Philip Grassmann
08.11.2012 | 13:44 38

Trickser in eigener Sache

Transparenz Peer Steinbrück hat bei der Offenlegung seiner Nebeneinkünfte Buchtantiemen unter den Tisch fallen lassen. Nun ist er da - der Fehlstart des SPD-Kanzlerkandidaten

Trickser in eigener Sache

Dumm gelaufen: SPD-Kandidat Steinbrück

Bild: Sean Gallup/Getty Images

Peer Steinbrück hat ein erfolgreiches Buch geschrieben. Durfte er das? Selbstverständlich. Andere haben es ebenfalls getan, zum Beispiel Wolfgang Schäuble. Oder Gregor Gysi. Bücher von Politikern sind nur sehr selten unterhaltsam, manchmal sind sie nicht einmal lesenswert.

Insofern ist Peer Steinbrück etwas Besonderes geglückt: Er hat ein äußerst erfolgreiches langweiliges Buch geschrieben. Das mag den Verlag freuen ebenso wie den Autor, der damit Geld verdient. Aber die Höhe des Honorars sagt in diesem Fall noch nichts über die Integrität des Politikers. Insofern ist die Empörung über Steinbrücks Buch-Tantiemen reichlich überzogen.

Aber: Steinbrück hat selbst für das aufgeregte Umfeld gesorgt, in dem jetzt über seine finanziellen Verhältnisse debattiert wird. Er hat geglaubt, es reiche aus, die Honorare für die Vorträge offenzulegen, die er als Abgeordneter gehalten hat. Das eigentliche Ziel war, wie beim Jiu Jitsu die Wucht der Attacke ab- und auf den Gegner zurückzulenken. Doch das Steinbrücksche Kunststück misslang gründlich.

Reine Taktik

Und zwar nicht nur, weil man bei 89 Vorträgen und damit verbundenen Einnahmen von 1,25 Millionen Euro kaum von einer „Nebentätigkeit“ oder gar „Nebeneinkünften“ sprechen kann. Oder weil es einen empört, dass ausgerechnet die Stadtwerke einer klammen Kommune wie Bochum mit 25.000 Euro das höchste Honorar gezahlt haben. Der Kanzlerkandidat in spe hat einen viel größeren Fehler gemacht: Er hat nur einen Teil seiner Einkünfte offengelegt.

Dieses taktische Verhältnis zur Transparenz wird ihm nun zum Verhängnis. Er ist ein Trickser in eigener Sache, seine Glaubwürdigkeit ist schwer beschädigt. Schlimmer noch: Wie will dieser Nebengroßverdiener künftig über soziale Gerechtigkeit sprechen?

Für die SPD ist nun genau die Lage eingetreten, die sie mit der Troika-Konstruktion doch eigentlich immer verhindern wollte: dass ein Kanzlerkandidat zerlegt wird, lange bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hat. Nun ist es genauso gekommen, sogar noch bevor Steinbrück von der Partei offiziell nominiert worden ist. Die Ironie dabei: Nicht die politische Konkurrenz, sondern die SPD selbst hat sich diesen Fehlstart eingebrockt.

Kommentare (38)

glamorama 08.11.2012 | 14:32

Steinbrücks "Glaubwürdigkeit" ist nicht erst seit der Affäre um seine Nebeneinkünfte beschädigt: Der Mann hat als Finanzminister die dreistelligen Milliardenschulden der Zocker-Bank Hypo Real Estate verstaatlicht. Das von ihm geführte Ministerium ließ die Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche um exakt einen Tag verstreichen, sodass statt der HRE-Aktionäre nun die Steuerzahler haften.

Auch seine Glaubwürdigkeit als "Mahner für mehr soziale Gerechtigkeit" lässt zu wünschen übrig: Seinen Aussagen zufolge geben Hartz-IV-Empfänger ihr Geld schließlich sowieso nur "für Zigaretten und Pils" aus. 

