Politik

Scherbengericht | 09.03.2010 13:00 | Lutz Herden

Obamas großer Stein

US-Vizepräsident Joe Biden will Israelis und Palästinenser zu indirekten Gesprächen bewegen und nebenbei das Terrain für einen Militärschlag gegen Teheran sondieren

Mit einer geballten Ladung Diplomatie soll der Nahost-Prozess aus der Agonie gerissen werden. Erst erinnern sich die EU-Außenminister daran, dass ihr Staatenbund zu den Garantiemächten der fast vergessenen Road Map aus dem Jahr 2002 zählt und mehr tun sollte, als Gaza zu isolieren und die Hamas als Terrorgang zu geißeln. Dann wird US-Vizepräsident Joe Biden vorstellig, um Palästinensern und Israelis nahezulegen, sie sollten es ausnahmsweise einmal indirekt miteinander versuchen. Verhandeln, ohne an einem Tisch zu sitzen. Als Pendel-Emissär bietet sich Obamas Sonderbotschafter George Mitchell an, der Sprachlosigkeit dolmetschen, kolportieren und auf Anzeichen von Vernunft abklopfen soll.

Wenn Mahmud Abbas zu diesem absurden Spiel in resignativer Würde nickt, bietet sich dafür nur eine Erklärung an. Er signalisiert, es gibt noch palästinensische Akteure, die einem israelischen Premier, der seine Überlegenheit so ungeniert ausspielt, das Feld nicht allein überlassen. Was wird es nützen? Benjamin Netanyahus hinhaltender Widerstand gegen alles, was nach amerikanischer Vormundschaft aussieht, gerät längst zur triumphalen Demütigung Washingtons. Soviel Lust am Boykott hat keiner seiner Vorgänger je riskieren dürfen – weder Ehud Barak, noch Ariel Sharon, geschweige denn Ehud Olmert. Hätten sie einen Siedlungstopp verkündet und in Ostjerusalem ungerührt weiterbauen lassen? Netanyahu tut es und trifft Obama dort, wo er seit seinem Amtsantritt am verwundbarsten ist: Bei Versprechen, die den realpolitischen Tauglichkeitstest fürchten müssen. Es gab einen Moment, da schien dieser Präsident der arabischen Nation aus der Seele zu lesen. „Die Lage für die Palästinenser ist untragbar“, hieß es in seiner Kairo-Rede am 4. Juli 2009, „Amerika wird sich der berechtigten palästinensischen Hoffnung auf Würde und einen eigenen Staat nicht verweigern.“ Da wurde ein gewaltiger Stein ins Wasser geworfen. Aber – wie sich herausstellen sollte – lediglich versenkt.

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Der palästinensische Wille zum Staat bleibt auch in den Augen der jetzigen US-Regierung, was er immer war – ein frommer Wunsch. Obama kann Israel ermahnen und kritisieren, aber nicht zwingen, seiner Versöhnungsbotschaft zu folgen. Er hätte die Macht dazu, dies zu tun, nur gebrauchen will er sie nicht. Der Iran-Konflikt bietet sich an, dem langen Schatten der Kairo-Rede zu entkommen. Benjamin Netanyahu versteht es vorzüglich, die iranische Gefahr heraufzubeschwören. Er spielt mit der Suggestion, Teheran im Alleingang militärisch zu zügeln. Will sich Obama nicht als Feigling vorführen lassen, muss er Israel in unverbrüchlicher Treue verbunden sein. Die Vermutung liegt nahe, dass Joe Biden auch deshalb in Kairo und Amman vorspricht, um sich dortiger Gefolgschaft für den Fall des Falls zu versichern. Tritt er ein, kann die Obama-Administration für den Rest ihrer Amtstage getrost zur Nahostpolitik George Bushs zurückkehren. Für die Palästinenser wäre das ein Offenbarungseid, der sie wissen lässt, auch Barack Obama wird sie einem eigenen Staat letzten Endes keinen Schritt näher bringen.

 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
SchmidtH. schrieb am 09.03.2010 um 17:04
Wenn man schon nicht "meckern" kann, dann sei hier aber nur eine Frage gestellt, Lutz Herden.

Das verstehe ich trotz mehrmaligem Lesen nicht.

Lutz Herden schreibt:
"Obama kann Israel ermahnen und kritisieren, aber nicht zwingen, seiner Versöhnungsbotschaft zu folgen. Er hätte die Macht dazu, dies zu tun, nur gebrauchen will er sie nicht."

Also wenn jemand etwas kann, ohne zwingen zu können, obwohl er die Macht hat, sie aber nicht gebrauchen will, was soll das sein?

Was heißt es im Klartext:

Er, Obama hat die Macht - qua Amt und standing - will und kann sie aber aus innenpolitischen Gründen nicht nutzen und außerdem nicht (dieses kommt verschärfend dazu), weil er ja wiedergewählt werden will.

Kurzum: Der Konflikt wird nicht zu lösen sein, weil der politische Wille und der Mut(?) fehlt, eine "Carte blanche" auf dem Tisch lag oder gelegt wurde und ein Staat zugegriffen hat.

Punkt! Was nun, sprach Zeus?

Übrigens. Mut - Feigheit/-ling oder umgekehrt. Wann gilt Obama als ein Feigling und wann darf er als mutig bezeichnet?

Eine rein rhetorische Frage.
Alien59 schrieb am 09.03.2010 um 17:13
Netanjahu dürfte nunmehr auch den indirekten Verhandlungen eine indirekte Absage erteilt haben:

"Mit einer Ausbau-Genehmigung für eine jüdische Siedlung im Westjordanland hat Israel am Montag den tags zuvor vereinbarten Friedensdialog mit den Palästinensern aufs Spiel gesetzt. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat sprach von Sabotage der über die USA zu führenden indirekten Verhandlungen, bevor sie überhaupt wieder begonnen hätten. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Baus 112 weiterer Apartments in Beitar Illit brüskierte auch die USA, deren Vizepräsident Joe Biden am Montagabend in Jerusalem erwartet wurde. "
www.focus.de/politik/weitere-meldungen/siedlungsbau-israel-setzt-friedensgespraeche-mit-palaestinensern-aufs-spiel_aid_487721.html

Das wars dann wohl erst mal - ich will nicht hoffen, dass Abbas trotzdem noch mitspielt. Irgendwo ist mal Schluss.
Lutz Herden schrieb am 11.03.2010 um 08:09
Es gab allerdings bei seinem gestrigen Treffen mit Joe Biden keine klare Auskunft dazu, dass Abbas die indirekten Gespräche ablehnt und sich davon nun doch davon zurückzieht.
Alien59 schrieb am 11.03.2010 um 10:24
Zensiere mich grad selbst. Meine Meinung über Abbas ist nicht druckfähig.
Rahab schrieb am 11.03.2010 um 10:33
brauchste nich, Alien59. mittlerweile gibt es die "klare Auskunft", dass Abbas diesen eiertanz nicht mitmacht. gespräche ohne ihn.
Alien59 schrieb am 11.03.2010 um 10:38
Es geschehen noch Zeichen und Wunder....
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.03.2010 um 17:38
Ich teile ausdrücklich die sprachlogische Kritik von SchmidtH. und pflichte auch Alien59 in seinem Fazit bei.

