Nicht zu unterschätzen

Leseprobe "Und zu einer erfolgreichen Demokratie gehören moralisch handelnde, aufgeklärte Individuen, mit anderen Worten: gebildete Menschen. Deswegen halte ich das Thema Bildung für eins der wichtigsten Themen, die es überhaupt gibt."
Nicht zu unterschätzen

Foto: Michele Tantussi/Getty Images

Prolog

Bildung, ein hochaktuelles Dauerthema in einer hochkomplexen, sich ständig wandelnden Welt. Ein Thema, das uns alle angeht. Und Whitehead, ein Philosoph aus dem verstaubten viktorianischen England. Auch wenn ihn heutzutage kaum jemand kennt – er hatte höchst interessante Ansichten zum Thema Bildung! So kamen wir dazu, uns mit seinen Ideen zu beschäftigen:

Bildung soll unser Thema sein!

Forstner: Ich kann mich an eine Mail von dir erinnern, wo du nur geschrieben hast: Bildung soll unser Thema sein! Keine Erklärung, keine Erläuterung, nichts.

Lesch: Ja, stimmt …

Forstner: Bildung soll unser Thema sein! Das scheint für dich so klar und offensichtlich gewesen zu sein, dass ich jetzt doch noch mal wissen will, warum das für dich so klar war.

Lesch: Als ich anfing, Whiteheads Thesen zur Bildung zu lesen, dachte ich: Meine Güte, das ist ja total modern! Dass jemand die Kinder und Jugendlichen als Persönlichkeiten mit ihrer eigenen Entwicklung ernst nimmt, dass er sie nicht als reine Objekte ansieht, die in einer Bildungsmaschinerie nach einer bestimmten Schablone geformt werden müssen. Sondern da ist jemand, der die Würde auch des kleinen, des jungen Menschen so anerkennt, dass er sagt: So, den werden wir jetzt da reinbringen. Wir haben natürlich unsere Vorstellungen, was jemand aus der Schule mitnehmen soll. Aber wie wir das unterrichten, und vor allen Dingen, wie diese Jugendlichen das dann von uns auch beigebracht kriegen, das muss doch sehr viel organischer werden. Das muss viel menschenfreundlicher, viel großzügiger sein. Und als ich seine Thesen las, dachte ich: Das ist eigentlich die ideale Art, wie man mit Schülerinnern und Schülern umgehen muss. Und ich fühlte mich, um ganz ehrlich zu sein, richtig beseelt. Ich dachte: Oh, ja, das ist aber schön, so etwas zu lesen. Ich hatte noch keinen Philosophen bis dahin gelesen, der so wohlwollend mit den jungen Leuten umgeht wie Whitehead. Das fand ich toll! Ich hatte ja selbst schon ein Video[i] gemacht, wo ich mich darüber ausließ, dass das Schulsystem gerade mit Jungs in einem bestimmten Alter[ii] nicht mehr gerecht umgeht, denn da müssen die einfach anders behandelt werden. Anstatt sie einzusperren muss Sport her, es muss Kunst, es muss Musik her, die Ausdrucksmöglichkeiten müssen stärker werden! Und da fand ich eben, da müssen wir mal was darüber schreiben!

Forstner: Das heißt, das Thema Bildung und die Idee, dazu etwas zu schreiben, rumort schon viel länger in dir herum, also weit über die Idee mit Whitehead hinaus?

Lesch: Ja, stimmt. Meist fängt es bei mir so an: Ich hab eine Meinung, ich ändere die Meinung, ich hab dann Gespräche, es gibt viel zu diskutieren. Das Thema Schule und damit auch das Thema Bildung ist ja vor allen Dingen unter Eltern irgendwann Dauerthema, und in Bayern zumal …

Forstner: Wem sagst du das!

Lesch: Und man merkt, es gibt einen Konsens unter allen. Zum Beispiel die Sache mit der Zeit, dass man Kindern Zeit lassen muss. Aber in dem System ist es genau andersherum: Die kommen da rein, und dann ist festgelegt, was läuft, und zwar ohne Wenn und Aber. Besonders schlimm wurde es dann, als es auch noch beschleunigt wurde. Als man angefangen hatte, so richtig Gas zu geben. Da hatte ich erst mal ein logisches Problem damit, weil ich auf der einen Seite in den Statistiken hörte, wir werden immer älter, die Lebenserwartung wird immer größer. Und gleichzeitig beschleunigen wir die Schule und für die einen oder anderen dann sogar den Universitätszugang. Ja, warum denn bloß?

