich (Schröder-Müntefering-Clement-Fischer, Merkel-Steinmeier) oder eher unbewusst und aus Tradition (Kohl-Genscher, Merkel-Westerwelle) nichts entgegen zu setzen.

Das muss zu Verwerfungen führen und die Mauern der Privatreiche für Bildung und Erziehung, Kultur und Lebensverhältnisse wachsen sachlogisch und ungehemmt weiter.

Das kann noch eine Weile gut gehen, solange es gelingt, ganz klassisch, Bevölkerungsgruppen der Mittelschicht und der wachsenden Schicht der Armen (mit und ohne Arbeit) gegeneinander auszuspielen. So lange die sozialen Probleme prototypisch nur als Konflikt zwischen dem Angestellten, Beamten oder kleinen Freiberufler und einem Dauerarbeitslosen samt Anhang verstanden werden, so lange ändert sich nichts. - Dann kommt der Vorschlag Zwangsarbeit für Sozialleistung und Sozialhilfe natürlich aufs Plakat. Es ist im Grunde der kürzeste und auch kurz gedachte Weg und er bedient das weit verbreitete Ressentiment.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

little Louis 03.09.2010 | 14:57

Hallo Ulrike Winkelmann,
Ihr Text hat mich in der Tat ei wenig amüsiert- aber auch wieder nicht sooo sehr. Elaborierte Sprachkompetenz und lyrische Wortgewalt kann man ihnen nicht absprechen.Könnte auch von Reich- R. stammen. Doch so neu ist der Umdrehtrick als satirisches Stilmittel nun auch wieder nicht. Sovie zu Fragen derÄsthetik -- oder aber auch -
des schönen Scheins! Denn, wenn sich meine epische Verzückung wieder gelegt hat, frage ich mich:
Was wollten Sie mir damit eigentlich sagen? Wo ist die These, wo ist ein Argument? Oder war das eigentlich gar nicht wichtig, wollten eigentlich nur Stellung beziehen, ihrem gleichgesinnten Umfeld/ihrem Arbeitgeber signalisieren, dasss Sie auf der "richtige" Seite stehen?
Aufgeklärte, kritische Geister (auch "Linke") wissen schon lange: Was man überhaupt sagen kann, kann man klar sagen.
Was soll Z.B. ein unterpriveligierter Jugendlicher mit Ihrem Text anfangen?
Die lyrisch- epische Vernebelung der eigenen Gedankengänge
um sie gegen Argumente zu immunisieren ist weder aufklärerisch, noch links , sondern hat im "reaktionären" Lager
eine jahrhundertealte Tradition.(ganz typisch auch bei Hegel).Ironie (ich liebe sie) kann auch ganz schnell in Demagogie umschlagen.
Und von hier kriege ich ganz leicht die Kurve zum Kommentar von "denoc" um 16.06 Uhr:
Ersetzen Sie nur die dortigen Begriffe "rassistisch" und "Rassist"
durch das Wort "Jude" und Sie haben den reinsten " Stürmer"- Text von vor und nach 1933. In Hauptschulen (die ich kenne) ist "Jude"übrigens seit längerer Zeit wieder ein gängiges Schimpfwort bei einem Teil der "deutschen " Jugendlichen ,aber (vielleicht entgegen Ihren Erwartungen) auch bei nicht wenigen Jugenlichen mit islamischer Prägung.
Ich weiß, dass diese selbst "nichts dafür können". Wenn ich sie kritisiere,greife ich die ideologische Prägung an, nicht sie als Menschen! Übrigens: Die meisten Menschen handen human nicht WEGEN ihrer Religion ( oder als Religion praktizierter sonstiger "guter" Weltanschauung), sondern TROTZDEM.
Mit freundlichem Gruß,
little Louis

little Louis 03.09.2010 | 15:52

Habe leider erst jetzt gerade den Text von Magnus Klaue über Necla Kelec in "der Freitag" vom 22.04.2010 gelesen :
"Da war ja scho alles gschwetzt in dere Sarrazin-Diskussion" bin ich als Süddeutscher fast geneigt zu sagen.Ich empfehle jedem dringend, diesen jetzt 4 Monate alten Beitrag zum Kern(!) der jetzigen Debatte (nochmal) nachzulesen.
Nur ganz nebenbei:Ich bitte, die Tippfehler in meinem vorherigen Beitrag von 12.57 zu entschuldigen. So " is des halt mit denne Schnell- blogggs, gell? "

kini 03.09.2010 | 19:25

Der Artikel trift den Nagel auf den Kopf! Nicht die Masse der Integrationsunwilligen mit und ohne Deutschen Pass ist das Problem, sondern die zunhmende Spaltung der Gesellschaft durch ungleiche Vermögens- und Einkommensverteilung.

Beispiel: Wenn 2007 auf einer Kinderparty mit 10 Kindern der dicke Lukas, Chef der berüchtigten Pausenhof-Dreierbande "The self-indulgent Whoppers", sechs der 10 Tortenstücke bekommt, seine zwei Gangmitglieder nochmal drei und sich die restlichen sieben Partygäste um das verbleibende Stück streiten müssten, wobei vier nichts bekommen und ihnen sogar noch die Limo genommen wird, was wäre da wohl los...? Die Party wäre schnell vorbei.

In Deutschland spielt sich eben dies im Monopoly des korporativen Sozialismus (der Monopolist ist am Ende kein Staatsbetrieb, sodnern ein Unternehmer, der den von seinen Arbeitgebern erwirtschafteten Gewinn für sich nimmt) ab. Bloß, dass der dicke Lukas sich in seine Villa verschanzt und von dem wachsenden Unmut der leer ausgegangenen Leute nichts mitbekommt und sein Geld zählt.