KalleWirsch 08.11.2012 | 15:52

Bei der Frage ob Steinbrück oder Merkel bin ich noch leidenschaftsloser als bei Obama oder Romney. 

Die SPD hatte nach dem letzten Wahldebakel räuig mehr Basismitbestimmung und eine Rückkehr zur Sozialdemokratie verlauten lassen. Herausgekommen ist unterm Strich Steinbrück. Ein führender Gestalter des neoliberalen schwarz/roten Mediokratieklumpens der Großen Koalition.

Entweder hat die SPD das ganze basisgefasel nur als Ablenkungsmanöver gemeint, oder die Elite hat schnell festgestellt, dass eben eine basisorientierte Politik ihnen ihre Posten kosten könnten. Letzten Endes ist Steinbrück als Kanzlerkandidat die Manifestierung vom Abschied vom sozialdemokratischen Gedanken.

Helmut Eckert 08.11.2012 | 17:31

Jetzt kann ich in Ruhe weiter meine Armut unter Hartz IV genießen! Steinbrück will die SPD retten!  Oder doch nur seinen Machtanspruch?

Für den Teil in dieser Gesellschaft, die nicht zu den Besserverdienern, zu den Reichen und Mächtigen  in diesem kinderfeindlichen Staat gehören  ist er nicht der Heilsbringer und wird es nie werden und sein! Steinbrück verkörpert das amerikanische Denken der Republikaner!  Mich sollte es nicht wundern, wenn die Brüder und Schwestern der „Tea Party“ ihn zu ihrem Ehrenmitglied wählen!

Spätestens am Abend des Wahltages wird Steinbrück die „Kurve kratzen“. Wenn nicht die Angie ihm ein verlockendes Angebot unterbreitet? Finanzminister unter der CDU Fuchtel! Dort könnte er sich dann richtig austoben, bräuchte nicht mehr für 25 000 Euro zwei Stunden sabbern müssen.  Alle Tafelbesucher des Landes, alle kinderreiche Familien, alle Alleinerziehende Mütter mit  Niedriglohneinkommen, alle sozial benachteiligte Mitbürger, alle diese Menschen warten nur auf Peer Steinbrück.. er meldet sich schon mit dem Weckruf der Sozialdemokratie: Mir alles, Euch der Rest..

Costa Esmeralda 08.11.2012 | 18:50

Liebe Kommentatoren, Ihr habt ja alle mehr als recht. Aber ist die Konsequenz aus diesem Räsonieren über die Verderbtheit der Ror-Grünen (ja, Letztere sind ähnlich raffgierig bei der Plünderung öffentlicher Kassen beteiligt, wie auch die so "volksnahe" Linke) nicht insofern schädlich, da sie Merkel zum Vorteil gereicht.? Wir sollten nicht verschweigen, dass sie doch die Hauptschuldige am Euro-Desaster und der Weltwirtschaftskrise ist (Da täuscht auch ihr Mütterchen-Image nicht darüber hinweg). Und sie ist es auch, die die zwei Hauptpfeiler deutscher Politik definiert: Das Merkelsche TOTSPARDIKTAT für die Eurozone und die "Soziale-Kälte-Politik" speziell auf Deutschlands Innenpolitik zurechtgezimmert. Angesichts dieser Pest-Cholera-Situation (Steinbrück-Merkel) hat wohl kein Kandidat von uns auch nur eine Stimme zu erwarten.  

Was tun? Massenhafte Wahlenthaltung, oder gibt es wenigstens für die Erststimme unabhängige Kandidaten? 

weinsztein 09.11.2012 | 01:02

Was wohl Helmut Schmidt dazu meint - immerhin hat er seiner Partei empfohlen, den Trickser zum Kanzlerkandidaten zu nominieren.

Und wird die SPD-Führung weiter zu Peer Steinbrück stehen?

Wie wird sich die seit Jahrzehnten vor sich hin bröckelnde sozialdemokratische Basis zur Kanzlerkandidatur des gewieften Peer Steinbrück verhalten?

