Dass der Programmentwurf der Linkspartei in vielem sozialdemokratisch ist und auch die Handschrift der Grünen trägt, ist unverkennbar: Soziale Sicherheit, ökologischer Umbau, Pazifismus. Solche Einflüsse werden aber nicht passiv aufgenommen, sondern zugespitzt und verbessert. Das ist gut so. Es ist gut, sich beeinflussen zu lassen. Aufnehmen, was schon da ist, und weiterdenken. Das gelingt etwa beim Thema ökologischer Umbau, der, so lesen wir, nicht gelingen kann, wenn politische Entscheidungen sich auf immer kürzere Zeithorizonte orientieren – Entscheidungen, die eine ökonomische Basis haben: die Spekulation „auf Wechselkursschwankungen, auf Kursänderungen von Wertpapieren und Aktien, auf Zinsdifferenzen und Veränderungen von Preisen für Immobilien und Ressourcen“. Auch die Schlussfolgerung leuchtet ein: Es ist ein Versagen des „globalen Kapitalismus“, der mithin überwunden werden muss. In dieser Hinsicht ist der Programmentwurf besser als alles Vergleichbare aus SPD und Grünen.
Das spezifisch Sozialistische an ihm ist damit aber noch gar nicht berührt. Um dieses soll es hier gehen, weil es Schwierigkeiten bereitet, die vielleicht unnötig sind. Der Sozialismus ist an und für sich schon eine Provokation. Im Sozialismus des Programmentwurfs wird aber eine problematische Nähe zur alten SED aufrechterhalten. Wenn das festgestellt werden muss, geht es keineswegs um das, was der Linken gebetsmühlenartig vorgehalten wird. Die Distanzierung nicht nur von einem Sozialismus, der undemokratisch war, sondern auch von Verbrechen, die damals begangen wurden, ist sehr eindeutig. Auch dass die SED einer Zwangsvereinigung entsprang, wird nicht verschwiegen. Was dennoch in den Programmentwurf eingeht, sind zentrale Elemente eines gewissen Diskurses, eines Wirklichkeitsverständnisses. Die Rede ist von der Vorstellung, es gelte eine Gesellschaft mit verschiedenen „Eigentumsformen“ zu errichten, unter denen das Privateigentum nicht mehr die Dominanz habe.
Formen-Mix und Dominanzwechsel
Weil das so sei, liege im Kampf für einen anderen Formen-Mix, gipfelnd im Dominanzwechsel weg vom Privateigentum hin zu einer anderen Form, der Haupthebel der Umwälzung. Denn so, wie die Eigentumsformen heute bestünden, legten sie die Demokratie in immer engere Fesseln. Der Programmentwurf erkennt in diesem Zusammenhang an, dass wir in einer Demokratie leben, und begründet es mit den historischen Kämpfen der Arbeiter und anderer Volksteile. Nur sei sie nicht entfaltet genug und werde vom Kapital zunehmend bedroht.
Der Aussage zur Demokratie stimmt man leicht zu, nicht so der Dominanztheorie. Ihre Vernunft hält einer Prüfung nicht stand. Der Programmentwurf scheint zwar, indem er eine Vielfalt von Eigentumsformen konstatiert – „staatliche und kommunale, gesellschaftliche und private, genossenschaftliche und andere Formen“ – ein Höchstmaß an Differenziertheit walten zu lassen und darin einfach dem Gebot empirischer Wissenschaft zu folgen. Doch liegt seinem Weltbild zuletzt ein schlichter Dualismus zugrunde. Es gibt Privateigentum und Kollektiveigentum, weiter nichts. Staatlich, kommunal, gesellschaftlich, genossenschaftlich, das sind lauter Kollektivformen. Diese Vorstellung, dass vom Privaten wenn überhaupt etwas, dann nur das Kollektive verschieden sei, ist eine Konfusion. Gerade Menschen, die sich auf Marx berufen, sollten das wissen. Denn Marx unterscheidet vom Privaten nicht das Kollektive, sondern das Individuelle. Am Ende seines Hauptwerks Das Kapital, Erster Band, stellt er fest, Kommunismus heiße Wiederherstellung des „individuellen Eigentums“, das vom Kapital enteignet wurde. Auf wen sonst wollen die Dominanztheoretiker sich berufen, wenn nicht auf Marx?
Die Marxsche Unterscheidung kommt darauf hinaus, dass „privat“ so viel wie abgesondert bedeutet, also das unsolidarische Individuum oder auch Kollektiv meint – denn auch eine kapitalistische Aktiengesellschaft ist privat –, während „individuell“ zu „solidarisch“ in keinem prinzipiellen Gegensatz steht. Eine Mutter verwandelt sich nicht in ein Kollektiv, wenn sie ihr Kind behütet. Dass Individuen zu Privatiers werden, führt Marx auf die Produktionsverhältnisse zurück; wer ihm folgt, wird erläutern: auf die Institution des Privateigentums an Produktionsmitteln. Nun ist es wahr: Wenn diese Institution Probleme aufwirft, „muss man die Eigentumsfrage stellen“. Aber wie beantwortet man sie? Doch nicht so, dass man Mutter und Kind mit dem Bade ausschüttet, das Individuum mit dem Privatier. Marx jedenfalls antwortet anders. Für ihn ist Kommunismus die „Assoziation freier Individuen“. Damit ist eine ganz andere Fragerichtung vorgegeben: Lässt sich die Assoziation so denken, dass sie nicht zur Verneinung individueller Freiheit, eben zum Kollektivismus führt?
