Alltag

Frauen & Krieg | 23.11.2009 13:30 | Katrin Rönicke

Den eigenen Frieden verteidigen

Eine alte Frage in Sachen Geschlechtergerechtigkeit stellt sich neu: Diskriminiert die einseitige Wehrpflicht Männer? Wenn ja, wollen wir mehr Frauen in der Bundeswehr?

Frauen gelten im Vergleich zu Männern gemeinhin als friedfertiger und weniger aggressiv. Manche besonders biologistisch orientierten Menschen ziehen als Begründung dieser scheinbaren Tatsache das Testosteron heran. Aber auch einige Vertreterinnen der sogenannten Neuen Frauenbewegung haben sich als Hüterinnen der menschlichen Friedfertigkeit angesehen und sind in einen tosenden Sturm gegen Alice Schwarzer ausgebrochen, als diese sich für einen Zugang von Frauen zum Militär aussprach (erschienen 1978 in einem Aufsatz der Emma ).

Schwarzer begründete diese ungewöhnliche Forderung mit drei wesentlichen Fakten: 1. Sei das Militär nur ein weiterer Bereich der Gesellschaft, in dem es um Macht ginge und auch hier glänzten typischerweise Frauen durch Abwesenheit, was als Missstand gesehen werden müsse. 2. Sei das Militär ein Ort, der zur ideologischen und realen Verfestigung des Männlichkeitswahns diene. Durch den Ausschluss aus diesem Bereich würden zugleich Frauen weiterhin in die typische Opferrolle der Hilflosigkeit gedrängt. 3. Sei das Militär „ein extremster Ausdruck der Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen: hier steht ein Jahr Wehrdienst gegen 20 Jahre Mutterdienst.“

Zwar relativierte Schwarzer in ihrem Aufsatz gleich selbst ihre Forderung nach weiblichem Zugang zum Militär, indem sie deutlich machte, dass Wiederaufrüstung, Kasernendrill und Waffengeprotze sie persönlich schon immer schockiert hätten. Außerdem wehrte sie sich auch sofort gegen die – wie sie es nannte – Milchmädchenrechnung, dass die Frauen, wenn sie Gleichberechtigung wollten, auch zum Militär müssten: Darüber könne man reden, wenn die Männer auch alle Frauenpflichten wahrnähmen.

Friedensbringerin qua Geschlecht

Doch das Fass war ins Rollen gebracht und ein Jahr später, im Jahre 1979, sagten viele Frauen vehement „Nein!“ zu „Frauen in die Bundeswehr“ und nannten sich alsbald „Frauenanstiftung zum Frieden“ – eine Gruppe von Frauen um Eva Quistorp und Ellen Diederich. Diese „Frauenanstiftung“ formierte sich auch in anderen europäischen Ländern. Gemeinsam wollte man für die Zukunft der eigenen Kinder kämpfen und konstatierte, man wolle „den Männern aller Blöcke das Recht absprechen, noch weiter in unserem Namen zu reden.“ Diese Frauen inszenierten sich qua Geschlecht als Friedensbringerinnen, die ausgezogen waren, gegen die – ebenso qua Geschlecht – Kriegstreiber zum Frieden anzustiften.

ANZEIGE

Fast 30 Jahre nach diesen Meinungsverschiedenheiten zwischen bewegten Frauen, sind es vor allem Männer, die das Thema „Wehrdienst und Frauen“ auf den Tisch legen. Viele Maskulisten und sogenannten Männerrechtler, wie sie zum Beispiel im Umfeld des Vereins MANNdat zu finden sind, fordern hier Gleichberechtigung. Auf der MANNdat-Homepage nennen die hier vereinten Männer in ihren Leitgedanken einige Problemfelder, die sie bearbeiten und verändern wollen. An erster Stelle steht: „Der einseitige, gesellschaftliche Zwangsdienst für Männer (Wehr- oder Ersatzdienst)“. Und ebenfalls auf der Homepage des Vereins dokumentiert ein 21-jähriger Jung-Linker in seinem „Tagebuch eines Totalverweigerers“, wie er sich gegen diesen Zwangsdienst zur Wehr gesetzt hat, weil er – mit eigenen Worten - „ein sensibles Gespür für geschlechtsbedingte Diskriminierung“ ausgebildet habe. Übrigens – ebenfalls nach eigenem Bekunden – Dank der eigenen Mutter, die lange Zeit in der Frauenbewegung aktiv gewesen ist. Tatsächlich scheint es fast so, als wäre die Wehrpflicht nur für Männer noch ungerechter, seitdem Frauen freiwillig auch in die Bundeswehr ‚dürfen‘ – denn nun steht dem Zwang kein Verbot mehr gegenüber, das man ebenso als ungerecht betrachten hatte können.

Man kann nun von MANNdat halten, was man will (und gerade feministische Menschen genießen die Arbeit des Vereins mit Vorsicht, da sie allzu oft nicht für Geschlechtergerechtigkeit steht, wie auch Walter Hollstein dokumentiert hat), aber damit hat der Verein recht: Das Problem Geschlechterdemokratie im Wehrdienst muss auf den Tisch.

Die Belange beider Geschlechter ernstnehmen

Zugegeben: Frauen drücken sich gerne um dieses Thema, weil es sehr bequem und gemütlich für sie ist, am Status Quo festzuhalten: Wer selbst nicht zwangsdienen muss, dem kommen andere Probleme sicherlich dringlicher vor. Aber wenn – und davon gehe ich aus – wir zu dem Ergebnis gelangt sein sollten, dass eine Geschlechterpolitik auf der Basis eines neuen Dialogs der Geschlechter sich diesen Namen auch verdienen muss – nämlich indem sie die Belange beider Geschlechter gleich ernst nimmt – dann kommt auch keine Feministin mehr an diesem Thema vorbei.

Und das ist auch gut so: Bislang sind es vor allem eher linke Jugend-Organisationen, wie z.B. die Jusos, die Grüne Jugend oder sol’id (letzteren gehört übrigens auch der anonyme Tagebuchschreiber von MANNdat.de an), die sich für eine komplette Abschaffung der Wehrpflicht einsetzen. Eine breite gesellschaftliche Debatte darüber findet bislang kaum statt. Selbst dass die FDP, als eine Partei, die sich auch gegen die Wehrpflicht eingesetzt hat (bis dato war dies kaum bekannt), in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU nun eine weitere Verkürzung der Wehrpflicht ab 2011 erreicht hat, verhallt hinter anderen Ergebnissen aus diesen Verhandlungen, und das Thema an sich wird wenig bis gar nicht diskutiert (dabei gehört Deutschland mittlerweile zu einer Minderheit der Nato-Staaten, die noch an der Wehrpflicht festhalten). Erst recht nicht unter der Einbeziehung der Frage nach den Frauen. Und nach der Geschlechtergerechtigkeit.

