ChristianBerlin

SchwammDrüber-unerhört+ubersehen

02.01.2012 | 16:33

Deutsche Medienwunder (4): Der Bundespräsident und die Pressefreiheit

Nach einem Initialbeitrag in der gestrigen F.A.S. berichten heute mehrere Zeitungen über einen unglaublichen Anfriff auf die Pressefreiheit. Wulff soll Journalisten gedroht haben heißt es in der Berliner Zeitung. Und laut SZ drohte der Bundespräsident sogar mit Strafanzeige. Die angeblich auf dem Anrufbeantworter von Kai Diekmann gespeicherten Emotionsausbrüche des Staatsoberhauptes werden von allen diesen Medien mit der Kreditaffäre des Präsidenten in Zusammenhang gebracht und als ein Versuch bewertet, deren Enthüllung durch Einschüchterung des BILD-Chefs zu unterbinden.

Die brisante Story könnte aber auf einem Trugschluss basieren. Die  F.A.S., auf die sich die SZ beruft, benennt als Streitgegenstand nur "eine 'unglaubliche' Geschichte", an der ein Bild-Journalist "seit Monaten" recherchiert habe. In der SZ wird daraus "diese 'unglaubliche' Geschichte".

Dass es dabei um den noch unveröffentlichten Bericht über die Kreditaffäre ging, ist keineswegs zwingend. Mehrere Zeitungen berichteten vor zwei Wochen nämlich, dass BILD seit langem an einer ganz anderen Story über die Wulffs recherchiere. 

"Wenn Wulff nicht bald folge, so wurde in Berlin gemunkelt, könne das Blatt mit einer Geschichte über das frühere Leben Bettina Wulffs aufwarten. Angeblich verfügt die Redaktion über Informationen, die bisher auf Weisung von ganz oben nicht gedruckt werden dürfen", schrieb die Berliner Zeitung am 16. Dezember über eine geplante BILD-Veröffentlichung.

Diese schwebende Drohung würde Wulffs impulsive Reaktion gut erklären, ebenso seine Äußerung, "für ihn und seine Frau sei der 'Rubikon' überschritten." Jeder würde einen Ehemann verstehen, der deswegen Journalisten droht.

Sicher ist das natürlich nicht. Am nächsten Tag wurde der erste Bericht über die Kredit-Affäre veröffentlicht. Solange aber niemand weiß, was Wulff vorher über den Inhalt wusste, können wir auch nicht sicher sein, ob er mit dieser Veröffentlichung oder jener anderen rechnete.

Ein Indiz für das eine oder das andere könnte seine Reaktion nach der Veröffentlichung sein. Tobte er schlimmer als zuvor, machte er gar die Drohung wahr, oder war er im Gegenteil erleichtert? Nach SZ-Informationen "hat Wulff noch einmal Kontakt zu Diekmann aufgenommen, den Anruf bedauert - und dieser die Sache dann für erledigt erklärt." Wenn das stimmt, kam es wohl weniger ehrverletzend, als er dies befürchtet hatte - zumindest sah es für das Staatsoberhaupt zunächst so aus.

Sicher wissen wir aber nur, dass wir nichts wissen, oder jedenfalls nicht genug. Und solange sollten wir mehr auch nicht behaupten. Mit einer Ausnahme: Kai Diekmann. BILD weiß wieder mal am meisten - jedenfalls in dieser Sache. Von dort kommt aber nur beredtes Schweigen.

 

 
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Kommentare
ChristianBerlin schrieb am 02.01.2012 um 17:14
Vier Minuten nach mir hat die Redaktion von der Freitag dazu ebenfalls einen Beitrag online gestellt.

www.freitag.de/politik/1151-selbstdemontage-broeckchenweise

Das konnte ich leider nicht vorhersehen, sonst hätte ich diesen Blog dort als Kommentar geschrieben.
Alien59 schrieb am 02.01.2012 um 17:25
Dann ist es ja gut, dass dein Artikel schon stand ;-) . Wäre schade gewesen.
ChristianBerlin schrieb am 02.01.2012 um 17:36
Danke, liebe Alien. Die ein frohes Neues Jahr (wenn auch nur ein gregorianisches).

#offtopic

Vor wenigen Minuten habe ich den Hinweis bekommen, dass Mustafa angeblich aufhören will beim Freitag. Stimmt das? Das wäre der nächste herbe Verlust nach Columbus (der zum Glück schon wieder da ist) und Rahab.

Wenn die mutigen Blogger weg sind, egal auf welcher Seite sie inhaltlich stehen, wird es hier öde und leer werden. Ich möchte keinen missen, gerade von denen nicht, die was zu sagen haben und von denen ich hier schon viel gelernt habe.

LG Christian
Alien59 schrieb am 02.01.2012 um 17:48
Mit meinem Kalenderartikel scheine ich ja in ein Wespennest gestochen zu haben - werde nachher da noch Kommentare kommentieren, da ich den Eindruck habe, dass da irgendetwas falsch lief.

Mustafa, ja, ich las, dass er androhte, die FC zu verlassen. Aber ob er es wirklich tut? Ich hatte den Eindruck, er war ob des Kampfes an mehreren Fronten etwas ermüdet. ;-)
Anchesa schrieb am 02.01.2012 um 17:57
was ja auch nur zu verständlich wäre nach den viele Angriffen in vielen seiner Blogs
ChristianBerlin schrieb am 02.01.2012 um 19:43
@Alien59

Wenn Mustafa nur müde ist, besteht vielleicht noch Hoffnung. Das bin ich auf oft, aber dann packt es mich wieder. ;)

Deinen Text kannte ich vorhin überhaupt noch nicht. Meine Einschränkung beim Neujahrswunsch war von meiner Seite her keine Spitze, eher eine höfliche Geste im Rahmen eines interreligiösen und ökumensichen Sensibels, ich mir selbst anerzogen habe.

Denselben eingeschränkten Neujahrswunsch hatte ich schon gestern als Fachebook-Nachricht meinen Mitchristinnen und Mitchristen in der Koptischen Kirche gepostet - die feiern, soweit ich weiß, erst in 12 Tagen Neujahr, genau wie unsere orthoxen Schwestern und Brüder, weil sie als Religionsgemeinschaft noch den von Cäsar eingeführten "julianischen" Kalender benutzen.

Dass Du das sofort auf Deinen Beitrag beziehst, ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie eine Äußerung in einen naheliegenden Kontext hingestellt wird, ohne dass sie so auch gemeint gewesen sein muss. Das hätte - theoretisch - auch bei Wulffs Drohung so sein können. War's aber nicht (wie wir jetzt wissen).

LG Christian
Achtermann schrieb am 02.01.2012 um 17:42
Christian, du schreibst:

Sicher wissen wir aber nur, dass wir nichts wissen, oder jedenfalls nicht genug. Und solange sollten wir mehr auch nicht behaupten. Mit einer Ausnahme: Kai Diekmann. BILD weiß wieder mal am meisten - jedenfalls in dieser Sache. Von dort kommt aber nur beredtes Schweigen.

Die Bildzeitung schreibt:

Im Anschluss daran versuchte der Bundespräsident, BILD-Chefredakteur Kai Diekmann direkt zu erreichen, der sich zu der Zeit auf einer Dienstreise befand. Als das nicht gelang, hinterließ der Bundespräsident eine längere Nachricht auf der Handy-Mailbox des Chefredakteurs.
Der Bundespräsident zeigte sich darin empört über die Recherchen zu dem Hauskredit und drohte u.a. mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen BILD-Redakteur.


Das bedeutet, dass die Bildzeitung das Schweigen gebrochen hat und die Geschichte nicht aus der Luft gegriffen ist. Bild ist darüber hinaus in der komfortablen Lage, den Anruf der Wutbürgers Wulff jederzeit veröffentlichen zu können. Wulff ist üblichen Maßstäben nach jetzt nicht mehr zu halten, weil er Diekmann in eine ungeheure Machtposition gebracht hat. Sein Amt hängt an der Laune des Gelhaarträgers Kai.
GEBE schrieb am 02.01.2012 um 18:14
"... Wutbürger Wulff ..." - k ö s t l i c h !
ChristianBerlin schrieb am 02.01.2012 um 18:25
@Achtermann

Danke für den Hinweis. Du hast Vollkommen Recht.

... bis auf die Sache mit dem "nicht mehr zu halten". Denn Deine Prämisse besagt ja, dass dazu die üblichen Maßstäbe gelten müssten, und die gelten beim Amt des Bundespräsidenten aufgrund der besonderen Rechtslage offenbar nicht. Das Grundgesetz macht jeden in dieser Position - einmal gewählt - unangreifbar.

Ob man das gut oder schlecht findet, ist eine andere Frage. Wenn dadurch der Gelhaarträger den Bundespräsidenten am Nasenring durch die politische Arena führen kann, kommt mir schon mal ausnahmsweise die Galle hoch.

Unter dem Artikel von Klaus Raab hat Angelia etwa zeitgleich mit Dir ebenfalls auf die inzwischen veröffentlichte Stellungnahme von BILD hingewiesen.

Ich wiederhole hier mal meine Antwort:

@Angelia

Meine Äußerung war auf den Informationsstand des Berichtes bezogen.

Anonsten hast Du aber Recht, mit der Meldung bei RP-online ist - inzwischen - bewiesen, auf welche Recherche sich Wulff mit seiner Drohung bezogt.

Aber Du musst einräumen, dass weder ich, noch Klaus Raab den von Dir verlinkten Bericht kennen konnten, als wir unseren jeweils online stellten. Das passierte alles drei fast auf die Minute genau zeitgleich.

Wir hätten diesen Bericht über die Stellungnahme von BILD sonst beide als die entscheidende Quelle für die offene Frage erwähnen müssen und ganz sicher auch erwähnt.

"In einer Erklärung der Zeitung heißt es, "Bild" habe Wulff vor der Veröffentlichung der Recherchen zu dessen umstrittenem Privatkredit Gelegenheit zu einer ausführlichen Stellungnahme gegeben. Diese habe der Präsident am 12. Dezember zunächst abgeben lassen, dann aber kurz vor Redaktionsschluss wieder zurückgezogen."

Davon, dass BILD in der Stellungnahme relevanten Nebenumstände verschweigt (wie die besagte Drohung mit der anderen Story über seine Frau), ist bei dieser schlüssigen Schilderung des Hergangs nicht auszugehen.