Forstner: Um immer früher fertig zu werden …

Lesch: Ja, genau!

Forstner: … für den Arbeitsmarkt letztlich.

Lesch: Warum denn bloß? Um dann wieder nach ein paar Jahren von zum Beispiel industrieller, also ökonomischer Seite zu hören: »Die Leute, die wir da kriegen, die haben ja gar keine Lebenserfahrung!« Also, wie soll man Lebenserfahrung machen, wenn man keine Lebenserfahrung machen darf? Und Schule soll ja auch darauf vorbereiten, mit Lebenserfahrung umzugehen. Sie soll eine Persönlichkeit so bilden, dass sie aus sich heraus, also aus ihren inneren Motiven heraus mit der Welt umgeht: Eine Person sollte wissen, wo sie herkommt, also die Tradition der eigenen Kultur kennen. Sie sollte aber auch wissen, dass die eigene Herkunft rein zufällig ist, sie hätte auch ganz woanders auf die Welt kommen können. Und sie sollte erkennen, was wichtig und was nicht wichtig ist: Prioritätensetzung! Das muss man ja alles erfahren, und nicht: Da, das ist jetzt das Wichtigste, schreib das mal auf!

Forstner: Das steht auch alles nicht wirklich im Lehrplan.

Lesch: Genau! Und ich fand, dass die Thesen von Whitehead genau darauf abzielen, einen »lebensfähigen« Menschen aus der Schule zu entlassen, der in der Lage ist, lebensweltlich vernünftig zu handeln. Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich: Der hat in mein Hirn geguckt, ich hab’s nur nicht gewusst.

Forstner: Das kann Whitehead gut, die Themen, die in einem immer schon rumoren, auf den Punkt zu bringen. Auch wenn man ihm eigentlich vorwirft, dass er nicht besonders gut mit Sprache umgehen konnte, ich habe es immer anders empfunden.

Lesch: Ja, es ging mir mit Whitehead so: Ich wusste genau, was er sagt; ich verstand ihn nicht immer, aber das, was zwischen den Zeilen steht, sein Motiv, das schien mir auch mein Motiv zu sein. Und Bildung halte ich für eines der wichtigsten Themen. Ich glaube, dass Bildung und Gerechtigkeit ganz wichtige Stützpfeiler einer jeden Gesellschaft sind, insbesondere einer Gesellschaft, die so sehr unter technologischem, ökologischem Einfluss und Druck steht wie die westliche. Wenn es uns nicht gelingt, unsere jungen Leute wirklich ernst zu nehmen und ihnen zu helfen, so heranzuwachsen, dass sie immer noch und hoffentlich auch immer besser und nachhaltiger mit dieser ständig komplizierter und komplexer werdenden Welt umgehen können, dann weiß ich nicht, ob uns eine gedeihliche Zukunft für alle erwartet. Allein die »Mount Everests« Klimawandel und Energiewende, aber auch der zunehmende Einfluss der digitalen Technologien in Hard- und Software sind gewaltige Herausforderungen, vor denen die nächsten Generationen stehen. Niemand ist geübt darin, in solche Höhen zu gehen und wir, also meine Generation, sind den steilen Weg zu einem zufriedenstellenden Umgang mit der immer drängender werdenden Bedrohung und zu technologischen Lösungen und Anpassungen nicht gegangen. Aber unsere Kinder und Enkel werden in diese Höhen gehen müssen, vielleicht sogar ohne Sauerstoffmaske. Und da möchte ich auf jeden Fall, dass sie die inneren Kräfte besitzen, um vor solchen Herausforderungen nicht zu kapitulieren. Eine Form der Kapitulation ist der Weg in nationalistische Abgrenzungsparteien, die einfach behaupten, es gäbe den Klimawandel nicht, und deshalb könne man einfach so weitermachen wie bisher. Aber auch diejenigen, die meinen, man sollte sich der Digitalisierung als einer völlig alternativlosen Entwicklung widerstandslos hingeben, sollten durch entsprechende Regulierungsmaßnahmen eingehegt und gebändigt werden. Für den Zustand einer liberalen, offenen demokratischen Gesellschaft ist es ganz wichtig, an die Verantwortung des Einzelnen, quasi an seine moralische Substanz zu erinnern, die die Grundbedingung für eine funktionierende, freiheitlich demokratische Grundordnung darstellt. Für mich hat es am deutlichsten der deutsche Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde formuliert: »Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.«[iii] Das ist das Wagnis der Freiheit, das er eingehen muss. Ansonsten wird er zum totalitären Staat. Dazu, dieses Wagnis einzugehen, gehört nicht nur Mut, sondern auch die Souveränität – dass man weiß, wofür man steht als Demokratin und Demokrat. Und zu einer erfolgreichen Demokratie gehören moralisch handelnde, aufgeklärte Individuen, mit anderen Worten: gebildete Menschen. Deswegen halte ich das Thema Bildung für eins der wichtigsten Themen, die es überhaupt gibt.