Ich will dazu noch ergänzen, dass Joe Biden sich öffentlich als (nichtjüdischen) Zionisten bezeichnet hat, ergänzend: "You don't have to be a Jew to be a Zionist".

Das alte Spiel geht weiter, und ich persönlich meine, dass Obama in diesem Zusammenhang über gar keine Macht verfügt.

Auch wenn ihm eine vermasselte Wiederwahl egal wäre: Er hat einfach zu viel Dreck am Stecken, und dass er überdies, wofern er sich trotzdem aufbäumen wollte, keine Lust hat, verselbstmordet zu werden, ist leicht nachvollziehbar.

Die Obamania vieler unserer Landsleute war von Anfang an dümmer als ein altes Stück Brot in einer verbeulten Pfanne voll Gammelfett.
SchmidtH. schrieb am 09.03.2010 um 17:59
@ magnus göller

In der Tat, dieses Wort in ihrem Beitrag

"verselbstmordet"

erklärt so manch inneramerikanisches, innerpolitisches Verhalten/Handeln der dortigen Präsidenten aber auch Politiker. Nicht alles, aber es darf nicht außer acht(Acht) gelassen werden.

Vergleicht man es mit anderen Staaten, wird es noch viel deutlicher.
SchmidtH. schrieb am 09.03.2010 um 17:43
Gerade fällt mir noch ein Artikel von Gideon Levy ein, wenn man so will ein verzweifelter Appell doch endlich etwas zu tun, nämlich dort anzusetzen, wo es pressiert, nein, wo - wenn überhaupt - der Schlüssel liegt dieses Problem wenigstens einer Lösung näher zu bringen.

"Amerika, hör auf, vor Israel zu kriechen!"

Wie schreibt er in seinem lezten Absatz:

"Das Israel von 2009 ist ein verwöhntes, arrogantes Land und davon überzeugt, dass es alles verdient und dass es die Macht hat, Amerika und die Welt zum Narren zu halten. Die Vereinigten Staaten haben diese Situation erzeugt, die den ganzen Nahen Osten und Israel selbst gefährden . Deshalb ist im kommenden Jahr dringend ein Wandel nötig . Washington muss gegenüber Israel und der Besatzung endlich „Nein“ sagen, ein unzweideutiges Nein des Präsidenten."

Wir schreiben das Jahr 2010 und nichts hat sich wie erhofft, herbeigesehnt, geändert

Warum wohl? Immer dieselben Fragen. Es langweilt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.03.2010 um 18:07
Ja, warum wohl...es langweilt.
Lutz Herden schrieb am 10.03.2010 um 08:06
Das gestern von Joe Biden nach dem Gespräch mit Benjamin Netanjahu abgegebene Statement ließ klar erkennen, dass für die Amerikaner die Iran-Frage Priorität hat und alles überlagert, was momentan im israelisch-palästinensischen Verhältnis durch die Siedlungspolitik Netanjahus völlig unzulässig ist und jeden Gesprächsansatz ab absurdum führt.
SchmidtH. schrieb am 09.03.2010 um 19:29
Shlomo Ben-ami schreibt in einem Beitrag, der bei mir Kopfschütteln verursacht und vieles verdeutlicht - auf "project-synidcate.org." zu finden - folgendes und endet damit:

"General James Jones, Präsident Obamas Berater für nationale Sicherheit, hat vor Kurzem eine andere, wenn auch ebenso ominöse Vorhersage vorgebracht. Als Reaktion auf den zunehmenden internationalen Druck, so meinte er, könnte der Iran Israel durch seine Stellvertreter Hisbollah und Hamas angreifen. Solche Angriffe könnten einen größeren regionalen Flächenbrand auslösen.

Kriegsdrohungen im Nahen Osten sollten niemals als unglaubwürdig abgetan werden. Kriegsprophezeiungen haben sich überdies zu oft als selbsterfüllend herausgestellt. Doch könnten Amerikas außerordentliche Bemühungen, Israel zu zügeln, nicht ausreichen, um eine Katastrophe zu verhindern. Die Tage der Pax Americana in der Region sind vorbei, was bedeutet, dass zur Vermeidung einer regionalen Explosion die Mobilisierung der großen internationalen Akteure erforderlich ist, die diplomatische Lösungen für den arabisch-israelischen Konflikt vorziehen und den Iran in seinem Bestreben unterstützen, zu einem rechtmäßigen Partner in einem neuen regionalen System zu werden.

www.project-syndicate.org/commentary/benami39/German

An diesen Ausführungen läßt sich ablesen, wohin uns diese von Angela Merkel betriebene, zur "Staats-Raison" erhobene Israel-, aber auch Nahostpolitik hingeführt hat. Ins Abseits.

Wir haben uns - ohne wenn und aber - auf eine Seite geschlagen und uns unnötigerweise in eine Position manövriert, die es uns nun nicht mehr erlaubt, vermittelnd hier tätig zu werden. Auch wenn wir nicht in Lage sind militärisch zu drohen, meint unsere Kanzlerin doch, sie könnte, müßte, sollte drohen, drohen gen Iran, gen Hamas. Komme was wolle.

Diese Haltung werden wir noch teuer bezahlen, nur sind wir Deutschen bei genauerer Überlegung, Betrachtung dazu tatsächlich bereit? Wollen wir diesen dann erforderlichen Preis überhaupt bezahlen? Bringt uns diese, unsere Haltung einer Friedenslösung in Nahost näher? Verstärken wir nicht erst das schon vorhandene Konfliktpotenzial durch unsere einseitige Parteinahme?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.03.2010 um 22:41
Ihre neuerlichen Ausführungen, lieber SchmidtH., sind aus meiner Sicht wiederum zutreffend.

Aber, Asche auf mein Haupt, ich habe mich hier auch nicht getraut, Klartext zu reden.