Dann aber lässt das Verhalten nur darauf schließen, dass hier (im sprichwörtlichen Sinne) ein getroffener Hund gebellt hat, der genau wusste, was auf ihn zukommt.

Den Zapfenstreich wird es dennoch nicht geben. Wenn ein Bundespräsident nicht freiwillig geht, kann man ihn so gut wie gar nicht strafrechtlich belangen oder sonst wie aus dem Amt bekommen. Das Grundgesetzt wollte so einem Staatsstreich vorbeugen. Solange sein Rücktritt der Kanzlerin mehr schadet als nützt, kann Wulff deshalb alles andere in Ruhe aussitzen. Nach dem ersten Bellen muss er das begriffen haben.


Das ist, wie ich zugeben muss, alles andere als befriedigend. Aber ich gehe davon aus, unser Staatsoberhaupt wird auch diese Angriffswelle wieder gelassen überstehen. Das Grundgesetz sichert seine Stellung besser ab als jede andere.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 02.01.2012 um 20:11
Link zum Originalwortlaut der Stellungnahme von BILD:

www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/der-wulff-anruf-beim-bild-chefredakteur-21863344.bild.html

Die stand tatsächlich schon kurze Zeit vor meinem und Klaus Raabs Beitrag online, das hätte wir theoretisch noch finden können.
SuzieQ schrieb am 02.01.2012 um 22:47
@ChristianBerlin

Spekulativer Journalismus greift normalerweise im sog Sommerloch oder der Sauregurkenzeit.
Was hat Dich bitte dazu veranlasst, einen Beitrag auf Konjunktiven aufzubauen? Ich verstehe es nicht.
Nichts Genaues weiß man nicht, aber ich könnte mal was dazu schreiben?

Und BILD ist jetzt seriös? Oder könnte sein? Oder wäre? Oder würde?
Genau, wo bleibt die unantastbare Würde? Zum Beispiel die Würde der Menschen.

Gruß, SuzieQ
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 02:07
@SuzieQ

Die Nachrichtenlage ist definitiv eine andere, nachdem BILD sich nicht mehr ausschweigt.

Guckst Du Kommentar von Klaus Raab, der hat das auch erkannt:

www.freitag.de/politik/1151-selbstdemontage-broeckchenweise#comment-352118

Was hat Dich bitte dazu veranlasst, einen Beitrag auf Konjunktiven aufzubauen? Ich verstehe es nicht.
Nichts Genaues weiß man nicht, aber ich könnte mal was dazu schreiben?


Ich habe hier nicht auf Konjunktiven aufgebaut, sondern Konjunktive angegriffen, nachdem daraus unter der Hand Indikative gemacht worden waren.

Ich gebe allerdings zu, dass dieser feine Unterschied nicht leicht zu begreifen ist und außerdem für das Thema irrelevant, wenn die Nachrichtenlage sich später verändert hat - außer vielleicht als Schulbeispiel.

Der Sinn einer zweifelnden Berichterstattung liegt im Appell meines letzten Absatzes: Wer Klarheit schaffen kann, soll zum Reden gebracht werden. Das war bei Klaus Raabs letztem Absatz nicht anders:

Man kann die Geschichte, wenn die Mailboxnachricht nicht öffentlich ist, aber in der Tat nicht verifizieren. Darauf wollte ich mit meinem letzten Absatz hinaus.

Mit anderen Worten: Veröffentlichung von BILD selbst bewegten sich alle Kommentare zu dem Telefonat im Bereich des spekulativen Journalismus.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 02:08
will heißen:

Vor der Veröffentlichung von BILD selbst ...
SuzieQ schrieb am 03.01.2012 um 04:13
Tja, viele Worte, keine Antwort auf meine Frage.

Du hast spekuliert, ich fragte: Warum spekulierst Du?
"Die Nachrichtenlage ist definitiv eine andere, nachdem BILD sich nicht mehr ausschweigt. "

Und vorher? Als Du Deinen Beitrag schriebst?
Als BILD sich noch ausschwieg?

"Ich habe hier nicht auf Konjunktiven aufgebaut, sondern Konjunktive angegriffen, nachdem daraus unter der Hand Indikative gemacht worden waren."
Unter der Hand? Nach Deinem Beitrag.

"Guckst Du Kommentar von Klaus Raab, der hat das auch erkannt:" und
"Ich gebe allerdings zu, dass dieser feine Unterschied nicht leicht zu begreifen ist und außerdem für das Thema irrelevant, wenn die Nachrichtenlage sich später verändert hat - außer vielleicht als Schulbeispiel. "

Hast Du irgendein Problem seriös zu bleiben?
Ich hab Dir eine naheliegende Frage gestellt.
Auch mit Rückblick auf Dein Video 'Wer ohne Sünde sei, der werfe den ersten Stein'.

Und natürlich ist es relevant!
Oder kannst Du in die Zukunft schauen, erkennen, dass die Nachrichtenlage sich ändern wird?

"Mit anderen Worten: Veröffentlichung ("will heißen:Vor der Veröffentlichung ...") von BILD selbst bewegten sich alle Kommentare zu dem Telefonat im Bereich des spekulativen Journalismus.

Genau, darum ging es mir und vor allem um das Warum?

Gruß SQ
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 09:24
@SuzieQ

Liebe Suzie,

hab ja gesagt, das ist nicht einfach. Aber ich versuche es gerne noch mal. Und stelle die Verbindung zu den Steinen her, nach der Du fragst.

Hier geht es auch ums Urteilen, aber diesmal nicht um die Frage der Verhältnismäßigkeit eines Urteils bei unstreitiger Faktenlage, sondern um die Sicherheit des Urteilens bei einer nur scheinbar klaren Faktenlage.

Kennst Du zufällig das Theaterstück oder den Film "Die 12 Geschworenen" von Sidney Lumet? Wenn nicht, auch nicht schlimm, Du hast in fast jedem schlechten US-Krimi die Belehrung der Jury, dass jeder noch möglichen Zweifel an der Schuld des Angeklagten eine Verurteilung ausschließt.

Dieser letzte Zweifel war vorliegend möglich, solange die beiden hier vorhandenen Augen- bzw. Ohren-Zeugen nicht gehört worden sind.

Wenn ich Dich richtig verstehe, bestreitest Du das nicht. Du wirfst mir nur vor, dass ich in so einer unklaren Lage, in der einige schon denken und schreiben, alles sei klar, die Rolle des Geschworenen Nr. 8 übernehme und sage: Macht mal halblang, ihr wisst es nicht, ich weiß es auch nicht, die Beweisaufnahme hat Lücken, wir wissen nur, dass wir nichts wissen, der der mehr weiß, heißt: Kai Diekmann. Der muss jetzt reden oder für immer schweigen.

Ich weiß selbst, dass man mit der Rolle dieses Geschworenen Nr. 8 keinen leichten Stand hat, schon gar nicht, wenn die Beweisaufnahme fortgesetzt wird und sich dann herausstellt, dass die Zweifel vielleicht vorher begründet gewesen sein mögen, aber nach der Einvernahme des bisher nicht gehörten Zeugen die Schuld des Angeklagten zweifelsfrei feststeht.

Insofern eine undankbare Aufgabe. Aber ist diese unbequeme, störenfriedhafte Rolle deswegen schon unethisch oder unseriös?

Ist für mich nicht nachvollziehbar.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 10:44
@SuzieQ

Noch eine Ergänzung zum Kamerastatement, auf das Du anspielst.

Ich hatte es hier eingeführt mit einem Vorbehalt, an den Du Dich vielleicht noch erinnerst?

Inhaltlich hat es die Prämisse, dass sich keine weiteren Fehler herausstellen, die gravierender wären, als die bisher bekannt gewordenen.

Mein erster Satz in diesem Blog verrät, dass dieser Fall nunmehr eingetreten wäre, wenn die Story stimmt - dann sollte aber auch kein begründeter Zweifel mehr möglich sein.

Ich revidiere damit keine Meinung, sondern ziehe nur die Konsequenz aus dem vorher gesagten:

Dieser Fehler war einer zuviel. Die Verstrickungen in Zuwendungen von Gönnern sind in einer repräsentativen Demokratie von je her systembedingt, politisch gewollt und ubiquitär.

Aber Kai Diekmann kann man nicht trauen. Wer sich dem ausliefert, ist geliefert. Selbst wenn der versichert, die Sache wäre "erledigt" - da kommt noch was nach, zur Not über Bande (zuerst über andere Zeitungen).

Dieser Anruf war eine politische Todsünde. Da hat @Achtermann Recht. So menschlich die kindische Reaktion auch sein mag, das macht (im Unterschied zum Geld oder Vorteile Annehmen, sei es für die Partei oder als Privatmann) kein Politiker, der halbwegs bei klarem Verstand ist und sein Handwerk versteht.

Dabei hätte er sogar noch die Chance gehabt, selbst diese Todsünde aus der Welt zu schaffen, wenn er sie am 22. Dezember in seiner großen Entschudligungsrede der Öffentlichkeit einfach gebeichtet hätte. Durch diese Flucht nach vorn wäre diese Waffe in Kai Diekmanns Hand stumpf geworden. Statt dessen hat er offenbar geglaubt, dass "erledigt" bei BILD auch erledigt bedeutet. Jetzt ist er selbst erledigt.

Mag er im Amt bleiben, solange die Kanzlerin ihn braucht. Die allgemeine Verachtung ist ihm sicher, so oder so. Und nicht nur ihm. Dass ein Staatsoberhaupt so beratungsresistent sein kann und selbst in der Krise die Zeichen der Zeit nicht erkennt, erinnert mich an die längst vergessene Peinlichkeit eines hilflosen, aber uneinsichtigen alten Mann an der Spitze unseres damals noch geteilten Landes und die Worte eines befreundeten Staatschefs über das Zu spät Kommen.

Für den alten Mann gab es damals vielleicht wirklich kein Zurück mehr. Aber Christian Wulff hätte jetzt jede Chance gehabt, sich und uns diese Peinlichkeit zu ersparen.

