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Einem Doxosophen bei der Arbeit zusehen
Warum es mit der Kritik des Neoliberalismus und Marktfetischismus nicht allzu weit kommen konnte. Das Paradigma Norbert Bolz & Otto-ECE, ein Amalgam aus Kommerz und eingebildeter Geistesgröße.
Prolegomenon (Das als Basis voraus Gesagte)
Es ist derzeit der genau passende Moment, sich ein wenig der Urmutter aller kritischen intellektuellen Gegenfeuer zu erinnern, um mit diesem Rüstzeug zur geistigen Situation der Zeit des lang verblichenen Jahres 1998, nun Sachverhalte von heute zu erklären, als seien die Texte von damals exakt auf die gegenwärtige Lage hin geschrieben worden. Leider wächst an dieser Lese- und Lebenserfahrung auch die Erkenntnis, wie wenig sich seither zum Guten verändert hat, und im Gegenteil, die Verhältnisse weiter auf einen großen Knall hinlaufen, als zöge ein gigantisches schwarzes Loch aus Ideenlosigkeit und das Gerede vom „Weiter-so“ magnetisch an. - Derzeit warten ganz viele Menschen, eher bange als widerständig, auf den Eintritt der ökonomischen Implosion. Aber immer noch, wird mit den klassischen rhetorischen Mitteln und den ganz altbackenen Instrumenten ein wenig Zeit geschindet.
Pierre Bourdieu schrieb vor einem guten Jahrzehnt „Contre-feux“. Streng genommen war dieses Werkchen eine Sammlung von Artikeln, Essays und Reden des französischen Soziologen zur großen europäischen Streikwelle der Jahre 1995 und 1996. Bourdieu glaubte damals noch an die Macht der Gewerkschaften und die der neuen Solidarbewegungen, z.B. der Arbeitslosen, die sich plötzlich auf die Straße trauten und gegen das alltägliche Streichkonzert der sozialen Errungenschaften protestierten. Jedoch, er hatte die Fähigkeiten der neu organisierten Kräfte, im Kampf gegen die Macht und die öffentliche Rhetorik des Kapitals, das sich sehr schnell seine wichtigsten Verbündeten, die Medialisten und die Intellektuellen kaufte, überschätzt. Heute treten die Spitzen des Mediengewerbes selbst als veritable Manager und Unternehmer auf und betreiben das Geschäft mit der Öffentlichkeit auf dieser alten Grundlage.
Ebenso hellsichtig kritisierte er vor elf Jahren die Haltung der meisten Intellektuellen in den westlichen Industriestaaten als ein kritikloses Mitmachen und Anpassen um jeden Einkaufs- und Quotenpreis. Er zog daraus, im Rückblick wirkt es fast naiv, trotzdem den Schluss, es gäbe zumindest die Chance auf ein Bündnis der Wissenden mit den Prekären und der zahlreichen Prekären unter den Wissenden, mit der deklassierten Schicht des arbeitenden Mittelstands, die seit Jahrzehnten von der Verteilung und Generierung der neuen Profite nicht mehr ab bekam, als das Versprechen, in der Krise nicht gleich zu Prekariat zu werden, sondern eine Schonfrist eingeräumt zu erhalten, bis das Ersparte aufgebraucht ist. Dazu gab es den lieben Spruch „die Rente ist sicher“. - Heute darf man fragen, die Rente und Rendite von was und von wem?
Bourdieu hoffte, es könne viele „kollektive Intellektuelle“ geben. - Auch in diesem Optimismus irrte der französische Soziologe. Die meisten Geister mit Einfluss dienten sich schnurstracks der Macht an. Deren reale Gründe und Motivationen hatte er ein paar Seiten vorher, gerade einmal einen Essay zuvor, noch luzide beschrieben.
Elf Jahre nach „Contre-feux“ hat sich die Lage zugespitzt. Die ungleichen Verteilungen wuchsen weiter an. Der neoliberale Fetischismus bedroht mittlerweile nicht nur die Sozialität und Solidarität der westlichen Gesellschaften, sondern leitet deren Verfall in Splitter und Individuen ein, die sich dem Zugriff und der Klammer der Märkte, so atomisiert und gegeneinander ausgespielt, nicht mehr entziehen können. Gleichzeitig arbeitet dieses hungrige Prinzip unerbittlich auf das Ende der natürlichen Ressourcen hin, mögen auch politische, mediale und industrielle Sandmännchen, voran eine Kanzlerin ohne Programm und ohne weitere Überzeugung, als die eines gesunden Selbstvertrauens, überall Zeichen der Hoffnung erkennen wollen.
Wie arbeiten die Doxografen des Neoliberalismus?
Ein Beispiel aus dem Umfeld der Stadtplanung und des Konsums
„OTTO, find´ ich gut!“
Jeder kennt Otto und jeder kennt ECE-Center. Otto und ECE finden viele gut! Die Firma Otto-ECE ist Deutschlands Marktführer beim Bau und Betrieb großer innerstädtischer Einkaufszentren. Wobei man blässliche Worte, wie Ladenzeile und Verkaufsebene, in den Anpreisungen aus Firmenhand tunlichst meidet.
