Peter Nowak

Blog von Peter Nowak

19.01.2011 | 16:17

Kommunismus neu begründen!

In diesen Tagen Wochen zeigte sich einmal mehr die paradoxe Logik der Mediengesellschaft. Da organisierte das Ums-Ganze-Bündnis (kongress.umsganze.de/pages/start.php ) im Dezember 2010 einen Kommunismuskongress mit Linken aus dem In- und Ausland und die Medien ignorierten ihn   unisono. Ich bekam  mehrere Absagen, als ich Zeitungen für die ich arbeitete, einen Kongressbericht anbot.

Es bedarf keiner großen Prophetengabe um schon jetzt zu prognostizieren, dass das Wochenende der Online-Plattform Trend-Partisan (www.trend.infopartisan.net/trd1210/t501210.html ) unter dem Obertitel „Wege aus dem Kapitalismus“ ebenfalls von den Medien mit Missachtung bedacht wies. Denn auch dort werden sich Linke treffen, die sehr unterschiedliche Vorstellung von den Wegen aus dem Kapitalismus haben. Doch sie eint die Vorstellung, dass sie ohne Kritik an kapitalistischer Verwertung, Staat und Nation nicht weit führen dürften.

Alles Kategorien, die in dem Text der ostdeutschen Sozialdemokratin Gesine Lötzsch keine Rolle spielen. Ihr Text, der von jeden SPD-oder Grünenpolitiker verfasst sein konnte, löste eine Kommunismusdebatte aus, die bis heute nicht zu Ende ist. Der Grund: Die Redaktion der traditionsmarxistischen jungen Welt, hatte in der Überschrift nach Wegen zum Kommunismus gefragt und Lötzsch  hatte ihre sozialökologischen Ziele als einen Weg dahin angepriesen. Denn schließlich, so ihre Eingangsthese, führen viele Wege zum Kommunismus. ob in oder außerhalb der Regierung. Lötzsch versuchte also als Vorsitzende der Linkspartei allen Strömungen dieser Partei gerecht zu werden.

 

        Und schon heulen Medien und Politike_Innen aller Couleur auf. Die CSU will sogar ein Verbot der Linkspartei prüfen, eine Front aus extrem Rechten von Republikanern bis Pro-Berlin und mittendrin die Ex-CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, die schon lange nach Rechts weit offen ist, rufen zu einer Demonstration gegen den Kommunismus auf. Im Internet tobt sich der rechte Mord ganz unverhüllt aus. Lötzsch wird  darin erinnern,  was mit Rosa Luxemburg passiert ist und ihr wird  mit Ähnlichen gedroht. Für diese  rechte Meute macht es auch keinen Unterschied, ob die Verfasserin etwas mit Kommunismus zu schaffen hat. So wie die Nazis auch noch die bekanntesten   Antikommunisten unter den Sozialdemokraten verfolgten, nur den selbsternannten Bluthund Noske haben sie verschont, so würden ihre heutigen Epigonen auch heute alle, die Kommunismus auch nur als Begriff akzeptieren, verfolgen und notfalls ermorden.

 

Gemeinsam mit dem rechten Mob

 

 

     Doch wie reagieren  Personen, von denen man eigentlich annehmen müsste, dass sich mit solchen Bestrebungen nicht gemein machen? Da formuliert ein  Julian S. Bielicki  eine Austrittserklärung (www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/adieu_gesine/) aus der Linkspartei mit Argumenten aus dem Arsenal der alten und neuen Rechten.    „Seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts überzogen dutzende von Banden, die sich meistens irgendwie „links“ nannten, den Süden von Russland, wo die Staatsmacht schwächer war, als in Moskau oder St.Petersburg,"   wird bei Bielicki die Vorgeschichte der Februar- und Oktoberrevolution umgelogen, so wie sie in unzähligen Traktaten aus der russischen Exilszene seit 1917 verbreitet wird. Kein Wort von den antisemitischen Banden, die damals mit Unterstützung des Zarenregimes  für Pogrome an der jüdischen Bevölkerung auf russischem Territorium verantwortlich war. .