Rollenveränderung weiter vorantreiben

Und auch viele der heutigen Feministinnen – junge wie alte – trauen sich an die Frage nach den Frauen im Wehrdienst nicht heran. Dabei muss sie gestellt werden: Wollen wir mehr Frauen in der Bundeswehr, oder wollen wir das nicht? Ist nicht auch die Bundeswehr ein Ort von Macht? Haben wir nicht unsere passive Rolle an der Seite unserer kämpfenden Männer satt und wollen nicht auch wir uns für so „heroische“ Taten einsetzen, wie die Befriedung von Konfliktgebieten in der ganzen Welt? Ist es vielleicht nötig, nicht nur die Risiken und Nachteile, sondern auch die Chancen für Frauen zu sehen, wenn sie sich in diese Debatte einklinken?

Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Die Rolle der Bundeswehr hat sich in den vergangenen 30 Jahren drastisch geändert und es liegt an der Gesellschaft, diese Rollenveränderung weiter voranzutreiben – und damit liegt es auch an den Frauen. Hat Alice Schwarzer denn nicht bereits 1978 Recht gehabt als sie zum Schluss ihres Artikels in der Emma schrieb: „Und von der Möglichkeit, den eigenen Frieden auch selbst verteidigen und notfalls sogar erkämpfen zu können – davon können und dürfen Frauen sich nicht länger ausschließen lassen!“

 
Senden Bookmarken Drucken
Artikelaktionen
Kommentare
André Rebentisch schrieb am 23.11.2009 um 15:14
Es gibt auch eine soziale Komponente. Man will keine Frauen beim Militär wie man keine Pornographie für Kinder will. Es fühlt sich unwürdig an. Scharfmacher wie Schwarzer wollen die Konsequenz persönlich gar nicht ziehen und irritieren durch ihre Ahnungslosigkeit. Greenhornig spricht auch die Autorin. Für mich ist das wie der Vorschlag unsere Toten in der Müllverbrennungsanlage zu verwerten. Es hat eine gewisse irre Rationalität, die zugleich ungemein abscheulich ist, und in deren Leerraum sich das besondere Menschliche offenbart.
Rahab schrieb am 23.11.2009 um 17:24
nachfrage @wolkensieber:
was ist damit gemeint, dass auch die autorin greenhornig spreche? und was ist die von dir gemeinte soziale komponente? -bitte dringend um erläuterung. ohne diese bliebe dein posting nur wolkig und verbliebe in einer gewissen irrationalität.
André Rebentisch schrieb am 24.11.2009 um 01:20
Allein die Phrase "Die Rolle der Bundeswehr hat sich in den vergangenen 30 Jahren drastisch geändert und es liegt an der Gesellschaft, diese Rollenveränderung weiter voranzutreiben" wirkt erstaunlich ahnungslos.

Die soziale Kompenente meint, dass eine solche Institution Menschen verändert. Das muss man sich vorstellen, wie wenn dir jemand sagt, ich möchte auch gerne Leichen ausbuddeln dürfen. Es macht den Menschen gewissermaßen "unrein". Männliche Konstitution und Rollenmodell halten das aus, weil es zu deren gesellschaftlichen Sozialgeschichte gehört.

Der soldatische Beruf ist durch Strukturen geprägt, die aus Zeiten stammen als die Angehörigen des Militärs gedrillte Sträflinge waren. Alle Ideologie ist oberflächlich und austauschbar gegenüber den Praktiken. Entweder sind also Soldatinnen keine echten Frauen oder keine echten Soldaten (sondern Schonbehandlung), oder es ist eben kein Militär mehr sondern so eine Art entspannter Milizdienst für alle.

Weiblichkeit konstituiert sich gesellschaftlich auch aus der jahrtausendelangen Beschirmung von Militär- und Kriegsdienst. Man könnte sagen es tritt gewissermaßen hier ein Verlust von Unschuld auf, aus der man solche Artikel schreiben kann, weil man sozusagen den Schuss nicht gehört hat.
chrislow schrieb am 24.11.2009 um 11:55
@ wolkensieber

-"Die soziale Kompenente meint, dass eine solche Institution Menschen verändert. Das muss man sich vorstellen, wie wenn dir jemand sagt, ich möchte auch gerne Leichen ausbuddeln dürfen. Es macht den Menschen gewissermaßen "unrein". Männliche Konstitution und Rollenmodell halten das aus, weil es zu deren gesellschaftlichen Sozialgeschichte gehört."-

Das ist der Ton, welcher die Mauern in Köpfen aufrecht erhält. Darüber hinaus ist also der Mann dieser Meinung nach verpflichtet und verdammt dazu, "Unrein" zu sein - sich zu verhalten und gelten als solche von Geburt an...! Aber an der "gesellschaftlichen Sozialgeschichte" wird doch nun schon lange Zeit "manipuliert". Interessant, dass dies wohl an einigen Teilnehmern der Gesellschaft vorüber geht, ohne nachhaltig zu beeindrucken...

Naja, wir sollen also per Gesetz und an den hoheitlichen Aufgaben eines Staates teilnehmen - kriegspiel lernen und ausführen und daran uns versündigen, jedoch im trautem Heim - bei Frau und Kind entgegen aller sozialdarwinistischen Logik mit dem Fingerschnipp die "weiblichen Tugenden" aus uns Männern Zaubern (welche nach der o.g. Theorie gar nicht sein dürften). Könnte dort ein Grund eines kriegsdranges der Menschheit liegen? Ist das Spielsystem "Krieg" und "Kampf" ein "angebohrenes" Übersprungverhaltensmuster? Ein Sublimierungsmuster für den unnütz reaktiven Mann? Nach solchen Theorien ist die Sünde also schon im Gen des Mannes. XY-Ungelöst war gestern und braucht uns nicht mehr zu belasten ... !?