Naivität und staatssozialistische Erfahrung
Es wäre absurd, den Verfassern des Programmentwurfs die Absicht solcher Verneinung zu unterstellen. Aber objektiv haben sie der Gefahr, dass es darauf hinausläuft, nichts entgegenzusetzen. Denn obwohl sie es nicht wollen können, propagieren sie faktisch den Dominanzwechsel vom privaten zum Staatseigentum. Sie wollen zwar staatlich und gesellschaftlich unterscheiden. Doch das Gesellschaftliche hat keine Bedeutung außer der von Mitbestimmung: „Den Belegschaften müssen starke Mitbestimmungsrechte als Korrektiv zu den Entscheidungen des Managements garantiert werden. Die Bürgerinnen und Bürger sollen wirksame Möglichkeiten der Partizipation an der Entwicklung der kommunalen Dienstleistungen erhalten.“ Denn „auch Unternehmen im Eigentum von Bund, Ländern oder Kommunen bedürfen der Kontrolle“. Gab es die etwa nicht schon in der DDR? Wer nach so viel Erfahrung mit dem Staatssozialismus immer noch glaubt, der Staat werde nicht spielend fertig mit solcher „Kontrolle“, ist bedenklich naiv.
Das hat man doch schon im großen Ökonomischen Lexikon der DDR gelesen: „Im Sozialismus existiert das gesellschaftliche Eigentum hauptsächlich in zwei Grundformen: als gesamtgesellschaftliches Volkseigentum (staatliches sozialistisches Eigentum) und als genossenschaftliches Gemeineigentum werktätiger Kollektive“, daneben komme auch Privateigentum „an Klein- und Mittelbetrieben“ vor und im übrigen sei „gesellschaftliche Kontrolle“ wichtig. Diese sei „als Form des Mitregierens der Volksmassen ein Bestandteil der sozialistischen Demokratie und ein wichtiges Prinzip der Leitung des sozialistischen Staates“. Dahin will niemand zurück, aber der Diskurs ist derselbe geblieben. Hier wurde nicht weitergedacht.
Der Programmentwurf unterscheidet zwischen „staatlichem, kommunalem, gesellschaftlichem“ Eigentum, doch es ist alles eins: staatlich und kommunal sowieso, denn die Kommune ist die unterste Staatsebene; und wenn das Gesellschaftliche nur durch „Mitbestimmung“ zur Geltung kommt – „Runde Tische oder Wirtschafts- und Sozialräte auf allen Ebenen“, in denen „Gewerkschaften, Kommunen, Verbraucherinnen und Verbraucher, sowie soziale, ökologische und andere Interessenverbände vertreten sein sollen“ –, dann ist auch gesellschaftlich nur ein Deckwort für staatlich. Kein Wunder, dass einige Strömungen der Linkspartei und gerade solche, deren Wurzeln in der DDR-Erfahrung liegen, im Programmentwurf Staatssozialismus wittern. Es sieht aber leider so aus, als ob dem Dominanzdiskurs selber allseits zugestimmt wird und der Streit nur darum geht, von welcher „Eigentumsform“ man will, dass sie dominieren soll, der staatlichen oder der privaten.
Ota Sik und die allgemeinen Wahlen
Das würde bedeuten, dass beide Seiten noch nicht einmal die Schwelle des Prager Frühlings überschritten haben. Dessen tonangebender Reformer Ota Sik hat schon 1968 erkannt, dass vergesellschaftetes Eigentum, als vom staatlichen verschieden und mit individuellem kompatibel, sich nicht in einer Eigentumsform neben anderen niederschlägt, sondern nur darin, dass die Gesellschaft über alles Eigentum, sofern es sie tangiert, in allgemeinen, freien Wahlen verfügt. Wahlen sind nun einmal keine „Eigentumsform“; aber trotzdem entscheidet die Frage, ob alle das Grundsätzliche entscheiden, eine Grundlinie der Produktion auswählen dürfen, über demokratischen oder undemokratischem Sozialismus. Wenn alle wählen, hat das Individuelle, mit seiner Fähigkeit zur Solidarität, das Private besiegt, weil dann auch jeder Unternehmer sich solidarisch verhalten muss und doch frei bleibt im vom Wahlresultat gesetzten Rahmen.
Die Verfasser des Entwurfs denken lieber andersherum: Die „Eigentumsfrage“ bleibe „entscheidend“, denn „wirtschaftliche Macht bedeutet auch politische Macht“. Als ob nicht politische Macht der wirtschaftlichen schon vorausgesetzt wäre. Vielleicht liegt ein Missverständnis der Marxschen „Basis-Überbau“-Theorie zugrunde. Diese besagt nicht, dass erst die Eigentumsfrage gelöst werden muss und es dann möglich wird, den Überbau demokratisch zu machen, sondern umgekehrt: Die Eigentumsfrage wird dadurch gelöst, dass die Gesellschaft sich ihrer im Überbau „bewusst wird“ und sie dort „ausficht“, kurz dass sie ihr Recht zur Demokratie in Anspruch nimmt. Bevor die bürgerliche Gesellschaft demokratisiert war, hieß Ausfechten so viel wie Aufstand. Heute heißt es Abwahl.