  Nicht alle gehen bei ihrem antikommunistischen Furore soweit in die Geschichte zurück. Ein Rekurs auf den Mauerbau  reicht in der Regel, um den Kommunismus zu erledigen, wie es der Publizist Albrecht Lucke in einen Beitrag in der Wochenzeitung Freitag (www.freitag.de/kultur/1102-ausgerechnet-sloterdijk) versucht.  

„Im 50. Jahr des Mauerbaus noch einmal „Wege zum Kommunismus“ beschreiten zu wollen, ist an politischer Dummheit kaum zu überbieten“, so Lucke. Dabei dürfte er wissen, dass der Mauerbau mit Kommunismus nichts, mit der deutschen Geschichte umso mehr, zu tun hat. Die Mauer war nur deshalb zu verteidigen, weil damit die potentiellen Opfer Deutschlands sicherer leben. Sie war ein steinernes Zeugnis dafür, dass Deutschland und seine Bewohner, die mehrheitlich schwiegen oder mitmachten als 6 Millionen Juden vernichtet wurden, nicht einfach nach wenigen Jahren wieder mitmischen konnten in der Weltpolitik ,als wäre nichts gewesen.    Man braucht kein Kommunist, nicht einmal ein Linker sein, um den Zusammenhang von Auschwitz und der Berliner Mauer zu begreifen. Dass solche Überlegungen in Deutschland heute höchstens noch in der Monatszeitschrift "Konkret" formuliert werden können, zeigt mehr über die deutsche Vergangenheitspolitik als die ganzen Sonntagsreden der politischen Klasse.

 

Das K-Wort austreiben

 

 Auch Ambros Waibel will in der Taz (www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=me&;dig=2011%2F01%2F18%2Fa0099&cHash=a1c9c5a474 ) der Linken und linken Bewegung das böse K-Wort austreiben:

 

   "K" steht hier für das, was manche noch Kommunismus nennen. "Kommunismus" ist aber ein veralteter und provinzieller Begriff. Er steht nicht nur im Westen Deutschlands, wie Gregor Gysi anlässlich der Lötzsch-Debatte meinte, für Unfreiheit und Verbrechen (und für manch irrationale Ängste), sondern auch in Polen. Wer mit dem Begriff "Kommunismus" denkt und politische und gesellschaftliche Ziele beschreibt, lebt in der Vergangenheit. Nicht umsonst nannten sich die Sozialdemokraten und Kommunisten einst so - und nicht Jakobiner.“

Nun dürfte selbst jeden halbwegs mit Marx’schen Schriften vertrauten Leser bekannt sein, dass es bei dem Kommunismus  nicht um aus taktischen Gründen umbenanntes Jakobinertum  sondern   um eine völlig andere Bewegung handelte, die weniger theoretisch noch klassenmäßig mit der kleinbürgerlichen Jakobinerbewegung auf einen Nenner zu bringen sind. Waibel meint dann noch Kommunisten als Freunde des chinesischen und iranischen Regimes ab watschen zu können.  

Hier wird schon die Methode der ganz neuen Kommunistenbanner deutlich. Kommunismus soll  mit Berliner Mauer, iranischen Islamokraten und letztlich mit Stalin kurzgeschlossen und  erledigt werden. Dass sich seit Jahrzehnten Kommunisten und Kommunisten mit einer Gesellschaft jenseits von Staat, Nation und kapitalistischer Verwertung befassen und dabei wieder bei Marx sind, um einen verbürgten Ausspruch von Rosa Luxemburg zu verwenden , wird bewusst verschwiegen. Denn ein solcher Kommunismus konnte bei den Millionen Menschen, die tagtäglich vom Nominalkapitalismus ausgebeutet werden, Anklang finden. Deswegen kein Wort über den Ums-Ganze-Kongress und deswegen auch die Missachtung des Trend-Wochenendes. Allerdings laufen Diskurse nicht nach vorgegebenen Mustern ab und auch  die aktuelle Kommunismusdebatte könnte einen Raum öffnen, um über Wege aus dem Kapitalismus nachzudenken, wie am kommenden Wochenende geplant ist.