Sollte jemals eine Annäherung im Genderdiskurs und deren unterschwelligen Begleiterscheinungen in greifbarer Nähe liegen, so sind diese Fragen und Erfahrungen eine gestellt und genannt werden.

ich selbst stehe immer noch zwischen den Stühlen. Zu fundamentale Einsichten sind diesbezüglich bekannt und nicht zu leugnen. Wenn also die Frau nicht in den Krieg kann, weil sie Schwach ist, dann kann sie auch manch anderes nicht - so wir der rationalen Zwangslogik folgen. Radikal zu ende gedacht bliebe also immer noch des Weibes Berechtigung am Leben "nur" in der Aufgabe der Reproduktion (und was dem Manne noch an einschlägigen Phantasien treibt...).

Für mich steht trotz aller Gewissensfragen eines fest. Die Frau sollte nicht nur dürfen können - sie müsste sogar müssen sollen... an die "Front" - damit auch das ganze Rosa in ihren Träumen mal etwas relativiert wird. Das würde ebenso auch Rückkopplungen auf die Sichtweisen des Mannes erzwingen.
André Rebentisch schrieb am 24.11.2009 um 13:14
Ich bin mir darüber bewusst, dass es nicht gut klingt. Aber es ist ein wenig wie eine Entsorgung von Toten über die städtische Abfallbeseitigung. Das ist vielleicht der Fehler am rationalen Diskurs.

Es geht auch gar nicht um "Kampf", der ein Subjekt voraussetzt. Eine militärisches System ist unterdrückerisch. Es macht den Menschen immer zum Objekt einer autoritären Maschinerie, die leidlich funktioniert. Dass sie manche dann teilhaben lässt Befehle auszuteilen, ändert nichts am Stachel.

Frauen, die daran teilnehmen, verändern zum einen die Prozesse und Mechanismen, zum anderen drückt es einen gewissen Masochismus aus, der ultimativ den emanzipativen Genderdiskurs relativieren dürfte. Hart würden sie ohnehin nicht angefasst.
Magda schrieb am 24.11.2009 um 23:20
"Man will keine Frauen beim Militär wie man keine Pornographie für Kinder will"

Böse Wendund, wo lernt man sowas.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.11.2009 um 22:45
Ich lebe an einem Afghanistan-Infanteristen-Ausbildungsstandort: Hammelburg.
Wenn Frauen heutzutage unbedingt auch in den Krieg ziehen wollen, grundsätzlich bitteschön (obwohl ich das persönlich für völlig dekadent halte).
Dann möchten die Damen aber bitte auch die 30 Kilo Marschgepäck tragen und nicht für sich tragen lassen.
Mindestens 90 % der jungen Soldatinnen, die ich hier sehe, können das mit Sicherheit nicht lange.
Für deren "Gleichberechtigung" dürfen dann im Ernstfall die männlichen Kameraden sterben.
Ich habe keine Beweise, aber nach allem, was ich mitbekomme und mir zusammenreimen kann, steckt man denen bei den Leistungsmärschen Papier in den Tornister.
Wäre Krieg zum Spaß da, so könnte man dem ja eine lustige Seite abgewinnen.
gweberbv schrieb am 24.11.2009 um 10:49
@Magnus Göllner

Auch für die männlichen Soldaten sind 30 kg Marschgepäck nicht die Regel - falls du diese Zahl mal gehört hast, dann handelt es sich dabei vermutlich um eine Spezialanforderung für einen kleinen Teil der Truppe. Otto-Normal-Soldat bekommt 10 kg aufgebrummt, das schafft auch eine sportliche Frau.
Rahab schrieb am 24.11.2009 um 14:27
ach du dickes ei! männlichkeit besteht aus 30 kilo marschgepäck? - na dann schleppt mal schön!
verstehe nun allmählich besser, weshalb die 30-kilo-schlepper an der institution militär festhalten: die sind einfach zu müde um noch zu denken!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 19:30
Sollte die Bundeswehr ihre Soldaten tatsächlich mit zehn Kilo üben lassen, so ist der Verein (ich habe nie gedient)noch weiter heruntergekommen, als ich dachte.
Wer nur einmal nichtmilitärisch, also ohne jedes Schießgerät oder zusätzliche militärische Ausrüstung, in Gelände war, weiß, dass man mit zehn Kilo nicht weit kommt, sobald es ein bisschen heiß (Wasserbedarf) oder kalt (Kleidungs- und Nahrungsbedarf) wird; das Sturmgewehr G36 wiegt ohne Extra-Magazine etwas über drei Kilo, dazu kommen im Einsatz Helm, Schutzweste und verschiedene andere Kleinigkeiten, bis hin zu jener coolen Sonnenbrille, die unsere Weltkrieger heute meinen, tragen zu müssen.
Ein Hauptmann (Infanterieausbilder)erzählte mir vor zwei oder drei Jahren bei einer Hammelburger Waffenschau stolz, welche Feuerkraft drei Fußsoldaten in Form eines 25kg-Granatwerfers geteilt zum vorort Zusammenstecken mit sich führen könnten; wahrscheinlich brauchen die dann aber doch noch wenigstens Stiefel, wegen der anwesenden Damen zudem eine Hose, eine Brotzeitstulle gegen den Stress und etwas Munition, damit das schöne Teil auch knallt.
gweberbv schrieb am 25.11.2009 um 14:14
@Magnus Göller

Du verkennst einfach, welcher Anteil der Truppe mit Sonnenbrille und Granatwerfer ausgerüstet per pedes Afghanistan bereist, und welcher Teil derweil in der deutschen Provinz vor Radarschirmen hockt, Panzerketten repariert und die Buchhaltung macht. Für die ist der Leistungsmarsch ebenso wie das Schießtraining nicht mehr als eine Pflichtübung, die alle paar Monate mal fällig ist.
Das ist wie beim Profi-Fußball: 22 Mann laufen dem Ball hinterher, und 1000 sind für das "Drum-herum" zuständig. Dass man dann von den 22 Spitzensportlern ausgehend, den gesamten Fußballverein zum "No-Go-Area" für Frauen deklariert, ist halt der fehlerhaften Wahrnehmung geschuldet.