Es ist Zeit, wieder eine Balance zwischen den Nationen und darin den echten Arbeitgebern(Angestellte) und den Arbeitnehmern (Firmen) zu finden. Nur so lässt sich in Deutschland langfristig der Wohlstand halten und etwas Gerechtigkeit auf der Erde erzeugen.

denoc 04.09.2010 | 01:23

Hallo Louis,
ich muss nochmal nachhaken.
Wenn man nach Ihrer (Un-)Logik im Text von Frau Winkelman den dortigen Begriff "Reiche" durch Juden ersetzt, dann haben Sie den reinsten "Stürmer"-Text von vor und nach 1933.
Bitte erklären Sie mir wie sie den Zusammenhang konstruiert haben. Ihr Beispiel entbehrt jeder Logik und ist deshalb absurd. Falls ich Sie falsch interpretiere, dann entschuldige ich mich im Voraus.

Herzlichen Gruß
Denoc

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Ehemaliger Nutzer 04.09.2010 | 02:43

Der Artikel hat mich wunderbar unterhalten: sprachlicher Witz, gute Beobachtungsgabe, böse Sprüche.... Vielen Dank.

Erkenntnisfördernd für mich war der Perspektivenwechsel von Frau Winkelmann. Nicht der hochbezahlte ARD-, ZDF-, Spiegel-, FAZ-Redakteur, Arbeitgeber-Präsident,.. veröffentlicht seine politisch-korrekte aber nichtsdestoweniger stark (ab)wertende Analyse der sozialen Probleme von ihm so eingeordneter Randgruppen. Mit dem dort üblichen Vokabular ist es eben genauso möglich über Reiche oder Oberschicht-Journalisten zu sprechen. Es geht in dem Artikel gar nicht um eine soziale Analyse, was das ist - ein "Reicher". Diese Sprache wird üblicherweise auf die schlechter gestellten Schichten angewendet. Das Schema passt aber auch auf die besser gestellten. Das ist für mich die Botschaft, die die Autorin sehr geschickt transportiert. Und so ist der Artikel originell, emotionalisiert und weckt Interesse für das Thema.

Mit der Analyse befassen sich dann die anderen Artikel auf der Seite.

Warum "mh" gegen die Parodie so auf der inhaltlichen und analytischen Ebene abfährt und fundamentale Urteile fällt >>>man landet wieder nur bei der erkenntnis, dass der freitag nichts mitzuteilen hat, was von gesellschaftlicher relevanz ist verstehe ich nicht.

Das ist die klassische Heißluftballonfahrerposition: Sandsäcke abwerfend Urteile fällen. So als wäre der Heißluftballonfahrer nicht Teil des Meinungsgetümmels, sondern hätten den totalen Überblick. Genau diesen Habitus zerlegt das Sprachspiel von Frau Winkelmann in seine banalen Einzelteile und schraubt diese neu zusammen.

Getroffene Heißluftballons zischen.

Schackerbilly 04.09.2010 | 12:08

Die Beobachtungen des Artikels sind gut und richtig, aber dennoch stellt sich eine Frage: Wie passt ein Sozialdemokrat wie Thilo Sarrazin in das Bild? Ohne einmal mehr die nur zu bekannten Beamtenklischees heraufbeschwören zu wollen, muss man doch festhalten, dass es dieser Gruppe ebenfalls recht gut gelingt, sich von den Problemen des Alltags abzuschotten. Sicher, Beamte verfügen nur selten über stolze Villen. Auch phillipinische Kosmetikerinnen gehören nicht zu ihrer Grundausstattung. Aber eine unkündbare Stellung, eine sichere Alterversorgung, ein durch und durch anständiges Einkommen, großzügige Urlaubsansprüche, die Möglichkeit der privaten Krankenversicherung und die Beihilfe sind ein Luxus, der für die meisten Menschen keineswegs selbstverständlich ist. Bergen vielleicht auch diese Privilegien die Gefahr der gesellschaftlichen Desintegration?

Exilant 04.09.2010 | 17:23

@denoc: "Ich habe versucht........mich mit diesen Leuten inhaltlich auseinanderzusetzen."
Deren Strategie ist, daß Andersdenkende resigniert aufgeben, damit sie die Lufthoheit über die Blogs gewinnen; deshalb drehen sie deine inhaltliche Argumente um, mißverstehen sie oder werten sie in beleidigender Form ab, bis es einem zu blöd wird, auf sie einzugehen.

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Ehemaliger Nutzer 04.09.2010 | 18:03

@Magda:

auch meine Zustimmung hast du. Das derzeitige Bewusstsein der meisten Menschen ist nunmal nach den 'Mehr-Mehr-Mehr' Prinzip geprägt. Das mag in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich stark ausgeprägt sein, aber ist dennoch Grundlage ihres Handelns.

Das bedeutet, wenn hier eine finanzielle Umverteilung stattfindet (ob nun "nur" in Deutschland oder Global), das käme einem ökologischen Desaster gleich. Einen guten Anhaltspunkt bietet zum Beispiel China. Die boomende Mittelschicht und die Städte. Da wird eine Konsumsucht nachgeholt, dass ökologisch denkenden Menschen die Haare zu Berge stehen.

Auch wird durch Soziologen beobachtet wie egozentrierte Handlungsweisen zunehmen, sobald finanzieller "Wohlstand" vorhanden ist.