Der Bundespräsident hätte in dem besagten Gottesdienst einfach nur der Predigt von Markus Dröge innerlich zuhören und die Konsequenzen ziehen müssen:

Wäre die Botschaft angekommen, hätte er Gottes "Ja" auch auf seine Frage gehört, die ihn an diesem Sonntag genauso gequält haben muss wie die Maria in Markus Predigt:

„Aber was soll ich denn machen [...] Es ist eben passiert. Ich bin nun mal keine Heilige.“

In Markus Erzählung bekommt Maria die Antwort, die sie sucht, aus der Atmosphäre der Gedächtniskirche, die sie als ein Ja zu sich, ihrem Leben und dem Leben, das in ihr heranwächst erlebt:

„Als wär sie nur für mich gebaut, gerade jetzt“, dachte sie.

Gesetzt, die Geschichte wäre so passiert oder sie könnte so passieren, dann predigt der Kirchenbau jene Grundbotschaft, die der Apostel in die Worte fasst:

Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm.

Soweit die Predigt, die wir beide gehört haben - der Präsident und ich. Ich wünschte, sie wäre angekommen und er hätte drei Tage später eine Rede gehalten, in der nicht Ja und Nein zugleich waren, nicht beschönigt oder verschwiegen, sondern Rein Tisch gemacht worden wäre: Jawohl, ich bin kein Heiliger. Niemand ist das. Und ich habe noch mehr Fehler gemacht. Aber ich ziehe jetzt die Konsequenzen und stehe dazu.

Schade, dass unsere eigentlich recht simple Boschaft so selten dort ankommt, wo sie dringend gebraucht würde. Hier zeigt sich aber einmal mehr, dass sie den richtigen Ansatz enthielt.

LG Christian
SuzieQ schrieb am 03.01.2012 um 20:54
@ ChristianBerlin

"Dieser letzte Zweifel war vorliegend möglich, solange die beiden hier vorhandenen Augen- bzw. Ohren-Zeugen nicht gehört worden sind."

Vielleicht bin ich nicht auf dem laufenden, aber ich habe noch keinen Mitschnitt gehört, und bis dahin heißt es 'Papier ist geduldig.'

"Ich weiß selbst, dass man mit der Rolle dieses Geschworenen Nr. 8 keinen leichten Stand hat, schon gar nicht, wenn die Beweisaufnahme fortgesetzt wird und sich dann herausstellt, dass die Zweifel vielleicht vorher begründet gewesen sein mögen, aber nach der Einvernahme des bisher nicht gehörten Zeugen die Schuld des Angeklagten zweifelsfrei feststeht."

Wessen war er nochmal angeklagt?
Zweifelsfrei feststehende Schuld? Woran?
Die Pressefreiheit in Frage gestellt?
Und wer war noch in Frage gestellt? Die erste Person des Staates, verkörpert durch Herrn Wulff.

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte Herr Wulff vor Veröffentlichung die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben, was er auch tat.
Diese wollte er zurückziehen, was ihm nicht gelang, der Chefredakteur war nicht erreichbar.
Und was sagte er? Auf die mailbox?
Und will uns diese mysteriöse Geschichte nicht einen Wulff aufbinden:
Seht her, wie dumm!?

"Insofern eine undankbare Aufgabe. Aber ist diese unbequeme, störenfriedhafte Rolle deswegen schon unethisch oder unseriös? "

Eine selbstgewählte Aufgabe ...

Dass ich dich fragte, ob Du ein Problem hättest seriös zu bleiben bezog sich auf Deine Formulierungen:
'"Guckst Du Kommentar von Klaus Raab, der hat das auch erkannt:" und
"Ich gebe allerdings zu, dass dieser feine Unterschied nicht leicht zu begreifen ist und außerdem für das Thema irrelevant, wenn die Nachrichtenlage sich später verändert hat - außer vielleicht als Schulbeispiel. "'

Ich lese Deinen Beitrag nicht als den eines Störenfrieds. Noch nicht mal unbequem, sondern rein spekulativ.

"Dieser Fehler war einer zuviel."
"Aber Kai Diekmann kann man nicht trauen."

Dieselbe Kerbe, seht her, Herr Wulff "Dieser Anruf war eine politische Todsünde.", wie dumm kann einer nur sein. So lese ich diese Worte.

"Dieser Anruf war eine politische Todsünde. Da hat @Achtermann Recht. So menschlich die kindische Reaktion auch sein mag, das macht (im Unterschied zum Geld oder Vorteile Annehmen, sei es für die Partei oder als Privatmann) kein Politiker, der halbwegs bei klarem Verstand ist und sein Handwerk versteht."

Ich habe aber nur die Behauptung eines Chefredakteurs....

...und dann hat Herr Wulff auch noch die Botschaft der Predigt nicht verstanden ...

Du bist evangelischer Pastor und Journalist:

Ich frage nicht mehr, was Du Dir dabei gedacht hast.

SuzieQ
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 22:26
@SuzieQ

Du bist evangelischer Pastor und Journalist:

Ich frage nicht mehr, was Du Dir dabei gedacht hast.


Dein Wort in Gottes Ohr ...

;)

LG Christian
SuzieQ schrieb am 03.01.2012 um 22:48
Lieber Christian,

"Du bist evangelischer Pastor und Journalist:"

Mit einer Erinnerung an Deine Berufswahl, Christ und Schriftgelehrter folgt der Satz:

"Ich frage nicht mehr, was Du Dir dabei gedacht hast."

dabei steht für: Deinen Beitrag,
was Dir bewusst ist.

Ich frage nicht mehr, weil ich eh keine Antwort bekomme und weil

"Hier geht es auch ums Urteilen, aber diesmal nicht um die Frage der Verhältnismäßigkeit eines Urteils bei unstreitiger Faktenlage, sondern um die Sicherheit des Urteilens bei einer nur scheinbar klaren Faktenlage."

mir nicht zusteht und nicht schmeckt.

Ich habe diesen Morgen noch einen Blogbeitrag begonnen mit den Worten:

blogs

es wird (an) gerichtet.

SuzieQ
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 03:06
@SuzieQ

Ich habe diesen Morgen noch einen Blogbeitrag begonnen mit den Worten:

blogs

es wird (an) gerichtet.


Seh ich mir morgen an.

LG und GN

Christian
Magda schrieb am 03.01.2012 um 09:33
Hallo Christian,
ich habe das noch gar nicht gesehen. Es geht einfach zu schnell hier.

Ich denke. dass dahinter mehr steckt als diese Geschichte. Dein Szenarium finde ich auch interessant. Es muss mehrere Recherchen geben.

Das Thema heißt für mich: BILD zeigt die Instrumente. Warum bleibt mir nach wie vor unerfindlich. Was liefert der von BILD so hofierte Wulff nicht, dass er so angegangen wird. Was hat er falsch geliefert?

Und - ist auch BILD langsam machtverblendet und will zeigen, wer wirklich zu bestimmen hat?

Gespenstisch und langsam tatsächlich zur Staatskrise aufgeblasen.

Hier ist noch ein ganz interessanter Taz-Kommentar.

www.taz.de/Kommentar-Wulff-und-die-Bild-Zeitung/!84833/
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 10:53
@Magda

Hallo Magda!

Volle Zustimmung zu Ulrich Schulte. Habe gerade in meiner Nachtrags-Antwort @SuzieQ fast dasselbe geschrieben, ohne seinen Text zu kennen.

Dass in Kai Diekmann Ja und Nein zugleich ist und er hier ein böses Spiel mit der Öffentlichkeit und dem Präsidenten spielt, bleibt niemandem verborgen. Dass Wulff darauf reingefallen ist, ist aus meiner Sicht aber nicht schuldlos. Er wollte zu billig davonkommen, und genau das geht in so einer Sache nicht. Die Flucht nach vorn wäre die Rettung gewesen, aber zu diesem Wellengang war wohl nicht bereit.

LG Christian
Alien59 schrieb am 03.01.2012 um 15:37
Christian, Magda, vielleicht mögt ihr euch auch mal diesen Artikel ansehen:
dontyoubelievethehype.com/2012/01/jagt-den-wulff/

Ich seh's immer noch ähnlich, auch wenn ich Wulffs Verhalten untragbar finde.
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 17:21
Das klingt aber sehr nach VT:

‎“Der Islam gehört zu Deutschland“ – mit dem Satz hat sich Wulff die Finger verbrannt. Jetzt schlägt man auf ihn ein, als hätte er Verrat begangen. Und der Zweck heiligt dabei die Mittel.
Eine deftige Ohrfeige bekommt Wulff verpasst: Die offizielle Begründung für die Kritik gegen ihn ist jetzt eine andere. Aber seine Aussage auch den Islam als Teil dieses Landes einzubeziehen hat ihn für viele untragbar gemacht. Viele haben ihm das übel genommen und demonstrieren heute ganz offen, wie nachtragend sie sind."

Mir fehlen die Anhaltspunkte, um an diesen Zusammenhang zu glauben.

Genauso könnten es die Katholiken gewesen sein, die ihm die Papst-Rede übel genommen haben. Gegen die Papstschelte der Kanzlerin wurde noch laut protestiert, hier könnte unerkannt zurückgeschlagen worden sein - auch das wäre aber nur eine VT.

Wo sind die Beweise? - muss man in beiden Fällen fragen.

Ich halte für wahrscheinlicher, dass es um einen ganz normaler Glaubwürdigkeitstest im Amt, der ohne Ansehen der Person oder des Parteibuchs mit jedem gemacht wird, wo sich das machen lässt.

Man muss dazu nur etwas Schmutz aus der Vergangenheit aufwühlen, den findet man schnell bei diesem wie bei jenem Politiker, zumal, wenn es um Zuwendungen für ihn als Privatperson oder für seine Partei geht - oder umgekehrt, eine Begünstigung von Freunden. Niemand kommt nach oben, der da nicht mitmacht. Nur wenn es dann rauskommt, muss man damit umgehen können. Das ist der Test.

Wer souverän die Flucht nach vorn ergreift, hat eine reelle Chance, aus dem Angriff auf seine Person sogar Glaubwürdigkeit zu gewinnen und politisches Kapital zu schlagen. Wer vertuscht, ist weg vom Fenster.

Die Jahrhundertikone Helmut Kohl hat sein Schweigen den CDU-Ehrenvorsitz gekostet, dessen Ex-Minister Möllemann kostete eine Sprachanalyse sein Ministeramt, Filbinger wollte von seinen Todesurteilen nichts mehr wissen und Walter Mixa nichts mehr von ausgeteilten Watschen.

