pleifel
02.02.2013 | 23:34 69

Linke gegen den Rest im Bundestag

Kampfdrohnen: Rede der Inge Höger (Linke) im Bundestag zum Thema: "Beschaffung von Kampfdrohnen" und die Zwischenrufe von der Regierungsbank.

 

Friedenssymbol aus New York (Wolfgang Tröger hat leider über die Redaktion die Löschung des Bildes veranlasst), sodass ich auf seine Webseite einen Link setze, wo man das Friedenssymbol findet: "Friedenssysmbol"

 

De Maizière will bewaffnete Kampfdrohnen. Das Thema ist bereits ausgiebig in der FC diskutiert worden.

Worum es mir in der wiedergegebenen Rede von Inge Höger geht, ist die teilweise "unglaubliche" Behandlung der Rednerin in den Zwischenrufen von der Regierungsbank.

Dass es sich mit den Kampfdrohnen um eine weitere Eskalationsstufe in den neuen Formen des "unerklärten" Krieges handelt, wird übergangen, bzw. ins lächerliche gezogen. Die Schwelle für Kriegseinsätze sinkt, denn man muss ggf. keine Soldaten schicken (was man nicht getan hätte).

Die Teilnahme an der Produktion und Einsatz dieser Waffen entspricht der Denke dieser Bundesregierung, die Deutschland wieder an die vorderste Front bei Kriegseinsätzen bringen soll. Die Verharmlosung dieser Waffen, die Umdeutung zu einer "lebensschonenden, präzisen" Alternative, kann nur noch zynisch genannt werden!  Dies wird vehement abgestritten und mit ethischen, ja wirklich ethischen Vorteilen salbadert.

Es soll wieder alles ganz schnell gehen. Je geräuschloser, desto besser. Wenn nur nicht die Linke wäre!

Eine kleine Auswahl von Kommentaren unserer "politischen Elite":

31. Januar 2013: Entschieden gegen Kampfdrohnen
Rede von Inge Höger im Deutschen Bundestag am 31.1.2013 in der Aktuellen Stunde zum Thema Beschaffung von Kampfdrohnen.

Inge Höger (DIE LINKE):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Bewaffnete Drohnen werden gebaut, um Menschen zu töten. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

(Florian Hahn (CDU/CSU): Ja, ist eben eine Waffe!)

Diese schrecklichen Mordwaffen will nun auch die Bundesregierung anschaffen. Das lehnt die Linke entschieden ab.

(Beifall bei der LINKEN)

Bei angeblichen Antiterroreinsätzen in Afghanistan und Pakistan, im Jemen, in Somalia und in den Palästinensergebieten führen Israel und die USA immer wieder „gezielte Tötungen“ gegen vermeintliche Terroristen durch. Gezielte Tötungen sind völkerrechtswidrig. Das wurde hier von verschiedenen Rednern bestätigt. Bei diesen Aktionen kommen regelmäßig Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben. Ganze Hochzeitsgesellschaften wurden schon durch diese unbemannten Flugzeuge angegriffen und viele Menschen getötet. Später heißt es dann lakonisch, das seien Kollateralschäden.
Herr de Maizière, Sie haben sich gerade für gezielte Tötungen ausgesprochen. Das finde ich zynisch.

(Philipp Mißfelder (CDU/CSU): Er hat das erklärt! Und Sie machen eine Polemik hier, mein Gott im Himmel!)

Er hat angesprochen, dass er das für sinnvoll hält.

(Michael Brand (CDU/CSU): Sie sind auf einem Auge blind!)

Daran, dass nach Angaben der britischen Initiative „Bureau of Investigative Journalism“ allein in Pakistan zwischen 475 und 890 Zivilistinnen und Zivilisten durch US-Drohnen getötet wurden,

(Philipp Mißfelder (CDU/CSU): Sie sind Teilnehmer asymmetrischer Kriegführung, Frau Höger! - Gegenruf des Abg. Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE): Vielleicht ist sie ja auch eine Drohne!)

sieht man genau, was das Ergebnis dieser Kriegführung ist in einem Land, das nicht am Krieg beteiligt ist. Nun plant die Bundesregierung die Anschaffung solcher Killerwaffen. Das wird die Linke nicht akzeptieren.

(Beifall bei der LINKEN - Zuruf von der FDP: Es ist alles so schlicht!)

Die Regierung behauptet, der Einsatz von Kampfdrohnen würde die Kriegführung optimieren. Es würde eine neue Dimension der militärischen Auseinandersetzung geschaffen. Davor kann jeder vernünftige Mensch nur warnen.

(Beifall bei der LINKEN)

Herr de Maizière, Sie behaupten, Kampfdrohnen seien ethisch neutral oder sogar ethisch von Vorteil, weil kein Soldat drin sitzt, der beim Einsatz umkommen könnte.

(Florian Hahn (CDU/CSU):  Sie haben die Hälfte von dem vergessen, was er dazu gesagt hat!)

Das ist skandalös.

(Philipp Mißfelder (CDU/CSU): Ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Soldaten! Skandalös!)

Die Zeit titelte kürzlich:
"Der Präsident hakt das Ziel ab, der Pilot am Bildschirm drückt auf den Knopf. Nun will auch die Bundeswehr Kampfdrohnen einsetzen."
Hier wird die Illusion von einem sauberen Krieg geschaffen, bei dem die Soldatin oder der Soldat zu Hause vom Home Office aus mal eben ein paar Ziele bombardiert.

(Philipp Mißfelder (CDU/CSU): „Mal eben bombardiert“ - das ist eine Unverschämtheit, so etwas zu sagen!)

Zwischendurch wird vielleicht ein Computerspiel gespielt oder das Baby gewickelt.

(Ingo Gädechens (CDU/CSU): Was malen Sie denn für ein Bild von unseren Soldatinnen und Soldaten? Am Home Office! Frau Höger, schämen Sie sich!)

Zynischer geht es kaum, ganz genau. Krieg ist immer schmutzig. Hinter den Angriffszielen befinden sich immer auch Menschen, die getötet werden können.
In einer Studie der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung heißt es: Der Drohneneinsatz "provoziert … asymmetrische Reaktionen… Je stärker sich aber die Soldaten der überlegenen Seite dem Schlachtfeld entziehen und Maschinen ihren Platz einnehmen lassen, umso mehr wächst für die unterlegene Seite der Anreiz, den Konflikt in das Herkunftsland der Truppen zu tragen. Terrorexperten sehen deshalb die Gefahr, dass die Anzahl der Angriffe auf zivile Ziele in westlichen Staaten steigen wird, je mehr die Automatisierung des Krieges voranschreitet."