Es ist also demnach egal wer die Moneten hat. Ob es die 'von und zu' sind oder jemand der es durch Glück und Arbeit dazu gebracht hat. Die Verhaltensweisen sind ähnlich. *meins-meins-meins* das geb ich nicht her"

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Ehemaliger Nutzer 04.09.2010 | 23:38

@ Exilant am 04.09.2010 um 15:23 @denoc

>>>>Deren Strategie ist, daß Andersdenkende resigniert aufgeben, damit sie die Lufthoheit über die Blogs gewinnen; deshalb drehen sie deine inhaltliche Argumente um, mißverstehen sie oder werten sie in beleidigender Form ab, bis es einem zu blöd wird, auf sie einzugehen.

Warum tun sie das? Wer sind "deren"? Sind das Mietmäuler aus PR Abteilungen? Sind SC wie diese hier tatsächlich so wichtig, dass jemand Ressourcen für deren Destruktion bereitstellt?

SiebzehnterJuni 04.09.2010 | 23:52

Werner A.Perger in der ZEIT;

"...Islam-Debatte
Sarrazin ist nicht der deutsche Wilders

Überall in Westeuropa warnen Rechtspopulisten vor der Islamisierung des Abendlandes. Doch Sarrazins Vulgärdarwinismus ist auch für sie neu.

© Miguel Villagran/dpa
Einbürgerungs-Zeremonie in Berlin Neukoelln

Einbürgerungs-Zeremonie in Berlin Neukoelln

Ist es so weit? Kriegt auch Deutschland so eine neue Rechtspartei, die keiner braucht, die jedoch fast überall, ob groß, ob klein, den politischen Boden in Europa umwühlt? Radikalpopulismus, völkisch und abendländisch, unikulti und antiislamisch, patriotisch und antipolitisch, bald auch in diesem Theater?
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Gemessen am Ausmaß des Medientumults um den Provokateur Thilo Sarrazin und dessen Stunt-Nummer als Hüter des deutschen Erbguts und Genpools könnte man meinen, die Zeit sei reif für einen wie ihn. Schon sammeln sich neue Freunde um den Noch-Sozialdemokraten, voran deutsche Rechtsextremisten und Neonazis, namentlich die NPD.

In Österreich freut sich die FPÖ des vor gut zwei Jahren tödlich verunglückten Rechtspopulisten Jörg Haider. Die Aktivisten dieser unverhohlen fremdenfeindlichen Partei am rechten Rand der europäischen Demokratien berufen sich jetzt in ihren Regionalwahlkämpfen auf Sarrazins Botschaft von der drohenden Islamisierung Europas und der damit einhergehenden schleichenden Verdummung der Einheimischen. "Sarrazin statt Muezzin" ist die Parole.
SPD-Kreisverband beschließt Ausschlussverfahren gegen Sarrazin

Nach dem Antrag der Bundesbank zur Abberufung ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin gerät dieser auch in seiner Partei immer stärker unter Druck.

Ist Sarrazin derjenige, der in Deutschland aus den rechten Unterströmungen eine rechte Bewegung wieder auferstehen lässt? Immerhin sind nicht wenige Politiker und Kommentatoren überzeugt davon, dass dem nationalradikalen Potenzial nur ein Anführer fehlt, der es weckt, auf dass es – wieder – zur realen politischen Kraft werde. Seit Beginn des Jahrhunderts wird im konservativen Elitenmilieu geraunt, meist bange, da und dort aber auch hoffend: "Wenn Deutschland einen Haider hätte..."

Sarrazins Themen und Thesen passten zum Anforderungsprofil eines "Deutschland-Erwache!"-Tribuns. Das Märtyrer-Image der verfolgten Unschuld, mit dem sich Europas rechtspopulistische Umrührer gern schmücken ("man wird ja wohl noch sagen dürfen..."), hat er schon.

Dass er aber "der deutsche Haider" werden könnte, wird kaum jemand glauben, der ihn ein wenig kennt und gelegentlich in Aktion erlebt hat. Der Mann ist eigentlich nicht dauerhaft integrierbar. Eine von ihm geführte politische Gruppe, Partei oder Bewegung würde alsbald implodieren, was bei rechtsradikalen Organisationen ohnehin nicht unüblich ist und in deren Geschichte nicht selten von Mord und Totschlag begleitet war. Unmittelbare politische Gefahr für die Demokratie geht von diesem habituellen Provokateur insofern keine aus.

Was der Mann vom rechten Flügel der deutschen Sozialdemokratie aber bewirkt hat, ist dennoch nicht zu unterschätzen: Er hat eine politische Schneise geschlagen und die Verbindung hergestellt zwischen dem in der "besseren Gesellschaft" verborgen wabernden Salonrassismus und der etwas raueren Stammtisch-Fremdenangst, die der wichtigste Rohstoff für die zum Teil sehr erfolgreichen antidemokratischen Kampagnen der europäischen Rechtspopulisten ist.

So gesehen ist der Noch-Bundesbanker daher auch schlimmer als der inzwischen weit über die Niederlande hinaus bekannte ex-liberale Rechtsparteigründer und Anti-Islam-Kreuzzügler Geert Wilders aus Den Haag. Vor Überfremdung, Islamisierung und "Selbstabschaffung" des Abendslandes warnt auch er. Damit ist seine Partei, die im Prinzip nur aus ihm selbst besteht, zur drittstärksten Fraktion im Parlament geworden. Aber ein genetischer Intelligenzverlust der christlichen Niederländer als Folge des Zuzugs von Andersgläubigen ist ihm bisher noch nicht eingefallen.