    

 

 

       Peter Nowak

 
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Kommentare
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 16:32
angesichts solcher Formulierungen frage ich mich, wen die "alten" Kommunisten, wenn es sie denn noch gäbe, verfolgen und ermorden würden.

Außerdem frage ich mich, warum es den "eigentlichen" Kommunismus, also den guten, nirgendwo auf der Welt gibt, und falls doch, WO?
Magda schrieb am 19.01.2011 um 22:12
Und ich frage mich, ob Sie wissen, wer die alten Kommunisten verfolgt und ermordet hat. Das ist Ihnen aber sicherlich egal.
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 22:17
der Kommentar passt allerdings ideologisch zu dem Geschichtsrevisionismus des Blogautoren.

Ich muss zugeben, dass mich die Linke immer mehr irritiert als überzeugt.
Joachim Petrick schrieb am 19.01.2011 um 22:47
@ForenBoy

"Ich muss zugeben, dass mich die Linke immer mehr irritiert als überzeugt."

Das ist doch gemeinhin mehr als man/frau von Anderen honorarfrei erwarten kann!, oder?
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 22:54
im kapitalistischen System vielleicht, aber hier?
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 22:56
hier muss allerdings viel aufgearbeitet werden, die Stasi sitzt in der LINKEN und den Linken im Nacken:

tinyurl.com/ForenBoy70
Peter Nowak schrieb am 20.01.2011 um 01:57
Kommunismus kann es nicht als Insel im Kapitalismus irgendwo auf der Welt geben. Er ist eine Bewegung zur Überwindung der kapitalstischen Verwertungslogik und an einem bestimmten Stand der Produktivkräfte verbunden. -deshalb ist es auch nicht möglich, Kommunismus jenseits von Raum und Zeit zu etablieren. Auch ein Grund, warum er in Russland 1917 nicht möglich war.
koslowski schrieb am 19.01.2011 um 16:38
"Man braucht kein Kommunist, nicht einmal ein Linker sein, um den Zusammenhang von Auschwitz und der Berliner Mauer zu begreifen." - Ich bin kein Kommunist, nur ein "Irgendwie - Linker", und verstehe den Zusammenhang von Auschwitz und der Berliner Mauer überhaupt nicht. Bislang war mir dieser Vergleich nur von rabiaten Antikommunisten bekannt, die damit ihre Gleichstellung von Faschismus und Kommunismus plausibel machen wollten. Nun bin ich ratlos und potentiell deprimiert oder empört. Bitte, Peter Nowak, erläutern Sie doch kurz, worin der Zusammenhang von Auschwitz und der Berliner Mauer Ihrer Meinung nach besteht. Ich möchte Sie gern verstehen.
Peter Nowak schrieb am 20.01.2011 um 02:14
Der Zusammenhang ergibt sich aus der Diskussion um den Umgang mit Deutschland nach dem Sieg über den NS. Da sich die Alliierten bald darüber nicht mehr einig waren, kam es zur Spaltung und auch zum Mauerbau. Schnell wurde daraus eine Spaltung in Kommunismus und Demokratie gemacht. Tatsächlich war es eine Spaltung unter unterschiedlichen bürgerlichen Staaten oder Staatenbünden.

Sie ist aber eine Folge und Konsequenz des NS. Dass haben übrigens in den 50er und 60er Jahren viele Menschen in Deutschlands Nachbarstaaten so gesehen, die eben verhindern wollten, dass Deutschland wieder von dem Rhein bis zur Oder oder noch weiter reicht. Bis 1989 konnte das verhindert werden, hatte aber nichts mit Kommunismus zu tun.
Peter Nowak schrieb am 20.01.2011 um 02:14
Der Zusammenhang ergibt sich aus der Diskussion um den Umgang mit Deutschland nach dem Sieg über den NS. Da sich die Alliierten bald darüber nicht mehr einig waren, kam es zur Spaltung und auch zum Mauerbau. Schnell wurde daraus eine Spaltung in Kommunismus und Demokratie gemacht. Tatsächlich war es eine Spaltung unter unterschiedlichen bürgerlichen Staaten oder Staatenbünden.