Was meint die Freitag-Community dazu?

KalleWirsch 09.11.2012 | 08:56

Nun hat Peer Steinbrück angekündigt, er wolle die 25000 Euro von den Bochumer Stadtwerken drei sozialen Organisationen spenden, die die Stadt Bochum ihm nennen solle (der Sozialdemokrat hat selbstverständlich zu viel zu tun, um sich selbst zu informieren). Da diese 25000 bereits ordnungsgemäß versteuert seien (als ob das was besonderes wäre), müsse er 13000 davon aus eigener Tasche bezahlen. Typisch Steinbrück stellt er nochmal klar, dass er im Recht war, was die Unterlassungsklage ja gezeigt habe, aber er räumt ein, dass es unterschiedliche Wahrnehmungen bezüglich des Spendenwunsches der Stadtwerke gegeben haben könnte. Steinbrück will nun durch die Spende ein gütliches Ende setzen. Ich nehme an, die Betonung liegt auf Ende und dieses mediale "Haltet endlich das Maul" kostet ihn satte 1% seiner Vortragseinkünfte aus eigener Tasche. Wobei mir ehrlich gesagt schlecht wird, wenn ich bedenke, dass 13000€ 1% darstellen.

ver.di Chef Bsirske hat auch kein Problem mit Steinbrücks Nebeneinkünften. Hauptsache sei, was Steinbrück inhaltlich vertrete und das keine Abhängigkeiten entstünden. Was mich auf den gedanken bringt, dass dieses Land neben einer Sozialdemokratie, die den Namen auch verdient, auch noch unabhängige Gewerkschaften gebrauchen könnte.

Die Bochumer Stadtwerke erhöhen ihre Strompreise zum Januar 2013 um 2 Cent/kwh

Und zum Schluss als Erinnerung an die Sozialdemokratie empfehle ich das Heidelberger Programm. Es ist nie schlecht, sich mit seinen Wurzeln zu befassen:

https://www.freitag.de/autoren/kallewirsch/18-09-1925-das-heidelberger-programm

KalleWirsch 09.11.2012 | 09:05

Helmut Schmidt ist doch dasselbe Kalliber. Nato Doppelbeschluss, Gorleben, Stammheim, die Weigerung den § 175 abzuschaffen.

Ich weiß bis heute nicht, wieso den Mann alle so verehren. Steinbrück ist ein Mann nach seinem Geschmack.

Die SPD Basis wird Steinbrück wohl trotzdem durchwinken. Alles andere würde mich positiv überraschen. Wobei jetzt der beste Zeitpunkt wäre aufzubegehren. 

Helmut Eckert 09.11.2012 | 10:03

25 000 von den Bochumer Stadtwerken. Natürlich wusste P.S. nicht, dass die Stadt Bochum hoch verschuldet ist?  Ganz bestimmt hatte P.S. keine Ahnung, dass Bochum eine SPD Hochburg ist? Sicherlich erhielt er den Zaster , weil seine Reden die Welt verändern können? Sicher ist, dass der arme Hartz IV Empfänger jetzt 2 Cent je KW St. mehr berappen muss! P.S. hält an dem Dogma des Hartz IV Gesetzes fest, wie an seiner Kohle! Vieleicht sollte der Vorstand der SPD überlegen , unter den minderbemittelten Bürgern des Landes eine Wohltätigkeitsspende zum Nutzen des Herrn P.S. einzuführen. Jeder Hartz IV Empfänger wird freudig und mit aufrichtiger Teilnahme für diesen Mann spenden. Ganz sicher kann er auf die Stimmen dieser barmherzigen Spender zählen.. Wer wählt nicht gern seinen eigenen Schlachter? 

P.S. hat eien reelle Wahlchance nur dann, wenn er sich erst gar nicht wählen lasst. Dann erhät er 100 % der Stimmen!!!!!