(Ernst-Reinhard Beck (Reutlingen) (CDU/CSU): Frau Höger, das ist alles Unsinn! - Philipp Mißfelder (CDU/CSU): Da sind Sie ja selber Expertin! Sie kennen sich ja aus mit Terror, Terror gegen Israel!)

Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung hat das gesagt.
Die Drohnenpläne der Bundesregierung erhöhen also die Terrorgefahr bei uns in Deutschland. Das ist unverantwortlich.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Linke und die Friedensbewegung fürchten, dass die Hemmschwelle für den Einsatz militärischer Gewalt sinken wird,

(Michael Brand (CDU/CSU): Hören Sie auf, unsere Soldaten zu diffamieren!)

wenn dabei keine eigenen Soldatinnen und Soldaten getötet werden können. Ich sage: Das beste Mittel gegen tote Soldatinnen und Soldaten ist, gar nicht erst Krieg zu führen.

(Beifall bei der LINKEN - Philipp Mißfelder (CDU/CSU): Danke für den Hinweis! Ganz toll!)

Aus den USA sind inzwischen die ersten Fälle von Soldatinnen und Soldaten bekannt, die an ihrem Computerabschussplatz für scharfe Waffen an posttraumatischer Belastungsstörung erkrankten. Offenbar ist das, was sie per Mausklick am anderen Ende der Welt anrichten, doch nicht so ethisch unbedenklich, wie hier behauptet wird.
Die Linke fordert deshalb: Kein Einsatz und keine Beschaffung von Drohnen! Wir wollen einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag, der Drohnen umfassend ächtet, der die Produktion, den Erwerb und den Einsatz von Drohnen wirksam verbietet.

(Beifall bei der LINKEN)

Nein zu Kampfdrohnen! Kein Krieg, nirgendwo!

(Beifall bei der LINKEN)

Kommentare (69)

Dreizehn 02.02.2013 | 23:43

Das Niveau der Zwischenrufe ist erschreckend, völlig klar. Wir werden Zeuge, wie ein mainstream seine Herrschaftsposition verteidigt.Die Herrschaften befinden sich mental im Schützengraben.

Das ist tendenziell vergleichbar den Republikanern in den USA. Man kann nur hoffen, daß diese selbstgerechten und realitätsblinden Kreise rechtzeitig ihre Quittung erhalten. Bereits der Wechsel zu Rot-Grün wäre für dieses Land wichtig.

gelse 03.02.2013 | 04:25

>>Bereits der Wechsel zu Rot-Grün wäre für dieses Land wichtig.<<

SPD/Grün? Sicher, der Kohl muss weg und SPD/Grün muss dran.

Ach halt, wir haben ja nicht 1998, sondern 2013.

Also: Nachdem die Störer raus sind und die WASG gegründet haben, kann eine SPD/Grün-Regierung ihre Ziele noch effizienter umsetzen als 1998 bis 2005. Nur sollte die Opposition noch unter 5 % kommen. Muss nicht unbedingt, aber es wäre halt mehr Harmonie im Bundestag, siehe oben.

Wikinger333 03.02.2013 | 07:33

Die ganze Realitätsferne dieser Rede mitsamt ihren  inneren Widersprüchen und der völligen Ahnungslosigkeit darüber, wie Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst verrichten (auch Drohnenpilotinnen und -piloten) gipfelt in der an kindlicher Schlichtheit nicht mehr zu überbietendem letzten Parole. Wenigstens die Niedersachsen haben begriffen, dass mit Sprüchklopfern und Parolenschreiern keine Politik zu machen ist.

pleifel 03.02.2013 | 09:20

Nun, diese "Realitätsferne", wie sie es nennen, ist mir allemal lieber, als das kalte Kalkül strategischer Überlegungen.
Als wenn das Parlament später über den Einsatz der Drohnen gefragt würde: Behinderungen des Militärs! Es mag so beginnen, wird aber nicht so bleiben, falls wir es überhaupt mitbekommen.

Und unsere staatstragenden Soldaten und Soldatinnen werden immer das tun, was man ihnen sagt. Warum auch nicht? Wer als Berufssoldat seinen Job macht, führt aus. Begründungen braucht er nicht, nur Befehle.

Die Exekutive wir den Job machen, das Parlament geschwächt. Unsere Demokratie und westlichen Werte stehen zwar auf Papier, dienen aber zur Staffage "unserer" Kapitalinteressen.

Oberham 03.02.2013 | 10:03

Dazu mag ich nur sagen:

So eine Rede kann man leicht halten.

Wer sich zum Pazifismus bekennt, wird immer gegen jede Waffe sein.

Natürlich ist das Niveau im Bundestag unter dem eines Schweinestalls angesiedelt, schließlich sind Schweine soziale und kluge Tiere.

Würden fünf Linke Abgeordnete gebraucht, um irgendwo in einem Ausschuß für die Drohnen zu stimmen - könnte man das wohl für ca. 20.000 Euro pro Stimme bekommen.

Natürlich würden die betreffenden Herren nur bei geheimer Abstimmung diese Tantiemen einstreichen können, natürlich ist das eine bodenlose Unterstellung, natürlich sind die Abgeordneten, der LINKEN alle Pazifisten - frag ich mich nur warum die regelmäßig unflätige Sprüche absondern, wenn sie mal mit der Basis in Berührung kommen, bzw. extrem arrogant (was das Gegenteil von friedlich - im Sozialverhalten - bedeutet) evetnuellen Argumenten ihre nackte Ignoranz entgegenhalten.

Der versammelte Haufen in diesem Gefängnis der Dummheit ist aber leider der Spiegel unserer Gesellschaft!

Ich bin ein Teil davon, mich macht das traurig, nicht traurig genug um längst weggegangen zu sein - da halten mich Wälder, Tiere, Musik und die Werke von oft nicht minder arroganten, genialen Artgenossen von ab - wobei die meisten sind längst nicht mehr unter uns Lebenden, vielleicht sollte man einfach die Körper vom Geist lösen - im Traum ist das Leben wunderschön.

Das ist die Milde des Alters, der Köprer tritt immer mehr in den Hintergrund, man kann sich in seine Nische flüchten - doch in jungen Jahren, habe auch ich diese Verbrecher mit meiner Hände und meiner Gedanken Arbeit getragen - ein Verbrechen das man mir vorhalten mag, ein Verbrechen, das mir jede Kritik am System im Grunde verbietet, man möge mir verzeihen, dass ich es trotzdem tue.

