Dexter & Barnes
25.03.2013 | 18:17 1

Trotz der Sex-Posse

Medienkritik Für die Rettung der "DSDS"-Quote ist RTL scheinbar alles recht. Nach der Diffamierung einer Kandidatin als "Schlampe" wird weiterhin medienwirksam ein Skandal zelebriert

Trotz der Sex-Posse

Not amused für die Show. Dieter Bohlen bezeichnete DSDS-Kandidatin Sarah Joelle Jahnel (23) als "Schlampe"

Es gibt Sender, die haben eine Prime-Time und es gibt Sender, die haben eine Sex-Time. Zu letzterem zählt seit vergangenem Wochenende nun endgültig auch RTL, die mit frivolen Puff-Witzen versuchen die verloren gegangenen Zuschauer zurück zu gewinnen. Eine Rechnung, die nicht aufging. Nur magere 3,54 Millionen Zuschauer, ganze 11,6 Prozent wollten das Schmierentheater von "DSDS & Co." am Wochenende noch sehen und das will schon was heißen.

(SQD) Zu Spitzenzeiten mit einer Traumquote von bis zu 15 Millionen Zuschauern belohnt, springen immer mehr Fans der Show ab und wollen nicht mehr sehen, was RTL ihnen glauben machen will. Von unzüchtigen Sex-Eskapaden und weitschweifenden "Sodom und Gomorra" ist die Rede. Kandidaten treiben es untereinander und auch das TV-Team habe Sex mit Casting-Kandidaten gehabt, so die Berichte der letzten Zeit.

Ein Skandal wie am Reißbrett entworfen - so scheint es - und wieder spielen sich "Bild" und RTL die Bälle zu.

Chronik einer Kumpanei


"Die Schlampe muss man mitnehmen", lancierte Dieter Bohlen zunächst einen Spruch in einer der Sendungen vor Beginn der Live-Mottoshows bei "Deutschland sucht den Superstar" und gemeint war Sarah Joelle Jahnel (23), die mit Aussagen und Andeutungen nicht hinterm Berg hielt und zuletzt auch das TV-Team von RTL beschuldigte, mit einzelnen Kandidaten Sex gehabt zu haben. Der Grundstein war gelegt und die "Bild"-Zeitung legte nach: "Bohlens Schlampe Sarah packt aus: Bei DSDS geht jeder mit jedem ins Bett!“, lautete die Schlagzeile am Abend des 18. März (23:37 Uhr!!!).

Nur Stunden später verbreiteten ganze Heerscharen von Internetmedien das Thema zur Freude von RTL, die sich wohl heimlich ins Fäustchen lachten, über die Gratis-PR, die es nun wieder gab. Wenn nix mehr geht, "Sex sells immer", muss sich wohl auch einer der Werbestrategen des Hauses gedacht haben oder warum sonst wurde Sarah Joelle Jahnel zur Schlampe der Nation gemacht?

Mutter war entsetzt


„Möchtest du dir diesen Stempel wirklich aufdrücken lassen?“, fragte die Mutter ihre Tochter, die gegenüber RTL lediglich erzählte, dass sie gerne auf Partys gehe, wie jedes andere Mädel in ihrem Alter auch. Und natürlich hatte sie sich ausgezogen - für den Playboy - wie tausend andere vor ihr auch, und die wurden ja auch nicht als "Schlampe" betitelt.

Anmerkung: Wenn Sarah Joelle eine Schlampe ist, müssten auch Pamela Anderson, Marilyn Monroe und Jenny McCarthy eine Schlampe sein, denn die haben sich auch schon nackig gemacht, für das Magazin mit dem "Bunny"-Logo ganz oben auf und viel mehr hatte Sarah Joelle bis dahin nicht gemacht.
 
"Schlachten" für die Quote


Für die Anhebung der im Sinkflug befindlichen "DSDS"-Quote ist dem Sender scheinbar alles recht. Da stört es auch nicht, eine Kandidatin zum "Schafott" zu führen, sie zu beleidigen und in den Medien falsch darzustellen, den "Stempel" kriegt sie nie wieder los. Egal was sie tut, immer wieder wird man sich daran erinnern, dass sie in irgendeiner hirnverbrannten Sanges-Sendung als "Schlampe" bezeichnet wurde und wer macht sich schon die Mühe, die Hintergründe zu recherchieren und zu begreifen, dass auch sie nur ein gewöhnliches Medienopfer von RTL und "Bild" war?

Nichts ist peinlich


So zelebrierte RTL den vermeintlichen Skandal gleich zu Beginn der 2. Mottoshow mit Bildbeweis und großem Tam-Tam, "schaut her, über uns wird berichtet", sollte wohl die Botschaft sein. In großen Lettern wird die Schlagzeile eingeblendet, mit Einspielern unterlegt, brüstet der Sender sich über die neueste Schlagzeile zur Show und wirkt irgendwie auch stolz darauf, dass teils Minderjährige beim Casting zum Sex verführt wurden. Ist das jetzt allen Ernstes der geniale Coup, mit dem der Sender die Show vor dem Aus retten will?

Ein Zuschauer dazu schreibt: "Wenn eine Sendung mit Berichten dieser Art künstlich am Leben gehalten werden muss, dann ist das Ende meist nicht weit ..." (Quelle: Shortnews.de)

Sendung vor dem Aus?


Die Tatsache, dass die schmierige Sex-Posse vom Sender selbst auch für Werbezwecke gnadenlos ausgeschlachtet wurde und das Thema dann noch durch eine komplette Samstag-Abend Show trug, zeigt auch, wie verzweifelt der Sender diese Schlagzeilen jetzt braucht, um überhaupt noch eingeschaltet zu werden. Wäre es dem Sender egal oder peinlich gewesen, hätte man es nur kurz erwähnt, nicht aber zehn mal noch breitgetreten. Und genau das legt den Verdacht nahe, dass alles so auch gewollt war. Dass Sender und Zeitung unter einer Decke stecken und die Zeitung nur das druckt, was dem Sender auch passt. Man könnte auch sagen: Die "Bild"-Zeitung ist das inoffizielle Werbe-Organ des Senders RTL und froh stimmt daran eigentlich nur, dass viele das schon wissen und nicht jeder mehr darauf hereinfällt.

Nicht eine einzige Nachrichten-Agentur hatte das Thema verbreitet. Auch das ein starkes Indiz dafür, dass die Kumpanei von "Bild" und RTL längst durchschaut und entlarvt ist, egal wie geschickt die beiden sich noch ins Zeug legen.

Sex geht weiter


Freilich schreiben ein paar findige Storyliner der Show schon an der nächsten Posse. Die rothaarige Lisa aus dem Erzgebirge und der fesche Erwin aus dem schwarzwäldischen Pforzheim - er sieht ein bisschen aus wie Jason Donovan mit 20 - sollen wohl das nächste Tuschel-Thema der verkommenen Kuppel-Show werden und wenn die Liebe dann versagt, können die "Superstars" ja gleich noch weiter ziehen: Zu "7 Tage Sex", der Sender hat für alles eine Lösung.  

"Singen und Poppen", das scheint überhaupt die Marschrichtung zu sein. Von Scham und Würde keine Spur.

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