Und ich werde es jetzt auch noch nicht einmal nach dieser Vorrede tun, weil ich, auf Deutsch gesagt, keinen Bock darauf habe, mir dann dasjenige einzuhandeln, was zwangsläufig darauf folgt.

Ich weiß also genausowenig wie Sie oder irgendein anderer hier genau zu sagen, weshalb die Dinge so unbegreiflich einseitig vonstatten gehen: alles muss wohl rein zufällig sein oder höchstens ein bisschen dumm gelaufen.

Amen.
merdeister schrieb am 09.03.2010 um 22:49
Als aufrechter Mensch hat man es wirklich schwer.
Alien59 schrieb am 10.03.2010 um 05:47
Ich frage mich aber, ob sich nicht Deutschland da zu wichtig nimmt. Vermittlungsbemuehungen werden zwar sicher gern gesehen, aber wirklich relevant ist das, was eine Frau Merkel sagt, vor Ort eigentlich nicht.
Lutz Herden schrieb am 10.03.2010 um 08:03
Schon deshalb nicht, weil die Verbundenheit mit Israel inzwischen als eine Frage der Staatsräson gilt, so dass Kritik auch an einer Regierung wie der jetzigen als unzulässig gilt. Deutschland beeinflusst damit auch die Nahost-Politik der EU.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.03.2010 um 20:21
Dann haben Sie ja wenigstens ein Problem nicht.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.03.2010 um 20:24
Der Kommentar bezog sich auf "merdeister" und nicht auf Sie, verehrter Herr Herden.
Fro schrieb am 10.03.2010 um 01:37
Netanyahu kennt anscheinend die wahren Machtverhältnisse. Obama ist nicht in der Lage den nötigen Druck zu veranlassen, weil andere die Strippen ziehen.
M.E. steht der Irankrieg bzw der militärisch unterstützte Sturz der iranischen Regierung schon fest. Es wäre wichtig, dass Obama massivere Unterstützung seitens Europa erhält – aber da sehe ich nichts außer Alibibekenntnisse – eigentlich müssten die Bürger mal ran m.E. wird ein Irankrieg auch auf unserem Boden ausgetragen (Terroranschläge).

Israel wird m.E. so oder so eine strategisch wichtige Rolle in einem Krieg gegen den Iran spielen – da läuft ein Großplan, den auch Obama nicht stoppen kann oder vielleicht auch garnicht stoppen will.
TomGard schrieb am 10.03.2010 um 15:35
Ich halte die Spekulation, ein US-Angriff auf den Iran sei bereits beschlossene Sache, für eine schädliche Ablenkung. Wenn es sich um mehr als Spekulation handeln sollte, dann bitte ich um entsprechende Tat-Sachen nebst Argumenten!

Falls die Kehrtwende der IAEA angeführt werden sollte:
Die Bush-Regierung hatte sich um die Erhebungen der IAEA und ihre Versuche zur deeskalierenden Versachlichung nicht geschert, bis die CIA selbst der Regierung in den Arm fiel, indem sie der IAEA Recht gab! Der CIA "vertraue" ich mehr: Wenn die Jungens meinen, ein Angriff sei nicht angebracht, dann ist das eine zuverlässigere Aussage, als taktische Äußerungen aus Weißem Haus, State Department und selbst dem Pentagon. Und die Lage hat sich seit Anfang 2009 nicht substantiell geändert. Folglich gälte der Schwenk der IAEA nicht der Rechtfertigung von Angriffsplänen, sondern den Verhandlunggrundlagen Obamas gegenüber Russland und China. Dazu passt, daß die Maulkörbe, die in den USA Äußerungen zu den Beziehungen Chinas und Indiens zum Iran gedeckelt haben, offenbar gelockert wurden.

Nein, ich sehe keinen Grund, Joe Bidens Bekenntnis zu "diplomatischen Lösungen" zu mißtrauen, zumal gerade er, als bekennender Zionist und Falke, der geeignete Mann ist, es in Israel zu verkünden.

Cheney und Rumsfeld waren gewiß klinisch verrückt genug - von Bush zu schweigen - um sich über die klaren Ansagen aus Moskau zu den Folgen eines Iran-Angriffes hinweg setzen zu wollen. Die Administration Obamas ist es nicht. Daher der geostrategische Schwenk nach Pakistan, der Krieg dort findet bereits statt und die Eskalation ist bereits angekündigt, das kann jeder feststellen, der ein wenig recherchiert.

Schädlich scheint mir die Spekulation aus mehreren Gründen, darunter der Trivialste, daß auf diese Weise eine "Erleichterung" vorbereitet wird, daß es "nur" einen zunächst mehr oder minder verdeckten Pakistan-Krieg geben wird, nicht den Iran - Krieg.

Überdeutlich, daß die Zionisten jetzt unverfroren freie Hand in der Palästina-Politik für militärisches Stillhalten gegenüber dem Iran einfordern, diplomatisch klarer können sie das wohl nicht machen.
In diesem Zusammenhang noch ein Wort zu dem widerlichen Geraune über die angebliche Vor- und Nasführung der großartigen US-Macht durch die Zionistenhäuptlinge. (Und ich habe keine Angst vor den Folgen meiner Worte.)
Ein nicht zu unterschätzendes Druckmittel der Zionisten sind die militärisch-technischen Informationen der eng mit amerikanischen Rüstungskonzernen verflochtenen israelischen Militärindustrie und des Mossad. Wer nachrecherchiert, wird finden, daß die Israelis sich in der Vergangenheit mehrfach über amerikanische Verbote des Technologietransfers hinweg gesetzt haben. Vielleicht am Spektakulärsten, indem sie indische Jagdbomber SU 35 MKII (erst aus russischer Fertigung, dann die Lizenzproduktion) mit state of art-Aeronautik ausstatteten. Der Iran erhielt darauf diesen Jagdbomber, den einige Piloten für überlegen halten, aus Indien angeblich ohne die fortgeschrittene Aeronautik und auch dem russischen Lizenzgeber wurde sie angeblich verweigert. Naja ...
Gut, aber das sind letztlich Nadelstiche. Was wirklich zählt, und daran zerbrachen Bushs hochfahrende Pläne zur Zügelung Sharons, ist, was der Mossad über 9/11 zu dokumentieren weiß.

TomGard
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.03.2010 um 18:55
Sehr interessant, was Sie hier aufbringen, und zumal die These, die USA seien ob 9/11 durch Israel erpressbar, entbehrt wahrscheinlich nicht der Grundlage.