Oberham 03.02.2013 | 10:16

Pazifisten sollten immer für die Drohne sein, da hier der mordende sein Leben nicht aufs Spiel setzen muss.

Somit wird das gewünschte Ergebnis am Ende vielleicht weniger Tote fordern.

Mir wäre es als Demonstrant lieber von einem Roboter abgeschlachtet zu werden, als von einem Mitmenschen - den, so absurd das klingen mag, irgendwo hat der doch auch Gefühle und man dürfte wohl noch einen Funken Mitleid mit ihm empfinden (wenn das wohl auch absurd klingt - doch wer für Gewaltlosigkeit eintritt, der nimmt den Schlag ins Genick hin, da er einfach keine andere Wahl hat, so die Flucht am Endpunkt anlangte.)

Mir tut jeder Soldat leid, ein Soldat an einem Steuerpult, dürfte wohl wirklich weniger mit den unmittelbaren Folgen seines Handelns konfrontiert sein, als ein Soldat in einem Panzer oder gar ein Soldat im Feld.

Wenn man sich an die Wiki-Leaks Videos aus dem Irak-Krieg erinnert, oder die in letzter Zeit kursierenden Abhörprotokolle der Gespräche von gefangenen Soldaten aus dem WWII, so mag die Drohne vielleicht sogar noch mehr Gefühlsverrohung generieren, da das klinische, gefahrlose Töten dieses Állmachtsgefühl verstärken dürfte - nur - ist das schlimm?

Vielleicht trägt es am Ende dazu bei, dass sich der Mensch doch etwas rascher aus dem Artenspektrum verabschiedet - somit kommt es dem pazifistischem Gedanken entgegen - vom Mensch geht dann keine Gewalt mehr aus - bleibt zu Hoffen die dyspotischen Phantasien von der Kybernetischen Despotie bleiben der Erde erspart.

mcmac 03.02.2013 | 10:32

Rede Otto Wels (SPD; "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht."), Gegenrede Hitler (Reichskanzler, NSDAP; "Ich will auch gar nicht, dass Sie dafür stimmen. Deutschland soll frei werden, aber nicht durch Sie.") anl. Ermächtigungsgesetz, Berlin 23. März 1933, ebenfalls im Saal der Krolloper anwesend: sehr viele SA-Männer. Abgeordnete der Fraktion der KPD kamen nicht mehr zu Wort, da diese wg. Verhaftung, Mord und Flucht schon gar nicht mehr anwesend waren.

 

pleifel 03.02.2013 | 10:46

Mancher Anspruch verträgt sich halt nicht mit dem Zustand der politischen Vertreter. Wer wählt die bloß?

Ihre Sozialisation ist wohl der Osten, meine der Westen. Die Linke hier bitte nicht mit den "Altkadern" im Osten vergleichen. Wenn ich mir allerdings die Geschichte der Westparteien anschaue.. Hier gibt es auch genug bei uns zu kehren.

Welcher Mensch ist so "standfest", dass er nicht bei passender Gelegenheit Gründe findet, die von Ihnen genannten, bzw. passenden Beträge anzunehmen. Aber ich setze trotzdem auf das Gute im Menschen. Denn was wäre die Alternative?

Rückzug ist "nur" das Eingeständnis persönlicher negativer Erfahrungen. Die Mehrheit unserer Mitbürger treibt halt aus diversen Gründen an der Oberfläche der Dinge.
Ist Mehrwissen (Erfahrung) dann unbedingt ein Vorteil? Wenn ich jetzt mal den Aspekt von Überheblichkeit oder Arroganz aussschließe, dann haben wir mehr Verantwortung, müssten diese ausüben und machen größere Fehler.

Ich könnte Frau Höger die "Schlichtheit" ihrer Rede vorwerfen. Wenn ich mir das Video der Rede anschaue, kann ich feststellen, dass sie keine "Profirednerin" ist. Sie ist aufgeregt, aber nach der "Körpersprache" identisch.

Lieber eine ehrliche Ansprache mit Überzeugung, als eine ausgearbeitete nach Fraktionszwang.

 

Oberham 03.02.2013 | 11:01

Wer vor 1939 von den Nazis ermordet wurde, der musste wenigstens selbst nicht irgendwo in Europa andere Menschen ermorden - auf Befehl - und - oh Wunder - die Kader der KP in Deutschland schafften großteils die Flucht, jene die im Untergrund überlebten, wurden dann nach 45 liquidiert - oder sie haben dann doch noch sich selbst verraten, sich dem System preisgegeben.

In jenen Zeiten bedeutete Aufrichtigkeit den Tod - heute bedeutet Aufrichtigkeit - Bescheidenheit, soziale Isolation und eine gehörige Portion Zynismus, sonst bliebe wirklich nur die Selbstverbrennung!

Wikinger333 03.02.2013 | 11:11

Wie Sie sicherlich wissen, wird das Parlament alle Jahre wieder mit den Einsätzen befasst, egal wie groß (Afghanistan) oder klein (UNMISS) er auch sein mag. Und auch der Debatte um die Stationierung der Panzerhaubitze in Afghanistan (deren Einsatz den tragischen Bombenabwurf bei Kunduz hätte verhindern können) ist eine breite Debatte vorausgegangen. Ich halte es für heuchlerisch so zu tun, als würde die Bundeswehr losgelöst von den politischen Entscheidungsträgern nach eigenem Gusto Waffen einsetzen. Es ist nänlich schlicht falsch. In einer parlamentarischen Demokratie entscheidet die gewählte Regierung was zu tun und zu lassen ist; die Streitkräfte führen es aus. Das nennt man Primat der Politik und ich sehe nicht, was dagegen zu sagen ist.

Warum Ihnen die Soldaten leid tun sollen? Nun, ich weiß nicht welches Menschenbild Sie haben. Obwohl auch ein LKW Fahrer eine Alternative zu diesem Job hat, tut mir jeder verunglückte LKW Fahrer leid. So einfach ist das.

pleifel 03.02.2013 | 11:24

"Ich halte es für heuchlerisch so zu tun, als würde die Bundeswehr losgelöst von den politischen Entscheidungsträgern nach eigenem Gusto Waffen einsetzen. Es ist nänlich schlicht falsch."

Nun, da scheinen Sie die Staffage unseres Parlaments zu vielen Entscheidungen nicht bemerkt zu haben. Wie auch, denn vieles spielt sich ab in Ausschüssen, die dem Geheimnisvorbehalt unterliegen. Ich spreche da auch aus eigener Erfahrung mit einer Anfrage an die Regierung bezüglich der U-Bootlieferungen an Israel.

