Fanny Lépine, Yannick Cador
03.12.2012 | 13:22

Von Sparta und Marathon

Web-Reportage Einst lag die Macht in Sparta in den Händen der Ältesten, kämpften die Griechen gegen persische Invasoren für ihre Unabhängigkeit. Und heutzutage? Die Ruinen der Griechen

Von Sparta und Marathon

Was ist noch übrig vom goldenen Zeitalter der griechischen Antike und von Europa? Proteste auf dem Akropolis-Hügel

Foto: Getty Images

„Europa ohne Griechenland wäre wie ein Kind ohne Geburtsurkunde“, sagte einst der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing. Für ihn war klar: Griechenland muss zu Europa gehören. Das war in den achtziger Jahren, als Griechenland noch auf der Kandidatenliste für den EU-Beitritt stand. Heute ist es das erste Land, das für einen eventuellen Austritt aus der Euro-Zone in Frage kommt. Ist Griechenland das Stiefkind Europas? Doch nicht zu vergessen: Mit Aristoteles, Platon, Perikles, Euripides oder Sophokles ist Griechenland nicht nur die Wiege der Demokratie, sondern auch eine antike Hochkultur, die die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt hat.

Was ist von diesem goldenen Zeitalter heute noch übrig? Die Folgen der Wirtschaftskrise berühren alle Lebensbereiche der griechischen Bevölkerung, auch das Gesundheitssystem leidet. Arbeitslosigkeit, politischer Extremismus, soziale Ungleichheit, Angst vor dem Anderen und eine bankrotte Kulturindustrie – kehrt Griechenland zurück an die Anfänge der Zivilisation? An zehn Orten und in zehn Themenblöcken wollen wir in dieser Webreportage eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen, um daran zu erinnern, wie eng Griechenland noch immer mit seiner einstigen Größe verbunden ist.

3. Folge: Spartadie ältere Generation

Das antike Sparta war eine Gerontokratie, eine politische Herrschaftsform, bei der die Macht in den Händen der ältesten – da weisesten und kompetentesten – Stadtbewohner liegt. Heute fühlt sich die ältere Generation von den Sparmaßnahmen der EU und des IWF besonders betroffen.

  • Wir porträtieren einen Rentner, der wieder arbeitet, um sich einen Lebensunterhalt zu sichern, und befragen seine Familie zu den Folgen dieser Rückkehr ins Arbeitsleben. Was halten die Jugendlichen davon, die nur schwer Zutritt zum Arbeitsmarkt finden?

  • In Krisenzeiten verlieren viele alte Menschen die Hoffnung und sympathisieren mit rechtsextremen Parteien. Sie glauben, den Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen zu sein. Wie lebt es sich als Rentner im heutigen Griechenland?

4. Folge: Das Tal von Marathon - die Feinde

Als die griechische Armee die persischen Invasoren im Jahre 490 v. Chr. ins Tal von Marathon zurückdrängte, retteten die Griechen mit diesem Sieg des Schwachen gegen den Stärkeren die Unabhängigkeit ihrer jungen Nation.

Heute benennt Griechenland andere Feinde, auch sie will es zurückdrängen. Die Bedrohung kommt von Seiten der Türkei, zu der Griechenland seit seiner Unabhängigkeit vom ottomanischen Reich eine gespannte Beziehung hat. Sie kommt auch von Deutschland, das den Griechen zufolge für die harten Sparmaßnahmen verantwortlich ist. Und sie kommt – wie es die rechtsextremen Demagogen verlauten lassen – von all den Ausländern, die den Griechen die Arbeitsplätze wegnehmen.

  • Die Armee und der Feind Türkei. Griechenland investiert mit rund 3% des BIP mehr ins Militär als Frankreich oder Großbritannien. Sogar in Krisenzeiten, wenn sämtliche Haushalte beschnitten werden, bleibt der des Militärs unangetastet. Aus gutem Grund: Die Griechen fühlen sich noch immer von der Türkei bedroht. Im Tal von Marathon erklärt uns ein junger Soldat, warum er sich für die Armee verpflichtet hat und wir versuchen zu verstehen, was die bedeutsamen Investitionen in das Militär heute noch rechtfertigt.

  • Ein Einwanderer, der seit mehreren Jahren in Griechenland regulär wohnt und arbeitet, erzählt die Geschichte seiner Familie und öffnet sein Fotoalbum. Seine Aussagen werden denen eines militanten Rechtsextremen gegenübergestellt, der sich für „griechischer“ hält als der Einwanderer, obwohl beide Männer ihre Familien im gleichen Land gegründet haben.

      Quelle: Arte Reportage