Das hält die Welt nicht aus

G20 Globale Ungleichgewichte waren auf dem Gipfel in Seoul zwar Gesprächsthema. Doch die Spaltung in Schuldner- und Überschussländer bringt das Finanzsystem an seine Grenzen

Ein kleiner Lichtblick bleibt: Die G-20 wollen jetzt immerhin über die globalen Ungleichgewichte reden. Doch inzwischen geht der globale Währungskrieg ungebremst weiter. Es geht um Millionen von Jobs und hunderte von Milliarden Dollar faule Guthaben.

Der Weltwährungsfonds IWF hat es im Vorfeld des Gipfels ausgerechnet: 23 Millionen zusätzliche Arbeitslose und 60 Millionen mehr Menschen unter der Armutsgrenze. Das ist die Rechnung für ein weiteres Catch-as-Catch-Can in der Wirtschaftspolitik. 29 Millionen zusätzliche Jobs hätte man gewinnen können, wenn alle Länder am gleichen Strick ziehen.

Doch davon kann nach dem Gipfel von Seoul keine Rede sein. Die Welt spaltet sich weiterhin in zwei unversöhnliche Lager: Hier die Schuldnerländer angeführt und von USA, die im laufenden Jahr auf ein Leistungsbilanzdefizit von 466 Milliarden Dollar zusteuern. Dort die chronischen Überschussländer China, Deutschland und Japan, deren gesammelte Überschüsse auf 640 Milliarden geschätzt werden.

Das hält die Welt nicht mehr lange aus. Erstens weil sich hinter diesen Zahlen ein Kampf um Jobs verbirgt. Überschüsse sichern Beschäftigung, Defizite bedeuten, dass Arbeit abwandert. Die USA und England hätten mit einer ausgeglichenen Leistungsbilanz rein rechnerisch 4 bis 5 Prozentpunkte weniger Arbeitslosigkeit, Deutschland hätte gut 5 Prozentpunkte mehr. Chinas Premier Wen Jiabao befürchtet bei einem Rückgang der Exportüberschüsse ein soziales Chaos.

Zweitens destabilisieren anhaltende Überschüsse das Finanzsystem. Die Defizitländer können letztlich ihre Schulden nur begleichen, wenn sie irgendwann wieder Überschüsse erzielen. Doch dafür gibt es nicht die geringsten Anzeichen. Im Gegenteil: Die Defizitländer verschulden sich ungebremst weiter. Allein Spaniens Schuldenpegel wird dieses Jahr um 72 Milliarden Dollar steigen.

Als Folge davon steht das globale Finanzsystem ständig am Rande des Zusammenbruchs. Um die "Märkte" zu beruhigen und wenigstens die Illusion einer Schuldentilgung aufrecht zu erzhalten, werden allen Schuldnerländern außer den USA drastische Sparprogramme aufgezwungen. Doch diese rituellen Opfergaben verschärfen die realen Probleme statt sie zu lösen. Wie sollen Irland oder Spanien Schulden abstottern und zugleich 20 Prozent Arbeitslose durchfüttern?

Die IWF-Ökonomen hatten es zart angedeutet: Aus dieser Sackgasse kommt die Welt nur heraus, wenn die Überschussländer endlich über ihre Verhältnisse leben und ihre Schuldner zur Arbeit zwingen. Kanzlerin Angela Merkel will jetzt darüber mit sich reden lassen. Ob sie auch zuhören kann, ist eine andere Frage.

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