Ex-Freitag-Autor wird "nd"-Chefredakteur

Tom Strohschneider Nach dem Relaunch im vergangenen Jahr bekommt das “neue deutschland” nun auch einen neuen Chefredakteur: Den Berliner Tom Strohschneider. Ein Ex-"dF"-Autor.
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(Foto: Autor)

Die sowjetische Militäradministratur erteilte dem „Neuen Deutschland“ im Jahre 1946 eine Zeitungslizenz. Der Zeitungstitel muss gewissermaßen als Programm gedacht gewesen sein. Sozusagen ein programmatischer Blick auf Zeitungspapier nach vorn. In eine friedliche Zukunft. Vorwärts, aber nicht Vergessen. Nach dem Ende des barbarischen, von den deutschen Faschisten vom Zaune gebrochenen Zweiten Weltkrieges. Von der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1949 bis zu deren nahen Ende im Wendejahr 1989 benutzte (deutlicher: missbrauchte) die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) das Blatt der Ersten Stunde als Zentralorgan für die Ideologisierung der Bevölkerung des so genannten „Arbeiter- und Bauernstaats“ DDR.

Aus “Neues Deutschland” wurde “neues deutschland”

Mit Mühe, Not, dabei zahlreiche ihm von den neuen Mächtigen des vereinten Deutschland (u.a. über den Umweg des Werkzeugs „Treuhand“) in den Weg gelegte Steine mit viel Fleiß und Durchhaltevermögen überspringend, gelang des dem „Neuen Deutschland“ – als eine der wenigen politisch links verorteten Zeitung Deutschlands – wieder einigermaßen Fuß im neuen Deutschland zu fassen. Der Weg bis ins Heute war – und er wird es weiter bleiben – ein harter Kampf. Um Abonnenten und mehr verkaufte Zeitungsexemplare im freien Verkauf. Im vergangenem Jahr wagte sich die Zeitung an einen Relaunch. Aus „Neues Deutschland“ wurde ein „neues deutschland“ mit frischerem Erscheinungsbild.

Der Berliner Tom Strohschneider wird “nd”-Chefredakteur

Wie „nd“-Geschäftsführer Olaf Koppe bereits gestern verbreitete, steht nun abermals eine Änderung, das Blatt betreffend, an: „ Der in Berlin gebürtige Journalist Tom Strohschneider wird zum 1. August Chefredakteur der Tageszeitung »neues deutschland«. In einer Übergangszeit wird er die Redaktion noch gemeinsam mit Ko-Chefredakteur Jürgen Reents leiten, danach alleine.“ Reents (62) gehört zu den Gründungsmitgliedern der Grünen und hat den Posten des „nd“-Chefredakteurs 1999 von Reiner Oschmann übernommen. Laut „nd“ soll Jürgen Reents nach seinem Ausscheiden aus dieser Funktion voraussichtlich zum Jahresanfang 2013 in verantwortlicher Position für die Zeitung tätig bleiben.

Generationswechsel

Mit dem anvisierten, gleitenden, Wechsel auf Tom Strohschneider (38) findet nun auch ein Generationswechsel an der Redaktionsspitze des „nd“ statt. Nach der Verjüngung des Zeitungserscheinungsbildes, sozusagen, ein abermalige Auffrischung der Spitze des Blattes.Dazu der „nd“-Geschäftsführer Olaf Koppe nach der Entscheidung der Gesellschafter auf einer Belegschaftsversammlung am gestrigen Dienstag: Er sehe diese „als eine Investition in die Zukunft der Zeitung. „nd“ müsse sich den drängenden Herausforderungen auf dem Medienmarkt stellen und wolle einen personellen und strukturellen Impuls zur Erschließung neuer Leserpotentiale geben. Auch im Internet wolle die Zeitung ihre publizistische Präsenz verstärken.“ („nd“)

Tom Strohschneider …

… begann nach seinem Studium der Geschichte, Kultur, Soziologie und Politik an der Humboldt-Universität und in Graz seine journalistische Laufbahn im Jahr 2000 als Volontär beim „nd“. War dann bis 2008 als Redakteur im Inland-Ressort dieser Zeitung tätig, sowie stellvertretender Ressortleiter. Zudem vertrat er die Belegschaft als Betriebsratsvorsitzender der ND GmbH. Anfang 2008 wechselte Strohschneider zur Wochenzeitung „Der Freitag“. Dann ging er zur „taz“ (Meinungsressort). Darüber hinaus zeichnet Strohschneider seit einigen Jahren für eine eigene Online-Plattform verantwortlich. Gemeinsam mit Wolfgang Hübner, dem stellvertretenden Chefredakteur des „nd“, schrieb der das Buch „Lafontaines Linke“.

Mit Tom Strohschneider gewinnt das „neue deutschland“ einen hervorragenden Journalisten. Die Zeitung kann sich glücklich preisen. Gewiss werden anderen Redaktionen Tom Strohschneider nachweinen. Etwa „der Freitag“, der sich das Talent eigentlich hätte sichern müssen. Strohschneiders Texte sind intelligent. Seine „Schreibe“ ist erfrischend und fesselnd. Ein Talent, in dem bestimmt noch mehr steckt. Glückwunsch dem „nd“ zum künftigen „Neuen“ auf dem Sessel des Chefredakteurs! Auf Strohschneider wartet indes viel Arbeit. Ihm soll es - das verspricht sich sein künftiger Arbeitgeber gewiss von dem "Neuen" - mit Kraft, Frische und neuen, zündenden Ideen gelingen, das "nd" sozusagen wetterfest für die nächsten Jahre zu machen. Und das Blatt als eines der (zu) wenigen links verorteten Medien hierzulande zu stabilisieren, damit es wirklich auf Dauer erhalten bleibt. Was nicht einfach sein wird. In der weiter fortschreitenden Krise und damit verbundenem Kaufkraftverlust potentieller Zeitungsleser. Noch steigen die Abonentenzahlen des "nd" zu langsam. Und nach wie vor schwächelt (vor allem in den Altbundesländern) der freie Verkauf des "neuen deutschland". Tom Strohschneider wird also in den kommenden Jahren über mangelnde Arbeit nicht zu klagen haben. Eine lohnende, wie interessante, aber auch schwierige Aufgabe erwartet den jungen Journalisten nun. Deshalb ist Tom Strohschneider alles Gute auf den Weg zu wünschen! Auch von hier aus.

12:11 26.07.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

asansörpress35

Politischer Mensch, der seit der Schulzeit getrieben ist, schreibend dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen.
asansörpress35

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