Wären sie geständig gewesen, und das von Anfang an und im vollen Umfang, wären sie wahrscheinlich mit einem oder zwei blauen Augen davongekommen. Diesen Ausweg hätte es für Christian Wulff ebenfalls gegeben, aber wie so vielen schon davor, hat ihm der dazu notwendige Mut einfach gefehlt.

Vielleicht ist das auch schon alles, was hier passiert ist. Wäre nicht das erste Mal ...

LG Christian
Magda schrieb am 03.01.2012 um 22:06
"Wer souverän die Flucht nach vorn ergreift, hat eine reelle Chance, aus dem Angriff auf seine Person sogar Glaubwürdigkeit zu gewinnen und politisches Kapital zu schlagen. Wer vertuscht, ist weg vom Fenster."

Nee, wenn sie ihn nicht wirklich im Amte halten wollen, dann nützt das auch nichts.
Magda schrieb am 03.01.2012 um 22:12
Ich denke, dass das vielleicht ein Aspekt ist, der BILD so in Aktion gebracht hat.

Auf jeden Fall bedenkenswert.
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 22:38
@Magda

Heute kam die Meldung, dass die Springer-Presse schon mal seinen Angstschweiß gerochen hat, als es um die Veröffentlichung der Story mit seiner Halbschwester ging - das Pendant zu Schröders arbeitslosem Bruder.

Ist schon kurios, dass die Herkunft aus schwierigen Verhältnissen und die Empfänglichkeit für für die Gunst der Maschmeyers und anderer Bosse offenbar zu den erblichen Insignien eines niedersächsischen Ministerpräsidenten gehört.

Dazu kommt mir gerade eine weitere VT in den Sinn ...

LG Christian
Zeitleser schrieb am 03.01.2012 um 22:51
Werden Sie doch bitte selbst nicht fies und dreckig, wenn Sie sich als ausgebildeter Theologe über Menschen äußern.
Magda schrieb am 03.01.2012 um 23:03
@ zeitleser - glaube ich nicht, dass das fies und dreckig gemeint war. Nich bei Christian.
2idane schrieb am 03.01.2012 um 23:03
Auch hier sollte Recherchieren vor Kommentieren gehen: Wer sich die WELT-Story mit der "Halbschwester" genauer angesehen hat, muss feststellen, dass es sich um eine ebenso alte wie vertrackte familiäre Angelegenheit handelt. Dass die Frau tatsächlich Wulfss leibliche Halbschwester sei, stützt sich allein auf ihre eigenen Aussagen, offiziell und von Rechts wegen ist sie seine Adoptiv-Halbschwester.
Dass sich ein Prominenter wehrt, wenn solche schwierigen und mit Verletzungen verbundenen Familieninterna in der Öffentlichkeit breitgetreten werden, kann ich immerhin nachvollziehen - zumal das nun wirklich gar nichts mit seinen öffentlichen Ämtern zu tun hat(te).
kay.kloetzer schrieb am 03.01.2012 um 23:16
liebe magda, vielleicht ist die formulierung "dass die Springer-Presse schon mal seinen Angstschweiß gerochen hat" zwar bildhaft-pointiert, aber spinger-presse-haft. als zwischendurch mal die (wieder aus der welt geschriebene) variante aufkam, mit dem telefonat habe wulff einen bericht über seine frau verhindern wollen - da habe ich alles zurückgenommen, was ich in den letzten tagen so gedachte hatte. und der reflex die wieauchimmer halbschwester betreffend war ähnlich.
aber darum geht es ja gar nicht mehr. gegen angstschweiß gibt es die "final edition" von axe. ich rieche aber kühle berechnung. und gegen die gibt es leider nix.
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 23:35
@Zeitleser

Der Shakespeare-Vergleich ist aber auch nicht von schlechten Eltern, wenn man ihn auf diese Polit-Posse überträgt.

Gelten für Dich selbst lockerere Maßstäbe als für die, die Du kritisierst?

@Magda

Danke für Deinen Beistand. Du hast sogar Recht. Wenn die Herkunft aus einfachen oder schwierigen Verhältnisse ein Makel wäre, würde ich mich selbst treffen.

Was die Sache problematisch macht, ist der nicht-gebührende Abstand zu solchen Gönnern wie dem erwähnten Carsten Maschmeyer und anderen Bossen. Ich kann mir tatsächlich nicht vorstellen, dass jemand mit einer großbürgerlichen Herkunft wie der jetzt immer wieder mit Wulff verglichene von Weizsäcker diesen Abstand nicht schon immer gewahrt hätte.

Der Umkehrschluss ist aber nicht zulässig. Nicht jeder, der aus einfachen Verhältnissen stammt, muss dem zwangsläufig erliegen. Auch Christian Wulff oder Gerhard Schröder hätten ohne weiteres solchen Nähe-Angeboten trotz ihrer schlichten Herkunft souverän widerstehen können.

Ansonsten gebe ich zu, dass die ganze Sache kaum noch jemand ohne ein zynischen Humor ertragen kann, mir will die nach Ansicht von Zeitleser gebotene Ernsthaftigkeit (wenn es nicht um Shakespeare oder ihn selbst geht) kaum mehr gelingen.

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 23:41
@kay.kloetzer

ich rieche aber kühle berechnung.

Das ist interessant.

Auf jeden Fall hat sich Christian Wulff nach dem besagten Telefonat wieder abgekühlt.

Aber meinst Du auch, dass schon der Anruf bei K.D. und der Verlagsleitung aus kühler Berechnung geschah? Ist doch ein erstklassiges Eigentor - wo läge da der Sinn?

LG Christian
kay.kloetzer schrieb am 03.01.2012 um 23:57
nein, lieber christian, der anruf scheint mir, aus der psychoküche heraus beobachtet, emotional gewesen zu sein. man kann und muss es auch entgleisung nennen. aber es ist nicht der angstschweiß, sondern die wut. die kühl sein kann oder ist, wenn man die wortwahl mal hernimmt.

beide möglichkeiten aber, und vor allem, was dem vorausging, würde keinen lehrer an einer schule halten können. der mehr veantwortung trägt. und vielleicht deshalb mehr konsequenzen zu (er)tragen hat.
GEBE schrieb am 03.01.2012 um 23:57
Bei Anruf ...
Zeitleser schrieb am 04.01.2012 um 00:25
Ich vertraue Ihrem Urteil, nehme es also mit Entschuldigung zurück.
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 02:23
@Zeitleser

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser und Entschuldigung unnötig.

;-)
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 02:35
@kay.kloetzer

Du hast Recht, meine Liebe, was den oder die Lehrer betrifft. Die Disziplinargerichte werden ein Problem haben, wenn künftig jeder Angeschuldigte behaupten kann, er habe "gehandelt wie der Bundespräsident".

Was den Angstschweiß und die nach außen gezeigte Berechnung betrifft, vermute ich eher, Christian Wulff hat tatsächlich nur sowas wie Axe benutzt, um den Geruch zu übertynchen und den Lässigen zu geben, der sich nichts vorzuwerfen und nichts zu befürchten hat.

Aber ein guter Rechercheur bemerkt auch kalten Schweiß. Mit dem, was BILD wusste, konnte zumindest diese Redaktion selbst seine nüchterne Rede am 22.12. "auf Lücke deuten" - also das hören, was er nicht sagte, aber als Mann ohne Furcht und Tadel jetzt spätestens hätte sagen müssen. Rein Tisch hätte anders ausgesehen.

Kai Diekmann brauchte nur die Feiertage abzuwarten und dann die Schlinge zuzuziehen, aus der es danach kein Entkommen mehr gab.

LG Christian
Zeitleser schrieb am 03.01.2012 um 22:32
Also bitte jetzt muss Skakespaeare ran. Am besten "Maß für Maß". Einer soll geköpft werden, weil der Chef (Merkel ?) Urlaub macht und sein Regent (Bild Zeitung) Moralisches durchsetzen will. Doch der Moralhüter hat ein schwache Seite: Das weibliche zieht ihn hinan (der Freibusen jeden Tag auf Seite 2). Auch K.D. ist nicht frei von Schuld (wer hatte das auch unterstellt) und die S.Z. auch nicht (Bischof Nix da hat nun wirklich amtlich festgestellt nichts angestellt). Was tun? Nach Shakespeare bleibt der Bedrohte am Leben, jedoch unter fürchterlichen Bedingungen. Bitte nachlesen! Auch die Kläger müssen bekennen, was ihnen aber weiter keine Kopfschmerzen bereitet, da ihnen Anstand schon längst ein Fremdwort geworden ist.
ChristianBerlin schrieb am 03.01.2012 um 23:14
@Zeitleser

Das ergibt eine neue Verschwörungstheorie. Im Endeffekt ist in dem Stück ja Vincento - also Angela höchstselbst - die graue Eminenz hinter dem ganzen Geschehen.

Anders als bei Shakespeare hätte sie dann aber nicht Angelo (Kai D.) eingesetzt um ihn auf Claudio (Christian W.) anzusetzen, sondern umgekehrt Christian in eine Position gebracht, bei der sie sicher sein konnte, dass (der schon vorhandene) Tugendwächter Kai ihn früher oder später einen Kopf kürzer machen wird.

Ob dabei Tugendwächter Angelo wieder das ewig Weibliche zusätzlich gereizt hat, ob Männerfantasien über Tattoos und Tête-à-têtes eine Rolle gespielt haben, wird immer wieder behauptet, kann ja auch bloß ein Gerücht sein. Männerfantasien eben.

Aber dass es auch auf der politischen Bühne ein Happy End im Sinne Shakespeares gibt, kann nur funktionieren, wenn es Angie als grauer Eminenz gelingt, unseren brutalstmöglichen Tugendwächter ebenfalls zu leimen. Immerhin hätte sie dann zwei Machtrivalen mit einem Coup erledigt.

Wir dürfen auf den nächsten Akt gespannt sein.

;)
Zeitleser schrieb am 03.01.2012 um 23:57
Der nächste Akt ist klar: Es gibt Ämter aus denen kann man nicht verdrängt werden - zu Recht übrigens im konkreten Fall, denn dieses Amt ist dazu geschaffen worden im Falle der Verdrängung eines anderen einer anderen den Steigbügel für einen neuen zu halten. Nun gibt es weit ein breit nirgendwo welche die aufs Pferd zu setzen wären nach Angelo´s Logik.