Eigentum gehört dem, der darüber rechtens verfügt: der wählt, was mit ihm geschieht. Also heißt Vergesellschaftung, dass die Gesellschaft zwischen grundsätzlichen Alternativen der Eigentumsverwendung auswählt. Nicht, dass der Staat es tut und die Gesellschaft „mitbestimmt“. Das ist die Prager Tür, die endlich durchschritten werden sollte.
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Wowi, Prager Tür, da wäre ich nicht alleine drauf gekommen.
An diesem Ding mit den Wahlen ist was dran. Man kann das ja noch weiter spinnen. Stellen wir uns vor, es gibt da ein Individuum, das so durchs Leben schreitet und mal hier mal da etwas Geld verdient. Das heißt doch nur, dass andere ihn quasi erwählen, von ihnen Geld - für was auch immer - zu bekommen, weil sie denken, ja, dem gebe ich ein bisschen Geld für das, was ich von ihm bekommen kann. Eine Wahl. Gut für beide. Mittelfristig kann es sein, dass der Geldverdiener so viel Geld gesammelt hat, dass er eine Fabrik kauft, die Arbeiter schlecht behandelt, die aber keine andere Arbeit finden können, die Wahl treffen doch beim neuen Besitzer zu bleiben, der sie ausnutzt, die abgewrungenen Profite in Privatjachten investiert, auf die nur seine Lieblinge mitfahren dürfen, was die neidigen Arbeiter zwar erzürnt, die dann aber doch die Wahl treffen, ob der drohenden Strafen, nicht zu rebellieren. Wenn ich mir das so vorstelle, denke ich, könnte es sein, dass auch Wahlen keine wirklich ausreichende Voraussetzung für eine gerechtere, glücklichere und bessere Gesellschaft sind. Oder ich habe das mit der Prager Tür einfach nicht richtig verstanden. |
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Ist es wirklich so schwer, einen einfachen Gedanken zu verstehen? Ich habe nicht geschrieben, daß "Wählen" überhaupt, also wenn du zum Beispiel wählst, ob du deinen Hund am Schwanz oder auf dem Rücken streichelst, zu einer besseren Gesellschft führt. Sondern davon, daß die Gesellschaft - statt des Staates oder, wie in deinen sämtlichen Beispielen, des Kapitals - den Weg der gesellschaftlichen Produktion wählt. Von einer "ausreichenden Voraussetzung" war auch kene Rede. Die Unterscheidung zwischen hinreichenden und notwendigen Bedngungen einer Sache sollte bekannt sein. Ehrlich, manchmal verliert man die Lust, sich hier noch an Diskussionen zu beteiligen.
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"Ehrlich, manchmal verliert man die Lust, sich hier noch an Diskussionen zu beteiligen." - Das Gefühl kommt mir bekannt vor...
Ich habe diesen Artikel zum Glück ganz in Ruhe im Papier-Freitag mit überschlagenen Beinen bei Kaffee im Cafe gelesen. Das werde ich wieder häufiger tun. Jedem Sympathiesanten mit und Wähler z.B. der Linken sind diese Texte von Dir, Michael Jäger, originelle Anregung, sich eigenständig mit deren Konzepten und Programmen auseinanderzusetzen. Könnten es jedenfalls sein... |
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schrieb am
10.04.2010 um 14:58
@Michael Jäger »Von einer "ausreichenden Voraussetzung" war auch keine Rede. Die Unterscheidung zwischen hinreichenden und notwendigen Bedingungen einer Sache sollte bekannt sein.«
Hinreichenden und notwendigen, das ist vermutlich der Punkt. Ausreichend war wirklich ein dummer Fehlgriff. Jetzt, wo ich's nochmal lese, wundert's mich nicht, dass Sie da fast die Lust verlieren. Wer eine neue Gesellschaftsordnung kreieren will, muss vermutlich penibelst auf jedes Wort achten. Tut er's nicht fliegt ihm sein neuer Staat schnell heftig um die Ohren. Wer will das schon? Ich bin zugegebenermaßen etwas ungeübt im Lesen staatsbildender Texte. Ich hatte nur den Eindruck, dass die Frage der Eigentumsverhältnisse eher offen gelassen wurde oder irgendwie unentschieden war, und die Wahlen eine viel tragendere Rolle spielen sollten (Schlussabsatz). Ich hatte auch öfter den Eindruck, dass die Wortverständnisse sich unterscheiden. Für mich ist ein Staat mehr oder weniger alles, was sich innerhalb seiner Grenzen befindet. Wenn die oberste Staatsverwaltung (Legislative) gewählt ist, bestimmt die wahlberechtigte Gesellschaft. Usw. Staats-Bashing kommt für mich aus der wirtschaftsliberalen Ecke, die den jedem leicht verständlichen Bürokratismus (Etatismus, Zentralismus) nimmt, und bei Bedarf auf alle nur denkbaren öffentlichen staatsverwaltenden Bereiche ausdehnt. Kein Wort, dass da auch viel gemanagt wird, wofür sich kein Privater finden ließe. Kein Wort, dass wenn es das nicht gäbe, das Chaos ausbricht. Da gab's noch einige Sachen, die mir aus ähnlich simplen Gründen nicht glatt runter sind. Wie Genossenschaften in der DDR organisiert waren, weiß ich nicht. Ich