Wo fängt denn bei Ihnen die Exekutive an? Bald werden wir eine eigene "Militärgerichtsbarkeit" haben und dann schließt sich der Kreis. Richtig ist, es gibt Debatten im Bundestag. Richtig ist aber auch, dass der Gebrauch und die Anwendung der Waffen eine Eigendynamik entwickelt. hier gilt es rechtzeitig einzugreifen.

Ihr Beispiel mit dem LKW-Fahrer ist wirklich einfach, aber anders als Sie es meinen. Der Soldat nimmt von vorherein in Kauf, bewusst, gezielt ggf. auch anonym, einen oder viele Menschen zu töten.

Sie sollten sich bei den LKW-Fahrern entschuldigen!

 

Wikinger333 03.02.2013 | 11:59

Selbst wenn vieles in Ausschüssen behandelt wird, so sind es eben doch Ausschüsse des Parlaments in denen die Fraktionen repräsentiert sind, auch wenn aus Geheimhaltungsgründen das Sitzungsprotokoll nicht im Freitag veröffentlicht wird.

Ich nehme mal an, Sie meinen mit "Miltärgerichtsbarkeit" die Diskussion um Schwerpunktstaatsanwaltschaften. Während jeder Anwalt sich Schwerpunkte seiner Arbeit aussucht, oder Fachanwalt in einem speziellen Gebiet ist, hat ein Staatsanwalt die gesamte Rechtswelt zu überblicken. Das halte ich für falsch. Wenn eine Staatsanwaltschaft sich mit dem Recht im Auslandseinsatz schwerpunktmäßig befasst, kann das für die korrekte rechtliche Bewertung von Straftaten nur gut sein. Das kann man aber nur so sehen, wenn man auch an einer objektiven Betrachtungsweise interessiert ist und nicht pauschal jeden Schusswaffengebrauch als Kriegsverbrechen hinstellt.

Sie glauben scheinbar, dass der Soldat der Bundeswehr im Jahr 2013 mit dem gleichen Selbst- und Berufsbild rumläuft, wie der Wehrmachtssoldat 1939. Da liegen Sie falsch. Kein Bundeswehrsoldat gedenkt, Lebensraum in Afghanistan oder im Kosovo zu erobern oder seine rassische Überlegenheit in die Welt zu tragen. Glauben Sie es oder nicht: sie sind der Meinung, mit ihrem Einsatz (z.B. gegen die Taliban) den Menschen und dem Land dort zu helfen. Und ja - sie werden dafür bezahlt, weil es ihr Job ist, nicht mehr und nicht weniger. Nennen Sie es naiv, sagen Sie es ist politisch falsch und man darf niemals nicht jemanden töten. Das ist in Ordnung. Sie sollten sich aber nicht von Ihrem vermeintlich hohen moralischen Ross auf die herabblicken, die im Auftrag des Parlaments den Drecksjob machen.

 

Sönke Paulsen 03.02.2013 | 12:22

Vielen Dank für die Arbeit, die sie sich gemacht haben. Die Abschrift der Rede spricht Bände! Es zeigt, dass die Linken derzeit die einzige Opposition im Bundestag gegen Angriffskriege sind. Deshalb werden sie auch vom Verfassungsschutz so gut überwacht.

Ich persönlich hätte gern eine Kampfdrohne über dem Reichstag, wobei ich natürlich nur Aufklärung betreiben würde und niemanden wirklich damit angreife. Nur einfach so, damit die Leute ein Gefühl dafür bekommen, wie es so ist, eine Kampfdrohne über dem eigenen Kopf zu haben.

Dreizehn 03.02.2013 | 12:45

@ sönke paulsen

Das sollte man wirklich machen. Dieses schöne "Gefühl" erzeugt Haß; Observation durch Drohnen ist mit allgegenwärtigem Geräusch verbunden, und bei "Kampfdrohnen" kommt die permanente Angst um das eigene Leben dazu.

Wir können ja ähnlich wie Dschungelcamp eine Aktion Drei-Tage-Drohnen starten und Reaktionen der Bevölkerung sammeln. Wär doch mal was für RTL. Sagen wir, jetzt regional begrenzt, vielleicht Oberbayern?

Man müßte vorher natürlich eruieren, ob Drohnen unter Nachtflugverbote fallen.

gelse 03.02.2013 | 12:54

>>Nun, diese "Realitätsferne", wie sie es nennen, ist mir allemal lieber, als das kalte Kalkül strategischer Überlegungen.<<

Mir auch: In einem oppositionslosen Parlament würden Entscheidungen über die die stete Weiteraufrüstung der Kriegerei einfach abgenickt, ohne dass überhaupt jemand mal was hinterfragt. Uns nicht nur die Kriegerei: Alle Schweinereien würden unkommentiert durchgezogen. Deswegen trommeln & pfeifen SPD/CDU/FDP/CSU/Grün ja so intensiv für einen oppositionslosen Bundestag, der des Untertanen dringendstes Anliegen sein solle..

Die Mehrheit der zustimmenden (und dümmlich rummeckernden) Abgeordnteten hat noch weniger Ahnung von den Dingen, denen sie zustimmen: Ein paar "Beraterveträge" zu 100 000 € das Stück genügen als Entscheidungskompetenz.

pleifel 03.02.2013 | 13:06

"Objektive Betrachtungsweise" ist eine Illusion. Diese Betrachtungsweise ist immer abhängig vom persönlichen Weltbild, wie ja  auch ihre Argumentation zeigt.

Eine spezialisierte Staatsanwaltschaft wird sich technisch zwar tiefergehendes Militärwissen aneignen. Aber dadurch wird es auch eine wachsende Affinität mit den Verantwortlichen geben. Theoretische Konstrukte eines Ideals sehe ich dadurch nicht verwirklicht. Auch die Militärbischöfe sind von der Sinnhaftigkeit ihrer Aufgabe überzeugt.

Natürlich vergleiche ich nicht mit der Wehrmacht, aber die gleichen Prinzipien liegen zugrunde, nämlich die Sinnhaftigkeit und Legitimität militärischer Einsätze.

Folgendes Gedankenspiel: Eine ausländische Macht hält eine Aktion der Bundesregierung für ein Verbrechen und setzt gezielt eine Kampfdrohne ein, die bei uns im Land eine militärische Einrichtung, genauer eine Abschussbasis oder Luftwaffenstützpunkt vernichtet. Wie würde das genannt werden? Ein terroristischer Akt!