Dazu brauchte es Sarrazin. Einer der Vordenker der holländischen Sozialdemokraten, der Sozialwissenschaftler René Cuperus vom Thinktank Wiardi-Beckman-Stichting, schreibt zwar, nun sei auch Deutschland von der alles zertrümmernden Debatte des "Drei-I-Komplexes" (Immigration, Integration, Islam) erwischt worden. So weit so gut. Doch aus seiner Sicht hat Sarrazin die Debatte über die Rolle des Islam und der Moslems in Europa nun in eine neue, gefährlichere Dimension geführt: in die Dimension des Rassismus...."

little Louis 06.09.2010 | 00:13

Hallo denoc,
gerade habe ich mal kurz überlegt, ob ich halluziniere und nochmal zur Sicherheit Ihren Text (hier) vom 02.09.2010 nachgelesen. Erlauben Sie mal,dass ich auszugsweise zitiere, was Sie über Meinungsgegner verbreiten:
- widerliches Gedankengut
-verschwinde hier
-widerlicher Rassist
Meinungen anderer gehen Ihnen "am Arsch vorbei"
Sie finden es unerträglich, mit Meinungsgegnern im selben Land zu leben. (Kenneich aus den 60ger/70ger Jahren in der Form: "Geht doch rüber...")
Sollte das etwaironisch gemeint sein?
Habe ich das alles irgendwie falsch verstanden und Sie sind in Wirklichkeit ein verkannter humanistischer, toleranter Menschenfreund? Wie kann kann man als (ich vermute mal) Linker wie ich Leute anderer Meinung so zur Sau machen? Das hat doch zunächst mal mit den Inhalten überhaupt nichts zu tun!
Ich lese, Sie fühlten sich nach diesem Frustablassen dann wirklich gut.
Das bringt uns alle in der Debatte dann ja wirklich weiter, denn die Vielzahl und Qualität der Argumente und ihre durchdachte Formulierung überzeugt uns jetzt ja voll.Wir Linke fühlen uns jetzt wieder ganz warm und kuschelig in unserer Gemeinschaft und wissen ganz genau, wo die Bösen sitzen.
Ich habe übrigens gerade den halben Nachmittag damit verbracht, den blog von "der Donnerstag" zum Thema "Linke Identität" ("Die dümmsten Ideen setzen sich durch") gelesen. (leider erst heute).Mit dem Verweis auf diesen Text und die ausführliche Debatte ist eigentlich alles gesagt. Ein Mindestmaß an kritisch- rationalem Denken in Vebindung mit einem aufgeklärt- humanistischen, naturalistischen Menschenbild ist die absolute Grundvoraussetzung für vernünftige und nachhaltige LINKE Politik. Der Rückfall in schwärmerischen Illusionismus mag zwar Ihren individuellen Frust beseitigen,schadet aber dem humanen (linken! ) Anliegen am allermeisten.
Das alles ist übrigens "nix Neues" sondern ist schon seit spätestens Ende der 70ger Jahre ausdiskutiert.

Mit freundlichem Gruß,

little Louis

SiebzehnterJuni 06.09.2010 | 01:00

nach der unsäglichen Quatscherei bei Anne-Will:

ich glaube, ich lebe in einem Land von Menschen, deren Ausländerhass bei hinreichendem Alkohol und Stimulation durch Medien und Rassisten aus dem tiefsten Unterbewusasten an die Oberfläche gelangt.

Man lese nur die Zeitungen und Leserbriefe aus den Jahren 1920 bis 1933 und man findet exakt die Worte und Sprache, die jetzt bei einer Masse von Foristen auftaucht.

Man könnte meinen, es gibt ein deutsches "Ausländer-Raus"-Gen.

Vor 30 Jahren habe ich 6 Monate in Heidelberg eine Wohnung für meine Frau und mich gesucht. Da meine Frau aus Rumänien ist udn schwarze Haare hat, haben wir erst eine Wohnung erhalten, als wir sagten, sie sei aus Frankreich!!!!!

Wenn man die Sprüche der Vermeiter aufgezeichnet hätte, hätte man die Mehrheit wegen Beleidigung und Volksverhetzung vor Gericht bringen können.Diese Erlebnisse haben damals bei mir zum Austritt aus der CDU geführt..

Und was hat sich geändert? Nichts, im Gegenteil! Heute quatschen die Rechtsradikalen und Rassisten in Talkshows, wofür sie früher in den 70er Jahren aus dem Job geflogen wären und Berufsverbot erhalten hätten!!!

denoc 06.09.2010 | 04:24

"Erlauben Sie mal,dass ich auszugsweise zitiere, was Sie über Meinungsgegner verbreiten:
- widerliches Gedankengut
-verschwinde hier
-widerlicher Rassist
Meinungen anderer gehen Ihnen "am Arsch vorbei"
Sie finden es unerträglich, mit Meinungsgegnern im selben Land zu leben"

1. MH hat die Artikel von Frau Winkelmann und Herrn Jäger als "widerliche" Pamphlete genannt. Ich habe lediglich sein Vokabular übernommen und gegen ihn gerichtet. Warum kritisieren Sie MH nicht dafür, dass er in Bezug auf die Artikeln von Frau Winkelmann und Herrn Jäger das Wort "widerlich" benutzt. Ihre Doppelmoral stört mich!