weiß aber von deutschen Kommunen, die z. B. ihr Abwassersystem an amerikanische Investoren verkauft haben (Public Private Partnerships, Steuervorteile etc.). Für mein Empfinden eine sehr merkwürdige Melange. Wann etwas die Grenze zum Kapital (?) überschreitet oder zurück oder schon da war, wurde mir leider auch nicht ganz klar. Zugegeben, die Verweise zu Marx waren vorhanden, mir die Recherche aber ehrlich gesagt heute Vormittag zu mühsam. Nicht nur deswegen bin ich natürlich bereit das schuldhafte Nichtverstehen zuzugeben. Die Prager Tür, durch die bisher noch niemand blicken durfte, wohin sie führt, fand ich aber (rein bauchmäßig) interessant. Für mich - ohne Studium in Kommunistischer Symbologie und anverwandter Sozialistischer Wissenschaften - allerdings schon in der grundlegenden Konzeption der Eigentumsverhältnisse erklärungsbedürftig. |
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Okay, jetzt beginnt eine vernünftige Diskussion. Ich habe überhaupt nichts gegen den Staat und verteidige ihn gegen jeden unqualifizierten neoliberalen Angriff. Auch nichts gegen Genossenschaften, und Kommunen sollen das Abwassersystem nicht an amerikanische Investoren verkaufen. Aber beim Programmentwurf der Linkspartei geht es um die Frage, wie eine künftige Gesellschaft grundsätzlich verfaßt sein sollte. Da wende ich mich gegen die Vorstellung, Staatseigentum sei das Beste, um die grundsätzlichen Produktionswege zu beherrschen. Wegen der historischen Erfahrungen und überhaupt halte ich es für besser, wenn die Gesellschaft per Wahlen direkt verfügt. Wahlen sind keine "Eigentumsform", habe ich geschrieben. Aus zwei Gründen nicht, kann man ergänzen: Erstens wären sie Verfügung über Eigentum statt das Eigentum selber; durch Wahlen würde sich die Gesellschaft als der gesellschaftliche Eigentümer äußern und durchsetzen. Zweitens wäre das Ganze von gesellschaftlichem Eigentum und Verfügung darüber per Wahlen keine Eigentumsform neben anderen, sondern d a s gesellschaftliche Eigentum; es umgreift alle Eigentumsformen im Einzelnen, die es i n n e r h a l b seiner gibt. Ich stelle es mir so vor, daß die Gesellschaft nicht nur in Urzeiten Eigentum an ihre Mitglieder verteilt hat,nach der Rodung, "Landnahme" o. dgl., sondern es permanent zwar nicht unbedingt neu verteilt, aber ihm - den Aktivitäten der Eigentümer in einem gegebenen Produkztionszweig: Genossenschaften, Privaten, Kommunen - neue Richtungen auferlegt, ihm neue Grenzen setzt, fallweise auch Ausdehnung fordert und sich dadurch als der übergeordnete Eigentümer zur Geltung bringt.
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schrieb am
11.04.2010 um 11:06
@Michael Jäger
Das mit dem verkauften (verpachteten) Abwassersystem scheint mir in dem Kontext interessant, weil die Stadträte, die sich auf die Deals eingelassen haben, sicherlich alle höchst demokratisch gewählt waren. Und selbst bei einer direkteren Demokratie käme es nur darauf an, wie die Abstimmenden im Voraus medial präpariert würden. Mehr Demokratie ist bei einem dermaßen strukturellen Ansatz sicherlich auch eher hinderlich, weil Expertise für jede Einzelentscheide notwendig wäre. Also doch wieder Delegierte wie in den obigen Kommunen? Bei der Eigentumsfrage - staatlich oder nicht - würde ich die Effizienz der Produktivität nicht unbedingt festmachen wollen. Die Privatisierungen der letzten Jahrzehnte in Deutschland zeigen, dass die Kostenvorteile für die Verbraucher, wenn sie denn überhaupt erzielt werden können, auf Kosten der Angestellten (TK), der Qualität (Post, Bahn), der Modernisierung (Strom) usw. gehen. Bei Gas, Strom, Post, Telekommunikation merkte man von Anfang an, dass es ohne Regulierung nicht geht. Der privatwirtschaftliche Infrastrukturausbau kommt dann ins Stocken, wenn zu viel Konkurrenz befürchtet wird, oder die absehbare Marge nicht ausreichend verlockt. Andererseits, welcher potentielle Großaktionär würde sich denn erweichen lassen, wenn er ständig befürchten müsste, dass sein Geld wegen Wahlentscheiden in nicht rentable Projekte gesteckt wird? So unchic das auch ist, mir fehlt da einfach das Konkrete. Es gibt zunehmend Gemeinden, die ihre Stromversorgung wieder in die eigene Hand nehmen. Sie sehen, dass sie gerade bei kleinteiliger Energienerzeugung Vorteile erzielen können, die den Gesamtnutzen gegenüber großindustrieller Stromerzeugung - nicht inklusive der externen Kosten - verbessern können. Wir (Staat) verbieten Glühlampen und lassen alle unsere privatwirtschaftlichen Großstromkraftwerke auf der grünen Wiese laufen, wo 50 Prozent der Energie durch den Kamin gehen. Effizienz? Fehlanzeige. Ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass die Eigentumsform gar nicht so sehr den Entscheid über Erfolg, Produktivität und Zukunftsperspektiven gibt, sondern die Balance zwischen örtlicher und gesamtstaatlicher Organisation (Projektierung). Wie heute die großen Stromerzeuger sich einerseits mit den gesamteuropäischen Investitionen zurückhalten (Desertec wurde von Versicherern angeschoben), so sind andererseits ihre heutigen und die geplanten Öl-/Gas-/Kohle-Kraftwerke lokalen Blockheizkraftwerken weit unterlegen. Je teuerer die fossilen Brennstoffe werden, desto mehr werden wir merken, dass die kolossalen Gewinne, die die Hersteller heute mit uns erzielen, nicht in unserem Sinne investiert wurden. Das sind alles Aktiengesellschaften mit Managern, die sich Jahr für Jahr auf den Hauptversammlungen das OK für ihr Handeln ausstellen lassen. Zugegeben, wieder ein Beispiel aus dem Kapital, aber auch hier war die Privatisierung eine politische Entscheidung. So lange das Eigentum zu Kapitalinteressen führt, werden sich diese Interessen gegen insbesondere soziale Interessen durchsetzen. Geld verzinst sich, Nettigkeit nicht. Die soziale Kontrolle ist im menschlichen Genom nur für kleine Gruppen implementiert. Politik findet es heute akzeptabel, dass die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Firmen durch Umweltauflagen gemindert wird, sobald es um soziale Themen geht, setzt man auf die Leidensfähigkeit der betroffenen Menschen. Auch diese Gewichtung ist durch gewählte Vertreter bestimmt. Große Teile unserer Mittelschicht wurden durch private Medien erfolgreich gegen die Unterschicht positioniert. Wenn bei solchen Stimmungslagen zur Wahl gestellt würde, was mit den faulsten der Hartzer passieren soll, ließe die neue Gesellschaftsordnung einem obersten Verfassungsgericht noch genügend Zeit zum Einschreiten, bevor die Dinge ihren demokratischen Lauf genommen haben? Bliebe den Muslimen nach neun Jahren Kriegspropaganda noch eine Chance auf öffentliche Ausübung ihrer Religion? Würden die Wähler nach sattsamer medialer Bearbeitung ihre Rechte nicht wieder an amerikanische Investoren verscherbeln? Ich kann mir so einiges vorstellen, anderes nicht. |
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@ Verwendungszweck
Ich werde nach und nach zu antworten versuchen, im Anriß wenigstens, denn das ist kein kleines Thema. Ökonomie und Wahlen, das ist ja nicht Gegenstand einer einfachen Behauptung, das ist eine ganze Problematik, und die erste Frage ist, ob man sich auf sie einläßt. Das haben wir nun getan; ich brauche nicht verlegen zu sein wie damals, als ich einmal bestritt, daß der Mensch durch Gottes Hand aus Lehm gemacht worden sei, und dann höhnisch gefragt wurde, ja, dann solle ich doch mal erklären (ebenfalls in einem Satz, war die Erwartung), wie er denn sonst entstanden sein könne. Also nur zum Ersten jetzt: Stadträte, die mit dem Abwasser befaßt sind, werden zwar ihrerseits gewählt. Überhaupt kann man den gesamten demokratischen Staat in dieser oder jener Weise auf Wahlen zurückführen. Aber es hat dennoch eine Funktion, daß über bestimmte Sachen u n m i t t e l b a r statt durch den Delegationsfilter hindurch gesellschaftlich entschieden wird. |
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@goedzak
Trefflicher und wichtiger Kommentar zum Thema! Habe auch ein entsprechendes Mitteilungsbedürfnis an meine Mitwelt: Ich lese den Freitag in Papierform auf dem Klo mit nicht überschlagenen Beinen. Ich Brauche aber mangels eigener Urteilsfähigkeit zusätzlich das Blog, um von berufener Seite eine Orientierung zu erhalten, welche Texte originelle Anregung sind oder jedenfalls sein könnten, mich eigenständig (!) mit den Konzepten und Programmen der Linken auseinanderzusetzen. |
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Großspurig und ohne wörtliches Zitat auf das Marxsche Kapital verweisen, ist eine Sache, es wirklich lesen und verstehen, eine andere. Im vorletzten Absatz des ersten Bands des „Kapital“ ist nicht abstrakt von „individuellem Eigentum“ die Rede. Wiederherstellt werden soll nach Marx „das individuelle Eigentum auf der Grundlage … der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel.“ (MEW 23, 791) Marx differenziert zwischen dem individuellen persönlichen Eigentum und dem gemeinschaftlichen Eigentum an Produktionsmitteln. Wer das auch tut dem passiert es nicht, dass er Thyssen-Krupp, Allianz und Deutschen Bank und zugleich Mutter und Kind mit dem Bade ausschüttet, wie es Jäger der LINKEN unterstellt.
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Und daß gemeinschaftliches Eigentum Staatseigentum sei, steht das auch im "Kapital"?
