Marion Zieglauer
15.01.2013 | 13:22 96

Unwort des Jahres 2012: „Opfer-Abo“

Inakzeptabel Jetzt ist es raus: Neben „Pleite-Griechen“ und „Lebensleistungsrente“ wurde Jörg Kachelmanns „Opfer-Abo“ zum Unwort des Jahres gekürt

Unwort des Jahres 2012: „Opfer-Abo“

Foto: Alex Grimm / Getty Images

Die sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres“ wurde 1991 ins Leben gerufen, um das Sprachbewusstsein und die -sensibilität für Aussagen zu fördern, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen bzw. irreführend und gesellschaftlich diskriminierend sind.

Zwar diffamiert auch der von der Springer Presse veröffentlichte Begriff „Pleite-Griechen“ ein ganzes Volk, aber der Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann schaffte es, mit seiner Aussage im Spiegel-Interview im großen Maß gegen die Menschenwürde zu verstoßen und landete damit auf dem unrühmlichen Platz Eins. „Frauen haben ein Opfer-Abo, sie sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen werden. Sie können damit Falschbeschuldigungen, wie Vergewaltigungen durchsetzen.“

 Die Sprecherin der Jury Prof. Dr. Nina Janich, die am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft in Darmstadt arbeitet, begründet die Wahl der Jury damit, dass Kachelmann „Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter Verdacht stellt, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu werden“

Angesichts der Tatsache, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei in nur bei 3-4 % der Fälle zu einer Anzeige und einem Gerichts- verfahren kommt, eine grob unangemessene Aussage, die nicht zuletzt auch die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer angreift.

Kommentare (96)

JaneO. 15.01.2013 | 16:03

Herr Kachelmann ist ja ein Mann, welcher mit gut zurrecht gelegten Worten sein Geld im TV verdient hat. Und ich bin mir sicher, dass JK sich jedes Wort vor dem Spiegel-Interview gut überlegt hatte. Demzufolge ist der (von ihm?) kreierte Begriff (Unwort) nicht einem unerfahrenem Menschen aus dem Mund gerutscht, welcher sich in der Medienlandschaft nicht auskennt. Für „prollige“ Worthülsen halte ich JK einfach für „zu schlau“.

JK wollte (nach meiner Ansicht) einen „Gag“ platzieren. Es ist ihm anscheinend egal ob er die Menschenwürde anderer verletzt (wie im Artikel auch angemerkt).

Diese Freude an Grenzverletzung und Übergriffigkeit anderen Menschen gegenüber (meine persönliche Einschätzung) hat sicherlich Ursachen in seiner (Kachelmann) ganz persönlichen Biographie.

Mit fachkundiger Anleitung – würde ich ihm wirklich raten – da mal nachzuschauen.

 

JaneO. Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kindheit

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 17:03

werte @Marion Zieglauer,


ich kann ihre empörung verstehen punkt

aber: ich persönlich empfinde ihren text insgesamt als etwas unglücklich formuliert;

(auch was den angenommen fall betrifft, dass ‚die‘ leser ihres textes nicht darüber aufgeklärt werden 'bräuchten', was es denn mit 'dem unwort des jahres' auf sich hat [was ich natürlich nur als behauptung formulieren kann.])

des weiteren: gerade der 'fall' kachelmann ist derart vielschichtig diskutiert und auf links gedreht/verdreht(?) worden ... - dass ich in ihrem text einen baustein ganz besonders vermisse, und zwar die anmerkung, dass dieser mensch kachelmann unter einem enormen druck stand ... der abgeleitet werden 'wollte', damals, was leider in die falsche richtung geschah. aber hey, wer sind 'wir', die immer alles im griff zu haben meinen.

wenn sie schreiben:

"Die Sprecherin der Jury Prof. Dr. Nina Janich, die am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft in Darmstadt arbeitet, begründet die Wahl der Jury damit, dass Kachelmann „Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter Verdacht stellt, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu werden“,

dann drängt sich mir als leser die frage(n) auf: wie ist die jury zusammengesetzt?

und: kann 'man', aus dem abstand heraus (war ja einiges an inzwischen verstrichener zeit, um sich den gesamten vorgang/fall kachelmann), tatsächlich so absolut darüber urteilen, was kachelmann für ein exemplar mann ist, welcher (laut jury, auf grundlage des spiegel-interviews) das weibliche geschlecht (die frau an sich) "pauschal" unter general-(?)"verdacht stellt" ... "sexuelle gewalt zu erfinden", um im umkehrschluss, von kachelmann zu "Täterinnen (gemacht) zu werden."?

klar, der fall kachelmann wird – hoffentlich, noch lange zeit ein heißes eisen bleiben, das angepackt werden soll, weil der fall kachelmann, nach meinem verständnis, geradezu modellcharakter hat, um sich in vielfältiger weise über ein zusammenleben zwischen mann und frau auszutauschen.

mich ganz persönlich würde vielmehr interessieren, ob der mensch kachelmann auch im hier und jetzt seine im spiegel-interview gemachte aussage unterstreichen würde. klar, ein freispruch II. klasse ist eben kein lupenreiner freispruch, sondern gefühlt eher ein ‚laufen lassen müssen‘ ...;

wie eingangs schon erwähnt: ich kann ihre empörung verstehen. aber ich, als leser ihres textes, ich verspüre eher keinen impuls die keule unter dem bett hervorzuholen, um druff zu schlagen, auf einen kachelmann, da ich nicht die wahre wahrheit kenne – sie nicht, emma och nich, das gericht nicht – nur kachelmann selbst kennt sie, die wahrheit.

das, was kachelmann dem ‚spiegel‘ sagte, ich selbst bin da eher vorsichtig, ob seine aussage im hier und jetzt noch bestand hat, in seinem denken und fühlen.

- der max

ps. zum thema aussage und relevanz:

 „Die einzigen Gipfelgespräche, die wirklich einen Sinn haben, sind die der Alpinisten. (Luis Trenker)“

auf den ersten blick, fand ich das zitat echt witzig, das sie als eine art ‚leitmotiv‘(?) in ihrem profilkasten stehen haben ... – beim zweiten lesen, da fand ich’s eher bedenklich, weil ... – ja weil ich gar nicht beurteilen kann, was den trenker bewegte, ausgerechnet diese lebensweisheit von sich zu geben. wäre ich ein durch und durch bösartiger mensch, dann würde ich dem trenker unterstellen wollen, dass dieser einen blitzkrieg um längen effektiver findet/fand, als das ganze palaver der gipfelgespräche – meine meinung.
 

W.Laub 15.01.2013 | 17:11

"Generalisierungen" sind in der Tat fast immer gefährlich, unzutreffend. Nur wie z. B. auch  in der "Zeit" vom 8.3. 09 zu lesen war, auch mit Beispielen und wissenschaftl. Untersuchungen dort belegt: "Männer sind Täter, Frauen Opfer.
Dieses Klischee stimmt nicht mehr. Auch Frauen üben Gewalt aus. Die Bereitschaft, darüber zu reden, ist allerdings immer noch gering". Und das sollte sich wirklich ändern, egal was man von Hr.Kachelmann hält bzw. er das gemeint hat (auch wenn ich da Ähnliches vermute wie meine "Vorrednerin").. Zumal Männer auf der Welt ja nicht  nur am Häufigsten Gewalt-Täter sondern auch -Opfer (div. Art) sind... Auch von Missbrauch und dergleichen viel zu oft betroffen, ebenso wie (das ja noch mehr) Mädchen bzw. Frauen.  Aber warum durften unzählige Frauen "alle Männer als potenzielle
Vergewaltiger" bezeichnen ohne dass das mal "Unwort" wurde? Kritik, natürlich auch gegen Männer, wo nötig gerne. Aber bitte wirklich auch allseitig! Zumal nicht immer aber oft  ja doch beide Seiten zu Beziehungs-Konflikten beitragen. Auch wenn Gewalt, Vergewaltigung (und falsche diesbezügl. Vorwürfe) natürlich immer unakzeptabel sind!!!  Auch egal "wie kurz ein Rock war" oder was
auch immer. Und da sollten sich Frauen und Männer auch nicht auseinander dividieren lassen sondern viel mehr gemeinsam etwas tun gegen Täter, für Opfer bzw. vorbeugend - bzw. das von Verantwortlichen verlangen in der Politik usw. Zumal ja unzählige Frauen und Männer-Opfer bei Weitem nicht so eine Öffentlichkeit haben wie Hr. Kachelmann bzw. seine Ex-Freundin, bzw. keine große "Lobby". W. Laub ( Familientherapeut, ehrenamtl. Leiter von gemeinnützigen Projekten, die Opfern von Gewalt helfen- jegl. Geschlechts, Nationalität usw. )

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 18:36

Kachelmanns Redewendung, Frauen hätten ein Opfer-Abo ist Stammtisch-Niveau, klar. Null Verständnis für diese Entgleisung, welche mit Recht im Kontext sexualisierter Gewalt als Unwort bewertet wurde, da diese nunmal auf dem i.d.R. ungleichen Kräfteverhältnis von Mann und Frau beruht.
Besonders schwierig ist es innerhalb einer gelebten Beziehung den Übergang von einvernehmlichen – von mir aus auch bizarren (SM, Bondage etc) – Sex zu gewaltförmigen Handlungen bis hin zur Vergewaltigung zu beweisen, was in diesem Verfahren quasi exemplarisch vorgeführt wurde.

Abgesehen davon sind bei sexuellen Handlungen Kontrollverluste nicht ausgeschlossen, ja erwünscht, wobei die sog. Penetration Voraussetzung für den gelungenen Geschlechtsakt ist, ja in gewisser Weise als eine eindringende auch als eine besitzergreifende Handlung zu sehen ist, die beim Ausleben der männlichen wie der weiblichen Libido durchaus kraftvolle Züge annehmen kann – was auf beiden Seiten nicht selten begrüsst und genossen wird, als Alternative zum Blümchensex bzw. unausgelebter Vorlust in der Endlosschleife und es gibt durchaus Frauen, die auf die etwas heftigere Gangart seinerseits stehen, nicht immer versteht sich.
Soweit ich es verstanden habe, haben sich Kachelmann und seine Ex-Sexpartnerin bevorzugt in diesem Grenzbereich aufgehalten und da ihre Spielchen getrieben, was gefühlt voll im Trend liegt, da das Lusterlebnis durch den Nervenkitzel, Schmerz/Angstlust usw. auf vielfältige Weise auf die Spitze getrieben werden kann, womit zugleich der Übergang zur Entgrenzung sich ankündigt.

Die Schwierigkeit bei dieser Art von experimentellen sexuellen Unterfangen besteht darin, daß sich die Verantwortung für das Treiben von der gemeinsamen zunehmend auf den männlichen Part als zwangsläufig aktiveren Teil der Veranstaltung verlagert – was solange kein Problem ist, wie sich beide dem hingeben können.

Das Ding dabei ist, daß mit der Übergabe der Hauptverantwortung an ihn für das Vollziehen des GV seinerseits ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit für die Befindlichkeiten der Partnerin gegeben sein sollte, um diese nicht zu übergehen und möglicherweise entkoppelt von dieser nur der eigenen Befriedigung nachzugehen, was diese nicht zu Unrecht u.U. als eine Form von Mißbrauch bis hin zur gewaltförmigen Handlung von ihm an sich erfährt.
Um dem vorzubeugen bedarf es folglich uneingeschränkter Aufmerksamkeit seinerseits, die aber durch Einwirkung von Übermüdung, Drogen und aufmerksamkeitsreduzierenden Substanzen herabgesetzt werden kann, was sie tunlichst schon im Vorfeld registrieren und ggf. verzichten sollte, da sie ja wissen müsste, daß Männer im Allgemeinen und im Sexuellen im Besonderen zur Selbstüberschätzung und Beeindruckung des anderen Geschlechts als Quasi-Selbstzweck neigen, woraus im Falle des drogen – oder wie auch immer induzierten Aufmerksamkeitsverlustes seinerseits dann nicht selten ein Täter-Opfer-Verhältnis resultiert, wo eben noch eines der Triebbefriedung auf Augenhöhe zu erhoffen war.