Lassen Sie mich raten: K.D. Tage sind gezählt, EB Meisner hadert, Sarko und Merky geben sich Küsschen und was sonst noch so passiert (Eurountergang und weitere Lappalien).
2idane schrieb am 03.01.2012 um 22:51
Es ist übrigens interessant und nachrecherchierenswert, wie die Geschichte mit der angeblichen BILD-Bettina-Wulff-Story in die Welt kam - sie ist ja wie ein Lauffeuer durchs Netz gerast und mittlerweile in unzähligen Blogs vertreten, die sich ausnahmslos gegenseitig zitieren. Mit Verweis auf diese zirkulären Selbstzitate wird nun - im nächsten Schritt - versucht, in den Kommentarspalten auch seriöserer Medien (SPON etc.) die Sache zu verankern.
Es gibt bislang definitiv nur eine einzige "seriöse" Quelle für all das - und auch für Deinen Hinweis auf "mehrere Zeitungen", die darüber berichtet hätten: Ein Artikel vom 16.12.2011 im Mantelteil von FR/Berliner Zeitung (natürlich, mehrere...), der dieses Gerücht kolportiert, in zwei Sätzen:
"Wenn Wulff nicht bald folge, so wurde in Berlin gemunkelt, könne das Blatt mit einer Geschichte über das frühere Leben Bettina Wulffs aufwarten. Angeblich verfügt die Redaktion über Informationen, die bisher auf Weisung von ganz oben nicht gedruckt werden dürfen."
Dieses zitierte Gemunkel dient nun überall als "Beweis", dass ja auch die seriöse Presse bereits darüber berichte.
Verfasst ist der Artikel übrigens von Holger Schmale, was VT ausschließen dürfte: Ältere Branchenkundige wissen, dass er einmal zur Eigentümergemeinschaft des Freitag gehörte...
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 01:45
@2idane

Es gibt bislang definitiv nur eine einzige "seriöse" Quelle für all das - und auch für Deinen Hinweis auf "mehrere Zeitungen", die darüber berichtet hätten: Ein Artikel vom 16.12.2011 im Mantelteil von FR/Berliner Zeitung (natürlich, mehrere...)

Was die FR, die Berliner Zeitung und den KStA betrifft, stimme ich zu, die sind drei und doch eins, also mit "mehrere" nicht gemeint. Eine solche Einheit hinter der Vielheit gibt es aber auch bei Springer, wenn auch nicht ganz so offensichtlich.

Zwei Tage später brachte die Welt einen Beitrag, der sich wie eine Bestätigung las, dass zumindest im Hause Springer in dieser Richtung recherchiert wurde:

www.welt.de/politik/deutschland/article13772535/Auf-den-Spuren-des-Praesidenten-Schlamassels.html

Und dazu diese Gerüchte und Geschichten über das wilde Vorleben der neuen Ministerpräsidenten-Gattin. Die schon als Schülerin zu Partys nach Sylt gefahren sein soll. Und weißte nicht und haste nicht gehört. Tsstssstsss. Gerede, Gerede, Gerede.

Das enthält immerhin eine konkrete Tatsachenbehauptung, die gegendarstellungsfähig wäre!

Ohne belastbare Recherchen und Informanten im Hintergrund, wäre das ein unnötiges Wagnis, das die ganze Kampagne gefährden könnte.

Wenn es stimmt, werden Wulffs das sofort erkennen. Dann wäre das ein klares Signal von Springer an das Präsidentenpaar: Haltet die Füße still, wir wissen tatsächlich was. Wieviel, verraten wir aber nicht. Vorerst jedenfalls.

Wenn es aber nicht stimmt, wäre es nach meiner Erfahrung ein leichtes, die Welt mit einer einfachen Eidesstattlichen Versicherung und einem Verfügungsantrag beim Landgericht Hamburg zum Widerruf der abgedruckten Tatsachenbehauptung zu zwingen - selbst wenn sie dort nur als anonymes Zitat stand.

Eine Niederlage vor Gericht wegen Falschberichterstattung wäre DIE Chance gewesen, die Kampagne als solche bloßzustellen, Springer in die Schranken zu weisen und die Nachhut zur Vorsicht zu mahnen.

Warum sollte das Präsidenten-Paar so eine Chance auslassen? Aus freundschaftlicher Rücksichtnahme?

Aus diesen Überlegungen folgt m.E., dass die unbeanstandete Welt-Veröffentlichung vom 18.12. die Springer-Bestätigung beinhaltet, dass da fleißig und professionell recherchiert wurde.

LG Christian

LG Christian
2idane schrieb am 04.01.2012 um 10:42
No, passt nicht. Die ganze Argumentation basiert auf der Annahme, die WELT habe mit dem Hinweis auf Gerüchte um das wilde Vorleben Bettina Wulffs eine justiziable Tatsachenbehauptung aufgestellt.

Hat sie eben nicht, die WELT-Darstellung ist nicht einmal gegendarstellungsfähig, wie jeder Verlagsjustitiar gerne bestätigen wird. Die WELT berichtet, dass es Gerüchte gebe. Das ist perfiderweise selbsterfüllend und nicht bestreitbar, selbst wenn man - entgegen jeder politischen Klugheit - juristisch dagegen vorgehen wollte.

Um nicht missverstanden zu werden: Wulff hat mit dem Versuch der Einflussnahme auf die Verlagsleitung (nicht: den Chefredakteur, das wäre noch "legal") das Presserecht angegriffen und ist spätestens damit als Verfassungsorgan untragbar geworden. Er muss gehen. Punkt.

Davon unterschieden jedoch sollte all das Presse- und Blogo-Geschnatter, das sich darum herum unappetitlich aufkroppt und eben alles andere als eine "Sternstunde" deutschen Medienwesens darstellt.
hadie schrieb am 04.01.2012 um 12:31
Bild hält die "Tattoo-Betty"-Geschichte nicht nur auf Weisung von Oben zurück. Der Medienanwalt meines Vertrauens twitterte gestern: "Informiere einen Mandanten, dass ehemalige Prostiuierte nicht einfach so geoutet werden dürfen. Die Fotos sind trotzdem nett." (@udovetter auf Twitter)
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 21:48
@2idane

Liebe/r 2idane,

folgendem Satz würde ich widersprechen:

Hat sie eben nicht, die WELT-Darstellung ist nicht einmal gegendarstellungsfähig, wie jeder Verlagsjustitiar gerne bestätigen wird. Die WELT berichtet, dass es Gerüchte gebe. Das ist perfiderweise selbsterfüllend und nicht bestreitbar

Der für mich zuständige Verlagsjustitiar hieß früher einmal Jörg Soehring. Seine Auffassung habe ich noch gut in Erinnerung. Du kannst sie, wenn sie Dich interessiert, in seinem Buch "Presserecht" nachlesen (4. Aufl. 2000, ab Seite 330).

Entscheidend ist, was die Gerichte sagen. Das ist ebenso eindeutig.

Beispiele?

„Bereits das Verbreiten dessen, was ein Dritter geäußert hat, ist rechtlich als eigene
Äußerung des Erklärenden zu werten, wenn es an einer eigenen und ernsthaften
Distanzierung des Erklärenden fehlt"


BGH-Urteil vom 26.11.1996 - VI ZR 323/95 (Köln)

Vergleichbare Leitsätze aus presserechtlichen Grundsatzurteilen findest Du hier gesammelt und gebündelt:

www.transparenz-direct.de/DotNetNuke/Portals/0/V1.0-TranD_KapQDMeinungsfreiheit.pdf

Ein Satz, der in neueren Urteilen zur Wiedergabe von "Gerüchten" immer wieder wortgleich steht:

Die Mitteilung eines „Verdachts“ oder „Gerüchts“
stellt eine nicht nur die Existenz, sondern auch den geschilderten Inhalt des Verdachts bzw.
Gerüchts betreffende Tatsachenbehauptung dar, sofern sich der Äußernde nicht von dem
Gerücht oder Verdacht distanziert"


Dazu angegebene Fundstellen:

s. BGHZ Bd. 132, S. 13, 18 f. = NJW 1996, S. 1131, 1132; BGH NJW 1997, S. 1148, 1149; Soehring, aaO., S. 330 f., 340 f.; Prinz/Peters, aaO., Rdn. 16, 24, 39; Damm/Rehbock, Widerruf, Unterlassung und Schadensersatz in Presse und Rundfunk, 2. Aufl. 2001, S. 141, 217; Löffler/Ricker, Handbuch des PresseR, 4. Aufl. 2000, S. 325, 352

Hier wiedergegeben nach:


1 U 6/02 Brandenburgisches Oberlandesgericht


Die Frage zu Bericht der "Welt" ist, ob bei einem derart konkreten Gerüchte-Inhalt (Sylt-Parties als Schülerin) die bloße Qualifizierung als Gerücht schon eine ausreichende Distanzierung im Sinne dieser Urteile darstellt.

Zumindest kann bei Zweifeln am Inhalt eines Gerüchts oder einer namentlich zitierten Behauptung Dritter immer verlangt werden, dass eine Stellungnahme des oder der Betroffenen einzuholen und die mit abzudrucken gewesen wäre (vgl. das BGH-Urteil vom 30.01.1996 - VI ZR 386/94 unter dem angegeben Link).

Das ist hier unterblieben. Daraus folgt, dass Springer am 18.12.2011 entweder sehr risikofreudig agiert hat (was möglich, aber seltsam wäre) oder aber in der Lage war, den Wahrheitsgehalt des Gerüchts gerichtsfest zu beweisen. Eins von beidem, tertia non datur.

LG Christian

PS: Magda und ich haben darüber auch am 19.12. diskutiert. Das meiste, was da selbstreferenziell kursiert, ist offensichtlich reine Fantasie, der Umkehrschluss ist aber daraus auch nicht zu ziehen.
GeroSteiner schrieb am 03.01.2012 um 23:01
Zum Thema lese man das Interview von Gertrud Höhler im Deutschlandradio Kultur.
Dem ist vorerst nichts hinzuzufügen.
miauxx schrieb am 03.01.2012 um 23:34
Schließe mich GeroSteiner an. Vorhin war die Höhler im heute-journal Interview. Sehr zu empfehlen!
www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/sendung-verpasst/#/beitrag/video/1533222/ZDF-heute-journal-vom-3-Januar-2012
SuzieQ schrieb am 03.01.2012 um 23:35
Das ist auch nur eine Deutungshypothese der vermutlichen Ereignisse.