P.S. Die 10 Kilo beziehen sich auf das Gewicht des Rucksacks. Uniform inklusive Kampfstiefel kommen natürlich obendrauf, wobei ich hoffe, dass der kämpfende Teil der Truppe mit besseren, vor allem deutlich leichteren Stiefeln ausgerüstet ist.
DS37 schrieb am 24.11.2009 um 20:49
Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich den Artikel ausgesprochen interessant fand. Insbesondere die darin eingebauten Links waren eine echte Bereicherung. Ich bin also auf die Seiten von MANNdat gelangt und habe mir die Rubrik "Was wir wollen" angesehen. Wieso diese Forderungen nicht für Geschlechtergerechtigkeit stehen sollen, kann man vermutlich nur als "feministischer Mensch" verstehen. Ich jedenfalls kann die meisten der darin aufgestellten Forderungen problemlos dick und fett unterschreiben.

Die Autorin schrieb auch: "Man kann nun von MANNdat halten, was man will (und gerade feministische Menschen genießen die Arbeit des Vereins mit Vorsicht, da sie allzu oft nicht für Geschlechtergerechtigkeit steht, wie auch Walter Hollstein dokumentiert hat), "

Nun bin ich dem Link zu FrauTV gefolgt, konnte aber keinen Satz entdecken, in dem der Prof. Holstein das Anliegen dieses Vereins negativ bewertet oder sogar dokumentiert hätte. Also habe ich mir den Mitschnitt der Sendung heruntergeladen. Das was Herr Holstein da sagte, war eher eine Bestätigung dessen, was ich zuvor auf den Seiten von Manndat gelesen hatte als ein dokumentieren von mangelnder Geschlechtergerechtigkeit. Es würde mich brennend interessieren, wie die Autorin zu dieser Aussage gekommen ist!
Katrin Rönicke schrieb am 24.11.2009 um 21:18
Hallo,

der Link ist leider irreführend, das stimmt. Ich habe den auch so nicht gesetzt. Hollstein zitiert in seinem Buch "Was vom Manne übrig blieb" auf S. 257, was MANNdat noch im Oktober 2007 auf seiner Homepage stehen hatte mit dem Titel "Männer wacht auf" - da heißt es unter anderem:
"1. Männer, so lange ihr statistisch früher sterbt, verweigert euch gefährlichen Arbeiten - überlasst sie frauenbewegten Emanzen-Frauen, sie maulen ja sowieso nur rum".
und
"2. Männer, so lange ihr statistisch früher sterbt, schickt eure Frauen arbeiten, damit ihr euch zuhause einen gemütlichen Lenz machen könnt (122-Kalorien-Job)" etc...
(Was vom Manne übrig blieb : Krise und Zukunft des starken Geschlechts / Walter Hollstein. - 1. Aufl.. - Berlin : Aufbau, 2008 )

desweiteren lohnt sich ein Blick in die "Literaturempfehlungen" von MANNdat:
Da sind Martin van Crefeld, neben Esther Villar und Eva Herman... Und die Bücher sind toll weil? - na weil - ich zitiere:
"Emanzipiert, frustriert, ratlos: War der Feminismus ein verhängnisvoller Irrtum? Viele Frauen spüren heute, dass ihnen das Wichtigste verloren gegangen ist - ihre Weiblichkeit, ihre Bindungen, ihr Glück. Vor allem aber ihre Kinder. Eva Herman beschreibt Wege aus dem Dilemma. Sie zeigt, was wirklich wichtig ist."
und
"Mitten in die Aufbruchsstimmung der Frauenbewegung Anfang der siebziger Jahre platzte Esther Vilar mit ihrer Streitschrift »Der dressierte Mann« und wurde zur Bestsellerautonn. Sie drehte den Emanzipationsspieß um und entlarvte ihre Geschlechtsgenossinnen als hartgesottene Ausbeuterinnen des Mannes."

oder eben:

"Die Quote der weiblichen Top-Manager ist mit 3,4 Prozent verschwindend gering. Für Barbara Bierach Grund genug aufzuräumen. Aufzuräumen mit den gängigen Klischees der unterdrückten Frau. "Frauen sind nicht schwach, Frauen sind dämlich, faul und unaufrichtig", lautet somit auch eine ihrer Hauptthesen. Und weiter: Frauen sind an ihrer Lage selbst schuld. Frauen sind nicht unterprivilegiert in diesem Land und unterdrückt, sie verhalten sich häufig einfach blöd."

und zu gutgerletzt:

"Crevelds provokante These lautet: Die Unterdrückung der Frau ist eine in die Irre führende Legende des Feminismus. "

solche Bücher werden von MANNdat weiterhin als "die es sich unserer Meinung nach zu lesen lohnt" propagandiert und ich denke mal, dass diese latente Frauenfeindlichkeit bei MANNdat immer noch nicht überwunden ist."

ich denke, MANNdat hat sicherlich viele berechtigte Gründe für seine Arbeit. Weil wirklich vieles falsch läuft und im Argen liegt. Es wäre eben schön, wenn - wie die Auflistung "Männer wacht auf!", die noch 2007 auf der Homepage prangte - die Frauenfeindlichkeit endlich und endgültig und auch aus einer echten Überzeugung heraus bei diesem Verein getilgt werden würde. Ich bin auch mal vorsichtig optimistisch, dass es in diese Richtung gehen könnte, weil wie gesagt solche Pamphlete wie "Männer wacht auf!" schonmal nicht mehr Inhalt der Homepage sind.
DS37 schrieb am 26.11.2009 um 20:32
Hallo Frau Rönicke,

Danke für die Klarstellung. Da habe ich also nichts übersehen. Das beruhigt. :-)
Eugen123 schrieb am 27.11.2009 um 12:30
Hallo Frau Rönicke,

Sie schreiben: "Man kann nun von MANNdat halten, was man will (und gerade feministische Menschen genießen die Arbeit des Vereins mit Vorsicht, da sie
allzu oft nicht für Geschlechtergerechtigkeit steht, wie auch Walter Hollstein dokumentiert hat),..."

Herr Hollstein hat nichts dergleichen "dokumentiert". Er schreibt: "Doch es regt sich zunehmend auch Widerspruch, wie zum Beispiel ein kontinuierlicher Blick in jene Inmternet-Foren dokumentiert, die sich den Problemen von Männern verschrieben haben. In einem der größten, manndat.de, heißt es am 28. Oktober 2007: "Männer, wacht auf! ... "

Ersichtlich ist "manndat.de" eine Webadresse, die des MANNdat e.V. Wir stellen u.a. ein Forum für Diskussionen bereit. Und dort steht nach wie vor der von Ihnen kritisierte Beitrag. Da kann er auch ruhig bleiben. So viel Meinungsfreiheit muss sein.