Sie ist aber eine Folge und Konsequenz des NS. Dass haben übrigens in den 50er und 60er Jahren viele Menschen in Deutschlands Nachbarstaaten so gesehen, die eben verhindern wollten, dass Deutschland wieder von dem Rhein bis zur Oder oder noch weiter reicht. Bis 1989 konnte das verhindert werden, hatte aber nichts mit Kommunismus zu tun.
ForenBoy schrieb am 20.01.2011 um 02:29
Für mich klingt das schwammig, verworren und nicht schlüssig.

Wenn die Mauer nichts mit Kommunismus zu tun hatte, womit dann?
Eine Gefängnismauer mit Todeszone und mindestens 230 ostdeutschen Toten als "SCHUTZ" zu bezeichnen ist für mich unerträglicher Zynismus.

Glauben Sie denn immer noch, dass auch nur ein Einziger freiwillig in die DDR gegangen wäre, der dort keine nahen Verwandten gehabt hätte?.

Die Mauer hatte nur einen Sinn: die eingesperrten Menschen am Verlassen des Terror Regimes zu hindern.
mahung schrieb am 20.01.2011 um 12:18
"Glauben Sie denn immer noch, dass auch nur ein Einziger freiwillig in die DDR gegangen wäre, der dort keine nahen Verwandten gehabt hätte?"

Ja. Ich weiß das sogar. Aber recherchieren Sie's halt selber.
mahung schrieb am 20.01.2011 um 12:37
"Terror Regime"

Sie sollten ein wenig aufpassen, wie Sie mit Begrifflichkeiten umgehen. Das Ihr politikwissenschaftlicher bzw. historischer Wissenshorizont doch sehr laienhaft ist, beweisen Sie mit solchen Kommentaren. Da das hier ein offenes Forum ist, ist das auch nicht weiter schlimm. In so einem Fall ist Ihr Halbwissen nicht wirklich schädlich.

Nur sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, was es bedeutet, die DDR als Terrorregime zu bezeichnen. Ich helfe Ihnen auf die Sprünge. Sie verharmlosen damit echte Terrorregime jeglicher Ausprägungsform und vor allem deren Opfer und das der Alltag in der DDR zu keiner Zeit ihres bestehens aus "Terror" bestand, dürften eigentlich selbst Sie mitbekommen haben.
claudia schrieb am 20.01.2011 um 13:00
>>Aber recherchieren Sie's halt selber.<<
Oh mahung, jetzt muss der sich erst mal informieren, ob er das darf. Und er wird zweifellos herausfinden, dass er eigentlich schon darf, aber sich nicht dürfen trauen sollte...
ForenBoy schrieb am 20.01.2011 um 17:59
Falsch, für mich ist ein Regime, das gegen die eigenen Bürger vorgeht und zwar mit Mitteln von Folter, Freiheitsberaubung und Tötung, wie es die DDR in großem Umfang tat, ein TERROR-REGIME.

Relativieren tun andere, ich nicht.
Dass es sicher irgendwo auf der Welt noch abscheulichere Terrorregime gab und gibt, kann ja wohl nicht zu einer weniger aussagekräftigen Bezeichnung führen? Hallo?

Demnach würde es ja nur ein einziges Terrorregime auf der Welt geben, nämlich das schlimmste, alle anderen hätten wohlklingendere namen.

Wie unsinnig solche Gedanken sind, müsste eigentlich jeder erkennen.
mahung schrieb am 20.01.2011 um 23:28
Du musst lesen und dann auch verstehen. Relativieren tut derjenige, der Abstufungen nicht kennt oder versteht und deswegen seiner "Sache" genau nicht dient, sondern der der Anderen.

"Relativieren tun andere, ich nicht.
Dass es sicher irgendwo auf der Welt noch abscheulichere Terrorregime gab und gibt, kann ja wohl nicht zu einer weniger aussagekräftigen Bezeichnung führen? Hallo?"