Indes, macht 9/11 wirklich den großen Unterschied, wenn man bedenkt, wie schon der israelische Angriff auf die USS-Liberty in internationalen Gewässern (mit vielen amerikanischen Toten und Verletzten) weiland von der US-Regierung vertuscht wurde?

Joel Stein vermerkte stolz in der L.A. Times, dass Hollywood praktisch ausnahmslos jüdisch kontrolliert sei; Ariel Sharon ging diesbezüglich öffentlich noch erheblich weiter, indem er von den ganzen schönen USA in diesem Sinne sprach.

Da mag 9/11 noch dazuhelfen, aber gereicht hat es schon vorher allemal.
Fro schrieb am 11.03.2010 um 01:20
@TomGard

Wäre schön, wenn du Recht behieltest. Ich sehe leider die Gefahr eines Krieges gegen den Iran.
Da läuft zur Zeit die gleiche Masche, wie seinerzeit zur Einleitung des Krieges gegen den Irak. Über eine diplomatische Lösung scheint sich niemand Gedanken zu machen. Und sicher scheint wohl auch zu sein, dass Israel sich auf diesen Krieg vorbereitet. Und die amerikanische Truppenaufstockung in Afghanistan und die massive Aufrüstung mit Drohnen passen auch.

Der neue IAEA-Bericht ist nun endlich so, dass sich darauf eine nachvollziehbare Kriegspropaganda aufbauen lässt:

„Mit Besorgnis und Drohungen haben am Freitag (19. Feb.) vor allem westliche Staaten auf einen Bericht der IAEA reagiert, dem zufolge Iran bereits an einer Atomwaffe arbeiten könnte. Die USA warnten Teheran vor »Konsequenzen«. Auch aus Berlin wurde Iran mit weiteren Sanktionen gedroht.“

„Russlands Generalstab warnt USA vor Militärschlag gegen Iran:

Der russische Generalstabchef Nikolai Makarow schließt einen US-Militärschlag gegen den Iran nicht aus und befürchtet, dass dieser Angriff „schreckliche Flogen“ haben wird.

Sobald das Pentagon seine Aufgaben in Afghanistan und dem Irak löse, entscheide es sich möglicherweise für einen Angriff auf den Iran, sagte Makarow am Mittwoch.

„Ich denke, die Folgen dieses Angriffs werden nicht nur für die Region, sondern auch für uns und die ganze internationale Gemeinschaft schrecklich sein. Was daraus resultiert, ist schwer prognostizierbar“, so der russische Generalstabchef.

Der Iran sei Russlands Nachbar. Die Regierung in Moskau verfolge die Situation aufmerksam und gebe sich Mühe, um diesen Krieg zu verhindern, hieß es.

Quelle: Russische Nachrichtenagentur RIA Novosti, 17. Februar 2010;„
Mehr:

Dass die USA im Iran destabilisierende Organisationen aufbaut, ist naheliegend:

„Der bekannte US-Journalist Seymour Hersh zählt Jundallah zu den Organisationen, die von den USA aus einem 400 Millionen Dollar umfassenden Geheimfonds unterstützt werden, der 2007 von Präsident George W. Bush eingerichtet wurde, um den Iran zu destabilisieren und einen »Regimewechsel« zu erzwingen. (The New Yorker, 7.7.2008)

Jundallah ist für zahlreiche Überfälle und Spengstoffattentate verantwortlich. Darunter zuletzt ein Anschlag am 18. Oktober 2009 in Pischin, bei dem 43 Menschen, unter anderem hochrangige Offiziere der »Revolutionswächter«, getötet wurden. mehr:

Ich kann mir vorstellen, dass Obama etwas anderes als einen Irankrieg will – aber ob er seine Politik durchsetzen kann? – sieht nicht so aus.

Hier eine Erklärung aus der Friedensbewegung, die von dieser Annahme ausgeht und die Verantwortung für einen möglichen Irankrieg bei Israel sieht.
Lutz Herden schrieb am 11.03.2010 um 07:41
Das Treibstoff-Embargo gegen Teheran kommt übrigens gerade in Fahrt, es wurde bisher immer als Ausdruck verschörfter Sanktionen und Vorstufe zu einer militärischen Lösungsvariante gedeutet.
TomGard schrieb am 11.03.2010 um 09:23
Danke für die Infos und Deine Arbeit, Fro.
Alien59 schrieb am 11.03.2010 um 10:30
Fro: sehe ich auch so. Leider. Mit einer anderen israelischen Regierung sähe das Ganze möglicherweise anders aus, aber die derzeitige rasselt ja überall mit dem Säbel und findet das auch noch gut.
Lediglich die Syrer hatten neulich so ungehalten geantwortet, dass es einen dezenten Rückzieher gab. Das könnte als Beispiel dafür dienen, wie man dort aufzutreten hat.
Lutz Herden schrieb am 11.03.2010 um 11:28
Ich muss mich korrigieren, heute früh kam die Agenturmeldung, dass Abbas wegen der neuerlichen Siedlungsaktivitäten auch die indirekten Gespräche mit Israel abgesagt hat.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.03.2010 um 16:53
@Fro

Danke auch von mir, dass Sie das Thema Geheimfonds hier aufgebracht haben, denn dieser wurde zur verdeckten Kriegsführung aufgelegt: Man rate mal, wie die lieben USA es betrachteten, wenn ein anderer, bösachsiger Staat im großen Stile Terrorgruppen gegen sie ausrüstete und finanzierte...
Fro schrieb am 11.03.2010 um 18:56
@Göller

Genau, das wäre für die ein Kriegsgrund...
Fro schrieb am 11.03.2010 um 20:00
Andererseits muss man natürlich davon ausgehen, dass der Iran hier in Europa auch seine Leute hat, die bei einem Angriff auf den Iran, in besonderer Weise aktiviert werden und ihren militärischen Kampf in Deutschlands Städten führen würden. Terror und weiterer Abbau unserer Freiheitsrechte könnten die Folge sein.