Die eigentliche Schweinerei bei Kachelmanns Aussage besteht in diesen Zusammenhängen darin, daß er seine Unfähigkeit zur Verantwortung und gesteigerter Aufmerksamkeit in der Präferenz für o.g. Sexualpraktiken nicht anerkennt und diese seiner Ex-Sexpartnerin zuweist und dies frecherweise auch noch auf alle Frauen erweitert.
In meinen Augen ist der Mann ein Feigling sondergleichen.

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 19:06

jetzt mal ohne scheiß, werter allesanders,

ich verstehe die kern-aussage ihres textes nicht. eher drängt sich mir das ungute gefühl auf, sie woll(t)en aller welt mitteilen, dass sie ganz genau wissen, wie der frosch die locken zu tragen hat, wenn's stürmisch wird; teilweise habe ich mich gar ein wenig fremdgeschämt; aber genau wissen, was ihr text mir sagen will ... - nö. aber sehr gut möglich, dass ich auf der hauptleitung stehe. mir bleibt nur die hoffnung, dass alles anders ist.

- der max

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 19:35

was Sie als Realsatire qualifizieren möchten, war eine Zusammenfassung sozial und sexualwissenschaftlicher Studien zum Thema gewaltförmige Sexualität bzw. sexualisierte Gewalt.

Allen voran ein Herr Foucault, der ja auf männlicher Seite da der ausgewiesene Experte ist.

Wollen wir vielleicht einsteigen in den Diskurs zu Sado-Masochismus oder uns auf die aktuellen Niederungen bspw der "shades of grey" einlassen?
Um Ihren Niveau zu folgen müsste es dann doch eher die Roche sein, oder?

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 19:41

Herr Escher,

sie stehen vollständig auf der Hauptleitung, wie mir scheint.

Klar ist meine Position nur für den nachvollziehbar, der den weiblichen Hang zu "bizarren" Praktiken aus erster Hand kennt.
Wenn Sie bislang Derartiges nicht erfahren haben, was gemeinhin als - underdog slang - als vollfetter Sex umschrieben wird, dann ist das durchaus keine Bildungslücke.
Ihnen fehlt nichts, also bitte ganz ruhig.

philmus 15.01.2013 | 21:14

Nee, mein Unwort des Jahres wird "Opfer-Abo" sicher nicht.

Dafür gibts einfach zu viele Menschen, die sich über vorgebliches Opfer-Sein reale Vorteile zu verschaffen suchen.

Daß es im Kontext auch öfter mal nur zynischer Blödsinn ist, geschenkt, da will ich z.B. w.laub voll zustimmen.

Aber solange Menschen diese perfide Art "unschuldiger" Machtausübung nutzen, hat das Wort "Opfer-Abo" einen realen Gegenwert in der Welt.

Hfftl 16.01.2013 | 00:23

Eine treffende sprachliche Zuspitzung (die meines Wissens nicht von Kachelmann, sondern von seiner Frau stammt) als "Unwort des Jahres" gebrandmarkt und dadurch nun überhaupt erst richtig bekannt geworden - kurz zuvor Augstein als schlimmer Antisemit verbal gesteinigt - so langsam wird es schon fast zu einer Ehre, an derartige Pranger gestellt zu werden.

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Ehemaliger Nutzer 16.01.2013 | 00:31

Na, ist doch was dran! Zwischen Mann und Frau werden - wenn es Streit gibt, was ich in diesem Bereich keinem und keiner wünsche - Karten gezogen. Eine Karte ist die, dass das - was man wirklich unschön Geschlechtsverkehr nennt - eine Opferrolle impliziert, für die eine Genugtuung eingeklagt werden kann und im Streit als Argument wirkungsmächtig ist. So hat Napoleon III die schöne Eugenie gefragt, wie, Madame, werde ich den Weg zu Ihrem Herzen finden? Und sie hat gesagt: Über die Kapelle (mit Ehekontrakt versteht sich). Wer ist jetzt Opfer? Der vom Trieb gepeinigte und von den Normen aufgehaltene Mann? Das Weib, das seine Intimität hergeben muss oder will oder was sonst?

Nun ist die Mann / Weibdialektik eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und in diesem schwafeligen Sumpf der Romantik werden nun Opferrolle en masse et en détail erfunden und der gute Freud hat das ausgekocht. Und die medienbewussten Akademien kochen das gleich mit, und erfinden nun die Wetterfroschopferrrolle bzw. die Antiwetterfroschopferrolle bzw. die abgrundtief anstößige Wendung der Sonstwieopferrolle. Ehrlich gesagt, da wir geboren wurden, befinden wir uns zeitlebens in Aufopferung, nicht wahr?

Normale Menschen halten das alles für Tünnef und gehen ihren Weg.

MissPrym 16.01.2013 | 08:34

@ Zeitleser

Es geht Kachelmann ja gerade nicht darum, darauf hinzuweisen, dass jeder auf irgendeine Weise zum Opfer werden kann, sondern mit dem Begriff „Opfer-Abo“ bedient und verstärkt er das Vorurteil, dass Frauen Vergewaltigungsvorwürfe nur erfänden, weil sie Männern einen Schaden zufügen wollten, bedient und verstärkt er zugleich

Damit stellt Kachelmann jede Frau, die versucht, juristisch gegen sexuelle Gewalt vorzugehen, unter den Verdacht zu lügen und bagatellisiert damit das leider sehr weit verbreitete Problem sexueller Gewalt, der nun mal Mädchen und Frauen in sehr großer und dunkler Zahl zum Opfer fallen.

Und nein, lieber Zeitleser, es ist eben nicht so, dass „Geschlechtsverkehr“, bzw. eigentlich ja die Penetration  - generell eine Opferrolle impliziert, sondern nur dann, wenn dies nicht einvernehmlich geschieht, was möglicherweise nicht immer ganz offenkundig ist.

Und dazu verweise ich nochmals auf die Ausführungen von allesanders, der m.E. die grundsätzliche Problematik sehr klar beschrieben hat.  Diese ist zwar im besonderen Maße bei Sado-Maso-Spielchen gegeben, aber eben nicht nur dort, sondern latent auch beim „ganz normalen“ Geschlechtsverkehr.

Das Ding dabei ist, daß mit der Übergabe der Hauptverantwortung an ihn für das Vollziehen des GV seinerseits ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit für die Befindlichkeiten der Partnerin gegeben sein sollte, um diese nicht zu übergehen und möglicherweise entkoppelt von dieser nur der eigenen Befriedigung nachzugehen, was diese nicht zu Unrecht u.U. als eine Form von Mißbrauch bis hin zur gewaltförmigen Handlung von ihm an sich erfährt.

pw6 16.01.2013 | 11:36

Meines Erachtens erreicht diese Preisverleihung das exakte Gegenteil dessen, was vielleicht intendiert war.

Nach meinem Eindruck war dieses Wort mehr oder weniger unbekannt. Ich selber habe mich zwar allgemein mit dem Fall Kachelmann beschäftigt (weil hier die Gerichte m.E. grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien verletzt haben, die spezielle Story des eitlen Mannes und der haßgetriebenen Frau interessiert mich auch jetzt noch nicht), mir ist der Begriff Opfer-Abo nie aufgefallen. Ich habe ihn selber nie benutzt oder in Gesprächen gehört. In einigen älteren Berichten, die ich gerade bei Google gefunden habe, kommen auch der Begriff Opferindustrie vor, der bedeutet mehr oder weniger dasselbe.

Der Begriff Opfer-Abo war im Gegensatz zu echten Unwörten nicht öffentlich verbreitet, was sich jetzt ändern wird. Er hat beste Aussichten, zum Wort des Jahres zu werden. Der Grund für die bisherige geringe Verbreitung ist simpel: man versteht das Wort nicht ohne weiteres. Im Gegensatz zu "Pleite-Griechen" u.ä. kann man es nicht ohne weiteres einordnen. Man muß schon wissen, daß es hier um Prozesse geht, in denen Männer angeklagt werden.

Gleichzeitig reißt man das Wort aus dem Zusammenhang, in dem es zumindest die Kachelmanns benutzt haben. Der Kontext ist eindeutig der Fall einer Falschbeschuldigung. Mir ist schleierhaft, wieso damit "Frauen pauschal .... unter Verdacht gestellt werden, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu werden". Der Anteil der Falschbeschuldigungen wird selbst von Pessimisten maximal auf 20% geschätzt, d.h. die weit überwiegende Mehrzahl der Beschuldigungen ist richtig.

Leider setzt an dieser Stelle das verbreitete archaische Denkmuster der Sippenhaft bzw. Blutrache ein: Weil die Vergehen "der Männer" zahlenmäßig weit überwiegen, sind damit die Vergehen "der Frauen" gerechtfertigt und man darf nicht darüber reden. Nach dem gleichen idiotischen Denkmuster, Unrecht an Kollektiven gegeneinander aufzurechnen, darf man Jungen in Europa ein Stück vom Penis abschneiden, weil den Mädchen in Afrika die Klitoris abgeschnitten wird.

Daß eine Falschbeschuldigung ein schweres Vergehen ist, wird niemand ernsthaft bestreiten, und daß unsere Justiz mit diesen Fällen nicht angemessen umgeht (u.a. Beweislastumkehr) und daß i.w. nur Männer hiervon betroffen sind, hat gerade der Fall Kachelmann der breiten Öffentlichkeit bewußt gemacht. Ob Begriffe wie "Opferindustrie" oder "Opfer-Abo" besonders gelungen sind, sei dahingestellt, sie spitzen zu, aber das dahinterliegende Problem existiert nun mal real. Diese Begriffe als solche verbieten zu wollen, ist aber kaum noch unterscheidbar von Versuchen, die Diskussion über diese Art von Vergehen zu unterdrücken, und natürlich auch eine angemessene juristische Behandlung dieses Problems zu verhindern.

Insofern dürften bestimmte ultrarechte Kreise gerade in Jubel ausbrechen: eine bessere kostenlose Werbung für ihre Behauptung, Männer würden generell juristisch benachteiligt und das Land werde von Feministinnen kontrolliert, die die Verfolgung von Straftaten von Frauen verhindern möchten, kann man sich kaum vorstellen!

Summa summarum ist diese Wahl aus meiner Sicht ein Rohrkrepierer, ein völliger Fehlgriff.

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Ehemaliger Nutzer 16.01.2013 | 12:11

@missprym

Zunächst mal „Willkommen“...
;-)

zu bewundern ist aber auch in dieser Community, daß sich Foristen grob in zwei Gruppen scheiden lassen:

Die Einen wiederholen beständig das Mantra „vögeln kann (letztlich) jeder, die Aufzucht von Kindern ist (letztlich doch) Frauen - bzw. Müttersache und die Erziehung und Bildung des Nachwuchses (letztlich) auch keine Kunst usw. usf“ - so einfach ist das...
(was anderes ist es für die Herren bei den domestizierbaren Lebewesen – d.h. deren Zucht und Haltung inkl. Ausbildung bspw von Hunden und Pferden für Kriegs – und andere Spiele, zu denen in früheren Zeiten auch weibliche Menschen gezählt wurden)
:-(

Für die anderen sind dagegen schöpferisches Tun, das Liebesspiel wie die Erziehung und Bildung im Allgemeinen wie im Besonderen zu erlernende Künste, die einen gewissen Intellekt, geschulte Fingerfertigkeit und ein kritisches Bewusstsein bzw. Rollendistanz voraussetzen...

