Der „Ring“ in Bayreuth: Apocalypse mau

Oper No future, nirgends. Aber auch: no Witz, nirgends. Valentin Schwarz und Cornelius Meister haben mit ihrer Inszenierung des Rings bei den Bayreuther Festspielen den Zorn der Wagnerianer auf sich gezogen. Es bleibt viel zu tun
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 32/2022

Oben am Bauzaun erkennt Brünnhilde den Sinn der Welt und steigt hinab in den trockenen und abgesifften Pool, dorthin, wo vor 16 Stunden alles begann: wohlpoliert, versteht sich. Wo der impotente Alberich das kleine Systemsprenger-Kind Hagen aus dem Kinder-Hort der Rheintöchter raubte, um ihn zum wütenden Killer zu formen, zum Rächer der Nibelungen. Jetzt, in der Götterdämmerung am Ende der Tetralogie, führt Brünnhilde eine Art Salome-Tänzchen mit dem abgehackten Kopf ihres geliebten „Dieners“ (oder Pferdes) Grane auf und bettet sich schließlich neben ihren toten Gatten Siegfried. Das gemeinsame Kind, das die Superhelden zum Seelenkrüppel und Bettnässer erzogen haben, ist längst gestorben. Und jetzt, wenige Minuten