"Sie sagen, diese ganze Geschichte jetzt, diese ganze Veröffentlichung ist eine Sternstunde für den Journalismus als Kontrollinstanz, als die berühmte viel beschriebene vierte Gewalt im Staate?

-Ja, ich bin der Meinung - ich war schon in der Guttenberg-Story der Meinung -, auch da hat die Presse von rechts bis links, während wir diese Kategorien ja gar nicht mehr haben, sie hat auch in Häusern, wo man sagen sollte, na ja, wenn der eine Ja sagt, dann sagen die anderen Nein, sie hat eintönig reagiert mit der Ablehnung von Verhaltensformen, die in unsere demokratische Kultur nicht passen. Ich habe das schon damals als großartig empfunden, und ich kann feststellen, es wiederholt sich jetzt."

Eine Kontrollinstanz ohne Stil?
miauxx schrieb am 04.01.2012 um 00:08
@Suzie
"Kontrollinstanz" hier wohlgemerkt die Medien als Ganzes fassend. Dass es dann immer noch Qualitätsunterschiede geben kann und gibt, ist eine andere Frage. z.B. Guttenberg wurde ja von BILD eher gestützt. Dass es bei Wulff nicht so ist, legen manche ja schon als Verschwörung aus ...

Und "Stil"? Scheiß auf Stil! Was ist das meist schon?
Entweder ist es etwas unwillkürliches, was man mit sich führt. Das ist hier aber nicht gemeint, oder? Der andere Stil ist etwas, dass man sich zulegt und aufsetzt. Und wie oft gilt dann: Alle verrottet unter ihren Seidenkleidern.
Die Frage hier sollte nicht um Stil gehen, sondern um Qualität.
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 00:09
Das Höhler-Interview ist nicht nur empfehlenswert sondern mehr als erstaunlich:

Einen solch vernichtende Kritik an Wulff, deren Spitze gegen Merkel nicht verborgenbleibt aus dem Munde einer Frau zu hören, die Kohl beriet, ist es schon an sich. Dass Frau Höhler Wulff rückhaltlose - wenn inzwischen auch vergebliche - Offenheit angeraten hätte, während Kohl in seinem Fall öffentlich von Frau Höhler unwidersprochen die Spender verschweigen konnte, ist es nicht weniger.

Wulff dürfte nicht mehr zu retten sein.
GeroSteiner schrieb am 04.01.2012 um 00:16
In diesem Fall beweist die Kontrollinstanz deutlich mehr Stil als der Mann, der die Politik präsidial inszeniert, um für sich einen gesellschaftlichen Vorteil zu generieren. Das scheint irgendwie schiefzugehen derzeit. Zurecht. Wir erinnern uns: Der Mann ist erst im dritten Wahlgang unter etwas merkwürdigen Mehrheitsverhältnissen ins Amt gekommen, unter anderem, weil es Frau Merkel so wollte. Sein Verhalten wird ihm jetzt niemand mehr verzeihen. Das hat er gründlich verpatzt.

Übrigens - irgendein Spaßvogel hat das wütende Sprechen auf Mailboxen treffenderweise "wulffen" genannt.

Stil ist irgendwie anders.
miauxx schrieb am 04.01.2012 um 00:19
@Uwe Theel
Das "Erstaunliche" fiel mir auch auf. Vorher war mir die Frau Höhler ja noch kein Begriff. Aber wenn sie Kohl auch noch während seines Leugnens und Aussitzens beraten hat ...
Naja, die Frau versteht halt, wovon sie spricht. Auf welche Weise, zu wessen oder welchen Diensten sie ihre Kompetenz einsetzt, ist eben die andere Frage ...
Zeitleser schrieb am 04.01.2012 um 00:21
Doch er rettet sich selbst, denn niemand kann ihn nach GG stürzen. Er wäre dumm, wenn er einem Begehren nach Rücktritt nachgeben würde. Er bleibt also - was ich überhaupt nicht schlimm finde, um das auch zu sagen. Für mich ist K.D. aus dem Amt zu entfernen, das muss ein Chaot sein, wir sollten nicht denen die bisher in Busen dachten jetzt zu Heroen der Aufklärung machen wollen.
miauxx schrieb am 04.01.2012 um 00:29
@GeroSteiner

"Der Mann ist erst im dritten Wahlgang unter etwas merkwürdigen Mehrheitsverhältnissen ins Amt gekommen, unter anderem, weil es Frau Merkel so wollte. Sein Verhalten wird ihm jetzt niemand mehr verzeihen. Das hat er gründlich verpatzt."

Darauf hat Fr. Höhler im TV-interview auch hingewiesen. Ebenso las ich heute, dass Wulff sich schon im Angang seiner Wahl über BILD beschwerte, weil die eben nicht ihm die "gebührende" Unterstützung boten.
Oft denke ich, wenn's um solche Schieflagen geht, ob denn die Erinnerung der Bevölkerung wirklich noch so weit zurückreicht. Also dass, wie nun, eben ein so unangenehmes Gesamtbild von Wulff entstehen kann und die Bevölkerung alles zusammenrechnet und sagt, das ginge nun wirklich nicht mehr ...
Und ich muss zugeben, das Ins-Amt-Hieven Wulffs auf Biegen und Brechen sowie sein Bemäkeln fehlender medialer Unterstützung war mir bis heute auch schon gar nicht mehr so gegenwärtig.
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 00:32
Haltet Euch doch nicht an dem Begriff Stil auf, ich wollte nicht schon wieder damit langweilen, dass die Würde eines Menschen unantastbar ist;
nicht: sein sollte.
Man kann alles bemerken, notieren, veröffentlichen, für mich und da bin ich scheinbar die Einzige hier, kommt es auch auf das Wie an.

Und eine 'Hetz-Kampagne' als Sternstunde für den Journalismus als Kontrollinstanz zu bezeichnen, ist halt eine Aussage, die mir zeigt, dass Würde oder Stil oder Fairness keine Rolle spielen müssen,

... wir demontieren einen Bundespräsidenten ...

allerdings auch nur scheibchenweise.
Da packe man sich doch an die Pressenase.
Quote, Auflage geht über alles.
Das lässt sich noch ein paar Tage, Wochen ziehen.
miauxx schrieb am 04.01.2012 um 00:38
@Zeitleser

Mein vollstes Verständnis für die emotionale Erregung, dass ausgerechnet BILD und K.D. sich als die Opfer einer selbstherrlich-negativen Auslegung von Pressefreiheit von oberster Staatsstelle sehen dürfen.

Dennoch geht es ja nicht primär um ein Abwägen von Tittenjournalismus und den Verbleib eines mehr als angekratzten Präsidenten.
miauxx schrieb am 04.01.2012 um 00:40
@SuzieQ

Wer "demontiert einen Bundespräsidenten"?
GeroSteiner schrieb am 04.01.2012 um 00:44
@Zeitleser
Es geht doch nicht um Heroen oder Aufklärung oder um BILD. Wenn ich Herrn Dieckmann anrufe, dann habe ich seine Mobilnummer, und wenn ich wütend bin, dann quatsche ich dass nicht auf eine Mailbox, sondern sage es persönlich und höchstselbst. Das ist eine Frage des Anstands.

Die relevante Frage ist also, warum Herr Dieckmann nicht ans Telefon ging, als die Nummer des Herrn Wulff im Display erschien.

Dieser Mann, der zunehmend einem Bundespräsidentendarsteller ähnelt, leidet am Unverwundbarkeitssyndrom, wie es Frau Höhler sehr treffend bezeichnete, und agiert aus einer sehr fragilen Position in seinem Amt unverhohlen machtbetont. Diese Form der Selbstüberschätzung und der Machtausübung disqualifiziert ihn - und nicht die Begebenheiten um seinen Kleingärtnerkredit.
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 00:52
Die Medien demontieren. Höre, sehe, lese Nachrichten:
Wulff soll dies und das, hat anscheinend dann und dann, angeblich war der und der mit dem und dem,
es ist auch möglich, dass er hier und da ...usw.

Das eine Medium zitiert das andere, wenn sie in ausreichend verschiedenen Medien aufgetaucht sind, die Vermutungen, erreichen sie eine Art Wahrheitsstatus.

Und das Erwähnen der drei Wahlgänge ist so interessant wie bleibend in Erinnerung für die Bürger, als hätte der FC Bayern in der 95. Minute per Schwalbe einen Elfmeter geschunden und noch zum Siegtor verwandelt:
das interessiert nachher niemanden mehr, das Ergebnis zählt.

Und dass Herr Diekmann sein Handy zum Lesen herumreicht, ist geschmacklos (wenn er die Entschuldigung des Herrn Wulff angenommen hatte) und nur dazu geeignet im Zweifel wahrheitsgetreu (!?) sagen zu können:
Ich? Ich habe nichts veröffentlicht, wenn auch erst "nach breiter redaktioneller Debatte".
GeroSteiner schrieb am 04.01.2012 um 00:52
@SuzieQ
"Und eine 'Hetz-Kampagne' als Sternstunde für den Journalismus als Kontrollinstanz zu bezeichnen, ist halt eine Aussage, die mir zeigt, dass Würde oder Stil oder Fairness keine Rolle spielen müssen,

... wir demontieren einen Bundespräsidenten ..."


Wir demontieren nicht und die Journaillie ist eher zahm mit ihm. Das Demontieren, das tut er in seiner Eitelkeit und Selbstüberschätzung schon selbst.

Wenn wir schon beim Thema Würde sind, sehe ich einen Herrn Gauck, der damals mit Würde und Anstand noch im dritten Wahlgang verloren hat. Und das, obwohl hinter den Kulissen die Zusammensetzung der Bundesversammlung so modifiziert wurde, damit der Richtige, also der von Merkel gewünschte Präsident ins Amt kam.
GeroSteiner schrieb am 04.01.2012 um 01:02
@SuzieQ
"Und dass Herr Diekmann sein Handy zum Lesen herumreicht, ist geschmacklos (wenn er die Entschuldigung des Herrn Wulff angenommen hatte) und nur dazu geeignet im Zweifel wahrheitsgetreu (!?) sagen zu können:
Ich? Ich habe nichts veröffentlicht, wenn auch erst "nach breiter redaktioneller Debatte"."


Diese Meldung ist eine von der Sorte: "Herr Lehrer im Keller brennt Licht." Irgendeine Scheiß-BILD-Parole. Wenn es denn so wäre, wäre es untragbares Verhalten. Aber war es so? Oder doch anders?