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schrieb am
12.04.2010 um 14:39
Gemeinschaftliches Eigentum ist kollektives Eigentum, nicht Privateigentum und auch nicht individuelles Eigentum. Dass aber gemeinschaftliches Eigentum nicht unbedingt staatliches sein muss, steht ja gerade im Programmentwurf, der vielfach auf kommunales und genossenschaftliches Eigentum orientiert. - Wie sonst soll denn vergesellschaftetes Eigentum verfasst sein?
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Die Antwort auf diese Frage ist die "Prager Tür", das, was schon 1968 vorgeschlagen wurde: So, daß die Gesellschaft wählt; daß Wahlen abgehalten werden! Das Entscheidende am Eigentum ist die Verfügungsgewalt, diese kann die Gesellschaft durch Wahlen ausüben. Die Vorstellung, sie könne sie durch Delegation ihres Verfügungsrechts an den Staat ausüben, ist nicht verrückt, hat sich aber historisch als Irrtum erwiesen. Und es ist niemals die Vorstellung von Marx gewesen. - Zu sagen, gemeinschaftliches Eigentum sei nicht individuelles Eigentum, springt zu kurz, denn eine Gemeinschaft kann, nach einem Lieblingsausdruck von Marx, als "Assoziation freier Individuen" verfaßt sein.
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„Die Prager Tür – Programm der Linken…“
Michael Jäger bläst mit seinem Programmentwurfs-Verriss ins mediale Horn der Anti-Antikapitalisten, die DIE LINKE ums Alleinstellungsmerkmal „Eigentumsveränderung“ kastrieren und so ins grünlich-liberale Wahlkampflager einfrieden wollen. Wo er dem Entwurf wegen dessen Enteignungsperspektive „problematische Nähe zur alten SED“, die „… nicht einmal die Schwelle des Prager Frühlings überschritten habe“, andichtet, gefährdet Jägers nekrophiler Antikommunismus auch das Alleinstellungsmerkmal des „Freitag“. Selbst gegen Springerblätter und Spiegel. Wenn Jäger behauptet, in der DDR habe es bereits – wie im Entwurf – „neben Werktätigenkollektiven…Privateigentum an Kleinbetrieben“ gegeben, überschätzt er das halbstaatliche Handwerk, dessen Gängelung Ulbricht mit der „NÖSPL“ lockern wollte, was zu seinem Sturz führte. Und er unterschätzt die Totalverstaatlichung durch Honecker und Mittag nach 1970. Die DDR verfügte keinesfalls über jene Marktinstrumente( zB check & ballances), wie sie der Programmentwurf empfiehlt. Ähnlich wie Schröder und Fischer sieht Jäger mit der Enteignung der Deutschen Bank, der Verstaatlichung des gesamten Kreditsektors, mit der Überführung der Energiekonzerne und der gesamten Daseinsvorsorge in Gemeineigentum „bedenklich naiven… Kollektivismus“ und „Verneinung individueller Freiheit“ (Westerwelle: „SED light“) aufziehen. Großspurig zitiert Jäger hierzu das Marxsche Kapital, ohne dies offensichtlich weitergelesen zu haben. Im vorletzten Absatz des ersten Bands ist nämlich nicht abstrakt von „individuellem Eigentum“ die Rede. Wörtlich heißt es: „das individuelle Eigentum auf der Grundlage … der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel.“ Und der letzte Halbsatz des genannten ersten Bandes lautet: „… hier handelt es sich um Expropriation weniger Usurpatoren durch die Volksmasse.“ (MEW 23, 791) Der Weihrauch, welcher seit Jahrzehnten aus der rechtssozialdemokratischen Gebetsmühle „Verstaatlichung nein – Vergesellschaftung ja“ aufsteigt, heißt auch bei Jäger seit langem „Zivilgesellschaft“. So, als ob nicht Ku-Klux-Klan und Kameradschaften auch „Zivilgesellschaft“ wären. Als ob Vergesellschaftung von strategischem Kapital ohne Staat und Verstaatlichung nach Art 15. Grundgesetz auch nur einleitbar seien. Als ob ohne Entmachtung der Kreditzocker die individuelle Freiheit von Wucherzinsen für hunderttausende Kleinstunternehmen überhaupt nur denkbar wäre. Als ob ohne antikapitalistische Entmachtung der Konzerne hunderttausende Reparaturbetriebe und Zulieferer überhaupt zu „re-individualisieren“ wären. Als ob ohne „Expropriation der Expropriateure“ Handwerk und Milchbauern von der Angst vor undemokratischer Enteignung, nämlich vor der Insolvenzwelle, zu befreien wären. Jäger zitiert aus dem Entwurf „starke Mitbestimmungsrechte der Belegschaften als Korrektiv zu den Entscheidungen des Managements… Partizipation an … Unternehmen im Eigentum von Bund, Ländern und Kommunen“ und fragt hernach in Sloterdejkscher Entrüstung: „Gab es die nicht etwa schon in der DDR?