Jakob Augstein
29.10.2012 | 16:02 22

Neues vom Schweinejournalismus

Medien Die taz hat Umweltminister Altmaier ein Zwangsouting angedeihen lassen. Nach Angaben von queer.de hat sich jetzt der Presserat mit der Sache befasst.

Kommentare (22)

ed2murrow 29.10.2012 | 16:39

Interessante Bestimmung der linken Spalte im verlinkten und wiederverwendeten Artikel. Und enthält -dort- eine Fehlleistung, da zur Stunde nicht ersichtlich ist, wann der Artikel sein Update erfahren hat: Denn insoweit ist die Info in der Spalte nicht datiert und der Trackback nach hier ist dort nicht ersichtlich.

Das verunsichert. Ist der Artikel noch der selbe?

janto ban 29.10.2012 | 18:20

|| Der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) hatte in seinem Kölner Appell bereits vor elf Jahren Medien aufgefordert, aus der sexuellen Orientierung von Prominenten "kein Geheimnis zu machen" und damit Homosexualität nicht länger zu tabuisieren. Vielmehr solle "zwischen sexueller Orientierung und Privatleben" unterschieden werden. || http://www.queer.de/detail.php?article_id=17702

|| "Wenn es denn stimmt, dass Lesben und Schwule in unserer Gesellschaft mittlerweile anerkannt sind, darf das homosexuelle Privatleben nicht schutzbedürftiger sein als heterosexuelles Privatleben", so Munz. "Bedauerlicherweise sieht die Realität noch immer anders aus: Die sexuelle Orientierung wird in der Öffentlichkeit häufig nur dann als Privatsache behandelt, wenn es sich um Lesben und Schwule handelt. In dieser Tradition lesen wir auch die Argumentation des Presserates. Eine solche Unterscheidung ist eine Diskriminierung." || http://www.queer.de/detail.php?article_id=17720

Ich nehme an, dass Sie diese Stelln meinten, als Sie schrieben: "Die Kollegen sind anderer Meinung als ich und führen dazu interessante Argumente ins Feld", Herr Augstein.

Ich (homosexuell) tue mich damit fortdauernd schwer. Denke aber noch einmal in Ruhe darüber nach.

Baphomed 29.10.2012 | 18:53

Lieber Janto,

ich bin wie auch viele andere einfach nur A-Sexuell auch eine ausrichtung. Ich betone Nochmal das ist völlig egal welche Sexuelle Ausrichtung jemand hat. Muss ich immer bombadiert werden damit oh der Ist Schwul, der ist Hetero, die ist Lesbisch oder dort Wucher SM dort Voyerismus und so weiter?

Nein das ist Egal, aufgrund der Persönlichen Freundschaft mit Herren Altmeier vermute ich er würde genauso antworten.

Daher lehne ich diese vom BLSJ gefordete Zwangskategorisierung nach Sexualnormen kategorisch ab! Sie ist Diskriminierend weil sie Vorsieht jeder passt in eine Schublade.

Was ist mit Menschen die in Ihrer Sexuellen Orientierung ständig wechseln was sind die dann?

Es ist ein Kapitalistischer sehr verwerflicher ansatz danach zu fragen was Bist Du. Bist du Reich? Bist du Schwul?

Nein dieser weg ist falsch es kann nur eines Richtig sein was hast du mir zu sagen wie kannst du mein leben bereichern mit Gedanken und Taten!

Magda 29.10.2012 | 22:15

Aha, das meint also der Schweinefürst Zsupán, wenn er seine Arie im "Zigeunerbaron" schmettert. "

Ja, das Schreiben und das Lesen
ist nie mein Fach gewesen
denn schon von Kindesbeinen
befass ich mich mit Schweinen

Sehr schöne Aufnahme steht hier zur Verfügung.

Herr Augstein lassen Sie doch die Tierwelt. Jaja, ich weiß, Sie zahlen nur heim was andere...

Aber, vielleicht ist es auch ganz lustig, die Tierwelt zu bemühen.

Muss ich mal machen, wenn ich Lust habe. 