Ein Skandal, dass „unsere“ Regierung diesen Kriegs-Kurs mitgeht. Sie sollte dafür sorgen, dass dieser Krieg nicht stattfindet und für einen diplomatischen Entspannungskurs werben. Hier könnte Guido sich einen Nobelpreis verdienen....:))
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.03.2010 um 20:21
Ja, lieber Fro,
ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Perser sich sehr gut vorbereitet haben, nicht nur, was die Straße von Hormuz anlangt, ebenso im Irak, über die Hisbollah durchaus wahrscheinlich, zudem auch über "Schläfer" auch bei uns.
Ich wage mal die Prognose, dass der Krieg vielleicht deshalb nicht kommt, weil das persische Potential nicht wirklich eingeschätzt werden kann, auch nicht die Reaktionen der Schiiten in den Golfstaaten, die Reperkussionen insgesamt.
Man (oder ich sage mal lieber:ich) weiß auch nicht, inwieweit Russland den Iran unterderhand eben doch mit modernen Flugabwehrsystemen beliefert hat.
Überdies dürfte eine echte Einnahme des Landes am Boden außerhalb der Fähigkeiten des überdehnten US-Militärs liegen, so dass dieses sich nur dauerhafte Probleme in Afghanistan und zumal im Irak einhandelte.
Andererseits, vielleicht will "man" schlichtweg den Dritten Weltkrieg anzetteln.
Dass unsere Politiker da mitmachen, sollte sie normalerweise vor Gericht bringen...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.03.2010 um 21:20
Vorbereitung eines Angriffskrieges wird laut GG mit n i c h t u n t e r zehn Jahren Gefängnis bestraft...
Fro schrieb am 11.03.2010 um 21:49
Zur Zeit könnte man ihnen Waffenlieferungen an Israel vorwerfen, aktive Unterstützung (Truppen in Afghanistan) eines strategischen Kriegsplans in dem der Krieg gegen den Iran eine wichtiger Bestandteil ist und Beteiligung an der propagandistischen Vorbereitung.

Reicht das?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.03.2010 um 22:06
Lieber Fro,
es hätte schon im Krieg gegen Serbien (Restjugoslawien) gereicht, ebenso, was den Afghanistankrieg anlangt (die USA wurden zu 9/11 NICHT von einem anderen Staat angegriffen); Unterstützung des Irakkrieges dito; es reichte natürlich auch jetzt, wenn das Gesetz gegen unsere Vorgesetzten noch gültig einklagbar wäre.

Alleine, dass dem ständig landraubenden, mit Phosphorbomben und Uranmunition kriegführenden, nuklearbewaffneten, dem Iran ständig mit Krieg drohenden Staat Israel auch noch deutsche U-Boote der modernsten Bauweise nicht nur praktisch geschenkt ausgeliefert, sondern diese auch noch für atomar bestückte Marschflugkörper sonderausgestattet und die israelischen Besatzungen meines Wissens auch noch von deutschen Marinesoldaten extra in deren Bedienung ausgebildet wurden, dürfte wiederum hinreichen.
Aber, der Spruch "wo kein Kläger, da kein Richter" muss in diesem Falle wohl durch "wo kein Gericht hört, da weder Unrecht noch Urteil" modern übersetzt werden.
goedzak schrieb am 11.03.2010 um 22:59
"ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Perser sich sehr gut vorbereitet haben, nicht nur, was die Straße von Hormuz anlangt, ebenso im Irak, über die Hisbollah durchaus wahrscheinlich, zudem auch über "Schläfer" auch bei uns."
"Überdies dürfte eine echte Einnahme des Landes am Boden außerhalb der Fähigkeiten des überdehnten US-Militärs liegen,"

Hübsch! Teile des Kommentars wurden aufgrund eines Verstoßes gegen die Netiquette editiert Hoffentlich zeigen 'die Perser' dem Ami bald mal, was ne Harke ist, wa?

Sie haben da ein paar Verehrer, Lutz Herden,...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.03.2010 um 23:30
Dieser Kommentar wurde aufgrund eines Verstoßes gegen die Netiquette editiert.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.03.2010 um 23:39
Dieser Kommentar wurde aufgrund eines Verstoßes gegen die Netiquette editiert.
Fro schrieb am 12.03.2010 um 01:43
Goedzak, es geht hier um das Thema Krieg und Frieden. Vor deinem Kommentar war es ein interessanter Thread unter einem interessanten Artikel.
Was soll deine Intervention? Wen interessiert euer Sabber?
Meine Empfehlung an die Redaktion: Diese drei unappetitlichen Kommentare löschen (meinen dann natürlich auch.
TomGard schrieb am 12.03.2010 um 09:30
Nein, Fro, es ging Dir und Göller im letzten Teil des Stranges
1) um die Bebilderung eurer antiamerikanischen Parteillichkeit und Goedzaks Hinweis, daß solche Art der Bebilderung einer gewissen theoretischen Blutrunst nicht entbehrt, war polemisch sachgerecht!
2) ging es Euch um euren enttäuschten Nationalismus, ihr hättet gern ein anderes Deutschland, einen anderen Guido, einen Staat, der seinen imperialistischen Job zugunsten verrückterweise wörtlich genommener Idealismen der völkerrechtlichen Titel aufgäbe, unter denen dieser Job u.a. abgewickelt wird, weil für ihn diese Idealismen da sind.

Und das Du, Fro, die indiskutablen Worte von Göller Goedzak zur Last legst, hat mich für einen Moment enttäuscht.

Schade um Dich.
TomGard
Fro schrieb am 12.03.2010 um 13:20
Lieber TomGard, es ging mir darum, dass hier eine sachliche Diskussion mit einer auf die Person Magnus Göllers abzielenden unappetitlichen Äußerung unterbrochen wurde. Und ich habe auch die Antworten Herrn Göllers auf Goedzak als unappetitlich bezeichnet.

Ich finde das Thema einfach zu wichtig, um hier persönliche Animositäten auszutragen. Ich denke dabei an die Leser dieses Threads.

In der Sache finde ich die Einlassungen Herrn Göllers nachvollziehbar.
Der Irankrieg steht schon seit vielen Jahren auf der Agenda der amerikanischen Großstrategen.

„Das Pentagon hat Operationspläne für einen mehrwöchigen Luftkrieg ausgearbeitet. Sie liegen seit Ende 2005 vor. Anfang dieses Jahres wurden sie vom Obersten Kommando der Luftwaffe in Florida abgesegnet.
Die Pläne sehen ausdrücklich auch den Einsatz von "bunker busters" vor -mit Atomsprengköpfen bestückte Raketen zur Zerstörung unterirdischer Anlagen. Außerdem werden über 10.000 Angriffsziele identifiziert. Dazu gehören nicht nur tatsächliche oder vermeintliche Nuklearanlagen Irans, sondern auch die gesamte militärische Infrastruktur des Landes (Kommandozentralen, Marinestützpunkte, Luftwaffenbasen, Raketenabwehranlagen, Kasernen etc.) sowie zentrale Bereiche der zivilen Infrastruktur (Strom-und Wasserversorgung, Kommunikationsverbindungen, Verkehrswege und Transporteinrichtungen). Die Zerstörung der Infrastruktur soll das iranische Volk zum Aufstand und zum Sturz der Regierung in Teheran bewegen, so das Kalkül der Kriegsplaner in Washington.“ Mehr....