2. Er hat außerdem der Freitag attestiert, nichts mitzuteilen, was von gesellschaftlicher Relevanz wäre. Dann frage ich mich, warum er hier ausharrt und nicht verschwindet. Hat er nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen als Texte zu lesen, die keinen gesellschaflichen Relevanz haben?

3. Mein Rassismus-Vorwurf muss in der Tat erläutert werden. MH hat hier keinen rassistischen Standpunkt vertreten, darum ist mein Vorwurf an dieser Stelle in der Tat deplatziert. Jedoch kenne ich MH schon etwas länger und er hat in der Vergangenheit in der Community offen rassistische Standpunkte vertreten (Die Stellen kann ich Ihnen versuchen rauszufinden) Ich weiß, das er ein glühender Anhänger von Sarrazin ist und etwas gegen Türken und Moslems hat. Er ist für mich kein Meinungsgegner, weil für mich Rassismus keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen. Wenn Sie sich mit diesen Leuten inhaltlich aiseinandersetzen möchten, bitte sehr. Aber ich mache da nicht mit!

4. Rassisten kann man von mir aus auf den Mond schießen. Sie können verschwinden, ich würde sie nicht vermissen. Und kommen Sie mir nicht mit den 70´ér Jahren und dem Antikommunismus in der BRD. Sie vergleichen Äpfeln mit Birnen. Ich habe damals nicht gelebt und merken Sie nicht, dass Sie genau diese Art von Leuten in Schutz nehmen, die Sie in Ihrem Beispiel erwähnt haben. Damals sollte die APO nach "drüben" gehen und jetzt sollen die Türken nach Anatolien verschwinden. Ihre verquere Logik verstehe ich nicht.

5. Ich bin nicht nur ein "irgendwie" Linker, sondern auch ein Kind von türkischen Gastarbeitern. Ich erlebe wie Türken und Moslems von großen Teilen der deutschen Mehrheitsgesellschaft täglich beleidigt und diffamiert werden. Möchten Sie in meiner Haut stecken? Auch wir haben eine Würde, die von großen Teilen der Mehrheitsgesellschaft von Tag zu Tag verletzt wird. Im GG hat die Menschenwürde den obersten Verfassungsrang, vor der Meinungsfreiheit! Sie als vermutlich Bio-Deutscher können ganz unbeschwert mit ihren "Meinungsgegnern" über unsere Köpfe diskutieren! Vielleicht verstehen Sie jetzt warum meine Reaktion so derb ist.

6. Sie haben versucht eine Ähnlichkeit zwischen meinem Kommentar und den Stürmer Texten vor und nach1933 zu konstruieren. Ich habe mich erschrocken und habe mein Kommentar immer und immer wieder gelesen. Hätten Sie mich davon überzeugen können, dann hätte ich jegliche Selbsachtung verloren, denn das ist der härtesteste Vorwurf, der imir je gemacht wurde habe und steht diametral meinen Überzeugungen entgegen. Aber auf meine Nachfrage haben Sie in Ihrer Antwort ihre These in keinster Wiese untermauern können. Sie haben es nicht einmal versucht! Sie sollten sich schämen!

weinsztein 06.09.2010 | 05:47

Was bleibt, 17.06.?

schön, dass Sie damals die CDU verließen.

Und nun ...? ... sind Sie SPD-Mitglied und hier ein eifriger Kämpfer gegen die Linkspartei, reden über Talk-Quatscherei und ahnen rechte Neugründungen.

So wünsche ich mir die Freitag-Community. Klug, widersprechend und widersprüchlich, konsenzorierentiert, versöhnlich, wütend - so eine Heimat bildend. Da ist man zu Haus.

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 09:34

@Querdenker
Wenn dieser eher peinliche Neid-Artikel eine besonders geistreiche Replik auf Sarrazin sein soll, hat er das Ziel weit verfehlt.

Neid? Wo entdeckst du Neid in diesem Artikel?

PS: Ich glaube, ich habe zwei oder drei "verschiedene Sorten Meersalz mit französischen Etiketten": bin ich schon gefährdet?

Von Richard Burton, dem alten Saufkopf, geht die Sage, er habe einst in einer Bar einen russischen Wodka bestellt und den Barkeeper besorgt gefragt, ob das wirklich russischer Wodka sei, den er ihm einschenke. - Ob er guten russischen Wodka von gleichgutem Wodka anderer Herkunft geschmacklich unterscheiden könne, fragte der Barkeeper zurück. - Äh, nein, erwiderte Burton, das könne er natürlich nicht. - Na also, antwortete der Barkeeper, dann sei es ja wurscht, und goß ihm Wodka ungeklärter Herkunft ein.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 09:38

@MeisterderO
Menschen die dermassen abgehoben und isoliert von der Mehrzahl der Menschen leben, haben logischerweise eine völlig andere, surreale Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realitäten und kommen auch zu falschen Schlussfolgerungen.