Dort steht auch eine Präambel: "... Die Beiträge geben ausschließlich die Meinung der jeweiligen Verfasser wieder und sind keine Verlautbarungen von MANNdat. Das Forum steht allen Interessierten zu Verfügung. Eine Schreibberechtigung im Forum begründet weder eine Mitgliedschaft bei MANNdat, noch setzt sie sie voraus."

Aber diese Präambel können wir uns offensichtlich sparen. Wer schlecht recherchiert oder wer uns schlechtschreiben will, der oder die tut es. Das könnte man freilich mit jedem Online Medium (Spiegel, Focus, Freitag ...) so machen.

MANNdat hat wohl kaum eine Chance, vor dem Auge "feministischer Menschen" zu bestehen. Und dass Ihnen unsere Literaturliste nicht gefällt, ist ja menschlich verständlich. Aber wir können auch nicht nur Heiliger, Pusch, Solanas oder Schwarzer lesen, nicht wahr?

Wir freuen uns aber sehr, wenn auch Frauen sich mit dem gesellschaftlichen Zwangsdienst von Männern auseinandersetzen, sofern sie das mit der gebotenen journalistischen Redlichkeit tun.

Dr. Eugen Maus
Vorstand MANNdat e.V.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 23:14
50% Frauenquote im Afghanistan-Krieg, das hätte allerdings was.
So dürften vielleicht alle deutsche LandserInnen zeitiger nach Hause.
Rahab schrieb am 29.11.2009 um 16:28
darüber, ob deine schlußfolgerungen zynisch sind, möchte ich mir jetzt keine gedanken machen (später wahrscheinlich auch nicht).
meine sind halt andere, nämlich die: sowenig ich in militär mitmachen dürfen möchte, sowenig möchte ich, dass andere das müssen/dürfen. also interessieren mich argumente, warum militär überflüssig ist/gemacht werden gehört, mehr als irgendwelche obskuren gleichberechtigungs- oder diskriminierungserwägungen - jedenfalls an dem punkt.
das darfst du nun unrealistisch nennen - das stört mich nicht!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 26.11.2009 um 15:13
"Tatsächlich scheint es fast so, als wäre die Wehrpflicht nur für Männer noch ungerechter, seitdem Frauen freiwillig auch in die Bundeswehr ‚dürfen‘ – denn nun steht dem Zwang kein Verbot mehr gegenüber, das man ebenso als ungerecht betrachten hatte können."

Es scheint nicht nur so. Ist doch damit das alte "Argument" ad absurdum geführt, Frauen seien aufgrund ihrer friedfertigen "Natur" nicht geeignet zum Militärdienst. Und das war im Grunde das einzige Argument, das diese Ungleichbehandlung tatsächlich rechtfertigen konnte - wenn man denn daran geglaubt hat.
Daran zeigt sich auch das Dilemma der Feministinnen: Wenn die vormals männliche Domäne des Krieges "böse" ist, dann sollten Frauen sich da besser raushalten. Nun dürfen Frauen mitmischen und es zeigt sich, dass sie offensichtlich doch nicht per se die besseren Menschen sind. Daher auch die geistigen Verrenkungen, von wegen das Militär habe sich gewandelt und sei doch eigentlich gar nicht so schlimm etc. - klar, WEIL jetzt auch Frauen dabei sind, MUSS es so sein.

Was die Ungerechtigkeit noch offensichtlicher macht, ist die Tatsache, dass die Ungleichbehandlung über Freiwilligkeit versus Zwang noch hinausgeht. Etwas seltsam erscheint mir schon, dass die körperlichen Anforderungen, die Frauen mitbringen müssen, um als Soldatin zugelassen zu werden, niedriger sind, als die der Männer. Das zeigt nur, was eh klar war, nämlich dass die Auswahlkriterien willkürlich sind.

Im "Ernstfall" geht es damit weiter, dass Frauen in aller Regel nicht an vorderster Front eingesetzt werden. Würde also die volle Gleichberechtigung beim Bund verwirklicht und die Hälfte der Soldaten wären Frauen, wäre die Armee quasi nur noch zur Hälfte einsatzbereit. Auch in der israelischen Armee, der einzigen mit Wehrpflicht auch für Frauen, ist das kaum anders. Dort werden Frauen vor allem als Ausbilderinnen eingesetzt, nachdem sie sich auf einen bestimmten Bereich spezialisiert haben.

Die Ungleichbehandlung zeigt sich aber auch an diversen "Kleinigkeiten", die keine Kleinigkeiten mehr wären, sobald es Frauen beträfe. Man bzw. "frau" stelle sich nur mal vor, ALLE Frauen müssten sich derselben Musterungsprozedur unterziehen, wie sie derzeit bei Männern praktiziert wird. D.h., nur mit einer Sporthose bekleidet, den Seh- und Hörtest absolvieren und sich von einem männlichen Arzt willkürlich und medizinisch völlig sinnlos an den Genitalien herumfummeln lassen. Am besten noch - wie es umgekehrt meist üblich ist - mit einer männlichen Schreibkraft direkt daneben.
Oder man stelle sich vor, Frauen beim Bund müssten genau wie Männer ihre Haare raspelkurz schneiden lassen. Dazu gab es ja schon ein höchstrichterliches Urteil. Die Begründung lautete, die Gleichberechtigung greife in diesem Fall nicht, weil althergebracht etc. D.h., die Bundeswehr darf Männern ohne vernünftigen Grund vorschreiben, wie sie sich die Haare schneiden lassen, Frauen aber nicht. Die "Tradition" reicht zur Begründung.
Und diese Tradition hat ihre Wurzeln vor allem in dem uralten Wesenszug des Militärs: Uniformierung und Erniedrigung der Soldaten, um sie als Tötungsmaschinen abrichten zu können. Dass für Frauen nicht dieselben Maßstäbe gelten, scheint mir ebenfalls auf archaische Wertvorstellungen zurückzugehen: 1.) die Vorstellung, dass Frauen ohnehin gehorsam sind, also nicht erst mit Zwang erniedrigt werden müssen, und 2.) der unvergleichlich größere Respekt vor dem Körper der Frau (nicht vor der Frau als Mensch). Was wiederum viel damit zu tun hat, dass nur Frauen Kinder bekommen können und daher für die Reproduktion archaischer Gesellschaften (mit Vielehe) wesentlich wertvoller sind als Männer.
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 15:21
schön herausgearbeitet. aber: was soll das archaische am ende? - ich täte das noch mal überprüfen!
gweberbv schrieb am 26.11.2009 um 16:00
@derDonnerstag

Obwohl ich deinen Ausführungen im Großen und Ganzen zustimme, ein paar kleinere Anmerkungen:

- Die Anwesenheit von Frauen verändert das Militär durchaus: Als ich meinen Wehrdienst ableistete, kamen gerade die ersten weiblichen Rekruten zur Grundausbildung in die Kaserne. Das Verhalten der männlichen Soldaten wurde deutlich, ähm, zvilisierter, wenn Frauen anwesend waren. Sei das nun der Ton, in dem Befehle mitgeteilt wurde, oder auch beim obligatorischen Besäufnis im Mannschaftsheim.