Lee Berthine 29.10.2012 | 22:19

Erfreulich ist doch, da Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung (selbstredend auch aufgrund des Geschlechtes, des Alters, der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit und/oder Zugehörigkeit zu einer sozialen Kaste) abgeschafft wurde - denn das kann man heutzutage ganz einfach mittels eines entsprechenden Gesetzes und einer Behörde (Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes etc.) erreichen, es gar keine Rolle spielt, was wer wie mit wem und ob überhaupt ein Politiker was zu schnackseln hat. 

Wenn seine Nebenjobs plus der nervenaufreibenden und verantwortungsvollen Tätigkeit als Volksvertreter ihm überhaupt Zeit für ein Privat- oder Intimleben lassen, kann man ihm ohnehin nur gratulieren!

Wenn da das Presserecht bemüht wird, weil solche Mutmaßungen über geschlechtliche Orientierung die Privatsphäre verletzen würden, dann ist irgendwas faul im Staate Dänemark. 

KalleWirsch 30.10.2012 | 10:49

Was bin ich froh, dass ich diesen Sommer nichts davon mitbekommen habe.

Jan Feddersen wird für mich immer abstruser. Mir hat er bei einer Veranstaltung auf meine Frage, ob es ihn nicht störe, dass der CSD immer mehr zu einer politikfreien Party verkomme, geantwortet, Manche Leuten hätten auch immer etwas zu meckern. Dann las ich von ihm in seiner Kollumne zum ESC in Baku, dass ihm diese menschenrechtisten den ganzen Spaß an am Eurovision Song Contest stören. https://www.freitag.de/autoren/kallewirsch/201emenschenrechtisten-als-spassverderber201c-2013-feddersens-esc-kolumne

Und dann ist es aber wieder plötzlich politisch wichtig, ob Altmaier schwul ist? Das verstehe wer will. Gerade aus Herrn Feddersens Feder ist das absurd. Aber auch nicht überraschend , da Herr Feddersen es seit geraumer Zeitnicht mehr schafft über seinen priviligierten Tellerand als schwuler Großstadtjournalist, der im establishment angekommen ist, hinauszugucken. Für Feddersen ist es einfach mittlerweile Homosexualität offen zu leben. Für Herrn Altmaier ist es das vielleicht nicht. Auch die Argumentation greift für mich nicht, dass seine angenommene Homosexualität politisch ist, sobald er sich gegen die Gleichstellung von Homosexuellen im Bezug auf die Ehe ausspricht. Das ist wieder dieses Meinungsdiktat. Wieso muss ein schwuler Mann für die Homoehe sein? 

Wozu bitte auch immer diese Bekenntnisse. Das finde ich auch ziemlich diskriminierend. Es stellt sich ja auch nicht ein heterosexueller Single Politiker hin und bekennt sich zur Heterosexualität. Ich kann durchaus folgen, wenn schwule und lesbische Journalisten fordern Homosexualität in der Berichterstattung nicht mehr zu tabuisieren. Doch man möge dann doch bitte auch nicht skandalisieren. Das was bei Altmaier passierte, hört sich bei mir nach skandalisieren an. 

Ich bin nun kein Fan von Westerwelle, aber da ist eben irgendwann ein Partner aufgetaucht. Er hat ganz normal sein Leben gelebt und irgendwann ist ihm ein Boulevardfotograf über den Weg gelaufen. Gewusst haben es alle.

Und ist Westerwelles Sexualität relevant für seine Politik? Nein, denn er ist nei für Homorechte politisch eingetreten. Und um das zu tun muss man auch hoffentlich nicht schwul oder lesbisch sein. Und  mit welchem Recht fordern wir von homosexuellen Politikern, dass sie sich für Homorechte einsetzen. Ich persönlich finde schon, dass man seine priviligierte Stellung nutzen sollte, etwas für die weniger Priviligierten zu tun. Aber ich kann es doch nicht fordern. 