Bei Bewohnern von Klapsmühlen ist dies ähnlich. Allerdings treffen Insassen von Klapsmühlen in der Regel nicht jene Entscheidungen, die unser aller Leben bestimmen.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 09:44

@mh
es wird übrigens niemand ein problem damit haben, wenn sich die reichen in deutschland erheblich vermehren und die armen verdrängen. o_O

"Ich sehe dies System, und äußerlich
Ist's lang bekannt, nur nicht im
Zusammenhang! Da sitzen welche, Wenige, oben
Und Viele unten, und die oben schreien
Hinunter: kommt herauf, damit wir alle
Oben sind, aber genau hinsehend siehst du was
Verdecktes zwischen denen oben und denen unten
Was wie ein Weg aussieht, doch ist's kein Weg
Sondern ein Brett, und jetzt siehst du's ganz deutlich
's ist ein Schaukelbrett, dieses ganze System
Ist eine Schaukel mit zwei Enden, die voneinander
Abhängen, und die oben
Sitzen oben; nur, weil jene unten sitzen
Und nur solang jene unten sitzen, und
Säßen nicht mehr oben, wenn jene heraufkämen
Ihren Platz verlassend, so daß
Sie wollen müssen, diese säßen unten
In Ewigkeit und kämen nicht herauf.
Auch müssen's unten mehr als oben sein
Sonst hält die Schaukel nicht. 's ist nämlich eine Schaukel."
BERT BRECHT: "DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE"

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 11:40

@little Louis
Doch so neu ist der Umdrehtrick als satirisches Stilmittel nun auch wieder nicht.

Es wird schwerhalten, fürchte ich, mit einem wirklich neuen Stilmittel zu brillieren. Spätestens die Römer haben alles kartographiert, was es an rhetorischen Tricks nur geben kann.

Denn, wenn sich meine epische Verzückung wieder gelegt hat, frage ich mich:
Was wollten Sie mir damit eigentlich sagen?

Das frägst du dich? Ernsthaft? Nicht mitbekommen, um was es geht?

Ironie (ich liebe sie) kann auch ganz schnell in Demagogie umschlagen.

Wenn ich Auto fahre kann ich ganz schnell in einen Unfall verwickelt werden. Sein kann viel, wenn du den Eindruck hast, der Artikel transportiere Demagogie, mögest du dies bitte - wenigstens ansatzweise - nachweisen. Du kannst meine Fahrweise auch nicht durch den allgemeinen Hinweis auf die Unfallgefahr kritisieren.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 11:43

@Columbus
Dann kommt der Vorschlag Zwangsarbeit für Sozialleistung und Sozialhilfe natürlich aufs Plakat.

Na ja, "natürlich". Erwin ist arm, denn Erwin ist arbeitslos. Es gibt so wenig Arbeit und so viele Erwins. Erwin, find dich ab, es gibt keine Arbeit. Und als Erwin sich gerade damit abgefunden hatte, keine Arbeit zu finden, kommen sie daher und sagen: "'Ällabätsch, Erwin, wir haben doch Arbeit und zwar einen Riesenhaufen davon. Also, sei so nett und arbeit für ein paar Euro, damit du dir dein Dasein als weiterhin Arbeitsloser auch verdienen tust."

Daß Erwin allmählich den Eindruck bekommt, er lebe in einem Irrenhaus und die Irren seien die Wärter, darf niemanden wirklich verwundern.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 11:44

@Rapanui
Warum "mh" gegen die Parodie so auf der inhaltlichen und analytischen Ebene abfährt und fundamentale Urteile fällt >>>man landet wieder nur bei der erkenntnis, dass der freitag nichts mitzuteilen hat, was von gesellschaftlicher relevanz ist verstehe ich nicht.

Ich schon. Der Artikel trifft den wunden Punkt zu genau.

Getroffene Heißluftballons zischen.

So ist das, ja.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 11:46

@SiebzehnterJuni
...Sarrazins Botschaft von der drohenden Islamisierung Europas und der damit einhergehenden schleichenden Verdummung der Einheimischen.

Haben wir das nötig? Wir schaffen die Verdummung der Einheimischen auch ohne Islam.

Seit Beginn des Jahrhunderts wird im konservativen Elitenmilieu geraunt, meist bange, da und dort aber auch hoffend: "Wenn Deutschland einen Haider hätte..."

Fährt Sarrazin einen Phaeton? Wenn nicht, sollten wir alle zusammenlegen.

Ciao
Wolfram

BanaBab 06.09.2010 | 12:18

@
Wir Reichen finden Ihre Satire Frau Winkelmann gelungen! Kommentatoren wie ein @mh oder @der Donnerstag haben offenbar Probleme mit sich selbst da Humormangel. Sie haben nicht verstanden dass wir Reichen gegen Kritik, Neid, Missgunst obstinat sind aber uns gerne mitamüsieren wenn das uns zuarbeitende Fussvolk uns karikiert:-)

Die unglaubliche Hummel 06.09.2010 | 13:44

Liebe Frau Winkelmann,
wie kommt man denn an den Wein? Muss man da durch´s Loch klettern oder dient das zur Beobachtung des Gastgebers, wie er den edlen Tropfen aussucht? Kann man da auch mit Nüssen werfen? Tief unten in die Eingeweide der Festung. Dort befinden sich auch die Computer, welche die Kameras, Bewegungsmelder, den stummen Alarm und das Tor bedienen. Die haben Sie ganz vergessen. Einen Panikraum gibt es da auch, man weiß ja nie, ob sich der Besuch benimmt…
Aber die Elite hat es schon schwer bei so viel Neid der Minderleister. Wie soll man da noch Zeit zur Integration finden? Solch sturköppigen Gutmenschen wie hier beim Freitag können Sie doch nicht in angemessener Zeit die Vorzüge des Feudalismus, das harte Leben der Großbürger und das noch viel Härtere ihrer Frauen erklären. Die kapieren das nie.