Wenn die Amerikaner einen Angriff der Israelis auf den Iran bremsen, dann ja vielleicht daher, weil die Vorbereitungen der Amerikaner noch nicht soweit sind.

Und man sollte auch die russischen Warnungen nicht in den Wind schlagen:

„Sobald das Pentagon seine Aufgaben in Afghanistan und dem Irak löse, entscheide es sich möglicherweise für einen Angriff auf den Iran, sagte Makarow am Mittwoch.

„Ich denke, die Folgen dieses Angriffs werden nicht nur für die Region, sondern auch für uns und die ganze internationale Gemeinschaft schrecklich sein. Was daraus resultiert, ist schwer prognostizierbar“, so der russische Generalstabchef Nikolai Makarow.

Und es ist auch mitunter ganz nützlich in der BILD nachzulesen, worauf die Bevölkerung gerade vorbereitet werden soll.
Meldung vom Juli 2009:
„Ein israelischer Angriff auf Atomanlagen im Iran würde nicht am Widerstand Washingtons scheitern, sagte Biden. Nur die Israelis könnten bestimmen, ob sie durch das iranische Atomprogramm „existenziell bedroht sind“. „

Irans Präsident Ahmadinedschad wird in den letzten Monaten nur noch als der Irre von Teheran bezeichnet.
Da findet man auch eine Umfrage:
„Der Irre von Teheran, Mahmud Ahmadinedschad, hat jetzt Pläne für Atomsprengköpfe! Macht Ihnen das Angst?“

73% von 41000 „sagen“: „Ja, Ahmadinedschad bedroht damit den Nahen Osten und die ganze Welt.“

Das sieht nach Kriegsvorbereitung aus.

BILD Sonderseiten
TomGard schrieb am 12.03.2010 um 14:02
Fro:
"Das sieht nach Kriegsvorbereitung aus"

Aber das bestreite ich doch gar nicht, Menno!!

Nur heißt das Ziel (zumindest erstma')
P-A-K-I-S-T-A-N!
Das ist doch der Trick, gegen den ich anrede. Das Wesen von Kriegspropaganda besteht im nationalen Zusammenschluß gegen einen BELIEBIGEN "Feind", der entsprechend unschwer austauschbar ist. Was sollte darüber besser Auskunft geben, als die Geschichte des dritten Reiches? Oder denk auch an die Bürgerkriegsmobilisierung im Rahmen der RAF-Bekämpfung! Ahmadinedschad ist nach dem Phantom "bin Laden" halt ein anderer "Baader/Meinhof", das ist alte BILD-Routine, die wird nach Schema F abgespult!

Nebenbei: Es ist eben kein Zufall, daß ausgerechnet JETZT Obama die atomaren "bunker busters" ausdrücklich vom Budget genommen hat. Auch folgendes ist längst geschmolzener Schnee:

"Die Zerstörung der Infrastruktur soll das iranische Volk zum Aufstand und zum Sturz der Regierung in Teheran bewegen, so das Kalkül der Kriegsplaner in Washington.“

Der ganze Hype um die "Opposition", die nunmal beim besten Willen gar nicht da ist, sondern eine VARIANTE des persischen Nationalismus darstellt, war ein Instrumentalisierungsversuch, der im Matsch landete und den Urhebern mächtig ins Gesicht spritzte. Der nationale Selbstbehauptungswille der Iraner war allenfalls im Iran-Krieg stärker, denn heute - und den, nebst seinen Financiers, hat man im ganzen Iran nicht vergessen!

Im Unterschied zu hier ...

Tom
Fro schrieb am 13.03.2010 um 00:21
Ja TomGard, der Pentagon-Plan ist auch schon 5 Jahre alt. Ich nehme mal an, dass sie ihn aktualisiert haben.
Kannst du Quellen nennen für deine interessante Theorie, dass als erstes ein Pakistan-Krieg ansteht?
goedzak schrieb am 13.03.2010 um 12:54
"Ich finde das Thema einfach zu wichtig, um hier persönliche Animositäten auszutragen." - Wenn Du glaubst, es handelte sich oben um das Austragen persönlicher Animositäten, Fro, bist Du im Irrtum.
Fro schrieb am 13.03.2010 um 14:33
Es machte schon einen sehr persönlichen Eindruck. Eure politischen Differenzen kamen da nicht so prägnant rüber:)
Lass uns das vergessen.:)
misterl schrieb am 12.03.2010 um 12:50
Ist ja alles Nachvollziehbar was ich - teilweise im Überflug - gelsen habe. Möglicherweise ist der Wille zum Krieg gegen den Iran vorhanden.

Ich habe nur eine Frage.

Wer soll ihn bezahlen? Alle Nationen, die strategisch millitärisch dazu in der Lage sind, sind faktisch pleite, kurz davor oder müssen ihre Währung schützen und/oder stützen.
TomGard schrieb am 12.03.2010 um 13:37
misterL,
die Antwort ist "einfach" - mit einem Haken ...

1) Heutzutag ist ausschließlich Kapital = Geld, weil die Weltwährungen allein auf Staatskredit beruhen. Zirkulationsgeld, also das, was Otto im Beutel hat, ist kein Geld mehr, sondern besteht aus Zirkulationszeichen für den Kapitalumschlag. Erst wenn der stockt, erhält das Zirkulationsgeld seinen Geldcharakter zurück.

2) Geld = Kapital ist daher streng nur das akkumulierende Kapital, also ein fortgesetzt umschlagendes Kapital + Inkrement ("Zins").

3) Krieg ist Kapitalvernichtung, für die kein Kapital aufgewendet wird, sondern die Vernichtungsmittel, deren Produktionskost + Untrhalt dem akkumulierenden Kapital bereits entzogen waren + zusätzliche der Akkumulation zu entziehende Vernichtungsmittel, einschließlich entsprechend umgewidmeter unbeschäftigter Arbeitskraft.

4) Das "Schöne" am letzteren Punkt besteht nun darin, daß die Kapitalvernichtung in der Gestalt von Rüstungsproduktion etx auf der Oberfläche der Konkurrenz in der Form von Kapitalakkumulation stattfindet, ohne eine zu sein oder einzuleiten (wie z.b. Infrastrukturinvestitionen und andere "faux frais")

5) Die Voraussetzungen von Punkt 1. (Weltgeld = Staatskredite der führenden Imperialisten) und 4 erlauben (im Falle des $ muß es schon "zwingen" heißen) den imperialistischen Metropolen, Kapitalvernichtung ohne Umweg über das produzierende Kapital mittels vernichtend angewandtem Staatskredit zu verfügen .