Herr Altmaier ist Umweltminister. Was hat seine Sexualität mit diesem Amt zu tun? Ich hatte eigentlich gehofft, dass wir diesen Outingquatsch hinter uns hätten. Ich kriege wirklich Bauchschmerzen, wenn gerade Homosexuelle andere Homosexuelle auf ihre Sexualität reduzieren. Und besonders, wenn es von mir hoch verehrte Blogger wie Stefan Niggemeier tun.

KalleWirsch 30.10.2012 | 10:50

Was bin ich froh, dass ich diesen Sommer nichts davon mitbekommen habe.

Jan Feddersen wird für mich immer abstruser. Mir hat er bei einer Veranstaltung auf meine Frage, ob es ihn nicht störe, dass der CSD immer mehr zu einer politikfreien Party verkomme, geantwortet, Manche Leuten hätten auch immer etwas zu meckern. Dann las ich von ihm in seiner Kollumne zum ESC in Baku, dass ihm diese menschenrechtisten den ganzen Spaß an am Eurovision Song Contest stören. https://www.freitag.de/autoren/kallewirsch/201emenschenrechtisten-als-spassverderber201c-2013-feddersens-esc-kolumne

Und dann ist es aber wieder plötzlich politisch wichtig, ob Altmaier schwul ist? Das verstehe wer will. Gerade aus Herrn Feddersens Feder ist das absurd. Aber auch nicht überraschend , da Herr Feddersen es seit geraumer Zeitnicht mehr schafft über seinen priviligierten Tellerand als schwuler Großstadtjournalist, der im establishment angekommen ist, hinauszugucken. Für Feddersen ist es einfach mittlerweile Homosexualität offen zu leben. Für Herrn Altmaier ist es das vielleicht nicht. Auch die Argumentation greift für mich nicht, dass seine angenommene Homosexualität politisch ist, sobald er sich gegen die Gleichstellung von Homosexuellen im Bezug auf die Ehe ausspricht. Das ist wieder dieses Meinungsdiktat. Wieso muss ein schwuler Mann für die Homoehe sein? 

Wozu bitte auch immer diese Bekenntnisse. Das finde ich auch ziemlich diskriminierend. Es stellt sich ja auch nicht ein heterosexueller Single Politiker hin und bekennt sich zur Heterosexualität. Ich kann durchaus folgen, wenn schwule und lesbische Journalisten fordern Homosexualität in der Berichterstattung nicht mehr zu tabuisieren. Doch man möge dann doch bitte auch nicht skandalisieren. Das was bei Altmaier passierte, hört sich bei mir nach skandalisieren an. 

Ich bin nun kein Fan von Westerwelle, aber da ist eben irgendwann ein Partner aufgetaucht. Er hat ganz normal sein Leben gelebt und irgendwann ist ihm ein Boulevardfotograf über den Weg gelaufen. Gewusst haben es alle.

Und ist Westerwelles Sexualität relevant für seine Politik? Nein, denn er ist nei für Homorechte politisch eingetreten. Und um das zu tun muss man auch hoffentlich nicht schwul oder lesbisch sein. Und  mit welchem Recht fordern wir von homosexuellen Politikern, dass sie sich für Homorechte einsetzen. Ich persönlich finde schon, dass man seine priviligierte Stellung nutzen sollte, etwas für die weniger Priviligierten zu tun. Aber ich kann es doch nicht fordern. 

Herr Altmaier ist Umweltminister. Was hat seine Sexualität mit diesem Amt zu tun? Ich hatte eigentlich gehofft, dass wir diesen Outingquatsch hinter uns hätten. Ich kriege wirklich Bauchschmerzen, wenn gerade Homosexuelle andere Homosexuelle auf ihre Sexualität reduzieren. Und besonders, wenn es von mir hoch verehrte Blogger wie Stefan Niggemeier tun.

barshai 30.10.2012 | 12:15

"... dass ich diesen Sommer nichts davon mitbekommen habe ..."

Du scheinst überhaupt nur noch wenig mitzubekommen :-)

Manchmal hilft dagegen sich erst einmal zu informieren, bevor man dämliche Kommentare absondert.