Die Aussicht auf eine solche, globale Indoor- Markenwelt, diese Innenstadt in der Innenstadt, verzückt derzeit die Stadträte fast jeder deutschen Großstadt, von Flensburg bis Freiburg, von Aachen bis Dresden. Die Parteizugehörigkeit und die einst hehre Programmatik zum Städtebau spielen dabei keine große Rolle mehr.
Klopft Otto-ECE an und verspricht, für 200-250 Millionen Euro zu bauen, rinnt der Speichel aus den Lefzen der Wirtschaftsförderer, Dezernenten und Bürgermeister. - Das sind doch Angebote, die, wie eine Loveparade, niemals abgelehnt werden können!
Auch bei ihnen im Ort solle doch, bitteschön, direkt neben dem Dom, entlang der wichtigsten Plätze und Straßen der Stadt, gar mitten in ihrem Herzen, eine jener Traum- und Wunderwelten des Konsums landen, in der 60, 80, ja 120 und mehr Läden der größten überregionalen und internationalen Marken, sowie ein paar einheimische Franchise-Geschäfte des stärkeren lokalen Einzelhandels, samt „Food-court“, -das ist die Freßgass für alle, nur rund und eckig, und unter Palmwedeln-, ihren zukünftigen Platz finden. Damit diese lang öffnenden Center Wirklichkeit werden, arbeiten die wenigen Anbieter solcher Gesamtkonzepte mit allen Tricks und auf allen öffentlichen und nicht-öffentlichen Ebenen.
Zuerst bietet man einfallslose Vorplanungen an, die ganz offensichtlich nicht passen. Dann geht man auf ein paar Änderungsvorschläge, auch jenen der grüneren Art, ein, und am Ende jubelt sogar der grünste der Grünen Oberampel-Bürgermeister in einer altehrwürdigen Domstadt am Rhein, ob solch´ gelungener Premium-Einkaufskultur.
Ganz wichtig ist noch, den Verleger und Herausgeber der Ortszeitung und sein lokales Chefpersonal in den sicheren Griff zu bekommen. Danach aber, stehen die Rathaustüren weit auf und die Entscheidungen fallen, wenn auch mit Bauchschmerzen, wie hinterher immer ein paar Räte bitter bekennen.
So wie in Mainz, so geht es überall. Nur die aufgeklebten Architekturembleme unterscheiden sich, aus Herzens- und Traditionsgründen. Für ein wenig Heimatgewissen und Lokalkolorit in all´ dem schlechten Gewissen, gibt es in Braunschweig eine Schlossfassade und in Mainz vielleicht ein wenig Domblick, ne´ stilisierte Druckerpresse und ein bischöfliches Speichenrad als Wappen auf der Fassade, also ein wenig Kunst am und vor dem Bau.
Sprachliche Einsegnung und geistige Adelung des schlichten Tuns
Von Zeit zu Zeit entschließt sich der Immobilien- und Stadtentwickler-Konzern zu einer umfassenden Selbstdarstellung und sucht dafür geeignete Fürsprecher. Die willigen Erklärer der Konsumphilosophie versammeln sich und beweihräuchern die Aktivitäten der Firma als städtebauliche Glanzleistungen, als Designmeilensteine, gar als Spitzenleistung der urbanen Kulturentwicklung. Für sie sind die Center direkte Fortsetzungen des Urlaubs mit anderen Mitteln. So schreiben sie es, ganz ohne Scham, auch auf. Hochtrabende Namen schmücken die Centerfassaden und Kaufebenen. Aus dem Saale-Center wird so „Nova eventis“, hoffentlich nicht Nova atlantis vor dem Vulkanausbruch. Neuerdings gelten Passagen und Ladenstraßen sogar wieder als „Kathedralen des Konsums“. Der Konsum selbst, er gilt als höchste Kulturpraxis des europäischen Bürgers!
Die realen Angebote auf diesen Märkten der sprachlichen Eitelkeit sind aber zu 98% deckungsgleich, von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort, und, entgegen der Behauptung der Erbauer, überall auch gleich anzuschauen, damit die Markenidentitäten erhalten bleiben und sich die Bürger-Konsumenten ohne Nachdenken überall im deutschen und europäischen überdachten Kaufland zurecht finden. Darüber täuschen die vorgeblendenden Fassaden und die Möblierungen der Wege, samt ihrer schon eingeplanten Umwege, nur noch mühsam hinweg.
Da aber die Bürger selbst schon die funktionale Reduktion und Trennung der Stadt vorweg nehmen, diese Einrichtungen mit ihrem persönlichen Wohnumfeld gar nicht in Beziehung setzen, mit der Stadt nichts mehr allzu viel anfangen können, bleiben halbe und ganzen Stadtteile, meist sind sie von der Größe einer historischen Altstadt, wie riesige Klötze im Stadtbild liegen und die durch überglaste Gänge verbundenen Megastores erfreuen sich, samt Parkhausring, größter Beliebtheit.
Täuschung ist, dass in diesen Zentren billiger einzukaufen wäre. Täuschend auch die Behauptung, dort erwerbe man spezielle, individuelle und ganz besondere Produkte, die ein paar Meter weiter nicht zu finden seien. Diesen Eindruck wünscht sich und erzeugt, das Marketing! In Wahrheit dient das Center der Abschöpfung der Massenkaufkraft mit Hilfe von billig hergestellten Allerweltsartikeln.
Der Doxosoph, das Goldblatt auf der Einheitssuppe
Wenn Frank, der Pre-Bell-Reiter in die Stadt will, ist immer noch Furt dazwischen
Ein Konzern wie Otto-ECE braucht aber eine Selbstermächtigung und eine vorzeigbare Philosophie. Wie will man dem vom Prinzip her prinzipienlosen Tun eine höhere Idee anheften? - Dazu braucht es Personen die sich intellektuell geben, in Wahrheit aber, schlicht die Funktion schlechter Autoverkäufer und Versicherungsvertreter imitieren.
Pierre Bourdieu nannte diesen neuen Intellektuellentypus, in Anlehnung an Platon, den „Doxosophen“. - Ein Doxosoph ist ein Meinungstechnologe, der Sachverhalte, wie z.B. das urbane Bauen, in einer Sprache erklärt, die von Politikern, den Geschäftsleuten an den großen Rädern und den dafür spezialisierten Journalisten, die selbst gerne Fantasierost und Einschweißwurst adeln, benutzt werden können. Doxosophen legen die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden aus, entlang der allfälligen TEDs, Charts und Meinungsbefragungen, die sie tatsächlich schon für empirische Sozialforschung halten, und sie betreiben die Politologie der Wahlabende und Stimmungen. - Wir wollen nun einem solchen Typus bei der Arbeit zusehen.
Für die epochalen Werke der Jahre 2004- 2008 hatte sich Otto-ECE eine kleine Selbstfeier und Selbstvergewisserung ausgedacht. In einem schönen Glanzband, erschienen im Societäts-Verlag Frankfurt, reihen sich die Projekte. Neben den ausführenden und gestaltenden Ingenieuren und Architekten (m/w), lud man aus Berlin Norbert Bolz ein, der sich zwar Medienwissenschaftler nennt, aber viel lieber medial zu großen Sinnstiftungen mit Worten antritt. Norbert Bolz ist einer jener Medialisten, die für die so symbolträchtigen sprachlichen Goldränder und Ziselierungen in den Texten der Verkaufsprospekte sorgen. Er soll nun mit seinem epochalen Aufsatz: „Kommerz und Größe im Städtebau“, aus der besagten Festschrift ECE-Ottos, ausführlicher zu Wort kommen.
Für ihn sind die ECE-Center im ganzen Euroland „naturwüchsig“. Sie entsprechen den Wünschen der Menschen, und ihre Befürworter und Macher, in der großen Mehrheit mitschwimmend, müssen sich der „antimonumentalen Affekte“ weniger Kritiker erwehren, die diese Naturwüchsigkeit und Größe nicht anerkennen und bestätigen wollen.
Das Centro-O in Oberhausen ist ihm gleich wie das Centre Pompidou in Paris. Solche Worte schmeicheln den Auftraggebern, den beteiligten Architekten und sie tätscheln tüchtig die wunden Seelen der Lokal- und Kommunalpolitiker, die sich so roh und ökonomisch vorkommen und doch gerne einem höheren urbanen Sinn dienen möchten. Dabei hilft die Rede vom Bilbao-Effekt und von der Identitätsstiftung durch ein Einkaufszentrum, durch den Konsum an sich. So lassen sie sich die Mühen der Stadtentwicklung leichter abgeben und weg delegieren. Der Projektentwickler, das wird auch in der Lokalpresse betont, muss sich eine gute Geschichte einfallen lassen. Das schafft er in der Regel. Gegenbeispiele sind sehr, sehr rar.
Die anti-monumentale Abwehr sei eine typisch deutsche Angelegenheit, nichts weiter, als eine nachträgliche Abwehr des Speerschen faschistischen Größenwahns, und dennoch gilt für Norbert Bolz, „...es hilft nichts: Unsere Architekten müssen anerkennen, dass Größe imponiert, dass es eine Lust am Erhabenen gibt und dass, um den Psychologen Nietzsche zu zitieren, das Monumentale >>zu allen Zeiten Effekt machen<< wird.“
Was Bolz vorsorglich nicht hin schreibt, das ist die Verachtung, die Nietzsche für das hohle Pathos der Monumentalität seiner Zeit empfand. Dumpfe Einfalt und schiere Größe waren diesem Philosophen verhasst bis ins Mark. - Den modernen Philosophen des gerührten und geschüttelten Nichts drängt es allerdings in die funktionalisierte und weiterhin funktionsgetrennte Innenstadt. Er will ganz nahe bei den Otto-ECE-Centers wohnen, dort gar „behaust“ sein. - Welch´ existenziale Begrifflichkeit wallt da durch die Texthalle!
Bolz verspürt bei solchen Betrachtungen eine baudelairesche Stimmung des Urbanen. „Schon Baudelaire hatte erkannt, dass die Großstadt selbst einen religiösen Rausch erzeugen kann. Wer wirklich leben will, drängt zur Innenstadt, dem Punkt der äußersten Verdichtung und Steigerung des Urbanen.“ - Was soll man dazu sagen? Ein Medientheoretiker wünscht sich seinen Einzug in die Ladenpassage und berät uns ebenso.
Offensichtlich hat er sie mit den engen Passagen und Winkeln der Läden und Handwerkergeschäfte der Blockrandbebauung des flaniersüchtigen Pariser 19.Jahrhunderts verwechselt. - Nein! Ich glaube, er verquickt hier das Inkommensurable ganz bewusst. Er persönlich zieht dort sicherlich nicht hin. Den Lesern und späteren Kunden jedoch, soll eine Anmutung des Einkaufszentrums, das keinesfalls so banal angesprochen werden darf, als Individualprodukt des Handwerks und der Manufaktur, gar als Ausgeburt und Krönung der Künste, der Kultur und des Geistes verkauft werden. - Darauf zur Entspannung, erst einmal einen Cappuccino latte.
Dass die Einkaufcenter mitnichten eine Verdichtung des Urbanen, vielmehr eine letzte, dazu noch überproportionale und hypertrophe Funktionstrennung in der Stadt bedeuten, -In der 1-A-Konsumzone einer Stadt wohnen nur ein paar wenige Bürger und vor allem solche die nie vor die Türe gehen oder aber nie dort zu Hause sind.-, das wird einer wie Bolz weder verstehen noch wahr haben wollen. Er leidet allerdings sichtlich an einer Sprachverdichtung, Verzeihung, Verstopfung.
So geht es also munter weiter: Der moderne Mensch, so der Medientheoretiker, habe nur Urbanität, wenn er sich von der Stadt fressen lasse, und die Skyline Frankfurts schildert er uns als „erhaben“, wenigstens vom anderen Ufer aus. Zwischen den Hochhausschluchten, die in Frankfurt und anderswo, auch nur staubig öde Fahrgassen sind, spaziert er sicher selten, und er begleitet auch nicht das vielbeinige Fußvolk der Bank-Tower, aus dem U-Bahn-Schacht nach oben, zur Pause auf die Freßgass und am Abend nach Hause ins immer gleiche Suburbia.
Fast möchte man meinen, Bolz spottet, wenn er schreibt: „Doch ist es heute nicht ein großartiges Gefühl, wenn man zum Beispiel am neuen Berliner Hauptbahnhof ankommt, zu Fuß die Spree überquert und dann an Kanzleramt und Reichstag vorbei zum Brandenburger Tor spaziert?“ Dieser Doxosoph meint es aber ernst.
So, wie einst der liebe Schopenhauer, ernst und hagestolz, seinen Pudel entlang der Frankfurter Maindämme, immer an der Weltgeschichte vorbei, zum Geschäft spazieren führte.
„Es geht um Machtarchitektur, um Repräsentationsbauten, kurz: um Architektur jenseits des Menschenmaßes. Monumentalität heißt nämlich vor allem Größe, und dem Effekt der Größe kann sich niemand entziehen.“ - Wie soll man solch´ affirmatives Denken und Schreiben, angesichts der Hüllen für den nächsten Saturn oder Mediamarkt, die unendlich gleichen Kettenläden von Douglas bis Esprit, von Milano bis Swarovski und Apple, nennen? Dröhnend leer ist das ganze Geraspel und doch höchst wirksam in all´ den Kreisen, die auch den Tartüffe-Reden eines zu Guttenberg andächtig lauschten und dazu laut applaudierten.
Nun folgt die Apotheose. „...die Einkaufszentren der Gegenwart verwandeln sich in Schauplätze einer Wiederverzauberung der Welt, nach der wir uns gerade deshalb sehnen, weil jede Spur von Magie, Aura, Charisma und Zauber aus unserem aufgeklärten Alltag getilgt ist.“ - Ist das jenes Hauptempfinden das uns erfasst, im ECE-Alexa-Zentrum, bei Rossmann, Fashion4you, Roland, Deichmann, Jack&Jones? - Ich glaube das wirklich nicht und der Widerspruch zur Realität ist einfach zu gewaltig.
„Vor allem die City einer Metropole besteht heute aus „brand zones“. Die Stadt wird zum Schauplatz der Marken und damit selbst zum Element des Markenmehrwerts – „Milano“ steht auf der Einkaufstüte.“ - Milano heißen noch ein paar Eisdielen und ein Haufen billig produzierter Schuhe, die ohne italienische Ansprache auch aus Pirmasens kommen könnten, wenn dort die Fertigung nicht weg konkurriert worden wäre. - Darauf erst einmal einen Tchibo-Kaffee.
„Die Kunst des Architekten ist Business Art im Sinne Andy Warhols: das Geschäft als Kunst.“ - Genau so, wollen sich erfolgreiche Medientheoretiker und Geschäftsleute sehen, als kreative Schaffende an Kunstwerken der Ökonomie! Einige haben es tatsächlich geschafft, diese Überzeugung so gekonnt vorzuspielen, dass sie buchstäblich Schrott verkauften um Gold einziehen zu können. Weil das, wie beim Kettenspielsystem, Zigmillionen Dumme braucht die willig mitspielen, stecken wir nun in einer doppelten, gar doppelt-gedippten Krise des Sinns und der Ökonomie und wollen trotzdem, weder vom fatalen Spiel lassen, noch von diesen alten und fahrlässigen Parolen einmal absehen.
Haben Sie Frankfurt je bei Rot gesehen, Petra? Haben Sie so etwas schon erlebt?
Der Sprachschwulst und Bombast strebt nun recht absichtlich seinem Endpunkt entgegen: „Statt Architektur immer nur romantisch-kritisch in einer zerreißenden Spannung zwischen Kunst und Kommerz zu sehen, wäre es viel produktiver, das Verhältnis von Kreativität und wirtschaftlichen Interessen einmal als Steigerungsverhältnis zu sehen.“ Das ist Norbert Bolz´ Aufforderung an die Architekten und ihre Bäuche.
Gewissenhaft treten die 400 Ingenieure bei Otto-ECE an, solch´ feuchte Worte, solche Schoßgebete des schlechten Geschmacks, unermüdlich und vor allem fast unaufhaltbar, in eine ganz einfache Wirklichkeit aus tausenden und abertausenden Quadratmetern neuer Verkaufs- und Verzehrflächen des Einzelhandels und der Gastronomie umzusetzen. Das ist nämlich das ganz reale Steigerungsverhältnis hinter dem großen rhetorischen Aufwand.
Das journalistische Feld: Bilder und Geplapper als systematischer Diskursersatz
Wir sehen, dass der Neoliberalismus und reine Ökonomismus nicht letztgültig siegen konnte und also nun alles auf Gedeih und Verderb von ihm abhängig sein lässt, wenn er nicht lange vorher schon in der Lage gewesen wäre, sich eine gewisse Dominanz im Reich der medialen Claque zu schaffen. Auch dazu stand 1998 viel in der Streitschrift Bourdieus, der noch zwei Jahre vorher „Über das Fernsehen“ eine bittere Klage geführt hatte.
Der Soziologe spricht vom „journalistischen Feld“, das, laut Grundrechten und sonntäglichen Gesellschaftsprinzipien, offen sein sollte für die ganze Breite des gesellschaftlichen Diskurses, aber nun, unter der beständigen Einwirkung der weitgehenden Ökonomisierung und Quotenabhängigkeit, nur noch einen sehr kleinen Ausschnitt der überhaupt möglichen, differenziert begründeten Meinungen abbildet. - Heute haben wir an Sonntagen fast immer irgendwo verkaufsoffen.
Es entwickelt sich eine Infotainment -Gesellschaft, in der Fußballtrainer über den Nationalcharakter der US-Bürger autorisiert sinnieren, in der Fernsehunterhalter auf Medientagen das größte Wort schwingen, Medienberater und Experten als Scharniere und Vermittler zwischen Alpha-Journalisten, -besser nennt man sie die Alpha-Moderatoren-, und der Politik dienen.
Das ist doch ein sehr kleiner und exklusiver Kreis, der im Prinzip sehr ähnlich denkt, ebenso wie das bei einer sehr großen Koalition der gesuchten Gesprächspartner aus der Politik grundlegend der Fall ist. Wie die sprichwörtlichen kommunizierenden Röhren hängt man aneinander und sichert sich gegenseitig die öffentliche Bedeutung, die sich nicht aus dem Inhalt des Gesagten und Geschriebenen, sondern aus seiner medialen Bekömmlichkeit und der möglichst häufigen Auftrittschance ableitet. -„Sie machen das ganz prima“, und freudige Röte zeigte sich einen Augenblick lang auf seinen Wangen. - (Leise) „Sie auch, sie auch! Danke.“
Eine unheilige Trias beherrscht das Feld des Journalismus:
Erstens, die Quote verlangt nach einfacher Vermittlung. Das möglichst sensationelle Bild schlägt dabei immer alle anderen Kategorien. Streit, Skandal und Klatsch, der erzeugte Fauxpas, die ewige und direkte Personalisierung, folgen, ohne allzu großen Abstand, auf dem zweiten Platz. Rang drei des medialen Caucus belegt die Flut der flachen und seichten Themen, zu denen jedermann eine Meinung haben kann und diese auch sagen soll, weil das so schön ablenkt und müde macht.
„Was meinen Sie dazu? Rufen Sie an, schreiben Sie uns, wir freuen uns!“ - Diese Rhetorik sollte häufiger misstrauisch machen und wenigstens einige, an die sich der Appell beständig richtet, zur Gegenfrage an die Medialisten veranlassen: „Was denkt ihr denn wirklich und eigentlich, und moderiert nicht nur am Tage und zur Abendunterhaltung so vor euch hin?“
Tatsächlich haben es die Medien in einem ungewollten und meist unreflektierten Erziehungsauftrag, der auch schon eine ganze Weile anhält, so weit gebracht, dass auch das Web und viele Blogs, lieber die Dummheit und Kleinheit je anderer, meist völlig isolierter Blogger genüsslich ausstellen, als allzu tiefschürfende Gedanken anzustellen ob Thesen und Sachverhalte unter Umständen gar nicht eindeutig sein können. Am häufigsten ausgestellt, werden Missgeschicke und die schlechte mediale Performance der vielen Mitblogger. Auch als Blogger muss man liefern, unterhalten, ständig meinen und dies möglichst im Brustton tiefster Überzeugung, gläubige Entschiedenheit von sich geben.
Die Netzwelt hat gelernt. Auf dem öffentlichen Markt zählt nicht Nachdenklichkeit, sondern das verschärfte, unterhaltende, dabei möglichst witzige Wort und der schnelle, oftmals kaum reflektierte, geschweige den rezipierte, Link-Verweis. Das allgemeine Rollenmodell stammt aber nicht aus der Bloggosphäre selbst, sondern ist schlicht nichts anderes, als die Verlängerung und Vervielfältigung der medialen Vorbilder ins weltweite Netz.
Christoph Leusch
PS: Pierre Bourdieu erlebte die mehrfachen Irrtümer seines Glaubens, die einen Intellektuellen und Menschen wahrhaftig auszeichnen, nicht mehr. Er starb im Frühjahr 2002. Seine Kritik aber, die ist Wort für Wort gültig, und harrt der Widerlegung, an der die realen Akteure an den Steuerrudern ohne Ruderblatt, trotz hohen Wasserstandes und zahlreicher Lecks, kein Interesse haben. Sie klammern sich an der Kommandobrücke des Traumschiffs fest und hoffen, dass Heizer und Matrosen im dunklen Bauch des Dampfers die Lenzpumpen schneller laufen lassen, um nicht mit ihnen unterzugehen.
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Sie sprechen mir aus der Seele bzw. zu der selben. Mit dem Pathos der Sprache fängt die Täuschung an. Wenn einer die Klappe weit aufreißt, dann muss man vorsichtig werden. Diese pietistische Weisheit hat meine Mutter davor bewahrt, "völkisch" zu werden, schon damals als es erst begann. In unserer Zeitung hier wird jedes neue Gebäude als Diamant im städtischen Gefüge deklariert, wunderbar gilt nicht mehr, man muss es steigern, furios, grandios, der neue Roman von Herrn / Frau X: schlicht ein Jahrhundertwerk, zwei Jahre später landet es im modernen Antiquariat, ist für 4,99 Euro zu haben. In meiner netten rheinischen Stadt wird das WCB gebaut: Grandios, jeder nimmt uns ab, dass das World Conference Center nun gerade in B. lokalisiert ist.
Doch jetzt: das halb fertige Wunderwerk ist ein ruinöses WC, ein water closet, das Millionen hinunterspült in den Defizithaushalt. Das was war ist weg, das neue ist zwar da, aber eine vom Wachtdienst umrundete Ruine. Aber der neue OB hört sich die weltberühmte Violinvirtuosin an: Wunderbar, doch die Akustik im Gemäuer aus den 50er Jahren schlecht: Wir brauchen eine neue Konzerthalle - eine Symphonie aus neuem Beton muss her, sonst bleibt sie aus, die Virtuosin. Das werden wir stemmen! Die Investition wird sich lohnen, Mio. werden nach B. kommen, wohin sonst? Na ja, der Mensch als solcher bleibt plemplem und wurschtelt sich durch mit großen und kleinen Worten. |
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In die schweizerische Stadt, in die ich morgen fahre (mit dem Zug natürlich), hat man auch was neues gewollt: Der Bahnhof musste erneuert werden, also erst mal weg mit diesem alemannischen Kleinkram mit Fensterläden und Geranien am Fenster. Wir brauchen etwas, was den Ankommenden ankommen lässt. Eine Empfangswelle, die das alte überragt. Wie baut man eine Empfangswelle, überragend natürlich materiell (also hoch) wie symbolisch (also irgendwie spektakulär) natürlich! So ist der Preisträgerentwurf und so wird es gebaut. Nur die Natur schägt zurück, was heißt: bei Regen wird man nass, kein Wunder wenn die Welle so hoch ist, dass der Westwind und -regen eine offene Tür vorfindet.
Aber das fand ja schon im Parthenon statt, nicht schöne Nützlichkeit - wie in der Natur - sondern schöne Erhabenheit musste es sein. |
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Je größer und aufgeladener die Worte, desto hinterhältiger die Absichten. - Das gilt nicht immer, aber sehr oft.
Es gilt in Mainz, es gilt in Berlin, es gilt in Bonn und in Goethes Geburtsstadt, der nach Bolz´ Thesen nur der Goethe nach Warhola-Art noch was zählen dürfte. Nicht wahr, da hat eine Stadt ein Geschenk, nämlich viele ehemalige Regierungsbauten einer bescheidenen Bonner Republik, diskret, nüchtern, aber fein in den Details und im Schmuck der Bauten (Ausnahmen, wie das Abgeordnetenhochhaus bestätigen die Regel), dazu das Recht, sich UN-Sitz zu nennen und eine ganze Stadtlandschaft, nebst Uni und gelbem Konzern am Rhein, und das unter dem Naturdenkmal Siebengebirge, die Geschäftsleute von der Investorenseite sind es trotzdem nicht zufrieden, weil ihr Return of investment aus der Tradition und Lage, aus dem Ruf und der Berufung zu klein bleibt? - Dann muss gigantisch zugebaut werden. Dieses World Conference Center Bonn, ist das nicht jene privat wirtschaftende Ausgründung der Stadt Bonn, die sich von einem falschen Hyundai-Kim eine Un-Sensation bauen lassen wollte? Wohin verschwand der Weltmanager und wer ebenete ihm die Wege in der Stadt? - Nun versuchen alle Kommunalpolitiker Abstand zu gewinnen und aus den Ermittlungen und Schlagzeilen zu gelangen. Wenigstens ist es in Bonn ein UN-nahes Malheur. In Mainz reicht regional der Nürburgring und seine Achterbahn, und das Rolandseck mit dem aufgeblasenen Arp. Lokal verspekulierte sich die Wohnbau, wirtschaftlich freigelassen, von Mainzer und Wiesbadener Politikern, jedoch nicht ohne die Chance, noch ein paar Posten genehm und angenehm zu vergeben und Aufsichtspflichten als Wohlfühlabende zu gestalten. - Um das Geschichte werden zu lassen und überall ein Deckchen drüber zu legen, braucht es großer Ampelkoalitionen und partielle Einigkeit, sogar mit der Opposition. Und jene Beethovenhalle mit ihrem geschichtsträchtigen republikanischen Charme, den Wandbildern die schon allzu oft woanders abgeschlagen wurden und einer Akustik die für die Klassik wunderbar funktioniert, wenn sich nur erfahrene Leute um den Ton kümmern dürfen, wurde sie nicht vor gerade einmal 15 Jahren mit öffentlichen Mitteln saniert? Nun soll sie nicht mehr ausreichen für die ersten drei Wunderkinder der internationalen Wettbewerbe, weil die unter Umständen, zu doppelter und dreifacher Gage, zukünftig in der Hamburger Hafenoper den Partikuliers und einfliegenden Geschäftsleuten nebst Anhang die Abschlüsse versüßen dürfen und dann eben im Hansestaat fideln? Ich glaube das, von musikalischen und klanglichen Belangen her gedacht, eher nicht, und glaube auch nicht, dass 2000 Plätze zu wenig sind für die Stadt Bonn. Mit Sicherheit hat aber schon lange nicht mehr die Stadt ein erstes, wirtschaftliches und zielsetzendes Zugriffsrecht, sondern dieses wurde an eine (fast) selbstständige Veranstaltungs- und Eventgesellschaft abgegeben. Die will einen Saal, nein, mehrere für mehr, für jeden Tag. Umsatzorientiert eben und größenorientiert, weil Größe gleich Umsatz, zumindest Umsatzchance, und damit anrechenbar für größere Kredit- und Finanzrahmen, prestigeträchtigere Gagen und Namen, die doch nur alle vom Namen Beethovens wirklich abhängen. Grüße und bleiben Sie wach Christoph Leusch |
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Chapeau!
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Mein Kompliment für diesen Beitrag. Eine Ergänzung bzw. Hinweis gestatte ich mir: S 21 ist auch ein Projekt der ECE. Interessanterweise hält eine der politisch massgeblichen Fürsprecher/innen von S 21, die CDU-Ex-Ministerin Tanja Gönner ebenfalls Anteile an der ECE. Man sieht an diesem Fall überdeutlich die Zusammenhänge zw. Wirtschaftsinteressen und praktischer Politik.
stuttgart-21-kartell.org/allgemein/tanja-goenner |
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Also nein, schon wieder eine Verschwörungstheorie!
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ad Pristine schrieb am 14.09.2011 um 10:36, Vaustein schrieb am 14.09.2011 um 12:51,
bertamberg schrieb am 14.09.2011 um 13:28. Danke für die Trockenblumen. ECE feiert sich auch für die Bahnhofsprojekte und andere Bauleistungen, aber das wäre ein eigenes Kapitel und noch mehr Text geworden. Tatsächlich lieben es große Investoren, wenn sie auch für einige symbolträchtige Hilfsleistungen gelobt werden. Ausbildung des Hausnachwuchses in den Ideen der Hausarchitekten und Partner, bestenfalls an Hausuniversitäten und Konzern-Ausbildungseinrichtungen, symbolischer Denkmalschutz, Kulturprogramme und Events mit internationalen Highlights, also mit dem, was die Masse schon kennt und gut findet, rund um allfällige Eröffnungen und durch den Zeitrahmen der vier Jahreszeiten, nebst der marketingtechnisch erfundenen Zwischen-Jahreszeiten. Otto-ECE möchte ausdrücklich den Städtebau fördern und mit seinen Realvisionen und seinen Realfantasien nähert sich diese Art Stadt dem berühmten Venturi-Gag gut an. Man stelle auf die Box, den ganz großen Schuhkarton, ein Schild und schreibe darauf: "It´s a monument!" - Das reicht meist schon, wenn drinnen der Rubel rollt oder eben Allbekanntes so groß ausgestellt wird, dass kein Kultur-Konsument daran vorbei gehen kann. Der passende Theater-Satz dazu: "Eine Sensation ist, wenn plötzlich alle Leonardos ("Leonardos", die Bilder des Malers, sind wie Milano, Firenze, Venezia, Dürer, Wahrhol, Picasso und Madonna ein Platzhalter, also austauschbar, wenn sie weiter so organisiert und präsentiert werden) aller großen Sammlungen der Erde, auf einem Ort für acht Wochen versichert sind, weil das Publikum schon weiß, das ist jetzt unbedingt eine große Sensation. - Dabei gibt es keine Überraschung und keine Chance der Entdeckung mehr. Das wäre ja auch zu gefährlich für diese Art Kultur. Das ist Schoßgebet und Feuchtgebiet in Eines, und gehört eigentlich ins TV und/oder den Rotlichtbezirk, wenn es denn ginge. Da ist es nur nicht mehr anständig versicherbar. Nein, lieber Bertamberg, ich glaube auch nicht, dass man Frau Gönner kaufen musste. Sie war in ihrer ganzen politischen Karriere immer für das, was ihr anvertraut wurde. - Ein klassisches Prinzip in der Politik und der Wirtschaft, dessen feine Umschreibung absolute Loyalität lautet, und die weniger beliebte Bewertung, absolute Alternativlosigkeit vom ersten Tage an. - Und den Bahnhof unter der Erde, den hat sie immer so gewollt und sogar von Beginn an geliebt. Tatsächlich ist der Tiefbahnhof, jenes Millardengrab, ein Gesamtpaket und das zweite große "Abschlussgeschenk", neben dem Erwerb des größten Energieversorgers durch das Land, einer Jahrzehnte lang herrschenden, übergroßen politischen und gesellschaftlichen Mehrheit, die auch ihre ganz besonderen Netzstrukturen ausbildete. Wenn dann keine anderen Gewalten mächtig dagegen sind, dann bildet sich der Filz und Klüngel ganz von allein. Warum soll das in Stuttgart anders sein, als in den dafür so verrufenen Städten des Rheinlandes? Mega-Projekte brauchen einen Sumpf, sonst werden sie nicht! Heimlich dachten das z.B. auch die Manager des größten Technikkonzerns Deutschlands, der Siemens AG, und sie verhielten sich danach. Eine lange Weile war das sogar steuerlich absetzbar. Hinter vorgehaltener Hand ist das immer noch das Motto in Bayern und man nennt es ortsüblich verkleinernd und verniedlichend, Spezln-Wirtschaft. Liebe Grüße Christoph Leusch |
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@ Columbus schrieb am 14.09.2011 um 20:34
Die Zeiten, wo Leute in die Politik gingen, um die Welt zu verändern, sind vorbei. Heute gehn Leute in die Politik, um Geld zu verdienen. Sie haben das ja anschaulich am Beispiel der Upper One-Percent-Class der USA deutlich gemacht. Frau Gönner war anscheinend vorausschauend genug, sich in eigener Sache vor den Karren zu spannen. Vielleicht ist das die neue Variante : Nicht vorher Parteikarriere und dann in der Wirtschaft unterschlüpfen à la Koch und Schröder, sondern sich wirtschaftlich engagieren und politisch ins Zeug zu legen für den eigenen Karren im Sumpf. Birne Kohl hats ja vorgemacht, so bekommt die Aussage: "Ich hab euch verkohlt" ebenso eine neue Bedeutung wie "Man gönnert sich ja sonst nichts." |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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