DIE EINLADUNG von Florian Scheibe

Premierenkritik Boulevard-Uraufführung durch das Inseltheater Moabit (im Theater O-TonArt, Berlin)
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Komödienschreiben dürfte so ziemlich mit zum Schwierigsten gehören, was Autoren so passieren kann - der Autor Florian Scheibe hatte hiermit kein gravierendes Problem und legte einfach mal drauf los.

Mit seinem Stück Die Einladung traktierte er wortreich und angriffslustig ein gutbürgerliches Einerleismilieu, wo sich zwei gut betuchte Paare (Ärztin/Schriftsteller versus Werbefachfrau/-mann) in der Wohnung eines dieser Paare treffen, um sich gegenseitig mit Smalltalk-Sprechblasen einzudecken. Es wird viel herumgeplappert, halt so in der Art wie Paare, die sich ab und an mal hie oder mal da besuchen, das so tun. Man kennt sich zwar schon lange, doch man hat sich halt nicht allzu viel zu sagen - außer dass ein ganz bestimmtes Thema, was dann den Gesprächspartnern sehr feurig auf den Nägeln brennt, zum Anlass tiefschürfenderer Konversation gerät:

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Die beiden halbwüchsigen Töchter der zwei Paare - selbige sind physisch unanwesend - scheinen wohl die dicksten Freundinnen zu sein, obgleich sie, dem Erzählen nach, fast überhaupt nicht miteinander kompatibel sind: die eine Göre fristet ihr vorpubertäres Dasein in 'nem sauteueren Tennisclub in Florida, die andere verbringt ihr Waldorfschulfrei auf 'nem Bio-Pferdehof bei Feldberg, wo dann wiederum die beiden Elternpaare sich vor langer, langer Zeit ein Weekend-Domizil für viel, viel Geld errichteten; das nutzen sie dann immer wieder mal in ihrer Freizeit und im Uraub, mal zusammen, mal allein für sich etc. pp.

Laura (Göre 1) will Lotte (Göre 2) nicht mehr - wie all die Jahre vorher - zum Geburtstag einladen. Ein aufregender Zwischenfall im Grundgeflecht der (auch die Gören-Nebenleben arg beobachtenden und bewertenden) zwei Freundespaare. Und der eigentliche Anlass, warum man sich also diesmal trifft, ist der, den aufregenden Zwischenfall (in puncto Gören-Nebenleben) auszudiskutieren.

Dabei wird dann Dies & Das, was all die Jahre vorher nicht, noch nicht oder nicht mehr zur Sprache kam, "verhandelt". Beispielsweise auch, dass Clara (die Ärztin) früher mal ein sexuelles Techtelmechtel mit Steffen (dem Werbefachmann) hatte. Oder dass Jan (der Schriftsteller) seit zwei Jahren eine Schreibblockade mit einhergehenden Panikattacken hätte. Und dass Anne (die Werbefachfrau) das eigentliche Hirn der familienbetrieblichen Werbeagentur war, ist und bleibt - trotz ihrer momentanen Schwangerschaft.

Alles banalstes Alltagszeug also, ja und wir Zuschauer und Zuhörer finden uns prima in dem Allen wieder - der eine mehr, der andere womöglich weniger.

*

Mit leichter Hand und guter Laune hat das Poyraz Türkay inszeniert.

Und Susa Jasperbrinkmann (als Anne), Henrik Sebastian Zoch (als Steffen), Annette Kraß (als Clara) und Oliver Jaekel (als Jan) laufen zu schauspielernder Hochform auf.

Ein Boulevard vom Feinsten.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 27.05.2019.]

DIE EINLADUNG (Theater O-TonArt, 26.05.2019)
Regie: Poyraz Türkay
Dramaturgie/Regie: Poyraz Türkay
Assistenz: Klara Jasperbrinkmann
Bühnenbild: Poyraz Türkay und Annette Kraß
Kostüme: Rebekka Krause
Produktionsleitung: Annette Kraß
Besetzung:
Anne ... Susa Jasperbrinkmann
Steffen ... Henrik Sebastian Zoch
Clara ... Annette Kraß
Jan ... Oliver Jaekel
Uraufführung war am 26. Mai 2019.
Weitere Termine: 29.05. / 06.-08., 20.-22.06. / 08.-11.08. / 05., 06., 08.9.2019
Eine Produktion vom Inseltheater Moabit

16:04 27.05.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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