- Das Militär ist nicht mehr "so schlimm". Stimmt. Im Großen und Ganzen wird man im Rahmen der Umstände anständig behandelt. Zum Haare schneiden wurde zu meiner Zeit auch nur bei Barstoppeln aufgefordert. Wer unbedingt lange Haare tragen wollte, musste ein Haarnetz benutzen.

- Ob man mir bei der Musterung "an den Sack" griff, weiß ich nicht mehr. Eine unangenehme Behandlung wäre mir aber sicher in Erinnerung geblieben.

Dies gilt natürlich alles nur für meine Eindrücke bei der Bundeswehr. Ich gehe davon aus, dass bei Menschen, die man zu zehntausenden in den sicheren Tod zu schicken gedenkt, deutlich härtere diszplinierende Methoden zur Konditionierung anwenden müsste.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 26.11.2009 um 22:56
@Rahab
Ok, ich gebe zu, das ist nicht unmittelbar einleuchtend. Hatte mir eine nähere Erläuterung erstmal verkniffen, der Länge wegen.
Dazu eine knappe Zusammenfassung und einige Zitate aus David D. Gilmore, Mythos Mann: Wie Männer gemacht werden – Rollen, Rituale, Leitbilder, München 1993:

In den meisten Gesellschaften sind Frauen in erster Linie für die Reproduktion, Männer für die Produktion zuständig. Männer bekommen stets die gefährlicheren Aufgaben zugeteilt: Während Frauen Wurzeln und Beeren sammeln und die Kinder versorgen, beschaffen Männer auf der Jagd wertvolles tierisches Protein und riskieren im Kampf gegen Räuber und im Krieg ihr Leben. Damit Männer solche Risiken "freiwillig" eingehen, bedarf es der Motivation: Männlichkeitsideologien sind dafür wesentlich. Entsprechend "scheint in jeder Gesellschaft das Ausmaß, in dem Frauen unmittelbar zum Nahrungserwerb beitragen, in Wechselbeziehung zum Grad der Betonung von Männlichkeit zu stehen."
Es ist keineswegs „natürlich“, sich freiwillig Gefahren auszusetzen, sondern im Gegenteil versuchen alle Menschen – Männer wie Frauen –, Gefahren für Leib und Leben aus dem Weg zu gehen. Die von Männern erwartete Reaktion, der Gefahr entgegenzutreten statt vor ihr zu fliehen, ist "kontraphobisch, das heißt, gegen die eigene innere Abwehr gerichtet und kulturell – also nicht biologisch – bedingt".
Die Männlichkeitspose ist eine sozial konstruierte Reaktion auf den (heimlichen) individuellen Wunsch, den Mühen der Arbeitswelt, den Gefahren auf der Jagd oder auf dem Schlachtfeld, allgemein den Gefahren in der "Welt da draußen" zu entfliehen.
Ihre prinzipiell unbegrenzte Verfügbarkeit ist ein Grund, weshalb Männer die gefährlicheren Aufgaben zugeteilt bekommen als Frauen. Daneben spielen sicher auch die anatomischen Unterschiede und die Tatsache eine Rolle, dass Frauen bei Naturvölkern ständig Säuglinge und kleine Kinder zu versorgen haben. Tatsächlich sind Männer für das biologische Fortbestehen eines Stammes bzw. einer Gesellschaft weitgehend verzichtbar.
Zumindest unter den Bedingungen einer polygamen Gesellschaft ist es relativ belanglos, wenn in einem Krieg viele oder die meisten Männer umkommen. Frauen dagegen müssen beschützt werden, um das Fortbestehen der Gesellschaft ohne langfristigen Bevölkerungsrückgang zu gewährleisten. Daher wird von Frauen in der Regel erwartet, dass sie Gefahren meiden, während Männer bewusst Gefahren suchen sollen
"Es ist eben dieses Akzeptieren der eigenen Entbehr-lichkeit, das oft als Maßstab für Männlichkeit gilt."
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.11.2009 um 00:32
Kleine Ergänzung:
Das archaische Erbe schwingt noch in dem alten Seefahrermotto "Frauen und Kinder zuerst" mit, das auch regelmäßig dann zum Tragen kommt, wenn ein Tsunami wütet, ein Flugzeug abgestürzt oder eine Bombe explodiert. "Frauen und Kinder" unter den Opfern werden dann von den Medien noch immer meist getrennt ausgewiesen.
Der höhere Wert von Frauen für die Reproduktion eines Stammes spiegelte sich zudem auch in der Höhe des Wergeldes wider - d.h. der Summe, die für einen Totschlag zu entrichten war. Vergleichbares gibt es heute noch in der Scharia, etwa im Iran, wo allerdings für den Totschlag an einer Frau nur halb so viel zu bezahlen ist wie für ein männliches Opfer. Dasselbe wird in der Wikipedia auch für den Sachsenspiegel behauptet - allerdings schlecht belegt und meines Wissens falsch.
Im Standardwerk "Lexikon des Mittelalters" (LexMA) heißt es dazu jedenfalls: "Frauen generell oder jedenfalls solche im gebärfähigen Alter (Lex Saxonum c. 15) und schwere Fälle, die durch eine heimtück. Begehungsweise (Mord; s. Lex Alamannorum c. 49) oder die Gemeinschädlichkeit (Tötung auf der Heerfahrt) gekennzeichnet waren, wurden durch ein Mehrfaches des normalen Satzes gesühnt." Der soziale Status des Opfers spielte natürlich ebenfalls eine Rolle.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.11.2009 um 00:40
@gweberbv
"Ich gehe davon aus, dass bei Menschen, die man zu zehntausenden in den sicheren Tod zu schicken gedenkt, deutlich härtere diszplinierende Methoden zur Konditionierung anwenden müsste."
Das ist sicher richtig. Die Amerikaner haben es ja im Irak ersatzweise mit Drogen probiert. Dummerweise haben die Piloten dann ja reihenweise ihre englischen Verbündeten abgeschossen. Jedenfalls sind Drogen auch ein beliebtes Mittel, natürliche Ängste abzutöten. So wie es "der Russe" ja schon im Zweiten Weltkrieg mit Wodka praktiziert haben soll.
So weit ich weiß, ist die Entscheidung darüber, ob Haarnetze erlaubt sind, inzwischen der Willkür der jeweiligen Befehlshaber überlassen. Ein generelles Recht darauf gibt es jedenfalls nicht - d.h. für Männer natürlich, für Frauen schon.
Zu Ihren individuellen Eindrücken kann ich wenig sagen und will ich auch nicht. Ich war nicht beim Bund. Ist z.T. natürlich auch eine Frage der persönlichen Wahrnehmung.
Rahab schrieb am 27.11.2009 um 12:59
@derDonnerstag
nun kann ich also nachlesen, was mit dem archaischen gemeint ist. aber wo ist die überprüfung?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.11.2009 um 14:51
@Rahab
Überprüfen kann man da natürlich lange. Letztlich bleibt so eine Behauptung immer spekulativ. Mir erscheint sie jedenfalls plausibel. Du musst ja nicht daran glauben. Und wenn es Dir nicht plausibel erscheint, wie wär's mit einem Gegenargument?
Rahab schrieb am 27.11.2009 um 18:21
nein, derDonnerstag, ich glaube nicht dran! zumal das archaische in deiner darstellung doch seltsame sprünge hinlegt. diese sprünge sind so seltsam, dass ich den verdacht nicht loswerde, dass es sich bei diesem archaischen um eine doch recht neuzeitliche erscheinung handelt. oder, wie dein gewährsmann sagen würde: ein konstrukt.