Und Whitehead?

Forstner: Und Whitehead stand für uns eigentlich immer fest, nicht!?

Lesch: Ja, klar!

Forstner: Wollen wir dazu noch ein paar Sätze verlieren? Weil Bildung für viele – und wahrscheinlich für alle, die Kinder haben – ganz selbstverständlich ein Thema ist. Aber warum Whitehead?

Lesch: Weil Whitehead jemand ist, der Fragen stellt und Probleme thematisiert, ohne sie direkt anzusprechen. Er hilft uns, Hoffnung zu behalten. Er hilft uns, aus der Vergangenheit genauso zu lernen, wie eine Zukunft zu erwarten, wo noch etwas möglich ist. Whitehead ist für mich wirklich ein Hoffnungsträger! Er trägt in seiner Prozessmetaphysik immer die Möglichkeit des Neuen mit, und er sieht den Menschen als ein Initium, als einen Anfang. Denn jeder Mensch ist für ihn immer wieder ein Anfang. Und deswegen kann er auch Initiative ergreifen. Er kann von sich aus etwas Neues schaffen. In der europäischen Philosophie war dagegen bis zur Aufklärung Philosophie die Kunst zu sterben, ars moriendi: »Man ziehe sich zurück und lasse alle Welt los …« Nicht so Whitehead! Er ist einer, der mitten im Leben steht, ihn interessiert die ars vivendi, die Kunst des Lebens. Einer, der dann auch weitermacht, einer, der sieht, dass es weitergehen wird. Er ist ein Hoffnungsträger!

Forstner: Er bleibt auch immer Optimist ... durch zwei Weltkriege hindurch und immer …[iv]

Lesch: Er hat einiges erlebt, genau, und da Optimist zu bleiben, gerade bei diesen katastrophalen Entwicklungen, bei denen er mit dabei war … Ich muss es einfach noch mal sagen: Whitehead ist ein Hoffnungsträger! Es gibt von Tomáš Halík, einem tschechischen Theologen, einen wunderschönen Ausspruch des Inhalts: »Hoffnung ist eine Art der Geduld mit Gott. Glaube, Liebe und Hoffnung sind drei Arten der Geduld mit Gott.«[v]

Forstner: Das ist schön.

Lesch: Und Halík sagt dann weiter, dass die Atheisten nur einfach noch nicht genügend Geduld mit Gott haben. Ich glaube, Whitehead hatte unglaublich viel Geduld, mit den Menschen und mit Gott. Er hatte vielleicht nicht genügend Geduld mit sich, um Dinge so zu formulieren, dass man sie auch wirklich, ich will mal sagen »relativ schnell« versteht, nachdem man sie gelesen hat, um nicht zu sagen »sofort«.

Forstner: Er las ungern Korrektur. Wenn er etwas zu Papier gebracht hatte, war die Sache für ihn erledigt. Da schaute er nicht noch mal drauf.