Kölner Appell

BLSJ: Entscheidung des Presserats Gefahr für kritischen Journalismus

Protest gegen Einschätzung zur “taz”-Berichterstattung über Bundesumweltminister Peter Altmaier

Nach Ansicht des Presserats hat die Berichterstattung der “taz” über das Beinahe-Coming-out von Bundesumweltminister Peter Altmaier gegen den Pressekodex verstoßen, weil das Persönlichkeitsrecht Altmaiers verletzt worden sei. Nur weil der Artikel online entfernt wurde und sich die Chefredakteurin erklärt habe, sei von weiteren Maßnahmen (beispielsweise eine Missbilligung oder eine Rüge) abgesehen worden.

Erst jüngst wurde bekannt, dass der Presserat in der Kolumne von Franz-Josef-Wagner in “Bild” vom 23. August 2012 keinen Anlass zur Beanstandung sah.

Diese Entscheidungen des Presserats nimmt der BLSJ zum Anlass für einen offenen Protestbrief an den Presserat. Nach Ansicht des BLSJ gefährdet die “taz”-Entscheidung die Grundlage für einen kritischen Journalismus in Deutschland. Die Begründung des Presserats sei diskriminierend.

Im Folgenden dokumentieren wir den Offenen Brief an den Presserat:

An den
Deutschen Presserat
Postfach 100 549
10565 Berlin

Protest gegen Ihre Entscheidung in Sachen Peter Altmaier / “taz”

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit diesem offenen Brief protestieren wir gegen die Entscheidung des Beschwerdeausschusses des Presserates, nach der die Kolumne von Jan Feddersen in der “tageszeitung” über das Interview der “Bild am Sonntag” mit Peter Altmaier im Sommer dieses Jahres gegen den Pressekodex verstoßen habe.

Der BLSJ respektiert es, wenn Prominente ihr Privatleben privat halten möchten. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat mit seinem Interview in der “Bild am Sonntag” jedoch deutlich gemacht, dass er sein Privatleben nur bedingt privat halten möchte. In dem Interview geht es über weite Strecken nur um Privates: Das fängt an mit dem Foto (Altmaier in seiner Küche mit einer Pfanne Bratkartoffeln) und Informationen über sein Frühstücksverhalten (häufig Heidelbeeren und frischer Joghurt) an.

Selbst um eine Antwort auf die Frage “Warum findet man in den Archiven nichts von einer Partnerin?” ist er nicht verlegen. Wie selbstverständlich beschreibt er sich als “geselligen und kommunikativen Menschen”, bei dem es “der liebe Gott so gefügt” hat, dass er “unverheiratet und allein durchs Leben” gehe. “Ich hadere nicht mit meinem Schicksal. Wenn es anders wäre, wäre ich längst verheiratet oder in einer festen Beziehung.”

Wer sein Privatleben in der Öffentlichkeit selbst so prominent exponiert, hat nicht nur nach Ansicht der deutschen Rechtsprechung nur noch einen eingeschränkten Anspruch auf Schutz seiner Privatsphäre. Eine weitergehende Berichterstattung über sein Privatleben ist daher zulässig und verstößt aus unserer Sicht nicht gegen den Pressekodex.
Hinzu kommt, dass Altmaier in dem Interview eine falsche Fährte legt: Er spricht von “verheiratet”. Genau dieser Familienstand bleibt Homosexuellen in Deutschland verwehrt. Altmaier verleugnet damit jovial seine Homosexualität.

Die “tageszeitung” reagierte auf dieses Interview – und zwar nicht mit einem Outing, sondern lediglich mit einigen Fragen (“Meidet er das Thema H… und das schlimme Sch…-Wort weil er keine Lust haben könnte, der erste offene H … seiner Partei im Bundesministerrang zu sein?” “Sind Sie sch…?”). Fragen, die sich zwar auf das Privatleben Altmaiers beziehen, dies aber in einer – angesichts der von Altmaier vorgegebenen Thematisierung seines Privatlebens – angemessenen Weise.