Das hat weder was mit Fakten zu tun, noch mit dem tatsächlichen Problem, nämlich der Authentizität und Rechtschaffenheit desjenigen, der das Amt des Bundespräsidenten innehat. Dieses Bild ist irreparabel beschädigt und zwar durch den Amtsträger selber.
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 01:04
Selbst wenn alles wahr ist, was behauptet wird, kann man doch nicht auf jemanden mit dem Finger zeigen und Würde! Anstand! Nieder mit der Vorteilsnahme! rufen,
wenn der Presse, im speziellen der BILD, Würde, Anstand und keine Vorteilsnahme ( in Form von Ausnutzen einer/oder mehrerer 'Dummheit/en) genau dann abhanden kommt, wenn es um das höchste Staatsamt geht.
Wulff hat keine Kinder gef***, sorry, er hat sich Vorteile verschafft, war eitel und vermessen. Von mir aus auch machtbesessen und dazu schlecht beraten oder beratungsresistent.

Das kann man auch ohne Häme öffentlich machen. Ich vermisse Verhältnismässigkeit.

Was hat er getan und wie wird damit umgegangen?
miauxx schrieb am 04.01.2012 um 01:09
Welche "Häme"? Wulff wird geradeso behandelt wie ein Kinderschänder?
Wovon redest Du eigentlich?
DandelionWine schrieb am 04.01.2012 um 01:09
@GeroSteiner schrieb am 04.01.2012 um 00:44

Jemand hat jemanden angerufen und angekündigt, dass er in einer bestimmten Angelegenheit die Staatsanwaltschaft anschalten will, weil er seine Persönlichkeitsrechte als verletzt betrachtet. Inwiefern widerspricht es den Grundlagen eines Rechtsstaates und warum ist es Selbstüberschätzung und Machtausübung?
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 01:12
@ Zeitleser am 04.01.2012 um 00:21

Lieber Zeitleser,

die Verrenkungen Ihrer Argumentation sind nicht ohne:

Ich versuche zu entwirren:

1) Nicht Wulff rettet sich, sondern das GG in seiner weisen Blindheit, die auf die Politikfähigkeit des Souveräns, also des Volkes setzt, beschützt ihn.

2) Ihre Forderung nach "Amtsenthebung" von K.D. zeugt auch nicht von tiefer Einsicht in unser Rechts- und Gesellschaftssystem:

K.D. ist Angestellter des Springerverlages und nur auf Grundlage von Verfehlungen gegenüber seinem Arbeisvertrag juristisch kündbar durch den Arbeitgeber.

Da haben Außenstehende kein Recht, etwas "zu fordern".

Im Falle des Bundespräsidenten hat der Souverän allerdings auf Grundlage des GG ein politisches Forderungsrecht bis hin zu dem des Widerstandes, das Sie offensichtlich entweder nicht sehen, oder aus bisher nicht geäußerten Gründen nicht sehen wollen.

P.S.: K.D. wurde hier von niemandem, der politisch denken kann und journalitisches Ethos kennt, zum Helden gekürt.
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 01:21
@ DandelionWine am 04.01.2012 um 01:09

Ja, liebeb DandelionWine, dann wünsche ich Dir viel Glück, wenn Du dann einmal beim Chfredakteur Deiner Dorfzeitung antufen wolltest, weil Du nicht möchtest Dass in Deinem Dorf allen bekannt wird, dass Du auf der nächtlichen Heimfahrt "mißgeschicklich" den Außenspiegel eines anderen Autos mitgenommen hast, weitergefahren bist, aber vom Lokalreporter doch zufällig dabei gesehen worden bist.
GEBE schrieb am 04.01.2012 um 01:23
@ Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 01:12:

Werter Herr Theel,
das ist ja mal ein Kommentar aus Ihrer Tatstatur wie aus einem Guß, - methodisch gut aufgebaut!

:-)
Zeitleser schrieb am 04.01.2012 um 01:33
Halb geben Sie mir doch Recht. Die Stellung des Amtes schützt ihn, somit wird er sich nach Lage der Dinge nicht verdrängen lassen, er rettet sich also selbst - was behauptet wurde.

Mit K.D. das war eine Prognose, keine Forderung. Über seine Zukunft entscheidet nicht seine Stellung oder sein Vertrag sondern der Kapitaleigner, mal sehn, vielleicht grüßt er - der uns allen bisher unbekannt war - demnächst als Professor für medienpolitik aus Boston.

Niemand verehrt ihn als Helden, sicher 100 % für Sie.
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 01:37
@ SuzieQ schrieb 04.01.2012 um 01:04

Ich hatte ja schon mal vermutet, der Nick SuziQ sei ein antilinkes U-Boot, jetzt ahne ich, dass es unter Merkel-Flagge segelt.

Ernsthaft: Sie fragen

"Was hat er getan und wie wird damit umgegangen?"

Antwort: Wulff hat mutmaßlich gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen, er hat im Amt des Bundespräsidenten mutmaßlich widerrechtlich Dienstliches mit Privatem vermischt und er hat als Bundespräsident versucht zur Rettung seines Amtes die "Vierte Gewalt" im Staate (die freie Presse) unter Druck zu setzen.

Darüber machen sich jetzt alle politisch denkenden Bürger mit recht - auch in solchen Blogs wie hier - Gedanken und die Presse berichtet ganz bürgerlich im Ton darüber. Wenn ich nichts übersehen habe, wurde Wulff auf Seite 2 von BILD bisher nocht nicht dieser Seite entsprechend abgebildet.

Wenn alles gut geht, werden Gerichte oder vergleichbare Parlamentsausschüsse die Vorwürfe überprüfen und urteilen und Herr Bundespräsident Wulff möglicherweise die politische Reife haben auf sein Amt zu verzichten; Reihenfolge des letzt genannten Vorgangs ist auch umkehrbar und damit das Prozedere abkürzbar.

Kleine Frage am Rande: Glauben Sie wirklich: Mit der "ordentlichen" Zurückzahlung des Kredits könnte alles erledigt werden?
DandelionWine schrieb am 04.01.2012 um 01:44
@Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 01:21

Uwe, darum geht es doch gar nicht. Klar, hat Wulff in dieser Kreditsache falsch gehandelt usw., usf. Aber muss man ihm jetzt alles anbinden, sogar das, was gar nicht stimmt? Was soll diesen Quatsch mit der Druckausübung auf die Pressefreiheit? Druckausübung wäre, wenn er z.B. gesagt hätte: Ich werde die Bundeskanzlerin bitten, dass sie dafür sorgt, dass du Deinen Posten verlierst. Oder: Ich werde dafür sorgen, dass Dein Kind kein Studiumplatz bekommt. Et cetera. Das wäre Druckausübung. Aber wenn einer sich an die Staatsanwaltschaft wenden will, weil er meint, ungerecht behandelt zu werden (ob das mit ungerechter Behandlung stimmt oder nicht, spielt jetzt keine Rolle, denn gerade dafür wäre die Staatsanwaltschaft zuständig, dies herauszufinden), dann nimmt er seine demokratische Rechte in Anspruch, die jedem Bürger zur Verfügung stehen.
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 01:51
@ Zeitleser am 04.01.2012 um 01:33

Es tut mir leid, aber ich widersprach, widerspreche Ihnen auf ganzer Linie. Betrachten Sie Ihre beiden Sätze

1) "Die Stellung des Amtes schützt ihn ..."

2) "... er (= C.W.; Einfg. ut) rettet sich also selbst

Jetzt vergleichen Sie bitte Subjekte und Objekte in beiden Sätzen, und sie müssten zugeben können, dass für Ihre ursprüngliche Annahme dann eine seltsame Identität zwischen Subjekt des ersten und zweiten Satzes angenommen werden müsste, die weder semantisch noch demokratietheoretisch zu rechtfertigen wäre.

Was Ihre Spekulation hinsichtlich K.D.s betrifft, so verstricken Sie sich weiter in Widersprüchlichkeiten: Sie unterstellen nämlich nun dem Kapitaleigner eine Willkürmacht hinsichtlich Kündigungen, die unser Rechtssystem eigentlich verhindern will.

Sie sehen die Sache wirklich schlimm: Erst versucht der BP die Presse aus dem Verhältnis der demokratischen checks and balances zu hebeln und nun soll dieselbe Presse in der lage sein die Judikative lahmzulegen?

Wen wollen Sie hier alles links überholen? :-)
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 02:06
@ Uwe Theel

"Ich hatte ja schon mal vermutet, der Nick SuziQ sei ein antilinkes U-Boot, jetzt ahne ich, dass es unter Merkel-Flagge segelt."

War das mal wieder witzig gemeint?
Unser Humor trennt uns ...

" ... und die Presse berichtet ganz bürgerlich im Ton darüber."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung“: "Es passte nur zu einem Staatsoberhaupt, das von allen guten Geistern verlassen worden ist.“

"Süddeutsche Zeitung“: "Doch die Mischung aus Naivität und Dreistigkeit, mit der Wulff agiert hat, bestürzt."

"Handelsblatt": "Christian Wulff hat, ohne – soweit wir das überhaupt einschätzen können – formal das Gesetz zu brechen, in verschiedenen Zusammenhängen belegt, dass er mit der Aura des öffentlichen Amtsträgers ausgestattet so sehr auf seinen Vorteil als Privatmann bedacht ist, dass ihm Kommentatoren längst das Schild 'Schnorrer' um den Hals hängen.“

"Berliner Morgenpost“: „Wulffs eigentliches Problem: Gefangen zwischen einer unberechenbaren Vergangenheit und den aktuellen Eseleien, büßt er immer mehr an Handlungsfähigkeit ein. Ein Politiker, ein Bundespräsident zumal, der bei jedem Wort, jedem Lächeln, bei jeder Unterschrift den Eindruck zerstreuen muss, es handele sich um Gefälligkeit, der ist kein autonom handelndes Staatsoberhaupt, sondern ein Getriebener, der sich von jeder Recherche offenbar aus der Fassung bringen lässt."

„Westdeutsche Allgemeine Zeitung“: „Es ist eine gute Tradition in Deutschland, das oberste Staatsamt und dessen Amtsinhaber mit Respekt zu behandeln. Im Fall Christian Wulffs muss man allerdings einen Unterschied machen zwischen Amt und Amtsinhaber. Inzwischen muss man sogar fragen, ob nicht der Amtsinhaber das ihm anvertraute Amt beschädigt. Dann wäre das Amt vor dessen Inhaber zu schützen."