Womit auf stark vereinfachte Weise auch der Weg zur männlichen Emanzipation gewiesen wurde, die im Weiteren ausgesprochen mannigfaltige Züge annehmen kann...
;-)

pw6 16.01.2013 | 12:14

@missprym 16.01.2013 | 08:34: "... verstärkt er das Vorurteil, dass Frauen Vergewaltigungsvorwürfe nur erfänden..." 

Existiert dieses Vorurteil wirklich?

Vielleicht lebe ich ja auf einem anderen Planeten, jedenfalls kenne ich niemanden, der eine Frau, die jemanden wegen Vergewaltigung anklagt, nicht ernst nehmen würde. Eine Falschbeschuldigung einer schweren Straftat ist eine genauso schlimme Straftat, dazu ist eine ganz erhebliche krimnelle Energie notwendig, die ich dieser anklagenden Frau unterstellen würde.

Jemandem ohne jedes Indiz eine Falschbeschuldigung zu unterstellen ist selbst wieder eine Falschbeschuldigung bzw. Rufmord., davor würde ich mich hüten.

mitreden 16.01.2013 | 16:49

"Unwort des Jahres" für welche Sparte?

  Bitte etwas differenzierter , etwa analog Nobelpreis, wäre wohl angebracht.

Vielleicht sechs ?

Sparte Jugend, Frauen,  Männer,  Journalismus, Justiz,

*Sparte Politik: Unwort  "Anschlussverwendung" , wie zB vom Vizekanzler  geäussert,  bedeutet  in seiner Sprachgewalt r e a l e s millionenfaches Leid für, meistens, Frauen.

Zu dessen  täglichem Vollzug oder  Feststellung, bedarf es keiner gerichtlichen Verfahren ,  jeder hat " legalen Zugriff".

Na gut, die Jury hat entschieden, ob sprachlich oder anderweitig begründet sei dahin gestellt.

Es gab schon sprachlichere "Unworte".

Im Alltag spricht sie die Jugend aus, die leichte, lebendige, von Unworten  durchzogene  Sprache, das lässt uns lachen und hoffen.

Und damit auseinandersetzen.

"  Verunwortung",  darauf erhebe ich hiermit Urheberrecht!

 

 

 

 

MissPrym 16.01.2013 | 19:35

@ PW6

Vielleicht lebe ich ja auf einem anderen Planeten, jedenfalls kenne ich niemanden, der eine Frau, die jemanden wegen Vergewaltigung anklagt, nicht ernst nehmen würde.

Nun ja der Knackpunkt ist ja gerade, dass erst bewiesen werden muss, ob tatsächlich eine Vergewaltigung stattgefunden hat. Und das ist eben äußerst schwierig, wenn wie im Fall Kachelmann eine intime Beziehung bestand. Da steht dann  Aussage gegen Aussage: Der Beschuldigte sagt aus, dass der GV einvernehmlich stattgefunden hätte und die Anklägerin behauptet das Gegenteil. Wer von beiden die Wahrheit sagt, kann i.d.R. leider nicht festgestellt werden, weil es auch um individuelle Wahrnehmungen geht. Allesanders hat das dankenswerterweise sehr anschaulich und präzise beschrieben.

Sie scheinen offenbar davon überzeugt zu sein, dass es sich im Fall Kachelmann um eine Falschbeschuldigung handelte.

Und sehen Sie, genau das zeigt ja, wie voreingenommen Sie selbst sind. ;-)

 

@ allesanders

Danke für die freundliche Begrüßung und die kleine Einführung!

Nun hoffe ich sehr, dass hier noch ein paar mehr Foristen aus der zweiten Gruppe auftauchen ... ;-)

PS: Ihr "Trick/Tipp hat bei mir leider nicht funktioniert. .-:(

CS Spuhr 17.01.2013 | 00:23

@ viele Kommentatoren oben: ich krieg mich gleich nicht mehr ein! piepts bei euch? die Jury hat genau begründet warum das "Opfer-Abo" das Unwort des Jahres ist:  „Das Wort ,Opfer-Abo' stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein." Das hält die Jury  für sachlich grob unangemessen "angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei nur bei 3-4 % der Fällen zu einer Anzeige und einem Gerichts-verfahren kommtDas Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer.“

Mag ja sein, daß hier viele geschiedene Väter, frustrierte und verletzte Männer sind die immer nur von den Frauen eine auf den Deckel bekommen. Mag auch sein, daß Frauen bei Sorgerechts- und Scheidungsfällen die Opferrolle gerne und gut spielen (obwohl ich auch viele Fälle kenne von Vätern die, wenn sie dann mal (Sorge)Recht bekommen einfach nur die Frau "unter Kontrolle" und in ihrer Macht haben wollen, denen es dann gar nicht ums Kind geht.

ABER: man kann Sorgerechtsstreitigkeiten und Scheidungskriege NIEMALS mit Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen gleichsetzen! Das ist für mich genauso inakzeptabel wie z.B. das 3. Reich mit der DDR zu vergleichen. Ja, Unrecht ist Unrecht, aber Herr Kachelmann verhöhnt und bespuckt mit seinem "Opfer-Abo" und seinen Behauptungen zu den Frauen als vergewaltigungs-Opfer all diejenigen die durch sowas durch mussten.

Es ist nun mal TATSACHE, daß die mesten Vergewaltigungen auch hier in Deutschland (nicht nur in Indien) nicht angezeigt werden, und wenn, dann werden die Männer in den seltensten Fällen verurteilt. Was aber eine Frau durchmachen muß, wenn sie nach der Vergewaltigung auch noch zur Polizei, dann vor Gericht, eventuell auch noch in den Medien erscheint, daß ist Folter.

Es tut mir Leid, wenn ich mich hier so echauffiere, aber solche absolut machohaften, frauenfeindliche und vor allem realitätsfremde Kommentare liest man sonst nur im Spiegel Online oder der Welt, es hat mich schockiert sie hier auch lesen zu müssen.

pw6 17.01.2013 | 08:21
@MissPrym 16.01.2013 | 19:35 "[zu beweisen], ob tatsächlich eine Vergewaltigung stattgefunden hat. ... ist ... äußerst schwierig, ... Da steht dann Aussage gegen Aussage ..." So ist es, nicht nur bei Vergewaltigungsvorwürfen, sondern auch bei bei Verkehrsunfällen, bei einer Prügelei usw. Nehmen wir an, zwei Leute haben sich erheblich verprügelt, beide behaupten, angegriffen worden zu sein und sich nur gewehrt zu haben. Keine Zeugen. Eine der Personen muß angefangen haben. Es ist nicht nur äußerst schwierig, sondern unmöglich, die Schuld einer der beiden Personen zu beweisen. Unser Rechtssystem und ich denke auch das allgemeine Rechtsempfinden sieht in solchen Fällen vor, aus Mangel an Beweisen niemanden zu bestrafen. Das ist sehr unbefriedigend, weil die oder der Schuldige ungeschoren davonkommt, aber es ist das kleinere Übel. Sonst müßten Sie willkürlich die größere oder ältere oder dunkelhäutigere oder männlichere der beiden Personen als Täter bestimmen, je nach Ihren privaten Vorurteilen. Die unschuldige Person falsch zu bestrafen, wird als das größere Übel angesehen. Der Begriff "Opfer-Abo" thematisiert gerade, daß unsere Justiz in nicht entscheidbaren Fällen, in denen eine Frau einen Mann anklagt, das das größere Übel wählt, im Widerspruch zu unseren Rechtsnormen. "Allesanders hat das dankenswerterweise sehr anschaulich und präzise beschrieben". - Die Ausführungen von Allesanders vertiefen die Behauptung, daß es in diesem Fall und ähnlich gelagerten SM-Fällen extremst schwierig ist, die Schuld einer der beiden Personen zu beweisen. Völlig richtig. Ich bin einen Schritt weiter und halte es sogar für unmöglich. Konsequenz? Es ist unmöglich, ein perpetuum mobile zu bauen, also versuche ich es gar nicht erst. Es ist offenbar unmöglich, in diesem Fall die Schuld beweisen (zumindest für mich als Außenstehenden, aber das Gericht sah es offenbar nicht anders), also versuche ich es gar nicht erst. Konsequenz: Freispruch aus Mangel an Beweisen. "Sie scheinen offenbar davon überzeugt zu sein, dass es sich im Fall Kachelmann um eine Falschbeschuldigung handelte." - Nein, wenn Sie noch einmal genau lesen, habe ich das nirgends behauptet. Im Gegenteil: Erstens kann nicht endgültig ausgeschlossen werden, daß die Beschuldigungen zutreffen, also gar nicht falsch sind. Zweitens hat die Anklägerin in dem Prozeß ihre Glaubwürdigkeit zwar stark unterminiert, die Wahrscheinlichkeit einer Falschbeschuldigung ist signifikant, aber es ist - soweit ich den Fall kenne - auch nicht bewiesen, daß sie bewußt falsch beschuldigt hat. Also auch beim Vorwurf der Falschbeschuldigung: Freispruch aus Mangel an Beweisen. Ich hatte behauptet bzw. behaupte immer noch, daß der Fall Kachelmann der breiten Öffentlichkeit bewußt gemacht hat, daß Falschbeschuldigungen (und Vorverurteilungen der involvierten Männer in den Medien usw.) ein Problem sind und daß dieses Problem juristisch bisher sehr oft unangemessen behandelt wird und daß unser Rechtssystem hier ein gravierendes Defizit (Schlagwort Opferindustrie) hat. Für diese Bewußtseinserweiterung spielt es keine Rolle, ob tatsächlich eine Falschbeschuldigung vorlag. Für den genauso bekannten Fall Strauss-Kahn trifft das ebenfalls zu. "Und sehen Sie, genau das zeigt ja, wie voreingenommen Sie selbst sind. ;-)" - Vorsicht mit vorschnellen Vorwürfen, wenn man nicht genau gelesen hat, aber wegen des Smilies lasse ich Ihnen das mal durchgehen. O:-)
pw6 17.01.2013 | 09:31

Neuer Versuch zu antworten: "die Jury hat genau begründet" - Die Jury hat ihre private Meinung kundgetan. Da ich Obrigkeiten generell skeptisch gegenüberstehe, erlaube ich mir, die Meinung der Jury über das Wort Opfer-Abo für falsch zu halten.

Mit der Jury stimme ich dageben überein, daß Frauen nicht pauschal verdächtigt werden dürfen, sexuelle Gewalt zu erfinden.

"Unrecht ist Unrecht" - so ist es. Die Vergewaltigung von Frauen (in seltenen Fällen auch von Männern) ist ein Unrecht. Die falsche Verurteilung von Männern ist ein anderes Unrecht. Beide Unrechte können, wenn man nicht gerade Anhänger von Blutrache und Sippenhaft ist, nicht gegeneinander verrechnet werden. Ich habe den Eindruck, daß Sie und die erlauchte Jury genau das tun: man darf paar falsch verurteilte Männer inkauf nehmen, wenn dafür mehr unbestrafte Vergewaltiger verurteilt werden.

Es ist nun mal TATSACHE, daß die mesten Vergewaltigungen....

Das bestreitet doch niemand. Es geht hier aber nicht Nichtverurteilung schuldiger Männer, sondern um die falsche Verurteilung unschuldiger Männer und die Ausschaltung elementarer Grundsätze unseres Rechtssystems.

MissPrym 17.01.2013 | 11:06

Ich stimme mit Ihnen überein, dass es selbstverständlich richtig ist, dass ein Freispruch erfolgen muss, wenn eine Vergewaltigung nicht bewiesen werden kann.

Ich halte es grundsätzlich für rechtsstaatswidrig jemanden aufgrund von reinen Indizien zu verurteilen. Es dürfen nur nachprüfbare Fakten zählen.

Trotzdem sollte meiner Meinung nach jede Vergewaltigung angezeigt werden, damit das Problem in seinem ganzen Ausmaß sichtbar wird und dann über adäquate Gegenmaßnahmen nachgedacht werden kann.