Lesch: Das kann ich teilweise sehr, sehr wohl nachvollziehen. Idee gehabt, aufgeschrieben und fertig. Dann kommt aber erst die Feinarbeit am Text. Und hier neige ich dann dazu, einfach zu sagen: »Kommt lasst mich in Ruhe, jetzt ist es gut!« Aber was das Entscheidende ist: Whitehead schafft es, eben nicht nur das zu sehen, was man bei einer Inventur sehen würde. Dann hätte man eine Objektklasse, die man nach bestimmten Kriterien irgendwie ordnet. Er fragt auch nicht einfach: »Wie gewinne ich Erkenntnis?« Darüber könnte man sich zum Beispiel ja auch Gedanken machen, gerade wenn es um Bildung geht. Sondern Whitehead hat eben diese Gabe, die Themen in ihrem Verlauf zu sehen. Wahrscheinlich war Heraklit immer in seiner Nähe: Panta rhei[vi], die Dinge sind im Fluss, und es kann sich im nächsten Moment schon alles wieder ändern. Es wird sich hoffentlich nicht so ändern, dass es zur Katastrophe wird. Aber es wird sich etwas tun, es werden Veränderungen stattfinden. Das finde ich natürlich auch als Physiker so herrlich an ihm! In der beginnenden Neuzeit gab es ein Problem damit, dass die newtonschen Gesetze nicht richtig funktionierten. Kritische Stimmen sagten: »Da muss ja Gott ständig in den Keller runter und muss nachdrehen!« Kommt er unten aus dem Keller raus, fragt er: »Und? Funktioniert’s jetzt? Nein? Dann muss ich noch mal nachdrehen!« Also, der Prozesscharakter von allem, was da ist, auch der Prozesscharakter der wissenschaftlichen Forschung selbst, ist für mich eine wirklich zentrale Erkenntnis. Niemand hat das so betont wie Whitehead. Und keiner hat es dann so eng mit moderner Wissenschaft verknüpft wie er, keiner! Er war der Einzige, der all diese wissenschaftlichen Entwicklungen des frühen 20. Jahrhunderts ernst genommen hat.

Forstner: Dabei war er eigentlich Mathematiker.

Lesch: Genau, und nicht alle Mathematiker nehmen Naturwissenschaften ernst. Viele glauben, ihre Strukturwissenschaft schwebe über allem. Whitehead dagegen hat über die Relativitätstheorie, über die Kosmologie, über die Quantenmechanik nachgedacht. Er war überall dabei! Hier in Kontinentaleuropa gab es dagegen praktisch keine Philosophen, die sich damit auseinandersetzten.

Forstner: Und trotzdem sind die alle bekannt: Ein Wittgenstein ist hoch gelobt. Einen Whitehead kennt niemand. Vielleicht war er wirklich zu schwierig?

Lesch: Ich hab mit Wolfram Eilenberger darüber gesprochen, warum es denn kein Whitehead-Buch gibt. »Ja«, sagt er, »das ist einfach zu …« Ich sollte mal einen Vortrag über Whitehead halten bei dem Philosophie-Festival in Köln, den phil.cologne-Tagen. Wolfram Eilenberger hatte das als Organisator vorgeschlagen. Seine Mitorganisatoren hielten Whitehead aber schlicht für zu kompliziert und haben es abgelehnt. Eilenberger hat sogar gesagt: »Aber der Lesch, der erzählt das doch.« – »Nein, nein, das schafft der Lesch auch nicht.« – So, und wir schaffen das jetzt eben doch!

Forstner: Ja, wir machen das jetzt einfach.

Lesch: Das find ich großartig, das find ich wunderbar!

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Gespräche über Bildung

Gott oder Bildung?

Whitehead: Sehen Sie, Sie haben es geschafft!

Forstner: Ja, auch wenn ich zwischendurch fast nicht mehr daran geglaubt habe.

Whitehead: Aber Sie haben es trotzdem weiter versucht, und Sie haben es geschafft.

Forstner: Ja, und ich habe Ihnen wieder ein Gespräch mitgebracht.[vii]

Whitehead: Wunderbar, ich sehe schon, Sie haben auch wieder dieses erstaunliche Gerät dabei. Und damit haben Sie mir ein Gespräch aus Ihrer Zeit aufgezeichnet? – Wir wollten über Gott reden, nicht?[viii]

Forstner: Ja, wollten wir – und ja, ich habe Ihnen ein Gespräch mitgebracht, aber leider nicht über Gott.

Whitehead: Ah, da drückt der Schuh. Sollte er aber nicht! Es gibt so viele Themen, so viele Interessen, so viele Möglichkeiten, wie sollte man sich da schon Monate vorher auf irgendeine einzelne Frage festlegen?