Querdenker 06.09.2010 | 19:19

Der Barkeeper soll ihm Brennspiritus eingeschenkt haben. Saufköpfe machen da in der Regel keinen Unterschied aus, ist für den Alkoholpegel im Blutkreislauf auch nicht so wichtig. Die sollten aber trotzdem besser aufs Etikett schauen, bevor sie den Mund aufmachen. Da steht nicht nur drauf wo's herkommt, sondern auch was drin ist, und - nicht in jeder Flasche mit kyrillischen Buchstaben ist auch Wodka drin!

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Ehemaliger Nutzer 06.09.2010 | 23:04

@ Hamster am 05.09.2010 um 02:45

Das meine ich nicht mit "langweilig". Das ist ja ein Problem was Sie lösen mussten und es eben auf diese Weise taten. Dazu steht mir kein Urteil zu.

Ich deutete Ihren Satz so, dass Sie nun gleich von der großen Freiheit in Iowa, Lappland, Shanghai oder Dublin schwadronieren werden und von der Diskussion Reichtum/ Armut genervt sind. Diese Dikussion aber finde ich dringend notwendig, weil diese in den bewusstseinsformatierenden Medien eher folkloristisch behandelt wird.

götz hach 07.09.2010 | 02:41

Multi-Kulti oder Parallelgeselschaft?

Ich war bei der Lektüre des Artikels höchst amüsiert. Die größtenteils blödsinnigen Vorwürfe gegen die Unterschicht gegen die Oberschicht zu wenden ergibt eine herrliche Satire. Als solche hat mir der Artikel gefallen. Da er jedoch nicht als Satire gekennzeichnet war, ist er auch ein Stück weit erschreckend.
Sowohl Unterschicht als auch Oberschicht haben teilweise das Recht in Parallelgesellschaften zu leben. Wenn die Oberschicht gerne Golf spielt soll sie das tun! In Deutschland muss keiner dursten, weil der Wasserverbrauch von Golfplätzen sehr hoch ist. Bei privater Bildung endet der Spaß allerdings. Da wird die Satire bitterernst. Wenn die verschieden Schichten der Bevölkerung sich nicht einmal mehr in der Schule begegnen, können sie sich auf Dauer auch nicht gegenseitig respektieren oder verstehen lernen. Das ist eine üble Entwicklung unserer Gesellschaft.
Ich finde es gibt ein Recht auf Paralellgesellschaft und eine Pflicht zur Integration. Das Recht darf die Politik nicht beschneiden. Die Pflicht darf nicht über das Ziel hinausschießen. Beide, Herr Sarazin und Frau Winkelmann schießen über das Ziel hinaus.

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Ehemaliger Nutzer 07.09.2010 | 09:28

@ Götz Hach 07.09.2010 um 00:41

Aber der Sarrazin der hat angefangen, gell ? Und dann darf die Frau Winkelmann auch mal was austeilen. Auch stehen noch andere stramme Jungs hinter dem Frechdachs Sarrazin und feuern den an. Wenn der so weiter macht, gibts bald Klassenkeile* und das wollen wir doch alle nicht. Nuwohr.

(* umgangssprachlicher Begriff für Gewalt gegen Mitglieder eines sozialen Verbandes, die das durchschnittliche Level ausschließlich eigennützig für ihren persönlichen Vorteil anheben wollen)

Skepsis 08.09.2010 | 16:25

Guter Artikel. Wurde höchste Zeit das diese unliebsame Wahrheit endlich einmal ausgesprochen wurde - von den linientreuen Medien des Mainstreams ist diesbezüpglich ja nichts zu erwarten.

Denn wenn man diese Realitäten artikuliert, wird man ja gleich als Kommunist beschimpft und die "DDR-Keule" ausgepackt!

Ich finde Frau Winkelmann sollte darüber ein Buch schreiben - es sollte mit zahlreichen alarmierenden Statistiken gespickt sein.

PETERLINZ 08.09.2010 | 18:13

42% aller wahlberechtigten Deutschen beziehen 50 oder mehr % ihres Einkommens direkt aus einer der staatlichen Renten- oder Fürsorgekassen. Die Hälfte oder mehr bezahlt keine Steuern. Wer finanziert eigentlich diesen Sozialstaat? Es ist schon erstaunlich wie in Deutschland gebildete Menschen mit solchen umgehen, die diesen ganzen Staatsapparat finanzieren.

Skepsis 08.09.2010 | 22:21

Was meinen Sie mit "zahlen keine Steuern"? Die Mehrwertsteuer zahl jeder der konsumiert. Diese indirekten Steuer (wie eben die Mehrwertsteuer) sind inzwischen die Haupteinnahmequelle des Bundeshaushalts und auch der Ländeshaushalte.

Die Mehrwertsteuer wird besonders von Mittel- und Geringverdiener aufgebracht.

Merke: Je niedriger das Einkommen desto höher die Konsumquote - je höher das Einkommen desto höher die Sparquote (Absolute Konsumhypothese nach Keynes u. Smith-Kuznets).

Übrigens hielte ich es für mehr als gerechtfertigt, wenn diejenigen, denen ein Großteil des hiesigen Vermögens gehört, sich auch angemessen an der Finanzierung des Staatswesens beteiligten und sich endlich hierzulande integrieren würden.

Cassandra 17.09.2010 | 16:06

Liebe Ulrike Winkelmann, liebe Redaktion,

ich fand die Aktion richtig klasse. Um so mehr musste ich lachen, als ich gestern Abend die "Spaßfraktion" im WDR hörte. Schon vom Titel her war mir klar, dass das Thema "Integration" genauso aufgegriffen wurde wie hier und gegen Beginn dachte ich zuerst noch, man würde vlt. auf Sie verweisen. Nun, war dann doch nicht.