Von vornherein zu kapitulieren, nur weil eine Vergewaltigung nicht bewiesen werden kann, halte ich für völlig falsch, weil das Problem der sexuellen Gewalt so nie eingedämmt werden wird.

Und was Sie zur „Opferindustrie“ schreiben finde ich höchst ärgerlich.

Gerade weil diverse Vergewaltigungsmythen so tief in der Gesellschaft verwurzelt sind, werden ja die meisten sexuellen Straftaten gar nicht angezeigt.

Mit Begriffen wie „Opferindustrie“ und „Opfer-Abo“ werden die Tatsachen auf den Kopf gestellt und die Täter-Opfer-Umkehr neu belebt.

Deshalb ist der Begriff „Opfer-Abo“ zu recht zum Unwort des Jahres gekürt worden und sogar auf Platz 1 gelandet.

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Ehemaliger Nutzer 17.01.2013 | 11:12

aha, antworten geht hier wieder - übrigens gibt es seit heute eine neue Funktion:

"Liebe Community,

heute Nacht haben wir ein Update mit folgenden Funktionen und Bugfixes eingespielt:
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Aus aktuellem Anlass: Selbst-Verfolgung ist nicht möglich ;o)"

https://www.freitag.de/autoren/christian-schneider/update-vom-17-01.2013

damit lässt sich auch bei Zeitmangel der/die/das eine oder andere "verfolgen"

;-)

mitreden 17.01.2013 | 11:12

Als ob die "Verunwortung"  von Opfer-Abo eine verbale Präventivmassnahme gegen sexuelle Gewalt sein könnte.

Gerade der Wortschatz zum Thema Sexualität enthält bereits, geschlechterunabhängig, eine Menge Gewalt verherrlichender, gleichsam anstiftender Phrasen.

Eine Jury die sich der Sprache verpflichtet fühlt, urteilt   dermassen genderinghypemässig?

 

 

 

Georg von Grote 17.01.2013 | 11:18

Wenn man sich hier die krampfhaften Versuche ansieht, die Entscheidung zu entkräften, bzw. sie schlecht zu machen, ist das kein Genderhype, sondern war dringend notwendig.

Das ist das, was ich unter Beißverhalten bezeichne. Kaum kommt das Thema auf, sofort wird argumentiert, dass Männer unschuldig angeklagt werden. Das diese Fälle angesichts der Masse der angezeigten und nicht angezeigten Vergewaltigungen nur einen minimalen Prozentsatz ausmachen, stört die Herrschaften nicht, Frauen allgemein unter Generalverdacht zu stellen.

freedom of speech? 17.01.2013 | 11:45

Mal ein bischen Butter bei die Fische:

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2012.pdf

"...Das Wort „Opfer-Abo“ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein...." 

"....Das Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer...."

 

Das ist nach meiner Meinung grober Unfug.

Worte stellen nicht unter Verdacht.

Worte verstoßen nicht gegen die Menschenwürde.

Es sind allenfalls die Menschen, die sie verwenden.

Wurde Kachelmann frei gesprochen?

Hat denn Niemand mehr Bedenken, wenn Worte "verboten" werden?

MissPrym 17.01.2013 | 12:28

Wer spricht hier von Verbot?

Die sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres“ wurde 1991 ins Leben gerufen, um das Sprachbewusstsein und die -sensibilität für Aussagen zu fördern, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen bzw. irreführend und gesellschaftlich diskriminierend sind. (s. o.)

Ich finde das eine sehr begrüßenswerte Initiative.

Denn mit dem Missbrauch von Sprache fängt Unrecht an.

Georg von Grote 17.01.2013 | 13:16

Wenn man jetzt böse wäre und manchmal bin ich gerne richtig böse, dann könnte man auch sagen, dass alle diejenigen, die sich so vehement gegen diese Unwort-Entscheidung wehren, erheblichen Dreck am Stecken oder eine Leiche im Keller haben und Vergewaltigung als notwendiges Übel, bzw normalen Kollateralschaden beim Sexualverkehr betrachten.

Ich glaube kaum, dass eines dieser Herrchen in der Lage sein wird, mir das Gegenteil beweisen zu können -)

freedom of speech? 17.01.2013 | 13:32

Jemand wurde agezeigt.

Er kam über 4 Monate in U-Haft.

Es gab einen Prozess in MA mit einem riesen Rummel.

Er wurde freigesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Er hat das Wort "Opfer-Abo" erfunden/verwendet.

Eine Jury bringt es später mit der Person wieder öffentlich in Verbindung und wählt das "Unwort des Jahres, weil es Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein.

 

Sie sind dran.

 

 

 

 

Georg von Grote 17.01.2013 | 13:40

Vergiss Deine Kachelmann-Verteidigungs-Debatte. Interessiert mich nicht, weil unbedeutender Einzelfall :-)

Bei der Unwort-Wahl geht es nur darum, dass der werte Wetterfuzzi Frauen generell all unter den Verdacht stellt, sie würden lügen und Männer grundlos beschuldigen. Er spricht nicht von Einzelfäälen, sondern bezieht das auf alle Frauen.

Und an Euren Reaktionen sieht man, dass das, was kachelmann da behauptet hat ganz tief in Euren Köpfen drin steckt. Ihr gebt ihm recht und urteilt genauso wie er.

freedom of speech? 17.01.2013 | 14:09

Das ist ja richtig phanasievoll! Lassen Sie sich häufiger Sachen nur mal so einfallen?

"....der werte Wetterfuzzi Frauen generell all unter den Verdacht stellt, sie würden lügen und Männer grundlos beschuldigen. Er spricht nicht von Einzelfäälen, sondern bezieht das auf alle Frauen....."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-88963928.html

"...Jörg Kachelmann: Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben. Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind...."

Sie sind da auf dem falschen Dampfer, von den unterstellten imaginären Leichen im Keller der Mitforisten mal ganz zu schweigen.

Mir gehts aber gar nicht um Kachelmann. Jeder dieser Fälle ist eine riesen Tragödie, ob der jeweilige Vorwurf nun echt oder ausgedacht ist.

Da gibt es keine einfache Lösung. Jeder Fall ist ein Einzelfall. Daran ändert auch eine "Verunwortung" keinen Hauch.

CS Spuhr 17.01.2013 | 16:39

ich persönlich liebe ja grafiken, also au dieser Seite http://feministing.com/2013/01/07/graph-of-the-day-why-do-we-keep-talking-about-false-rape-accusations/

findet man sehr schön argestellt, worum es geht, auch wenn es sich auf die usa bezieht...

und übrigens: @pw6: wenn man mal bedenkt wie lächerlich die Strafen in Dtl. für vergewaltigung sind (meist reine Bewährngsstrtafen), verglichen mit der Tat, dann finde ich es wirklich ebenfalls lächerlich wenn hier jemand die armen zu unrecht beschuldigten Männer verteidigen will...

ansonsten empfehle ich jedem Mann einmal den Vergleich der Erfahrung: lassen sie sich doch mal vergewaltigen, und lassen sie sich doch mal für 2 Jahre in Deutschland ins Gefängnis sperren, ich habe beides zwar noch nicht erlebt, würde mich aber sofort für letzteres entscheiden, und sie?

das es überhaupt Leute gibt, die von "Opfer-Abos" oder sowas reden, oder ne Vergewaltigung mit nem Scheidungskrieg gleichsetzen richtet unglaublich viel Schaden an. Durch solche Fälle wie Kachelmann etc, in denen die Medien so krass Partei ergreifen für den Angeklagten (und durch solche Vertuschungs-Aktionen wie sie die katholische Kirche in ihren Missbrauchsfällen macht), werden die wirklichen Opfer, die zig tausend vergewaltigten Kinder, Frauen (und Männer) nur darin bestätigt, daß es sich nicht lohnt diese Leute anzuzeigen.

Das ist hier der echte Schaden der angerichtet wurde.

CS Spuhr 17.01.2013 | 16:39

ich persönlich liebe ja grafiken, also au dieser Seite http://feministing.com/2013/01/07/graph-of-the-day-why-do-we-keep-talking-about-false-rape-accusations/

findet man sehr schön argestellt, worum es geht, auch wenn es sich auf die usa bezieht...

und übrigens: @pw6: wenn man mal bedenkt wie lächerlich die Strafen in Dtl. für vergewaltigung sind (meist reine Bewährngsstrtafen), verglichen mit der Tat, dann finde ich es wirklich ebenfalls lächerlich wenn hier jemand die armen zu unrecht beschuldigten Männer verteidigen will...

ansonsten empfehle ich jedem Mann einmal den Vergleich der Erfahrung: lassen sie sich doch mal vergewaltigen, und lassen sie sich doch mal für 2 Jahre in Deutschland ins Gefängnis sperren, ich habe beides zwar noch nicht erlebt, würde mich aber sofort für letzteres entscheiden, und sie?

das es überhaupt Leute gibt, die von "Opfer-Abos" oder sowas reden, oder ne Vergewaltigung mit nem Scheidungskrieg gleichsetzen richtet unglaublich viel Schaden an. Durch solche Fälle wie Kachelmann etc, in denen die Medien so krass Partei ergreifen für den Angeklagten (und durch solche Vertuschungs-Aktionen wie sie die katholische Kirche in ihren Missbrauchsfällen macht), werden die wirklichen Opfer, die zig tausend vergewaltigten Kinder, Frauen (und Männer) nur darin bestätigt, daß es sich nicht lohnt diese Leute anzuzeigen.

Das ist hier der echte Schaden der angerichtet wurde.

pw6 17.01.2013 | 17:51

@MissPrym 17.01.2013 | 11:06

"Ich halte es grundsätzlich für rechtsstaatswidrig jemanden aufgrund von reinen Indizien zu verurteilen. Es dürfen nur nachprüfbare Fakten zählen.
Trotzdem sollte meiner Meinung nach jede Vergewaltigung angezeigt werden, damit das Problem in seinem ganzen Ausmaß sichtbar wird und dann über adäquate Gegenmaßnahmen nachgedacht werden kann."

Damit bin ich völlig einverstanden. Wobei ich unterstelle, daß Sie mit "reinen Indizien" eigentlich "reine/unbewiesene Behauptungen" meinen. Nach meinem Eindruck wird schon seit Jahrzehnten sehr intensiv über das Problem in allen seinen Varianten und über jeweils adäquate Gegenmaßnahmen nachgedacht bzw. die Gegenmaßnahmen werden praktiziert. Man braucht hier definitiv nicht am Nullpunkt anzufangen, sondern könnte nachdenken, wo und warum die bisherigen Maßnahmen nicht gewirkt haben. Ich bin da voll auf Ihrer Seite!

"Von vornherein zu kapitulieren, nur weil eine Vergewaltigung nicht bewiesen werden kann, halte ich für völlig falsch, ..."

Richtig. Es fehlen Methoden und Strukturen, durch die 1. nicht bewiesene oder beweisbare Vergewaltigungen genauer als bisher erfaßt werden und 2. die nicht als Nebeneffekt die angeklagten Männer medial oder juristisch vorverurteilen, bis hin zur Lynchjustiz. Das ist ziemlich schwierig, unser derzeitiges Justizsystem leistet das jedenfalls nicht. Wenn Sie viel Zeit haben und sich die Problematik genauer klarmachen wollen, dann können Sie in den Blogs von Gabriele Wolff, einer ehemaligen Oberstaatsanwältin, sehr viele Details finden, die vermutlich mehr juristischen Sachverstand beinhalten als wir beide zusammen haben, z.B. hier: http://gabrielewolff.wordpress.com/2012/11/06/jorg-miriam-kachelmann-recht-und-gerechtigkeit-mehr-als-eine-rezension-iv/

"Mit Begriffen wie "Opferindustrie" und "Opfer-Abo" werden die Tatsachen auf den Kopf gestellt"

In diesem Punkt werden wir wohl nicht einig. Diese Begriffe besagen fast wörtlich, daß in einschlägigen Prozessen ohne sachgerechte Faktenprüfung Frauen als Opfer und Männer als Täter klassifiziert werden und Männer in diesem System vor- bzw. falsch verurteilt werden. Nicht mehr und nicht weniger. Es gibt genügend reale dokumentierte Fälle. Aber diese Tatsachen meinten Sie wohl nicht.