Nicht zuletzt bemüht sich die “taz” darum, jene falsche Fährte zu hinterfragen, die Altmaier selbst vorgegeben hatte und stellt damit jene Fragen, die eigentlich dringend die “Bild am Sonntag” hätte stellen müssen.
Für den BLSJ stellen diese Fragen kein Outing dar! Wir sind sehr erstaunt, dass eine Kolumne, die – wenn auch umständlich – die richtigen Fragen stellt, einen Verstoß gegen den Pressekodex darstellen soll. Eine solche Auslegung des Pressekodex halten wir für grundsätzlich falsch. Sie gefährdet die Grundlage für einen kritischen Journalismus.

Aber selbst wenn man die Fragen der “taz” als Outing interpretiert, wäre zu analysieren, in welchen Fällen ein Outing gerechtfertigt sein kann. In diesem Zusammenhang erlauben wir uns, auf unseren bereits vor elf Jahren formulierten “Kölner Appell” hinzuweisen. Dieser lautet:

1. Der BLSJ fordert lesbische, schwule und bisexuelle Personen des öffentlichen Lebens auf, kein Geheimnis aus ihrer sexuellen Orientierung zu machen und dadurch zu einem entspannten und selbstverständlichen Umgang mit lesbischen, schwulen und bisexuellen Lebensweisen beizutragen.

2. Der BLSJ fordert JournalistInnen und Medien auf, die sexuelle Orientierung von lesbischen, schwulen und bisexuellen Personen des öffentlichen Lebens nicht länger zu tabuisieren. Die Erwähnung der sexuellen Orientierung ist insbesondere dann wichtig, wenn sie für das Verständnis einer Nachricht oder Geschichte bzw. zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit einer Person erforderlich ist.

3. Der BLSJ appelliert an JournalistInnen und Medien, in der Berichterstattung über Personen des öffentlichen Lebens zwischen sexueller Orientierung und Privatleben zu unterscheiden und dabei alle Menschen gleich zu behandeln.

Was bedeutet der “Kölner Appell” für den Fall Altmaier? Sicherlich ist Peter Altmaier nicht durch besonders konservative Thesen zum Familienbild aufgefallen. Vielmehr gilt er als Vertreter einer vergleichsweise modernen CDU. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich jedoch ein vielschichtigeres Bild.

In dem Interview bringt sich Altmaier ausdrücklich in den Zusammenhang mit einer Hochzeit. Just diese Hochzeit verwehrt seine Partei Lesben und Schwulen seit Jahren. Nicht nur das: Altmaier selbst hat in einer Abstimmung im Deutschen Bundestag im Juni 2012 gegen die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft gestimmt.

Altmaier betreibt ein gezieltes Rosinen-Klauben bezüglich der Darstellung seines Privatlebens, das die Realität bewusst verschleiert. Er gibt nur so viel preis, wie es ihm vermeintlich nützt. Weil Altmaier selbst wesentliche Teile seines Privatlebens offengelegt und dabei einen verfälschten, ihm und seiner Wählerschaft genehmen Eindruck erweckt, würden wir unter diesen Umständen ein Outing für gerechtfertigt halten.

Es würde hier nicht um ein lustvolles, sensationsheischendes Outing gehen, sondern darum, Altmaiers Schauspiel zu hinterfragen. Stattdessen hat die “Bild am Sonntag” mal wieder das Klischee des “eingefleischten Junggesellen” bedient. Insofern widersprechen wir Ihrer Darstellung, dass es kein öffentliches Interesse an der Berichterstattung gegeben habe, das den Schutz der Persönlichkeit des Betroffenen überlagert hätte.

Wenn es denn stimmt, dass Lesben und Schwule in unserer Gesellschaft mittlerweile anerkannt sind, darf die Homosexualität eines Menschen nicht schutzbedürftiger sein als die Heterosexualität eines Menschen.

Bedauerlicherweise sieht die Realität noch immer anders aus: Die “sexuelle Orientierung” wird in der Öffentlichkeit häufig nur dann als “Privatsache” behandelt, wenn es sich um Lesben und Schwule handelt.