Das ist dann wohl das "hohe moralische Ross", auf das Sie mich setzen wollen.

gelse 03.02.2013 | 13:07

>>Ich persönlich hätte gern eine Kampfdrohne über dem Reichstag,..<<

Ähnliches sagte gestern ein münchner Mitdemonstrant zum "Bayerischen Hof."

Billiger, aber genauso effizient wäre natürlich die Mitteilung, man habe an strategisch günstiger Stelle eine Sprengladung postioniert, Dann von Volksversammlungen beschlossene Forderungen vorlesen.
Aber das wäre Terrorismus, und deswegen ist die Drohne natürliich besser: Eigentlich zu teuer, aber marktkonformer Terror ist kein Terrorismus.

pleifel 03.02.2013 | 13:13

Ja, die Linke ist denen einfach nur lästig, hinderlich.
Wenn man sie dann in Zusammenarbeit mit der Presse lächerlich machen kann (zumindest versucht), dann zeigt das bei den Bildlesern und ähnlich "Basisinformierten" immer noch Wirkung.

Man wählt diejenigen, die einem anschließend die eigenen Freiheitsspielräume beschneiden , alles mit Hilfe von Rhetorik (bezahlter Intellektueller) und ständiger Wiederholung der gleichen falschen Medizin.

gelse 03.02.2013 | 13:21

>>...Lebensraum in Afghanistan...<<

Das ist natürlich Quatsch, wie Sie natürlich wissen.

Wie Sie auch wissen, sind die Erzlager im Hindukusch bislang noch unerschlossen. Heute benutzte Erzlagerstätten gehen mal zu Ende, genaus so wie die Erze in Europa durch die Industrialisierung rasch erschöpft wurden. Deswegen müssen die Indusrie"Wachstums"staaten immer wieder neue Rohstoffgebiete unter Kontrolle bringen. Wie Sie natürlich auch wissen, und Sie werden Ihre Gründe haben, das nicht zu sagen.

Und ja: Berufssoldaten machen ihren Job wie Produktionssoldaten. Sie dienen ja den gleichen Herren.

gelse 03.02.2013 | 14:12

>>Oder wird das Ihrer Ansicht nach über Parteispenden geregelt?<<

Ich empfehle, mal "Abgeordnete + Beraterveträge" zu recherchieren.

So weit mir bekannt, wurden solche Verträge (wie auch Parteispenden von Konzernvorständen) der Linken und deren Abgeordneten bislang noch nicht angeboten. Darin liegt eine Chance, die wir nutzen können, wenn wir wollen. Und eben das scheint dem Oberhanf mächtig gegen den Strich zu gehen.

elisRea 03.02.2013 | 15:42

Für die Abgeordneten der CHRISTLICHEN Parteien,

Michael Brand,

Ernst Reinhard Beck,

Herr de Maiziere,

Florian Hahn,

Michael Brand,

Philipp Mißfelder,

Ingo Gädechens u.ä.:

43 Ihr habt gehört, daß gesagt ist:

"Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen."

44 Ich aber sage euch:

Liebet eure Feinde;

segnet, die euch fluchen;

tut wohl denen, die euch hassen;

bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, ...

>Neues Testament, Mathäus-Evangelium, Kapitel 5

Wer sollte sich schämen, Herr Gedechens?

Wer sollte sich schämen, herrW

Wikinger333 03.02.2013 | 15:56

Der Reihe nach: Ob eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft sich tatsächlich mit der Bundeswehr solidarisiert, stelle ich mal in Zweifel, das Pendel kann auch in die andere Richtung ausschlagen. Ich erwarte aber nicht, dass das eine oder das andere passiert.

Wenn Sie sagen, dass den Einsätzen der Bundeswehr die gleichen Prinzipien, Sinnhaftigkeit und Legitimität zugrunde liegen, vergleichen Sie dies nicht nur sondern setzen beides gleich. Irgendwie disqualifiziert Sie das als Diskussionsteilnehmer.

Und mal als Gedankenspiel: wenn eine ausländische Macht ein militärisches Ziel in Deutschland konventionell angreift, ist dies aus meiner Sicht kein terroristischer, sondern ein kriegerischer Akt. Das ist ein Unterschied.

Oberham 03.02.2013 | 16:17

Lieber Pfeifel,

auch Soldaten sind Menschen, solange es Soldaten gibt, haben wir ohnehin keine Chance - insofern tun mir Soldaten leid, leid, dass sie sich entschlossen haben diesen Weg zu gehen - nur - mir tun auch all die anderen Menschen leid, die sich entschließen dem System willig zu dienen, an tausenden von irrsinnigen Stellen.

Letztlich kann nicht einmal eine Krankenschwester wirklich ihrer Aufgabe nachkommen, da sie entlassen würde, würde sie wirklich human und würdig in ihrem Krankenhaus arbeiten.

Wir alle sind gefangen in den Kompromissen, die wir täglich akzeptieren.

Der radikale Mensch, der klar den Irrsinn des Systems benennt, wird verbrannt, wenn er es nicht selbst tut.

Ich kenne niemand der völlig kompromisslos lebt, ich traue es mich ja selber nicht ganz und gar konsequent - insofern - steht man manchmal tatsächlich nur noch vor einer einzigen Wahl.

pleifel 03.02.2013 | 16:25

Ich weiß zwar nicht ob Sie Bw-Mitglied sind, aber Sie sollten sich mit Qualifizierungen ein wenig zurückhalten.

Sie verstehen die Zusammenhänge nicht, was die Definitionsmacht der westlichen Staaten betrifft. Der Angriff Israels in Syrien nennt man z.B. "Aktion" und nicht "kriegerischer Akt".

Für Sie sind augenscheinlich parlamentarisch legitimierte "Kriege" nie Angriffskriege, zumal man die "Kriegsminister" euphemistisch "Verteidigunsminister" nennt. Da ließe sich mit Ihnen über den Jugoslawienkrieg nicht reden.

Gut, es wäre wenig einträglich oder dient weniger der Erkenntnisgewinne, wenn man in allem gleicher Meinung ist. Aber es gibt grundsätzliche Unterschiede in der Auffassung von Krieg, Pazifismus und Friedensmittel.

 

 

Dreizehn 03.02.2013 | 16:42

Lieber Oberham -

kommn Sie mal auf die Füße! Sie verbreiten Endzeitstimmung, meine Güte! Wer würde bestreiten, daß die Dinge kompliziert sind! Klar wären wir dafür, endlich die Flinten ins Korn zu werfen, weg damit! Weg mit Flinten, Schwertern, Drohnen! Ab ins Korn!