Forstner: Na ja, die Gottesfrage ist ja nun nicht irgendeine Frage.

Whitehead: Das sicherlich nicht, aber ich nehme mal an, dass es da ein anderes Thema gibt, das Ihnen gerade wichtiger ist?

Forstner: Ja …

Whitehead: … dann sollten Sie auch dazu stehen! Vielleicht habe ich es bisher noch nicht deutlich genug gesagt: Ich freue mich wirklich über Ihre Besuche, und jeder neue Impuls ist mir willkommen. Also, worüber wollen wir reden?

Forstner: Was mich derzeit umtreibt, ist der Schulwechsel meiner Tochter von der zweiten Klasse einer Montessorischule in die dritte Klasse einer Regelschule.

Whitehead: Sie wollen mit mir über Schule reden?

Forstner: Über Bildung.

Whitehead: Bildung? Ich muss zugeben, das verblüfft mich jetzt doch etwas, dass Sie darüber ausgerechnet mit mir reden wollen. »Zeit«, »Gott« – das sind ewige Themen, zu denen auch ein Vorgestriger wie ich immer noch etwas zu sagen hat. Aber Bildung?

Forstner: Sie haben einiges zu Erziehung und Bildung gesagt und geschrieben.

Whitehead: Das schon, aber das ist für jemanden, der nahezu sein gesamtes Leben an englischen und amerikanischen Universitäten verbracht hat, keine besondere Leistung. Außerdem ist alles, was ich dazu gesagt und geschrieben habe, auf das englische Bildungswesen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gemünzt. Ich glaube wirklich nicht, dass das noch irgendeine Bedeutung für Ihre Gesellschaft hat.

Forstner: Ich schon! Und nicht nur ich: Ihre Aufsatzsammlung The Aims of Education ist erst vor wenigen Jahren in meine Sprache übersetzt worden und hat durchaus Beachtung gefunden.

Whitehead: Wirklich? Nun, Evelyn war ohnehin der Meinung, dass das mit das Beste war, was ich je geschrieben habe.[ix]

Forstner: Eine kluge Frau!

Whitehead: Ja, das war sie – auch wenn sie in den akademischen Kreisen meiner Generation nicht als gebildet galt, zumindest nicht im klassischen Sinne.[x] Darunter hat sie sehr gelitten …

Forstner: … und da sind wir doch schon mitten im Thema!

Whitehead: Also gut, überredet. Versuchen wir’s!

Forstner: Dann darf ich die Aufnahme starten?

Whitehead: Ich bitte Sie darum.

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[i] Mehrere Videos zum Thema finden Sie auf YouTube u.a. unter »Lesch & Co.«.

[ii] Harald Lesch ist Vater eines erwachsenen Sohnes.

[iii] Ernst Wolfgang Böckenförde: Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation. In: Recht, Staat, Freiheit. Studien zur Rechtsphilosophie, Staatstheorie und Verfassungsgeschichte (=Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. Nr. 914). Suhrkamp, Frankfurt 1991, S. 92–114, 112 (erweiterte Ausgabe 2006).

[iv] Whiteheads jüngster Sohn ist im Ersten Weltkrieg gefallen.

[v] Vgl. Tomáš Halík: Geduld mit Gott. Leidenschaft und Geduld in Zeiten des Glaubens und des Unglaubens. Verlag Herder, 2010; 7. Auflage, 2014.

[vi] Altgriechisch: πάντα ῥεῖ. Deutsch: Alles fließt.

[vii] Ein erstes Gespräch fand statt zum Thema »Zeit« zwischen Karlheinz A. Geißler und Harald Lesch sowie Alfred N. Whitehead und Ursula Forstner. [vgl. Lesch/Forstner (2019): Ein Physiker und eine Philosophin spielen mit der Zeit]

[viii] »Forstner: Und die Sache mit Gott … – Whitehead: …gehen wir ein anderes Mal an!« [ebd., S. 103]

[ix] »’It was one of your very best, Altie’, said Mrs. Whitehead. – ‘Yes, but…’« [Price (1954): Dialogues of Alfred North Whitehead, S. 56]

[x] »[U]neducated clever women, who have seen much of the world, are in middle life so much the most cultured part of community.« [Whitehead (1929): The Aims of Education, S. 2]

12:49 13.02.2020

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