über das gegenargument werde ich noch etwas nachdenken, d.h. über dessen ausgestaltung.
es geht schließlich schon mit deinem ersten satz los: "In den meisten Gesellschaften sind Frauen in erster Linie für die Reproduktion, Männer für die Produktion zuständig". dieser satz ist, auch mit der einschränkung "in den meisten Gesellschaften" falsch.
was mutmaßlich an dem von dir unterlegten begriff von produktion liegt.
oder?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.11.2009 um 18:54
@Rahab
Dass es nur ein Konstrukt ist, glaube ich nicht. Man könnte den Begriff natürlich präzisieren und von archaischen, traditionellen oder einfach strukturierten Gesellschaften sprechen. Immerhin geht es dabei um ca. 99 % der Menschheitsgeschichte. Sooo lange gibt es die Pille noch nicht und die Emanzipation erst recht nicht.
Es wäre daher eher ein Wunder, wenn solche "archaischen" Wertvorstellungen nicht nachwirken würden. Zumal es gängige Lehrmeinung ist, dass Mentalitäten sich nur sehr langsam verändern - besonders in ihrem Kern. Und genau darum geht es ja hier.
Es geht hier also um Gesellschaften, in denen Frauen ständig einen Haufen Kinder zu versorgen haben und alle Nase lang schwanger sind. Dehalb konnten sie nur einen kleinen Teil zur "Produktion" beitragen. Z.B. Beeren und Wurzeln sammeln, weil sie sich dafür nicht allzu weit von der schützenden Höhle entfernen mussten und die Kinder mitschleppen mussten. Mag sogar sein, dass ihr Anteil an der Produktion gar nicht viel geringer war als der der Männer. Es lässt sich aber leicht vorstellen, dass das Fleisch, das die Männer von der Jagd mitbrachten, größere Freude ausgelöst haben dürfte als die zu erwartenden vegetarischen Beigaben von den Frauen.
Klar ist jedenfalls auch, dass ein Stamm, der sich - wie meist üblich - regelmäßig mit benachbarten Stämmen bekriegte, dann vom Aussterben bedroht war, wenn seine Frauen umgebracht oder versklavt wurden. Wenn die Hälfte der Männer umkam, war das vergleichsweise weniger tragisch, weil die verbliebene Hälfte sich dann eben um die Frauen kümmern musste. Wenige Männer reichen, um ein paar Dutzend Frauen zu schwängern. Die Zahl der möglichen Nachkommen eines Stammes ist dagegen unmittelbar von der Anzahl der gebärfähigen Frauen abhängig.
Das Argument dürte wohl kaum zu widerlegen sein. Ob und inwieweit dies nachwirkt, darüber kann man sich streiten.
Rahab schrieb am 28.11.2009 um 22:52
versteh ich das jetzt richtig? alles, was mit militär zu tun hat, entstammt archaischen (traditionellen) werten (aus einfach strukturierten gesellschaften)? - hm. die details dieses archaischen, traditionellen mal beiseitegelassen bedeutet das doch, dass alle, die unbedingt noch ein militär brauchen, wollen, unterstützen letztlich traditionell/archaisch verhaftet sind.

weißte, derDonnerstag, letztlich ist es doch wurscht, ob nun deine herleitung des archaischen zutreffend ist oder nicht. schließlich kämen wir nur auf unterschiedlichen wegen zu dem ergebnis, dass militär obsolet ist. du, weil du zutreffend sagst, dass der säbelzahntiger doch längst ausgestorben ist. und ich, weil ich sage, dass militär schlicht und ergreifend menschenfeindlich ist und durch die aktive beteiligung von frauen auch nicht besser wird.