Niemand "entschließt sich", dem System "willig zu dienen". Nur gibt es so unfaßbar viele, die peilen nicht, was sie tun. Und wir hier in den endlosen Palaverhohlräumen, wir reden wenigstens noch drüber. Muß man doch schätzen.

Und dann kann man verfolgen, wie sich nicht einmal die Schwarzgelben dem erdrückenden Zwang entziehen können und nach der "Energiewende" inzwischen auch eine "Bankenwende" (Tobinsteuer) einleiten - zögerlich, zögerlich, halb, vielzuspät, gewißgewiß.

pleifel 03.02.2013 | 16:44

Lieber Oberham,

ich bekenne, dass ich nicht den Dienst an der Waffe anfang der 70er verweigert habe. Als Z2 habe ich in der Flugsicherung am Airport Köln gearbeitet. Im Ernstfall wäre ich zur Flughafenverteidigung herangezogen worden.

Meine Gründe waren rein materielle, aber mit einer für mich klaren Abgrenzung: ich hätte mich niemals Befehlen gebeugt, die meiner Auffassung von Gerechtigkeit widersprochen hätten. Bedeutet: im Ernstfall hätte ich die Waffe verweigert, mit allen Konsequenzen.

Wer es akzeptiert, Befehle auszuführen, wer es für richtig hält, jahrtausendealte Traditionen fortzuführen (Obrigkeit, Kirche, Staat), dem halte ich entgegen: sobald eine menschenfeindliche Gesetzgebung eine quasi demokratische Legitimierung erhalten hat, der wird bei Lebensgefahr seine Werte verteidigen müssen. So war es früher und so ist es heute wieder auf vielfache Weise zu beobachten.

Insoweit ist die Redlichkeit des Soldaten schwieriger zu leben als es uns abgefordert wird. Deshalb sollte man nicht diesen Beruf ergreifen: es ist nämlich keiner.

Ich bin bereit, eine Form militärischer Gewalt im Rahmen der Friedenssicherung zu akzeptieren und die ist ausschließlich die von UNO-Soldaten.
Kein Land darf dann aber über ein definiertes Maß hinaus  eigene Militärs haben. Aber jedes Land hat eine bestimmte Form von Beiträgen zu leisten und in einer erneuerten UNO mitzuarbeiten. Keine Präferenz mehr für Staaten, die mit Kapital und Militär heute die Welt dominieren.

Solange dies nicht der Fall ist, geht es fast nie um Friedensmissionen, sondern um Sicherung wirtschaftlicher Ansprüche. Aber das wissen Sie selbst.

Oberham 03.02.2013 | 16:51

... ich fürchte manchmal muss man vielleicht um zuviele Ecken denken bei meinen Zeilen, mag sein - doch der einfachste Gedanke den man entwickelt, ist oft jener, der einem selbst am nächsten liegt.

Vielleicht sollte ich es mal ganz simpel ausdrücken, in meinen Augen sind wir alle - und das meine ich wie ich es schreibe - alle, dermaßen voll von Schuld, dass wir eigentlich vor Scham im Boden versinken sollten.

Damit erübrigt sich eben die Frage ob ich Drohnen befürworte oder nicht, da es mir letztlich völlig egal ist mit welchen Werkzeugen die künftigen noch kommenden Verbrechen begangen werden.

Wenn hier plötzlich Sektensprüche ausgepackt werden um zu differenzieren, disqualifizieren sich doch diejenigen selbst.

Die Realität bedeutet, dass wir uns nur alle gerne in unserem Wohlstand suhlen und nichts lieber hätten, als dass die Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen, die Drohnen sämtliche Gefahren eliminieren, unsere Vorgärten sauber bleiben und jene die es bis zu uns schaffen, mit philathropischer Empathie integriert werden.

Nur - es ist eben nicht egal ob in China ein Reissack umfällt, dieser Reissack wirkt bis in unsere unmittelbare Welt - bis in unsere Adern hinein - die nächsten Osterinseln werden unsere Kontinente sein - niemand lebt für sich allein!

Daher sind meine Äußerungen immer in einem düsterm Moll gehalten, da ich keine Dur-Klänge mehr hören kann, sie sind nichts weiter als die Maske vor dem Elend.

 

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Ehemaliger Nutzer 03.02.2013 | 17:03
Bei dieser Regierung in diesem System wundert doch gar nichts mehr! Klar wollen die Killerdrohnen. Und wir sollen es bezahlen. Das ist das perverse! Wir verteidigen unseren Frieden ja angeblich in Afghanisten - und da will man lieber gezielt morden als deutsche Soldaten (die da eh' nichts zu suchen haben) töten zu lassen. Aber der Einsatz hat unter Rot-Grün angefangen!
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Ehemaliger Nutzer 03.02.2013 | 18:08

Entprivatisierung der Waffenindustrie klingt sehr gut, aber wer soll es dann kontrollieren  und machen? Die Staaten werden doch in unserer Zeit nicht auf Waffen verzichten - obwohl es wünschenswert wäre. Dann haben Generäle oder Politiker die Bestimmung über die Entwicklung von Waffen. Könnte das nicht noch schlimmer sein?

Am besten gar keine Waffen! Als erstes das Verbot von Atomwaffen! Und danach nach und nach das Verbot und die Entsorgung ALLER Waffen!

Es gibt wichtigeres für diesen Planeten als kleine machtsüchtige Kriege! Wir sollten um die Zukunft kämpfen!

pleifel 03.02.2013 | 18:49

Es muss möglich sein, einen übersichtlichen Waffenkomplex zu errichten, der nicht an den Markt verkauft, nicht gewinnorientiert arbeitet und von der UNO in sämtlichen Führungsfunktionen geleitet wird. Völlige Transparenz. Es wird leider vorübergehend ohne eine zentrale Instanz nicht gehen, zumindest solange, bis es quasi in den Genen der Menschen landet, Gewalt zu ächten!

Bestimmte Technologien sollten aber weiterentwickelt werden, auch wenn sie immer das negative Potential beinhalten. Die Beherrschung der Materie setzt halt Kräfte frei, mit denen wir sinnvoll umgehen müssen. Anders, als in der bisherigen primitiven Form von Kernreaktoren.