Über die Tatsache, daß viele Frauen vergewaltigt werden und daß die meisten Anklagen eine reale Grundlage haben, sagen die Begriffe überhaupt nichts aus.

Das Argument, daß die Glaubwürdigkeit von anklagenden Frauen durch diese Begriffe generell unterminiert wird oder Vergewaltigungen verharmlost werden. ist m.E. ein Denkfehler: entscheidend sind nicht die Begriffe oder Schlagworte, sondern die reale Existenz der falschen Verurteilungen. Wenn Sie das zuende denken, kommen Sie zu der paradoxen Erkenntnis, daß es im hohem Interesse vergewaltigter Frauen ist, jeden Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verurteilungen von Männern zu beseitigen, also gegen alles zu sein, was falsche Verurteilungen wahrscheinlich macht.

Jeder nimmt die Welt bekanntlich anders wahr, bei mir selber sind die Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Prozessen gegen Männer durch die Fälle Kachelmann, Strauss-Kahn und einen verwandten Fall in meinem Bekanntenkreis (eine völlig absurde Anklage wegen sexueller Belästigung, die den betroffenen fast den Job gekostet hätte) in den letzten Jahren massiv gestiegen. Tatsache ist nun mal offenbar, daß man als Mann einer falschen Anklage durch eine Frau nahezu schutzlos ausgeliefert ist. Verwechseln Sie die vorstehende Aussage bitte nicht mit den Aussagen, solche kriminellen Frauen seien besonders häufig oder jede Frau sei potentiell kriminell, beides möchte ich strikt verneinen.

Als Frau kann man die männliche Perspektive vermutlich nicht verstehen, da ist der komplette Wahrnehmungshorizont mit Fällen von Vergewaltigung gefüllt, die die Emotionen zum Kochen bringen, und alles andere wird ausgeblendet.

Bei nichtkriminellen Männern (ja, die gibt es) ist der Radarschirm ganz anders gefüllt. Mann fühlt sich mit seinen kriminellen Geschlechtsgenossen nicht direkt verbunden und kann nicht ganz nachvollziehen, wieso alle Männer als höchstwahrscheinlich kriminell klassifiziert werden - die mediale oder juristische Vorverurteilung von Männern alleine aufgrund ihres Geschlechts ist nichts anderes -, bzw. hat keine Lust, sich das auf Dauer bieten zu lassen.

Wegen dieser selektiven Wahrnehmungen redet man oft aneinander vorbei oder landet sogar bei gegenseitigen Vorwürfen, das eigene Problem nicht entsprechend zu würdigen und damit ein Teil des Problems zu sein. Leider.

pw6 17.01.2013 | 18:16

 @CS Spuhr 17.01.2013 | 16:39 "wenn man mal bedenkt wie lächerlich die Strafen in Dtl. für vergewaltigung sind (meist reine Bewährngsstrtafen), verglichen mit der Tat, dann finde ich es wirklich ebenfalls lächerlich wenn hier jemand die armen zu unrecht beschuldigten Männer verteidigen will..."

Nix für ungut, aber das ist ein Musterbeispiel für das Verrechnen von Unrecht an Kollektiven, konkreter bekannt in den Formen Blutrache, Ehrenmord usw. Bzgl. der kulturellen Entwicklung ordnet man das der Archaik (ca. 750 v. Chr.) zu.

Es ist schwer zu begreifen, aber es nützt einer vergewaltigten Frau nicht wirklich, wenn irgendein ihr unbekannter Mann unschuldig in den Knast geht oder seine Existenz verliert. Man kann ein Unrecht nicht mit einem anderen kompensieren.

MissPrym 17.01.2013 | 19:20

Sie haben wahrscheinlich Recht, dass wir uns nicht ganz einig werden können. Wobei ich Ihnen aber gerne abnehme, dass es schwerwiegende Konsequenzen hat, wenn ein Mann wegen Vergewaltigung angezeigt wird. Und das ist natürlich umso schwerer zu ertragen, wenn es sich um eine Falschbeschuldigung handelt. Ich will jetzt auch nicht damit kommen, dass Falschbeschuldigungen statistisch gesehen kaum ins Gewicht fallen. Jeder Einzelfall ist schlimm genug.

Aber das gilt doch umso mehr für Vergewaltigungen und die sind leider an der Tagesordnung. Haben Sie und all Ihre tapferen Mitstreiter eigentlich die geringste Ahnung, was für tiefgreifende und langanhaltende Konsequenzen es für eine Frau hat, vergewaltigt zu werden? - Ich glaube kaum.

 Und dann müssen die Betroffenen auch noch damit rechnen, dass sie aufgrund der tiefverwurzelten Vergewaltigungsmythen am Ende selbst als Täterin dasteht, weshalb dann der überwiegende Teil der betroffenen Frauen auf eine Anzeige  verzichtet.

Daran müsste sich zu allererst etwas ändern. Der Fall Kachelmann mitsamt  "Opfer-Abo"-Vorwurf trägt dazu aber ganz sicher nicht bei.

Zu diesem Thema kann ich  übrigens noch einen Klassiker, The Accused  (Angeklagt) mit Jodie Forster empfehlen.

http://www.youtube.com/watch?v=GhJWwPOpQio

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Ehemaliger Nutzer 17.01.2013 | 20:23

Der Kern der Problematik liegt meiner Ansicht nach ganz woanders. Als Mann hatte ich das Glück im Zuge meiner „Einweihung“ mit einer Frau zusammen zu kommen, die mit sexualisierter Gewalt nicht im Geringsten in Berührung gekommen ist.
Das wünsche ich jedem jungen Mann.


Im Weiteren habe ich erfahren müssen, daß eine solche Begegnung außergewöhnlich ist und sehr sehr viele Frauen mit gegengeschlechtlicher Sexualität am Ausgangspunkt und im Verlauf nicht annähernd so positive Erfahrungen gemacht haben wie ich.

Aufgrund dieser unterschiedlichen Voraussetzungen habe ich natürlich einen ganz anderen Zugang zum Eros und eine Sammlung von Erzählungen und Berichten zu dem was so alles schieflaufen kann zwischen Frau und Mann aus weiblicher Perspektive – ich muß sagen, es ist stellenweise wirklich erschreckend was da so läuft und noch furchtbarer ist, was so alles nicht läuft und am Entsetzlichsten ist wohl die Unwissenheit und/oder Ignoranz von Männern über das was sie in diesem Feld so anrichten können, denn Frauen messen dem Eros aufgrund ihrer Gebärfähigkeit eine ganz andere Bedeutung zu, wofür leider viele Männer blind und taub sind.

Das schlimmste Erlebnis dieser Art äußerte sich mir als ein von Lustangst dominiertes Vibrieren meines weiblichen Gegenübers, das auch nach ihrem Höhepunkt nicht abebben wollte – was aus meiner Perspektive dann doch sehr ungewöhnlich war. Als ich sie darauf ansprach eröffnete sie mir, da mit dem GV für sie noch eine andere Vertrauensebene eröffnet, daß ich nach einer Vergewaltigung seit Jahren der Erste gewesen sei, dem sie sich wirklich hingegeben.

Ich werde diese Schockstarre die mich daraufhin befiel nie vergessen. Es ist als schaue mann in Abgründe.
und wenn mann zu tief hineinschaut, dann werden diese Abgründe auch aus dir als mann heraufschauen und den eben noch unschuldigen Eros in die Tiefen hinabziehen...

pw6 18.01.2013 | 09:30

@MissPrym 17.01.2013 | 19:20 "Haben Sie und all Ihre tapferen Mitstreiter eigentlich die geringste Ahnung, was für tiefgreifende und langanhaltende Konsequenzen es für eine Frau hat, vergewaltigt zu werden? - Ich glaube kaum."

Ich will jetzt nicht patzig werden, aber Sie scheinen die Intensität der Aufklärung von Jungen und Männern und den resultierenden Wissensstand der meisten Männer (ab ca. 18 Jahre aufwärts) zu unterschätzen. Man(n) muß schon blind und taub sein, um die seit wenigen Jahrzehnten laufende regelmäßige Aufklärung der Jungen und Männer, sei es im Sexualkundeunterricht in der Schule oder in der Kirche oder bei Dr. Sommer oder bei Rachegöttin Schwarzer oder sonstwoher, übersehen und überhört zu haben. Zumindest rational müßte jeder halbwegs intelligente männliche Heranwachsende sehr genau verstanden haben, daß Penetration grundsätzlich eine Aggression ist und speziell eine Vergewaltigung eine Frau wahrscheinlich für ihr Leben lang psychisch schädigt, genauso wie jede andere Situation, die Todesangst erzeugt. Das ist jedem männlichen Durchschnittsheranwachsenden x Mal eingebleut und begründet worden. Und zwar nicht nur bei der Vergewaltigung als extremster Form sexueller Belästigung, sondern auch bei andern schweren, mittleren oder sogar leichten Formen, die allesamt formaljuristisch verboten oder zumindest moralisch geächtet sind.

Diese "Erziehungsmaßnahmen" sind zumindest in der Mittelschicht weitgehend ähnlich, wirken aber im Einzelfall durchaus verschieden. Die krasseste Wirkung beobachtet man bei den Schmerzensmännern (http://www.zeit.de/2012/02/Maenner), die die Lektion wirklich zu 100 - 120% verstanden haben und die von Frau Pauer et al. als Waschlappen verspottet werden. weil sie sozusagen psychisch kastriert sind: Die Dosis an Indoktrination war hier zu hoch, Schmerzensmänner nehmen Frauen nur noch als Opfer männlicher sexueller Aggression wahr, jedes eigene Begehren ist mit Schuldgefühlen verbunden und negativ konotiert und wird daher unterdrückt. Der Typus Schmerzensmann ist weit verbreitet, ich würde schätzen, daß ca. 10% der männlichen Bevölkerung ausgeprägte Symptome aufweisen und 20 - 50% mittlere bis schwache. Jedenfalls können Sie sicher sein, daß niemand aus dieser Gruppe eine Frau vergewaltigen kann. Aus dieser Gruppe ist auch niemand von dem oben mehrfach betonten Vorurteil befallen, Frauen würden Vergewaltigungen nur erfinden, im Gegenteil.

Das andere Extrem sind die asozialen "Dumpfbacken" (als Arbeitsbegriff, mir fällt nichts besseres ein), bei denen jeder Versuch der intellektuellen und/oder empathischen Ertüchtigung scheitert.

Zwischen den Extremen sind "relativ normale" junge Männer, die im Gegensatz zu den Schmerzensmännern irgendwann das Dickicht von Verboten und Rücksichtnahmegeboten durchbrochen haben oder wie Frau Pauer formuliert, den entscheidenden 'move' gemacht haben. Daß Frau Pauer auf ein nebulöses englisches Wort ausweicht, ist der PC geschuldet, deutsche Übersetzungen wie "die Angebetete aufreißen", "das Eis brechen" o.ä. wären alle gewaltverherrlichend. Unerwähnt bleibt die Option, daß die Frau entscheidenden 'move' macht - das ist auch nach 40 Jahren Emanzipation jenseits der Vorstellungskraft fast aller Frauen. Diese Erwartungshaltung an die Männer hat sehr negative Folgen, was ich hier nicht vertiefen will.