Oberham 10.11.2012 | 14:36

Glauben sie nicht Steinbrück sei nicht dumm!

Dummheit ist eines der wertvollsten Güter die Politiker besitzen können!

Lesen sie in den Biographien von wirklich klugen Leuten, sie werden kaum eine finden, in der nicht von der unsäglichen Dummheit der Herrschenden und der Arroganz der Macht die Rede ist.

Manche sind daran zerbrochen, andere haben sich ein Leben lang lustig gemacht über diese Idioten.

Was mich wirklich freut, der Mann ist dumm, er wird wohl überall  zum Magnet für den typischen Untertanen materialisieren - es wäre interssant zu wissen, wovon ein solcher Mensch träumt.

Vielleicht davon Kanzler zu werden?

Ich würde ihm zutrauen so dumm zu sein, zu glauben er könnte genügend Idioten finden die seine Partei mit Ihm wählen.

Hier steht das Wort dumm, Dummheit, 

so widerlich oft - es ist der Abord meiner Gedanken,

da ich leider hier diesen Artikel gelesen - und die Kommentare 

darüber überflogen habe...

Das ist dumm von mir - es ist dumm einen Menschen wie Steinbrück überhaupt wahrzunehmen....

es ist fast schon ein physischer Schmerz, ein psychischer ist es allemal - wär ich ein Jurist - oder ein finanzkräftiger Boheme - ich würde einen Prozess gegen ihne anstrengen und ihn auf Schmerzensgeld verklagen - durch seine politische Präsenz nötigt er sich geradezu auf!

Leider gibt es tausende von seiner Sorte - ich nenn sie Politokraten.

Oberham 10.11.2012 | 14:57

Mir liegt jetzt gerade ein furchtbare Methapher auf den Fingerkuppern .....  Also man nehme einen Topf - da schwimmen verschiedene Sachen in einer Brühe - FDP,Union,SPD,Grüne, Linke - die Summe aller Lügen in kleinen braunen Bällchen materialisiert - die Politokratensuppe - ich würde vorschlagen die gibt es künftig als Wegzehrung anstatt der üblichen Buffets in sämtlichen Hallen des poltischen Betriebs.

gelse 11.11.2012 | 06:53

>>Das von ihm geführte Ministerium ließ die Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche um exakt einen Tag verstreichen, sodass statt der HRE-Akktionäre nun die Steuerzahler haften.<<

Dafür wurde die Mehrwertsteuer um 3 Prozent hochgesetzt.

 

>>Seinen Aussagen zufolge geben Hartz-IV-Empfänger ihr Geld schließlich sowieso nur "für Zigaretten und Pils" aus.<<

Das entspricht der Propaganda des „Altbundeskanzlers“ und des ehemaligen wirtschaftspolitischen Sprechers der Grünen.

 

Also politisch voll auf der Parteilinie und dazu der persönliche wirtschaftliche Erfolg: Daraus wird die Werbeagentur der SPD schon was machen können…

 

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Dass der Pinkepeer jetzt ein bisserl „auseinandergenommen“ wird, ist taktisch klug: Zur Zeit steht keine Wahl an, und in einem halben Jahr ist das der Schnee vom vegangenen Jahr, der kein Schwein mehr interessiert. Wir werden es erleben.

anne mohnen 11.11.2012 | 10:20

@ Lieber Oberham

na, ja das war schon eine harte Front im Bundestag, die da den „gläsernen Abgeordneten“ zu verhindern wusste, dabei den derzeit „einzigen(sic!) Handwerker“, einen Hinterbänkler, rührselig verteidigte, damit  es auch künftig im Deutschen Bundestag "den letzten seiner Zunft" noch geben solle, ohne dass er seinen Betrieb aufgeben müsse.

Sie haben natürlich recht, angesichts dieser Front, konnten die Forderungen nicht weit genug gehen.

Was mich ebenso umtreibt, sind  diese  Fragen an Steinbrück mit seinen  über 300 gehaltenen Vorträgen in den letzten 3 Jahren?

Was hat er, Steinbrück , für ein Verständnis von der Arbeit eines Abgeordneten?

Hat er, Steinbrück, sich überhaupt noch eine Chance jenseits seiner Abgeordnetentätigkeit zugetraut. Letztere Frage wirft ja einen Schatten auf seinen – (wie immer) mit aufgeblähten Backen- vorgetragenen Anspruch auf die Kanzlerschaft.

Oberham 11.11.2012 | 11:44

Liebe Anne Mohnen,

sie sind Optimistin, sie sehen in den Menschen, die in den Parlamenten sitzen noch ein gewisses politisches Potential schlummern - das unterstelle ich ihnen hier - anhand der Rezeption einiger ihrer Texte und Kommentare.

Ich wünschte sehr, sie hätten damit eine berechtigte Hoffnung.

Persönlich glaube ich nicht mehr daran.

Anstelle der Aristokraten traten die Politokraten - der einzige Unterschied - ersteres wurde man qua Geburt, letzteres wird man qua gewissenloser Zielstrebigkeit, gepaart mit Glück.

Einziges Ziel ist bei beiden Gruppen die Selbstversorgung - manchmal übertreibt man es - historisch Betrachtet - mit der Leistungsfähigkeit der Masse - man überfrisst sich sozusagen.

Vielleicht haben sie ja von mir auch schon manch verzeweifeltes Traktat gelesen - dann kennen sie ja meine Schlussfolgerungen - 

da die Welt heute zweifelsohne als globale interdependente anzusehen ist, nicht nur ökologisch, sondern eben auch ökonomisch und sozial - können die ärmsten Menschen mit dem Gebähren von Microverdienern gar nicht mehr nachkommen, um die Ansprüche der Politokraten und den Plutokraten on Top gerecht zu werden, zumal sie auch noch die Schicht darunter - dazu zähle ich uns - zu versorgen haben (ok - die wirklich arbeitenden Menschen bei uns gehören auch dazu.... - zu denen die andere versorgen!).

Ein schlichtes Beispiel:

Eine Altenpflegerin versorgt und pflegt viele (zu viele) Seniorinnen und Senioren - man könnte nun sagen eine Hilfstätigkeit im sekundären Sektor - eine "niedere" Dienstleistung.

Fakt ist - die Pflegekraft erbringt die originäre Leistung in einem Pfelgeheim.

Benötigt werden ausserdem:

Küche, Wäscherei, Instandhaltung, Hygiene, 

Ich bin überzeugt, diese Gruppen könnten sich sehr gut selbst organisieren!

Tatsache ist jedoch, die Tagessätze einer solchen Einrichtung - decken zu 80 % die Kosten für das Kapital der Immobilie, die daraus resultierenden Zinszahlungen - Profite der Investoren - , die Kosten des gesammten Managements (auch übergeordnete Zuordungs- und Verwaltungsorganisation - auch sozial Politik in der Folge... etc. etc. etc. ab)

80 % des Lohns erhalten Menschen die im Grunde keine nötige Leistung erbringen, die einzig als Selbstzweck existieren.

Man kann darüber streiten - ich tue das gerne.

Man dann das auf die anderen Bereiche unserer ökonomischen Prozesse übertragen!

Man remümieren - die 1000 bestbezahlten Finanzmanager erhalten mehr Lohn p.a. als die ärmsten 4 Milliarden Menschen auf dieser Welt - diese 4 Milliarden arbeiten aber!

anne mohnen 12.11.2012 | 18:05

Lieber Oberham,

was die Person Steinbrück anbelangt, bin ich sehr realistisch. Herr Grassmann hat gewissermaßen Recht, wenn er Steinbrücks Glaubwürdigkeit für erledigt hält. Meiner Meinung nach ist allerdings noch  nicht ausgemacht, ob es Steinbrück, Sozialdemokrat und Honorarmillionär, dauerhaft schaden wird.