da also das ergebnis ist, dass wir beide für die abschaffung von militär generell eintreten - also, mit dem ergebnis kann ich leben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.11.2009 um 16:15
@Rahab
Du wirst das wahrscheinlich für zynisch halten, aber ich bin nicht für die Abschaffung des Militärs. D.h., prinzipiell natürlich schon, da aber kaum alle Länder dieser Erde ihr Militär gleichzeitig abschaffen werden, ist es leider unrealistisch, das zu erwarten. Noch zynischer wird es, wenn ich sage: Solange die Welt keine perfekte ist, wird es Armeen geben. Und solange es genügend Leute gibt, die Spaß daran haben, in Reihe und Glied zu marschieren, sollten die Freiwilligen vorgelassen werden.
Fazit: Ich bin für eine Berufsarmee. Auch Frauen sollten dort mitmachen dürfen, allerdings möglichst zu gleichen Bedingungen. (Wann und wo diese Armee eingesetzt werden soll, ist eine ganz andere Frage).
Mein Hinweis auf diverse archaische Rollenbilder und Wertvorstellungen bezog sich weniger auf die Existenzberechtigung von Armeen an sich, als auf die Vorstellungen, dass "Wehrhaftigkeit" eine männliche Domäne sei und die daraus resultierenden Vorbehalte gegen Frauen beim Militär.
Rahab schrieb am 29.11.2009 um 16:31
mein posting vom 29.11.2009 um 16:28 gehört eigentlich hierhin. na, macht nix - du kannst ja einfach ein bißchen weiter oben gucken...
goch schrieb am 26.11.2009 um 19:42
Die Ausbildung zum Soldaten bedeutet für mich, dass die Individualität an der Kaserne abgegeben wird und Vermassung stattfindet - also Entindividualisierung - Abrichtung zum Töten.
Das ist doch die Arbeitsplatzbeschreibung eines Soldaten. Wer dies mal anschaulich nachempfinden will, sehe sich doch Full metal jacket von Stanley Kubrik an, den ich für den besten Anti-Kriegsfilm halte, den ich je gesehen habe.
Emanzipation ist das Gegenteil von Entindividualisierung.
Die Konsequenz ist also nicht Frauen auch in die Bundeswehr, sondern Kriege und Armeen zu ächten und ihr im wesentlichen menschenverachtendes Handwerk perspektivisch abzuschaffen.
Wer das für illusorisch hält , der soll sich doch mal fragen, woher denn die vielen Waffen kommen mit denen weltweit Kriege geführt werden.
Aus einer Handvoll Staaten. Ratet mal welche.
gweberbv schrieb am 26.11.2009 um 19:50
@goch

Nicht die Abrichtung zum Töten sondern die zum selbst getötet werden erfordert das, was du in dem Film gesehen hast.
h.yuren schrieb am 27.11.2009 um 22:58
genauso ist es, goch, genauso, wie du es sagst.
"Die Konsequenz ist also nicht Frauen auch in die Bundeswehr, sondern Kriege und Armeen zu ächten und ihr im wesentlichen menschenverachtendes Handwerk perspektivisch abzuschaffen."
nur wer nicht lange und gründlich nachgedacht hat, kann so einen quatsch verbraten wie die autorin des artikels.
was steht denn noch mehr für schiere gewalt und entmenschung als der hochtechnisierte schlachtbetrieb? und was könnten frauen verpassen, wenn sie dem killerclub nicht dienen?!
während die meisten staaten dazu übergegangen sind, die wehrpflicht abzuschaffen, kommen die dämchen mit fliegenden fahnen zu den kanonen gerannt. zuviel killerspiele absolviert oder was?
denk doch bitte erst mal nach, was den menschen von einer maschine unterscheidet!
in sachen wahn & gewalt verstehe ich keinen spaß.
Lethe schrieb am 27.11.2009 um 16:28
"emanzipiert ist, wenn ... " ... wenn danach eine lange Liste mit Sachverhalten folgt, die gegeben sein müssen, dann wird diese Liste vor allem eins sein: unvollständig. Gleichgültig, wie lang sie ausfällt. Und meines Erachtens an der Sache vorbei.

Ob Frauen emanzipiert sind, wenn sie Soldat sein dürfen oder müssen, ist vor allem eine Frage persönlichen Empfindens, wie vieles innerhalb des Themengebietes "Emanzipation". Aus meiner Sicht liegt eine Grundvoraussetzung von Emanzipation, sei es weiblicher oder männlicher, in der Fähigkeit, sich innerlich von Klischees und Rollenzuweisungen zu lösen und herauszufinden, wie eigentlich die eigene Angemessenheit in einer zur Debatte stehenden Frage aussieht.

Wenn wir Emanzipation an Regeln und Vorschriften festmachen, werden nur wieder diejenigen, die die Regeln und Vorschriften festmachen, ihre Vorstellungen allen anderen aufzwingen, werden für andere festlegen, was für die verbindlich zu sein hat.

Emanzipation könnte ein ernsthaftes Gegengewicht zur Machtbasiertheit einer Gesellschaftsstruktur werden. Aber nicht, wenn sie nur neue statt der alten Regeln formuliert, statt das Prinzip der Regelhaftigeit selbst zu hinterfragen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.11.2009 um 19:39
Lieber h.yuren,
danke für die deutlichen Worte.
MartinReed schrieb am 28.11.2009 um 21:48
Frauen sollten auch zu einem Jahr verpflichtet werden!
Zu einem Jahr Zivildienst, in einer Küche oder in einem Krankenhaus...
An der Front könnten Sie immer noch vergewaltigt werden, weil die Ausprägung der Primären Geschlechtsorgane hat sich, trotz Gender und Alice s. und dieser möchtegerne Alice S. namens Kathrin R., noch immer nicht angeglichen!
Eigentlich schade, wo sich doch der Rest so gut angeglichen hat und heute steht doch eh schon jder auf jedes Geschlecht. Was sich aber leider nicht ändern konnte, noch nicht, Menschen mit einem "W" im Ausweis können solche mit einem "M" nicht ohne weiteres vergewaltigen, und dann zur Vertuschung töten. Andersherum passiert das leider immer noch manschmal, gerade in Kriegszeiten. Eine Frau ist also immer schlecht fürs Militär (geeignet)!


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
Liebeshandlung - Eugenides

Berlinale

Freitag_Salon

PortletSalon_120216.png

Christoph von Marschall Was ist mit den Amis los? Herder Verlag 2012

260 Seiten. Gebunden.

18,99
 
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten >> mehr
Occupy

portlet_occupy.png

Augstein und Blome

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Anti-Terror-Zelle Kraftklub

Ausgabe 06/12
09.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

Blog-Tipps

Boing Boing
Ein Verzeichnis wundervoller Dinge

Wired News
Technologie-Trends von heute und morgen

Jezebel
Das US-Frauennetzwerk

maedchenmannschaft. net
Das Blog der Alphamädchen

flannel apparel
girlism. großkariert.

nutriculinary.com
Große Küche von Herrn Paulsen

Frau Freitag
Na, wie war's in der Schule

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG