Katharina Schmitz

Blog von Katharina Schmitz

18.02.2010 | 13:23

Deutsch ist nicht immer "geil"

Die Deutsche Bahn will wieder mehr in der eigenen Landessprache kommunizieren und künftig weniger Anglizismen verwenden. So ist es bei süddeutsche.de zu lesen (Bahn spricht Deutsch). Unter anderem will der Flyer wieder Handzettel genannt werden, und Hotlines sollen demnächst Service-Nummern heißen. Die eingebürgerte Bahn Card oder der stadt-und landbekannte Intercity bleiben uns erhalten. Das ist löblich, doch wie immer, wenn etwas von der Bahn kommt, kommt es irgendwie auch verkrampft und kleinkariert, quasi als Coup vom Abstellgleis daher. 

Keiner will bestreiten, dass die deutsche Sprache wunderschön ist und Identität, indes – für den Werbealltag ist sie vielfach zu umständlich, und wie verquast sich deutsche Wortkonstruktionen anhören können, haben viele Fälle aus der DDR gezeigt (siehe auch Ich will die DDR-Sprache verstehen). 

Was ist aber gegen Englisch (und Denglisch) im Sprachgebrauch einzuwenden, wenn damit wirklich ein Produkt oder eine Dienstleistung auf den Punkt gebracht wird? „Call a bike“ zum Beispiel. Zugegeben, das klingt irritierend, wenn man gerade in der tiefsten Provinz aussteigt, dennoch: Soviel (Englisch) Know-how wird man doch bei einem mobilen Konsumenten erwarten dürfen, oder noch arroganter, wer hier radlos wegen Nur-Bahnhofsverständnis bleibt, den wird das Mietradangebot der Bahn wohl kaum interessieren.

In England nennt zwar bekanntlich niemand ein Handy ein Handy, aber weil  „handy“ handlich, praktisch heißt, spricht doch nichts dagegen, das Mobiltelefon bei uns so einfach und treffend zu bezeichnen?  Den letzten Aristokraten unter uns sei gerne gestattet, ein tragbares Telefongerät  ihr eigen zu nennen.

Das Gesetz der Werbung ist im übrigen hart und in der Regel gerecht, will heißen, letztlich ist der Konsument nicht so doof wie angenommen, und romantisch betrachtet, setzt sich das gut Durchdachte sowieso durch. Alberne und unsinnige Wortkreationen wie  "kiss and ride"  werden gar nicht erst angenommen, sondern zu Recht mit  Spott bedacht. Da bin ich gerne schadenfroh.

Von mir aus kann sich auch die CSU im Ländle lächerlich machen und selbst entlarven. Zitat aus dem Artikel der "SZ":  "Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) erwies sich wohl in der Neuschöpfung von Anglizismen als so erfinderisch (fit for work, get Azubi), dass Kritiker ihr Sprachverhalten in die Kategorie BSE einreihten: Bad Simple English. "

Wie die Werbung es schafft, das Deutsch zu verhunzen  (um den doofen Konsumenten mehr oder weniger zielgruppengerecht anzusprechen) , hat uns ja Saturn stellvertretend für alle anderen unterste-Schublade-Werber wirklich alarmierend gezeigt. Deutsch ist eben nicht immer "geil".

 

 
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Kommentare
born2bmild schrieb am 18.02.2010 um 16:18
"Das Gesetz der Werbung ist im übrigen hart und in der Regel gerecht, will heißen, letztlich ist der Konsument nicht so doof wie angenommen, und romantisch betrachtet, setzt sich das gut Durchdachte sowieso durch."

Endlich! Das ist die Erklärung wie ein süßes braunes Blubberwasser, ein Stück gebratenes Hackfleisch zwischen pappigen 'Brötchen' und ein mit hunderten von Fehlern behaftetes Betriebssystem den Siegeszug um die Welt schafften.

Na klar, der Konsument ist nicht so doof wie angenommen.

BILD ist nur ein Nischenblatt und der Freitag ist DAS Meinungsmedium dieses unseren Landes.
Gut durchdacht.
Katharina Schmitz schrieb am 18.02.2010 um 20:36
mag sein, diese Passage ist zu euphemistisch, naiv, unumfassend, womöglich augenzwinkernd formuliert, dennoch - die Aussage ist, clevere Werbung nützt zwar auch problematischen Produkten (BILD usw.), dumme Werbung allerdings kommt selbst beim allerdümmsten Kunden manchmal nicht an, das Produkt floppt (am besten mit viel Tamtam), das verursacht Kosten und ist erfreulich peinlich für das Unternehmen. Und das ist doch irgendwie gerecht, auch wenn diese selbstregulierende Marktregie den Siegeszug von bösen Produkten sicher nicht verhindern kann.
Dreizehn schrieb am 18.02.2010 um 17:43
Ne, dazu sag' ich lieber nix.
Dreizehn schrieb am 18.02.2010 um 22:03
Den Satz oben hat mir mein Bauch diktiert. Das ist mir jetzt unangenehm und ich überlege, was mir an dem Text wirklich gegen den Strich geht.

Ich finde er vermengt zwei Sachen, die man separat diskutieren sollte. Erstens die rabiate Instrumentalisierung von Sprache durch Werbung. Die hervorgerufenen Effekte sind vermutlich in gleicher Weise dämlich [inhaltlich] wie hochartifiziell [formal], und so verstanden ist der Saturn-Slogan absolut Spitzenklasse.

Das andere Thema ist die zunehmende Verwendung englischer/amerikanischer Vokabeln im Alltag. Das ist schon ein komplizierteres Thema. Grundsätzlich halte ich das durchaus für unterschwellig wirksamen kulturellen Imperialismus und bin der Meinung, dass die Franzosen damit selbstbewußter umgehen als wir: eher vorbildlich. Man hört, dass sich dort eine reichhaltige Chanson-Szene behauptet, und auch die Filmindustrie sei im Verbund mit wirksamer Förderung sehr viel lebendiger und erfolgreicher als hier.
Katharina Schmitz schrieb am 19.02.2010 um 09:21
Lieber Dreizehn

das stimmt vielleicht, hier ließe sich noch viel besser separat diskutieren.
Noch ein Aspekt: Ich fühle mich nicht nur sprachlich (in Deutsch oder Englisch) duch Werbung vereinnahmt, sondern auch visuell (!) und akustisch (!).

Mir ging es hier um den Absender. Die Bahn rudert also im Sinne der Kunden zurück. Im Prinzip ja ein guter Ansatz. Die CSU hat auch gemerkt, dass Task Force für eine Arbeitsgruppe in Bayern ziemlich bescheuert klingt. Und man stelle sich jetzt vor, die Deutsche Bahn und Bundesregierung riefen zu einem bundesweiten Wettbewerb zum Erhalt der deutschen Sprache auf, diese wichtige Debatte kriegte einen "Touch", der mir jedenfalls nicht mehr so gefiele.

Genauso muss man bei Sarkozys Bemühen zum Erhalt der Kulturnation eben auch skeptisch hinschauen. Kulturförderung ist gut. Der Chanson darf nicht sterben! (Ich finde aber auch, dass die französische Musiktradition mit der hiesigen nicht ganz zu vergleichen ist. Filmförderung. Auch wichtig! Aber fallen darunter auch Otto-Filme und Kein-Ohrhasen?)

Ich meine, hoffe, es gibt bei aller berechtigten Sorge auch eine kleine, feine Rebellion gegen den kulturellen Imperialismus. Guerilla-Marketing sozusagen. Das ist doch auch nicht schlecht, auch wenn mir zum Daseinszustand "online" derzeit kein deutsches Synomym einfällt ... nur ein Beispiel.
I.D.A. Liszt schrieb am 18.02.2010 um 23:53
Nee, nee, Deutsch ist cool.

Und im übrigen heißt es bei uns Adligen nicht tragbares Telefongerät, sondern tragbares Fernsprechgerät.
born2bmild schrieb am 19.02.2010 um 00:11
Hinterhertragbares Fernsprechgerät.
I.D.A. Liszt schrieb am 19.02.2010 um 00:35
Ein Vorschlag zur Güte:

beförderbares Taschenfernsprechgerät
Katharina Schmitz schrieb am 19.02.2010 um 09:25
gefällt mir sehr gut, obwohl es wohl Leute gibt, die über das beförderbare TaschenFERNSPRECHgerät SMS-Unterhaltungen führen und sich dabei direkt gegenüber sitzen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.02.2010 um 12:10
Bei Fernsprecher fällt mir immer sofort Fernmelder ein. Und dann das:

www.youtube.com/watch?v=q01mQUbqSdM
I.D.A. Liszt schrieb am 19.02.2010 um 14:53
@ Katharina Schmitz:

Beförderbares Taschenfernsprechgerät ist letzten Endes einfach zu lang.
Man müßte es zu BTF(G) abkürzen.

Und daß Leute die BTFs selbst dann benutzen, wenn sie einander direkt vis-à-vis sitzen, macht doch nichts. Wenn man nichts zu sagen hat, ist es doch gleichgültig, welches Medium man dazu benutzt.
Katharina Schmitz schrieb am 19.02.2010 um 18:26
BTF(G)hört sich ziemlich subversiv an, ich bin dabei.
Cato42 schrieb am 19.02.2010 um 05:41
Nach dem Mehdorn-Chaos ist es an der Zeit,
wieder solide zu werden, nicht nur bei den
ICE-Achsen.
Gehen wir vom "ServicePoint" zur AUSKUNFT!
Katharina Schmitz schrieb am 19.02.2010 um 09:32
AUSKUNFT ist defenitiv das schönere Wort! Nur - was machen wir mit dem Sozialamt, das derzeit Jobcenter heisst und was wird nochmal bei der Agentur für Arbeit (früher Arbeitsamt?) geboten?
Michael Angele schrieb am 19.02.2010 um 11:48
Und der ICE? Das ist doch so wenig deutsch wie der TransEuropaExpress, das wiederum eines der schönsten Worte ist, das ich aus Deutschland kenne

I.D.A. Liszt schrieb am 19.02.2010 um 14:55
TransEuropaExpress ist aber nur in seiner Abkürzung schön, weil die an ein heißes, aromatisches Getränk erinnert.
Dreizehn schrieb am 19.02.2010 um 17:15
Schöne Musik, faszinierende Bilder. SCHNELLZUG?
Skepsis schrieb am 19.02.2010 um 20:06
Der Zug heiß in Wirklichkeit übrigens "Trans-Europ-Express". Kraftwerk machten in ihrem wunderbaren Lied/Album daraus den "Trans Europa Express" ;-)
Michael Angele schrieb am 20.02.2010 um 15:47
Hab's eben nachgegoogelt, Skepis, stimmt tatsächlich. Kraftwerk haben wir ja auch zu verdanken, dass man in Deutschland Model und nicht Modell sagt. & dieser Song ist ja fast noch besser als der zum TEE.
mahung schrieb am 19.02.2010 um 16:52
Und was ist mit dem berühmten KAFFEE To GO, oder Coffee to go, oder TOGO ...

Zur Saturn-Werbung sei noch angemerkt. Hier gab es vor einigen Jahren einen der ehrlichsten Werbespots überhaupt. Ein Kind schrie uns, den Zuschauern, aggressiv ins Konsumentengesicht:

"Kaufen! Marsch, Marsch!!"

Besser wurde nie mehr auf den Punkt gebracht, worum es bei Werbung geht.
Katharina Schmitz schrieb am 20.02.2010 um 15:54
noch etwas zum Coffee to go. Ich muss beichten. Heute morgen haben wir auf dem Weg nicht nur einen coffee to go getrunken sondern diesen in einem DRIVE INN gekauft: "Coffee Drive Inn Hawaiin Style", Leipziger Strasse, Berlin.
Achtermann schrieb am 20.02.2010 um 09:18
Es lohnt oft, einen Blick hinüber zu den konservativen Freunden zu werfen. Die haben einen Verein gegründet, der Aktion Lebendiges Deutsch heißt. Dort werden Anglizismen gesammelt und mit deutschen Übersetzungsvorschlägen versehen. Hier ein paar Beispiele:

Airbag = Prallkissen
Beamer = Bildwerfer
Casting = Rollenbesetzung
brainstorming = Denkrunde
call center = Rufdienst
curser = Blinker
no-go-area = Meidezone
Spotlight = Punktlicht

Hier noch ein paar Übersetzungsaufgaben für potenzielle Leserinnen und Leser:

Brain up = ?
Feedback = ?
Councelling = ?
Mindmapping = ?
Lerntec = ?
Global Player = ?
Bachelor = ?
Outlet Center = ?
Clubwear = ?
Benchmarking = ?

www.aktionlebendigesdeutsch.de/index.php
Deaktivierter Nutzer schrieb am 20.02.2010 um 09:37
Brain up = aufwerten
Feedback = Rückinformation
Counsel (ling? ) = Beraten
Councel ( ling ) = Der Rat ( Gemeinde )
Mindmapping = Meinungskartografieren ( ? )
Lerntec = ? ( hat das was mit technischem Lernen zu tun?
Global-Player = Mitspieler auf internationaler Ebene
Bachelor = Junggeselle mit einem Hochschulabschluss
Outlet Center = Absatzmarkt Zentrum
Clubwaer = Szeneklamotten
Benchmarking = Versuchsobjekt markieren?

Was ist das nur für eine Sprache?
Englisch ist das jedenfalls nicht.
Achtermann schrieb am 20.02.2010 um 12:08
Die Frage ist doch, ob die Übersetzungen im Alltagssprachgebrauch sinnvoll sind?

"Ich fahre ins Absatzmarkt Zentrum, um mir die Produkte eines Mitspielers auf internationaler Ebene anzuschauen." Ob man das versteht?

"Ich fahre ins Outlet-Center, um mir die Produkte eines Global-Players anzuschauen." Diese Ausdrucksweise ist der Umgangssprache doch näher.

Du fragst: "Was ist das nur für eine Sprache?" und antwortest selbst: "Englisch ist das jedenfalls nicht." Ja, aber es hört sich doch an wie englische Sprache - zumindest in meinen Ohren.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 20.02.2010 um 12:24
Outlet-Center = Resterampe
Global-Player = Internationaler Anbieter

Nicht so schick. Aber eindeutig. Finde ich.

"Handy" ist ja auch kein englisches Wort.

Das mit dem Denglisch funktioniert ja einigermaßen. Man weiss ja was gemeint sein könnte. Jedenfalls als Deutscher.
Katharina Schmitz schrieb am 20.02.2010 um 15:59
danke für den Tipp! Nun eine DENKRUNDE hört sich nicht so an, als würde hier vielen ein Licht aufgehen, schon gar kein Blitz. MEIDEZONE: so harmlos, wer da nicht Lust kriegt, genau dort mal ein Bierchen zu trinken. Und wenn ich schon "Aktion lebendiges Deutsch" lese, kann ich mir ein Gähnen kaum verkneifen.
Katharina Schmitz schrieb am 20.02.2010 um 16:05
@ achtermann. Und wenn es Denglisch ist, ist doch vollkommen egal, Hauptsache die Sache kommt einfach, intelligent und kreativ auf den Punkt und das geht im Englischen eben oft besser.
Katharina Schmitz schrieb am 20.02.2010 um 16:09
Liebe Chrismar. Aber ein Oulet-Center ist keine Resterampe, und ein "global player" impliziert in verschiedene Richtungen viel mehr als der schlichte "internationale Anbieter", finde ich. Deutsch ja gerne, aber nicht auf Teufel komm.
Achtermann schrieb am 21.02.2010 um 08:51
Du schreibst: Deutsch ja gerne, aber nicht auf Teufel komm.

Ich setze dagegen: Englisch manchmal, aber nicht auf Teufel komm.

Grausam und der Sprache der Dichter und Denker nicht zuträglich sind doch eingedeutschte englische Verben: Ich habe die Info downgeloaded und will mich jetzt von meinem Mentaltrainer coachen lassen. Und morgen consulten wir gemeinsam den Steuerberater.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.02.2010 um 09:03
@ Katharina

"Outlet Center" verkaufen Überproduktionen. Ohne viel Service / Diensteistungen.

Überproduktionen = Resterampe?

Global Player soll toll klingen. Offensichtlich versteht jeder darunter das, was er will.

Naja.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.02.2010 um 09:06
Lustig ist es immer dann, wenn weder die Engländer, noch die Deutschen wissen, was mit den Wortspielen gemeint ist.

In Hamburg gibt es ein Tatoo-Studio, dass sich "Endless Pain" nennt.

Kein Tatoo-Studio im englischsprachigem Raum würde sich so einen grauenhaften Namen geben. Darüber haben wir uns immer kaputt gelacht.

;)
Katharina Schmitz schrieb am 21.02.2010 um 13:12
Lieber Achtermann,

ich stimme voll und ganz zu. Ausserdem bewundere ich jeden, der noch ohne diesen sprachlichen Firlefanz auskommt, z.B. ältere Menschen. Ich meine nur, es gibt für den "interpretatorischen Reichtum" manchmal nur eines Wortes im Englischen oft keine Alternative im Deutschen. Zum Beispiel im Internet "surfen". Ich würde lieber etwas anderes sagen, aber welches Verb im Deutschen könnte diese streunende Online-Tätigkeit, die unbestimmte Reise von einem zum anderen virtuellen Ort besser ausdrücken?
Katharina Schmitz schrieb am 21.02.2010 um 13:25
Hallo Chrisamar,

Outlet Center genießen aber auch den Ruf, Markenprodukte, weil aus der letzten Saison oder 2. Wahl (also es fehlt vielleicht ein Knöpfchen) zu günstigen Preisen anzubieten. Ob das stimmt, sei mal dahingestellt. Überproduktion oder Resterampe mag zwar manches Mal ehrlicher sein, aber ist sicher nicht geeignet, die Kundschaft anzulocken.

Zu global player. Ist auch nicht mein Lieblingswort. Ich sage ja nur, der Begriff bietet die Möglichkeit vielfältiger Interpretation (und kann zu Recht auch kapitalismuskritisch besetzt werden). Das Englische drückt eben manches dynamischer, spielerischer aus, finde ich.

Aber ein anderes Thema, was mich z.B. auch ärgert ist, wenn Markennamen zu Produktbezeichnungen selbst oder zu Verben werden, z.B. das I-Phone. Ist das noch ein Telefon? Und ich will für den Vorgang "im Internet recherchieren" z.B. nicht googlen sagen (müssen).
Dreizehn schrieb am 21.02.2010 um 14:13
Manchmal, finde ich, geht's mit dem Deutschen besser, manchmal nicht, niemand zwingt's herbei. Schön wäre anstelle von mainstream das Wort Einförmigkeit - weil klar und unmissverständlich.
Katharina Schmitz schrieb am 21.02.2010 um 15:00
ja. nur - wie funktioniert der Satz? Also wenn ich sagen will, ein Buch, eine Musik, ein Film ist jedermanns Geschmack, ein Massenkulturdings, Kommerzprodukt, Mittelmaß, dann sage ich: Das ist Mainstream ... eine Alternative hätte ich auch gerne zum sogenannten "Feel-Good-Movie", prägnanter wüsste ich z.B. den Anspruch von SoulKitchen nicht auszudrücken.
Dreizehn schrieb am 21.02.2010 um 15:13
Das geht nicht, klar. Man nimmt das englische Wort und denkt hinterher [oder gar nicht] darüber nach, was man sich da ins Nest geholt hat; es ist ja auch keine individuelle Entscheidung, sondern das sind trends, die auch wieder nachlassen, hoffentlich.
Katharina Schmitz schrieb am 21.02.2010 um 15:18
kommentiere mich selbst. Wohlfühlfilm ginge natürlich auch.
Katharina Schmitz schrieb am 21.02.2010 um 15:23
stimmt, man weiß manchmal nicht, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Also da ist ein Phänomen, das bekommt einen Namen und der wird gebräuchlich, da ist man machtlos. Die Hoffnung: Der Gegentrend! Siehe auch www.ausgestiegen.com
Achtermann schrieb am 21.02.2010 um 16:53
Ich mach' jetzt nochmal Werbung für die Konservativen, die Sprachpfleger. Die sprechen und schreiben tatsächlich nur Deutsch. Letzteres gar in der alten Form. Sie gehen nicht nur mit der Duden-Redaktion in den Clinch, sie suchen auch Sprachpanscher und andere dem Englischen zusprechenden Personen. Deshalb ist ihr Periodikum nur in Reindeutsch verfasst. Der Chefredakteur bspw. ist der Schriftleiter.

Hier ein Textauszug:

Mit der deutschen Sprache steht Duden offenbar auf Kriegsfuß. In einer Duden-Pressemitteilung vom 8. August heißt es zum Beispiel: „Wer den kürzlich neu erschienenen ‚Rechtschreibtrainer‘ von Duden als Onlinekurs oder als Software im Downloadshop von Duden kauft, kann die telefonische Duden-Sprachberatung einmal kostenlos ausprobieren.“ Wer das geschafft hat, könnte die Duden-Sprachberatung gleich einmal fragen, wie dieser Satz auf deutsch lautet.

Die Pressemitteilung ist aber nicht der einzige sprachliche Fehlgriff. Der Hang zu Fremdwörtern und Denglisch zieht sich durch das ganze Duden-Angebot: Seit dem Jahr 2003 veranstaltet der Verlag die Duden Open, einen Jungjournalistenwettbewerb. Zur Sprachberatung wird ein Duden-Newsletter verschickt. Außerdem adelt der Duden seit einigen Jahren Modeanglizismen, indem er sie massenhaft in das Rechtschreibwörterbuch aufnimmt.


Hier der Link:
deutschesprachwelt.de/
I.D.A. Liszt schrieb am 22.02.2010 um 00:32
@ Katharina Schmitz (21.02.2010; 13:12):

Für surfen bietest Du doch selbst eine prima Übersetzung: streunen.

Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, wie man Wörter aus fremden Sprachen ins Deutsche übernimmt, als Fremdwort (Touch Screen), als Lehnwort (boxen) oder als Lehnübersetzung (Wolkenkratzer für sky scraper). Letzten Endes hängt es von der Kreativität der Sprechergemeinschaft ab, was sich einbürgert.

Dieser ganze Computer-Jargon hat sich seit den achtizger Jahren doch schon sehr geändert, als es en vogue (!) war, die Größe der hard discs in KB zu messen, als das Wort Rechner eher exotisch war, oder man auf einem keyboard schrieb.

Ich selbst bin da ziemlich kreativ. Es macht mir großen Spaß, die Gesichter bei z.B. Atelco zu beobachten, wenn ich eine neue Mausmatte brauche ("Äh? Sie meinen ein mouse pad?") oder nach einem Speicherstecker frage ("Ach so! einen memory stick!").

Ich persönlich streune nicht so gerne durchs Internet, ich gucke mich da lieber ein bißchen um.

Und hier in der Community (vielleicht findet sich dafür ja auch eines Tages etwas Besseres?) schreibe ich seit einiger Zeit Kommentare lieber in einem Strang als in einem thread.

Mal sehen, ob etwas davon überlebensfähig ist. Das hängt ja nur davon ab, ob es einer Mehrheit von Leuten gefällt, die es dann als Multiplikatoren weitertragen.

Du bist doch subversiv. Verbinde Deine Subversion mit Deiner Kreativität und unterwandere die alltägliche, oberflächliche Sprachverhunzung. Übersetze nach Herzenslust, erfinde Wörter, die Dir besser gefallen, und importiere schöne, exotische Fremdwörter!

Arbeite an der Schaffung der Sprache, die Dir zusagt.
Sprachsubversion ist eine Form der unmittelbarsten Demokratie!
Katharina Schmitz schrieb am 22.02.2010 um 10:13
Lieber I.D.A. Liszt,
ein schöner Appell, Aufruf, Denkanstoss!
Katharina Schmitz schrieb am 22.02.2010 um 10:35
@ achtermann

vielen Dank! aber die sind mir auf eine Art zu miesepetrig. Umständlich auch, man kann kein Expemplar als Leseprobe herunterladen.
Fritz Teich schrieb am 20.02.2010 um 09:23
Die Bahn braucht keine Werbung, was ist die Alternative? Bahnkunden brauchen Informationen, von der Bahnhofsuhr bis zu den Abfahrzeiten und Abfahrorten der Ersatzzuege auf unbekannten Bahnhoefen. Wir brauchen keine Stimmungen, Konnotationen, sondern Leistungen. 1 + 1 = 2!
Katharina Schmitz schrieb am 20.02.2010 um 16:15
Lieber Herr Teich, ich bin kein Werbefeind. Wenn ich werblich auf etwas Gutes und Interessantes aufmerksam gemacht werde, von mir aus Lust auf das Produkt bekomme, habe ich nichts dagegen. Ich habe höchstens etwas dagegen, wenn so getan wird, als ob. Also die Bahn wirbt für 29 Euro-Bahntickets, buchen sollte man diese aber besser 7 Monate vorher oder in Wanneeickel wohnen, weil dort vielleicht noch Tickets verfügbar sind.
Katharina Schmitz
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