Interessant wäre ja mal, die SPD-Basis in Kreisen wie Bochum, Wattenscheid, Dortmund oder Thüringen, zu befragen, was sie so von dem „Sozialpolitiker“ Steinbrück hält – als solcher gerierte er sich ja in der Bundestagsdebatte um Betreuungsgeld, Transparenz etc..  Kein Deut besser als Sarrazin, nur eben geschickter, machiavellistischer .....der  Peer

Oberham 12.11.2012 | 19:37

Ja, Machiavelli passt - der schreibt ganz klar, ohne Raub und Mord ward niemals ein beachtliches Vermögen geschaffen.

Das klingt jetzt zu einfach, doch wieviele Menschen bringen sich derzeit in Europa ausschließlich wegen ihrer desolaten wirtschaftlichen Lage um?

Diese Leute hatten in besseren Tagen Steuern bezahlt - nun hilft ihnen niemand.

In Griechenland ist die einzige Personengruppe die aus öffentlichen Kassen bezahlt wird und noch keinen Beitrag zu irgend einem Sparpaket erbrachte die der - na ich denke sie ahnen es...

Es hat mit Steinbrück zu tun, es geht um die gewöhnliche Moral der Politokraten.

Das deprimierende ist - Steinbrück als tolerierter Spitzenkandidat beweist in meinen Augen, man kann diese Moral verallgemeinert, allen Politokraten unterstellen -

Helmut Eckert 12.11.2012 | 21:48

Wer ist Keiner?

Leute kennt Ihr diesen Keiner?

Der ist allgemein bekannt.

Dieser ist so Einer,

er wohnt hier in diesem Land.

Wer hat Keiner schon gesehen?

Wer sprach schon mit Keiner?

Er lässt alles nur geschehen,

ihm ist alles mein und seiner.

Keiner sitzt in Chefetagen.

Keiner ist im Bundestag.

Keiner hat sehr viel zu sagen,

trotzdem Keiner richtig mag.

Keiner ist niemals zu fassen.

Keiner ist wie ein Dämon.

Keiner kommt an alle Kassen,

trägt der Leute Geld davon.

Keiner kann am besten lügen.

Keiner lügt wie er so gut.

Keiner kann auch gut betrügen,

Keiner es so furchtlos tut.

Keiner kennt sich so gut aus,

mit der Steuertrickserei.

Keiner ist wie eine Laus

und ist überall dabei.

Keiner ist es nie gewesen.

Keiner hat nie was getan.

Keiner ist das graue Wesen,

das kein Richter fassen kann.

Keiner kämpft an allen Fronten.

Keiner ist die Pest der Welt.

Weil sie ihn nie fassen konnten,

hat er Macht und noch mehr Geld.

Keiner lebt und er ist echt.

Keiner wohnt in jeder Stadt.

Keiner ist Gesetz und Recht.

Jedes Dorf ein Keiner hat.

Ach, ihr Menschen wollt jetzt wissen,

wer ist der Unbekannte nur.

Es ist das fehlende Gewissen.

Das schon lang zur Hölle fuhr.

Keiner hat etwas gesehen.

Keiner hat etwas getan.

Keiner ließ etwas geschehen.

Keiner fasste etwas an.

Keiner will je schuldig sein.

Keiner ist sich Schuld bewusst.

Keiner steckte etwas ein.

Keiner schlägt an seine Brust.

Keiner hat je mitgemacht.

Keiner ist ein Bösewicht.

Keiner schadenfroh gelacht.

Das ist Keiner sein Gesicht.

 

Helmut Eckert 12.11.2012 | 21:57

Politikerlogik

Als die Partei  gerade tagte,

ich einen dieser Herren fragte,

wie es um die Partei bestellt?

Er fast von seinem Stuhle fällt,

weil ich beim Denken ihn gestört,

das fand er ziemlich unerhört.