“ Abgesehen von der Überheblichkeit gegenüber Mitbestimmung und Gewerkschaften berauscht sich Jäger (wie viele gewendete Maoisten u.a. Poststalinisten konvertiert von „soviel Erfahrung mit dem Staatssozialismus“) am Nebeldampf der „Zivilgesellschaft“ und verzichtet auf nähere Staatsbetrachtung. Ohne Gewaltenteilung, ohne Einklagbarkeit bei unabhängigen Gerichten bleiben auch soziale Rechte entfremdet auf dem Papier. Hingegen streicht der Programmentwurf entscheidende Unterschiede zum sowjetischen Staatsmodell heraus: rechtsstaatliche Gewaltenteilung, unabhängige Rechtssprechung und unmittelbare Partizipation mit konkreten Vorschlägen. Der Staat ist das einzige Rechtssubjekt, das enteignen kann. Vorausgesetzt allerdings, der nötige Druck wird ausgeübt. Jäger sieht diesen Druck eindimensional: früher „hieß Ausfechten soviel wie Aufstand. Heute heißt es Abwahl.“ Ohne Streiks? Ohne Massenbewegung und eine zu revolutionären Brüchen bereite Linke? Ohne ein Programm der demokratischen Enteignung? Und eine in solchem Zuge auch kulturell vom Kapitalismus emanzipierende Verstaatlichung soll ausgerechnet den Staat unverändert so belassen? Die Linke muss mit diesem Programmentwurf und um ihrer großen Vergesellschaftungsutopie willen also den Diskurs einer demokratischen Staatsreform eröffnen. Auch wenn viel Eigentum nach der Verstaatlichung den Kommunen, Belegschaften und Genossenschaften geöffnet wird, wenn neue gesellschaftliche Träger (attac, Greenpeace, Amnesty, Friedensbewegung usw.) – wie beim öffentlich rechtlichen Rundfunk – in die Aufsichtsorgane einrücken. Ohne den Staat ins Zentrum der „Demokratisierung von Wirtschaft“ (Oertzen) zu stellen, haben auch Zivilgesellschaft und NGOs keine Chance dabei. Jäger denkt aber dies auch nicht gramscianisch-kulturell. Auf die Frage, warum die Franzosen politisch frecher und freier seien als die Deutschen, antwortete Ernst Bloch einmal: „weil sie den Kopf eines Königs haben rollen sehn“. Der Kopf des Königs wäre heute die „Deutsche Bank“, die Ausschwitz und Zyklon B profitabel kreditierten, sowie Weltkrieg II, Klimakatstrophe und Massenentlassungen. Eine rechtsstaatliche Volksabstimmung über ihre Enteignung wäre der emanzipativen historischen Tat entsprechend . Und das wäre ein anderer kultureller Einschnitt, als die Verluste der maroden HypoRealEstate zu verstaatlichen. Und auch ein anderer, als die Gründung der SBZ. Als damals eine ausgeblutete Rote Armee einer noch faschistisch durchsetzten Bevölkerung ein paar hundert Exilrückkehrer obendrüber stellte und diesen den weniger werthaltigen Teil deutscher Konzerne übertrug. Die entscheidend neue Kultur stellt sich erst her, wenn Enteignung demokratisch selbst-getan ist! Diether Dehm (MdB; Mittelstands- u. Europapolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE; Landesvorsitzender Niedersachsen; ) Andrej Hunko (MdB; DIE LINKE Aachen) |
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ich hab dreimal hingeschaut und das, was meine augen sahen durch einen dritten bestätigen lassen. entsprechend kann ich versichern:
wtf.. der sitzt wirklich im bundestag. mfg mh |
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So viele Worte, um n i c h t s zu sagen - Sorry! Kein Wort zu meiner Erinnerung daran, daß schon Sik W a h l e n statt Staatseigentum vorgeschlagen hat. Sind Wahlen denn so etwas Furchtbares, daß man sich noch nicht einmal in den Mund nehmen mag?
Ich habe weder den Programmentwurf "verrissen" noch behauptet, daß es in der DDR Privateigentum an Kleinbetrieben gegeben habe, ich habe nichts gegen eine mögliche Enteignung der Deutschen Bank gesagt, auch nicht gesagt, daß Vergesellschaftung ohne Staat möglich sei (wie könnte ich auch! zur Organisierung von Wahlen wird man wohl einen Staat brauchen), nichts gegen Streik gesagt, nichts gegen "revolutionäre Brüche" - - Kurzum, dieser lange Leserbrief besteht nur aus phantastischen Erfindungen. |
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... daß man s i e noch nicht einmal in den Mund nehmen mag.
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Schon die Sprache - furchtbar. "Bläst ins Horn", "Großspurig zitiert."
Lernt Ihr denn nie was Ihr Linken. Ich habe Euch gewählt. Aber solche Großklappigkeiten - das ist doch entlarvend. Früher haben wir im Osten gesagt. "Merken die Genossen das nicht? Nee, sie merken es nicht. |
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Magda, das ist doch Dehm, verstehste? DER Dehm! Alles klar? Der darf dehmlich sein...
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schrieb am
18.04.2010 um 02:04
Grob, aggressiv und vulgär; meilenweit an einer ehrlichen Auseinandersetzung vorbei - alles wie seit eh und je von Diether Dehm gewohnt. Und keiner erklärt mir, wieso immer noch Linke auf den hereinfallen.
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Der UmgangsTon und Stil der Kritik nähert sich schon deutlich dem etwas ironisch genannten "Randalieren" unter KommentatorInnen. Das hätte ich im Ernst nicht erwartet..