In dieser Tradition lesen wir auch Ihre Argumentation, wonach “mit der Spekulation über die sexuelle Orientierung (…) dessen Persönlichkeitsrecht verletzt” wurde. Eine solche Unterscheidung ist eine Diskriminierung.

Die journalistische Neugier eines Kollegen zu kritisieren, stellt aus unserer Sicht ein eklatantes Missverständnis von Journalismus dar, gegen das wir hiermit entschieden protestieren. Besonders bedauerlich erscheint uns Ihre Entscheidung, weil Sie quasi gleichzeitig die Beschwerde gegen die Hetze von Franz-Josef Wagner in “Bild” vom 23. August des Jahres abgewiesen haben.

Der BLSJ setzt sich seit vielen Jahren für eine ausgewogene Berichterstattung über Lesben und Schwule ein. Sie dagegen fördern mit diesen Entscheidungen einseitige, diskriminierende Berichterstattung. Kein Ruhmesblatt für den Presserat.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Munz
für den BLSJ-Vorstand

Quellen:

http://www.blsj.de/projekte/outing/koelner-appell/presseratsprotest_peter-altmaier/

http://www.queer.de/detail.php?article_id=17720

barshai 30.10.2012 | 14:19

"Es ist Traurig wie sehr der BLSJ mittlerweile alle anderen Sexuellen Ausrichtungen Diskriminiert nur um Schwulen und Lesbenrechte durchzusetzen!"

WIE BITTE?

So ganz im Thema scheinen Sie wohl nicht zu sein, wie? Warum dann inkompetente und unzutreffende Kommentare verfassen? Sich wichtig machen?

"Warum erwarten manche Toleranz für Intoleranz oder gar Homophobie, die sich oft in Hass und Gewalt gegenüber

Homosexuellen ausdrückt?

Dieses Toleranz Einfordern derjenigen, die anderen gegenüber intolerant sind, wird auch durch ständige Wiederholung nicht logischer.

Es ist eine selbstverständliche Sache, Toleranz für Menschen zu fordern, die einfach nur gleichberechtigt behandelt und nicht diskriminiert werden wollen und es ist Schwachsinn Toleranz für diejenigen zu fordern, die diese Menschen diskriminieren.

Der Rassist fordert Toleranz für seinen Rassismus, der Sexist für seinen Sexismus. der Antisemit für seinen Antisemitismus und der Homophobe für seine Homophobie, aber die steht ihm nicht zu, denn er ist ja Täter und nicht etwa Opfer

(Quelle: ZEIT ONLINE Community  25.09.2012)

PS

Und das hat der "Chefkolumnist" :-) der Bild-Zeitung Dr. Franz-Josef Wagner geschrieben, der auch Teil der Beschwerde beim Presserat war:

"Liebe Homo-Ehe,

23.08.2012 — 00:07 Uhr

der Gesetzentwurf des Justizministeriums will, dass Ihr gleichgestellt werdet mit der „Papa-Mama-Baby-Ehe“. Homo-Ehe vs. Mann-&-Frau-Ehe.

Hintergrund Homo-Ehe Union lehnt FDP- Gesetzentwurf ab

Ich fühle mich dabei nicht wohl. Homosexuelle kriegen biologisch keine Kinder.

Früher wurden Homosexuelle in Deutschland zu Gefängnis verurteilt.

Was für eine glorreiche Zeit für Euch. Niemand steckt Euch ins Gefängnis, Ihr liebt Eure Partner, Ihr dürft sie lieben. Ihr seid deutsche Ehepartner. Eingetragen im Buch der Standesbeamten.

Wir sind ein besseres Deutschland geworden.§

http://www.bild.de/news/standards/franz-josef-wagner/post-von-wagner-25799710.bild.html

dann setzte ein "Shitstorm" im Internet ein und später kamen 70 Beschwerden beim Presserat

http://www.queer.de/detail.php?article_id=17230

Das neoliberal ausgerichtete Blatt "Cicero" zeigte sich genervt von der Gegenreaktion auf die homophobe Kolumne von Wagner

http://www.cicero.de/blog/christian-jakubetz-unhipster/2012-08-24/shit-schon-wieder-ein-storm

"Presserat - Keine Rüge für Wagner"

http://www.queer.de/detail.php?article_id=17474

 

KalleWirsch 30.10.2012 | 14:23

"

Du scheinst überhaupt nur noch wenig mitzubekommen :-)

Manchmal hilft dagegen sich erst einmal zu informieren, bevor man dämliche Kommentare absondert."