6) "Verfügen" heißt hier, den Kapitalen wird geboten, den zuschüssigen Staatskredit, der über die Zirkulation bei ihnen ankommt, unter allen Umständen zu kapitalisieren, sprich eine Konkurrenz um die Umverteilung der Schäden in Gestalt der realen Abzüge von der
Akkumulation zu führen, welche den zuschüssigen Kredit formell deckt. Vulgo: sie haben die Staatszettel anzunehmen.

7) Unter der Bedingung des entwickelten Weltmarktes gilt das auch international. D.h. z.B, China ist weiterhin gezwungen, amerikanischen Staatskredit zu decken, weil es sich andernfalls aus der Konkurrenz um die Schäden heraus nähmen, also real verlieren müßten.

8) Dies alles gilt bis zum ersten Atomschlag, der in diesem nunmehr fast 10jährigen 3. Weltkrieg ausgeführt werden wird, um das Weltwährungssystem zu kippen, weil er den Abschluß der Militarisierung des Weltmarktes herstellen wird. Das ist ein neues Thema - aber dass mit dieser Konsequenz in Gestalt beständiger atomarer Drohungen seitens der USA von der ersten Sekunde dieses Krieges an (Bushs Kongressrede) Militär-Politik betrieben wurde, dürften nur wenige der Interessierten übersehen haben ...

Aber ich wiederhole: Iran ist derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Red Herring.

Und der "Haken": Für jemanden, der das "Kapital" nicht studiert hat, dürften meine Bemerkungen schwer nachvollziehbar und evtl. kritisierbar sein.

Aber das ist nicht kein Problem für mich!
TomGard
misterl schrieb am 12.03.2010 um 13:58
Das die Welt bereit wäre sich in den weltweiten Ruin via 3. Weltkrieg zu stürzen wegen eines Krieges (an sich eines "chiruguischen" Millitärschlages gegen Nuklearanlagen) gegen den Iran halte ich für ausgeschlossen.

Zum Thema wer es bezahlt. Es gibt da schon eine Gruppe. Man nennt sie Steuerzahler. Sie fallen aus, gehen die Staaten bankrott, weil die Zinslast sie (also ihre Währung zB USD) erdrückt.

Das wird dann auch die VR China nicht mehr retten und ein Umtausch in zB Euro kmäe a) zu spät und plättete b) den USD und die USA noch einmal eins mehr.

Nee, für einen umfänglichen Krieg fehlen m.E. die Mittel und wird deshalb amS nicht passieren.
SchmidtH. schrieb am 12.03.2010 um 18:27
Mögen Sie recht behalten misterL, nur glauben Sie nicht, dass es bei einem "chirurgischen Eingriff" nicht bleiben kann und wird?

Ein Angriff auf Iran, insbesondere wenn er von Israel geführt wird, verändert mit Sicherheit die Gesamtlage der dortigen Region und was zu befürchten, darüberhinaus.

Eine sehr interessante Einschätzung, was die Wahrscheinlichkeit eines "Dritten Weltkrieg" betrifft finden Sie in diesem Beitrag von Prof. Hamer

Sicherlich muss man nicht dieser Annahme folgen, aber schlüssig argumentiert erscheint mir dieser Beitrag schon.
Fro schrieb am 12.03.2010 um 23:48
Ja misterL, ich wünsche auch dass du richtig liegst. Zur Zeit habe ich da nicht soviel Hoffnung.
....
Danke für den Link SchmidtH. Das was Prof Hamer da ausführt, finde ich auch vollkommen schlüssig.
Und ich finde im Netz auch nichts, was mich irgendwie beruhigen könnte.

Vorhin fand ich diesen Artikel zu den destabilisierenden Organisationen der USA im Iran und und zur Verhandlungsbereitschaft der US-Regierung – bzw zu ihrer Bereitschaft, eine diplomatische Lösung zu suchen.

Es wird anscheinend an keiner diplomatischen Lösung gearbeitet.
Ahmadinedschad kann weitestgehende Zugeständnisse machen – und man redet noch nicht einmal mit ihm – weil er ja angeblich der „Irre aus Teheran“ ist. Die Großstrategen wollen einen souveränen Staat ausschalten und einen willigen stattdessen installieren. So ist mein Eindruck - und ich habe die Befürchtung, dass es dieses Jahr schon losgehen könnte.
Die Propaganda hat alles thematisiert, was man für einen Krieg an Feindbild braucht – kaum noch steigerbar – außer durch einen bewaffneten Konflikt.

Das was Sie oben zitierten, deutet m.E. auf eine Möglichkeit, wie die Inszenierung beginnen könnte:

„"General James Jones, Präsident Obamas Berater für nationale Sicherheit, hat vor Kurzem eine andere, wenn auch ebenso ominöse Vorhersage vorgebracht. Als Reaktion auf den zunehmenden internationalen Druck, so meinte er, könnte der Iran Israel durch seine Stellvertreter Hisbollah und Hamas angreifen. Solche Angriffe könnten einen größeren regionalen Flächenbrand auslösen.“

Unsere Opposition sollte auf die Regierung einwirken, diesen Kriegskurs nicht zu fahren, sondern offensiv für eine diplomatische Lösung zu werben und ein souveränes, entspanntes und auch der Wirtschaft förderliches Verhältnis zum Iran aufzubauen. Das ist das was m.E. 95% der Bürger wollen werden, wenn sie über die möglichen Folgen eines Irankrieges nachdenken und informiert sind.

Ich hoffe wirklich, dass ich daneben liege - aber da kommt so viel zusammen...
misterl schrieb am 12.03.2010 um 23:49
Ist es so undenkbar, dass ein sogenannter "chirugischer Eingriff", der natürlich mehr Opfer fordern will als gewollt eher in einem Bürgerkrieg im Iran endet, der einem Teil im Iran gar nicht sooo unbedingt ungelegen käme. Es böte nach der verfälschten Wahl im Iran die Option den Iran auf andere Füsse zu stellen, was den Nachbarn nicht zwingend ungelegen wäre. Die mögliche Richtung vielleicht aber ein geschwächter Iran stärkt eben auch die umgebenden Länder (bzw. Regime).