Diese Aussage steht für sich und muss nicht weiter kommentiert werden.

"Falsch, für mich ist ein Regime, das gegen die eigenen Bürger vorgeht und zwar mit Mitteln von Folter, Freiheitsberaubung und Tötung, wie es die DDR in großem Umfang tat, ein TERROR-REGIME."

Diese Aussage steht für das was schon weiter oben ausgeführt worden ist. Dein Bild ist beschränkt, ahistorisch und politikwissenschaftlich nicht haltbar. Ernsthaftigkeit in der Beurteilung lebt vom sachlichen Vergleich. Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellen und darüber abwägen. Stattdessen werden Terrorregime verharmlost und Opfer verhöhnt, nur um einen Punkt, auf den Du Dich nun einmal versteift hast, nämlich ein zurecht untergegangenes autoritäres Herrschaftssystem in seiner Wirkung und geschichtlichen Bedeutung derart überzubewerten, dass es seine Art hat. Du merkst nicht, wessen Spiel Du damit spielst und auch nicht, dass Dein vermeintliches Anliegen - wenn schon die Nazis in der BRD glimpflich davon gekommen sind, dann soll es die "ganzen" Verantwortlichen oder aus Deiner Sicht Verantwortlichen des DDR-Systems umso so härter treffen - so niemals aufgehen kann. Jetzt wird aber endlich mal richtig bestraft, stigmatisiert und abgeurteilt! Auch wenn die historische Schuld der einen in keinem vernünftigen Verhältnis zu der Schuld der anderen steht und Differenzierung eh nur stört, wenn man auf Mission ist. Und die ganzen Linken hier im Forum aber partout nicht über die Stasi diskutieren wollen. Schlimm!
koslowski schrieb am 21.01.2011 um 09:39
@Peter Nowak am 20.01. um 02:14

Danke für die Erklärung. Also verbirgt sich hinter der reißerischen Formulierung eine ziemlich banale Einsicht: die Teilung Deutschlands ist ( u.a. auch ) eine Folge deutscher Politik im NS? Muss man das so mehrdeutig formulieren?
Magda schrieb am 21.01.2011 um 10:08
@ koslowski - Die Geschichte ist - auch jenseits von den Erklärungen dieses Blogs - mehrdeutig.
Was ich persönlich schlimm finde, ist, dass den DDR-Bürgern die Folgen der NS- Politik "angelastet" werden, wenn sie sie historisch einordnen wollen. Sie werden befragt - hochnotpeinlich - ob ihnen die Opfer den egal seinen und so weiter.
Zu DDR-Zeiten war mit dem Begriff "Antifaschistischer Schutzwall" - nur plakativ gemeint, dass es galt, sich nach außen abzuschotten. Für mich hatte "antifaschistischer Schutzwall" auch die Bedeutung eines ständig gegen die eigene Bevölkerung genährten Verdachts, dass der Faschismus - resp. der Nationalsozialismus - in ihnen noch virulent ist. Die DDR-Bürger mussten dauernd "beweisen" durch Gutwilligkeit und Loyalitlät, dass sie keine Faschisten mehr waren.