In Wirklichkeit ist alles noch viel vielfältiger. Es kommt mir auf zwei Erkenntnisse an:

1. Vergewaltigungen (und erhebliche sexuelle Belästigungen) sind Verbrechen, genauso wie Raubüberfälle und andere Kapitalverbrechen. Nur eine kleine Minderheit der Männer ist tatsächlich oder potentiell dazu imstande. Daher ist es infam, alle Männer pauschal zu bezichtigen, tatsächlicher oder potentieller Schwerverbrecher zu sein. Genau das passiert, wenn angeklagte Männer sofort medial hinrichtet werden, und ist zum Teil Grundlage geltender Gesetze. Auch unser aktuelles Unwort haut in die gleiche Kerbe, weil es in erster Linie Männern (hier in Gestalt von Herrn Kachelmann) vorwirft, unmoralisch zu argumentieren und Strafvereitelung zu betreiben. Man kann es daher kinderleicht als das übliche feministische Männer-Bashing verorten.

2. Das pauschale Anklagen aller Männer prallt bei den erwähnten Dumpfbacken wirkungslos ab, im Mittelfeld erzeugt es immer mehr Groll, und die Schmerzensmänner steigern ihre Depressionen noch ein wenig und sehen erst recht keiner einzigen Frau mehr in die Augen. Im Endeffekt verbessert man die Situation nicht, man hat nur seine Wut abgelassen. Das Problem sind die Dumpfbacken, nicht die anderen, wenn man ernsthaft etwas gegen Vergewaltigungen tun will, muß man diese Risikogruppe ins Visier nehmen und eben nicht mit der moralischen Keule blindlings auf alle Männer einprügeln.

MissPrym 18.01.2013 | 11:56

Das Problem sind die Dumpfbacken, nicht die anderen, wenn man ernsthaft etwas gegen Vergewaltigungen tun will, muß man diese Risikogruppe ins Visier nehmen und eben nicht mit der moralischen Keule blindlings auf alle Männer einprügeln.

Ich wüsste nicht, wo hier blindlings auf alle Männer eingeprügelt wurde.

Es geht aber auch nicht wirklich um irgendwelche „Dumpfbacken“, sondern um sexuelle Gewalt gegen Frauen. Denn nur dagegen kann vorgegangen werden, weshalb jede Vergewaltigung und jede „erhebliche sexuelle Belästigung“ angezeigt werden sollte.

Und wenn eben eine Tat nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, dann muss der Beschuldigte entsprechend freigesprochen werden.

Aber nur weil eine Anzeige von den Behörden ernst genommen und untersucht wird, rechtfertigt das noch lange nicht, von „Opferindustrie“ und „Opfer-Abo“ zu sprechen.

pw6 18.01.2013 | 18:13

"Ich wüsste nicht, wo hier blindlings auf alle Männer eingeprügelt wurde"

Wurde auch nicht, das war schlecht ausgedrückt, pardon. Es ging mir darum, daß die Maßnahmen, die ggf. unangenehm sein müssen ("Prügel"), auf die Risikogruppe fokussiert sein müssen - wozu man diese erst einmal eingrenzen muß, das ist nicht einfach - und man nicht einfach ohne Tatverdacht (blindlings) alle Männer stereotypisch verdächtigt, anklagt usw.

"Es geht aber auch nicht wirklich um irgendwelche „Dumpfbacken“, sondern um sexuelle Gewalt gegen Frauen."

Ich hatte die Prävention künftiger Straftaten, also die Senkung der Zahl der Straftaten im Sinn, während Sie an die Bestrafung begangener Straftaten denken, aber die ist ja selbstverständlich. Für eine Prävention muß man wie bei anderen Formen von Kriminalität die Personenkreise eingrenzen, die ein hohes Risiko haben, straffällig zu werden, und i.d.R. Präventionsmaßnahmen spezifisch für diese Risikogruppe planen. Anders gesagt nützen allgemeine Wohlverhaltensappelle oder Anklagen praktisch nichts.

Ich habe mich beispielsweise vor einiger Zeit ziemlich über eine Dokumentation sexueller Belästigung in Brüssel aufgeregt, es ist unglaublich, s.u.a. hier http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/maenner-sind-schweine

Die Männer, die da offene verbale Aggressionen von sich geben, halte ich alle für Risikokandidaten, aus Worten werden irgendwann Taten. Die sollten analog zum Idiotentest dazu verdonnert werden, eine mehrwöchigen Kurs zu absolvieren, in dem sie zumindest formal die Kenntnis der elementarsten Umgangsregeln nachweisen müssen. Ich will hier nicht weiter herumspekulieren, was wirksame Präventivmaßnahmen sind, das müßten Experten machen, aber nur solche gezielten Maßnahmen erscheinen mir erfolgversprechend.

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Ehemaliger Nutzer 18.01.2013 | 18:46

nur mal so als Hinweis:

Studien zur sexualisierten Gewalt und Übergriffigkeit ergaben, daß die Mehrzahl der Fälle im familiären, verwandtschaftlichen und nachbarschaftlichen Milieu stattfinden.

"Dumpfbacken" sind hingegen die, die sich erwischen lassen oder in Gestalt von öffentlicher Pöbelei auffällig werden.

Insoweit greift ihr Argument der "Risikogruppen" nicht, da dies unabhängig von medialen und schulischen "Erziehungsprogrammen" stattfindet, quer durch alle sozialen Schichten und Altersklassen.

Ganz sicher hingegen haben Sie recht mit der Annahme es handle sich um eine männliche Minderheit - die sich angesichts der "Karriere" von Serientätern - nicht besonders groß ausnehmen dürfte, weshalb Pauschalisierungen völlig unangemessen sind.

Der entscheidende Punkt aber ist, daß diese Typen überwiegend ihre Neigungen durchaus nicht als Dumpfbacken ausleben, sondern im Gegenteil sehr clever vorgehen und die oft aus der Vertrautheit erwachsende Scham und Handlungsunfähigkeit ihrer darob nicht selten gelähmten und am Ende auch noch traumatisierten Opfer für sich zu nutzen wissen.

Diese Cleverness beruht auf der schlichten Tatsache, daß dabei die gesetzlich geschützte Beweislastumkehr an die weibliche Adresse, welche ja dem Übergriffigen lautstarken und ernsthaften Widerstand entgegensetzen soll, zum Tragen kommt.

Wie geschrieben, die Mehrzahl der Opfer hat dem Täter zuvor - und sei´s blind und naiv - vertraut und schämt sich dessen oftmals so sehr, daß daraus Schweigen folgt. Genau darauf, auf die schwierige Beweisführung und die Zerstörung nahestehender Beziehungsstrukturen bei der Anzeige spekuliert der Angreifende bzw. Übergriffige bzw. Vergewaltigende.

Das ist nicht dumpfbackig, das hat eine gewisse Intelligenz in Kombination mit krimineller Energie, in Verbindung mit Sex und Gewalt hat das auch für diese Kreise ein hohes Maß an Faszination, man könnte annehmen, daß der erzwungene GeschlechtsAkt eine Art "Kick" für den Ausführenden beinhaltet.

Also bitte, tun Sie sich selbst einen Gefallen und vertrauen nicht auf erzieherische und allgemeinbildende Maßnahmen. Wer Gewalt als Mittel zur sexuellen Befriedigung einsetzt, der ist i.d.R. nicht dumm, weiß ganz genau was er tut und geht dabei i.d.R. berechnend vor.

Eine Vergewaltigung aus Zufall gibt es m.A.n. nicht. Schon gar nicht für planlose Dumpfbacken.

MissPrym 18.01.2013 | 20:36

Vielen Dank, allesanders!

Ich wollte  PW6 auch  darauf hinzuweisen, dass er offenbar völlig verkennt, dass  die meisten Vergewaltigungen im näheren Umfeld der Betroffenen passieren und sehr viel seltener vom bösen Unbekannten begangen werden. - Sie sind mir zuvergekommen und haben das sehr viel genauer ausgeführ, als ich das gekonnt hätte.

Hier noch etwas zur geringen Anzeigebereitschaft:

Die Bereitschaft von Opfern, die Tat anzuzeigen, ist Umfragen zufolge gering. Vergewaltigung gehört zu den Straftaten, deren Häufigkeit unterschätzt wird. Die Vergewaltigung hat weltweit eine der niedrigsten Verurteilungsraten von allen Verbrechen. Vergewaltigte Frauen zeigen die Tat bei der Polizei oft nicht an, da sie als Vergewaltigungsopfer sozial gebrandmarkt werden. Im Strafverfahren haben sie die Hauptbürde zu tragen. Weitere Ursachen können angenommene Beweisprobleme, geringer gesellschaftlicher Status der vergewaltigten Person, fehlende soziale Unterstützung und die Angst vor der Belastung des Verfahrens sein.[30] In den USA bleiben Zweidrittel bis Dreiviertel aller Vergewaltigungen im Dunkelfeld. Die Justiz-Lücke (justice gap) ist groß: Von den angezeigten Vergewaltigungen kommen nur 8 Prozent zur Anklage, 3 Prozent der Täter kommen vor Gericht und 2 Prozent erhalten eine Freiheitsstrafe.[31]Die Anzeigebereitschaft sinkt mit dem Anstieg des Bekanntheitsgrades zwischen Tätern und Opfern.[30]

http://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung

Vielleicht erkenen Sie jetzt so langsam, lieber PW6, warum Opfer-Abo zu Recht zum Unwort des Jahres gekürt worden ist.

 

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Ehemaliger Nutzer 18.01.2013 | 21:20

mir scheint das Objekt der Kritik eher der habitualisierte Gestus vieler Frauen als potentielles Objekt männlicher sexualisierter Gewalt zu sein.

Dabei ist es faktisch so, daß Männer viel mehr als Frauen Opfer dieser Gewalt werden, sowohl in Ausnahmezuständen wie Krieg und Bürgerkrieg, wie im institutionell gesicheten Rahmen.

Der Mißbrauch von Männern an Jungen, männlichen Jugendlichen und physisch schwächeren Männern ist ein noch gar nicht erwähntes Feld. Die offenen und versteckten Androhungen sexualisierter Gewalt mir als Junge und Mann gegenüber - stets als Vernichtungsperspektive geäußert - sind durchaus alltäglich für diejenigen die mit diesen Männlichkeitsritualen nicht konform gehen und erst recht für diejenigen die ein androgynes bis feminines Erscheinungsbild bevorzugen.

Leichtere Opfer gibt es kaum, weswegen nonkonformistische, androgyn wirkende Männlichkeit sehr sehr selten gelebt wird, denn diese wird ruckzuck in die feminine bzw. schwule Ecke gestellt und daran darf sich abreagiert werden, aber hallo!

In solchen Szenarien gibt es das gleiche Problem wie bei Frauen. Die Täter sind i.d.R. im sozialen Nahfeld zu finden.

Die Anzeigequote dürfte sich im Promillebereich bewegen, denn die Scham eines Mannes von einem oder mehreren Mann sexualisierter Gewalt ausgesetzt zu sein, ist um ein Vielfaches höher als das einer Frau.

Aus dieser Vorstellung, was einem Mann der von anderen Männern als Sexualobjekt wahrgenommen wird geschehen kann, speist sich alle Homophobie und zwanghafte Anähnelung an normativ heterosexuelle Männlichkeitsmuster.

In Kurzform:

ein Mann, der sich als Opfer sexualisierter Gewalt outet, ist kein Mann mehr.

Und das wissen die Kerle sehr sehr genau...

 

mitreden 18.01.2013 | 21:40

Für mich als " Mitfloristen ist es eine Stilblüte" , die Aussage: 

...  sie können damit Falschbeschuldigungen durchsetzen.

  Können sie eben nicht so einfach, das Verfahren hat es zur Genüge gezeigt.

Eine juristisch aussichtslose Sache  So  geht Beschuldigen nun auch nicht J.&M. K.. Das Gericht prüft und fällt ein Urteil. 

Dies   Frau Kachelmann zu sagen, hätte genügt.

Das Urteil hat dem einschlägigen Kreis nicht gepasst,  eine Wiederaufnahme des Verfahrens wäre nicht an fehlenden Mitteln gescheitert, es haben genügend reichlich dran verdient.