Ich nehme aber ganz stark an, dass da jemand von Ihnen abgeschaut hat. Zwar kann nicht nur der Freitag auf diese Idee kommen, aber dies hier hat ja so begeistert, dass es selbst jetzt immer noch ab und an über Twitter geistert - die Kollegen vom WDR werden es nicht übersehen haben können...

Ich würde mich freuen, wenn öfter solch kreative Umsetzungen des Wochenthemas erschienen.

Liebe Grüße,
Cassi

melanie klein 14.05.2011 | 13:07

herzlichen glückwunsch zur auszeichnung. ich finde den artikel gut geschrieben.
allerdings frage ich mich zweierlei: seit bourdieu wissen wir, dass wir in unserem habituellem verhalten determiniert sind und dieses - mit abweichungen zwar - ständig reproduzieren. das äußert sich immer in geschmacks- und lebensstilfrage.
was sie hier beschreiben, ist eben eine art lebensstil- und doch: wo nehmen sie die ganzen informationen eigentlich her? und sind diese wirklich so generalisierbar? ich verstehe die übertreibung sicher als mittel, auf etwas hinzuweisen.
doch - und da komme ich zu meinem zweiten punkt: meinen sie die anderen schichten leiden nicht unter ihren lebensstilen? was ist denn die "normale kindheit" auf die jeder einen anspruch hat.
nimmt man ihren subtext, dann wohl die der bürgerlichen mitte. die golflehrerkinder, aber nicht die der phillipinos.
glauben sie nicht, dass das auch ein wenig bürgerlichkeitszentriertes wahrnehmen ist?
zumal diese mittelschicht auch nicht mehr so sorglos ist, wie sie definiert wird.
dennoch finde ich den text gut, da er den sozialen wandel beschreibt, der die soziale frage wieder zur zuspitzung treibt. allerdings finde ich ihn auch bedenklich, da auf eine, ich sage mal: irgendwie gefühlte ebene eine genugtuung befriedigt. nach dem motto: ein glück, den da oben gehts ja auch dreckig. nichts erstrebenswertes. doch genau dieses abgrenzungsgebaren, das ich dem text unterstelle, führt auch dazu, eine soziale ungleichheit zu manifestieren.

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Ehemaliger Nutzer 15.05.2011 | 21:46

Treffende und zudem unterhaltsam - gekonnt geschriebene Aufspießung der alltagspraktisch integrationsunwilligen "Elite" hierzulande.

Als jemand der mit deren Kindern, folglich auch mit den Müttern - manchmal auch den Vätern, beruflich zu tun hatte, muss ich Frau Winkelmann aber darauf hinweisen, dass der satirische Kern - wie leider oft - inzwischen von der Wirklichkeit schon überholt wurde und sich z.B. bei Politikern und Promis noch deutlich extremer darstellt.

Was diese Klientel, welche stets am Höchstbeitrag für Kinderbetreuung schier zu verzweifeln scheint (..) z.B. auf Elternabenden aufgrund ihrer Zahlungen für Ansprüche ans Haus, ans Programm und ans Personal stellt, das ist für Außenstehende kaum zu fassen.
Und wenn man die Väter mal aufklärt, was ihre Bälger alles für Macken und Unzulänglichkeiten aufweisen, dann hat man den nächsten Ehekrach quasi vorprogrammiert. Was für eine Macht denen (als Vertrauenspersonen von Kind, Mutti Papi und Schnittstelle zur sog. Realität) zuwächst, die mit dem lieben Nachwuchs unserer High-Society umgehen, ist jedoch ein Betriebsgeheimnis (für das sich besonders Scheidungsanwälte brennend interessieren, so scheint´s).

Nun ja, da ich inzwischen in einem sozialen Brennpunkt mit hohen Migrantenanteilen tätig bin, könnte man auch darüber etwas schreiben. Ich fürchte nur, dass die dort treibenden Stilblüten einer Clan-Renaissance einen ganz ähnlich Beigeschmack annehmen und die Wirklichkeit an einigen Stellen die Satire überholt hat.

Die Lebensbedingungen - abgesehen vom äußerlichen Status und dem Interieur - der Gattinen ähneln sich ganz oben wie ganz unten übrigens frappant, Frau Winkelmann.

Bildung macht auch hier den Unterschied, man glaubt es kaum...

Noch irgendwelche Fragen?

ideefix

Albrecht Schnabel München 17.12.2013 | 21:01

Sehr geehrte Autorin des Originalbeitrags ... Glückwunsch zu Ihrer wirklich *brillanten* Replik auf Sarrazin, Frau Winkelmann. Auch gut drei Jahre später sind Ihre Ausführungen immer noch sowohl inhaltlich wie formal unübertroffen. Sie haben wirklich das Beste gemacht, was als Antwort auf die demagogische, fremdenfeindliche, die offene Gesellschaft und ihre Toleranz beschädigende Agenda und Propaganda dieses merkwürdigen, verbitterten, ethisch total bankrotten Herrn, die leider sehr viel Raum erhielt (wie auch frühere Hetzreden in Deutschland), möglich ist: ihn und seine Thesen humorvoll und doch bissig bloß stellen und die totale Absurdität und völlige *Lächerlichkeit* seiner Thesen ohne jeglichen erhobenen Zeigefinger - quasi "selbstredend" - vorzuführen. - Danke und Kompliment dafür! Das war ein Vergnügen zu lesen. - Albrecht Schnabel München.