Und die DDR-Bürger stehen auch heute wieder pausenlos unter Verdacht: Der Beschönigung, der verweigerten Trauer, der nicht erfolgten Aufarbeitung, der Verstrickung usw. Als hätten sie wirklich eine Wahl gehabt. Auch die meisten "Bürgerrechtler" waren lange Zeit loyale DDR-Bürger. Sie wollens nur nicht mehr wahrhaben.
mahung schrieb am 21.01.2011 um 11:24
Ja. Und nicht zu vergessen ehemalige und gegenwärtige Ministerpräsidenten, welche als niedere Nomenklatur-Kader das System genauso stützten, wenngleich in der aus heutiger Sicht "richtigen" Partei. Denen wird ihr demokratisches Ansinnen und Verhalten automatisch unterstellt, während ihre damaligen Kollegen, ebenfalls niedere Nomenklatur-Kader und Systemstützen, dummerweise aus heutiger Sicht Mitglieder der falschen Partei, wahrscheinlich Zeit ihres restlichen Lebens rechtzufertigen haben was war und grundsätzlich der Demokratieunfähigkeit, somit Lernunfähigkeit geziehen werden. Das ist es, was einen so auf die Palme bringt und dazu muss man weder Parteigänger der LINKEN sein, noch ihr politisch besonders nahe stehen, es reicht einfach ehemaliger DDR-Bürger zu sein, was man sich auch nicht wirklich aussuchen konnte.
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 16:47
So jedenfalls wird das nichts, mit dem neu begründen......
Fat Mike schrieb am 19.01.2011 um 17:01
"Dabei dürfte er wissen, dass der Mauerbau mit Kommunismus nichts, mit der deutschen Geschichte umso mehr, zu tun hat. Die Mauer war nur deshalb zu verteidigen, weil damit die potentiellen Opfer Deutschlands sicherer leben. Sie war ein steinernes Zeugnis dafür, dass Deutschland und seine Bewohner, die mehrheitlich schwiegen oder mitmachten als 6 Millionen Juden vernichtet wurden, nicht einfach nach wenigen Jahren wieder mitmischen konnten in der Weltpolitik ,als wäre nichts gewesen."

Geschichtsrevisionismus mal von links. Erschreckend.
Joachim Petrick schrieb am 19.01.2011 um 17:45
@Peter Nowak

"Die Mauer war nur deshalb zu verteidigen, weil damit die potentiellen Opfer Deutschlands sicherer leben"

ein gewagter Schluss, der voll daneben geht, weil womöglich die Mauer die Opfer und Überebenden, Hinterbliebenen, der NS- Zeit jahrzehntelang daran durch den Kalten Krieg der Ost- Westblöcke gehindert hat, Entshädigungsforderungen geltend zu machen.

Gewollt wie ungewollt, wurden die Ostberliner Mauerbauer mit der DDR als Billigarbeiter/innen Homeland zum Büttel des Rheinischen Kapitalismus.

Von Entschädigungsforderungen, gar -angeboten für Opfer des NS- Terrors in Gesamt Europa habe ich nie etwas aus dem SED Zentralkomitee, Politbüro der DDR- Staatsregierung, samt angeschlossener Volkskammer, gehört.

Oder habe ich da etwas überhört?
Joachim Petrick schrieb am 19.01.2011 um 17:49
siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/kapitalismus-kommunistisch-gemeindenaher--praegung?

18.01.2011 | 16:32
Kapitalismus kommunistisch gemeindenaher Prägung?
kapitalismus kommunismus demokratischer sozialismus

Kapitalismus kommunistisch gemeindenaher Prägung?
claudia schrieb am 20.01.2011 um 17:48
@JP:
>>"Die Mauer war nur deshalb zu verteidigen, weil damit die potentiellen Opfer Deutschlands sicherer leben"
ein gewagter Schluss, der voll daneben geht,<<
Es ist ein Teilaspekt. Die Erinnerung an deutsche Besatzungszeit habe ich bei Franzosen und Niederländern noch in den 70er Jahren erlebt. Die fanden es schon okay, weil angstmindernd, dass Deutschland geteilt ist.
Einer von vielen Aspekten.
Den 3 Westalliierten ging es um was Anderes: Die Trizone, dann BRD genannt, sollte ein Vorposten im Krieg, ob "heiss" oder "kalt" sein.
Im heissen Krieg wäre die BRD Kampfzone gewesen. Die Pläne zur Entlaubung sind bekannt.
Im kalten Krieg primär das Propagandaobjekt. In der Beziehung war die DDR im Nachteil, denn sie hatte ökonomisch sehr viel schlechtere Startbedingungen. Das führte schliesslich zur Grenzschliessung.

Der kalte Krieg hatte an den Grenzen der Machtblöcke seine "heissen Zonen". Schlimm war es in Korea und Vietnam.
So gesehen sind wir glimpflich davon gekommen.