Jedoch kann das  Nachkarten  mittels  Juryurteil dem eigenen Rechtsempfinden mehr Nachdruck verleihen, auch wenn es  kein Rechtsspruch ist.

Aber nein, der feministische hardcore Zirkel Südhessens ist seit den 68-ern berühmt. Wie oft haben wir darüber gelacht.

Was sie besonders mögen: Lieber aus solch flapsig formuliertem Floskelsalat wie von K. eine  Scene machen, Aufregung ist Lebenselixier und die Unmoral-Keule darf geschwungen werden .

Übles Unwort "Dreibeiner", mit Verlaub Sie sind  ein ... 

Falls Sie damit Penis meinen sagen Sie`s doch einfach.

Aber das ist kein drittes Bein!  

Ihre Sicht ist diesbezüglich sehr getrübt!

Dafür:

Ich schätze den weiterführenden Beitrag von PW6 vom 18.1. 9:30h

Die selbe Erfahrung, innerhalb einer diesbezüglichen Diskussion,  habe ich mit 30 Jugendlichen gemacht. Einstimmige Aussage: "Geht schon mal gar nicht!!!"

Für mich:

Die Verunwortung war überzogen.

Der Hinweis auf das fatale Problem  Vergewaltigung allerdings  mehr als gerechtferigt.

Es wäre eine großartige Geste des freigesprochenen Herrn Kachelmann, einen Verband gegen Vergewaltigung zu gründen  oder bereits bestehenden, als streitbarer publizistischer Beirat zu dienen.

Ich mag Kritik mit praktikablen Lösungsansätzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

pw6 19.01.2013 | 10:26

"http://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung"

Vorsicht mit Wikipedia-Einträgen zu Themen, die den Feminismus tangieren. Sie müssen generell davon ausgehen, daß die jeweiligen Themen nicht ausgewogen und objektiv dargestellt werden, sondern aus einer mehr oder weniger streng feministischen Weltsicht. Platt gesagt könnten diese Einträge auch aus der Emma-Redaktion oder von Alice herself stammen. Unbequeme Fakten werden unterdrückt, Statistiken einseitig zitiert, unsichere Erkenntnisse als gesicherte Wahrheiten dargestellt usw.

Wenn Sie sich die Versionsgeschichte zu diesem Eintrag ansehen, - den Link namens " Versionsgeschichte" in der Kopfzeile folgen, hier konkret: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Vergewaltigung&action=history  - dann finden Sie Autoren namens "Fiona Baine" oder "SanFran Farmer". Das sind die bekanntesten Mitglieder einer Gruppe von ca. 5 - 10 anonymen Autoren, die eine "Kriegspartei" (die Gewinner) in einem Edit War bilden, der seit langem um diese Enträge geführt wird. Es erinnert stark an Orwells Ministerium für Wahrheit. Dieser Edit War hat es sogar schon in die Nachrichten geschafft, wenn Sie nach "wikipedia edit war Fiona Baine SanFran Farmer" oder ähnlichen Schlagworten googeln, finden Sie hunderte Treffer.

Ich kann diesen Edit War aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich hatte selbst einmal versucht, in einem Eintrag eine m.E. objektiv eindeutig falsche Aussage zu korrigieren, wurde dann aber sehr schnell von Fiona Baine mit einer sagen wir mal zynischen Begründung abgebürstet.

Das Ausmaß der Wahrheitsverdrehung in den Wikipedia-Einträgen schätze ich mittlerweile als ähnlich hoch ein wie bei den wikimannia-Einträgen. Im Endeffekt vertraue ich keiner der beiden Quellen: Wenn man politisch ca. in der linken Mitte steht, springen einem die einseitigen und verzerrenden Darstellungen auf wikimannia sofort ins Auge (bzw. stellenweise in den Magen mit resultierendem Brechreiz). Bei Wikipedia ist das subtiler und cleverer gemacht, man bemerkt je nach eigenem politischen Standort (aka Vorurteile) die Wahrheitsverdrehungen nicht so schnell, irgendwann aber doch. Die Enttäuschung ist dann umso größer.

Das ist nicht ganz off-topic für diesen Blog: Die ganze Thematik Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Verfolgung und Prävention entsprechender Straftaten, hat sehr große Graubereiche, in denen man m.W. keine gesicherte Information hat und in denen schon aufgrund der schieren Menge Informationen selektieren muß. Solche politischen Themen sind immer besonders anfällig für ideologisch motivierte Versuche,  passende gesicherte Wahrheiten zu konstruieren. Wenn das ganz offen von Vertretern bestimmter Ideologien passiert, ist das OK. Wenn das klammheimlich wie bei Wikipedia - also einer Quelle, die beansprucht bzw. den Ruf hatte, nicht einseitig zu informieren - ist es eine Schweinerei.

PS: verstehen Sie das jetzt bitte nicht wieder als Versuch, Vergewaltigungen zu verharmlosen oder deren Verfolgung (Anzeige, Untersuchung, Verurteilung usw.) zu verhindern, nichts liegt mir ferner. Es geht mir hier nur um die Frage, ob "Fakten", die Basis für sehr pointierte politische Meinungen oder Forderungen sind,  wirklich belastbar sind und aus glaubwürdigen Quellen stammen. Bei Fakten wie "Zweidrittel bis Dreiviertel aller Vergewaltigungen [bleiben] im Dunkelfeld" sollte sofort die Alarmglocke läuten, daß die beiden Zahlen 66,66666% und 75,0000% unsicher und nicht auf die letzte Kommastelle genau sind.

 

pw6 19.01.2013 | 11:20

@allesanders 18.01.2013 | 18:46: "nur mal so als Hinweis:

Studien zur sexualisierten Gewalt und Übergriffigkeit ergaben, daß die Mehrzahl der Fälle im familiären, verwandtschaftlichen und nachbarschaftlichen Milieu stattfinden."

Völlig richtig, ist mir durchaus bekannt, und paßt zu meiner Wahrnehmung, daß die gleiche sexuelle Straftat in verschiedenen Varianten existieren kann, die man unterscheiden muß, z.B der Triebtäter, der Verwandte oder Nachbar, der Lehrer oder Trainer, der Affekttäter usw.

Unterscheiden muß man sie m.E. deshalb, weil jede Variante andere Umstände aufweist und anders behandelt werden muß, und zwar sowohl bei der Anzeige, Untersuchung, Bestrafung und vor allem bei der Prävention.

Diskussionen über die Häufigkeit dieser Varianten halte ich insofern für müßig, als sicherlich Konsens besteht, daß man alle aufgetretenen Fälle finden und verfolgen und und zukünftige Fälle verhindern sollte. Insofern reden wir hier teilweise aneinander vorbei: wenn ich mich z.B. vor allem für die Prävention interessiere bzw. dafür plädiere, will ich damit nicht sagen, daß man nichts für eine bessere Anzeige und Untersuchung tun sollte. Das eine schließt das andere nicht aus.

Auch bei missprym ist mir erst im Laufe der Diskussion klargeworden, daß sie sehr fokussiert ist auf  "eingetretene Vergewaltigungen > Täter im familiären Umfeld > Erfassung und Anzeige", wenn ich die die Themen mal als Navigationsbaum darstellen darf, während ich selber eher bei "Prävention > Triebtäter oder Affekttäter" stehe.

Offenbar sind alle damit überfordert, das Thema in seiner vollen Breite (mit seinen unscharfen Rändern, s. voriges Posting zu wikipedia) zu diskutieren. Erneuter Anlaß für mich, die Wahl des Unworts massiv zu kritisieren: nur wenn man das ganze Thema willkürlich eingrenzt z.B. auf "eingetretene Vergewaltigungen > Täter im familiären Umfeld > Erfassung und Anzeige", kann man nachvollziehen, wieso das überhaupt ein Unwort sein soll. Diese Eingrenzung ist aber zufällig, viele Leute stehen vor einem Rätsel, bei anderen Eingrenzungen ist die in der Wahl des Unworts enthaltene pauschale Beschimpfung von Männern nur kontraproduktiv. In der Summe erzeugt die Wahl dieses Unworts zu viel Konfusion.

rheinhold2000 19.01.2013 | 11:23

"Vorsicht mit Wikipedia-Einträgen zu Themen, die den Feminismus tangieren. Sie müssen generell davon ausgehen, daß die jeweiligen Themen nicht ausgewogen und objektiv dargestellt werden, sondern aus einer mehr oder weniger streng feministischen Weltsicht. Platt gesagt könnten diese Einträge auch aus der Emma-Redaktion oder von Alice herself stammen. Unbequeme Fakten werden unterdrückt, Statistiken einseitig zitiert, unsichere Erkenntnisse als gesicherte Wahrheiten dargestellt usw."

SIE sind halt überall. könnt ihr maskulisten nicht einfach in euren foren bleiben und euch gegenseitig einen runterholen? müsst ihr denn immer in rudeln das ganze inet zuspammen, immer in rudeln, sobald feminismus auftaucht kann man die heiseforen nicht mehr anklicken, ja sogar den armen scienceblog müllt ihr zu, was soll das?

philmus 19.01.2013 | 12:50

"SIE sind halt überall. könnt ihr maskulisten nicht einfach in euren foren bleiben und euch gegenseitig einen runterholen? müsst ihr denn immer in rudeln das ganze inet zuspammen, immer in rudeln, sobald feminismus auftaucht"

Könnte das mit einer grundsätzlichen Einseitigkeit in der Wortwahl zusammenhängen? Für mich ist Feminismus die einseitige Betonung der Frauenrechte und die natürliche, nur leider nicht besonders geistreiche Antwort sind die Maskulisten.

Wie wärs mit "Emanzipation"? lange nicht mehr gehört...

Aber das ist doch mal ein schönes Ziel, für Beide.

 

"Feminismus, Maskulismus" - sind wir im Krieg oder was??

Nur mal so als Anregung, den Gebrauch der Wörter betreffend.

pw6 19.01.2013 | 13:37

@MissPrym 18.01.2013 | 20:36: "Vielleicht erkenen Sie jetzt so langsam, lieber PW6, warum Opfer-Abo zu Recht zum Unwort des Jahres gekürt worden ist."

Ich gebe mir redlich Mühe, aber so ganz geschafft habe ich es noch nicht. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen, wenn ich Ihnen schildere, wie weit ich gekommen bin und wo es hakt:

Unwort bedeutet für mich, daß ein Wort eine falsche Aussage enthält, die eine bestimmte Personengruppen diskrediert, und daß eine andere Gruppe von Personen das Unwort benutzt, um mehr oder weniger absichtlich diese Diskredierung herbeizuführen. An den Pranger gestellt werden diese Benutzer, moralisch unterstützt wird die diskredierte Personengruppe.

Beispiel: "Pleite-Griechen" enthält die falsche Aussage, alle(!) Griechen seien Betrüger und Bankrotteure. Benutzer des Unworts sind hier weite Teile der deutschen Bevölkerung bzw. Presse, die ehrlichen Griechen werden moralisch unterstützt.

Bei "Opfer-Abo" ist es nicht so klar, welche Aussage man damit verbindet. Kachelmann hat damit eindeutig die (nicht ganz falsche) Aussage verbunden, die deutsche Justiz würde anklagenden Frauen ohne korrekte Prüfung der Fälle die Rolle des Opfers zuweisen und dadurch Angeklagte falsch verurteilen. Diskredierte Personengruppe ist die deutsche Justiz, ggf. auch die Presse. Kachelmann hat selbst m.W. nie die Frauen pauschal bezichtigt, sexuelle Gewalt zu erfinden.