Wasserstoffbomben, eingesetzt in intersolaren Missionen oder Abwehr von Asteroiden wird vielleicht schneller notwendig sein, als wir es uns heute vorstellen. Aber das ist ein anderes Thema.

gelse 04.02.2013 | 04:50

>>Entprivatisierung der Waffenindustrie klingt sehr gut, aber wer soll es dann kontrollieren  und machen?<<

Es ist der unverzichtbare erste Schritt, denn solange mit Waffen und sonstigem Kriegszubehör hohe private Kapitalrenditen gesaugt werden, wird die Rüstungsdlobby nicht ruhen, ehe der letzte Steuergroschen per Kriegsindustrie privatisiert ist.
Abrüstung, auch einer staatlichen Kriegsindustrie, ist natürlich nur mit Demokratisierung des Staates möglich. Langziel sollte die Auflösung der Auflösung der heutigen "Nationen"  sein: Sie haben genug Unheil angerichtet, auch mit Wirtschaftskriegen mit oder ohne Waffen.
Die nötigen Schritte sollten wir parallel gehen, den sie haben neben der Ermöglichung einer friedlichen Welt noch mehr Vorteile.

elisRea 04.02.2013 | 12:20

Sie können mich gerne ganz direkt beleidigen und mir damit die Chance einräumen, etwas zu entgegnen.

"Vielleicht sollte ich es mal ganz simpel ausdrücken, in meinen Augen sind wir alle - und das meine ich wie ich es schreibe - alle, dermaßen voll von Schuld, dass wir eigentlich vor Scham im Boden versinken sollten."

Wen meinen Sie mit "wir alle"? Alle auf der Welt, die sich im "Wohlstand suhlen" oder ganz generell alle Menschen der Welt von Geburt an? Und wenn alle, würden Sie dann zwischen mehr und weniger Schuld differenzieren oder nicht? 

"Damit erübrigt sich eben die Frage ob ich Drohnen befürworte oder nicht, da es mir letztlich völlig egal ist mit welchen Werkzeugen die künftigen noch kommenden Verbrechen begangen werden."

Verbrechen von wem an wem? Sehen Sie keinen Unterschied darin, ob ein Mensch sein Gegenüber, egal ob Mann, Frau oder Kind, sozusagen Auge in Auge, umbringt, dabei u.U. aufkommendes Mitleid mit den Opfern unterdrücken und seine angeborene Tötungshemmung überwinden muss oder ob er das Ganze eine Maschine erledigen lässt?

"Wenn hier plötzlich Sektensprüche ausgepackt ..."

"Sektensprüche"? :-) Lustig. Zwischen diesen "Sektensprüchen" und sokratischer Ethik gibt es zwar gewisse Parallelen und man könnte sich auch sachlich mit dieser Auffassung auseinadersetzen, aber gut, das ist wohl zu viel verlangt. Das machen ja nicht einmal die Oberhirten derer,  die sich Christen nennen und in christlichen Parteien herumkrakelen.

"...werden um zu differenzieren, disqualifizieren sich doch diejenigen selbst."

Na, da steht es jetzt aber 1:1. Da haben Sie etwas in den falschen Hals gekriegt. Ich habe dieses Zitat extra aus der Lehre und den Verhaltensrichtlinien unserer christlichgläubigen Lippenbekenner im Parlament herausgesucht in der Hoffnung, der werte Leser würde erkennen, dass sich möglicherweise Schriftgelehrte und Pharisäer auf den Stuhl des Moses gesetzt haben... Heuchler und Pseudoreligiöse, die genau das Gegenteil von dem tun, was sie gemäß ihrer Lehre tun sollten.

"Die Realität bedeutet, dass wir uns nur alle gerne in unserem Wohlstand suhlen und nichts lieber hätten, als dass die Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen, die Drohnen sämtliche Gefahren eliminieren, unsere Vorgärten sauber bleiben ..."

Das klingt bitter und frustriert. Kann ich in gewisser Weise auch nachvollziehen, aber ich finde trotzdem, dass Sie das etwas differenzierter sehen sollten/könnten.

Gäbe es auch afrikanische Flüchtlinge, wenn Europäer und Amerikaner ihre Pfoten und Füße aus Afrika raushalten würden und statt dessen anständige Geschäfte mit den Einheimischen machten? (Schöne Utopie.)

"...und jene die es bis zu uns schaffen, mit philathropischer Empathie integriert werden."

Ja, sie sollten sich integrieren, keine Parallelgesellschaften mit eigener Gesetzgebung aufbauen und nicht von dem Zuwanderungsland Anpassung an sinnlose,unpassende/unvernünftige/vorsintflutliche/ idiotische/ gegen Menschenrechte verstoßende .... Sitten und Bräuche erzwingen.

pleifel 04.02.2013 | 14:30

Freut mich natürlich, dass die Diskussion solch einen Umfang angenommen hat. Danke dafür schon mal an alle.

In der Debatte über die Rüstungsexportpolitik in der 219. Sitzung des DB hat Gregor Gysi nochmals daraufhingewiesen, "dass der Bundessicherheitsrat im Geheimen tagt; der Bundestag wird nicht einbezogen. Das alles verläuft ohne Transparenz. (In den USA mit Transparenz)".

Fakt also: Der Bundessicherheitsrat unterliegt keiner parlamentarischen Kontrolle. Da zudem ausschließlich Regierungsmitglieder im Ausschuss vertreten sind und bei Strafe der Beteiligten mit der Weitergabe von Infos, jeder geheime Rüstungsdeal möglich ist, sind Debatten im Bundestag über Kampfdrohnen leider nur die eine Seite der Medaille.
Wohin später die Waffen verkauft werden, wo später die Waffen eingesetzt werden, wird sich irgendwie über den Markt regeln.
Was dann für Waffenträger montiert werden können, liegt dann nicht mehr in der Hand des Exporteurs. Eine weitere Eskalationsstufe im internationalen Wettbewerb der Waffensysteme.

Die ganze Diskussion erinnert mich an die amerikanischen Waffenlobbyisten, die das Recht auf Waffenbesitz trotz aller Tötungsdelikte in den USA mit mehr Waffenbesitz bekämpfen wollen. Der Irrsinn des kalten Krieges lebt noch immer in vielen Köpfen und hat Methode!

Mit der Produktion dieser Waffen wird der Wert, die Unantastbarkeit des Menschenlebens weiter beschädigt. Aber die Befürworter dieser Waffen behaupten genau das Gegenteil!

Oberham 04.02.2013 | 16:36

"Na, da steht es jetzt aber 1:1. Da haben Sie etwas in den falschen Hals gekriegt. Ich habe dieses Zitat extra aus der Lehre und den Verhaltensrichtlinien unserer christlichgläubigen Lippenbekenner im Parlament herausgesucht in der Hoffnung, der werte Leser würde erkennen, dass sich möglicherweise Schriftgelehrte und Pharisäer auf den Stuhl des Moses gesetzt haben... Heuchler und Pseudoreligiöse, die genau das Gegenteil von dem tun, was sie gemäß ihrer Lehre tun sollten."