Man kann die deutsche Geschichte von 1945 bis 1990 analysieren. Das macht Arbeit und iszt nicht mit ein paar schnell in die Tastatur gehämmerten Sätzen nach der Methode "Chat der heissen Tasten" zu machen.
Es könnte sich aber lohnen, falls man vom Objekt zum Subjekt werden will.

Die Geschichte der Arbeiterbewegung, auch diese als Ganzes, spielt natürlich auch in der deutschen Geschichte eine Rolle. Aber um sie halbwegs zu verstehen, muss man früher und international ansetzen.
Damit könnte erreicht werden, dass der Begriff "Kommunismus" nicht länger eine Worthülse bleibt.
ForenBoy schrieb am 20.01.2011 um 18:16
Der Einzige Grund für den Mauerbau war die Panik der roten Parteigenossen, dass ihnen die Menschen alle davon laufen, und sonst nichts.

Was soll die Geschichtsknitterung?

Man hat es schließlich den Menschen nicht erlaubt, ein besseres Leben zu führen, indem man sie eingesperrt hat.
Denn dann wäre die DDR schon 1955-1960 pleite gewesen und nicht erst 1988, und nur dafür mussten die ganzen Menschen sterben und leiden.

"........denn sie (DDR) hatte ökonomisch sehr viel schlechtere Startbedingungen.
Das führte schliesslich zur Grenzschließung."

So kann man es natürlich auch umschreiben.
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 18:08
Mir fällt auf, dass die unorganisierten und teils schlecht recherchierten MultiBlogs zum selben Thema langsam aber Überhand im Forum nehmen.
goedzak schrieb am 19.01.2011 um 18:25
Erst 11 Tage hier und schon Zuchtmeister-Ambitionen?
Achtermann schrieb am 19.01.2011 um 18:33
Lieber ForenBoy,

Du schreibst: "Mir fällt auf, dass die unorganisierten und teils schlecht recherchierten MultiBlogs zum selben Thema langsam aber Überhand im Forum nehmen."

Da trägst Du aber ganz schön auf! Als ich nach dem Lesen Deines Urteils nachsehen wollte, wie gut recherchiert Deine eigenen Arbeiten sind, musste ich feststellen, dass Du bisher noch gar kein Blog verfasst hast. Dann leg doch mal was vor: maßstabsetzend!
goedzak schrieb am 19.01.2011 um 18:49
Achtermann, keine dösenden Hunde aufschrecken!

Äh, was ich meine: was forenboy zu sagen hat, hat er doch schon x-mal gesagt.
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 18:57
Wozu? ich wäre ja für weniger, denn das ist manchmal mehr.
ForenBoy schrieb am 19.01.2011 um 19:02
was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Beispiel: unzählige "Kommunismus"-Blogs fast alle mit der heißen Nadel gestrickt, was soll dabei heraus kommen?

Ich dachte bisher, Populismus sei eine Wesensart, die man vornehmlich konservativen Kreisen zuordnen könnte.
jayne schrieb am 19.01.2011 um 18:12
morgen, ich hatte es schon anderswo gepostet, findet als ZP.) eine Aktuelle Stunde auf Verlangen Fraktion der CDU/CSU und FDP
Forderungen der Vorsitzenden der Partei DIE LINKE., Dr.Gesine Lötzsch
Wege zum Kommunismus ausprobieren - Opfer nicht verhöhnen
(ZP, 01:00 Stunde) statt, gegen 13.30h
jayne schrieb am 20.01.2011 um 11:34
der angekündigte "ZP" wurde scheinbar gecanzelt und dafür einer zu einem anderen thema plaziert ...
claudia schrieb am 21.01.2011 um 06:07
Ja, sie haben jetzt das Thema "die Krawatte als wichtigstes Instrument politischer Entscheidungsfindung".

Da fühlt man sich doch sicherer, denn es können alte Erfahrungen mit Turnschuhen und selbstgestrickt aussehenden Pullovern recyclet werden.
www.freitag.de/community/blogs/tom-strohschneider/wuerde-ohne-krawatte-eine-modepolizeiliche-posse-im-bundestag
Peter Nowak
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