MESSA DA REQUIEM von Giuseppe Verdi

Konzertkritik Spektakuläre Darbietung mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester und dem Rundfunkchor Berlin
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Das Opernhafte liegt Marek Janowski ganz besonders stark. Dass er sich seiner Zeit aus dem regielastigen Opernweltgetümmel sehr bewusst zurückgezogen hatte, also nichts dann mehr mit Opernregisseuren oder so zu schaffen haben wollte [wir sind sehr gespannt, wie er sich nächsten Sommer auf Frank Castorf einzustell'n gedenkt; denn dessen Ring in Bayreuth ist fürwahr ein ganz besonders auffallendes Beispiel von regielastiger Eigenheit], heißt lange nicht, dass er nicht trotzdem oder ausgerechnet deshalb zu den allerbesten Operndirigenten heutzutage zählen würde. Mir ist - doch da bin ich höchstwahrscheinlich mehr denn eine unwissende Ausnahme - noch nicht bekannt, dass (auch nicht "damals") der Janowski Verdi-Opern dirigiert hätte; ich bitte, falls die Unterstellung falsch sein sollte, mich ganz dringend durch entgegnende Bebeispielung im Nachhinein zu korrigieren.

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Jetzt hatte er Verdis opernartige Messa da Requiem vorgeholt und mit dem Rundfunkchor Berlin (Choreinstudierung: Gijs Leenaars) und "seinem" RSB gestemmt:

Das war schon große Oper pur! So eine Art Otello unter Kanzeln.

Religiös-Anheimelndes kommt bei dem Verdi-Requiem sowieso nie auf. Eher vermeint man - wenn man "so was" will - spirituelle Schwängerungen in sich zu verspüren. Diese kalkulierten Zumutungen ans "Gefühl" sind von dem Italiener schon bis aufs Extreme ausgereizt. Und der Janowski, der ja auch ein fulminanter Maßhalter für sein Orchester ist, kann mit dem vielen Laut & Leise, Dick & Dünn und Schwer & Schwach vorzüglich umgehen. Die Übergänge, die er von den Musikern (und auch vom Chor) einfordert, wirken oft schon schockstarrhaft. Gleichsam geht nichts, aber auch überhaupt nichts an nachzuvollziehender Struktur und klanglicher Prägnanz verloren. Alles, was und wie er's umsetzt, macht totalen Sinn.

Diesem Konzertspektakel stand ein exzellent auf-/miteinander abgestimmtes SolistInnenquartett zur Verfügung: Hulkar Sabirova, Marina Prudenskaya, Stefano Secco und Günther Groissböck.

Ungebändigt-anhaltender Jubel.


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Rundfunkchor Berlin | © Jonas Holthaus

[Erstveröffentlichung von Andre Sokolowski am 05.11.2015 auf KULTURA-EXTRA]

MESSA DA REQUIEM (Philharmonie Berlin, 04.11.2015)
Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
Hulkar Sabirova, Sopran
Marina Prudenskaya, Mezzosopran
Stefano Secco, Tenor
Günther Groissböck, Bass
Rundfunkchor Berlin
Choreinstudierung: Gijs Leenaars
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Marek Janowski

10:45 05.11.2015
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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