Absolut, entschuldige ich mich natürlich auch entsprechend.

In der Tat kann man gar trefflich (ach man tut es ja auch) über unsere klassischen ethischen Normen versus der Realität debattieren.

Wen ich mit wir meine?

Alle Menschen, die die Chance haben an ihrem Leben etwas insofern zu ändern, als dass sie mehr Solidarität üben könnten.

Menschen die keine Chancen bekommen, kann man kaum kritisieren, doch ich behaupte wir hier in Europa, haben alle doch sehr gute Chancen erhalten.

Ich würde es auch nicht kritisieren nennen, es ist nur Frustration.

Im Grunde ist doch Realität das was die Mehrheit möchte!

Wie komme ich also dazu der Mehrheit etwas vorzuhalten?

Es ist als wär ich eben das kleine Kind auf dem Pausenhof, das schmollt und das gespielte Spiel nicht mehr mitspielen will - das sagt - ihr seid doch alle doof - und selber war es eben bis vor einen Augenblick noch genauso lustig dabei.

Also - jene die da niemals mitspielten, die müssen sich meine Vorwürfe nun wirklich nicht zu Herzen nehmen - wer weiß, das könnten durchaus einige Millionen in Deutschland sein.

Bleib ich bei Sokrates -so muss ich zwangsläufig um das Nichtwissen kämpfen, da ich nicht einmal jenes weiß, vom Weg zur Transzendenz ganz zu schweigen.

Wobei mir Platon und Sokrates in vielen Belangen suspekt bleiben - wie alle Philosphen in deren Schriften ich mich seit langem verliere - es kommt mir immer wieder so vor, als wünschte man der Realität einfach noch ein Ornament und noch ein weiteres hinzuzufügen - die Frage nach dem Sinn - die hat noch keiner zufriedenstellend (für mich zumindest - ich mir selber auch nicht) aufgelöst.

Meine Sinnsuche endet wohl im Traum von der Utopie einer friedlichen absolut gewaltfreien Welt - in der selbst die Tiere einen Weg gefunden haben Angst und Leid auszugrenzen.

(Eben weil wir ihnen als Menschen dabei helfen, mit unserem Hirnapparat - Früchte wollen ja gefuttert sein - die Nahrungskette ist allerdings eine grausame Angelegenheit...)

 

Doch wir als Menschen schaffen es ja noch nicht einmal unsere Lebensgrundlagen zu bewahren.

Bewaffnete Drohnen sind einfach ein weiter Schritt zur Perfektionierung des gefahrlosen, gezielten Tötenkönnens - vor allem dürfte es eben eine "Produktivitätssteigerung" generieren.

Der Begriff der Qualität - hängt eindeutig vom Standpunkt ab.

Für den Menschen der sich nach Anarchie und Freiheit sehnt, der an die soziale Kraft der Menscheit glaubt, sind diese Teile ein weiterer Nackenschlag - doch das begann wohl schon mit dem Knüppel.

 

 

 

Oberham 04.02.2013 | 16:44

Mit der Produktion dieser Waffen wird der Wert, die Unantastbarkeit des Menschenlebens weiter beschädigt. Aber die Befürworter dieser Waffen behaupten genau das Gegenteil!

Da stimme ich ihnen durchaus zu - nur - (mein Pessimismus wieder mal) - Wert und Unantastbarkeit eines Menschenlebens sind eben seit Jahrtausenden praktisch gleich Null - es sei denn man betrachtet die Führungstiere.

Wer weiß, eines Tages gibt es vielleicht den ultimativen Selektivgenerator, der mittels simpler Delete Taste beliebige Leben löschen kann - es wird darum gehen ob dann noch ein Mensch an der Taste sitzt - sollten wir weiter wie ein irrationale Horde über den Planeten herfallen, fürchte ich, ist diese logische Selektionsmethodik wohl eines Tages triste Realität.

Die ganzen SF-Phantasien vom Maschinenreich, sie kommen nicht von ungefähr.

pleifel 05.02.2013 | 15:30

Geschätzter Oberham,

"..doch ich behaupte wir hier in Europa, haben alle doch sehr gute Chancen erhalten. Ich würde es auch nicht kritisieren nennen, es ist nur Frustration. Im Grunde ist doch Realität das was die Mehrheit möchte! Wie komme ich also dazu der Mehrheit etwas vorzuhalten?.."

Frustration, mangelnde Energie, Zeit wegen Berufsstress (-verkehr), Familie, Ehrenamt, Angst vor Entlassung usw. sind zuerst mal Gründe für die "Zurückhaltung". Ich verwende mal den Euphemismus "Zurückhaltung", mit dem normalerweise die Arbeitgeberverbände die Gewerkschaften mit vergiftetem Kompliment loben.

Widerspruch aber bei der Folgerung: "Realität ist das, was die Mehrheit möchte".
Im Zustand der beschleunigten Gesellschaft, mit dem Druck, ständig seine Fähigkeiten zu optimieren, sind viele Menschen im Alltagsgeschäft völlig eingebunden, ausgelastet, überfordert. Aber erschwerend kommt dazu, es fehlt den Meisten (sind wir da soviel weiter?) die theoretische Vorstellung von einer gerechteren, demokratischeren Gesellschaftsform.
Und wenn sie eine theoretische Vorstellung davon  haben, dann mangelt es an praktischer Umsetzung: 1. weil sie keine adäquaten Partner finden; weil die etablierten Organisationen sich nicht mehr bewegen lassen oder mit marginalen Verbesserungen (wenn überhaupt) zufrieden geben. 2. weil sie aus bereits oben genannten Gründen einfach platt sind!

So gesehen gilt es einen Kreislauf zu durchbrechen. Denn wenn keine Erfahrungen gemeinsam erlebter Solidarität gemacht werden, ist Realität nicht das Ergebnis der Mehrheit, sondern das Ergebnis einer kleinen Minderheit. Indirekt ist die Passivität der schweigenden Mehrheit mit verantwortlich. Aber dieses brachliegende Potential braucht ein Ventil, um sich mitbestimmend zu artikulieren.

pleifel 18.03.2013 | 22:05

Ist schon krass: da macht irgend jemand ein Foto von einem öffentlichen Objekt, stellt es ins Netz ein und schwupps, gehört sozusagen das Objekt im Bild rechtlich dem Fotografen. Natürlich das Bild mit Objekt, macht die Sache aber auch nicht besser!

Warum belasse ich dann das Bild nicht dort, wo es hingehört, nämlich im privaten Archiv zuhause?