Quelle: BILD, Presseschau

Ich weiß so gut oder nicht gut wie Sie, was ihm vorgeworfen wird. Ich bestreite auch nicht, dass er die Konsequenzen aus seinem Verhalten und Verständnis seiner Ämter ziehen muss.

Ich empfinde, und so begann ich in diesem Beitrag zu kommentieren, die Art und Weise, wie er gehändelt wird, als unangemessen.
Auch, weil so vieles unbestätigt ist, bisher.

"Wenn ich nichts übersehen habe, wurde Wulff auf Seite 2 von BILD bisher nocht nicht dieser Seite entsprechend abgebildet."
???

"Kleine Frage am Rande: Glauben Sie wirklich: Mit der "ordentlichen" Zurückzahlung des Kredits könnte alles erledigt werden?"
Nein, natürlich nicht. Hab ich nicht behauptet.

Er sollte angesichts seiner 'Verfehlungen' zurücktreten und von mir aus freiwillig auf seinen Ehrensold verzichten.

Mich stört die Vehemenz jedes einzelnen Nicht-Sünders, der sich beflissen sieht, mit dem Finger auf ihn zu zeigen.
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 02:07
@Uwe Theel

Lieber Uwe,

ich widerspreche ungern, aber zwei Hinweise:

Sie unterstellen nämlich nun dem Kapitaleigner eine Willkürmacht hinsichtlich Kündigungen, die unser Rechtssystem eigentlich verhindern will.

Einen Geschäftsführer oder einen Chefredakteur können Kapitaleigner in unserem Rechtssystem leichter abberufen und ersetzen als jede fest angestellte Putzkraft. Denk an das Aus für Aust.

Die Frage ist nur, ob das Sinn macht. Die Kapitaleigner von Springer wären die letzten, die ein Interesse daran haben könnten, K.D. loszuwerden. Da müsste sich erst mal die Lage grundlegend ändern. Ein schwerer Faux-pas, der BILD den Rest der sowieso geringen Glaubwürdigkeit kostet, das wäre die Voraussetzung. Wenn das ganze - wie Zeitleser mit dem Shakespeare-Vergleich oben mal spaßeshalber vermutet - eine Leimfalle auch für K.D. war, werden solche Konsequenzen denkbar. Aber wahrscheinlich ist das eher Wunschdenken.

LG Christian
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 02:09
@ DandelionWine am 04.01.2012 um 01:44

Im "normalen" Leben würde ich es schon als Druck empfinden, wenn mir jemand "Hochstehendes" sagte, entweder, du tust, was ich sage, oder du bekommst Ärger.

In diesem Fall hat dies das Staatsoberhaupt gegenüber einem Presseorgan getan.

Außerdem sollte es einen wundern, warum Wulff dann nicht einfach tut, was er angedroht hat, da doch alles so klar sei, wie Sie, DandeleonWine, es annehmen.

Wulf könnte nur auf ganzer Linie gewinnen. Seltsam, dass er das nicht bemerkt.
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 02:15
@SuzieQ

Mich stört die Vehemenz jedes einzelnen Nicht-Sünders, der sich beflissen sieht, mit dem Finger auf ihn zu zeigen.

Danke für diesen durchaus berechtigten Hinweis, der mir aber irgendwie bekannt vorkommt. Kam der von zu Guttenberg?

;)
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 02:20
@ ChristianBerlin am 04.01.2012 um 02:07

Sei gegrüßt lieber Christian - the night shift at work

ad Kündigungsmöglichkeit im AT-Bereich:

Defacto hast Du mit deinem Hinweis natürlich recht, die Rechtslage ist allerdings grundsätzzlich dieselbe, wie im Tarifbereich:

Da im BGB Vertragsfreiheit garantiert ist, kann natürlich, solange nicht sittenwidrig, zwischen Arbeitgeber (Springer-Verlag) und Arbeitnehmer (K.D.) jede Art von Kündigungsklausel ausgemacht werden, denen beide zustimmen. Rechte auf die K.D. freiwillig verzichtet hat, könnte er im Eventualfall natürlich auch nicht geltend machen, sie könnten Ihn dann auch nicht schützen. - Außerdem: Sie bekommen immer einen "goldenen Handschlag" der in solchen Fällen statt mangelnden Kündigungsschutz vor Sittenwidrikeitsgefahr schützt.

ad Motivationslage im Hause Springer: was Du da sagst, dem brauche ich nicht zu widersprechen. Selbst wenn es falsch wäre, würde ich Dir als alter Verschwörungstheoretiker zustimmen ;-)

lg
Uwe
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 02:25
@ Christian 02:15

Verstehe ich nicht.
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 02:28
@ SuzieQ am 04.01.2012 um 02:06

Vor allem: "Wir sind alle kleine Sünderlein",

müßten dann alle zu allem immer schweigen.

Zu den Presseauschnitten: Vielleicht haben Sie und ich einen verschiedenen Begriff von Bürgerlichkeit. Ich kann die Texte im Sinne von bürgerlicher Sittlichkeit und auch politisch im Rahmen unserer Rechtsordnung nicht als aus diesem Rahmen fallend sehen.

Sollte hier aber bei Ihnen ein bürgerliches Bewußtsein am Werk sein, dass irgendwie noch einen Straftatbestand der Art "Majestätsbeleidigung" kennte, dann machte Ihre Beurteilung Sinn.

Dürfte ich dann darauf hinweisen, dass wir in einem bürgerlichen Rechtstaat demokratischer Form leben und nicht im vorbürgerlichen Reich eines unberührbaren, absolutistischen Monarchen, den noch nicht einmal die Aufklärung, noch auch nur gutes Marketing erreicht hat?
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 02:41
@SuzieQ

SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 02:25
@ Christian 02:15

Verstehe ich nicht.


**** seufz ****

(Es gibt Spitzen, die man nicht erklären kann, ohne dass sie zerredet werden)
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 02:42
@Uwe Theel

Danke

;)
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 02:50
@ Uwe Theel am 04.01.2012 um 02:20

Korrektur:

Der letze Satz im vorletzten Absatz muß lauten:

Sie (die leitenden Angestellten) bekommen immer einen "goldenen Handschlag" der in solchen Fällen mangelnden Kündigungsschutzes den Vertrag vor Sittenwidrikeitsgefahr schützt.
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 02:51
@ Uwe Theel 02:28

Nein, wir müßten NICHT dann alle zu allem immer schweigen.

Wir können uns mässigen, (krieg ich hier öfter gepredigt),
wie mach ich mich nur verständlich?

In Anbetracht der Tatsache, dass der deutsche Bundespräsident nicht seines Amtes zu entheben ist, sollte er nicht strafrechtlich auffällig geworden sein, kann er Präsident bleiben bis 2015. Und sogar für weitere 5 Jahre wiedergewählt werden.
D.h., sollte er, wovon wir, Sie und ich und ganz viele Andere nicht ausgehen möchten, auf einen Rücktritt verzichten, vertritt er weitere 31/2 Jahre dieses Land.
Um evtl geläutert aufzutreten? Reuiger Büßer?

Wie gesagt, es ist ein Possenspiel.
Und die Aussicht auf Herrn Seehofer als Zwischenpräsident bis zum neuen Amtsinhaber ist ja auch nicht grad rosig ...

Und die Moral von der Geschicht'?

Betrachte das Ganze und vertüddel dich nicht.

Das mag ja vielleicht blöd rüberkommen:
Wulff ist Mensch, (deutscher) Staatsbürger, verheiratet, 2 plus ein Kinder, Staatsoberhaupt mit fatalen Ansichten die eigene Person und die Presse betreffend.
Ist er wahrscheinlich nicht der einzige auf der Welt.
ChristianBerlin schrieb am 04.01.2012 um 03:05
@SuzieQ

Ist er wahrscheinlich nicht der einzige auf der Welt.

Du sagst es. Das macht es aber nicht besser.
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 01:27
"Herr Lehrer im Keller brennt Licht."

Wenn ein Anruf in einer mailbox landet, kann ich natürlich auch den Lautsprecher einschalten, wenn ich es mir anhöre, ich brauche es nicht herumreichen, korrekt.
Die Entscheidung zur nicht Veröffentlichung nach breiter redaktioneller Debatte steht bei BILD unter : In eigener Sache Der Wulff-Anruf beim BILD-Chefredakteur, Fakt.

Häme in Form von Bloßstellen, siehe die Presseschau bei BILD-online.

Nein, Wulff wird nicht behandelt wie ein Kinderschänder. ???
Ich wollte einen krassen Vergleich bieten, bei dem ich die Aufregung nachvollziehen könnte.
Er hat Fehler gemacht, die zeigen, dass er für das Amt des Staatsoberhauptes ungeeignet ist.

Das wird er wissen, aber muss man einem Bundespräsidenten die gemachte Dummheit so ans Bein binden? Muss man sich lustig machen?
GEBE schrieb am 04.01.2012 um 01:30
@ SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 01:27:

Verehrte gnädige Frau,
Sie sollten sich nicht so erregen, es windet da draußen doch nicht Ihretwegen.
SuzieQ schrieb am 04.01.2012 um 01:41
Ach, GEBE,

es ist doch ein Possenspiel,
soll ich mit Wattebäuschchen werfen?
Uwe Theel schrieb am 04.01.2012 um 02:46
@ SuzieQ am 04.01.2012 um 01:41

Ach, SuzieQ,

wenn es denn ein Possenspiel wäre, dann dürften, könnten, ja sollten Sie mit Wattebäuschchen nur werfen brauchen.

Leider aber ist der Fall Wulff ein Fall ernster Politikbeschädigung und die ist mit Kosmetikwerkzeug nicht zu reparieren.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.01.2012 um 12:24
@ Theel

Ach, UweT. ....wir sind dann gleich mal d'accord im neuen Jahr - Wulf ist ja auch nicht Marx!
apatit schrieb am 05.01.2012 um 09:49
… die Frage ist doch auch die, warum hat Friede Springer ihre Meute von der Kette gelassen? Ja ich weiß, Wulff hat angerufen …!
ChristianBerlin
Evangelischer Theologe (Pastor) und Freier Journalist. Lebt in Berlin. Mitglied im Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) und im Pfarrverein der EKBO. Singt im Straßenchor.
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