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So ist halt die menschliche Natur ;-)
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Vielleicht etwas Musik einstellen?
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@Michael Jäger
Zitat: »Also nur zum Ersten jetzt: Stadträte, die mit dem Abwasser befaßt sind, werden zwar ihrerseits gewählt. Überhaupt kann man den gesamten demokratischen Staat in dieser oder jener Weise auf Wahlen zurückführen. Aber es hat dennoch eine Funktion, daß über bestimmte Sachen u n m i t t e l b a r statt durch den Delegationsfilter hindurch gesellschaftlich entschieden wird.« Mir scheint, Ihnen schwebt da ein Fünf-Personen-Staat vor dem geistigen Auge. Wie sollen denn die Wähler wieder und wieder vor Wahlen kompetent gemacht werden? Wer soll die Wähler sachkundig machen? Und schließlich wäre das Volk, für je mehr Fälle es keine Delegierten gäbe, mehr und mehr mit Wählen beschäftigt. Ganz ehrlich ... dafür, dass sie oben eine vernünftige Diskussion in Aussicht stellen, fallen Ihre eigenen Erwiederugen eher dünn bis fadenscheinig aus. |
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"Die Abstimmenden werden medial präpariert." Ja. Das ist auch bei unseren Parlamentswahlen der Fall, aber kein Argument, solche nicht abzuhalten. Was die in meinem Artikel ins Auge gefaßten Wahlen angeht, so würden sie sich nicht um alles und jedes drehen, sondern um Grundlinien der Produktion. Eigentlich genau um das, was im Programmentwurf der Linkspartei als öffentliche Produktion einem künftigen Staatseigentum zugeschlagen wird. Es ist ncht realistisch zu erwarten, daß die Wähler da nur den Experten des Kapitals folgen werden. Das tun sie schon heute nicht, wie Meinungsumfragen beweisen (sie haben eine andere Haltung als das Kapital etwa zur Atomenenergie, zu Genfood, zur unterirdischen CO2-Speichung und durchaus auch zur "Faulheit der Hatzer", Letzteres zeigen ja sogar die vorhandenen Parlamentswahlen, die Stimmenverluste der SPD), der Punkt ist aber, daß Meinungsumfragen folgenlos bleiben, was Wirtschaftswahlen eben nicht wären.
Man sollte diesen Gedanken nicht zerreden, indem man ihn gleich auf "Einzelentscheide" jeder Art, direkte Demokratie überhaupt, die Schweiz usw. verallgemeinert. Hier ist von Allgemeines betreffenden Wirtschaftswahlen die Rede, und ich meine, da bleibt für Populismus gar nicht viel Spielraum. Voraussetzung solcher Wahlen ist natürlich, daß vorab festgestellt werden kann, was volkswirtschaftlich möglich ist und was nicht. Aber diese Voraussetzung werden ja wohl auch die Befürworter von Staatseigentum machen, so daß dieser Punkt nicht strittig sein wird. Und niemand sagt, daß es Staat, "Delegierte" usw. nicht mehr geben soll. Die Beispiele Post, Bahn, Strom usw. gehen an der Sache vorbei, weil ich auch nicht behauptet habe, daß es nun überhaupt gar kein Staatseigentum mehr geben soll. Über diese Beispiele kann man gesondert diskutieren. Mir geht es und Sik ist es gegangen um die allgemeine Produktionsrichtung einer Gesellschaft, und da stellt sich nicht die Frage, ob man vorhandenes Staatseigentum privatisiert oder solche Privatisierung rückgängig macht oder nicht rückgängig macht, sondern die ganz andere Frage, ob man seit eh und je privatwirtschaftlich organisierte Sektoren neuerdings verstaatlicht oder ob ihnen vielmehr durch Wahlen Richtlinien vorgeschrieben werden, Richtlinien, die die Investition betreffen. "Welcher potentielle Großaktionär würde sich denn erweichen lassen?" Wer sich davon abhängig machen will, ob sich Aktionäre "erwechen lassen" oder nicht, der darf w e d e r über demokratische Wahlen n o c h über Staatseigentum nachdenken. Daß die "Balance zwischen örtlicher und gesamtstaatlicher Organisation" verändert werden sollte, meine ich auch, aber auch das ändert an der Frage nichts, ob Veränderungen vom Staat vorgenommen werden, also daß sich der Bundeskanzler mit den Bürgermeistern zusammensetzt und Greenpeace noch dabeisitzt und sie "kontrolliert", oder ob sie vom Wähler vorgenommen werden. "Solange das Eigentum zu Kapitalinteressen führt...", geht sowohl am Programmentwurf als auch an meinem Artikel völlig vorbei, denn in beiden Fällen wird die Frage nach einer Gesellschaft ohne Kapitalherrschaft gestellt. |
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Ausweitung der Kampfzone: zum Streit zwischen Dehm, Hunko und Jäger sowie die Debatte der Linken über Verstaatlichung und Eigentumsfrage gibt es hier einen kleinen, ergänzenden Überblick. tinyurl.com/y4k8m9f
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Danke für den Link! Eben erst entdeckt...
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180 Seiten. 20 Abbildungen. Gebunden.
16,99 €
Ausgabe 20/2012
16.05.2012
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