Da drohte dann kein 3. Weltkrieg, sondern "lediglich" eine Art Neujustierung der regionalen Einflüsse. Zudem glaube ich - derzeit - nicht, dass in Europa mit einem zB sehr skeptischen bundesdeutschen Volk in Sachen Afghanistan die Bereitsschaft sehr hoch wäre sich für einen Krieg gegen den Iran als Kanonenfutter (wenn auch "nur" wirtschaftlich) zu opfern. Ich denke - und hoffe - die Zeiten sind in (West-)Europa im Grossen und Ganzen vorbei.
misterl schrieb am 12.03.2010 um 23:51
einmal "wird" durch "will" ersetzen.
Alien59 schrieb am 13.03.2010 um 06:33
Mr. L, wer auch immer so denken mag, er lässt dabei einfach die Iraner außer Betracht. JEDER Angriff von außen würde zu großer Unterstützung der Regierung führen und die Opposition zur Bedeutungslosigkeit verkümmern lassen. Wer sollte da den Iran "auf andere Füße" stellen? Eine amerikanisch abgesegnete Diktatur?

Und was das bundesdeutsche Volk angeht - dagegen sein, ok - aber was würde konkret passieren, wenn in Nibelungentreue Frau Merkel auch hier sich hinter die USA bzw. Israel stellen würde?

@Fro: Zustimmung.
gweberbv schrieb am 14.03.2010 um 02:12
"Und ich finde im Netz auch nichts, was mich irgendwie beruhigen könnte."

Dem Manne kann geholfen werden: www.zajonz.info/images/kaminfeuer.gif

Im Ernst: Bevor die BILD den deutschen Michel zu den Waffen ruft, müsste erstmal die Öffentlichkeit in den USA auf Kriegskurs gebracht werden - man erinnere sich an die lange mediale Vorlaufphase des Irakkriegs. Aber dort stehen momentan ganz, ganz andere Dinge auf der Agenda.
Fro schrieb am 14.03.2010 um 02:40
Ja gewerbv, danke für das beruhigende Feuer.
Leider sind in den USA die Spindoctors auch nicht untätig. 70% der Amerikaner sollen laut CNN-Umfrage der Meinung sein, dass der Iran eine Atombombe besitzt. Mehr.....
Und der Trick bei der Sache ist ja, dass Israel nach einem inszenierten oder provozierten Angriff der angeblich vom Iran gesteuerten Hamas und Hisbollah, den Iran angreift, der Iran sich wehrt und die Amerikanische Armee „hilft“. Da wird niemand gefragt. Aber es soll natürlich auch keine großen Proteste geben. Dafür die Propaganda und das ganze Theater. Z.B. von Biden.
misterl schrieb am 14.03.2010 um 11:49
Was am Ende auch nur eine Vermutung ist.

"...er lässt dabei einfach die Iraner außer Betracht. JEDER Angriff von außen würde zu großer Unterstützung der Regierung führen und die Opposition zur Bedeutungslosigkeit verkümmern lassen..."

Die selben, die nach der Wahl auf die Strasse gingen.

"Wer sollte da den Iran "auf andere Füße" stellen?"

Meine Wahrnehung seit jenen Bilder sagt aus, dass der Iran keine hohgene Welt ist und die ALternative keine andere Diktatur sein muss.







Aber es zeigt auch, dass man den derzeitigen Iran (als religöses, politisches, despotisches System) nicht unbedingt erhalten müßte.
Fro schrieb am 14.03.2010 um 14:17
Danke für die interessanten Videos misterL.
Die demokratische Opposition sollte unterstützt werden.
Ein militärischer Schlag hätte aber wahrscheinlich eine schädliche Wirkung auf den Reformprozess im Iran.
Hier ein interessanter Artikel von Robert D. Kaplan dazu.
misterl schrieb am 15.03.2010 um 09:38
Es gilt gleich in welche Richtung...

"Den Lauf der Dinge haben wir nicht in der Hand."

und

"...die Grüne Revolution im Iran [hat] das Potenzial, eine echte islamische Reformation auszulösen."

Man sollte sie unterstützen. Die Frage ist: wie. Die Antworten sind nicht einfach. Zu bedenken wären u.a. ein paar Punkte

- unabhängig von isrealischen Interessen rechtslastiger/rechtsradikaler Politiker.

- ohne hineininterpretierbare Solidarität mit dem aktuellen Regime im Iran

- unterlassen von kostruierter Gegenerschaft zur USA aus Gewohnheit

Am Ende gibt es den finalen Punkt. Hat man die Geduld und die Zeit zu reagieren oder ist man irgendwann gezwungen zu agieren? Im Unterschied zum Irak und seinen vermeintlichen MVW sind die Atomanlagen im Iran real existent.

Nur was dort passiert ist unklar.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 13.03.2010 um 16:01
Es ist natürlich schwer zu beurteilen, ob es sich bei diesem hoffentlich nicht bevorstehenden Krieg um einen eher geostrategischen gegen Russland und China handelte, oder um einen, der vor allem den finanziellen Bankrott der USA abwenden sollte: Leider passen, da die USA, grob gesagt, außer ein paar Softwarefirmen und Coca-Cola und McDonald's nicht mehr viel zu bieten haben, nur ihr Militär, beide Faktoren im Sinne der Entscheidung in eine Richtung.

Ein Staat, der im Grunde genommen pleite ist, aber immer noch die Hälfte aller Militärausgaben weltweit aufbringt, wird sich natürlich überlegen, wozu eigentlich.

Untergehende Imperien sind extrem gefährlich, wenn sie nichts mehr vorzuweisen haben als Lügen und Soldaten.
Fritz Teich schrieb am 13.03.2010 um 21:13
<<
Der palästinensische Wille zum Staat bleibt auch in den Augen der jetzigen US-Regierung, was er immer war – ein frommer Wunsch.
>>

Und er ist ja auch wohl idiotisch, verglichen mit der Moeglichkeit eines, wie es heute heisst, bi-nationalen Staates in den Grenzen des historischen Palestinas. Den haben die Palestinenser faktisch schon heute, nur haben sie kein aktives und passives Wahlrecht.
Fritz Teich schrieb am 13.03.2010 um 21:18
<<
Warum wohl? Immer dieselben Fragen. Es langweilt.
>>

Aber so ganz genau die gleichen sind es nie, die Zeiten aendern sich -- oder nicht?
Fritz Teich schrieb am 13.03.2010 um 21:20
<<
Untergehende Imperien sind extrem gefährlich, wenn sie nichts mehr vorzuweisen haben als Lügen und Soldaten.
>>

Naja...


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