Mir liegen zwei bis drei Repliken auf der Zunge, aber ich verkneife sie mir, da ich es nichtmag auf dieser Ebene online zu diskutieren. 

In meinem Kommentar steht nichts zum Presserat. Auszüge aus Feddersens Artikel und die Berichterstattung habe ich durchaus gelesen. ich komme nur zu einem anderen Urteil als du anscheinend . Ich habe das, was Feddersen dort geschrieben hat als skandalisierend empfunden. Ich mag das nicht. ich bin ebenso der meinung, dass jeder schwule mann, ob nun offen oder versteckt, das Recht hat gegen die Homoehe zu sein. Auch wenn das nicht meiner Meinung entspricht. Ichdenke, wenn so viele Schwule und Lesben heiraten wollen, dann sollen sie es auch dürfen. mein eigner gesellschaftspolitischer Ansatz geht hingegen in Richtung Abschaffung der Ehe und einer Regelung Richtung Pact civile für alle Menschen gleich welcher Sexualität und Konstellation. Streng genommen halte ich die Homoehe für antiquiert. Ich weiß nicht wie Herr Altmaier darüber denkt. Aber ich werde den Teufel tun ihm das vorzuschreiben.

Entgegen dem offenen Brief der Journalisten halte ich Outing für diskriminierend. Wieso habe ich oben dargelegt. Was hat das mit mangelnder Information zu tun? Ich habe eine andere Meinung, die darfst du gerne dämlich finden. Ich für meinen Teil finde es dämlich Menschen dazu zu zwingen sich zu was auch immer zu bekennen. Diesre ganze Bekenntniswahn fördert eine Selbstverständlich freier sexueller Orientierung keineswegs. 

Was sagt es denn aus, wenn ein Journalist sich hinstellt und sagt: Herr Altmaier hat gegen die Gleichstellung der Homoehe votiert obwohl er schwul ist. Und der Journalist kann das von mir aus auch noch belegen mit Fotos beim Geschlechtsverkehr oder was weiß ich.  Das sagt erstmal nur aus, dass gegen eine Gleichstellung ist. Denn er muss auch als homosexueller Politiker nicht für eine Gleichstellung der Homoehe sein. Aus welchen Gründen auch immer. Auch wenn es der homosexuelle Mainstream gerne so sehen würde, dass ihr Lieblingsprojekt Homoehe einem Meinungsdiktat unterliegen sollte. Für den Kampf für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender ist Altmaiers Outing irrelevant.

barshai 30.10.2012 | 14:47

"In meinem Kommentar steht nichts zum Presserat"

Aber nur wegen der Reaktion des Presserats auf den taz-Artikel, der feigen Reaktion der lesbischen taz-Chefredakteurin Ines Pohl und des wütenden Offenen Briefs der Lesbischen und schwulen Journalisten an den Presserat hat Jakob Augstein ja überhaupt seinen Uralt-Blog (den du damals offenbar nicht mitbekommen hattest) erneut gepostet. Und das auch nur, nachdem man (ich) ihn per E-Mail darauf aufmerksam machte.


Also, dein Kommentar ist Scheiße!

KalleWirsch 30.10.2012 | 18:40

Herr Augsteins Motivation seinen Blog erneut zu posten hat nichts mit der Qualität meines Kommentars zu tun. Ich habe das lediglich zum Anlass genommen meine Haltung zu Outings darzulegen. Und das Für und Wider  von Outings war doch Thema, oder?

Und wenn du meinen Kommentar zehnmal scheiße findest, so finde ich Outings trotzdem falsch. Ich diskutiere gerne mit dir über den Sinn von Outings, aber nicht über meine Legimitation hier zu kommentieren.