Die Unwort-Jury verbindet eine ganz andere Aussage mit dem Unwort: "Frauen [werden] pauschal und in inakzeptabler Weise unter Verdacht gestellt, sexuelle Gewalt zu erfinden". Diese Aussage ist natürlich eindeutig falsch. Diskreditierte Personengruppe sind jetzt die anklagenden Frauen, Benutzer des Unworts sind abstrakt gesagt und potentiell alle angeklagten Männer oder deren Verteidiger und Sympathisanten. Dummerweise hat aber bisher niemand das Wort in der Interpretation der Jury benutzt. Die Kachelmanns scheinen die einzigen überhaupt dokumentierten Benutzer dieses Worts zu sein, aber sie haben es in einem anderen Sinn benutzt. Damit verletzt diese Wahl ein bisher übliches Kriterium, nämlich daß das Wort im aktuellen Kalenderjahr von einer größeren Zahl von Personen regelmäßig benutzt wurde, und ist schon von daher ein Fehlgriff. Wenn das Wort schon regelmäßig benutzt worden wäre, hätte ich nichts gegen die Wahl einzuwenden.

Noch schlimmer ist: die Jury ist selber Schöpfer dieses Unworts, weil sie die erste relevante Gruppe von Personen ist, die es im gewünschten Sinn interpretiert.

Die an den Pranger gestellte Gruppe von bisherigen Benutzern des Worts ist objektiv leer, man kann also nur spekulieren, wer genau gemeint ist. Infrage kommen je nach feministischer Prägung viele oder alle Männer als potentielle Vergewaltiger. Dies begründet meine Behauptung, daß man diese Wahl als allgemeines Männer-Bashing interpretieren kann. Nicht zufällig ist A. Schwarzer voll des Lobes.

Ich stimme Ihnen zu, daß das Wort, wenn man es gemäß der Jury interpretiert, in jedem Vergewaltigungsprozeß dazu benutzt werden kann, die zu Recht anklagende Frau zu diskredierten, mit allen negativen Konsequenzen bis hin zur Unterdrückung der Anzeige, und daß es in Zukunft nicht benutzt werden darf. D.h. es sollte nicht zum Unwort WERDEN. Vermutlich können wir uns darauf einigen.

pw6 19.01.2013 | 14:03

"Wie wärs mit "Emanzipation"? lange nicht mehr gehört..."

Ich bin kürzlich darüber gestolpert, beim Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, s. http://www.mgepa.nrw.de/emanzipation/frauen/index.php . Auf der Agenda stehen dort vor allem Frauen und deren Förderung sowie Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexualität und Intersexualität. Männer kommen nicht oder allenfalls als Problem für die anderen Gruppen vor.

 

"sind wir im Krieg oder was"

Wenn man sich mgepa.nrw.de ansieht, könnte man zumindet dort diesen Eindruck haben. Wie repräsentativ das ist, ist schwer zu sagen. Wikipedia (Vorsicht!) sagt: "Heutzutage steht der Begriff häufig synonym für die Frauenemanzipation".

freedom of speech? 19.01.2013 | 14:07

@kay.kloetzer

Es geht hier nicht zuerst um Kachelmann, sondern darum, Wörter zu hinterfragen.

Nun nehmen wir an, es wäre so. Wo geht "es" denn los? Wohl doch erst mal beim Wort selbst. Beginnend mit dem Wort,  was bedeutet eigentlich: "Opfer Abo?"

Ist es das käuflich erworbene Recht eines Sadisten, in einem bestimmten Zeitraum turnusmäßig wiederkehrend (Abonnement) ein Opfer in Anspruch nehmen zu dürfen?

Ist es das käuflich erworbene Recht eines Masochisten, in einem bestimmten Zeitraum turnusmäßig wiederkehrend als Opfer behandelt zu werden?

Ist es das Abonnement, das einem Opfer gehört? Wobei Opfer als beliebter Begriff in der Jugendsprache verwendet wird? Du Opfer, du!

Die Bedeutung von Opfer-Abo war bis zur Juryentscheidung wohl fast Niemandem klar.

Man braucht demnach zum Verständnis des Wortes zwingend die Kenntnis des Kontextes.

Und was ist der Kontext? Nichts anderes als der Fall Kachelmann selbst.

Und da geht das Auslegungsdrama weiter. Ist es bedeutungsstiftend, was der Erfinder des Wortes sich dabei gedacht hat oder ist entscheidend, was das Publikum des Prozesses verstehen konnte?

In beiden Fällen ist jedenfalls für die Auslegung von wesentlicher Bedeutung, wie der Prozess ausgegangen ist:

Hätte Kachelmann verloren,  stünde es als trotzige und fadenscheinige Rechtfertigung eines Schuldigen, der keine Reue zeigt, da. Keine ungewöhnliche Sache.

Kachelmann hat aber nun mal gewonnen. Demnach ist es die Klage eines unschuldig 4 Monate in U-Haft festgehaltenen Justizopfers. Auch keine ungewöhnliche Sache.

Es fragt sich nun, ob die Klage berechtigt ist.

Aus subjektiver Sicht des Justizopfers liegt es nahe, die Schuld für das erlittene Unrecht einer bestimmten Struktur in die Schuhe zu schieben. Es wäre ein Erklärungsversuch für sein Schicksal.

Trifft die mit Opfer-Abo beschriebene Struktur aber auch im Allgemeinen zu?

Mensch (ich leih mir den Ausdruck von TTG) kann in Anbetracht des Falles Kachelmann wohl nicht mehr behaupten, dass so eine Struktur überhaupt nicht existieren kann.

Das Gericht hat eben nicht bestätigt, dass die Nebenklägerin ein Opfer ist, obwohl sie das behauptet und damit den Fall mit mediengestützter Dynamik ins Rollen gebracht hat.

Frau Schwarzer wurde einstweilig verboten, solcherlei zukünftig zu behaupten. Im Einzelnen:

http://www.hoecker.eu/mitteilungen/artikel.htm?id=215

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fehlerhafter-bericht-alice-schwarzer-soll-kachelmann-anwalt-5000-euro-zahlen-a-730231.html

Und nun kommt eine "Jury" und zieht das Ganze noch einmal medienwirksam durch die Presse. Dies mit der Behauptung:

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2012.pdf

"Die Jury urteilt damit in keiner Weise darüber, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können und somit auch nicht über den Fall Kachelmann."

Was soll das bedeuten?

Den konkreten Fall Kachelmann "außen vor" zu lassen ist - wie oben erläutert - schwer möglich, weil sich das Wort nur im Kontext Kachelmann überhaupt verstehen lässt.

Zum Anderen ist es widersprüchlich, wenn die Jury zwar nicht Aussagen treffen (urteilen) will, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können, dann aber von gängigen Vorurteilen in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen spricht.

Ja, was denn nun?

Im Fall Kachelmann jedenfalls hat es sich lediglich als Vorurteil heraus gestellt, dass Kachelmann Täter und die Klägerin Opfer sei.

Das scheint aber nicht in den Kram der Jury zu passen.

Ist das ein "sensiblerer Umgang mit Sprache in der öffentlichen Kommunikation?“ oder ist es geradezu die Bestätigung, dass Strukturen, die als "Opfer-Abo" bezeichnet werden können, tatsächlich existieren?

 

Viele Grüße

fos?

philmus 19.01.2013 | 14:36

Und wie wollen Sie das schaffen, ohne die Nachteile des Patriarchats für die Männer sichtbar, fühlbar zu machen?

Es ist schon logisch eine heikle Sache, Gleichberechtigung für eine von zwei Seiten zu fordern. Ich hoffe nur, ich bin für Sie nicht auch schon "Maskulist", weil ich "Emanzipation beider Geschlechter von patriarchalischen Zuschreibungen" als Ziel besser getroffen finde. Wenn Sie als Mann nicht das Gefühl haben, in der patriarchalischen Ordnung um wesentliche Freuden des Lebens betrogen zu werden, schön für Sie. Mir liegt auch meine eigene "Emanzipation" am Herzen und deshalb kann "Gleichberechtigung der Frauen" das Ziel immer nur halb umschreiben.

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Ehemaliger Nutzer 19.01.2013 | 15:16

Einmischung:
na dann kann ich kein Feminist sein, da ich durchaus nicht für Gleichberechtigung von Frauen bin, denn diese Vorstellung beruht auf einem abstrakten Geschlechterdualismus, von dem sich sowohl Frauen wie Männer emanzipieren sollten.
Im Vordergrund sollte die Gleichberechtigung unter Frauen und unter Männern stehen, womit die biologische Tatsache der Gebärfähigkeit als eine sich auf die Berufsbiographie auswirkende angemessen anerkannt würde und im Gegenzug die Rolle und Funktion des Vaters neu zu definieren wäre – da der einzig realistische Ausgleich dieser Schieflage darin bestünde, daß der Partner der Frau und Vater der Kinder ohne berufliche Nachteile befürchten zu müssen in etwa den gleichen Zeit – und Energieaufwand betreibt wie die Frau und Mutter hinsichtlich der Familienarbeit und der Mitwirkung im sozialen Umfeld des gewählten Lebensmittelpunktes.

Gleichberechtigung unter Frauen hieße ebenso wie bei Männern folglich auch Chancengerechtigkeit von Anfang an, so daß auch unterprivilegierte Männer und Frauen ähnliche Bildungs, Partnerschafts, Familiengründungs – und Berufschancen besäßen wie die, denen diese von Haus aus mitgegeben.
Wie soll sich Gleichberechtigung einstellen, wenn eine Frau aus gehobenen Kreisen weitaus höhere Chancen hat, wie die etwa gleichaltrige Hausangestellte im Elternhaus?
Ähnliches gilt für den Taxifahrer des Sohnes einer erfolgreichen Anwalts – oder Beamtenfamilie, der oft in dieser Position ist, weil sein Elternhaus ihm nicht die entsprechende Förderung und Ausstattung zuteil werden liess, da sie eben nicht über ein vergleichbares Einkommen noch Vermögen verfügen.
Wenn nun Hausangestellte und Taxifahrer sich kennenlernen, so sind diese in Sachen Chancen in etwa gleichberechtigt, so wie die Tochter des Unternehmers mit dem Anwaltssohn halbwegs auf Augenhöhe operiert – nur dass sie im Falle der Familiengründung genauso wie ihre minderbemittelte Geschlechtsgenossin ein paar entscheidende Handicaps als Mutter zu spüren bekommt, die aber die Unternehmertochter viel eleganter und effizienter ausgleichen oder umschiffen als die weniger begüterte, oder?

Hinzu kommt noch, daß die von unten einen längeren und oft aufwändigeren Weg nach oben bzw. bis zum Durchschnitt zurücklegen müssen, was den Begriff Gleichberechtigung im Sinne einer Chancengleichheit – und gerechtigkeit völlig absurd erscheinen lässt.

Innerhalb eines solchen Koordinatenkreuzes an eben nicht nur geschlechtlich, sondern auch sozial gebundener Ungleichheit und Ungerechtigkeit ist es absurd von Gleichberechtigung – und Gleichstellung zu reden – das funktioniert nur in wirtschaftlich und sozial halbwegs gleichen bzw. homogenen Gruppierungen, am Besten aber ganz oben – schon in der Mittelschicht kann davon keine Rede mehr sein.

rheinhold2000 19.01.2013 | 16:49

"Es ist schon logisch eine heikle Sache, Gleichberechtigung für eine von zwei Seiten zu fordern. Ich hoffe nur, ich bin für Sie nicht auch schon "Maskulist", weil ich "Emanzipation beider Geschlechter von patriarchalischen Zuschreibungen" als Ziel besser getroffen finde. Wenn Sie als Mann nicht das Gefühl haben, in der patriarchalischen Ordnung um wesentliche Freuden des Lebens betrogen zu werden, schön für Sie. Mir liegt auch meine eigene "Emanzipation" am Herzen und deshalb kann "Gleichberechtigung der Frauen" das Ziel immer nur halb umschreiben."

geschenkt, mir gings nicht um eine komplette umschreibung. am ziel sind wir natürlich erst wenn mann/frau keine rolle mehr spielt nicht mal in der wahrnehmung. aber da sind wir natürlich noch weit von entfernt.