Er habe Wichtiges zu denken,

als mir jetzt seine Zeit zu schenken.

Als kleiner Wurm sah ich das ein,

lies mein Fragen bei ihm sein.

Da hörte ich`s von Vorne schallen,

jetzt wäre ich vom Stuhl gefallen.

Die Partei sei stark und mächtig

und sie entwickle sich ganz prächtig.

Die Wirklichkeit war grauenhaft,

sie hat mal paar Prozent geschafft.

Die Logik in Parteienkreisen,

muss keiner dieser Herrn beweisen.

Im Irrenhaus ist das OK!

Bei Parteien tut das weh!

Die Moral von der Geschicht…

glaube dem Politiker nicht.

Helmut Eckert 12.11.2012 | 21:59

Lebt sie noch die SPD?

Ich frage nur,

 mal eben so.

wenn sie noch ist,

dann bitte wo?

Schröder soll ihr Mörder sein.

Er hat sie stranguliert..

Bei Hartz IV Kur,

da ging sie ein.

Ihm diese Tat gebührt.

Die Spießgesellen seiner Zeit,

 sie haben mitgemacht.

Sie glauben nun,

es ist so weit,

das diese Leiche nun erwacht. .

So lang die Mörder sie beweinen,

lasst besser sie in Frieden ruh`n.

anne mohnen 13.11.2012 | 12:23

Lieber Oberham,

danke für Ihre Replik; sie stehen nicht allein mit Ihrer Meinung.

" Aber es kann keinen Zweifel daran geben, dass die soziale Ungleichheit die größte Last dieser Gesellschaft ist. Und sie ist das einzige Thema, bei dem die Sozialdemokraten der Union gefährlich werden könnten.

Aber nicht mit diesem Kandidaten. Die SPD sollte sich von Peer Steinbrück trennen, solange sie noch kann." hier

Oberham 13.11.2012 | 16:01

da hab ich schon einen Kommentar hinterlassen:

Augstein bräuchte mal einige Jahre in einer Sozialwohnung und das tägliche Leben eines Menschen, der im Supermarkt überlegt was er sich noch leisten kann:

"Abgehobene Boheme

... der Kolummnist hier glaubt tatsächlich die Wählerschaft der SPD verdiente um die 50 TD€ p.a. -nun - ich behaupte hier mal einfach nicht das halbe - sonder n das doppelte Jahresgehalt des einfachen Arbeiters hat sich der Pickelhaubenmodellschädel da alleine in Bochum schenken lassen.

Wer hier von Verdienst spricht, der hat die Klassengesellschaft schon in seinen Adern manifestiert - die Arroganz der Gewinner ist fatal.

Die Politokraten und ihre Putzerjourinalisten - ein symbiotischer Verbund - der einfache Mensch bleibt da nur Plankton, Nahrung die beim Vorbeischwimmen ins offene Maul treibt.

Diese Leute verdauen unsere Arbeitslebenszeit und leben selber davon."

Das schlimme ist, die Sozialdemokratie hat sich schon vor mehr als drei Dekaden in ihre Bestandteile aufgelöst - ich fürchte gar vor 40 - als 72 Brandt gewann.... - übrigens diese Regierung beschloss als eine ihrer ersten  Maßnahmen eine signifikante Erhöhung der Diäten! (... Einstimmig mit der Union und der FDP)

falls sie die Laune aufbringen (und etwa 5 Minuten Zeit opfern...)

https://oberham.wordpress.com/2012/11/13/mut-schmerzt-hoffnung-beruhigt/#comment-296

surferks 15.11.2012 | 16:32

Herr steinbrück will die Linke nicht. Und die wollen ihn nicht. Obwohl Katja KIpping Annährungsversuche gemacht hat. Aber bei solch einem Mann geht auch Rot/Rot/Grün nicht. Das kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Mit einem anderen Kandiaten oder Kandidatin (eher) ginge es sicherlich. Wenn die SPD sich endlich öffnen würde.